Überflüssiger Kunst-Bischof

Glettler-Umtriebe

Kunst im Innsbrucker Dom: Die Steigerungsform von „Ich“ lautet „Mich“.
Kunst im Innsbrucker Dom: Die Steigerungsform von „Ich“ lautet „Mich“.

(Wien) Inns­brucks Bischof Her­mann Glett­ler gehört zu den Kir­chen­ver­tre­tern, die offen­bar gro­ßen Wert dar­auf legen, sich selbst über­flüs­sig zu machen. Er fällt nicht als „Stein des Ansto­ßes“ in der Welt auf, son­dern durch Skur­ri­li­tä­ten und eine Art von Pro­vo­ka­ti­on, wie sie Welt auch kennt. Auf­merk­sam­keit sucht er, indem er Künst­lern den Sakral­raum über­läßt. Die neue­sten Glet­ter-Umtrie­be in Innsbruck. 

Ein öster­rei­chi­scher Bischof, der durch die ernst­haf­te Ver­kün­di­gung der Glau­bens­wahr­hei­ten die Selbst­ge­fäl­lig­keit und Hoff­nungs­lo­sig­keit der Welt her­aus­for­dert? Fehl­an­zei­ge. Hir­ten, die sich mit immer neu­en Ideen der Welt anbie­dern oder anbie­ten? Vol­les Programm.

Der­zeit kann in der alten Spi­tals­kir­che der Tiro­ler Lan­des­haupt­stadt ein geschnitz­ter Kor­pus von Jesus Chri­stus „bestaunt“ wer­den, der an den Füßen auf­ge­hängt, von der Orgel­em­po­re bau­melt. Die Instal­la­ti­on nennt sich „Chri­stus-Uhr“ Ein auf den Kopf gestellt Kreuz oder Kor­pus des Gekreu­zig­ten wer­den seit alters als anti­christ­li­ches Sym­bol ver­stan­den. Was Sata­ni­sten und Kir­chen­fein­de umtreibt, treibt mit Her­mann Glett­ler erst­mals und öffent­lich auch einen Bischof um. Löst das in einer Welt jahr­zehn­te­lan­ger Tabu­brü­che und Grenz­über­schrei­tun­gen zur Geschmack­lo­sig­keit, zu Belei­di­gun­gen und zum Blas­phe­mi­schen noch Erstau­nen oder Empö­rung aus? Die Abtö­tung des Wah­ren, Guten und Schö­nen ist weit fort­ge­schrit­ten. Bischof Glett­ler scheint zu jenen zu gehö­ren, die über­zeugt sind, das Fak­ti­sche nicht ändern zu kön­nen, weil sie selbst nicht mehr an die ver­än­dern­de Kraft des Evan­ge­li­ums glau­ben, wes­halb sie sich dem Fak­ti­schen durch Anglei­chung unterwerfen. 

Leicht­fü­ßi­ger Kunst-Bischof Her­mann Glettler

In der Inns­brucker Bischofs­kir­che darf sich daher die zuneh­men­de Zahl der Tou­ri­sten und die abneh­men­de Zahl der Gläu­bi­gen an einer Neon-Instal­la­ti­on „erfreu­en“, die besten­falls schlech­ten Geschmack beweist, schlimm­sten­falls blas­phe­misch ist.

Um jeden Zwei­fel einer irgend­wie gear­te­ten, chri­sto­lo­gi­schen oder theo­zen­tri­schen Aus­deu­tung des „Kunst­wer­kes“ aus­zu­räu­men, lau­tet die eben­so Bot­schaft schlicht und ein­fach „Me“, auf gut deutsch „mich“. Die eng­li­sche Vari­an­te für das deut­sche Per­so­nal­pro­no­men im Akku­sa­tiv dürf­te gewiß nur des­halb zurück­ge­grif­fen wor­den sein, weil die Aus­spra­che dem gemein­bai­ri­schen „mi“ für „mich“ ent­spricht. Garan­tiert! Ein Schelm, wer dar­in eine Stei­ge­rungs­form des ego­isti­schen „Ich“ des Men­schen sehen will.

Ein klei­ner, reli­giö­ser Pin­sel­strich muß dann schon sein, wes­halb die bei­den Instal­la­tio­nen eigens für die Fasten­zeit zur Schau gestellt wer­den. Womit klar sein soll­te, daß sie auf das Oster­fest vor­be­rei­ten sol­len. Sieh einer an. Als Betrach­ter wäre man nie dar­auf gekom­men. Ehr­lich nicht. 

Bei­de arti­sti­schen Ope­ra stam­men von Man­fred Erjautz. Den Auf­trag erteil­te Bischof Glett­ler per­sön­lich. Die Kosten trägt er aller­dings nicht. Erjautz und Glett­ler arbei­ten seit min­de­stens 15 Jah­ren zusam­men. Die „Pla­stik-Kasel“ ist Teil die­ser offen­sicht­lich „frucht­brin­gen­den“ Koope­ra­ti­on. Dem Künst­ler bringt es Gel­der, dem Bischof Mög­lich­kei­ten zur Selbst­dar­stel­lung. Brei­te­ren Krei­sen wur­de die PVC-Kasel (Prie­ster im Fle­der­maus-Look) 2018 wie­der in Erin­ne­rung geru­fen, weil sie das Bene­dik­ti­ner­stift Admont als eher zwei­fel­haf­ten Wer­be­trä­ger für sei­ne Aus­stel­lun­gen und Muse­en ins Bild setzte.

„Die vom Bischof von Inns­bruck geför­der­ten Instal­la­tio­nen zeit­ge­nös­si­scher Kunst in Sakral­räu­men sind Teil einer prä­zi­sen Stra­te­gie, die in der Kunst, auch der blas­phe­mi­schen, das spielt kei­ne Rol­le, ein moder­nes Instru­ment der Evan­ge­li­sie­rung sieht“, so Lupo Gori.

Mit­te März war Glett­ler an die Katho­li­sche Pri­vat­uni­ver­si­tät Linz, einer der über­flüs­sig­sten kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen Öster­reichs, ein­ge­la­den, um einen Vor­trag über das Ver­hält­nis von Kul­tur und Kir­che zu hal­ten, wo er sei­ne „Stra­te­gie“ bekräf­tig­te. Haus­herr der Pri­vat­uni­ver­si­tät ist Bischof Man­fred Scheu­er von Linz, der Glett­lers Vor­gän­ger als Bischof von Inns­bruck war. Man kennt sich. Und man unter­stützt sich. An Gemein­sam­kei­ten fehlt es nicht. Bei­de sind Fehl­be­set­zun­gen ersten Ran­ges, die ihren Bis­tü­mer im besten aller Fäl­le ver­lo­re­ne Jah­ren besche­ren. Bei­de war­ten sehn­süch­tig auf die Besei­ti­gung des prie­ster­li­chen Zöli­bats, um mit ver­hei­ra­te­ten Prie­stern die Lücken des von ihnen mit­ver­schul­de­ten Nie­der­gangs zu kaschie­ren – zumin­dest vorübergehend.

Auf dem Kopf ste­hen­der Kor­pus des Gekreuzigten

Laut Glett­ler müs­se sich die Kir­che den „Geist“ des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils zu eigen machen. Der Ungeist des Kon­zils ist mir bewußt, sei­ne ver­dor­be­nen Früch­te sind vor aller Augen sicht­bar. Was mir noch immer nicht klar ist, sind die angeb­li­chen „Seg­nun­gen“ des Kon­zils, die stän­dig beschwo­ren wer­den, als sei die Aner­ken­nung eines über­flüs­si­gen Kon­zils die con­di­tio sine qua non, nicht etwa die Glau­bens­wahr­heit. Nein, die darf pro­blem­los bezwei­felt, aus­ge­dünnt, ver­zerrt und geleug­net wer­den, das Kon­zil aber nicht. Nein, das Kon­zil nicht. Wer das Kon­zil in Zwei­fel zieht, dem scheint die sofor­ti­ge stand­recht­li­che Erschie­ßung zu dro­hen – möch­te man jeden­falls mei­nen. Ein selt­sa­mes Paradox. 

Plastik-Kasel – Kunstbischof – Kunst-Bischof – Plastik-Bischof?
Pla­stik-Kasel – Kunst­bi­schof – Kunst-Bischof – Pla­stik-Bischof? (1)

Laut Glett­lers Aus­füh­run­gen sei der „Geist“ des Kon­zils als Para­dig­men­wech­sel zu ver­ste­hen, der zu einer Trans­for­ma­ti­on der Kir­che von einem star­ren Ort der Bewah­rung zu einem offe­nen, flie­ßen­den Ort der Inno­va­ti­on mache, offen für das Ande­re und das Verschiedene.

Die blas­phe­mi­sche Chri­stus-Instal­la­ti­on in der alten Spi­tals­kir­che nennt sich zwei­deu­tig: „My own per­so­nal Jesus“. Über den Zusam­men­hang der Ver­keh­rung Jesu Chri­sti und die­sem Titel kann sich jeder selbst sei­ne ban­gen Gedan­ken machen. Künst­ler und Bischof wer­den ener­gisch wider­spre­chen, wie es noch bei­dem blas­phe­mi­schen Kunst­werk der Fall war. Der Kor­pus und ein abge­trenn­ter Arm die­nen als Zei­ger, um die Uhr­zeit anzuzeigen.

Wo zwei­fel­haf­te Neben­säch­lich­kei­ten in den Mit­tel­punkt rücken, muß es an der Sub­stanz fehlen.

Lupo Goris Resü­mee der neu­en Glettler-Umtriebe:

„In die­sem Sin­ne zeigt die im Jakobs­dom, der Bischofs­kir­che des Lan­des, mit dem Kopf nach unten auf­ge­häng­te ‚Chri­stus-Uhr‘ die dra­ma­ti­sche Stun­de an, die es in der katho­li­schen Kir­che und für die katho­li­sche Kir­che geschla­gen hat, für eine Kir­che, die täg­lich belei­digt und auf den Kopf gestellt wird durch ihre eige­nen Hirten.“ 

Durch Ober­hir­ten, die sich selbst über­flüs­sig machen und das Salz der Erde verderben.

Text: Mar­tha Bur­ger
Bild: Youtube/CR/dibk.at (Screen­shots)

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(1) Als das Foto der Erjautz-Glett­ler-Kunst ent­stand, war Msgr. Glett­ler noch nicht Bischof.

Zu Bischof Her­mann Glett­ler sie­he auch: 

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