Jetzt unzensiert! Papst Franziskus erklärt Heinrich VIII. Amoris laetitia am Telefon

Pope Francis calls King Henry VIII

Jetzt unzensiert! Don Ossowitz legt das vollständige Telefongespräch vor, in dem Papst Franziskus König Heinrich VIII. von England Amoris laetitia erklärte.
Jetzt unzensiert! Don Ossowitz legt das vollständige Telefongespräch vor, in dem Papst Franziskus König Heinrich VIII. von England Amoris laetitia erklärte.

Am 6. April 2016 veröffentlichte Papst Franziskus das umstrittene, nachsynodale Schreiben Amoris laetitia. Als Reaktion darauf veröffentlichte Katholisches.info am 15. April 2016 die Realsatire Papst Franziskus erklärt „Amoris Laetitia“ – in einem seltsamen Telefonanruf. Giuseppe Nardi hatte dazu das italienische Original von Libertà e persona ins Deutsche übersetzt und ergänzt. Seither fand der ironische Text, der anschaulich verdeutlicht, was Amoris laetitia will, eine weite Verbreitung.
Zweieinhalb Jahre später ist das nachsynodale Schreiben umstrittener denn je, während die Amtsführung von Papst Franziskus weitere Kritik provoziert. Aus diesem Anlaß legt Don Ossowitz eine erweiterte Fassung der Telefon-Satire vor.

Pope Francis calls King Henry VIII

Ein Telefongespräch zwischen Jorge Mario Bergoglio, z. Zt. Papst Franziskus, und König Heinrich VIII. von England.
Die Sache mag respektlos scheinen, ist in Wirklichkeit aber schrecklich ernst. Der selige Iacopone von Todi und Dante Alighieri erlaubten sich gegenüber Papst Bonifatius VIII., die heilige Katharina von Siena gegenüber Papst Gregor XI. und Erasmus von Rotterdam gegenüber Papst Julius II. ganz andere Freiheiten, ohne dass das es für die Katholiken ihrer Zeit ein Skandal gewesen wäre.

Die von beiden besonders betonten Wörter wurden fett markiert.

(…Es klingelt)

Heinrich VIII.: Ja!?

Papst Franziskus: Buona sera! Ich bin es, Franziskus aus Rom!

Heinrich VIII.: Heiligkeit, was für eine Ehre und Freude. Wie kommt es nur, dass Sie mich anrufen?

Papst Franziskus: Ich telefoniere so gerne, z.B. auch mit dem Atheisten Scalfari, sie wissen, der Gründer der Tageszeitung La Repubblica.

Heinrich VIII.: Das habe ich auch schon gehört, aber warum rufen Sie mich an, ich bin doch kein Atheist und auch nicht links?

Papst Franziskus: Natürlich nicht, aber Ich habe diesen langen Brief gesehen, den Sie, wenn ich mich nicht irre, 1532 oder so dem Vatikan geschrieben haben.

Heinrich VIII.: Damit kommen Sie 500 Jahre zu spät … aber gut, Eure Heiligkeit, legen Sie los.

Papst Franziskus: Ich weiß, es tut mir leid! Ich muss Ihnen sagen, dass mein Vorgänger damals nicht gerade freundlich zu Ihnen war. Er war eben ein Mann, der ein bisschen an den Gesetzen hing. Ein Jurist und Philosoph der veralteten Schule eben, hart und unflexibel, ein bisschen Wojtylianer und ein bisschen Ratzingerianer eben. Er war etwas zu fixiert auf die Sache mit der Ehe und gegen den Relativismus. Aber jetzt haben sich die Dinge geändert. Jetzt bin ich hier mit meinen Ordensbrüdern und vielen deutschen Kardinälen, die alle mit Luther sympathisieren: Lehmann, Kasper, Marx … Kennen Sie die?

Heinrich VIII.: Das sind doch die, die in ihren Ländern den 2000 Jahre alten katholisch-spirituellen Ballast aus den Kirchen entsorgt haben, nicht mehr evangelisieren wollen und die Kirchen erfolgreich geleert haben und nun anderen Ratschläge geben, damit die das genauso machen?

Papst Franziskus: Ja, die sind es und die schaffen das auch…

Heinrich VIII.: Das glaube ich auch, wenn man sieht, wie Kasper, Marx und der Wiener, durch die Kirchensteuermilliarden gemästet und wohlgenährt, mehr den Zeitgeist als den Teufel fürchten. Und wenn sie trotzdem manchmal von dem Mainstream bespuckt werden, dann rufen sie unisono wie die Protestanten: „Es regnet, es regnet, Halleluja!“. Da kann ja nichts schief gehen!

Papst Franziskus: Heinrich, übertreiben Sie nicht? Ich muss meine Freunde schon in Schutz nehmen. Die machen alles was ich will – und noch mehr! Der Strohm von der EKD …

Heinrich VIII.: Ja, der Strohm von der EKD sagt mir hinter vorgehaltener Hand, dass bei ihm noch weniger in die Kirche gehen, und sie nur noch die Kirchensteuermilliarden und die Posten verwalten, ab und zu ein Wort zum Sonntag sprechen und deswegen viel Zeit haben für SPD und Grüne, Gender-Mainstreaming, bunte Vielfalt, Umweltschutz, muslimische Einwanderer und Reisen z.B. zum Mufti nach Jerusalem.

Papst Franziskus: Das wollen meine Ordensbrüder und deutschen Freunde, die ich als Berater berufen habe, auch. Der Karl Marx, äh… pardon, Reinhard, hat für sich und seine Entourage als Romabsteige für 10 Millionen Euro einen Palazzo mit 10 Gästezimmern gekauft((Bistum kauft 10-Millionen-Villa)), damit er in Rom passend residieren kann und nicht bei mir im Domus Santa Marta wohnen muss. Nicht so ganz mein Stil, aber naja… Außerdem habe ich einen protestantischen Pastor zum Leiter der argentinischen Ausgabe des Osservatore Romano ernannt.

Heinrich VIII.: Na ja, die Deutschen waren schon immer Aufschneider, Ehrgeizlinge und Wichtigtuer wie der Luther, den ich persönlich nicht mochte. Und Parvenüs ohne Stil wie der Dicke aus München. Haben nicht er und der EKD-Strohm neulich in Jerusalem bei den Muselmanen und später auch bei den Juden ihre Brust-Kreuze abgenommen? Als sie dafür ausgerechnet von den Juden kritisiert wurden, hat der Strohm auch noch gelogen und behauptet, die Juden hätten ihn darum gebeten, was diese kategorisch verneint haben.((Kardinal und Bischof verzichten auf Kreuz; Wolfsohn: Antwort an Kardinal und EKD-Vorsitzenden; Israel weist Aussagen Bedford-Strohms zurück.))

Papst Franziskus: Ich wurde auch schon kritisiert, z.B. dass ich von der Insel Lesbos 12 muslimische „Flüchtlinge“ in den Vatikan mitgenommen habe, aber keinen Christen, die angeblich auch noch in Europa von den Muslimen verfolgt werden…((Muslimischer Kapitän warf sechs Christen über Bord; Muslimische Flüchtlinge haben laut Zeugen zwölf Christen wegen ihres Glaubens über Bord geworfen; Getötet nur weil sie Christen waren.))

Heinrich VIII.: Heiligkeit, bei allem Respekt, das hätte ich schon allein aus Solidarität mit den weltweit besonders verfolgten Christen nicht getan! Und weil es bei uns schon zu viele von den Muslimen gibt, und sie immer unverschämter werden, und damit die vielen muslimischen Gäste von Frau Merkel mit deutschem EU-Pass nicht auch noch zu uns kommen, haben meine Landsleute für den Brexit gestimmt… Right or wrong – my country!

Papst Franziskus: Lassen wir das… Zurück zu Ihnen, ich möchte Ihren Fall neu bewerten. Schauen wir uns das doch kurz an. Ich hätte da nämlich an zwei mögliche Wege gedacht: Der erste ist, zu sehen, ob Ihre Ehe ungültig war. Haben Sie da irgendwelche Hinweise in diese Richtung?

Heinrich VIII.: Heiligkeit, ich bedauere, aber ich glaube nicht, dass sie ungültig ist. Wir hatten eine Tochter, Maria, und viele andere Kinder, die Fehlgeburten waren. Aber, was verstehen Sie denn genau unter ungültig?

Papst Franziskus: Nun, ich habe da einen Text geschrieben, „Amoris Laetitia“. Unter uns gesagt, er ist nicht ganz so klar, ich war in Eile, weil ich Scalfari anrufen wollte. So kann ihn jeder interpretieren wie er will. Die meisten Bischöfe und Theologen, wenn sie etwas werden wollen, schweigen oder sagen: Es ist alles klar in Amoris Laetitia! Der Rest ist sowieso religiös ungebildet bis ahnungslos. Aber es gibt auch Querulanten, die meine Aufforderung zur Offenheit, zur offenen Diskussion und zum Dialog missbrauchen, die Klarheit verlangen und die Unverschämtheit besitzen, mir auch noch Fragen zu stellen.((Vier Kardinäle stellen sich Papst Franziskus mit fünf Dubia zu Amoris laetitia frontal in den Weg; Robert Spaemann zu den Dubia: Kardinäle haben den korrekten Weg eingehalten.))

Heinrich VIII.: Habe davon gehört… auch weil Sie angeblich im umstrittenen VIII. Kapitel über die Zweitehe schreiben, obwohl der erste Ehegatte noch lebt, und weil Sie kein einziges Mal Jesus zitieren, z.B. aus dem ärgerlichen 19. Kapitel des Matthäusevangeliums, das man mir zum Vorwurf gemacht hat. Heiligkeit, haben Sie das Thema vielleicht mir zu Ehren im VIII. Kapitel behandelt?

Papst Franziskus: Das kann schon sein, was steht da in dem 19. Kapitel des Evangeliums denn so wichtiges drin, dass man es zitieren muss? Ich hatte es, wie gesagt, sehr eilig. Meine vielen Freunde und Ordensbrüder haben die angeblich fehlenden Zitate nicht gestört. Keiner hat etwas gesagt. Kardinal Schönborn hat das Werk sehr gescheit erklärt und in höchsten Tönen gelobt, da habe ich ihn einen großen Theologen genannt.

Heinrich VIII: Seien Sie vorsichtig bei den Schönb…, ich meine, bei den Schmeichlern!

Papst Franziskus: Schönborns hin, Schmeichler her, machen Sie sich deshalb keine Sorgen. Es gibt auch noch eine andere Lösung, die ist ganz frisch. Sie nennt sich „Kasuistik“ oder „Von-Fall-zu-Fall-Beurteilung“. Haben Sie Bischof Galantino((Bischof Nunzio Galantino, Papst-Vertrauter und von Franziskus ernannter Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz.)) im Fernsehen gesehen, als er sie erklärt hat? Galantino ist ein Philosoph, der kann gut reden … Er ist ein wirklich offener, progressiver Katholik.

Denen vom Family Day((Massenkundgebung in Rom gegen die Einführung der „Homo-Ehe“ und der Gender-Ideologie an den Schulen durch die italienische Linksregierung. Am 30. Januar 2016 nahmen rund zwei Millionen Menschen daran teil. Bischof Galantino versuchte – nach Rücksprache mit dem Papst, wie es hieß – die Kundgebung zu verhindern)), die mit 2 Millionen in Rom ohne meine Zustimmung für die Ehe von Mann und Frau und gegen die Gender-Ideologie demonstriert haben, hat er es so richtig gegeben, und auch denen, die vor den Krankenhäusern gegen Abtreibung beten, hat er die Leviten gelesen. Das ist sein vorrangiges Engagement neben dem Ja zur muslimischen Einwanderung und dem Nein zu Bohrungen nach Erdgas in der Adria.

Heinrich VIII.: Um ehrlich zu sein: Ich schaue nur englisches Fernsehen. Ich kenne Mister Bean, aber Galantino kenne ich nicht. Muslime haben Europa schon immer, auch vor 500 Jahren bedroht. Da hat sich aber das christliche Abendland wie ein Mann tapfer verteidigt, und jetzt lässt man sie ohne Kontrolle einreisen. Was für ein Irrsinn! Und Erdgas, Heiligkeit, interessiert mich ehrlich gesagt nicht.

Papst Franziskus: Verzeihen Sie mir, ich verstehe schon. Nun, die Angelegenheit ist jedenfalls so: Wir sind nicht mehr so drastisch wie im Alten Testament, oder wie Jesus es im Neuen Testament zu deutlich, geradezu doktrinär gesagt hat. Damals ist man ein bisschen hart vorgegangen: „Treu in guten und schlechten Zeiten“ oder „Keinen Ehebruch begehen!“ und so. Finden Sie, dass man heutzutage noch so kategorisch sein kann? Wir werden daher einige zu rigide Worte Jesu im Neuen Testament kritisch analysieren und durch eine neue Interpretation so anpassen, bis die Menschen sie akzeptieren können. Auch der neue Chef der Jesuiten, Pater Arthuro Sosa aus Venezuela, kümmert sich schon mit Eifer darum.

Heinrich VIII.: Ich habe ein Interview mit ihm gelesen.((Neuer Jesuitengeneral Arturo Sosa will Jesus „neu interpretieren“ – „Das Wort Glaubenslehre mag ich nicht besonders“.)) Ist er auch Protestant wie der vom Osservatore? Er fordert eine „Neuinterpretation“ der so genannten „unmissverständlichen Jesus-Worte“ aus dem Matthäusevangelium. Das klingt vielversprechend, interessant! Aber fahren Sie fort!

Papst Franziskus: Stellen Sie sich das so vor: Das war vor 2000 Jahren neu, aber heute muss man die Leute da abholen, wo sie stehen oder liegen. … Deshalb ist der Satz von Jesus: „Der Mensch soll nicht trennen, was Gott verbunden hat“, neu zu interpretieren((Neuer Jesuitenchef relativiert Jesus-Worte über Scheidung.)). Heute will uns Jesus sagen: Der Mensch soll nicht trennen, außer…!
Haben Sie die Einführungsrede von Kasper zur Synode gelesen? Da hat er schon alles gesagt. Dann haben wir diese elendslangen Synoden abgezogen in der Hoffnung, dass die Synodenväter verstehen würden … Die Synodenväter haben aber nichts verstanden. Sie haben sich Kasper widersetzt. Besonders die Afrikaner haben vehement für die Unauflöslichkeit der Ehe gestritten, weil es angeblich Jesus so wollte und die Ehe und Familie stärkt.
Die Synodalität ist ein schönes Wort, es stammt ja auch von mir. Das klingt demokratisch, aber – unter uns gesagt – es braucht dann jemanden, der am Ende entscheidet. Renzi((Matteo Renzi, Linksdemokrat, bis 2016 italienischer Ministerpräsident.)) würde sagen, es braucht „Regierbarkeit“. Ich lasse sie also diskutieren, aber im Abschlussbericht steht dann, was ich will.

Heinrich VIII.: Heiligkeit, wer ist Renzi?

Papst Franziskus: Verzeihen Sie mir: Sie erwähnen Mister Bean, und ich darf nicht Renzi zitieren?

Heinrich VIII.: Nein, nein, machen Sie das ruhig … es ist ja ein Telefonat unter Freunden … Mich interessiert aber mehr der Satz, den Sie angefangen, aber nicht zu Ende geführt haben: „Der Mensch soll nicht trennen, außer …“, außer was?

Papst Franziskus: Ja, genau … aber da gibt es keine feste Regel, wir sind hier sehr flexibel. Wir beurteilen einfach kasuistisch von Fall zu Fall, ergebnisoffen. Also, erzählen Sie mir doch ein bisschen von Ihrem Fall.

Heinrich VIII.: Mein Fall ist, dass meine Frau eine richtige Nervensäge ist bzw. war. Und dazu war sie auch noch Spanierin. Und vor allem wollte sie mir keine Söhne schenken. Und überhaupt war Anna Boleyn wirklich sehr schön. Und wenn man alles in allem zusammennimmt … Sie verstehen das doch? Erinnern Sie sich, dass auch der Luther als eine der ersten Sachen dem Landgraf Philipp I. von Hessen die Bigamie erlaubte? Luther wusste mit den Grundsätzen umzugehen, so hatte er die Fürsten auf seiner Seite, die sich den Kirchen- und Klosterbesitz unter den Nagel rissen und ihre Untertanen zu Protestanten machten.
Der Papst, Ihr Vorgänger von damals, war ein richtiger Rüpel! Nur weil er sich sklavisch an die Worte Jesu gehalten hat, musste ich mit ihm brechen und eine eigene Kirche nach meinem Gusto gründen! Sie, Heiligkeit, sind aber jetzt auf dem richtigen Weg!

Papst Franziskus: Ich verstehe, ich verstehe … Schauen Sie, für mich ist das ganz schnell erledigt. Sie gehen zu einem Priester und sagen ihm, dass Sie mit mir gesprochen haben, und alles regelt sich.

Heinrich VIII.: Und wenn der Priester böse ist, wie alle Päpste bisher? Was, wenn das ein Pole ist, oder ein Neger wie Sarah. Oder wenn ich auf einen Deutschen stoße, nicht einen von den guten und wohlgenährten wie Marx, sondern auf einen von den dürren, wie… wie Ratzinger?

Papst Franziskus: Dann suchen Sie sich einfach einen anderen. Sie werden sehen, mit der neuen „Von-Fall-zu-Fall“-Regel findet sich schon einer, der Sie losspricht, und alles geht in Ordnung. Jeder Priester hat eine Blankovollmacht. Er muss nur seine Abwägungen machen. Die Beurteilung macht jeder einzelne Priester für sich. Oder, wenn Sie meinen … dann braucht es im Forum Internum nicht einmal ihn. Es genügt, dass Sie sich vor Ihrem Gewissen im Reinen fühlen. Und ich habe folgende Erfahrung gemacht: Überall wo Leute sich auf ihr Gewissen berufen, haben alle ein gutes Gewissen.

Heinrich VIII.: Jetzt sagen Sie mir aber unter uns: Wie halten Sie es denn mit Johannes dem Täufer, der sich den Kopf abschlagen ließ, weil er zu Herodes sagte: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben“? Und mit dem heiligen Paulus, der sagt, dass die Ehebrecher sich nicht täuschen sollen, was ihr ewiges Heil angeht?

Papst Franziskus: Passen Sie auf: Der Täufer war ein Hitzkopf. Er war einfach ein bisschen zu naiv und ein bisschen zu hart … Und auch Paulus, nachdem er vom Pferd gefallen ist, hat er auch allerhand geschrieben …Man darf es alles auch nicht zu eng sehen …

Heinrich VIII.: Ja, nicht zu eng sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Mensch nur 15 Prozent seines Hirns benutzt, und die meisten sogar mit weit weniger auskommen müssen.

Franziskus: Die Prozente interessieren mich nicht.

Heinrich VIII.: Gut, gut. Ich sehe, dass Ihr dort in Rom auch ohne Prozente wieder zu Verstand gekommen seid. Das freut mich. Lieber spät als nie. Aber wenn Sie mit der „Von-Fall-zu-Fall“-Regel das verstaubte Ehesakrament und die Unauflöslichkeit der Ehe außer Kraft setzen, dann sind doch auch das Weihesakrament für die Priester und der Zölibat vom Tisch?

Papst Franziskus: Darüber können wir ein andermal reden. Lass uns erst mit Hilfe der Deutschen, der Österreicher und meiner Jesuiten das starre Ehesakrament diskret peu à peu … entrümpeln!
Jetzt aber, lieber Heinrich, grüße ich Sie, weil ich noch eine Predigt gegen die Doktoren des Buchstabens, die Gesetzeslehrer vorbereiten muss, die Jesu Worte, wie deutlich oder undeutlich sie gesprochen wurden, über das Leben des Einzelnen stellen. Es ist schon die 345. Predigt in nur einem Jahr, aber das ist der Schlüssel.

Heinrich VIII.: Und was predigen Sie da?

Papst Franziskus: Hiebe und Knüppel für die Heuchler, die ihrer Frau und ihren Kindern treu sind, nur weil sie mit dem Finger auf andere zeigen wollen! Wissen Sie, die machen das nur, damit sie sich selbst gut finden können.
Hiebe und Knüppel auch für die Heuchler unter den Priestern. Die verwandeln den Beichtstuhl in eine Folterkammer! Haben Sie eine Ahnung, wie viele Priester ihre Gläubigen foltern, weil sie sie an das Eheversprechen, an die Gebote und die Sakramente erinnern und so ein schlechtes Gewissen hervorrufen!? Es gibt einige, wie diesen Pater Pio, die hat man sogar heiliggesprochen, obwohl sie sich manchmal geweigert haben, die Lossprechung zu geben!  …
Sie hingegen sind mir ein toller Bursche.

Heinrich VIII.: Mich hat Ihre Kirche jahrhundertelang verteufelt, und bei Ihnen fängt man auch schon damit an!

Papst Franziskus: Wie meinen Sie das?

Heinrich VIII.: Spötter, und die gibt es ja immer, behaupten, Sie würden die traditionellen, hübschen Papstschuhe verweigern, weil Ihre Hufe nicht hineinpassen, hahaha!

Papst Franziskus: Wer hat das gesagt?

Heinrich VIII.: Jedenfalls nicht Ihr Kammerdiener …
So, jetzt muss ich Sie aber um einen Gefallen bitten. Den schulden Sie mir als Entschädigung für das Unrecht, das mir vor 500 Jahren angetan wurde.

Papst Franziskus: Ja … was soll ich tun?

Heinrich VIII.: Ihr Vorgänger, Pius XI., hat Thomas Morus((Thomas Morus, Heiliger und Märtyrer, war seit 1517 Mitglied des englischen Kronrats und Diplomat im Dienst König Heinrichs VIII. Als Verteidiger der katholischen Kirche war er ein entschiedener Gegner Martin Luthers und dessen „Reformation“ und half Heinrich VIII. Schriften gegen Luther und zur Verteidigung des katholischen Glaubens zu verfassen. 1523 wurde er Parlamentssprecher, 1529 ernannte ihn Heinrich zum Lordkanzler von England in der Hoffnung, dass Morus die Annullierung der Ehe des Königs mit der Spanierin Katharina von Aragon unterstützen würde, was der Jurist beider Rechte jedoch wegen seiner Treue zum katholischen Glauben und wegen seines Gewissens ablehnte. 1532 trat er als Lordkanzler zurück, weil er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, einem Monarchen und einer Regierung zu dienen, die sich gegen das Ehesakrament und die Gewissensfreiheit so versündigt hatten. 1534 wurde von Morus ein Eid verlangt, die Legitimität der Kinder Heinrichs VIII. mit seiner illegitimen Frau Anna Boleyn anzuerkennen und der Autorität des Papstes in religiösen Dingen abzuschwören, was Morus ablehnte. Er wurde zum Tode verurteilt und 1535 als Märtyrer für den Glauben und sein Gewissen enthauptet. Sein Kopf wurde einen Monat lang in London öffentlich zur Schau gestellt.)) heiliggesprochen, und Johannes Paul II. hat ihn sogar zum Patron der Politiker gemacht. In Wirklichkeit, ich versichere es Ihnen, und ich muss das ja wissen, war Morus ein stumpfsinniger Paragraphenreiter. Das war so ein „Doktor des Buchstabens“. Der war Richter und wollte mir das Recht absprechen, meine Frau zu verstoßen, diese Spanierin. Deshalb möchte ich sie um eine ganz einfache Sache bitten: Holen Sie ihn von den Altären runter!
Apropos! Ist denn der Tod von Johannes dem Täufer und den anderen sogenannten Märtyrern des Ehesakraments im Lichte von Amoris Laetitia und der Relativierung der Unauflöslichkeit der Ehe nicht ein Ärgernis, ja eine Provokation?

Papst Franziskus: Mein Orden, Kasper, Marx und ich lassen uns weder von Heiligen noch irgendwelchen bibeltreuen Randgruppen in der Kirche provozieren!

Heinrich VIII.: Ich bin schon voll Anerkennung, wie Sie erst alle Katholiken zur einer offenen Diskussion auffordern, dann aber Ihre an der Schrift und Tradition klebenden Widersacher unblutig „enthaupten“. Oder wie Sie diesen Kardinal Burke auf einer 12.000 km entfernten Insel kaltgestellt haben. Auch Ihren „Buchstaben-Müller“(( Kardinal Gerhard Müller, seit  2012 Präfekt der römischen Glaubenskongregation. Franziskus setzt drei ausgezeichnete Priester und fähige Mitarbeiter der Glaubenskongregation vor die Tür. Kardinal Müller wurde als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre am 2. Juli 2017 von Papst Franziskus ohne Angabe von Gründen nicht bestätigt.)) haben Sie nach seinen drei engsten Mitarbeitern lautlos aus dem Weg geräumt
Böse Zungen behaupten sogar, je mehr Sie von „Barmherzigkeit“ sprechen, desto häufiger muss man die Köpfe zählen, die in ihrem Namen rollen, hahaha!

Papst Franziskus: Na, meinetwegen, sollen sie ruhig zählen. Ich bleibe bei meiner „Offenheit“ und „Barmherzigkeit“!

Heinrich VIII.: „Barmherzigkeit“ ist als Label nicht schlecht, geradezu genial! Zu dumm, dass mir damals nicht ein ähnlicher menschenfreundlicher Slogan eingefallen ist, als ich meine Widersacher aus dem Weg räumen musste! Aber gab es da nicht neulich unvorteilhafte kritische Plakate von Ihnen in Rom((Unmut gegen Franziskus wächst; Anti-Franziskus-Plakate in den Straßen Roms – „So etwas hat es von Katholiken noch nicht gegeben“)), und auch Sprüche wie „Man muss den Papst vor Bergoglio schützen!“? Oder „Bergoglio, werde endlich Papst!“?
Sind diese Anonymität und dieser Sarkasmus gegen Sie, Heiligkeit, nicht ein Zeichen einer Angst, die das Klima vergiftet?

Papst Franziskus: Kann schon sein … Das mit dem Thomas Morus, der Sie ärgert, geht in Ordnung. Im Übrigen habe ich schon einige, die statt ihm als Patron der Politiker in Frage kommen, z.B. den genialen Strippenzieher Danneels aus Brüssel, dem ich angeblich meine Wahl verdanke, die willigen Marx und Kasper oder meinen Freund Scalfari. Ich werde einen von ihnen, sobald sie sterben, auf den Platz von Morus setzen.

Heinrich VIII.: Der Deutsche füllt ja gleich den Platz von zwei aus (lacht englisch).
Wenn ich so nachdenke: Brauchen Sie dann heute eigentlich den Jesus und sein neues Testament noch? Die wenigsten kennen seine Worte und halten sich ja noch daran!
Es hätte gereicht, wenn er ein paar Wunder getan und uns fromme Sprüche zum Sonntag hinterlassen hätte, aber sich gleich auch noch ans Kreuz schlagen zu lassen, nur um uns zu erlösen, den Petrus dreimal in Versuchung zu führen und Judas als Verräter zu missbrauchen, der sich dann aus schlechtem Gewissen erhängt hat, das ist heute für die meisten zu viel ! Wollen die Menschen in Europa heute überhaupt noch erlöst werden?

Wäre da nicht der „Weltethos“ des Propheten Hans Küng zusammen mit dem Dalai Lama zeitgemäßer? Der Küng wäre übrigens genau der richtige Typ, um Morus zu ersetzen!

Papst Franziskus: Lieber Heinrich, nichts überstürzen, alles zu seiner Zeit! Das passt schon alles. Wichtig ist, dass wir uns verstehen. Und herzliche Grüße an Ihre Frau!

Heinrich VIII.: An Katharina?

Papst Franziskus: An … an die, die … Ich muss wieder an die Arbeit. Ich werde mit meinen Freunden eine synodale Änderung des Eheversprechens durchführen, statt „Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet“,  das ja nun doch ein bisschen in die Jahre gekommen ist, werde ich vielleicht die Formulierung einsetzen: „Ich verspreche Dir die Treue von Fall zu Fall, je nach den Lebensumständen“. So passen wir die Lehre der Pastoral und dem Zeitgeist an. Das nenne ich Barmherzigkeit!

Ich grüße Sie, Heinrich!

P.S. Der Text kann ungekürzt weiterverbreitet werden.

Original 2016: Libertà e persona
Deutsche Erstfassung 2016: Giuseppe Nardi
Erweiterte Neufassung 2018: Don Ossowitz

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