Päpstliche Gründonnerstagswirren: „Kinder Gottes“ nur Synonym für Mensch? Haben Christen, Moslems, Hindus „denselben Gott“?

Fußwaschung durch Papst Franziskus am Gründonnerstag 2016 im Asylantenheim CARA Auxilium in Castelnuovo di Porto bei Rom
Fußwaschung durch Papst Franziskus am Gründonnerstag 2016 im Asylantenheim CARA Auxilium in Castelnuovo di Porto bei Rom

(Rom) Die Kurz­pre­digt, die Papst Fran­zis­kus am Grün­don­ners­tag im Asy­lan­ten­heim von Castel­nuo­vo di Por­to hielt, bestä­tig­te im Vor­feld geäu­ßer­te Befürch­tun­gen, daß eine latent syn­kre­ti­sti­sche Ten­denz die­ses Pon­ti­fi­kats um ein neu­es Kapi­tel erwei­tert wer­den könn­te. Die Befürch­tun­gen stütz­ten sich auf die Ankün­di­gung, daß der Papst ein Asy­lan­ten­heim mit vor­wie­gend mos­le­mi­schen Insas­sen besu­chen wer­de. Sie deu­te­te bereits an, daß für die Zwölf, denen das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt die Füße waschen wür­de, wie bereits bei den Gefäng­nis­be­su­chen von 2013 und 2015, erneut bewußt Ange­hö­ri­ge ande­rer Reli­gio­nen aus­ge­wählt wer­den.

Trotz des Tri­du­um Pascha­le und der heu­ti­gen Gra­bes­ru­he sind zumin­dest eini­ge Anmer­kun­gen ange­bracht. Papst Fran­zis­kus hielt im Asy­lan­ten­heim vor allem eine poli­ti­sche Pre­digt, die der Grö­ße und Bedeu­tung der Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie kaum gerecht wur­de. Zunächst daher der voll­stän­di­ge Wort­laut der päpst­li­chen Kurz­pre­digt in deut­scher Über­set­zung:

Predigt von Papst Franziskus am Gründonnerstag im Asylantenheim C.A.R.A. von Castelnuovo di Porto

Die Gesten sagen mehr als Bil­der und Wor­te. Die Gesten. In die­sem Wort Got­tes, das wir gele­sen haben, gibt es zwei Gesten: Jesus der dient, der die Füße wäscht. Er, der das Ober­haupt war, wäscht den ande­ren, den Sei­nen, den Nie­de­ren die Füße. Die zwei­te Geste: Judas, der zu den Fein­den von Jesus geht, zu jenen, die kei­nen Frie­den mit Jesus wol­len, um das Geld zu neh­men, für das er ihn ver­ra­ten hat, die 30 Mün­zen. Zwei Gesten. Auch heu­te gibt es zwei Gesten: Die erste ist jene des heu­ti­gen Abends: Wir alle, zusam­men, Mos­lems, Hin­dus, Katho­li­ken, Kop­ten, Pro­te­stan­ten, aber Brü­der, Kin­der des­sel­ben Got­tes, die wir in Frie­den, inte­griert, leben wol­len. Die ande­re Geste ist jene von vor drei Tagen: eine des Krie­ges, der Zer­stö­rung in einer Stadt Euro­pas, durch Leu­te, die nicht in Frie­den leben wol­len. Aber hin­ter die­ser Geste – wie hin­ter Judas – stan­den ande­re. Hin­ter Judas waren jene, die das Geld gege­ben haben, damit Jesus aus­ge­lie­fert wur­de. Hin­ter der Geste vor drei Tagen in jener euro­päi­schen Haupt­stadt, ste­hen die Waf­fen­pro­du­zen­ten, die Waf­fen­händ­ler, die das Blut wol­len, nicht den Frie­den; die den Krieg wol­len, nicht die Brü­der­lich­keit.

Zwei glei­che Gesten: auf der einen Sei­te wäscht Jesus die Füße, wäh­rend Judas Jesus für Geld ver­kauft; auf der ande­ren Sei­te Ihr, wir, alle zusam­men, ver­schie­de­ne Reli­gio­nen, ver­schie­de­ne Kul­tu­ren, aber Kin­der des­sel­ben Vaters, Brü­der, wäh­rend jene Arm­se­li­gen Waf­fen kau­fen, um die Brü­der­lich­keit zu zer­stö­ren. Heu­te, in die­sem Augen­blick, wenn ich die­sel­be Geste von Jesus voll­zie­hen und Euch zwölf die Füße waschen wer­de, voll­zie­hen wir alle die Geste der Brü­der­lich­keit, und wir alle sagen: „Wir sind ver­schie­den, wir unter­schei­den uns, wir haben unter­schied­li­che Kul­tu­ren und Reli­gio­nen, aber wir sind Brü­der und wol­len in Frie­den leben.“ Und das ist die Geste, die ich mit Euch voll­zie­he. Jeder von Euch hat sei­ne Geschich­te: vie­le Kreu­ze, vie­le Schmer­zen, aber auch ein offe­nes Herz, das die Brü­der­lich­keit will. Jeder in sei­ner reli­giö­sen Spra­che soll den Herrn bit­ten, daß die­se Brü­der­lich­keit die Welt anstecke, damit es kei­ne 30 Mün­zen gibt, um den Bru­der zu töten, damit immer Brü­der­lich­keit und Güte sind. So sei es.

Fußwaschung überbetont, Eucharistie und Priestertum vergessen, eigene Normen mißachtet

1.) Das Letz­te Abend­mahl von Jesus mit den Zwölf Apo­steln ist von gro­ßer Inten­si­tät an Wor­ten und Gesten, die von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung und im Kon­text der drei hei­li­gen Tage zu lesen sind. Papst Fran­zis­kus hält, wie bereits in den Vor­jah­ren, jedoch nur eine Geste davon für erwäh­nens­wert: die Fuß­wa­schung. Auch in die­sem Jahr fin­det sich in der päpst­li­chen Pre­digt kein Hin­weis auf die bedeut­sa­me­ren Gesten, mit denen Jesus das Altarsa­kra­ment und das Wei­he­sa­kra­ment ein­setz­te. Im vier­ten Jahr hin­ter­ein­an­der spiel­ten damit die bei­den zen­tra­len Sakra­men­te, die bis zu Sei­ner Wie­der­kehr das Instru­men­ta­ri­um für die Ver­ge­gen­wär­ti­gung der Erlö­sungs­tat Chri­sti am Kreuz bil­den, in den Wor­ten des amtie­ren­den Papst kei­ne Rol­le. Ein im Ver­gleich zu den ande­ren Gesten des Grün­don­ners­tags nach­ran­gi­ger Gestus erlebt eine Über­be­to­nung. Gleich­zei­tig wer­den die bei­den Sakra­men­te der Eucha­ri­stie und des Prie­ster­tums über­gan­gen. Im vier­ten Jahr hin­ter­ein­an­der könn­te sogar von einer syste­ma­ti­schen Form des Ver­ges­sens gespro­chen wer­den.
Auch die Fuß­wa­schung selbst erlebt in der päpst­li­chen Aus­le­gung eine Neu­in­ter­pre­ta­ti­on. Die Fuß­wa­schung an Frau­en und Anders­gläu­bi­gen, so mensch­lich sym­pa­thisch und respekt­voll sie auch schei­nen mag, steht den­noch in einem Wider­spruch zur Tat­sa­che, daß Jesus beim Letz­ten Abend­mahl nur die Zwölf Apo­stel, alles Män­ner, bei sich hat­te und nur ihnen die Füße wusch. Eine wirk­li­che Begrün­dung die­ser Ach­sen­ver­schie­bung und Umin­ter­pre­ta­ti­on erfolg­te bis­her nicht.
Der Begleit­brief der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung zum Dekret in Mis­sa in Cena Domi­ni, mit dem Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen 6. Janu­ar die Fuß­wa­schung auf die Frau­en aus­dehn­te, schafft dazu nicht wirk­lich Klä­rung. Das schon des­halb nicht, weil Papst Fran­zis­kus sich selbst nicht an sei­ne eige­ne Norm­set­zung hält. Im Begleit­brief, der von Kuri­en­erz­bi­schof Arthur Roche, dem Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on unter­zeich­net ist, heißt es näm­lich:

Auch darf die Fuß­wa­schung nicht so wich­tig wer­den, dass sie in der Mes­se vom Abend­mahl – an jenem „hoch­hei­li­gen Tag, an dem unser Herr Jesus Chri­stus sich für uns hin­ge­ge­ben hat“ (Com­mu­ni­can­tes des römi­schen Meß­ka­non) – die gan­ze Auf­merk­sam­keit an sich zieht.
In den Hin­wei­sen für die Homi­lie wird an die drei­fa­che Beson­der­heit die­ser Meß­fei­er erin­nert, inso­fern die­se dem Gedächt­nis der Ein­set­zung der Eucha­ri­stie, des Prie­ster­tums und des Gebo­tes der geschwi­ster­li­chen Lie­be als höch­stes Gesetz für alle und gegen­über allen in der Kir­che gewid­met ist.

Obwohl Papst Fran­zis­kus in sei­ner Ände­rung des Fuß­wa­schungs­ri­tus nicht die Zulas­sung Ungläu­bi­ger erlaub­te, prak­ti­ziert er die­se seit 2013. Er geht über sei­ne eige­ne Norm­set­zung hin­aus und berei­tet damit bereits die näch­ste Ände­rung des Ritus vor.

„Kinder Gottes“ nur Synonym für Mensch und Geschöpf Gottes?

Papst Franziskus mit Asylanten in Castelnuovo di Porto (2016)
Papst Fran­zis­kus mit Asy­lan­ten in Castel­nuo­vo di Por­to (2016)

2.) Papst Fran­zis­kus wie­der­hol­te in Castel­nuo­vo di Por­to, daß alle Men­schen, unab­hän­gig von ihrer Reli­gi­on, „Kin­der Got­tes“ sei­en. Er voll­zieht damit die Umdeu­tung eines durch die Hei­li­ge Schrift klar defi­nier­ten Begriffs. „Kin­der Got­tes“ sind jene, die im Namen des Drei­fal­ti­gen Got­tes, im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes getauft sind. Der Papst ver­wen­det die­sen bibli­schen Begriff hin­ge­gen salopp als Syn­onym für „Mensch“. Jeder Mensch, wie auch jedes Tier, ist ein Geschöpf Got­tes, aber nicht jeder Mensch ist ein „Kind Got­tes“. Ein „Kind Got­tes“ wird der Mensch durch die christ­li­che Tau­fe. Bereits im umstrit­te­nen ersten „Video des Pap­stes“ mit den Gebets­an­lie­gen für den ver­gan­ge­nen Janu­ar fand eine syn­kre­ti­sti­sche Umin­ter­pre­ta­ti­on der „Kind­schaft Got­tes“ statt, indem sie unter­schieds­los auf alle Geschöp­fe aus­ge­dehnt wur­de. Die Ein­schrän­kung liegt, wenn man eine sol­che anneh­men darf, in irgend­ei­nem „Glau­ben“, da auch Bud­dhi­sten inklu­diert wur­den, die an kei­nen per­so­na­len Gott glau­ben. Die durch die Tau­fe und die ande­ren Sakra­men­te gewirk­te Unter­schei­dung wird damit ein­ge­eb­net. Die­ser Linie scheint in einer gewis­sen Logik auch das Ver­schwei­gen der bei­den von Jesus beim Letz­ten Abend­mahl ein­ge­setz­ten Sakra­men­te der Eucha­ri­stie und des Prie­ster­tums zu ent­spre­chen. Die­se bei­den Sakra­men­te haben nicht ein­mal alle Chri­sten gemein­sam, son­dern nur die katho­li­sche und die ortho­do­xen Kir­chen, wäh­rend die Pro­te­stan­ten sie selbst ver­wor­fen haben.

Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten haben „denselben Gott“?

3.) Papst Fran­zis­kus behaup­te­te im Asy­lan­ten­heim erneut, daß Mos­lems und Chri­sten „den­sel­ben Gott“ haben. Für den christ­li­chen Glau­ben ist der wah­re und ein­zi­ge Gott (Erstes Gebot) der Drei­ei­n­i­ge Gott, der durch den Hei­li­gen Geist in Jesus Chri­stus Fleisch gewor­den ist. Wer Jesus nicht als Gott aner­kennt, leug­net auch den Vater. Wer nicht an den Hei­li­gen Geist glaubt, glaubt auch nicht an den wah­ren Gott. Auf dem isla­mi­schen Fel­sen­dom auf dem Jeru­sa­le­mer Tem­pel­berg steht an der Außen­mau­er, die der Gra­bes­kir­che zuge­wandt ist: „Gott hat kei­nen Sohn“. Aus die­sem Grund kann der isla­mi­sche Allah nicht („unser“) Gott sein. Von den hin­du­isti­schen Gott­hei­ten, der Papst sprach in Castel­nuo­vo di Por­to von Hin­dus, und dem bud­dhi­sti­schen Nir­wa­na (Bud­dhi­sten wur­den im „Video des Pap­stes“ vom Janu­ar erwähnt) ganz abge­se­hen.

Im Pro­log des Johan­nes­evan­ge­li­ums (1,9–12) heißt es zu den „Kin­dern Got­tes“:

Das wah­re Licht, das jeden Men­schen erleuch­tet, / kam in die Welt.
Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn gewor­den, aber die Welt erkann­te ihn nicht.
Er kam in sein Eigen­tum, / aber die Sei­nen nah­men ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn auf­nah­men, / gab er Macht, Kin­der Got­tes zu wer­den, / allen, die an sei­nen Namen glau­ben.

Im Johan­nes­evan­ge­li­um (14,5–18) steht:

Tho­mas sag­te zu ihm: Herr, wir wis­sen nicht, wohin du gehst. Wie sol­len wir dann den Weg ken­nen?
Jesus sag­te zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahr­heit und das Leben; nie­mand kommt zum Vater außer durch mich.
Wenn ihr mich erkannt habt, wer­det ihr auch mei­nen Vater erken­nen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gese­hen.
Phil­ip­pus sag­te zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
Jesus ant­wor­te­te ihm: Schon so lan­ge bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Phil­ip­pus? Wer mich gese­hen hat, hat den Vater gese­hen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist? Die Wor­te, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, voll­bringt sei­ne Wer­ke. Glaubt mir doch, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenig­stens auf­grund der Wer­ke!
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Wer­ke, die ich voll­brin­ge, auch voll­brin­gen und er wird noch grö­ße­re voll­brin­gen, denn ich gehe zum Vater.
Alles, um was ihr in mei­nem Namen bit­tet, wer­de ich tun, damit der Vater im Sohn ver­herr­licht wird.
Wenn ihr mich um etwas in mei­nem Namen bit­tet, wer­de ich es tun.
Wenn ihr mich liebt, wer­det ihr mei­ne Gebo­te hal­ten.
Und ich wer­de den Vater bit­ten und er wird euch einen ande­ren Bei­stand geben, der für immer bei euch blei­ben soll.
Es ist der Geist der Wahr­heit, den die Welt nicht emp­fan­gen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
Ich wer­de euch nicht als Wai­sen zurück­las­sen, son­dern ich kom­me wie­der zu euch.

Und im Johan­nes­evan­ge­li­um 15,26–27:

Wenn aber der Bei­stand kommt, den ich euch vom Vater aus sen­den wer­de, der Geist der Wahr­heit, der vom Vater aus­geht, dann wird er Zeug­nis für mich able­gen.
Und auch ihr sollt Zeug­nis able­gen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

In der Für­bit­te für die Glau­ben­den sagt Jesus (Johan­nes­evan­ge­li­um 17,20–26):

Aber ich bit­te nicht nur für die­se hier, son­dern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glau­ben.
Alle sol­len eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sol­len auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herr­lich­keit gege­ben, die du mir gege­ben hast; denn sie sol­len eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sol­len sie voll­endet sein in der Ein­heit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Mei­nen eben­so geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, daß alle, die du mir gege­ben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sol­len mei­ne Herr­lich­keit sehen, die du mir gege­ben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaf­fung der Welt.
Gerech­ter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen dei­nen Namen bekannt gemacht und wer­de ihn bekannt machen, damit die Lie­be, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Freimaurerische „Brüderlichkeit“ oder christliche Menschenwürde?

4.) Papst Fran­zis­kus behaup­te­te, daß dadurch, daß man sich gegen­sei­tig die Füße wäscht, ein Zei­chen all­ge­mei­ner Brü­der­lich­keit aller Men­schen gesetzt wird. Von einer so undif­fe­ren­zier­ten und gene­rel­len Mensch­heits­ver­brü­de­rung ist im Evan­ge­li­um weder im Zusam­men­hang mit dem Letz­ten Abend­mahl noch ins­ge­samt die Rede. Die­se meint aber Papst Fran­zis­kus, da er jeden auf­for­dert, in „sei­ner reli­giö­sen Spra­che“ zu wem auch immer zu beten, damit die­se all­um­fas­sen­de Brü­der­lich­keit sich über die gan­ze Welt aus­brei­te und die gan­ze Welt „anstecke“. Eine unter­schieds­lo­se und daher wert­freie Brü­der­lich­keit mag der frei­mau­re­ri­schen Ideo­lo­gie des 18. Jahr­hun­derts ent­spre­chen, christ­lich ist sie jedoch nicht. Soll­te der Papst die Men­schen­wür­de gemeint haben, eine zutiefst christ­li­che Vor­stel­lung, dann hät­te er es auch so sagen sol­len.

„Sol­che Wor­te des Pap­stes hin­ter­las­sen die Gläu­bi­gen ohn­mäch­tig und ver­wirrt. Was unter die­sem Pon­ti­fi­kat aller­dings nichts Neu­es ist. Ein heil­sa­mer Wert läßt sich nicht erken­nen“, so Mes­sa in Lati­no. Eine Ver­wir­rung ohne Nut­zen also? Damit steht ein­mal mehr die Fra­ge im Raum, was Papst Fran­zis­kus antreibt.

Politisierender Religionsführer oder religiös argumentierender Politiker?

Ist das schreck­li­che Atten­tat in Brüs­sel das Pro­blem? Oder ist es nur eine Fol­ge? Aus christ­li­cher Sicht ist jede schlech­te Tat eine Fol­ge der Sün­de und damit der Gott­lo­sig­keit des Men­schen. Die „Brü­der­lich­keit“ kann daher weder im poli­ti­schen noch sozio­lo­gi­schen Sinn her­bei­ge­re­det wer­den. Sie ist eine Fol­ge des Glau­bens und damit ein Gna­den­ge­schenk Got­tes.

Papst Fran­zis­kus ver­ur­teil­te das isla­mi­sti­sche Atten­tat von Brüs­sel. Als eigent­li­che Schul­di­ge benann­te er jedoch nicht den Islam, auch nicht eine fehl­ge­lei­te­te Inter­pre­ta­ti­on des Islam, son­dern die Waf­fen­in­du­strie und die Waf­fen­händ­ler. Woll­te der Papst Kri­tik an den Waf­fen­lie­fe­ran­ten für die isla­mi­schen Ter­ror­grup­pen üben, den sun­ni­ti­schen Golf­emi­ra­ten und dem waha­bi­ti­schen König­reich Sau­di-Ara­bi­en? Die­se erhal­ten die Waf­fen wie­der­um — mit Zustim­mung Isra­els — vor allem aus den USA und Frank­reich. Woll­te der Papst die Regie­run­gen die­ser Staa­ten kri­ti­sie­ren? Wahr­schein­lich wird man es wegen der vagen und ver­wir­ren­den Aus­drucks­wei­se des Pap­stes nie genau erfah­ren.

„Wenn der Papst für den Frie­den in der Welt spre­chen will (Got­tes Frie­den natür­lich), soll­te er es mit ortho­do­xen Begrif­fen tun, um Ver­wir­rung und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit unter den Gläu­bi­gen zu ver­mei­den und die katho­li­sche Leh­re nicht durch­ein­an­der­zu­brin­gen“, so Mes­sa in Lati­no. Es ehrt den Papst, ein Frie­dens­stif­ter sein zu wol­len. Er erfüllt damit eine sei­ner Auf­ga­ben. Er soll­te dabei aller­dings weder als poli­ti­sie­ren­der Reli­gi­ons­füh­rer noch als reli­gi­ös argu­men­tie­ren­der Poli­ti­ker auf­tre­ten, son­dern sich der Spra­che Chri­sti und der Kir­che bedie­nen. Ein Ver­gleich der vier Grün­don­ners­ta­ge die­ses Pon­ti­fi­kats ver­mit­telt aber den Ein­druck einer zuneh­men­de Eska­la­ti­on der päpst­li­chen Neu­in­ter­pre­ta­ti­on, die mehr an Les­sings „Nathan der Wei­se„erin­nert als an Jesus Chri­stus.

Wäh­rend die Füh­rer der inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen bereits in der Ver­gan­gen­heit der päpst­li­chen Unter­stüt­zung applau­dier­ten, herrscht inner­halb der katho­li­schen Kir­che eini­ge Zwie­tracht und Ver­wir­rung. Das hat auch damit zu tun, daß bestimm­te „kon­ser­va­ti­ve“ Krei­se auch lei­se­ste Kri­tik am Papst als Maje­stäts­be­lei­di­gung sehen und mit Schlä­geln bekämp­fen, selbst dort, wo der Papst nicht unfehl­bar han­delt und sei­ne Hand­lun­gen daher kri­ti­siert wer­den kön­nen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shots)

6 Kommentare

  1. Nein, von einer Mensch­heits­ver­brü­de­rung ist im Evan­ge­li­um tat­säch­lich nicht die Rede. Viel­mehr ist von Jesus, dem mit­ge­teilt wird, daß sei­ne Mut­ter und sei­ne Brü­der drau­ßen ste­hen und ihn zu spre­chen wün­schen, zu hören: „´Wer ist mei­ne Mut­ter, und wer sind mei­ne Brü­der?´ Und er streck­te sei­ne Hand über sei­ne Jün­ger und sprach: ´Sie­he, mei­ne Mut­ter und mei­ne Brü­der. Denn jeder, der den Wil­len mei­nes Vaters im Him­mel tut, der ist mir Bru­der und Schwe­ster und Mut­ter´“ (Mt 12,46 ff).
    Die „Brü­der­lich­keit“ geht zwar über den engen Fami­li­en­kreis hin­aus, jedoch nicht so weit, daß jeder auf die­ser Erde gemeint wäre. Schon das Aus­strecken der Hand und das „Sie­he“ spricht dage­gen.

    • @ Peter Voit
      Sie sagen: „Nein, von einer Mensch­heits­ver­brü­de­rung ist im Evan­ge­li­um tat­säch­lich nicht die Rede“.
      Dann über­den­ken Sie bit­te die Kon­se­quen­zen aus dem Mis­si­ons­auf­trag Jesu an sei­ne Jün­ger nach Mt 28, 18–20, der nichts ande­res als eben die­ses End­ziel einer all­ge­mei­nen Mensch­heits­ver­brü­de­rung beinhal­tet:
      „Gege­ben wur­de mir alle Voll­macht im Him­mel und auf Erden. Hin­ge­gan­gen also! Macht zu Jün­gern alle Völ­ker, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes, lehrt sie alles zu bewah­ren, was ich euch gebo­ten habe! Und sie­he, ich bin bei euch alle Tage, bis zur Voll­endung der Zei­ten“.

  2. Jor­ge Mario Ber­go­glio tut, was der Fal­sche Pro­phet tun muss. Das tut er ver­wir­rend, nie ein­deu­tig, nie greif­bar, aber kon­se­quent und plan­voll. Nur „ver­gaß“ er, sei­nen Plan, den Gläu­bi­gen bekannt zu geben! Wer von ihm etwas posi­ti­ves oder Rich­ti­ges im Sin­ne der Leh­re Jesu Chri­sti erwar­tet, wird wei­ter­hin ent­täuscht wer­den. Ich möch­te aber ein­ge­hen auf die „Kin­der Got­tes“.
    Ich war rund 40 Jah­re lang ein sehr akti­ver Kom­mu­nist und 51 Jah­re lang Athe­ist. In die­ser Zeit schaff­te es nicht ein ein­zi­ger Christ, sei­nen Auf­trag zu erfül­len, sein Geschenk von Gott, das Geschenk des Glau­bens mit mir zu tei­len. Am 17.10.2012 zeig­te mir Jesus mein gan­zes Leben aus Sei­nen Augen. Ich sah Din­ge, die sich die mei­sten Chri­sten und erst recht kei­ne Ungläu­bi­gen vor­zu­stel­len wagen. Ich weiß aber eins ganz genau. Jeder Mensch ist tat­säch­lich aus den Augen Unse­res Herrn, ein „Kind Got­tes“, da von ihm erschaf­fen. In all eue­ren Argu­men­ta­tio­nen, seht ihr es aus der Sicht eures nicht erfüll­ten Auf­trags und fin­det dafür immer die rich­ti­gen Zita­te aus der Hl. Schrift. Wie­so seht ihr es denn nicht aus dem Zitat eures Auf­trags, alle Men­schen zu Sei­nen Jün­gern zu machen? Um die­sen Auf­trag zu erfül­len, kann man sich natür­lich kei­nen Hass und kei­ne Ver­ur­tei­lung gegen­über Athe­isten, Mus­li­me, Hin­du­i­sten, Buddhisten…leisten. Nun braucht man die über­na­tür­li­che Gna­de der Näch­sten­lie­be. Aus dem Blick­win­kel des erfüll­ten, von Jesus gege­be­nen Auf­trags, ist jeder Mensch, ein Kind Got­tes! Seit mei­ner Erret­tung am 17.10.12 füh­re ich mit allen Men­schen Gesprä­che über Mei­ne Lie­be zu Jesus Chri­stus, um die Men­schen für Sei­ne Bekeh­rung zu öff­nen. Erfüllt end­lich eure Auf­ga­be, statt die Hl. Schrift zu nut­zen, um euch selbst zu recht­fer­ti­gen. Ber­go­glio könn­te über­haupt nicht tun, was er tut, hät­te das Chri­sten­tum, dem Auf­trag Unse­res Herrn gemäß sei­ne Auf­ga­be erfüllt.
    Ran an die Arbeit, es ist eini­ges offen!

  3. Es berührt mich zuneh­mend unan­ge­nehm, was der Hei­li­ge Vater tut. Theo­lo­gisch kann ich dies nicht defi­nie­ren, daher bin ich dank­bar für Arti­kel wie die­sen. Mein Unbe­ha­gen kommt von mei­nem Ein­druck (der natür­lich falsch sein kann), dass bei Papst Fran­zis­kus sehr viel auf­ge­setz­tes Getue zu beob­ach­ten ist. Was er sagt, stellt sich mir oft als seich­tes Geschwätz dar, unklar, wenig fass­bar, nur auf Effekt getrimmt. Er ver­wirrt die Gläu­bi­gen, anstatt sie zu stär­ken, wie der HERR es ihm auf­gab (Lk. 22,31–32). Er ist der Stell­ver­tre­ter Chri­sti, plap­pert aber oft­mals wie ein prä­se­ni­ler Dorf­pfar­rer. Für mich ein völ­li­ges Myste­ri­um.

    • Man neh­me nur das Bewoh­nen des Domus Sanc­tae Marthae durch Fran­zis­kus. Von der Medi­en­welt wird es ihm als Geste der Beschei­den­heit ange­rech­net, doch tat­säch­lich muß der Apo­sto­li­sche Palast nach wie vor bezahlt wer­den und im Domus Sanc­tae Marthae fehlt der Platz, den Fran­zis­kus für sich per­sön­lich benö­tigt.

  4. Unfass­bar.
    Das Wun­der ist das die Kir­che trotz sol­cher Reprae­sen­tan­ten nicht zusam­men­bricht.
    Das Ende die­ses Pon­ti­fi­kats ist ein guter Tag.

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