Corona, China und der Irak − Päpstlicher Empfang für das Diplomatische Corps

Abtreibung und Euthanasie

Verspäteter Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps.
Verspäteter Neujahrsempfang für das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Corps.

(Rom) Gestern hol­te Papst Fran­zis­kus den Neu­jahrs­emp­fang für das beim Hei­li­gen Stuhl akkre­di­tier­te Diplo­ma­ti­sche Corps nach. Ursprüng­lich soll­te die­ser bereits am 25. Janu­ar statt­fin­den, muß­te jedoch wegen eines star­ken Ischia­s­an­falls des Pap­stes aus­fal­len mit dem Hin­weis, ihn zu einem spä­te­ren Zeit­punkt nachzuholen.

Anders als wegen des Coro­na­vi­rus für den eigent­li­chen Ter­min ange­kün­digt, fand die Begeg­nung dann doch nicht in der weit­läu­fi­gen, aber unper­sön­li­chen Päpst­li­chen Audi­enz­hal­le Pao­lo VI, son­dern in der Bene­dik­ti­ons­au­la des Apo­sto­li­schen Pala­stes statt. Nor­ma­ler­wei­se emp­fängt der Papst die Bot­schaf­ter der ver­schie­de­nen Staa­ten in der Sala Regia. Da der­zeit Coro­na-Maß­nah­men omni­prä­sent sind, erfolg­te eine Ver­le­gung in die grö­ße­re Bene­dik­ti­ons­au­la, die durch die Sala Regia erreicht wird und den Zugang zur Bene­dik­ti­ons­log­gia ermög­licht. Auf die­ser auf den Peters­platz gerich­te­ten Mit­tel­log­gia zeigt sich nach dem Kon­kla­ve der neu­ge­wähl­te Papst der Stadt und dem Erd­kreis. Von die­ser Log­gia spen­det er zu beson­de­ren Anläs­sen auch den Apo­sto­li­schen Segen Urbi et orbi.

Die päpst­li­che Anspra­che an die Bot­schaf­ter weist eini­ge Zwi­schen­über­schrif­ten auf, die beson­de­re Schwer­punk­te her­vor­he­ben: „Gesund­heits­po­li­tik“, „Umwelt­kri­se“, „Wirt­schaft­li­che und sozia­le Kri­se“ und „Kri­se der Politik“.

Der Besuch im Irak

Gleich zu Beginn sei­ner Anspra­che bekräf­tig­te Fran­zis­kus sei­nen Wunsch, den Irak zu besu­chen. Zeit­gleich mit dem Emp­fang für die Diplo­ma­ten ver­öf­fent­lich­te das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt das Pro­gramm für die Irak-Rei­se. Sie wird vom 5.−8. März dauern. 

Der erste Tag ist den offi­zi­el­len Begeg­nun­gen mit dem Staats­prä­si­den­ten, der Regie­rung des Iraks, dem Diplo­ma­ti­schen Corps und Ver­tre­tern der Zivil­ge­sell­schaft vor­be­hal­ten. Am Abend ist in der katho­li­schen Kathe­dra­le von Bag­dad ein Zusam­men­tref­fen mit den Bischö­fen, Prie­stern, Ordens­leu­ten, Semi­na­ri­sten und Kate­che­ten vorgesehen. 

Der 6. März dient der Begeg­nung mit dem Ober­haupt der ira­ki­schen Schii­ten, Groß­aja­tol­lah Ali as-Sista­ni in Nad­schaf, einer der sie­ben hei­li­gen Städ­te des schii­ti­schen Islams. Dort befin­det sich die Imam-Ali-Moschee, in der Ali ibn Abi Talib, ein Vet­ter und Schwie­ger­sohn Moham­meds,  begra­ben liegt. Er war von 656−661 der vier­te „recht­ge­lei­te­te Kalif“ und wird von den Schii­ten als erster der Zwölf Ima­me gezählt.
Auf die Begeg­nung mit as-Sista­ni folgt ein „inter­re­li­giö­ses Tref­fen“ in Ur, das im drit­ten vor­christ­li­chen Jahr­tau­send das Zen­trum der Sume­rer war. Die­ses Tref­fen gilt neben der Begeg­nung mit den Chri­sten des Lan­des als Haupt­pro­gramm­punkt und zen­tra­ler Grund für die Papst-Rei­se.
Am Abend wird Fran­zis­kus in der chaldäi­schen Kathe­dra­le von Bag­dad eine Mes­se zele­brie­ren. Die chaldä­isch-katho­li­sche Kir­che, eine 1553 ent­stan­de­ne Abspal­tung der nesto­ria­ni­schen Assy­ri­schen Kir­che des Ostens, ist seit 1681 mit Rom uniert.

Den drit­ten Besuchs­tag wird Fran­zis­kus im ira­ki­schen Kur­di­stan ver­brin­gen. Nach Begeg­nun­gen mit dem Prä­si­den­ten und dem Regie­rungs­chef der Auto­no­men Regi­on Kur­di­stan in Arbil (Erbil) wird Fran­zis­kus in Mos­sul für die Opfer des Krie­ges beten.
Anschlie­ßend wird der Papst in der Nini­ve-Ebe­ne süd­öst­lich von Mos­sul die christ­li­che Stadt Kara­kosch (Bagh­di­da) besu­chen. 98 Pro­zent der Ein­woh­ner sind Assy­rer und spre­chen Ara­mä­isch. Sie gehö­ren zum Groß­teil der mit Rom unier­ten syrisch-katho­li­schen Kir­che an, eine Min­der­heit der syrisch-ortho­do­xen Kir­che. 2014 wur­de die Stadt zur Ziel­schei­be der Dschi­had-Miliz Isla­mi­scher Staat (IS). Nach­dem die Bevöl­ke­rung geflo­hen war, muß­te der von kur­di­schen Peschmer­ga unter­stütz­te assy­ri­sche Selbst­schutz die Stadt räu­men, die am 6. August 2014 vom Isla­mi­schen Staat (IS) erobert wur­de. Zwei Jah­re blieb Kara­kosch in den Hän­den der Dschi­ha­di­sten, die im Okto­ber 2016 die Stadt kampf­los auf­ga­ben, als die ira­ki­schen Streit­kräf­te vor­rück­ten. Nur die Hälf­te der rund 50.000 Chri­sten, die 2014 die Stadt bewohn­ten, ist seit­her zurück­ge­kehrt. Vie­le sind aus­ge­wan­dert. Der Wie­der­auf­bau der von den Isla­mi­sten zer­stör­ten syrisch-katho­li­schen Gro­ßen al-Tahi­ra-Kir­che, der wich­tig­sten Kir­che der Stadt, ist mit Unter­stüt­zung des Hilfs­werks Kir­che in Not im Gan­ge. Die Dschi­ha­di­sten zer­stör­ten alle christ­li­chen Sym­bo­le an der Kir­che und benutz­ten sie als Schieß­stand.
Abends wird Papst Fran­zis­kus als letz­ten Pro­gramm­punkt sei­nes Irak-Besu­ches im Fran­so-Hari­ri-Sta­di­on in Arbil eine Mes­se zele­brie­ren. Benannt ist das Sta­di­on nach dem assy­ri­schen Chri­sten und Poli­ti­ker Fran­so Hari­ri, der Gou­ver­neur der Pro­vinz Arbil und Mini­ster der Regio­nal­re­gie­rung von Kur­di­stan war. 2001 wur­de er von isla­mi­schen Ter­ro­ri­sten ermor­det. Sein Sohn Faw­zi Hari­ri war 2006−2010 ira­ki­scher Bun­des­mi­ni­ster für Indu­strie und Boden­schät­ze. Seit 2019 ist er Kabi­netts­chef des Prä­si­den­ten der Auto­no­men Regi­on Kur­di­stan.

Die Zer­stö­rungs­wut des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) gegen Kir­chen in den von ihm erober­ten Gebieten

Das Geheimabkommen mit den chinesischen Kommunisten

Gleich im ersten Teil sei­ner Aus­füh­run­gen vor dem Diplo­ma­ti­schen Corps nahm Fran­zis­kus zum Geheim­ab­kom­men mit der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na Stel­lung. Inhalt des im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res ver­län­ger­ten Abkom­mens ist eine Über­ein­kunft für Bischofs­er­nen­nun­gen. Wört­lich sag­te der Papst:

„Dar­über hin­aus haben der Hei­li­ge Stuhl und die Volks­re­pu­blik Chi­na am 22. Okto­ber ver­ein­bart, die Gül­tig­keit des 2018 in Peking unter­zeich­ne­ten vor­läu­fi­gen Abkom­mens bezüg­lich der Ernen­nung von Bischö­fen in Chi­na um wei­te­re zwei Jah­re zu ver­län­gern. Es han­delt sich um eine Über­ein­kunft, die im Wesent­li­chen pasto­ra­ler Natur ist. Der Hei­li­ge Stuhl hofft, dass der ein­ge­schla­ge­ne Weg im Gei­ste des Respekts und gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens wei­ter­geht und zur Lösung von Fra­gen gemein­sa­men Inter­es­ses wei­ter­hin beiträgt.“

Der Schutz des Lebens

Am Beginn des Kapi­tels „Gesund­heits­po­li­tik“, das sich der Coro­na-Kri­se wid­me­te, sprach Fran­zis­kus über Abtrei­bung und Eutha­na­sie, ohne bei­de Angrif­fe gegen das Leben beim Namen zu nennen:

„Die Pan­de­mie hat uns mit vol­ler Wucht zwei unaus­weich­li­che Dimen­sio­nen der mensch­li­chen Exi­stenz vor Augen gestellt: Krank­heit und Tod. Gera­de dadurch erin­nert sie auch an den Wert des Lebens, jedes ein­zel­nen mensch­li­chen Lebens, und an sei­ne Wür­de in jedem Augen­blick sei­nes irdi­schen Weges, von der Emp­fäng­nis im Mut­ter­leib bis zu sei­nem natür­li­chen Ende. Bedau­er­li­cher­wei­se ist fest­zu­stel­len, dass sich unter dem Vor­wand, ver­meint­li­che sub­jek­ti­ve Rech­te zu garan­tie­ren, eine wach­sen­de Zahl von Gesetz­ge­bun­gen in der gan­zen Welt von der unab­ding­ba­ren Pflicht, mensch­li­ches Leben in jeder Pha­se zu schüt­zen, zu ent­fer­nen scheint.“

Kur­ze per­sön­li­che Refe­renz der Bot­schaf­ter auf Corona-Distanz

Ein jüng­stes Bei­spiel einer Gesetz­ge­bung, die sich „von der unab­ding­ba­ren Pflicht, mensch­li­ches Leben in jeder Pha­se zu schüt­zen“, ent­fernt, lie­fer­te Argen­ti­ni­en, die Hei­mat von Fran­zis­kus. Am 30. Dezem­ber stimm­te als zwei­te Kam­mer auch der argen­ti­ni­sche Senat dafür, daß die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der lega­li­siert wird. Am 14. Janu­ar unter­zeich­ne­te der link­s­pe­ro­ni­sti­sche Staats­prä­si­dent Alber­to Fer­nan­dez das Gesetz, das er selbst ein­ge­bracht hat­te, und setz­te es in Kraft. Die­se Art von Gesetz­ge­bun­gen „schei­nen“ sich aller­dings nicht nur von die­ser „unab­ding­ba­ren Pflicht“ zu ent­fer­nen, son­dern haben sich zwei­fel­los ent­fernt. Ein unge­bo­re­nes Kind, das abge­trie­ben wird, scheint nicht getö­tet wor­den zu sein, son­dern wird getö­tet. Ein eutha­na­sier­ter alter oder kran­ker Mensch scheint nicht eutha­na­siert zu wer­den, son­dern wird eutha­na­siert, wie es in Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den als „Tötung auf Ver­lan­gen“ auch tra­gi­sche Wirk­lich­keit ist. Ein jüng­stes Nega­tiv­bei­spiel für die Aus­brei­tung der Eutha­na­sie stellt Por­tu­gal dar, wo das Par­la­ment am 29. Janu­ar für die Lega­li­sie­rung der soge­nann­ten „akti­ven Ster­be­hil­fe“ stimm­te. Unklar ist noch, ob Staats­prä­si­dent Mar­ce­lo Rebelo de Sou­sa, ein Christ­de­mo­krat und Ver­fas­sungs­recht­ler, das Gesetz unter­zeich­nen wird.

Ob Joe Biden, der neue Haus­herr im Wei­ßen Haus, die Auf­for­de­rung von Papst Fran­zis­kus auf sich bezo­gen haben wird? Bis­her weicht San­ta Mar­ta jeder Gele­gen­heit aus, Biden mit des­sen Abtrei­bungs­hal­tung zu kon­fron­tie­ren. Im Vor­feld der Prä­si­dent­schafts­wah­len war der US-Bischofs­kon­fe­renz auf­ge­tra­gen wor­den, sich nicht gegen Biden oder für Trump auszusprechen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screenshot)/MiL

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