Heartbeat Bill: Auch Tennessee marginalisiert Abtreibung

Und die Bischöfe des Staates?












Es geht Schlag auf Schlag in den USA gegen die Abtreibung und für das Lebensrecht. Genau jetzt wirkt die katholische Kirche aber wie eingebremst - durch Franziskus.

(Washington) In den USA geht es Schlag auf Schlag gegen die Abtreibung. Nach den Staaten Alabama und Georgia will auch der Staat Tennessee die grausame Praxis, unschuldige Kinder im Mutterleib zu töten, einschränken. Doch den katholischen Bischöfen des Staates gefällt der Vorstoß nicht. Wie das?

Abgeordnete haben einen Gesetzentwurf eingebracht, der als Heartbeat Bill bekannt ist und in Variationen bereits in einigen US-Staaten eingeführt wurde. Das Gesetz sieht vor, daß eine Abtreibung nur mehr bis zum Augenblick erlaubt ist, ab dem der Herzschlag des Kindes zu hören ist. Das ist ab der 5./6. Schwangerschaftswoche der Fall.

Parallel sollen Informations- und Erziehungsmaßnahmen verstärkt werden, um Jugendliche über die Bedeutung des Lebens zu informieren und zu einem verantwortungsbewußten Handeln anzuhalten.

Erstaunlicherweise gefällt der Gesetzentwurf ausgerechnet den Bischöfen des Staates nicht. InfoVaticana schrieb dazu:

„Um das Unmoralische der Abtreibung zu erkennen und zu begreifen, muß man nicht unbedingt gläubig sein. Christus ist nicht spezifisch deshalb in die Welt gekommen, um gegen die Abtreibung zu kämpfen. Wie aber Chesterton sagt, war es zu allen Zeiten Aufgabe der Kirche, der Welt den gesunden Menschenverstand in Erinnerung zu rufen, wenn diese ihn vergessen hatte. Sie ist also in einer Kultur, die das leugnet, an erster Stelle gefordert, für die Wahrheit zu kämpfen, daß zwei und zwei immer vier ergibt.“

Nachdem Alabama den Auftakt machte und den Weg in Sachen Lebensrecht auch anderen Staaten vorgegeben hat, erstaunte eine Sache. Es erstaunte nicht, daß der linke Mainstream bis nach Europa in hellster Aufregung ist und verzerrende Lügen verbreitet. Auch nicht, daß Feministen zu einem „Sex-Streik“ aufriefen. Ein Vorschlag, der natürlich das Papier nicht wert war, auf das er geschrieben wurde. Er diente den Abtreibungslobbyisten nur zur x-ten Propagandaschlagzeile in den gesinnungsaffinen Massenmedien. Was wirklich erstaunte, ist das Schweigen Roms. Kein Wort der Zustimmung, kein Wort der Ermutigung, kein Wort des Lobes. Nichts. Eisernes Schweigen. Eiskaltes Schweigen.

Die Lebensrechtsbewegung erlebt derzeit einen ungeahnten Aufschwung. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sogar der entscheidende Umschwung bevorsteht, und er von den USA ausgeht. Der Erfolg ist nicht zuletzt den Katholiken zu verdanken, die sich seit Jahrzehnten eisern und unerschütterlich für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder einsetzen. Doch es scheint in Rom derzeit niemanden zu geben, der sich darüber freut.

Als Irland von der vereinten, internationalen Abtreibungslobby sturmreif geschossen wurde und das Wahlvolk in einem Referendum über die Legalisierung der Abtreibung entscheiden sollte, kam aus Rom nur ein gespenstisches Schweigen. Als in Argentinien der Versuch unternommen wurde, die Tötung ungeborener Kinder einzuführen, was schließlich durch entschlossene Senatoren verhindert werden konnte, war aus Rom – obwohl es um die Heimat des regierenden Papstes ging – nichts zu hören.

Durch Jahrzehnte gab die Kirche der Menschlichkeit und der Wahrheit ein Gesicht und besetzte mit ihrer Stimme für das Leben den öffentlichen Raum. Sie wurde unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wegen ihrer ehrlichen und unerschrockenen Verteidigung des Lebens attraktiv für viele Menschen guten Willens, die sich deshalb, ob Protestanten, Juden, Anglikaner oder Atheisten, zur katholischen Kirche konvertierten. Heute ist hingegen ein zunehmendes Vakuum festzustellen. Die kirchliche Stimme fr die Ungeborenen wird schwächer, während in manchen Ländern Kirchenvertreter mit Abtreibungslobbyisten gemeinsame Sache machen und das Unrechtsbewußtsein selbst in kirchlichen Kreisen schwindet. Der Platz wirkt verwaist. Auf Geheiß des Papstes scheint man dabei, die Fahnen einzuholen.

Auswirkungen zeigten sich nun in Tennessee. Im Staatsparlament verfügen die Republikaner über eine satte Mehrheit, die sie in den vergangenen Jahren noch ausbauen konnten. 73 von 99 Abgeordneten und 28 von 33 Senatoren sind Republikaner. Auch unter den Demokraten des Staates gibt es Lebensschützer.

Die Bischöfe des Landes gaben eine gemeinsame Erklärung ab, um ihre Zweifel am Gesetzentwurf zu äußern. Die Bischöfe von Nashville, Memphis und Knoxville erklärten:

„Obwohl wir die Absicht des Herzschlaggesetzes, das vom Parlament von Tennessee diskutiert wird, von ganzem Herzen unterstützen, müssen wir auch vorsichtig sein, wie wir das Abtreibungsübel in unserem Staat bekämpfen.“

Und was soll das heißen?

Wollen sie damit sagen, was Papst Franziskus im September 2013 sagte, daß Katholiken nicht von der Abtreibungsfrage „besessen“ sein sollten?

Diese „Besessenheit“ wurde aber nicht aufgegeben, um sich etwa auf Kernfragen der Doktrin zurückzuziehen – sollte man die Lebensrechtsfrage nicht als solche sehen -, sondern um diese „Obsession“ durch andere Obsessionen zu ersetzen: den Kampf gegen den Klimawandel und die Souveränität der europäischen Staaten.

Kein guter Tausch.

Die päpstlichen Wünsche werden vom katholischen Volk aber nicht bereitwillig angenommen. Es ist das Volk, das sich offenbar den gesunden Menschenverstand bewahrt hat. Der Vatikan und die (Mehrheit der) Bischöfe führen daher einen immer offeneren und offensiveren Kampf gegen die Parteien der sogenannten Souveränitätsbewegung, in denen besonders viele praktizierende Katholiken eine neue politische Heimat zu finden scheinen, was nicht zuletzt mit einem Versagen der Christdemokraten zu tun hat, wie es der ehemalige slowakische Innenminister Vladimir Palko in seinem Buch „Die Löwen kommen“ dokumentierte.

In Italien wird heute von der Kirchenführung mit der Lega von Matteo Salvini jene Partei am massivsten bekämpft, die über den größten Rückhalt im Volk verfügt. Wohlgemerkt, eine Partei, die weder im Partei- noch im Wahlprogramm sich in irgendeiner Weise gegen die kirchliche Lehre oder Autorität stellt.

Das kann eigentlich nicht gut gehen.

Die Folge ist ein Vertrauensverlust der durch tagespolitisches Kurzsichtigkeit provoziert wird. Als am 18. Mai bei der Großkundgebung der Souveränitätsbewegung, also der Lega und ihrer europäischen Verbündeten, am Mailänder Domplatz der Name von Papst Franziskus fiel, kam es unter den rund 100.000 Anwesenden zu einem Pfeifkonzert. Vor kurzem wäre so etwas noch völlig undenkbar gewesen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: InfoVaticana

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