Die drei zweifelhaften „Musketiere des Papstes“: Spadaro, Figueroa, Fernandez

Die "drei Musketiere des Papstes": Antonio Spadaro SJ, Pastor Marcelo Figueroa und Erzbischof Victor Manuel Fernandez
Die "drei Musketiere des Papstes": Antonio Spadaro SJ, Pastor Marcelo Figueroa und Erzbischof Victor Manuel Fernandez

(Rom) Das Hel­den­trio, das dem jun­gen d’Artagnan in Alex­andre Dumas‘ Aben­teu­er-Tri­lo­gie zur Sei­te stand, ist den Kin­dern heu­te lei­der kaum mehr ein Begriff. Athos, Porthos und Ara­mis sind kei­ne Namen mehr, die selbst­ver­ständ­lich von der Zun­ge gehen. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster ver­sucht die drei Mus­ke­tie­re des Königs wie­der ins Gedächt­nis zu rufen, aller­dings in neu­em Gewand, indem er von den „drei Mus­ke­tie­ren“ des Pap­stes schreibt — von Papst Fran­zis­kus:

„Die kom­mu­ni­sti­schen Par­tei­en hat­ten ihre „orga­ni­schen Intellektuellen“((Der Begriff „orga­ni­sche Intel­lek­tu­el­le“ wur­de vom Vor­sit­zen­den der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens (KPI), Anto­nio Gram­sci (1891–1938), präg­te, um sie von den ande­ren Intel­lek­tu­el­len zu unter­schei­den. Gemeint sind damit lini­en­treue kom­mu­ni­sti­sche Intel­lek­tu­el­le, die beim Auf­bau der „Kul­tu­rel­len Hege­mo­nie“ in den Dienst des Klas­sen­kamp­fes und der Macht­über­nah­me des Pro­le­ta­ri­ats stel­len.“)). Aber auch Papst Fran­zis­kus hat sol­che. Sie hei­ßen Anto­nio Spa­daro, Mar­ce­lo Figuer­oa und Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez.“

Keine Brückenbauer zu US-Präsident Trump, sondern Minenleger

Spa­daro, ein Ita­lie­ner und Chef­re­dak­teur der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca, ist Jesu­it wie Papst Fran­zis­kus. Figuer­oa und Fer­nan­dez sind Argen­ti­ni­er. Letz­te­rer ist Ghost­wri­ter des Pap­stes und wur­de von die­sem zum Rek­tor der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en und Titu­lar­erz­bi­schof gemacht. Erste­rer ist nicht ein­mal Katho­lik, son­dern pres­by­te­ria­ni­scher Pastor. Was Magi­ster nicht erwähnt: Die­ser Umstand könn­te eigent­lich eine Brücke zu US-Prä­si­dent Donald Trump wer­den, der auch Pres­by­te­ria­ner ist. Das Gegen­teil ist aber der Fall. Figuer­oa betä­tig­te sich jüngst als päpst­li­cher Minen­le­ger.

Papst Franziskus mit Antonio Spadaro SJ
Papst Fran­zis­kus mit Anto­nio Spa­daro SJ

Spa­daro, so Magi­ster, hat La Civil­tà  Cat­to­li­ca, in ein Sprach­rohr von San­ta Mar­ta ver­wan­delt. Zusam­men mit Figuer­oa zeich­net Spa­daro in der jüng­sten Aus­ga­be für einen Arti­kel ver­ant­wort­lich, der wie ein Orkan gegen kon­ser­va­ti­ve und katho­li­sche Rich­tun­gen in den USA nie­der­ging. Der Arti­kel hat jene „reli­giö­se Rech­te“ zur Ziel­schei­be, die „schuld“ am Wahl­sieg von US-Prä­si­dent Trump sei. Das Autoren­duo Spadaro/Figueroa stellt zunächst Evan­ge­li­ka­le und Katho­li­ken, die nicht „libe­ral“ ein­ge­stellt sind, was nach dem euro­päi­schen Begriffs­sy­stem „links“ meint, auf eine Ebe­ne, kne­ten sie zur Ein­heits­ma­sse, um sich dann von ihnen unmiß­ver­ständ­lich zu distan­zie­ren. In einem wei­te­ren Schritt behaup­ten sie, daß die­se ver­ei­nig­te „reli­giö­se Rech­te“ sich in ihrem Den­ken nicht vom „isla­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus“, also dem radi­ka­len Islam der Ter­ror-Mili­zen Al Qai­da und Isla­mi­scher Staat (IS) unter­schei­de.

Wofür die­se „neu­en Kreuz­rit­ter“ ins Feld zie­hen, muß daher – nach der kate­go­ri­schen Kri­tik von Spa­daro und Figuer­oa am Den­ken die­ser „reli­giö­sen Rech­ten“ – impli­zit ver­werf­lich sein. Als The­men nen­nen die bei­den Autoren aus­drück­lich den Kampf gegen die Abtrei­bung, gegen die „Homo-Ehe“ und für den Reli­gi­ons­un­ter­richt an den Schu­len, also für „eine bestimm­te Art“ der Ver­tei­di­gung der Reli­gi­ons­frei­heit, wie sie im Auf­satz schrei­ben.

In Wirk­lich­keit, so Spadaro/Figueroa, wür­de die­se evan­ge­li­kal-katho­li­sche Alli­anz eine „Haß-Öku­me­ne“ för­dern, die Nost­al­gie nach einem Staat mit „theo­kra­ti­sche Zügen“ habe. Das sei das genaue Gegen­teil des­sen, so die Autoren, was Jor­ge Mario Ber­go­glio, der Papst „der Inklu­si­on, des Frie­dens und der Begeg­nung“ wol­le.

Das Leben, die Fami­lie und die Reli­gi­ons­frei­heit ste­hen seit Jah­ren, seit es Johan­nes Paul II. durch Bischofs­er­nen­nun­gen gelun­gen war, den pro­gres­si­ven Ein­fluß zurück­zu­drän­gen, beson­ders dann auch unter Bene­dikt XVI, auf der Prio­ri­tä­ten­li­ste der katho­li­schen Kir­che in den USA ganz oben, um die anhal­ten­den Angrif­fe kir­chen­fer­ner Krei­se, die sich libe­ral und links nen­nen und ver­or­ten, gegen den Glau­ben, die Kir­che, die Gesell­schaft und das Leben abzu­weh­ren. Die Kri­tik von Spadaro/Figueroa in der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift, in der jeder Arti­kel mit aus­drück­li­cher Druck­erlaub­nis des Vati­kans erscheint, konn­te in der US-Kir­che daher nicht ohne Reak­ti­on blei­ben. Im kon­kre­ten Fall ist sogar davon aus­zu­ge­hen, daß Papst Fran­zis­kus per­sön­lich den Fron­tal­an­griff gegen die Kir­che in den USA, ja min­de­stens gegen die Hälf­te der USA geneh­mig­te; ein Angriff, der sich direkt gegen die katho­li­schen Gläu­bi­gen des nord­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des rich­tet.

Scharfe Reaktion in den USA

Die Reak­ti­on blieb nicht aus. Der Erz­bi­schof von Phil­adel­phia, Charles Cha­put, stell­te sich schüt­zend vor die gläu­bi­gen Katho­li­ken, die von Mit­chri­sten „ange­grif­fen wer­den, nur weil sie sich dafür ein­set­zen, was ihre Kir­chen immer als wahr geglaubt haben“. Cha­put gehört zu den füh­ren­den Bischö­fen der USA und ist Ober­hir­te eines Erz­bis­tums, das tra­di­tio­nell mit der Kar­di­nal­s­wür­de ver­bun­den ist, den­noch – oder gera­de wegen sei­ner Hal­tung – ver­wei­gert ihm Papst Fran­zis­kus das Kar­di­nal­spur­pur.

Papst Franziskus mit Marcelo Figueroa
Papst Fran­zis­kus mit Mar­ce­lo Figuer­oa

Der Erz­bi­schof wirft Spadaro/Figueroa vor, die Din­ge auf „unan­ge­mes­se­ne“ Wei­se dar­ge­stellt und unan­ge­mes­sen „ver­ein­facht“ zu haben. Ande­re Kom­men­ta­to­ren gin­gen weit här­ter mit dem Autoren­duo ins Gericht. Sie wie­sen dem ita­lie­ni­schen Jesui­ten und argen­ti­ni­schen Pres­by­te­ria­ner eine Viel­zahl schwer­wie­gen­der inhalt­li­cher Feh­ler nach. Dabei geht es um histo­risch fal­sche Dar­stel­lun­gen, die einen Man­gel an Geschichts­kennt­nis offen­ba­ren, zumin­dest der US-Geschich­te, aber mehr noch um ele­men­ta­re Denk­feh­ler. Das Autoren-Dream­team des päpst­li­chen Hof­staa­tes hat ein sehr eigen­wil­li­ges Ver­hält­nis im Umgang mit der Logik an den Tag gelegt.

„Jede ande­re Zeit­schrift hät­te einen sol­chen Arti­kel in den Papier­korb gewor­fen.“

So das ver­nich­ten­de Urteil des Kana­di­ers Ray­mond J. de Sou­za bei Crux, einer katho­li­schen Nach­rich­ten­platt­form in den USA, die sich durch aus­ge­wo­ge­ne Zurück­hal­tung aus­zeich­net, aller­dings in jüng­ster Zeit „im Namen des Pap­stes“ ver­stär­ken Druck erfährt, sich auf die pro­gres­si­ve Sei­te zu schla­gen. Die­sem Druck hält man bis­her stand, wie die inof­fi­zi­el­le, ein­sei­ti­ge Par­tei­nah­me des Vati­kans zugun­sten der Anti-Trump-Kam­pa­gne zeigt.

Spa­daro haf­tet an, der Mei­nung zu sein, daß in der Theo­lo­gie 2 + 2 sogar 5 erge­ben kön­ne. Sol­chen Denk­ka­prio­len erteil­te, wenn auch ohne nament­li­chen Zusam­men­hang, kein Gerin­ge­rer als der dama­li­ge Glau­bens­prä­fekt, Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler, eine Absa­ge, indem er erklär­te, daß 2 +2 „nie fünf erge­ben kann“.

Wäh­rend Kar­di­nal Mül­ler von Papst Fran­zis­kus unfreund­lich vor die Tür gesetzt wur­de, genießt Spa­daro aber wei­ter­hin das Ver­trau­en Ber­go­gli­os.

Fernandez, der „Schattenschreiber“ des Papstes

Dem Papst „noch näher“, so Magi­ster, steht der Argen­ti­ni­er Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, der in jüng­ster Zeit mehr im Hin­ter­grund wirkt und daher nicht so auf­fällt. Magi­ster erin­nert an Fer­nan­dez‘ „Erst­lings­werk“, das auch sein Den­ken wider­spieg­le: ein 1995 erschie­ne­nes Buch über das Küs­sen: „Hei­le mich durch dei­nen Mund. Die Kunst des Küs­sens“.

„Es ver­wun­dert nicht, daß Rom nach die­sem Buch und wei­te­ren nicht weni­ger umstrit­te­nen Buch­pro­duk­tio­nen ein Veto gegen die Ernen­nung von Fer­nan­dez zum Rek­tor der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en ein­leg­te.“

Aller­dings war der dama­li­ge Erz­bi­schof von Bue­nos Aires, Jor­ge Mario Ber­go­glio, der Fer­nan­dez ernannt hat­te, so hart­näckig und ent­schlos­sen, daß sich Rom 2009 schließ­lich sei­nem Wil­len beug­te und den Weg für die Ernen­nung von Ber­go­gli­os Schütz­ling frei­gab.

Kaum war Ber­go­glio im März 2013 zum Papst gewählt wor­den, ernann­te er Fer­nan­dez sogar zum Titu­lar­erz­bi­schof. Dazu Magi­ster:

„Die­se Gestalt ver­bringt fast mehr Zeit im Vati­kan als in Argen­ti­ni­en, im vol­len Ein­satz als Bera­ter und Ghost­wri­ter sei­nes päpst­li­chen Freun­des.“

Papst Franziskus mit Victor Manuel Fernandez
Papst Fran­zis­kus mit Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez

Gan­ze Absät­ze des umstrit­te­nen Ach­ten Kapi­tels des nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia, mit dem Papst Fran­zis­kus „die Kir­che am mei­sten erschüt­tert hat“, wur­den wort­wört­lich, wie Magi­ster nach­wei­sen konn­te, aus Fer­nan­dez-Arti­keln über­nom­men, die die­ser vor etwa zehn Jah­ren geschrie­ben hat­te.

Die lesens­wer­te Kri­tik von Tho­mas D. Wil­liams am Spa­dar­o/­Fi­guer­oa-Angriff auf tra­gen­de Kräf­te in den USA:

„Ecu­me­nism of hate“ unjust­ly defa­mes real Catho­lic-Evan­ge­li­cal dia­lo­gue

In die­sem Zusam­men­hang, was Magi­ster in sei­nem Arti­kel nicht tut, ist an die unge­wohnt har­te Kri­tik des ita­lie­ni­schen Phi­lo­so­phen Mar­cel­lo Pera zu erin­nern. Pera, der auch Prä­si­dent des Ita­lie­ni­schen Senats war, warf Papst Fran­zis­kus im Zusam­men­hang mit sei­ner Poli­tik der schran­ken­lo­sen Ein­wan­de­rung vor, seit sei­ner Wahl „nur Poli­tik zu machen“. Auf der Suche nach einem Beweg­grund für die Hal­tung des Pap­stes in der Migra­ti­ons­po­li­tik, die „weder durch das Evan­ge­li­um noch durch die Ver­nunft“ gelei­tet sei, gelang­te Pera, ein ehe­ma­li­ger Agno­sti­ker und Sozia­list, der sich dem Glau­ben annä­her­te und unter Bene­dikt XVI. zur katho­li­schen Kir­che zurück­fand, zu einem dra­sti­schen Schluß:

„Er haßt den Westen und will ihn zer­stö­ren“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Youtube (Screenshots/Montage)

1 Kommentar

  1. Was mich per­sön­lich sehr erschreckt, ist, dass Fer­nan­dez (geb. 1962) und Spa­daro (geb. 1966) bei­de noch ziem­lich jung sind (Bei Figuer­oa habe ich es nicht her­aus­fin­den kön­nen.). Das ver­heißt auf lan­ge Sicht nichts Gutes, wenn sie ihren Ein­fluss auch nach dem jet­zi­gen Pon­ti­fi­kat behal­ten soll­ten. Es über­rascht mich zudem inso­fern, als ich dach­te, in die­ser Genera­ti­on sei die pro­gres­si­ve Kon­zils­se­lig­keit schon nicht mehr so aus­ge­prägt. Aber viel­leicht war das ja ein Irr­tum.

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