Revolution durch die Hintertür

Die Amazonaskirche als revolutionäres Gegenmodell zur Kirche Jesu Christi

REPAM-Generalsekretär Mauricio Lopez mit Kardinal Hummes (Vorsitzender von REPAM und der neuen Kirchlichen Amazonaskonferenz) und Papst Franziskus.
REPAM-Generalsekretär Mauricio López mit Kardinal Hummes (Vorsitzender von REPAM und der neuen Kirchlichen Amazonaskonferenz) und Papst Franziskus.

(Rom) Als im nach­syn­oda­len Schrei­ben Que­ri­da Ama­zo­nia die erwar­te­te „Revo­lu­ti­on“ aus­blieb, ging ein Stoß­seuf­zer der Erleich­te­rung durch die Rei­hen der Kir­che. Man lehn­te sich zurück und senk­te die Alarm­stu­fe. Des­halb wur­de kaum Notiz von der Grün­dung der Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zonía genom­men. Über die­se „Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz“ ver­öf­fent­lich­te der Osser­va­to­re Roma­no einen Arti­kel aus der Feder von Mau­ricio López Oro­pe­za, dem Gene­ral­se­kre­tär von REPAM.

Die Red Ecle­si­al Pan-Ama­zo­ni­ca (REPAM) ist ein kirch­li­ches Ama­zo­nas­netz­werk, das im Herbst 2014 ins Leben geru­fen wur­de, um die Ama­zo­nas­syn­ode vor­zu­be­rei­ten, obwohl von die­ser offi­zi­ell erst im Herbst 2017, gan­ze drei Jah­re spä­ter, über­haupt die Rede sein soll­te. Die Vor­be­rei­tun­gen lie­fen schon lan­ge im Hin­ter­grund, noch ehe die Öffent­lich­keit, auch die katho­li­sche, etwas davon erfuhr. 

Den Anstoß dazu hat­te Anfang April 2014, das ist der frü­hest rekon­stru­ier­ba­re Zeit­punkt, eine Begeg­nung zwi­schen dem öster­rei­chi­schen Links-außen-Bischof Erwin Kräut­ler, damals Apo­sto­li­scher Vikar von Xin­gu in Bra­si­li­en, und Papst Fran­zis­kus gege­ben. REPAM ent­stand als lose inner­kirch­li­che Son­der­or­ga­ni­sa­ti­on in den Staa­ten, die Anteil am Ama­zo­nas­tief­land haben. Msgr. Kräut­ler wur­de Chef von REPAM-Bra­si­li­en, wäh­rend Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, ein per­sön­li­cher Freund und enger Ver­trau­ter des Pap­stes, den Gesamt­vor­sitz über­nahm. Damit war sicher­ge­stellt, daß die Ama­zo­nas­syn­ode in enger Abspra­che mit Fran­zis­kus vor­be­rei­tet wür­de und des­sen Wil­len ver­kör­pern sollte.

Durch die Aus­la­ge­rung an den fer­nen, exo­ti­schen, aber nicht wirk­lich Inter­es­se wecken­den Ama­zo­nas, ein stra­te­gi­scher Mei­ster­schach­zug, war von vor­ne­her­ein gewähr­lei­stet, daß sich die inner­kirch­li­che und inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit dafür in Gren­zen hal­ten und dadurch ein von kri­ti­schen Zwi­schen­ru­fen unge­stör­tes pro­gres­si­ves Arbei­ten mög­lich sein würde.

Die Amazonassynode und ihre revolutionäre Agenda

Als die Ama­zo­nas­syn­ode am 27. Okto­ber 2019 ende­te, hat­ten die im Vor­feld akri­bisch aus­ge­wähl­ten Syn­oda­len – abwei­chen­de Mei­nun­gen waren durch den „per­fek­ten Zuschnitt“ nicht exi­stent – eine revo­lu­tio­nä­re Agen­da beschlos­sen und im Schluß­do­ku­ment ver­an­kert. Die Palet­te reicht von einem natur­re­li­giö­sen Gaia- und Mut­ter-Erde-Geschwur­bel, das sich durch den Pach­a­ma­ma-Kult wäh­rend der Syn­ode mehr als nur ver­däch­tig mach­te, einen Göt­zen­kult zu reflek­tie­ren, über die Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Dorf­äl­te­ster zur Prie­ster­wei­he bis zu „neu­en Ämtern“ für Frau­en und einem neu zu schaf­fen­den Amazonasritus.

Ent­spre­chend groß war die Anspan­nung dar­über, was davon Papst Fran­zis­kus in sein nach­syn­oda­les Schrei­ben über­neh­men wür­de. Am 12. Febru­ar war es soweit: Que­ri­da Ama­zo­nia (Gelieb­tes Ama­zo­ni­en) wur­de ver­öf­fent­licht. Zur all­ge­mei­nen Über­ra­schung und weit­ge­hen­den Erleich­te­rung fand sich in den päpst­li­chen Syn­oden­schluß­fol­ge­run­gen nichts davon – zumin­dest auf den ersten Blick. 

Bei nähe­rer Betrach­tung schrieb Fran­zis­kus eini­ge Fall­stricke in den Text, die eine so groß­zü­gi­ge Aus­le­gung erlau­ben, daß die gesam­te Agen­da zu einem spä­te­ren Zeit­punkt durch die Hin­ter­tür doch wie­der her­ein­ge­holt wer­den kann. Die­se wenig pon­ti­fi­ka­le Vor­ge­hens­wei­se hat­te Fran­zis­kus bereits in sei­nem nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia vor­ex­er­ziert. Sie deu­te­te an, daß der dro­hen­de Sturm mög­li­cher­wei­se nur auf­ge­scho­ben war.

Pro­gres­si­ver Neo­ko­lo­nia­lis­mus: Indi­os miß­braucht für west­li­che 68er-Agenda?

Die Gründung der Kirchlichen Amazonaskonferenz

Nach meh­re­ren Mona­ten der Ruhe, die auch Coro­na-bedingt waren, gaben der Latei­ni­sche Bischofs­rat (CELAM), der Dach­ver­band aller Bischofs­kon­fe­ren­zen von Latein­ame­ri­ka und der Kari­bik, und REPAM am 29. Juni über­ra­schend die Errich­tung der Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zonía, der Kirch­li­chen Ama­zo­nas­kon­fe­renz, bekannt. Vor­sit­zen­der der neu­en Insti­tu­ti­on ist wie­der­um der REPAM-Vor­sit­zen­de Kar­di­nal Hummes.

Aus dem losen Netz­werk vor der Syn­ode wird nach der Syn­ode eine fest insti­tu­tio­na­li­sier­te Kon­fe­renz – und was für eine.

Mit der neu­en Ein­rich­tung wird naht­los an die revo­lu­tio­nä­re Agen­da ange­knüpft, die man­che bereits ad acta gelegt sahen, jeden­falls sehen woll­ten. Die neue Insti­tu­ti­on habe den Auf­trag, dem Vati­kan „ein wich­ti­ges Papier“ vor­zu­le­gen zur Fra­ge, wie in den „prie­ster­lo­sen Gegen­den ver­hei­ra­te­te Män­ner geweiht“ wer­den könnten.

Seit­her steht fest, daß die Ziel­set­zun­gen unver­än­dert sind und wei­ter­hin lau­ten: Schaf­fung eines neu­en Ama­zo­nas­ri­tus, Zöli­bats­auf­he­bung, Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zum Prie­ster­tum, Zulas­sung von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment, als Dia­ko­nin­nen – vor­erst –, und ande­re pro­gres­si­ve Alt­la­sten mehr.

Kirche von unten statt Kirche von oben. Die revolutionäre Agenda der Kirche mit Amazonaswurzeln.
Kir­che von unten statt Kir­che von oben. Die revo­lu­tio­nä­re Agen­da der Kir­che mit Amazonaswurzeln.

Modell zur Ersetzung der Bischofskonferenzen

Die Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zonía erfüllt dabei den Zweck eines Kol­lek­tiv­or­gans und soll eine Art grenz­über­schrei­ten­de Bischofs­kon­fe­renz für das Ama­zo­nas­ge­biet sein. Doch um eine Bischofs­kon­fe­renz han­delt es sich dabei nicht. Auch in der Zusam­men­set­zung des neu­en Kon­fe­renz­ty­pus wer­den neue Wege gegan­gen mit der Absicht, ein Modell zu kre­ieren und voll­ende­te Tat­sa­chen zu schaf­fen. Deut­lich wird das am Vor­stand der neu­en Ein­rich­tung, dem neben eini­gen Bischö­fen auch Ver­tre­ter des Ordens­dach­ver­ban­des und des Cari­tas-Dach­ver­ban­des für Latein­ame­ri­ka sowie drei Ama­zo­nas­in­di­os ange­hö­ren. Rein rech­ne­risch sind die Bischö­fe in der Minderzahl.

Die Schaf­fung völ­lig neu­er Insti­tu­tio­nen öff­net den Weg, mög­lichst „hin­der­li­che“ Rück­sicht­nah­men abzu­strei­fen und die ange­peil­ten Zie­le kon­se­quen­ter und direk­ter anstre­ben zu kön­nen. Für deren Umset­zung ist die Schaf­fung der Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zonía sogar von grund­le­gen­der Bedeu­tung. Das ver­deut­licht REPAM-Gene­ral­se­kre­tär Mau­ricio López, der am 10. Juli im Osser­va­to­re Roma­no (spa­ni­sche Aus­ga­be) die neue Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz vor­stel­len konn­te. Er tat es unter dem Schlag­wort: „Kir­che mit Ama­zo­nas­wur­zeln“. Davon war bereits vor der Ama­zo­nas­syn­ode die Rede, davon sprach Papst Fran­zis­kus im Zusam­men­hang mit der Ama­zo­nas­syn­ode und Que­ri­da Ama­zo­nia und unter Ver­weis dar­auf erklär­te Mau­ricio López nun im Osser­va­to­re Roma­no, der offi­ziö­sen Zei­tung des Pap­stes, was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist.

Die zen­tra­le Aus­sa­ge des López-Arti­kels fin­det sich dort, wo er für das gesam­te Unter­fan­gen in Anspruch nimmt, daß es sich bei den ange­streb­ten Zie­len um „Unter­neh­mun­gen“ han­delt, „die der Geist uns offen­bart hat“.

Der REPAM-Gene­ral­se­kre­tär bean­sprucht 2020 eine gött­li­che Offen­ba­rung für die mehr als 50 Jah­re alte Agen­da der kirch­li­chen 68er. Eine erstaun­li­che Entwicklung.

Mau­ricio López im Vatikan

„Zeit, daß die neuen Weinschläuche dem neuen Wein Raum geben“

López erklär­te, war­um es die neue Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zo­nia brau­che:

“Obwohl es schwie­ri­ger ist, mit vie­len Men­schen zu stricken, ist es not­wen­dig, dies gemein­sam zu tun. Die­se Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz ist das. Aus der Ama­zo­nas­syn­ode sind vie­le Vor­schlä­ge her­vor­ge­gan­gen, die weder von kirch­li­chen Juris­dik­tio­nen noch von ein­zel­nen Kir­chen, Orts­kir­chen oder Haus­kir­chen, iso­liert durch­ge­führt wer­den kön­nen. Auch REPAM kann kei­ne Auf­ga­ben aus­füh­ren, die ihre Netz­werki­den­ti­tät gefähr­den könn­te, da sie eine locke­re Platt­form mit spe­zi­fi­schen Dien­sten der Arti­ku­la­ti­on ist.“

López nennt als Aus­gangs­punkt nicht Que­ri­da Ama­zo­nia von Papst Fran­zis­kus, son­dern die Vor­schlä­ge der Ama­zo­nas­syn­ode, womit nur das Schluß­do­ku­ment gemeint sein kann. Dar­aus folgt: Auch wei­ter­hin will man, mit päpst­li­cher Ein­wil­li­gung, in der revo­lu­tio­nä­ren Ama­zo­nas-Werk­statt unge­stört den gro­ßen Umbruch vor­be­rei­ten und eben­so lei­se und schritt­wei­se umsetzen. 

Erz­bi­schof Bru­no For­te von Vas­to-Chie­ti hat­te in einem eupho­ri­schen Moment im Mai 2016 die dahin­ter­ste­hen­de Vor­ge­hens­wei­se von Fran­zis­kus ent­hüllt, was sei­ner per­sön­li­chen Kar­rie­re nicht för­der­lich war, aber der inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit einen bemer­kens­wer­ten Ein­blick ermöglichte.

López wei­ter:

„Es gibt vie­le Unter­neh­mun­gen, die der Geist uns offen­bart hat, die uns in ihrer Dimen­si­on über­ra­gen. Es ist Zeit, daß die neu­en Wein­schläu­che dem neu­en Wein Raum geben, indem sie all die ande­ren Pro­zes­se, die sich ergän­zen und kon­ver­gie­ren, auf­recht­erhal­ten und pfle­gen. Die­se Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz wird mit der REPAM, der CLAR [Con­fe­der­ación Lati­no­ame­ri­ca­na de Reli­gio­sos], der Cari­tas, den Orts­kir­chen und ande­ren Insti­tu­tio­nen in Dia­log tre­ten und auch Teil von CELAM sein, orga­nisch ver­bun­den, aber autonom.“

Im Ver­bor­ge­nen wird hier Hand an die hier­ar­chi­sche und apo­sto­li­sche Ver­fas­sung der Kir­che gelegt. Die ter­ri­to­ria­le Juris­dik­ti­on übt nach kirch­li­cher Ver­fas­sung allein der jewei­li­ge Orts­bi­schof aus. Nach dem Kon­zil wur­de die­ses Allein­stel­lungs­merk­mal der Kir­che Jesu Chri­sti durch die Bischofs­kon­fe­ren­zen als Kol­lek­tiv­or­ga­ne mit kol­lek­ti­ven Ent­schei­dungs­pro­zes­sen und Mehr­heits­be­schlüs­sen unter­gra­ben. Im Ama­zo­nas­re­gen­wald ent­steht nun ein neu­er Typus von Kol­le­gi­al­or­gan, das die bis­he­ri­ge Bischofs­kon­fe­renz erset­zen soll. Das deu­tet bereits der Name „Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz“ statt Bischofs­kon­fe­renz an. Wie bereits gesagt, gehö­ren die­sem neu­en Typus nicht nur die Bischö­fe des betref­fen­den Gebiets an. Sie sind viel­mehr in der Min­der­heit. Neben ihnen sit­zen Ver­tre­ter von Ordens­leu­ten, von ande­ren Insti­tu­tio­nen wie der Cari­tas und Lai­en als Ver­tre­ter der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung. Die genaue Zusam­men­set­zung der Con­fe­ren­cia Ecle­si­al de la Ama­zo­nia ist nicht bekannt, doch der Vor­stand spie­gelt sie wider.

López (rechts) mit Papst Fran­zis­kus im Peters­dom, vor­ne erkenn­bar der Kopf der Pachamama

Bei López klingt das so:

„Auf der ande­ren Sei­te ist sie kirch­lich, sie ist nicht nur eine bischöf­li­che Struk­tur, son­dern das Bischöf­li­che ist auch Teil des Kirchlichen.“

Und wei­ter:

„In die­sem Sin­ne öff­net sich der Weg zu die­ser Con­fe­ren­cia Ecle­si­al [Kirch­li­chen Kon­fe­renz], die unter der Bedin­gung der Gleich­heit Raum bie­tet und sich auch auf struk­tu­rel­ler, orga­ni­scher und gesetz­li­cher Ebe­ne ent­wickeln wird, sodaß es eine brei­te­re Betei­li­gung gibt.“

Die Ver­fas­sung von oben soll durch eine von unten ersetzt und die Kir­che damit demo­kra­ti­siert werden.

„Ich den­ke, es ist sehr klar, daß die Syn­ode uns neue Wege eröff­net und uns zum Mut auf­for­dert, neue Wege zu gehen.“

Und als Beleg, daß die Ver­fas­sung der Kir­che ins­ge­samt geän­dert wer­den soll, schreibt López über die Kirch­li­che Ama­zo­nas­kon­fe­renz und ihren Auftrag:

„Es ist Zeit und Raum bereit­zu­stel­len, damit die­se Kon­fe­renz rei­fen kann. Wir haben in die­sem Moment einen Schritt unter­nom­men, daß mit der Kir­che des Ter­ri­to­ri­ums in ihrer größ­ten Viel­falt und mit der Anwe­sen­heit von Orga­ni­sa­tio­nen des Hei­li­gen Stuhls ein Vor­schlag an Papst Fran­zis­kus für sei­ne Zustim­mung fest­ge­macht wird. Nach und nach wird sie [die Kon­fe­renz] struk­tu­rier­ter sein in der Absicht, eine ech­te Ant­wort des Lebens und der Hoff­nung inmit­ten die­ser Pan­de­mie zu sein, die ein Vor­her und ein Nach­her mar­kiert, einen glo­ba­len huma­ni­tä­ren Mei­len­stein, sodaß die­se Erfah­rung, von der wir glau­ben, daß sie eine Geste der Hoff­nung und des Lebens ist, auch ein Sym­bol für ande­re Bio­me, für ande­re Regio­nen und ande­re Rea­li­tä­ten für eine ech­te Syn­oda­li­tät sein kann.“

Anders aus­ge­drückt: Die Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats, die Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern und von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment ist „ein Sym­bol für eine ech­te Syn­oda­li­tät“ auch „für ande­re Bio­me, Regio­nen und Rea­li­tä­ten“ wie … die Bun­des­re­pu­blik Deutschland.

Das gilt dann sicher auch für alle ande­ren Aspek­te wie den Mut­ter-Erde-Kult, die Pach­a­ma­ma-Ver­eh­rung und Yuca-Hosti­en.

Bemer­kens­wert auch die von López vor­ge­nom­me­ne Zwei­tei­lung der Geschich­te, die an das Bruch-Nar­ra­tiv zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil mit der vor­kon­zi­lia­ren und der nach­kon­zi­lia­ren Ära erin­nert. Als abstru­ser Tritt­brett­fah­rer ent­larvt sich López aller­dings, wenn er das Auf­tre­ten des Coro­na­vi­rus als einen „glo­ba­len huma­ni­tä­ren Mei­len­stein“ bezeich­net, der die Mensch­heits- und Kir­chen­ge­schich­te in eine vor­pan­de­mi­sche und eine nach­pan­de­mi­sche Epo­che scheide. 

Das Coro­na­vi­rus ist offen­sicht­lich nicht nur in man­cher Staats­kanz­lei, son­dern auch in der Kir­che eini­gen zu Kopf gestiegen.

Wes Gei­stes Kind Mau­ricio López ist, ver­rät sein Face­book-Zugang, wo er got­tes­lä­ster­li­che Bil­der ver­öf­fent­licht und sich über die Got­tes­mut­ter lustig macht.

In die­sem Sin­ne ist es wohl auch López‘ Bot­schaft wäh­rend der Ama­zo­nas­syn­ode zu ver­ste­hen:

„Nach der Ama­zo­nas­syn­ode wird die Kir­che in Latein­ame­ri­ka nicht mehr die­sel­be sein“.

So lästert López in sozia­len Netz­wer­ken Gott

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Osser­va­to­re Romano/Facebook (Screen­shots)

6 Kommentare

  1. Nach der Ver­öf­fent­li­chung von „Que­ri­da Ama­zo­nia“ hat mich Paul Micha­el Zuleh­ner, Expo­nent des ultra­pro­gres­si­ven Lagers, in einem Email wis­sen las­sen, dass Bischof Erwin Kräut­ler kei­nes­wegs ent­täuscht son­dern viel­mehr ent­schlos­sen sei, unbe­irrt wei­ter­zu­ma­chen. Wie das nach „Que­ri­da Ama­zo­nia“ gehen soll, konn­te ich mir sei­ner­zeit nicht recht vor­stel­len. Nach der Lek­tü­re des obi­gen Arti­kels weiß ich es jetzt.

    • Ver­ges­sen wir nicht, dass auch die kirch­li­chen 68er gewief­te Tak­ti­ker sind. Inter­es­sant hier­zu die Aus­sa­ge von Bischof Kräut­ler auf kath.ch: „Ich glau­be, dass die Syn­ode wahr­schein­lich dazu gedient hat, die Debat­te über die­ses The­ma zu lan­cie­ren. Denn im Grun­de gin­gen wir nicht davon aus, dass der Papst dem sofort zustim­men wür­de. Und zwar, weil wir zuerst zu einer Ver­ein­ba­rung gelan­gen müs­sen, die von der katho­li­schen Kir­che auf der gan­zen Welt akzep­tiert wird.“ (https://www.kath.ch/newsd/man-kann-den-zoelibat-nicht-hoeher-gewichten-als-die-eucharistie/)

      „Que­ri­da Ama­zo­nia“ als Beru­hi­gungs­pil­le für alle Skep­ti­ker und Kri­ti­ker, weil eine Apo­sto­li­sche Exho­ra­ti­on mit Frau­en­or­di­na­ti­on, vir pro­ba­ti und Gleich­set­zung von prie­ster­li­chen mit nicht-prie­ster­li­chen Dien­sten mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit zu nen­nens­wer­ten (Ab-)Spaltungen geführt hät­te? Die Sicht­wei­se hat eini­ges für sich. Die offi­zi­el­le „Vor­stel­lung“ samt aus­drück­li­cher „Nicht­er­set­zung“ des Abschluss­do­ku­men­tes durch „Que­ri­da Ama­zo­nia“ — ver­bun­den mit der päpst­li­chen Rela­ti­vie­rung zum „blo­ßen Refle­xi­ons­rah­men“ — hält es auch ohne aus­drück­li­che Appro­ba­ti­on latent wirk­sam. Auch hier hybri­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men: Die Inten­ti­on ist jeder­zeit glaub­wür­dig abstreit­bar, da kir­chen­recht­lich auf den ersten Blick ja alles gere­gelt scheint. Der­weil schafft man im Halb­schat­ten eine Par­al­lel­struk­tur obsku­rer Gre­mi­en, wel­che als Reso­nanz­bo­den dienen.

  2. Die Auf­merk­sam­keits­span­ne der Zeit­ge­nos­sen ist rela­tiv kurz gewor­den. Wech­seln sich Infor­ma­ti­ons-Impul­se in schnel­ler Form ab (Ama­zo­nas­syn­ode, Syn­oda­ler Weg, Coro­na-Virus, Lock­down, Wirt­schafts­kri­se) darf man davon aus­ge­hen, dass der all­ge­mei­ne Fokus nicht mehr nach­träg­lich auf ein „abge­ar­bei­te­tes“ The­ma wie die Syn­ode und ihre Fol­gen richtet. 

    Kon­kret heißt dies, dass alle post­syn­oda­len Wei­chen­stel­lun­gen qua­si unter dem Radar der Öffent­lich­keit voll­zo­gen wer­den kön­nen. Hin­zu kommt, dass kon­zils­kon­ser­va­ti­ve Kri­ti­ker des Pon­ti­fi­kats gewöhn­lich sehr text­fi­xiert sind und umge­hend erleich­tert auf­at­me­ten, weil in der Apo­sto­li­schen Exhor­ta­ti­on „Que­ri­da Ama­zo­nia“ weder von vir pro­ba­ti, Frau­en­wei­he oder von einem eige­nen Ama­zo­nas-Ritus die Rede war. Dies, obwohl man sich in die­sem Pon­ti­fi­kat schmerz­lich dar­an gewöh­nen muß­te, dass rele­van­te Text­tei­le eher indi­rekt ent­hal­ten, gera­de­zu ver­steckt sind. QA bie­tet kei­ne kla­re Ori­en­tie­rung, son­dern ver­wen­det hybri­de Kom­mu­ni­ka­ti­on im Über­maß. So beant­wor­tet es weder das Abschluss­do­ku­ment, noch kor­ri­giert oder ersetzt es die­ses (trifft somit also auch kei­ne ver­bind­li­chen Fest­stel­lun­gen), son­dern „stellt es offi­zi­ell vor“. Der Papst will ledig­lich (wort­wört­lich) „einen gro­ben Rah­men für die Refle­xi­on“ bie­ten, als lei­te er nicht die Kir­che Chri­sti, son­dern ein uni­ver­si­tä­res Pro­se­mi­nar. Damit rela­ti­viert er selbst QA als eine Art unver­bind­li­chen Dis­kus­si­ons­bei­trag, zudem er dar­auf hin­weist, am Schluss­do­ku­ment hät­ten „vie­le Men­schen mit­ge­ar­bei­tet, die die Pro­ble­ma­tik Ama­zo­ni­ens bes­ser ken­nen als ich und die Römi­sche Kurie“. 

    So gese­hen regelt QA gar nichts, sei­ne Kon­zils­kon­ser­va­ti­ve offen­bar beru­hi­gen­den Tei­le sind nicht mehr als eine tem­po­rä­re und damit jeder­zeit revi­dier­ba­re Auf­fas­sung. Wäh­rend­des­sen wird emsig an der Ver­än­de­rung rea­ler Struk­tu­ren gearbeitet…

  3. Ein Palot­ti­ner aus Fried­berg: „Gott will mit sei­ner Kir­che einen neu­en Weg gehen. Jede getauf­te Frau und jeder getauf­te Mann ist zum Dienst in der Kir­che beru­fen. Sicher, der prie­ster­li­che Dienst ist ein beson­de­rer, aber ich hal­te es nicht mehr für ver­tret­bar, ihn in der bis­he­ri­gen Wei­se her­aus­zu­stel­len.“ Er hat aber nicht behaup­tet, daß er gött­li­che Ein­spre­chun­gen hat­te. Woher dann die­se Sicher­heit? Inter­view Augs­bur­ger Allgemeine

    Also muß man von ideo­lo­gi­scher Ver­blen­dung aus­ge­hen. Und nicht nur bei ihm.

  4. Die Situa­ti­on in der Kir­che ist ver­hee­rend. Die Rei­ni­gung muss kom­men. Es ist unerträglich.

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