Unverständnis, Ungehorsam und Apostasie – Reaktionen auf die Ablehnung von Homo-Segnungen

"Ich will nicht länger Komplize sein"

Andrés Gioeni 2000 bei seiner Priesterweihe, 2003 wurde er suspendiert, 2021 vollzog er öffentlich die Apostasie.
Andrés Gioeni 2000 bei seiner Priesterweihe, 2003 wurde er suspendiert, 2021 vollzog er öffentlich die Apostasie.

(Bue­nos Aires) Im deut­schen Sprach­raum zeigt sich Unge­hor­sam gegen die jüng­ste Ableh­nung durch Rom, homo­se­xu­el­le Paa­re zu seg­nen, in Argen­ti­ni­en sogar offe­ne Apostasie.

Ob Bischof Georg Bät­zing, der Bischof von Lim­burg und umtrie­bi­ge Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, oder Hel­mut Schül­ler, ehe­ma­li­ger Gene­ral­vi­kar der Erz­diö­ze­se Wien und 2011 Initia­tor des Auf­rufs zum Unge­hor­sam, gemein­sam ist ihnen das Unver­ständ­nis und die Ableh­nung der jüng­sten Ent­schei­dung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, daß homo­se­xu­el­le Paa­re kei­nen Segen von der Kir­che erhal­ten kön­nen. Schül­ler wäre nicht ein Rädels­füh­rer der unge­hor­sa­men Prie­ster, hät­te er nicht bereits ange­kün­digt, „wei­ter­hin“ homo­se­xu­el­le Paa­re zu segnen.

Doch auch in Argen­ti­ni­en, der Hei­mat von Papst Fran­zis­kus, die er seit acht Jah­ren nicht besucht, aber viel­leicht nun doch noch besu­chen könn­te, regt sich Auf­leh­nung. Was sich in Mit­tel­eu­ro­pa und Argen­ti­ni­en zeigt, ist nur die Spit­ze des Eis­ber­ges. Die Homo­hä­re­sie, wie sie Dari­usz Oko 2012 benann­te, ist tief in die Kir­che eingedrungen.

Der Fall Gioeni

Andrés Gio­e­ni wur­de im Jahr 2000 zum Prie­ster geweiht. Gestern gab er in Bue­nos Aires sei­nen Ent­schluß bekannt, der Kir­che den Rücken zu keh­ren, nach­dem vom Vati­kan ent­schie­den wur­de, gleich­ge­schlecht­li­che Ver­bin­dun­gen nicht zu seg­nen, weil Gott „die Sün­de nicht seg­nen kann“.

Für die Ankün­di­gung sei­ner Apost­asie erhielt Gio­e­ni treff­si­cher die Auf­merk­sam­keit von Asso­cia­ted Press (AP), einer der drei inter­na­tio­na­len Pres­se­agen­tu­ren, die im Medi­en­be­reich glo­bal den Ton ange­ben. AP titel­te gestern:

„Nach dem Veto beginnt ein schwu­ler ehe­ma­li­ger Prie­ster in Argen­ti­ni­en mit der Apostasie.“

Andrés Gio­e­ni ist in sei­ner Hei­mat ein bekann­ter Homo-Akti­vist. Genuß­voll wird uner­müd­lich wie­der­holt, auch von den Medi­en, daß der 49jährige ein Prie­ster ist. Sein Prie­ster­tum leg­te er aller­dings vor meh­re­ren Jah­ren ab, weil ihm die Homo­se­xua­li­tät wich­ti­ger war.

Gio­e­ni beton­te gegen­über AP, er habe bewußt den glei­chen Tag gewählt, um sei­nen Aus­tritt aus der Kir­che bekannt­zu­ge­ben, an dem er vor 21 Jah­ren zum Prie­ster geweiht wur­de. Gestern begab er sich in das bischöf­li­che Ordi­na­ri­at der Diö­ze­se San Isidro, um einen Brief abzu­ge­ben, mit dem er sei­nen Aus­tritt aus der Kir­che erklär­te. „Ich möch­te nicht wei­ter­hin ein Kom­pli­ze die­ser Struk­tur sein, weil ich den Scha­den erken­ne, den sie den Men­schen zufügt.“ Er ver­zich­te aber nicht auf sei­nen Glau­ben an Gott, jedoch auf die Kir­che und deren Taufe.

Er sei „wie ande­re homo­se­xu­el­le Katho­li­ken bestürzt“ gewe­sen, als er am Mon­tag hör­te, daß der Vati­kan die Seg­nung gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re ablehnt und damit begrün­det, daß sol­che Ver­bin­dun­gen „nicht Teil des gött­li­chen Pla­nes sind und jede sakra­men­ta­le Aner­ken­nung von ihnen mit der Ehe ver­wech­selt wer­den könne“.

Gio­e­ni will nicht län­ger der Kir­che ange­hö­ren, die den Sex von Homo­se­xu­el­len als „in sich unge­ord­net“ bezeich­net. Wahr­heits­wid­rig behaup­tet er, die Bibel wür­de „in kei­nem Text“ von einer Ableh­nung „gleich­ge­schlecht­li­cher Lie­be“ durch Gott spre­chen. Umso frei­mü­ti­ger bekennt er den Unge­hor­sam, selbst, solan­ge er noch akti­ver Prie­ster war, „vier Ver­bin­dun­gen zwi­schen Per­so­nen des glei­chen Geschlechts geseg­net“ zu haben.

AP bezeich­net ihn als „ein gutes Bei­spiel für die Wider­sprü­che, Qua­len und Her­aus­for­de­run­gen, denen sich Män­ner und Frau­en gegen­über­se­hen, die Teil der katho­li­schen Kir­che sind und ihre Homo­se­xua­li­tät annehmen“.

Andrés Gio­e­ni sei sei­nem Beru­fungs­weg in der Pro­vinz Men­do­za gefolgt, der aber, so AP, von Zwei­feln zu sei­ner Sexua­li­tät gequält wur­de. Er habe sich wäh­rend sei­ner Semi­nar­zeit „schreck­lich homo­phob“ ver­hal­ten und drei Semi­na­ri­sten den Obe­ren „ver­ra­ten“, die erklärt hat­ten, sich von ihm ange­zo­gen zu fühlen.

Kaum zum Prie­ster geweiht, begann er über Inter­net Kon­takt zur ört­li­chen Schwu­len­sze­ne zu suchen und orga­ni­sier­te auf die­se Wei­se sei­ne „erste sexu­el­le Erfah­rung mit einem ande­ren Mann“.

Nach einem Monat habe er die Ver­bin­dung abge­bro­chen, „um das Prie­ster­tum fort­zu­set­zen“. Aber dann habe er den Mann wie­der getrof­fen und gese­hen, daß er „mehr“ woll­te. Er habe dar­auf sei­nem Bischof gesagt, daß er „gehen muß“.

Die Kir­che habe ihm jedoch kei­ne psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe gebo­ten, „son­dern einen Raum neben der Orgel der Kathe­dra­le von Bue­nos Aires“, damit er sich sei­ner Glau­bens­kri­se stel­len kön­ne. „Es war mein Abstieg in die Hölle.“

2003 platz­te die Bom­be. Sei­ne sexu­el­len Vor­lie­ben wur­den öffent­lich bekannt, als er sich nackt auf der Titel­sei­te einer Schwu­len­zeit­schrift abbil­den ließ. Der Bischof unter­sag­te ihm dar­auf die wei­te­re Aus­übung sei­nes Prie­ster­tums. Er begann Schau­spiel zu stu­die­ren und arbei­te­te als Kell­ner in einem Nacht­club. Dort lern­te er Luis ken­nen, den er heu­te sei­nen „Mann“ nennt. Als Argen­ti­ni­en 2010 unter der link­s­pe­ro­ni­sti­schen Prä­si­den­tin Cri­sti­na Fernán­dez-Kirch­ner als erstes latein­ame­ri­ka­ni­sches Land die „Homo-Ehe“ ein­führ­te, „hei­ra­te­ten“ die bei­den. Seit­her war er ein Homo-Akti­vist, der sich vor allem für eine „Öff­nung“ der Kir­che gegen­über der Homo­se­xua­li­tät engagierte.

Was wer­de er nun auf die Fra­ge ant­wor­ten, wel­cher Reli­gi­on er ange­hö­re? „Ich glau­be an Gott.“ Punkt. 

Die Pro­pa­gan­da der Homo-Lob­by kor­rum­piert auf viel­fäl­ti­ge und schwer­wie­gen­de Wei­se. Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis: Die katho­li­sche Kir­che kennt weder einen Aus­tritt aus der Kir­che noch ein Able­gen des Prie­ster­tums. Da die Tau­fe und die Prie­ster­wei­he Sakra­men­te sind, kön­nen bei­de Schrit­te nicht rück­gän­gig gemacht wer­den. Was sie kennt, ist nur die Apost­asie, der Abfall vom Glau­ben, mit allen schwer­wie­gen­den Fol­gen für das See­len­heil. Die­sen Schritt setzt nicht die Kir­che, son­dern der Ein­zel­ne selbst.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

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1 Kommentar

  1. Die Ant­wort von Andrés Gio­e­ni zeigt eine recht ein­sei­tig Sicht. Dass die prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät nach der Leh­re der katho­li­schen Kir­che Sün­de ist, war schon bekannt als Gio­e­ni zum Prie­ster geweiht wur­de. Er hat sich damals unter fal­schen Vor­aus­set­zun­gen zum Prie­ster wei­hen las­sen und die­se Wei­he wur­de gespen­det auf der Grund­la­ge eines Betruges.

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