Papst Franziskus ordnet Finanz- und Immobilienverwaltung nach Finanzskandal neu

Übergangs- und Kontrollkommission errichtet

Schreiben von Papst Franziskus vom 25. August 2020 an Kardinalsstaatssekretär Parolin.
Schreiben von Papst Franziskus vom 25. August 2020 an Kardinalsstaatssekretär Parolin.

(Rom) Papst Fran­zis­kus hat die Ver­wal­tung der Finanz­mit­tel und Immo­bi­li­en, die bis­her dem Staats­se­kre­ta­ri­at oblag, der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung APSA über­tra­gen. Damit zog das Kir­chen­ober­haupt die Kon­se­quen­zen aus dem jüng­sten Finanz­skan­dal. Unklar ist, war­um die Reak­ti­on erst jetzt erfolg­te und sich San­ta Mar­ta dadurch von der Ent­hül­lung des Skan­dals über­ra­schen ließ.

Am Mitt­woch, dem 4. Novem­ber, ver­sam­mel­te Fran­zis­kus eine hoch­ran­gi­ge Run­de von Dikaste­ri­en­lei­tern. Anwe­send waren Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin und des­sen Sub­sti­tut Msgr. Edgar Peña Par­ra sowie Msgr. Fer­nan­do Ver­gez, der Gene­ral­se­kre­tär des Gover­na­to­rats des Staa­tes der Vati­kan­stadt, Msgr. Nun­zio Galan­ti­no, der Vor­sit­zen­de der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung APSA und P. Juan Anto­nio Guer­re­ro SJ, der Prä­fekt des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats.

Gegen­stand der Sit­zung war die Umset­zung der von Papst Fran­zis­kus mit Schrei­ben vom 25. August 2020 an den Kar­di­nal­staats­se­kre­tär gefor­der­ten Über­tra­gung der Finanz- und Immo­bi­li­en­ver­wal­tung vom Staats­se­kre­ta­ri­at an die Apo­sto­li­sche Güter­ver­wal­tung. Am Mitt­woch errich­te­te Fran­zis­kus dafür eine Über­gangs- und Kon­troll­kom­mis­si­on, die mit sofor­ti­ger Wir­kung die genann­te Über­tra­gung zum Abschluß zu brin­gen hat. Ihr gehö­ren Msgr. Peña Par­ra, Msgr. Galan­ti­no und Prä­fekt Guer­re­ro SJ an.

Dem Staats­se­kre­ta­ri­at wer­den nicht nur die bis­her dort ver­wal­te­ten Finan­zen und Immo­bi­li­en ent­zo­gen, dar­un­ter der Peters­pfen­nig, son­dern auch jede Auf­sicht über die Finan­zen ande­rer vati­ka­ni­scher Insti­tu­tio­nen. Die Finanz- und Immo­bi­li­en­ver­wal­tung wird der APSA, die Auf­sicht dem Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at über­tra­gen. Letz­te­res soll­te, als es 2014 errich­tet wur­de, Ver­wal­tung und Auf­sicht über­neh­men. Nun wur­de es vom Papst auf­grund der Neu­re­ge­lung auf­ge­for­dert, die Auf­lö­sung der Ver­wal­tungs­ab­tei­lung zu prüfen.

Unge­wöhn­li­cher­wei­se wur­de vom vati­ka­ni­schen Pres­se­amt gestern auch das genann­te Schrei­ben des Pap­stes ver­öf­fent­licht. Unge­wöhn­lich ist auch die Chro­no­lo­gie der Ereig­nis­se. Die Ver­öf­fent­li­chung des mit 25. August datier­ten Brie­fes soll gegen­über der Öffent­lich­keit offen­bar bele­gen, daß Papst Fran­zis­kus bereits vor Bekannt­wer­den des Finanz­skan­dals kla­re Schrit­te ent­schie­den hat­te. Dem­nach wäre Ende Sep­tem­ber die Ent­hül­lung des Skan­dals um Kar­di­nal Ange­lo Becciu mit­ten in die bereits im Gan­ge befind­li­che Neu­ord­nung hineingeplatzt. 

Wenn Fran­zis­kus aber bereits über das Aus­maß des Finanz­skan­dals unter­rich­tet war (im Schrei­ben wer­den aus­drück­lich die Immo­bi­li­en­käu­fe in Lon­don und der Fonds Cen­tu­r­i­on erwähnt, auf die ein beson­de­res Augen­merk gerich­tet wer­den sol­le) und ent­spre­chen­de Maß­nah­men ergriff, war­um sind dann mehr als zwei Mona­te ver­gan­gen, bis ein simp­ler Schritt, wie die Ein­be­ru­fung des Tref­fens vom Mitt­woch, erfolg­te? Gera­de auch, weil damit ein­trat, womit jeden Augen­blick gerech­net wer­den muß­te, daß der Skan­dal durch irgend­ei­ne undich­te Stel­le zu den Medi­en durch­sickern wür­de. Dies gilt umso mehr, als Fran­zis­kus im Schrei­ben den Kar­di­nal­staats­se­kre­tär aus­drück­lich auf­for­dert, die genann­te Sit­zung zur Errich­tung einer bereits erwähn­ten Kom­mis­si­on „so schnell wie mög­lich“ einzuberufen.

In Rom gibt es des­halb Beob­ach­ter, die sinn­ge­mäß mei­nen: Wür­de das Schrei­ben nicht ein Datum von August tra­gen, müß­te ange­nom­men wer­den, es sei erst kurz vor der Sit­zung, jeden­falls erst nach dem Explo­die­ren des Finanz­skan­dals ver­faßt worden.

Tat­sa­che ist, daß das Staats­se­kre­ta­ri­at und der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär die gro­ßen Ver­lie­rer der Akti­on sind, was die Annah­me erlaubt, daß Fran­zis­kus Kar­di­nal Paro­lin zumin­dest unter­las­se­ne Auf­sicht ankrei­det, die die­ser über das Finanz­ge­ba­ren sei­nes Sub­sti­tu­ten Becciu aus­üben hät­te sol­len. Man kann noch wei­ter gehen: Papst Fran­zis­kus berei­tet schon län­ger durch eine Rei­he von Maß­nah­men sei­ne Nach­fol­ge vor. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin, der zwar als Papa­bi­le gilt, gehört offen­sicht­lich nicht zum Krei­se sei­ner Auserwählten. 

Der gro­ße Gewin­ner hin­ge­gen ist die Apo­sto­li­sche Güter­ver­wal­tung APSA, deren Füh­rung sich sei­ner­zeit mit oder par­al­lel zu Becciu beson­ders ener­gisch den Bemü­hun­gen von Kar­di­nal Geor­ge Pell wider­setz­te, die vom Papst dem Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at über­tra­ge­nen Zustän­dig­kei­ten umzu­set­zen. Wie die „Ange­le­gen­heit Pell“ aus dem Weg geräumt wur­de, beschäf­tigt inzwi­schen die Poli­zei und Staats­an­walt­schaf­ten von gleich drei Staaten. 

Ob die APSA der geeig­ne­te Hort für die nun statt­fin­den­de Bal­lung von Ver­mö­gens­wer­ten ist, wird nicht von allen Finanz­ex­per­ten bejaht. Die Apo­sto­li­sche Güter­ver­wal­tung stand in der Ver­gan­gen­heit selbst schon im Ver­dacht undurch­sich­ti­ger Vor­ge­hens­wei­sen. Von Fran­zis­kus wur­de die APSA den­noch bis­her nicht beschnit­ten, son­dern viel­mehr gestärkt. Dabei brach­te er auch einen sei­ner Schütz­lin­ge, den argen­ti­ni­schen Bischof Gusta­vo Zan­chet­ta unter, was die enge Ver­bin­dung zwi­schen APSA und San­ta Mar­ta unterstreicht. 

Aller­dings tausch­te Fran­zis­kus 2018 die Füh­rungs­spit­ze der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung durch Per­so­nen wie Msgr. Galan­ti­no aus, denen er ganz ver­traut. Sei­ne sehr eigen­wil­li­gen Ernen­nungs­me­tho­den schütz­ten Fran­zis­kus in der Ver­gan­gen­heit nicht vor ekla­tan­ten Fehl­grif­fen.

Die Errich­tung der neu­en Über­gangs- und Kon­troll­kom­mis­si­on bestä­tigt mit der Ernen­nung von Msgr. Guer­re­ro, einem Mit­bru­der des Pap­stes im Jesui­ten­or­den, daß Fran­zis­kus nicht beab­sich­tigt, Kar­di­nal Geor­ge Pell öffent­lich zu reha­bi­li­tie­ren, indem er ihn wie­der in des­sen altes Amt an der Spit­ze des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats oder in ein ande­res sei­nem Rang ent­spre­chen­des Amt einsetzt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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