[Update] Kardinal Barbarin brachte Franziskus das Rücktrittsangebot

Frankreich



Papst Franziskus mit Kardinal Barbarin
Papst Franziskus mit Kardinal Barbarin

(Rom) Wie vom Erzbistum Lyon angekündigt, wurde Erzbischof Philippe Kardinal Barbarin gestern von Papst Franziskus in Audienz empfangen.

Der Kardinal war von einem französischen Gericht wegen einer nicht rechtzeitig erfolgten Anzeige eines Verdachts auf sexuellen Mißbrauch zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Darauf gab der Sprecher des Erzbistums die Absicht des Erzbischofs bekannt, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten.

Zunächst war über eine Audienz bereits in der vergangenen Woche spekuliert worden. Ende der Woche hieß es dann, die Audienz finde am Montag statt. Das vatikanische Tagesbulletin bestätigte gestern die erfolgte Begegnung. Vatican Media veröffentlichte eine Reihe von Bildern des Zusammentreffens.

Bezüglich des Rücktrittsangebots, das Kardinal Barbarin bei dieser Gelegenheit dem Papst persönlich übergeben wollte, wurde offiziell nichts bekanntgegeben. Der Kardinal wird mit Sicherheit die Gelegenheit genützt haben, Franziskus über den Prozeß und das Urteil aus erster Hand zu informieren. Der Papst verweigerte in der Vergangenheit Bischöfen bereits die Möglichkeit, sich gegen Anschuldigungen zu rechtfertigen.

In Rom wurde gestern nicht ausgeschlossen, daß bereits heute im Tagesbulletin der Rücktritt des Kardinals als Erzbischof von Lyon offiziell bekanntgegeben werden könnte.

[Update] Papst Franziskus lehnte das Rücktrittsangebot von Kardinal Barbarin überraschend ab. Er begründete den Schritt mit der Unschuldsvermutung, die auch für den Primas von Gallien und Erzbischof von Lyon gelte. Der Kardinal hatte Berufung gegen das Urteil erster Instanz eingelegt.

Überraschend kam die Entscheidung des katholischen Kirchenoberhauptes, weil Franziskus im etwas anders gelagerten Fall des australischen Kardinals George Pell die Enthebung von allen Ämtern verfügte. Pell wurde in erster Instanz wegen sexuellen Mißbrauchs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er befindet sich in Haft. Wie Kardinal Barbarin beteuerte auch er seine Unschuld und legte Berufung ein.

Die römische Reaktion auf die beiden Fälle ist damit bekannt, unterscheidet sich aber deutlich.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Media (Screenshot)

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