Neue Akademie für das Leben korrigiert vatikanische

Akademie für das Leben Euthanasie und Palliativmedizin: Die neue Akademie Johannes Paul II. für das Leben und die Familie (JAHLF) bemüht sich mit einem Grundsatzdokument die Verwirrung zu beseitigen, an der die neue Päpstliche Akademie für das Leben fleißig mitwirkt.
Euthanasie und Palliativmedizin: Die neue Akademie Johannes Paul II. für das Leben und die Familie (JAHLF) bemüht sich mit einem Grundsatzdokument die Verwirrung zu beseitigen, an der die neue Päpstliche Akademie für das Leben fleißig mitwirkt.

(Rom) Im August 2016 begann der Umbau der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben (PAV). Die­se Ein­rich­tung war von Papst Johan­nes Paul II. zur Unter­stüt­zung der Kul­tur des Lebens gegen die Kul­tur des Todes gedacht. Mit der Ernen­nung des umstrit­te­nen Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia (Gemein­schaft von Sant’Egidio) zum neu­en Vor­sit­zen­den soll­te die Aka­de­mie auf Ber­go­glio-Linie gebracht werden. 

Kursänderung und Säuberung

„Wir kön­nen uns nicht nur mit der Fra­ge der Abtrei­bung befas­sen. Man muß nicht end­los dar­über reden.“

Mit die­ser Aus­sa­ge hat­te Papst Fran­zis­kus im Sep­tem­ber 2013 die Kurs­än­de­rung bekannt­ge­ge­ben. Sein Pon­ti­fi­kat ist seit­her eine Absa­ge an den Kul­tur­kampf, was kon­kret bedeu­tet, daß die Kir­che, jeden­falls Papst und Vati­kan, der Kul­tur des Todes (Abtrei­bung, Eutha­na­sie, künst­li­che Befruch­tung, Zeu­gungs­feind­lich­keit) kei­nen wirk­li­chen Wider­stand mehr ent­ge­gen­set­zen. Die­ser hat­te gera­de die Pon­ti­fi­ka­te sei­ner bei­den Vor­gän­ger Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ausgezeichnet.

Vincenzo Paglia
Msgr. Vin­cen­zo Paglia

Bis zur Wahl von Fran­zis­kus bil­de­te die katho­li­sche Kir­che, ange­führt vom Papst, das Boll­werk gegen die sich aus­brei­ten­de Kul­tur des Todes. Nach­dem der Vati­kan auf Befehl Ber­go­gli­os die Fah­ne gestri­chen hat, ist die­se Rol­le auf die katho­li­sche Kir­che in den USA über­ge­gan­gen. Das ist der Grund, war­um bestimm­te Kir­chen­krei­se die US-Kir­che in ihrer heu­ti­gen Form anfein­den und eben­falls umbau­en wol­len. Erst jüngst kri­ti­sier­te der Jesu­it und Ber­go­glia­ner John O’Malley die „Kul­tur­kampf­men­ta­li­tät“, die in der US-Kir­che noch herr­sche. Sie soll, geht es nach die­sen Kir­chen­krei­sen, auch dort aus­ge­trie­ben wer­den, wie es in Euro­pa, zum Bei­spiel im deut­schen Sprach­raum, schon weit­ge­hend erfolg­reich gelun­gen ist.

Erz­bi­schof Paglia schritt als neu­er Aka­de­mie­prä­si­dent schnell zu den Taten. Er setz­te in einer radi­ka­len Säu­be­rungs­ak­ti­on alle Aka­de­mie­mit­glie­der, obwohl auf Lebens­zeit ernannt, mit einem Schlag vor die Tür. Im Juni 2017 wur­den neue Mit­glie­der ernannt. Die unlieb­sam­sten, weil ent­schie­den­sten Lebens­recht­ler ließ man vor der Tür und ersetz­te sie durch mut­maß­lich „fle­xi­ble­re“ Per­sön­lich­kei­ten, dar­un­ter auch wel­che mit zwei­fel­haf­ter Ver­gan­gen­heit in Sachen Abtrei­bung und Lebens­recht wie Nigel Big­gar und Kata­ri­na Le Blanc.

Zu den neu­en PAV-Mit­glie­dern gehört auch der Moral­theo­lo­ge Mau­ri­zio Chi­odi. Sei­ne Ernen­nung ließ im Zusam­men­hang auf­hor­chen. In der Ver­gan­gen­heit äußer­te er sich aus­ge­spro­chen kri­tisch zu Huma­nae vitae, Donum vitae und Evan­ge­li­um vitae. „Pro­ble­me“ hat Chi­odi auch mit der Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor. Kei­ne Pro­ble­me scheint er hin­ge­gen mit dem neu­en Kurs der „Unter­schei­dung“ (Ein­zel­fall statt all­ge­mein­gül­ti­ge Regel) von Papst Fran­zis­kus zu haben. Chi­odi ver­tritt abwei­chen­de Posi­tio­nen zu Ver­hü­tung, IVF, Homo­se­xua­li­tät, Eutha­na­sie, Gen­de­ris­mus. Jüngst behaup­te­te er in einem Refe­rat an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na in Rom, daß es „Umstän­de gibt, ich bezie­he mich auf Amo­ris lae­ti­tia, Ach­tes Kapi­tel, die gera­de aus Ver­ant­wor­tung die ‚Ver­hü­tung‘ verlangen“.

Das Refe­rat, über das am 8. Janu­ar Life­Si­teNews berich­te­te, wur­de am 28. Janu­ar im Avve­ni­re, der Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz abge­druckt und ihm damit ein offi­ziö­ser Anstrich gege­ben, der weit über die per­sön­li­che Mei­nung hin­aus­geht. Für die Zei­tung der Bischö­fe ist die pro­phe­ti­sche Enzy­kli­ka Huma­nae vitae von Papst Paul VI. offen­bar zu über­win­den und zu den Akten zu legen. Eine Posi­ti­on, die von den Bischö­fen des deut­schen Sprach­rau­mes schon 1968 gefor­dert und bis heu­te nicht kor­ri­giert wurde.

Die neue Akademie für das Leben (JAHLF)

Auf die­sen Hand­streich reagier­ten die raus­ge­wor­fe­nen Aka­de­mie­mit­glie­der, dar­un­ter enge Freun­de und Gefähr­ten von Papst Johan­nes Paul II. und Papst Bene­dikt XVI. wie Chri­sti­ne de Mar­cel­lus Voll­mer, Tho­mas Ward, Phil­ip­pe Sche­pens, Mer­ce­des Arzú Wil­son und Micha­el Schooyans, im Okto­ber 2017 mit der Grün­dung einer neu­en Aka­de­mie für das Leben. Sie trägt den Namen Aka­de­mie Johan­nes Paul II. für das Leben und die Fami­lie (John Paul II Aca­de­my für Human Life and the Fami­ly, JAHLF). Zum ersten Vor­sit­zen­den wur­de der bekann­te öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Josef Sei­fert gewählt, der wegen sei­ner sach­li­chen, aber kon­se­quen­ten Kri­tik am umstrit­te­nen Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia von Papst Fran­zis­kus Sank­tio­nen und Anfein­dun­gen erdul­den muß. Eine sol­che Kri­tik will man in San­ta Mar­ta nicht hören.

Seit drei Mona­ten gibt es daher zwei Aka­de­mien für das Leben. Die unab­hän­gi­ge Aka­de­mie Johan­nes Paul II. für das Leben und die Fami­lie (JAHLF), die das Erbe der von Johan­nes Paul II. gegrün­de­ten Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben im Kampf gegen die Kul­tur des Todes wei­terträgt, und die von Erz­bi­schof Paglia auf Ber­go­glio-Kurs gebrach­te Päpst­li­che Aka­de­mie für das Leben (PAV), die im Kampf der Kul­tu­ren abrü­stet und nach Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den sich aus­schlie­ßen­den Kul­tu­ren sucht.

Die JAHLF-Grün­dung ärgert nicht nur Paglia. Die neue Aka­de­mie erhebt näm­lich den Anspruch, den wah­ren Geist der alten Aka­de­mie für das Leben, wie sie die vori­gen Päp­ste als Boll­werk für die Kul­tur des Lebens gedacht hat­ten, zu bewah­ren. Ihre Exi­stenz wirft einen Schat­ten auf die offi­zi­el­le Päpst­li­che Aka­de­mie, der sie den Spie­gel vorhält.

Euthansie- und Abtreibungsbefürworter im Vatikan

Die Paglia-Aka­de­mie (PAV) kün­digt auf ihrer Inter­net­sei­te für den 28. Febru­ar bis 1. März 2018 eine inter­na­tio­na­le Tagung über Pal­lia­tiv­für­sor­ge an. Das Tagungs­the­ma lau­tet: Pal­lia­ti­ve Care: Ever­y­whe­re & by Ever­yo­ne. Pal­lia­ti­ve Care in ever­y­re­gi­on. Pal­lia­ti­ve care in ever­y­re­li­gi­on or belief.

WMA-Meeting Lebensende
WMA-Mee­ting Lebensende

Die Tagung, heißt es auf der PAV-Sei­te, “wird eine Gele­gen­heit sein, den ‚sta­te of the art‘ der Pal­lia­tiv­für­sor­ge in den ver­schie­de­nen, kon­ti­nen­ta­len Rea­li­tä­ten zu über­prü­fen, und will offi­zi­ell das Pal-Life-Pro­ject der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben zur Qua­li­täts- Ver­brei­tungs­kon­trol­le der Pal­lia­tiv­für­sor­ge in der Welt vorstellen“.

Die Tagung folgt auf ein Euro­päi­sches Regio­nal­mee­ting der World Medi­cal Asso­cia­ti­on zu Fra­gen des Lebens­en­des, das auf Ein­la­dung von Pagli­as Päpst­li­cher Aka­de­mie für das Leben am 16./17. Novem­ber 2017 im Vati­kan statt­fand. Unter den Refe­ren­ten befan­den sich zahl­rei­che Ver­fech­ter der Eutha­na­sie-Lega­li­sie­rung oder zumin­dest Ver­tre­ter des „Selbst­be­stim­mungs­rech­tes“ für das, was euphe­mi­stisch „Ster­be­hil­fe“ genannt wird. Unter ihnen befand sich auch die Vor­sit­zen­de des Schwei­zer Able­gers, des welt­größ­ten Abtrei­bungs­kon­zerns Plan­ned Paren­t­hood. Mit dem Mee­ting wur­den die Türen des Vati­kans noch ein Stück wei­ter für die Kul­tur des Todes geöffnet.

In der Öffent­lich­keit sorg­ten vor allem in jenen Tagen gespro­che­ne Wor­te von Papst Fran­zis­kus für Auf­se­hen, Begei­ste­rung und Ent­set­zen. Wor­te, die im Zusam­men­hang mit der öffent­li­chen Debat­te in Ita­li­en über die Lega­li­sie­rung der Eutha­na­sie stan­den und dort schwer­wie­gen­de Fol­gen zeitigten:

Das Dokument, mit die neue Akademie die alte kritisiert

Akademie für das Leben
JAHLF-Doku­ment

Eini­ge Refe­ra­te bei die­sem Mee­ting ver­an­laß­ten die von Prof. Sei­fert geführ­te John Paul II Aca­de­my for Human Life and the Fami­ly (JAHLF) zu einer grund­sätz­li­chen Stel­lung­nah­men. Dar­in wird ent­schie­de­ne Kri­tik an eini­gen Posi­tio­nen geübt, die im Rah­men des World Medi­cal Asso­cia­ti­on-Mee­tings im Vati­kan vor­ge­tra­gen wurden.

In beson­de­rer Wei­se kri­ti­siert das JAHLF-Doku­ment den soge­nann­ten „pro­fes­sio­nal con­sen­sus“, an den sich die Ärz­te­ge­mein­schaft zu hal­ten habe, der aber „kein ethisch gül­ti­ger Stan­dard ist“. Das Doku­ment zeigt viel­mehr auf, daß es eine abso­lu­te, mora­li­sche Pflicht gibt, einen sol­chen „Kon­sens“ abzulehnen.

Die JAHLF übt mit ihrem Doku­ment schar­fe Kri­tik an der Eutha­na­sie und der ärzt­li­chen Ster­be­hil­fe und klärt über das ver­schie­de­ne, teils wider­sprüch­li­che Begriffs­ver­ständ­nis von „Pal­lia­tiv­für­sor­ge“ (Pal­lia­ti­ve Care) auf. Ein wich­ti­ges Kapi­tel ist der Ter­mi­na­len Sedie­rung gewidmet.

Ein wich­ti­ges Doku­ment in einem ern­sten Moment. Ein Bei­trag zur Ent­wir­rung jener Ver­wir­rung, zu der der­zeit auch maß­geb­li­che Ver­tre­ter im Vati­kan flei­ßig beitragen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: PAV/Corrispondenza Roma­na (Screen­shots)