Trotz zweier Familiensynoden brechen kirchliche Ehen ein

Wenn der Papst auf die falschen Themen setzt

Die kirchlichen Ehen brechen ein, dabei sind sie der sicherste Garant für Geburten. Die Familiensynoden bleiben fruchtlos, weil Papst Franziskus auf die falschen Themen setzte.
Die kirchlichen Ehen brechen ein, dabei sind sie der sicherste Garant für Geburten. Die Familiensynoden bleiben fruchtlos, weil Papst Franziskus auf die falschen Themen setzte.

(Rom) „Nach zwei Fami­li­en­syn­oden bleibt die Gebur­ten­ra­te auf nied­ri­gem Niveau und bricht die Zahl der kirch­li­chen Hoch­zei­ten ein.“ Das Resü­mee des Vati­ka­ni­sten San­dro Magi­ster ist ernüch­ternd, und er zeigt indi­rekt auf Papst Fran­zis­kus. Die Fra­ge lau­tet: Wur­den bei der Fami­lie­syn­ode oder mehr noch beim nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, das die Ergeb­nis­se der Syn­ode wie­der­ge­ben soll­te, auf die fal­schen The­men gesetzt? Um genau zu sein, klingt es bei Magi­ster nicht nach einer Fra­ge, son­dern nach einem Vorwurf.

Geburtenrate in Italien: blaue Linie Bestandssicherung (2,1 Geburten).
Gebur­ten­ra­te in Ita­li­en: blaue Linie Bestands­si­che­rung (2,1 Geburten).

Seit 1975 wer­den in Ita­li­en weni­ger Kin­der gebo­ren als für den Erhalt der Bevöl­ke­rungs­zahl not­wen­dig sind. Seit bald andert­halb Genera­tio­nen schrumpft die Zahl der Ita­lie­ner, was jedoch „unsicht­bar“ bleibt, weil die Gesamt­zahl zunächst durch eine stei­gen­de Lebens­er­war­tung und seit 1990 durch die Ein­wan­de­rung kaschiert wird. Anstatt zu schrump­fen, wuchs die Gesamt­be­völ­ke­rung von 55,3 Mil­lio­nen im Jahr 1975 auf 60,6 Mil­lio­nen im Jahr 2017 . Und das obwohl seit der Wirt­schafts­kri­se von 2008 viele,vor allem jun­ge Ita­lie­ner das Land ver­las­sen haben. So ist allein in Ber­lin die Zahl der Ita­lie­ner in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren von 9.000 auf über 25.000 ange­wach­sen (vor allem Jung­aka­de­mi­ker, Klein­un­ter­neh­mer haupt­säch­lich im Gastro­no­mie­be­reich und Künstler).

Seit 43 Jah­ren fehlt Ita­li­en jähr­lich mehr als ein Drit­tel der Kin­der. Die gering­ste Gebur­ten­ra­te wur­de in Ita­li­en 1995 mit 1,19 Kin­dern regi­striert. 2017 lag sie bei 1,32. Eine wirk­li­che Erho­lung ist nicht in Sicht, obwohl seit mehr als 20 Jah­ren die höhe­re Gebur­ten­ra­te der zuge­wan­der­ten Aus­län­der und Ein­ge­bür­ger­ten zu Buche schlägt. Ita­li­en liegt 30 Pro­zent unter dem EU-Durch­schnitt und das, obwohl die EU ins­ge­samt die Welt­ge­gend mit der gering­sten Gebur­ten­ra­te ist.

Das schnel­le Ein­bre­chen der Gebur­ten­ra­te auch bei den Nicht-Ita­lie­nern weist auf ein kin­der­feind­li­ches Gesamt­kli­ma und vor allem eine kin­der­feind­li­che Geset­zes­la­ge hin.

„Die Zah­len zei­gen einen uner­bitt­li­chen Marsch in Rich­tung Aus­ster­ben unse­res Vol­kes an“, so Magister.

„Noch beein­drucken­der sind die Zah­len der Ehe­schlie­ßun­gen“, die den Gesamt­trend bestä­ti­gen. 2017 wur­den nur mehr 191.000 Ehen geschlos­sen. Das waren sechs Pro­zent weni­ger als im Vor­jahr. Einen stär­ke­ren Ein­bruch gab es nur 1975 im Jahr nach der Lega­li­sie­rung der Scheidung.

Wäh­rend die Zahl der Ehen mit zumin­dest einem aus­län­di­schen Ehe­gat­ten und Zweit­ehen von Geschie­de­nen steigt, bricht die Zahl der Erste­hen (Minus 7,3 Pro­zent) und der kirch­li­chen Ehen ein (Minus 10,5 Prozent).

Der Demo­graph und Sta­ti­sti­ker Rober­to Volpi schrieb am 29. Novem­ber in der Tages­zei­tung Il Foglio:

„Der Grund, war­um der Rück­gang der kirch­li­chen Ehe­schlie­ßun­gen noch besorg­nis­er­re­gen­der als der gan­ze Rest ist, ist schnell erklärt. Noch heu­te erfol­gen in Ita­li­en 70 Pro­zent der Gebur­ten in einer Ehe, und es ist die kirch­lich geschlos­se­ne Ehe im Ver­gleich zur stan­des­amt­li­chen Ehe, die ein­deu­tig die mei­sten Gebur­ten sichert. Letz­te­re neh­men vor allem Geschie­de­ne und ita­lie­nisch-aus­län­di­sche gemisch­te und ver­schie­den­re­li­giö­se Paa­re in Anspruch.“

Und wei­ter:

„Die hohe Ehe­ra­te war in Ita­li­en kenn­zeich­nend in den Jah­ren des Wie­der­auf­baus nach dem Krieg, des Wirt­schafts­wun­ders, der Unter­neh­mungs­lust und des Ver­trau­ens in die Zukunft. Es sind die Ehen, die uns sagen, wie gesund oder krank wir sind. Der­zeit sind wir mehr oder weni­ger dem End­sta­di­um nahe. Es wäre nicht schlecht, wenn die Kir­che, als erste, die den Preis bezah­len muß, das ver­ste­hen und sich eine Ruck geben würde.“

Letz­te­re Emp­feh­lung klingt für Magi­ster „para­dox“. Nicht des­halb, weil Volpi gar nicht dem katho­li­schen Bereich zuzu­ord­nen ist, also als Lai­zist die Kir­che ins Spiel bringt, son­dern weil die Kir­che soeben erst eine Fami­li­en­syn­ode, nein, zwei Fami­li­en­syn­oden durch­ge­führt hat.

Magi­ster resü­miert daraus:

„Para­dox aber wahr, weil die­se Dop­pel­syn­ode vor­sätz­lich ver­brannt wur­de durch den Dis­put über die Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und über die barm­her­zi­ge Zulas­sung von dem, was kei­ne Ehe ist, vom Zusam­men­le­ben bis zu den homo­se­xu­el­len Paaren.
Ein Streit, der das Feld den Fein­den der rich­ti­gen Ehe über­las­sen hat ganz nach dem berühm­te Satz des Titus Livi­us: Dum Romae con­su­litur, Sagun­tum expug­na­tur.“

Wört­lich: „Wäh­rend man in Rom dis­ku­tiert, wird Sag­unt erobert“. Oder sinn­ge­mä­ßer auf heu­te bezo­gen, wie es Magi­ster wiedergibt:

„Wäh­rend man in Rom sinn­los dis­ku­tiert, dringt der Feind in die Stadt ein“.

Text: Andre­as Becker
Bild: MiL

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