Jetzt unzensiert! Papst Franziskus erklärt Heinrich VIII. Amoris laetitia am Telefon

Pope Francis calls King Henry VIII

Jetzt unzensiert! Don Ossowitz legt das vollständige Telefongespräch vor, in dem Papst Franziskus König Heinrich VIII. von England Amoris laetitia erklärte.
Jetzt unzensiert! Don Ossowitz legt das vollständige Telefongespräch vor, in dem Papst Franziskus König Heinrich VIII. von England Amoris laetitia erklärte.

Am 6. April 2016 ver­öf­fent­lich­te Papst Fran­zis­kus das umstrit­te­ne, nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia. Als Reak­ti­on dar­auf ver­öf­fent­lich­te Katholisches.info am 15. April 2016 die Real­sa­ti­re Papst Fran­zis­kus erklärt „Amo­ris Lae­ti­tia“ – in einem selt­sa­men Tele­fon­an­ruf. Giu­sep­pe Nar­di hat­te dazu das ita­lie­ni­sche Ori­gi­nal von Liber­tà e per­so­na ins Deut­sche über­setzt und ergänzt. Seit­her fand der iro­ni­sche Text, der anschau­lich ver­deut­licht, was Amo­ris lae­ti­tia will, eine wei­te Ver­brei­tung.
Zwei­ein­halb Jah­re spä­ter ist das nach­syn­oda­le Schrei­ben umstrit­te­ner denn je, wäh­rend die Amts­füh­rung von Papst Fran­zis­kus wei­te­re Kri­tik pro­vo­ziert. Aus die­sem Anlaß legt Don Osso­witz eine erwei­ter­te Fas­sung der Tele­fon-Sati­re vor.

Pope Francis calls King Henry VIII

Ein Tele­fon­ge­spräch zwi­schen Jor­ge Mario Ber­go­glio, z. Zt. Papst Fran­zis­kus, und König Hein­rich VIII. von Eng­land.
Die Sache mag respekt­los schei­nen, ist in Wirk­lich­keit aber schreck­lich ernst. Der seli­ge Iaco­po­ne von Todi und Dan­te Ali­ghie­ri erlaub­ten sich gegen­über Papst Boni­fa­ti­us VIII., die hei­li­ge Katha­ri­na von Sie­na gegen­über Papst Gre­gor XI. und Eras­mus von Rot­ter­dam gegen­über Papst Juli­us II. ganz ande­re Frei­hei­ten, ohne dass das es für die Katho­li­ken ihrer Zeit ein Skan­dal gewe­sen wäre.

Die von bei­den beson­ders beton­ten Wör­ter wur­den fett mar­kiert.

(…Es klin­gelt)

Hein­rich VIII.: Ja!?

Papst Fran­zis­kus: Buo­na sera! Ich bin es, Fran­zis­kus aus Rom!

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, was für eine Ehre und Freu­de. Wie kommt es nur, dass Sie mich anru­fen?

Papst Fran­zis­kus: Ich tele­fo­nie­re so ger­ne, z.B. auch mit dem Athe­isten Scal­f­a­ri, sie wis­sen, der Grün­der der Tages­zei­tung La Repubbli­ca.

Hein­rich VIII.: Das habe ich auch schon gehört, aber war­um rufen Sie mich an, ich bin doch kein Athe­ist und auch nicht links?

Papst Fran­zis­kus: Natür­lich nicht, aber Ich habe die­sen lan­gen Brief gese­hen, den Sie, wenn ich mich nicht irre, 1532 oder so dem Vati­kan geschrie­ben haben.

Hein­rich VIII.: Damit kom­men Sie 500 Jah­re zu spät … aber gut, Eure Hei­lig­keit, legen Sie los.

Papst Fran­zis­kus: Ich weiß, es tut mir leid! Ich muss Ihnen sagen, dass mein Vor­gän­ger damals nicht gera­de freund­lich zu Ihnen war. Er war eben ein Mann, der ein biss­chen an den Geset­zen hing. Ein Jurist und Phi­lo­soph der ver­al­te­ten Schu­le eben, hart und unfle­xi­bel, ein biss­chen Woj­ty­lia­ner und ein biss­chen Ratz­in­ge­ria­ner eben. Er war etwas zu fixiert auf die Sache mit der Ehe und gegen den Rela­ti­vis­mus. Aber jetzt haben sich die Din­ge geän­dert. Jetzt bin ich hier mit mei­nen Ordens­brü­dern und vie­len deut­schen Kar­di­nä­len, die alle mit Luther sym­pa­thi­sie­ren: Leh­mann, Kas­per, Marx … Ken­nen Sie die?

Hein­rich VIII.: Das sind doch die, die in ihren Län­dern den 2000 Jah­re alten katho­lisch-spi­ri­tu­el­len Bal­last aus den Kir­chen ent­sorgt haben, nicht mehr evan­ge­li­sie­ren wol­len und die Kir­chen erfolg­reich geleert haben und nun ande­ren Rat­schlä­ge geben, damit die das genau­so machen?

Papst Fran­zis­kus: Ja, die sind es und die schaf­fen das auch…

Hein­rich VIII.: Das glau­be ich auch, wenn man sieht, wie Kas­per, Marx und der Wie­ner, durch die Kir­chen­steu­er­mil­li­ar­den gemä­stet und wohl­ge­nährt, mehr den Zeit­geist als den Teu­fel fürch­ten. Und wenn sie trotz­dem manch­mal von dem Main­stream bespuckt wer­den, dann rufen sie uni­so­no wie die Pro­te­stan­ten: „Es reg­net, es reg­net, Hal­le­lu­ja!“. Da kann ja nichts schief gehen!

Papst Fran­zis­kus: Hein­rich, über­trei­ben Sie nicht? Ich muss mei­ne Freun­de schon in Schutz neh­men. Die machen alles was ich will – und noch mehr! Der Strohm von der EKD …

Hein­rich VIII.: Ja, der Strohm von der EKD sagt mir hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, dass bei ihm noch weni­ger in die Kir­che gehen, und sie nur noch die Kir­chen­steu­er­mil­li­ar­den und die Posten ver­wal­ten, ab und zu ein Wort zum Sonn­tag spre­chen und des­we­gen viel Zeit haben für SPD und Grü­ne, Gen­der-Main­strea­ming, bun­te Viel­falt, Umwelt­schutz, mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rer und Rei­sen z.B. zum Muf­ti nach Jeru­sa­lem.

Papst Fran­zis­kus: Das wol­len mei­ne Ordens­brü­der und deut­schen Freun­de, die ich als Bera­ter beru­fen habe, auch. Der Karl Marx, äh… par­don, Rein­hard, hat für sich und sei­ne Entou­ra­ge als Romab­stei­ge für 10 Mil­lio­nen Euro einen Palaz­zo mit 10 Gäste­zim­mern gekauft((Bis­tum kauft 10-Mil­lio­nen-Vil­la)), damit er in Rom pas­send resi­die­ren kann und nicht bei mir im Domus San­ta Mar­ta woh­nen muss. Nicht so ganz mein Stil, aber naja… Außer­dem habe ich einen pro­te­stan­ti­schen Pastor zum Lei­ter der argen­ti­ni­schen Aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no ernannt.

Hein­rich VIII.: Na ja, die Deut­schen waren schon immer Auf­schnei­der, Ehr­geiz­lin­ge und Wich­tig­tu­er wie der Luther, den ich per­sön­lich nicht moch­te. Und Par­ve­nüs ohne Stil wie der Dicke aus Mün­chen. Haben nicht er und der EKD-Strohm neu­lich in Jeru­sa­lem bei den Musel­ma­nen und spä­ter auch bei den Juden ihre Brust-Kreu­ze abge­nom­men? Als sie dafür aus­ge­rech­net von den Juden kri­ti­siert wur­den, hat der Strohm auch noch gelo­gen und behaup­tet, die Juden hät­ten ihn dar­um gebe­ten, was die­se kate­go­risch ver­neint haben.((Kar­di­nal und Bischof ver­zich­ten auf Kreuz; Wolf­s­ohn: Ant­wort an Kar­di­nal und EKD-Vor­sit­zen­den; Isra­el weist Aus­sa­gen Bed­ford-Strohms zurück.))

Papst Fran­zis­kus: Ich wur­de auch schon kri­ti­siert, z.B. dass ich von der Insel Les­bos 12 mus­li­mi­sche „Flücht­lin­ge“ in den Vati­kan mit­ge­nom­men habe, aber kei­nen Chri­sten, die angeb­lich auch noch in Euro­pa von den Mus­li­men ver­folgt wer­den…((Mus­li­mi­scher Kapi­tän warf sechs Chri­sten über Bord; Mus­li­mi­sche Flücht­lin­ge haben laut Zeu­gen zwölf Chri­sten wegen ihres Glau­bens über Bord gewor­fen; Getö­tet nur weil sie Chri­sten waren.))

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, bei allem Respekt, das hät­te ich schon allein aus Soli­da­ri­tät mit den welt­weit beson­ders ver­folg­ten Chri­sten nicht getan! Und weil es bei uns schon zu vie­le von den Mus­li­men gibt, und sie immer unver­schäm­ter wer­den, und damit die vie­len mus­li­mi­schen Gäste von Frau Mer­kel mit deut­schem EU-Pass nicht auch noch zu uns kom­men, haben mei­ne Lands­leu­te für den Bre­x­it gestimmt… Right or wrong – my coun­try!

Papst Fran­zis­kus: Las­sen wir das… Zurück zu Ihnen, ich möch­te Ihren Fall neu bewer­ten. Schau­en wir uns das doch kurz an. Ich hät­te da näm­lich an zwei mög­li­che Wege gedacht: Der erste ist, zu sehen, ob Ihre Ehe ungül­tig war. Haben Sie da irgend­wel­che Hin­wei­se in die­se Rich­tung?

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, ich bedaue­re, aber ich glau­be nicht, dass sie ungül­tig ist. Wir hat­ten eine Toch­ter, Maria, und vie­le ande­re Kin­der, die Fehl­ge­bur­ten waren. Aber, was ver­ste­hen Sie denn genau unter ungül­tig?

Papst Fran­zis­kus: Nun, ich habe da einen Text geschrie­ben, „Amo­ris Lae­ti­tia“. Unter uns gesagt, er ist nicht ganz so klar, ich war in Eile, weil ich Scal­f­a­ri anru­fen woll­te. So kann ihn jeder inter­pre­tie­ren wie er will. Die mei­sten Bischö­fe und Theo­lo­gen, wenn sie etwas wer­den wol­len, schwei­gen oder sagen: Es ist alles klar in Amo­ris Lae­ti­tia! Der Rest ist sowie­so reli­gi­ös unge­bil­det bis ahnungs­los. Aber es gibt auch Que­ru­lan­ten, die mei­ne Auf­for­de­rung zur Offen­heit, zur offe­nen Dis­kus­si­on und zum Dia­log miss­brau­chen, die Klar­heit ver­lan­gen und die Unver­schämt­heit besit­zen, mir auch noch Fra­gen zu stel­len.((Vier Kar­di­nä­le stel­len sich Papst Fran­zis­kus mit fünf Dubia zu Amo­ris lae­ti­tia fron­tal in den Weg; Robert Spa­e­mann zu den Dubia: Kar­di­nä­le haben den kor­rek­ten Weg ein­ge­hal­ten.))

Hein­rich VIII.: Habe davon gehört… auch weil Sie angeb­lich im umstrit­te­nen VIII. Kapi­tel über die Zweite­he schrei­ben, obwohl der erste Ehe­gat­te noch lebt, und weil Sie kein ein­zi­ges Mal Jesus zitie­ren, z.B. aus dem ärger­li­chen 19. Kapi­tel des Mat­thäu­sevan­ge­li­ums, das man mir zum Vor­wurf gemacht hat. Hei­lig­keit, haben Sie das The­ma viel­leicht mir zu Ehren im VIII. Kapi­tel behan­delt?

Papst Fran­zis­kus: Das kann schon sein, was steht da in dem 19. Kapi­tel des Evan­ge­li­ums denn so wich­ti­ges drin, dass man es zitie­ren muss? Ich hat­te es, wie gesagt, sehr eilig. Mei­ne vie­len Freun­de und Ordens­brü­der haben die angeb­lich feh­len­den Zita­te nicht gestört. Kei­ner hat etwas gesagt. Kar­di­nal Schön­born hat das Werk sehr gescheit erklärt und in höch­sten Tönen gelobt, da habe ich ihn einen gro­ßen Theo­lo­gen genannt.

Hein­rich VIII: Sei­en Sie vor­sich­tig bei den Schönb…, ich mei­ne, bei den Schmeich­lern!

Papst Fran­zis­kus: Schön­borns hin, Schmeich­ler her, machen Sie sich des­halb kei­ne Sor­gen. Es gibt auch noch eine ande­re Lösung, die ist ganz frisch. Sie nennt sich „Kasu­istik“ oder „Von-Fall-zu-Fall-Beur­tei­lung“. Haben Sie Bischof Galantino((Bischof Nun­zio Galan­ti­no, Papst-Ver­trau­ter und von Fran­zis­kus ernann­ter Gene­ral­se­kre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.)) im Fern­se­hen gese­hen, als er sie erklärt hat? Galan­ti­no ist ein Phi­lo­soph, der kann gut reden … Er ist ein wirk­lich offe­ner, pro­gres­si­ver Katho­lik.

Denen vom Fami­ly Day((Mas­sen­kund­ge­bung in Rom gegen die Ein­füh­rung der „Homo-Ehe“ und der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len durch die ita­lie­ni­sche Links­re­gie­rung. Am 30. Janu­ar 2016 nah­men rund zwei Mil­lio­nen Men­schen dar­an teil. Bischof Galan­ti­no ver­such­te – nach Rück­spra­che mit dem Papst, wie es hieß – die Kund­ge­bung zu ver­hin­dern)), die mit 2 Mil­lio­nen in Rom ohne mei­ne Zustim­mung für die Ehe von Mann und Frau und gegen die Gen­der-Ideo­lo­gie demon­striert haben, hat er es so rich­tig gege­ben, und auch denen, die vor den Kran­ken­häu­sern gegen Abtrei­bung beten, hat er die Levi­ten gele­sen. Das ist sein vor­ran­gi­ges Enga­ge­ment neben dem Ja zur mus­li­mi­schen Ein­wan­de­rung und dem Nein zu Boh­run­gen nach Erd­gas in der Adria.

Hein­rich VIII.: Um ehr­lich zu sein: Ich schaue nur eng­li­sches Fern­se­hen. Ich ken­ne Mister Bean, aber Galan­ti­no ken­ne ich nicht. Mus­li­me haben Euro­pa schon immer, auch vor 500 Jah­ren bedroht. Da hat sich aber das christ­li­che Abend­land wie ein Mann tap­fer ver­tei­digt, und jetzt lässt man sie ohne Kon­trol­le ein­rei­sen. Was für ein Irr­sinn! Und Erd­gas, Hei­lig­keit, inter­es­siert mich ehr­lich gesagt nicht.

Papst Fran­zis­kus: Ver­zei­hen Sie mir, ich ver­ste­he schon. Nun, die Ange­le­gen­heit ist jeden­falls so: Wir sind nicht mehr so dra­stisch wie im Alten Testa­ment, oder wie Jesus es im Neu­en Testa­ment zu deut­lich, gera­de­zu dok­tri­när gesagt hat. Damals ist man ein biss­chen hart vor­ge­gan­gen: „Treu in guten und schlech­ten Zei­ten“ oder „Kei­nen Ehe­bruch bege­hen!“ und so. Fin­den Sie, dass man heut­zu­ta­ge noch so kate­go­risch sein kann? Wir wer­den daher eini­ge zu rigi­de Wor­te Jesu im Neu­en Testa­ment kri­tisch ana­ly­sie­ren und durch eine neue Inter­pre­ta­ti­on so anpas­sen, bis die Men­schen sie akzep­tie­ren kön­nen. Auch der neue Chef der Jesui­ten, Pater Arthu­ro Sosa aus Vene­zue­la, küm­mert sich schon mit Eifer dar­um.

Hein­rich VIII.: Ich habe ein Inter­view mit ihm gele­sen.((Neu­er Jesui­ten­ge­ne­ral Arturo Sosa will Jesus „neu inter­pre­tie­ren“ – „Das Wort Glau­bens­leh­re mag ich nicht beson­ders“.)) Ist er auch Pro­te­stant wie der vom Osser­va­to­re? Er for­dert eine „Neu­in­ter­pre­ta­ti­on“ der so genann­ten „unmiss­ver­ständ­li­chen Jesus-Wor­te“ aus dem Mat­thäu­sevan­ge­li­um. Das klingt viel­ver­spre­chend, inter­es­sant! Aber fah­ren Sie fort!

Papst Fran­zis­kus: Stel­len Sie sich das so vor: Das war vor 2000 Jah­ren neu, aber heu­te muss man die Leu­te da abho­len, wo sie ste­hen oder lie­gen. … Des­halb ist der Satz von Jesus: „Der Mensch soll nicht tren­nen, was Gott ver­bun­den hat“, neu zu inter­pre­tie­ren((Neu­er Jesui­ten­chef rela­ti­viert Jesus-Wor­te über Schei­dung.)). Heu­te will uns Jesus sagen: Der Mensch soll nicht tren­nen, außer…!
Haben Sie die Ein­füh­rungs­re­de von Kas­per zur Syn­ode gele­sen? Da hat er schon alles gesagt. Dann haben wir die­se elend­slan­gen Syn­oden abge­zo­gen in der Hoff­nung, dass die Syn­oden­vä­ter ver­ste­hen wür­den … Die Syn­oden­vä­ter haben aber nichts ver­stan­den. Sie haben sich Kas­per wider­setzt. Beson­ders die Afri­ka­ner haben vehe­ment für die Unauf­lös­lich­keit der Ehe gestrit­ten, weil es angeb­lich Jesus so woll­te und die Ehe und Fami­lie stärkt.
Die Syn­oda­li­tät ist ein schö­nes Wort, es stammt ja auch von mir. Das klingt demo­kra­tisch, aber – unter uns gesagt – es braucht dann jeman­den, der am Ende ent­schei­det. Renzi((Matteo Ren­zi, Links­de­mo­krat, bis 2016 ita­lie­ni­scher Mini­ster­prä­si­dent.)) wür­de sagen, es braucht „Regier­bar­keit“. Ich las­se sie also dis­ku­tie­ren, aber im Abschluss­be­richt steht dann, was ich will.

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, wer ist Ren­zi?

Papst Fran­zis­kus: Ver­zei­hen Sie mir: Sie erwäh­nen Mister Bean, und ich darf nicht Ren­zi zitie­ren?

Hein­rich VIII.: Nein, nein, machen Sie das ruhig … es ist ja ein Tele­fo­nat unter Freun­den … Mich inter­es­siert aber mehr der Satz, den Sie ange­fan­gen, aber nicht zu Ende geführt haben: „Der Mensch soll nicht tren­nen, außer …“, außer was?

Papst Fran­zis­kus: Ja, genau … aber da gibt es kei­ne feste Regel, wir sind hier sehr fle­xi­bel. Wir beur­tei­len ein­fach kasu­istisch von Fall zu Fall, ergeb­nis­of­fen. Also, erzäh­len Sie mir doch ein biss­chen von Ihrem Fall.

Hein­rich VIII.: Mein Fall ist, dass mei­ne Frau eine rich­ti­ge Ner­ven­sä­ge ist bzw. war. Und dazu war sie auch noch Spa­nie­rin. Und vor allem woll­te sie mir kei­ne Söh­ne schen­ken. Und über­haupt war Anna Boleyn wirk­lich sehr schön. Und wenn man alles in allem zusam­men­nimmt … Sie ver­ste­hen das doch? Erin­nern Sie sich, dass auch der Luther als eine der ersten Sachen dem Land­graf Phil­ipp I. von Hes­sen die Biga­mie erlaub­te? Luther wuss­te mit den Grund­sät­zen umzu­ge­hen, so hat­te er die Für­sten auf sei­ner Sei­te, die sich den Kir­chen- und Klo­ster­be­sitz unter den Nagel ris­sen und ihre Unter­ta­nen zu Pro­te­stan­ten mach­ten.
Der Papst, Ihr Vor­gän­ger von damals, war ein rich­ti­ger Rüpel! Nur weil er sich skla­visch an die Wor­te Jesu gehal­ten hat, muss­te ich mit ihm bre­chen und eine eige­ne Kir­che nach mei­nem Gusto grün­den! Sie, Hei­lig­keit, sind aber jetzt auf dem rich­ti­gen Weg!

Papst Fran­zis­kus: Ich ver­ste­he, ich ver­ste­he … Schau­en Sie, für mich ist das ganz schnell erle­digt. Sie gehen zu einem Prie­ster und sagen ihm, dass Sie mit mir gespro­chen haben, und alles regelt sich.

Hein­rich VIII.: Und wenn der Prie­ster böse ist, wie alle Päp­ste bis­her? Was, wenn das ein Pole ist, oder ein Neger wie Sarah. Oder wenn ich auf einen Deut­schen sto­ße, nicht einen von den guten und wohl­ge­nähr­ten wie Marx, son­dern auf einen von den dür­ren, wie… wie Ratz­in­ger?

Papst Fran­zis­kus: Dann suchen Sie sich ein­fach einen ande­ren. Sie wer­den sehen, mit der neu­en „Von-Fall-zu-Fall“-Regel fin­det sich schon einer, der Sie los­spricht, und alles geht in Ord­nung. Jeder Prie­ster hat eine Blan­ko­voll­macht. Er muss nur sei­ne Abwä­gun­gen machen. Die Beur­tei­lung macht jeder ein­zel­ne Prie­ster für sich. Oder, wenn Sie mei­nen … dann braucht es im Forum Inter­num nicht ein­mal ihn. Es genügt, dass Sie sich vor Ihrem Gewis­sen im Rei­nen füh­len. Und ich habe fol­gen­de Erfah­rung gemacht: Über­all wo Leu­te sich auf ihr Gewis­sen beru­fen, haben alle ein gutes Gewis­sen.

Hein­rich VIII.: Jetzt sagen Sie mir aber unter uns: Wie hal­ten Sie es denn mit Johan­nes dem Täu­fer, der sich den Kopf abschla­gen ließ, weil er zu Hero­des sag­te: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau dei­nes Bru­ders zu haben“? Und mit dem hei­li­gen Pau­lus, der sagt, dass die Ehe­bre­cher sich nicht täu­schen sol­len, was ihr ewi­ges Heil angeht?

Papst Fran­zis­kus: Pas­sen Sie auf: Der Täu­fer war ein Hitz­kopf. Er war ein­fach ein biss­chen zu naiv und ein biss­chen zu hart … Und auch Pau­lus, nach­dem er vom Pferd gefal­len ist, hat er auch aller­hand geschrie­ben …Man darf es alles auch nicht zu eng sehen …

Hein­rich VIII.: Ja, nicht zu eng sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Mensch nur 15 Pro­zent sei­nes Hirns benutzt, und die mei­sten sogar mit weit weni­ger aus­kom­men müs­sen.

Fran­zis­kus: Die Pro­zen­te inter­es­sie­ren mich nicht.

Hein­rich VIII.: Gut, gut. Ich sehe, dass Ihr dort in Rom auch ohne Pro­zen­te wie­der zu Ver­stand gekom­men seid. Das freut mich. Lie­ber spät als nie. Aber wenn Sie mit der „Von-Fall-zu-Fall“-Regel das ver­staub­te Ehe­sa­kra­ment und die Unauf­lös­lich­keit der Ehe außer Kraft set­zen, dann sind doch auch das Wei­he­sa­kra­ment für die Prie­ster und der Zöli­bat vom Tisch?

Papst Fran­zis­kus: Dar­über kön­nen wir ein ander­mal reden. Lass uns erst mit Hil­fe der Deut­schen, der Öster­rei­cher und mei­ner Jesui­ten das star­re Ehe­sa­kra­ment dis­kret peu à peu … ent­rüm­peln!
Jetzt aber, lie­ber Hein­rich, grü­ße ich Sie, weil ich noch eine Pre­digt gegen die Dok­to­ren des Buch­sta­bens, die Geset­zes­leh­rer vor­be­rei­ten muss, die Jesu Wor­te, wie deut­lich oder undeut­lich sie gespro­chen wur­den, über das Leben des Ein­zel­nen stel­len. Es ist schon die 345. Pre­digt in nur einem Jahr, aber das ist der Schlüs­sel.

Hein­rich VIII.: Und was pre­di­gen Sie da?

Papst Fran­zis­kus: Hie­be und Knüp­pel für die Heuch­ler, die ihrer Frau und ihren Kin­dern treu sind, nur weil sie mit dem Fin­ger auf ande­re zei­gen wol­len! Wis­sen Sie, die machen das nur, damit sie sich selbst gut fin­den kön­nen.
Hie­be und Knüp­pel auch für die Heuch­ler unter den Prie­stern. Die ver­wan­deln den Beicht­stuhl in eine Fol­ter­kam­mer! Haben Sie eine Ahnung, wie vie­le Prie­ster ihre Gläu­bi­gen fol­tern, weil sie sie an das Ehe­ver­spre­chen, an die Gebo­te und die Sakra­men­te erin­nern und so ein schlech­tes Gewis­sen her­vor­ru­fen!? Es gibt eini­ge, wie die­sen Pater Pio, die hat man sogar hei­lig­ge­spro­chen, obwohl sie sich manch­mal gewei­gert haben, die Los­spre­chung zu geben!  …
Sie hin­ge­gen sind mir ein tol­ler Bur­sche.

Hein­rich VIII.: Mich hat Ihre Kir­che jahr­hun­der­te­lang ver­teu­felt, und bei Ihnen fängt man auch schon damit an!

Papst Fran­zis­kus: Wie mei­nen Sie das?

Hein­rich VIII.: Spöt­ter, und die gibt es ja immer, behaup­ten, Sie wür­den die tra­di­tio­nel­len, hüb­schen Papst­schu­he ver­wei­gern, weil Ihre Hufe nicht hin­ein­pas­sen, haha­ha!

Papst Fran­zis­kus: Wer hat das gesagt?

Hein­rich VIII.: Jeden­falls nicht Ihr Kam­mer­die­ner …
So, jetzt muss ich Sie aber um einen Gefal­len bit­ten. Den schul­den Sie mir als Ent­schä­di­gung für das Unrecht, das mir vor 500 Jah­ren ange­tan wur­de.

Papst Fran­zis­kus: Ja … was soll ich tun?

Hein­rich VIII.: Ihr Vor­gän­ger, Pius XI., hat Tho­mas Morus((Thomas Morus, Hei­li­ger und Mär­ty­rer, war seit 1517 Mit­glied des eng­li­schen Kron­rats und Diplo­mat im Dienst König Hein­richs VIII. Als Ver­tei­di­ger der katho­li­schen Kir­che war er ein ent­schie­de­ner Geg­ner Mar­tin Luthers und des­sen „Refor­ma­ti­on“ und half Hein­rich VIII. Schrif­ten gegen Luther und zur Ver­tei­di­gung des katho­li­schen Glau­bens zu ver­fas­sen. 1523 wur­de er Par­la­ments­spre­cher, 1529 ernann­te ihn Hein­rich zum Lord­kanz­ler von Eng­land in der Hoff­nung, dass Morus die Annul­lie­rung der Ehe des Königs mit der Spa­nie­rin Katha­ri­na von Ara­gon unter­stüt­zen wür­de, was der Jurist bei­der Rech­te jedoch wegen sei­ner Treue zum katho­li­schen Glau­ben und wegen sei­nes Gewis­sens ablehn­te. 1532 trat er als Lord­kanz­ler zurück, weil er es mit sei­nem Gewis­sen nicht ver­ein­ba­ren konn­te, einem Mon­ar­chen und einer Regie­rung zu die­nen, die sich gegen das Ehe­sa­kra­ment und die Gewis­sens­frei­heit so ver­sün­digt hat­ten. 1534 wur­de von Morus ein Eid ver­langt, die Legi­ti­mi­tät der Kin­der Hein­richs VIII. mit sei­ner ille­gi­ti­men Frau Anna Boleyn anzu­er­ken­nen und der Auto­ri­tät des Pap­stes in reli­giö­sen Din­gen abzu­schwö­ren, was Morus ablehn­te. Er wur­de zum Tode ver­ur­teilt und 1535 als Mär­ty­rer für den Glau­ben und sein Gewis­sen ent­haup­tet. Sein Kopf wur­de einen Monat lang in Lon­don öffent­lich zur Schau gestellt.)) hei­lig­ge­spro­chen, und Johan­nes Paul II. hat ihn sogar zum Patron der Poli­ti­ker gemacht. In Wirk­lich­keit, ich ver­si­che­re es Ihnen, und ich muss das ja wis­sen, war Morus ein stumpf­sin­ni­ger Para­gra­phen­rei­ter. Das war so ein „Dok­tor des Buch­sta­bens“. Der war Rich­ter und woll­te mir das Recht abspre­chen, mei­ne Frau zu ver­sto­ßen, die­se Spa­nie­rin. Des­halb möch­te ich sie um eine ganz ein­fa­che Sache bit­ten: Holen Sie ihn von den Altä­ren run­ter!
Apro­pos! Ist denn der Tod von Johan­nes dem Täu­fer und den ande­ren soge­nann­ten Mär­ty­rern des Ehe­sa­kra­ments im Lich­te von Amo­ris Lae­ti­tia und der Rela­ti­vie­rung der Unauf­lös­lich­keit der Ehe nicht ein Ärger­nis, ja eine Pro­vo­ka­ti­on?

Papst Fran­zis­kus: Mein Orden, Kas­per, Marx und ich las­sen uns weder von Hei­li­gen noch irgend­wel­chen bibel­treu­en Rand­grup­pen in der Kir­che pro­vo­zie­ren!

Hein­rich VIII.: Ich bin schon voll Aner­ken­nung, wie Sie erst alle Katho­li­ken zur einer offe­nen Dis­kus­si­on auf­for­dern, dann aber Ihre an der Schrift und Tra­di­ti­on kle­ben­den Wider­sa­cher unblu­tig „ent­haup­ten“. Oder wie Sie die­sen Kar­di­nal Bur­ke auf einer 12.000 km ent­fern­ten Insel kalt­ge­stellt haben. Auch Ihren „Buch­sta­ben-Mül­ler“(( Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, seit  2012 Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Fran­zis­kus setzt drei aus­ge­zeich­ne­te Prie­ster und fähi­ge Mit­ar­bei­ter der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vor die Tür. Kar­di­nal Mül­ler wur­de als Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re am 2. Juli 2017 von Papst Fran­zis­kus ohne Anga­be von Grün­den nicht bestä­tigt.)) haben Sie nach sei­nen drei eng­sten Mit­ar­bei­tern laut­los aus dem Weg geräumt
Böse Zun­gen behaup­ten sogar, je mehr Sie von „Barm­her­zig­keit“ spre­chen, desto häu­fi­ger muss man die Köp­fe zäh­len, die in ihrem Namen rol­len, haha­ha!

Papst Fran­zis­kus: Na, mei­net­we­gen, sol­len sie ruhig zäh­len. Ich blei­be bei mei­ner „Offen­heit“ und „Barm­her­zig­keit“!

Hein­rich VIII.: „Barm­her­zig­keit“ ist als Label nicht schlecht, gera­de­zu geni­al! Zu dumm, dass mir damals nicht ein ähn­li­cher men­schen­freund­li­cher Slo­gan ein­ge­fal­len ist, als ich mei­ne Wider­sa­cher aus dem Weg räu­men muss­te! Aber gab es da nicht neu­lich unvor­teil­haf­te kri­ti­sche Pla­ka­te von Ihnen in Rom((Unmut gegen Fran­zis­kus wächst; Anti-Fran­zis­kus-Pla­ka­te in den Stra­ßen Roms – „So etwas hat es von Katho­li­ken noch nicht gege­ben“)), und auch Sprü­che wie „Man muss den Papst vor Ber­go­glio schüt­zen!“? Oder „Ber­go­glio, wer­de end­lich Papst!“?
Sind die­se Anony­mi­tät und die­ser Sar­kas­mus gegen Sie, Hei­lig­keit, nicht ein Zei­chen einer Angst, die das Kli­ma ver­gif­tet?

Papst Fran­zis­kus: Kann schon sein … Das mit dem Tho­mas Morus, der Sie ärgert, geht in Ord­nung. Im Übri­gen habe ich schon eini­ge, die statt ihm als Patron der Poli­ti­ker in Fra­ge kom­men, z.B. den genia­len Strip­pen­zie­her Dan­neels aus Brüs­sel, dem ich angeb­lich mei­ne Wahl ver­dan­ke, die wil­li­gen Marx und Kas­per oder mei­nen Freund Scal­f­a­ri. Ich wer­de einen von ihnen, sobald sie ster­ben, auf den Platz von Morus set­zen.

Hein­rich VIII.: Der Deut­sche füllt ja gleich den Platz von zwei aus (lacht eng­lisch).
Wenn ich so nach­den­ke: Brau­chen Sie dann heu­te eigent­lich den Jesus und sein neu­es Testa­ment noch? Die wenig­sten ken­nen sei­ne Wor­te und hal­ten sich ja noch dar­an!
Es hät­te gereicht, wenn er ein paar Wun­der getan und uns from­me Sprü­che zum Sonn­tag hin­ter­las­sen hät­te, aber sich gleich auch noch ans Kreuz schla­gen zu las­sen, nur um uns zu erlö­sen, den Petrus drei­mal in Ver­su­chung zu füh­ren und Judas als Ver­rä­ter zu miss­brau­chen, der sich dann aus schlech­tem Gewis­sen erhängt hat, das ist heu­te für die mei­sten zu viel ! Wol­len die Men­schen in Euro­pa heu­te über­haupt noch erlöst wer­den?

Wäre da nicht der „Welt­ethos“ des Pro­phe­ten Hans Küng zusam­men mit dem Dalai Lama zeit­ge­mä­ßer? Der Küng wäre übri­gens genau der rich­ti­ge Typ, um Morus zu erset­zen!

Papst Fran­zis­kus: Lie­ber Hein­rich, nichts über­stür­zen, alles zu sei­ner Zeit! Das passt schon alles. Wich­tig ist, dass wir uns ver­ste­hen. Und herz­li­che Grü­ße an Ihre Frau!

Hein­rich VIII.: An Katha­ri­na?

Papst Fran­zis­kus: An … an die, die … Ich muss wie­der an die Arbeit. Ich wer­de mit mei­nen Freun­den eine syn­oda­le Ände­rung des Ehe­ver­spre­chens durch­füh­ren, statt „Ich ver­spre­che dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesund­heit und Krank­heit, bis der Tod uns schei­det“,  das ja nun doch ein biss­chen in die Jah­re gekom­men ist, wer­de ich viel­leicht die For­mu­lie­rung ein­set­zen: „Ich ver­spre­che Dir die Treue von Fall zu Fall, je nach den Lebens­um­stän­den“. So pas­sen wir die Leh­re der Pasto­ral und dem Zeit­geist an. Das nen­ne ich Barm­her­zig­keit!

Ich grü­ße Sie, Hein­rich!

P.S. Der Text kann unge­kürzt wei­ter­ver­brei­tet wer­den.

Ori­gi­nal 2016: Liber­tà e per­so­na
Deut­sche Erst­fas­sung 2016: Giu­sep­pe Nar­di
Erwei­ter­te Neu­fas­sung 2018: Don Osso­witz




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