August 1984: die kirchliche Arbeitsgruppe Pädophilie in Belgien (1)

Bischof Vangheluwe 2008 in Afrika.
Bischof Vangheluwe 2008 in Afrika.

von Fer­di­nand Boi­schot

In kaum einem Land war die Ent­kirch­li­chung und Ent­chri­stia­ni­sie­rung nach dem  Zwei­ten Vati­ka­ni­schem Kon­zil so tief und so breit wie in Bel­gi­en, und wohl beson­ders in dem nörd­li­chen nie­der­län­disch­spra­chi­gen Teil.

Links­ori­en­tier­te, pro­gres­si­ve „Gläu­bi­ge“ bemäch­tig­ten sich der kirch­li­chen Struk­tu­ren. Theo­lo­gi­sche Sach­kennt­nis, Patri­stik und Fun­da­men­tal­theo­lo­gie wur­den schnell­stens ent­fernt. Mit einer sog. Haal­baar­heids­mor­aal („Erreich­bar­keits­mo­ral“, de fac­to aber die Rela­ti­vie­rung aller mora­li­schen Nor­men) wur­de eine kom­plet­te Adap­tie­rung an den Zeit­geist durch­ge­führt und im Beson­de­ren eine Über­nah­me der tota­len sexu­el­len Frei­heit und eine Fixie­rung dar­auf.

In die­sem Rah­men fand, was sehr gut doku­men­tiert ist, eine fast kom­plet­te Homo­phi­li­sie­rung des Kle­rus statt.

Auch die in den letz­ten 20 Jah­ren auf­ge­deck­ten Miß­brauchs­skan­da­le sind in die­sem Kon­text ent­stan­den.

Die Kar­di­nä­le Sue­n­ens und Dan­neels und Bischof Jozef Des­met (Bis­tum Brüg­ge) waren inter­na­tio­nal bekannt wegen ihres Pro­gres­sis­mus (Sue­n­ens und Des­met spiel­ten eine her­aus­ra­gen­de Rol­le bei der Revo­lu­ti­on des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils. (1) Sue­n­ens und Dan­neels pro­pa­gier­ten sexu­el­le Frei­heit auf allen Ebe­nen und übten sich in Tole­ranz, wobei der Nach­fol­ger von Des­met als Bischof von Brüg­ge, Roger VanG­he­lu­we, nicht nur alle sexu­el­le Skan­da­le ver­tusch­te, son­dern sich selbst lang­jäh­rig an den Kin­dern sei­nes eige­nen Bru­ders ver­griff.

Da, wo die Katho­li­sche Kir­che im Augen­blick durch pädo­phi­le und homo­se­xu­el­le Miß­brauchs­skan­da­le erschüt­tert wird und die­se abscheu­li­che Situa­ti­on durch Papst em. Bene­dikt XVI. und füh­ren­de Kar­di­nä­le und Bischö­fe (Card. Brand­mül­ler, Card. Sarah, Erz­bi­schof Viganò) ange­pran­gert wird, leug­nen eini­ge moder­ni­sti­sche Theo­lo­gen in Deutsch­land und in den USA man­tra­haft jede Ver­bin­dung zwi­schen Homo­se­xua­li­tät und Homo­phi­lie einer­seits und Pädo­phi­lie ander­seits.

Es darf nicht wahr sein, was aber wahr ist:

  • in den Jah­ren direkt vor, wäh­rend und vor allem nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil hat sich eine mafia-ähn­li­che, männ­li­che, homo- und pädo­se­xu­el­le Grup­pe im Kle­rus ein­ge­ni­stet.

Das nie­der­län­disch­spra­chi­ge katho­li­sche Kir­chen­blatt Ker­ke­li­jk Leven („Kirch­li­ches Leben“) hat­te im damals noch sehr katho­li­schen Flan­dern 1978 eine Auf­la­ge von ca. 500.000 Exem­pla­ren und eine damals geschätz­te Leser­schaft von 1,5 Mil­lio­nen Lesern. Es war damit die meist­ge­le­se­ne Zei­tung in Flan­dern. Diri­giert wur­de sie vom west­flä­mi­schen Bis­tum Brüg­ge (damals gelei­tet von Bischof Emi­le-Joseph De Smedt) und vom Erz­bis­tum Mecheln-Brüs­sel (Erz­bi­schof Dan­neels), wobei die Theo­lo­gi­sche Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Löwen eine gro­ße Rol­le spiel­te (soge­nann­te Ach­se Brüg­ge-Löwen).

Chef­re­dak­teur des eher lang­wei­li­gen Blat­tes war der west­flä­mi­sche Prie­ster Felix Dal­le, der sehr moder­ne Ansich­ten hat­te. Eini­ge sehr moder­ni­sti­sche Bücher wur­den von der lite­ra­ri­schen Kri­tik in den 70er Jah­ren nicht gut auf­ge­nom­men (De vluchtheu­vel).

Unter Dal­le wur­de im Rah­men der Moder­ni­sie­rung das Kir­chen­blatt umge­tauft in Kerk en Leven (Kir­che und Leben).

Am 9. August 1984 erschien in die­sem offi­zi­el­len nord­bel­gi­schen Kir­chen­blatt ein Arti­kel über die „Öku­me­ni­sche Arbeits­grup­pe Pädo­phi­lie“:

„Seit eini­gen Jah­ren besteht in Flan­dern eine öku­me­ni­sche Arbeits­grup­pe Pädo­phi­lie.

Die­se Arbeits­grup­pe besteht aus Katho­li­ken und Pro­te­stan­ten.

Die­se Arbeits­grup­pe will die Kir­chen sen­si­bi­li­sie­ren für das Phä­no­men Pädo­phi­lie, Infor­ma­ti­on wei­ter­ge­ben und Vor­ur­tei­le abbau­en.

Gleich­zei­tig will die Arbeits­grup­pe sich infor­mie­ren über alles, was auf dem Gebiet der Pädo­phi­lie erscheint.

Zusätz­lich will die Arbeits­grup­pe einen Begeg­nungs­ort schaf­fen für pädo­phi­le Men­schen, um mit­ein­an­der Gedan­ken aus­zu­tau­schen und ein­an­der zu ermu­ti­gen.

Alle sind will­kom­men, wel­che die Pädo­phi­lie und die Pädo­phi­len bes­ser ken­nen­ler­nen möch­ten unter der Bedin­gung, daß dies in Offen­heit, Respekt und Zuver­läs­sig­keit geschieht.

Mit Anfang der neu­en Sai­son wird bei der Arbeits­grup­pe auch mit­ar­bei­ten: Hoch­würd. Herr Pfar­rer (Pas­toor) Jef Bar­zin, Duin­straat 30, 2008 Ant­wer­pen, Tel. (03)2366395.

Das näch­ste Tref­fen der öku­me­ni­schen Arbeits­grup­pe Pädo­phi­lie wird am Sams­tag 8. Sep­tem­ber statt­fin­den in der Kapel­le „Der Ölbaum­zweig“ in Brasschaat, Leo­polds­lei 35, von 10.00 bis höch­stens 14.00 Uhr.

Ger­ne kann eine klei­ne Stär­kung mit­ge­bracht wer­den.

Nähe­re Hin­wei­se kön­nen Sie bekom­men bei: Herrn L.P.G. van Tricht, Dorps­straat 86, 2080 Kapel­len. Für die Arbeits­grup­pe: Th. Weer­stra, Van der Meer­schen­la­an 73, 1150 Brüs­sel.“ (2)

(Eige­ne wort­ge­naue Über­set­zung)

Viel deut­li­cher kann es nicht gesagt wer­den.

Text: Fer­di­nand Boi­schot
Bild: MiL

(1) Der Rhein fließt in den Tibervon Ralph M. Wilt­gen S.V.D., Sar­to Ver­lag 2004
Die Rol­le von Bischof De Smedt bei der Ableh­nung des vor­be­rei­te­ten Sche­mas von P. Seba­stia­an Tromp SJ wird auch im Lexi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che her­vor­ge­ho­ben.
Beson­ders aus­führ­lich hier­zu die von der Fakul­tät Reli­gi­ons­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Leu­ven ab 2009ff redi­gier­te Web­site www.volgconcilie.be unter den Daten 24. Novem­ber 1962 und 1. Dezem­ber 1962 (Inter­ven­ti­on von Bischof De Smedt mit den Schlüs­sel­be­grif­fen: Tri­um­pha­lis­mus, Kle­ri­ka­lis­mus, Juri­dis­mus).
Die Web­site www.volgconcilie.be wur­de vom dama­li­gen Dekan der Löwe­ner Fakul­tät Mat­t­hijs Lam­be­rigts und von Karim Schel­le­kens gelei­tet. Letz­te­rer wur­de auch bekannt als Mit­au­tor der mehr­bän­di­gen Bio­gra­phie von Kar­di­nal God­fried Dan­neels, wor­in sowohl die Affä­re um den ver­schwun­de­nen Ring von Kard. Dan­neels als auch die Exi­stenz der Mafia von Sankt Gal­len erwähnt wird. Die Buch­vor­stel­lung fand am 22. Sep­tem­ber 2015 im Saal Vita unter der Basi­li­ka von Koekel­berg statt. Das Video dazu fin­det sich auf You­Tube.)

(2) Kerk en Leven , 9. August 1984.
Abbil­dun­gen des Ori­gi­nal­ar­ti­kels fin­den sich viel­fach im Inter­net, u.a. sehr ver­dienst­lich in dem sar­ka­sti­schem flä­misch­na­tio­na­len Wochen­blatt ‚t Pal­lie­ter­ke (2004). Das war die erste Mel­dung in der nie­der­län­disch­spra­chi­gen Pres­se in Bel­gi­en seit 1984! Zu sehen eben­so hier. Ein aus­führ­li­che Bespre­chung und Foto­do­ku­men­ta­ti­on bei bei kavlaanderen.blogspot.be (auch mit gemein­sa­mes Foto von Bischof Bon­ny, Bischofs­vi­kar Sel­ders­laghs und Dechant Jef Bar­zin).

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Sie­he die Fort­set­zung:

August 1984: die kirch­li­che Arbeits­grup­pe Pädo­phi­lie in Bel­gi­en (2)