Das „lärmende Schweigen des Papstes und angeblich fortschrittlicher Kreise zur venezolanischen Tragödie“ — und zu Kuba

Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro und seine Sozialistische Einheitspartei PSUV führen Venezuela in eine Diktatur, "doch Papst Franziskus schweigt auch nach mehr als 100 Toten".
Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro und seine Sozialistische Einheitspartei PSUV führen Venezuela in eine Diktatur, "doch Papst Franziskus schweigt auch nach mehr als 100 Toten".

(Cara­cas) „Wenn der Papst über Vene­zue­la redet“, heißt ein Leit­ar­ti­kel von Ricar­do Roa, der in der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung Cla­rin ver­öf­fent­licht wur­de, die gegen­über Papst Fran­zis­kus, einem Lands­mann, nicht feind­lich geson­nen ist. Den­noch übt Roa deut­li­che Kri­tik an der Hal­tung des katho­li­schen Kir­chen­ober­haup­tes zur aktu­el­len Kri­se in Vene­zue­la. Der Autor wirft dem Papst vor, das wirk­li­che Aus­maß der Kri­se zu igno­rie­ren und den Hun­ger, unter dem Tei­le der vene­zo­la­ni­schen Bevöl­ke­rung lei­den, und die Todes­op­fer unter der Oppo­si­ti­on, die von Poli­zei und regie­rungs­na­hen „Revo­lu­ti­ons­kom­man­dos“ getö­tet oder gezielt ermor­det wer­den, zu ver­schwei­gen.

„Der Papst hat nichts zu sagen, zu den mehr als 100 Toten“

„Wenn der Papst über Vene­zue­la redet“, meint vor allem das Schwei­gen des Pap­stes. Der zen­tra­le Satz des Arti­kels lau­tet:

„Es ist ein lär­men­des Schwei­gen. Es ist ein Schwei­gen, das kläg­lich ist.“

Roas Leit­ar­ti­kel wur­de von Il Sis­mo­gra­fo, der sehr gut doku­men­tier­ten Pres­se­schau des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats – offen­bar wegen der kri­ti­schen Wor­te – nicht über­nom­men.

Roa macht gleich im ersten Satz deut­lich wor­um es ihm geht:

„Der Papst, der im Ruf steht, mit den Mäch­ti­gen deut­lich zu spre­chen, spricht nicht über Vene­zue­la.“

Und wei­ter:

„Er hat nichts zu sagen, zu den mehr als 100 Toten durch die Unter­drückung der Stra­ße, nichts zu den mehr als 500 poli­ti­schen Gefan­ge­nen, die es laut OAS gibt.“

Ricardo Roa über das Schweigen des Papstes
Ricar­do Roa über das Schwei­gen des Pap­stes

Die OAS ist die Orga­ni­sa­ti­on Ame­ri­ka­ni­scher Staa­ten, der alle 35 selb­stän­di­gen Staa­ten des ame­ri­ka­ni­schen Dop­pel­kon­ti­nents ange­hö­ren. Die Sus­pen­die­rung der Mit­glied­schaft Kubas wur­de 2009 auf­ge­ho­ben. Der Kari­bik­staat hat sei­ne Mit­ar­beit in der OAS noch nicht wie­der­auf­ge­nom­men.

Vene­zue­la hat­te im ver­gan­ge­nen April, nach Kri­tik an der Aus­schal­tung der Natio­nal­ver­samm­lung, wie das vene­zo­la­ni­sche Par­la­ment heißt, durch den „boli­va­ri­schen“ Staats­prä­si­den­ten Nico­las Madu­ro und sei­ne Sozia­li­sti­sche Ein­heits­par­tei PSUV, sei­nen Rück­zug aus der OAS ange­kün­digt.

Der „Terror des Regimes“ und „falsche Wahlen“

Roa kri­ti­sier­te in sei­nem Leit­ar­ti­kel auch das päpst­li­che Schwei­gen zur Volks­ab­stim­mung über eine „ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung“, die Madu­ro am 30. Juli durch­füh­ren ließ. Die Oppo­si­ti­on und inter­na­tio­na­le Beob­ach­ter erklär­ten die Wahl für „unde­mo­kra­tisch“ und spra­chen von „Fäl­schung“.

„Eben­so­we­nig hat er zur fal­schen Wahl vom Sonn­tag zu sagen. Vom Regime Madu­ro hand­ver­le­se­ne Dele­gier­te für eine ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung, die die ein­zi­ge demo­kra­ti­sche Insti­tu­ti­on des Lan­des, die es noch gibt, die Natio­nal­ver­samm­lung, auf­lö­sen wird.
Kein Wort vom Papst. Nicht ein Satz zu den para­mi­li­tä­ri­schen Ban­den, die Ter­ror säen, nicht ein Wort der Rücken­deckung oder des Ver­ständ­nis­ses für die ver­folg­ten Regime­geg­ner.
Es ist ein lär­men­des Schwei­gen. Es ist ein Schwei­gen, das kläg­lich ist.
Der Papst, der soviel mit den Ell­bo­gen spricht, spricht nicht. Es spre­chen die vene­zo­la­ni­schen Bischö­fe, die Anfang Juni nach Rom gefah­ren sind, um ihn zu bit­ten, Stel­lung zu neh­men.“

Maduro der „Freund des Papstes“

Doch der Papst schweigt wei­ter. Madu­ro gilt als „Freund“ des Pap­stes, der bereits mehr­fach im Vati­kan emp­fan­gen wur­de, wäh­rend auch die katho­li­sche Oppo­si­ti­on in Rom vor ver­schlos­se­nen Türen steht. „Der Papst emp­fängt Unter­drücker statt Unter­drück­te“, lau­te­te im ver­gan­ge­nen Herbst die Kri­tik.

Die vene­zo­la­ni­schen Bischö­fe ver­tre­ten eine ande­re Hal­tung und kri­ti­sie­ren das sozia­li­sti­sche Regime mit deut­li­chen Wor­ten. Sie haben dem Papst im Juni detail­lier­te Berich­te über die Lage im Land und die Unrechts­po­li­tik des sozia­li­sti­schen Regimes vor­ge­legt. Der Nef­fe eines Bischofs wur­de von den para­mi­li­tä­ri­schen Ban­den des Regimes ermor­det. Der Mord wur­de als War­nung an die Bischö­fe ver­stan­den. Doch nichts konn­te bis­her Papst Fran­zis­kus davon über­zeu­gen, sei­ne Sym­pa­thi­en für die „Boli­va­ri­sche Revo­lu­ti­on“ auf­zu­ge­ben.

Die Bischö­fe gehen, von Rom im Stich gelas­sen, ihren Weg wei­ter. Vor sechs Tagen kri­ti­sier­ten sie laut und deut­lich die Madu­ro-Wah­len vom 30. Juli als „ver­fas­sungs­wid­rig“ und als „Scha­den für das Volk“, der die Pro­ble­me des Lan­des nur ver­schlim­me­re.

„Ein­mal mehr erhe­ben wir unse­re Stim­me gegen die Gewalt.“

Die Bischö­fe kri­ti­sier­ten Poli­zei, Mili­tär und „bewaff­ne­te Grup­pen von Zivi­li­sten, die der Regie­rung nahe­ste­hen“, und spra­chen vom „Recht des Vol­kes“, sei­ne „Unzu­frie­den­heit“ über Unrecht zum Aus­druck brin­gen zu dür­fen.

„Wer über Venezuela redet, redet über Kuba“

Roa erin­ner­te an einen wei­te­ren Aspekt:

„Wer über Vene­zue­la redet, redet über die engen Bezie­hung zu Kuba. Die kuba­ni­schen Bera­ter hel­fen Madu­ro den Staats­ap­pa­rat zu kon­trol­lie­ren und vor allem den Mili­tär­ap­pa­rat zu kon­trol­lie­ren, der die wah­re Macht im Staat ist.

Der Cha­vis­mus, benannt nach dem ver­stor­be­nen Hugo Cha­vez, dem „boli­va­ri­schen“ Vor­gän­ger Madu­ros, „ist ein Segen für die Castros. Vene­zue­la unter­stützt Kuba mit dem Dop­pel­ten des­sen, womit die Sowjet­uni­on zu Zei­ten des Kal­ten Krie­ges Kuba unter­stütz­te.“

Und zu Kuba:

„Wenn es ein­mal auch eine Revo­lu­ti­on auf Kuba gab, regiert dort heu­te nur mehr die Revo­lu­ti­on der Büro­kra­ten, die dank der vene­zo­la­ni­schen Hil­fe über­le­ben.“

„Der Castris­mus beein­flußt wei­ter­hin zahl­rei­che Regie­run­gen und poli­ti­sche und kul­tu­rel­le, angeb­lich fort­schritt­li­che Orga­ni­sa­tio­nen. Auch im Bereich der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen.“

Das Versagen „angeblich fortschrittlicher“, internationaler Kräfte

Sowohl das kuba­ni­sche Regime als auch die Blind­heit der welt­wei­ten „fort­schritt­li­cher“ Kräf­te, die weg­schau­en, wenn es um Unrecht und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen auf Kuba geht, haben Ein­fluß, so Roa, auf die „vene­zo­la­ni­sche Tra­gö­die“.

Roa been­det sei­nen Leit­ar­ti­kel mit einer ban­gen Fra­ge und einer Ankla­ge an die „angeb­lich fort­schritt­li­chen“ Kräf­te auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne:

„Wie­viel Tote und wie­viel Unge­rech­tig­kei­ten müs­sen noch gesche­hen, damit sie auf­hö­ren, zu recht­fer­ti­gen und Kom­pli­zen zu sein? Alles ist so offen­sicht­lich wie auch das lär­men­de Schwei­gen des Pap­stes.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Clardin/MiL/PSUV (Screen­shots)




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2 Kommentare

  1. Papst Fran­zis­kus ist ein ver­hin­der­ter Poli­ti­ker.
    Und als sol­cher unter­stützt bzw. ver­ur­teilt er die jewei­li­ge poli­ti­sche Rich­tung.
    Spi­ri­tu­ell füh­le ich mich von ihm schon lan­ge nicht mehr geführt.

  2. „Eine Füh­rung, die schweigt, wo sie reden soll­te, dis­kre­di­tiert sich selbst und macht sich dadurch letzt­lich über­flüs­sig.“ (M.F. Refle­ton)
    Anders aus­ge­drückt:
    Wer nach dem Mot­to „der Zweck hei­ligt die Mit­tel“ han­delt, der darf sich nicht wun­dern, wenn er nicht (mehr) geach­tet wird, son­dern ihm Gleich­gül­tig­keit in einer Welt voll Belie­big­keit begeg­net.

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