„Die AfD erklärt den Kirchen den Krieg“? – Kirchliche Feindbilderzeugung

Wenn die kirchlichen Akteure die Kirche selbst zu einem Teil der gesellschaftlichen Spaltung machen

Was treibt die Amtskirche dazu, sich einseitig der globalistisch-linken Agenda zu verschreiben – und bedenkenlos gläubige Christen auszugrenzen?
Was treibt die Amtskirche dazu, sich einseitig der globalistisch-linken Agenda zu verschreiben – und bedenkenlos gläubige Christen auszugrenzen?

Der Wahl­sieg der AfD in Sach­sen-Anhalt ist zwei­fel­los ein poli­ti­sches Ereig­nis von erheb­li­cher Trag­wei­te. Mit 43,8 Pro­zent wur­de sie bei der Land­tags­wahl vom 6. Sep­tem­ber weit­aus stärk­ste Kraft und erhielt 39 der 83 Man­da­te. Eine abso­lu­te Mehr­heit ver­fehl­te sie aller­dings, obwohl sie an den Urnen sogar mehr als 60 Pro­zent der Stim­men sam­meln konn­te, bei den Brief­wäh­lern jedoch auf­fal­lend unter­durch­schnitt­lich abschnitt.

Die Fra­ge der Brief­wahl ist ein offe­nes The­ma. Inzwi­schen ist aller­dings selbst US-Prä­si­dent Donald Trump mit sei­ner For­de­rung, die­se bun­des­weit ein­zu­schrän­ken, vor dem Ober­sten Gerichts­hof der USA geschei­tert. Doch dar­um soll es hier gar nicht gehen.

Die eigent­li­che Fra­ge lau­tet: Wie reagiert eine offi­ziö­se katho­li­sche Zei­tung auf die­ses Wahlergebnis?

Das ita­lie­ni­sche Blatt Avve­ni­re, immer­hin die Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, ver­öf­fent­lich­te am heu­ti­gen 15. Sep­tem­ber einen Bericht, des­sen Über­schrift die poli­ti­sche Dra­ma­tur­gie bereits voll­stän­dig vor­gibt: „In Deutsch­land hat die AfD den Kir­chen den Krieg erklärt.“ Wie bit­te? Wäre man nicht seit eini­gen Jah­ren schon eini­ges an kirch­li­chen Selt­sam­kei­ten gewohnt, wür­de man sich ungläu­big die Augen rei­ben. Doch es besteht kein Zwei­fel: Genau so lau­tet die Schlagzeile.

Die­se Über­schrift ist nicht ledig­lich zuge­spitzt. Sie ist ein Framing. Der Leser wird bereits vor der eigent­li­chen Lek­tü­re auf eine bestimm­te Inter­pre­ta­ti­on fest­ge­legt: Hier ste­hen sich offen­bar zwei geschlos­se­ne Blöcke gegen­über – auf der einen Sei­te die Kir­chen (katho­li­sche Kir­che und EKD), auf der ande­ren eine poli­ti­sche Par­tei, die ihnen den Krieg erklärt hat.

Aus poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung wird so ein Freund-Feind-Schema.

Doch was bedeu­tet es kon­kret, wenn eine Par­tei „den Kir­chen den Krieg erklärt“? Was der Avve­ni­re hier sei­nen Lesern vor­setzt, die kaum über die Ver­hält­nis­se in der BRD infor­miert sind, ist nicht nur unfreund­lich, son­dern eine Form von Diskreditierung.

Die AfD ist eine poli­ti­sche Par­tei. Sie kri­ti­siert Kir­chen­ver­tre­ter und kirch­li­che Stel­lung­nah­men wegen deren ein­sei­ti­ger poli­ti­scher Ein­fluß­nah­me. Das kann man zurück­wei­sen. Man kann es sogar für falsch halten.

Aber poli­ti­sche Kri­tik ist kein Krieg gegen die Kirche.

War­um aber zün­delt Avve­ni­re, indem es mit die­sem bel­li­ko­sen Voka­bu­lar gleich­sam die Geschüt­ze auffährt?

Genau hier beginnt das eigent­li­che Pro­blem der Dar­stel­lung der Tages­zei­tung der Bischö­fe – nicht etwa der ita­lie­ni­schen Links­ra­di­ka­len. Den Unstim­mig­kei­ten zwi­schen der AfD und der katho­li­schen Kir­che in der BRD gin­gen kei­nes­wegs Angrif­fe der AfD auf die Kir­che vor­aus. Ihnen gin­gen viel­mehr ein­sei­ti­ge Anfein­dun­gen durch kirch­li­che Ver­tre­ter voraus.

Es gescha­hen Aus­gren­zun­gen, sach­lich höchst zwei­fel­haft und mensch­lich ver­let­zend, die gläu­bi­ge Chri­sten in der AfD empö­ren muß­ten. Dadurch ent­stand zwangs­läu­fig der Ein­druck, daß die der­zei­ti­ge Füh­rung der Orts­kir­che die Insti­tu­ti­on Kir­che für den poli­ti­schen Kampf ande­rer mißbraucht.

Der „Krieg“ wur­de sozu­sa­gen von Kir­chen­ver­tre­tern eröff­net – nicht umgekehrt.

Das läßt sich zwei­fels­frei feststellen.

Eine Chronologie des Verhältnisses der deutschen Ortskirche zur AfD

  • Die AfD wur­de 2013 gegrün­det. 2015 begann sie im Zuge der ille­ga­len Mas­sen­ein­wan­de­rung, die von Regie­rung und Estab­lish­ment unter­stützt wur­de, migra­ti­ons­kri­ti­sche Posi­tio­nen zu ver­tre­ten. Die Kir­chen stell­ten sich dage­gen unter Beru­fung auf „Soli­da­ri­tät“ und „Näch­sten­lie­be“ dezi­diert auf die Sei­te der Mas­sen­ein­wan­de­rung – und damit auf die Sei­te des­sen, was aus Sicht ihrer Kri­ti­ker einen mas­sen­haf­ten Rechts­bruch darstellte.

Damit war die Front­stel­lung eröffnet.

  • Mit der Zuspit­zung der Migra­ti­ons­fra­ge began­nen Ver­tre­ter der katho­li­schen Kir­che und der EKD im Jahr 2016 vor einer „Spal­tung der Gesell­schaft“ durch die AfD zu warnen.

Die Bot­schaft war bemer­kens­wert: Wer den Rechts­bruch kri­ti­sier­te und sich gegen eine unkon­trol­lier­te Mas­sen­mi­gra­ti­on wand­te, die zu kei­nem Zeit­punkt von einer Mehr­heit der Bevöl­ke­rung gewünscht wur­de, „spal­te­te“ die Gesellschaft.

Die poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung wur­de im Inter­es­se der Migra­ti­ons­apo­lo­ge­ten mit Hil­fe der Kir­chen mora­li­siert. Aus einer poli­ti­schen Posi­ti­on wur­de ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem. Aus dem poli­ti­schen Geg­ner wur­de ein Spalter.

Das kam einem Fron­tal­an­griff gegen die AfD gleich.

  • Vor dem Hin­ter­grund der Bun­des­tags­wahl 2017 ver­schärf­te sich die Situa­ti­on, indem die bei­den Kir­chen offen auf Distanz zur AfD gin­gen. Sie gin­gen sogar so weit, Chri­sten auf­zu­for­dern, nicht AfD zu wählen.

Eine sol­che flä­chen­decken­de, expli­zi­te Auf­for­de­rung gegen eine bestimm­te poli­ti­sche Par­tei hat­te es in der deut­schen Geschich­te in die­ser Form noch nicht gege­ben. Auch hier han­del­te es sich um einen ein­sei­ti­gen Schritt der Kirchenvertreter.

Die Kir­chen­lei­tun­gen spra­chen der AfD damit fak­tisch ab, ein legi­ti­mer Teil der poli­ti­schen Land­schaft zu sein.

Und weil es um Wah­len ging, ist die Fra­ge nach dem Cui bono? poli­tisch naheliegend.

Sie erklärt auch das zuneh­men­de Emp­fin­den in der AfD, einem Kar­tell gegen­über­zu­ste­hen, das die demo­kra­ti­schen Spiel­re­geln und die Grund­la­gen der staat­li­chen Ord­nung ihr gegen­über außer Kraft set­zen wolle.

  • 2018 wur­de die Debat­te über den Umgang mit der AfD kirch­li­cher­seits wei­ter zuge­spitzt. Mit­glie­der in Gre­mi­en und Mit­ar­bei­ter, die der AfD nahe­stan­den, sie unter­stütz­ten oder öffent­lich bekun­det hat­ten, sie zu wäh­len, gerie­ten unter Druck. Es kam zu Aus­schlüs­sen aus Gre­mi­en und Entlassungen. 

Schritt für Schritt wur­de eine Unver­ein­bar­keit instal­liert. Ein­zel­ne pro­te­stan­ti­sche Lan­des­kir­chen gaben Leit­fä­den zur Distan­zie­rung von der AfD her­aus. Kirch­li­che Orga­ni­sa­tio­nen faß­ten Unver­ein­bar­keits­be­schlüs­se. Katho­li­sche Orga­ni­sa­tio­nen ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­men, in denen sie erklär­ten, „die Ideo­lo­gie“ der AfD abzulehnen. 

Ein­zel­ne Bischö­fe nah­men sogar an Demon­stra­tio­nen „gegen Rechts­extre­mis­mus und Rechts­po­pu­lis­mus“ teil, die vom Estab­lish­ment und dem lin­ken Spek­trum gewollt und vom Main­stream unter­stützt wur­den. Sie waren zwar offi­zi­ell „nicht nur“ gegen die AfD gerich­tet. Die Bot­schaft war den­noch ein­deu­tig. Wie­der­um han­del­te es sich um ein­sei­ti­ge kirch­li­che Akte.

  • 2019 wur­de die Kri­tik an der AfD wei­ter inten­si­viert. Der EKD-Rats­vor­sit­zen­de Hein­rich Bedford-Strohm und katho­li­sche Bischö­fe kri­ti­sier­ten die AfD wegen ihrer Rhe­to­rik und eines angeb­li­chen Man­gels an christ­li­cher Näch­sten­lie­be. In den sozia­len Medi­en for­mier­ten sich kirch­li­che Initia­ti­ven, die sich gegen die AfD enga­gier­ten. Ein Unter­schied zu den längst bekann­ten lin­ken Initia­ti­ven „gegen rechts“ war kaum noch aus­zu­ma­chen. Und wie­der war es die Kir­che, die sich poli­tisch positionierte.

Im Gegen­zug fühl­ten sich Chri­sten, die dem Ruck nach links nicht fol­gen woll­ten, zuneh­mend uner­wünscht und aus­ge­grenzt. Sie wur­den kirch­li­cher­seits – aus­ge­rech­net von einer Insti­tu­ti­on, die laut­stark ver­kün­de­te, „Alle, alle, alle“ sei­en will­kom­men – wie Paria behan­delt. Hier setz­te ein Ent­frem­dungs­pro­zeß ein, der auf kirch­li­cher Sei­te kein erkenn­ba­res Bedau­ern aus­lö­ste. Die „offe­ne“ Pasto­ral hat doch ein­deu­ti­ge Gren­zen. Und auch die­ser Pro­zeß ging nicht von der AfD aus.

Im Gegen­teil: Chri­sten orga­ni­sier­ten sich dort sogar aus­drück­lich in Arbeits­krei­sen und ver­tei­dig­ten gesell­schafts­po­li­ti­sche Posi­tio­nen, die eigent­lich zum urei­gen­sten Auf­trag der Kir­che gehö­ren, die die­se jedoch zugun­sten eines weit nach links ver­scho­be­nen „gesell­schaft­li­chen Kon­sen­ses“ längst auf­ge­ge­ben hatte.

Gleich­zei­tig hielt der Sprach­ge­brauch der radi­ka­len Lin­ken Ein­zug in die kirch­li­che Spra­che. Was links aus durch­sich­ti­gen Grün­den tra­di­tio­nell als „rechts­extrem“ eti­ket­tiert wird, sobald es sich um eine uner­wünsch­te poli­ti­sche Posi­ti­on han­delt, wur­de im Zuge der all­ge­mei­nen Links­ver­schie­bung der bür­ger­li­chen Par­tei­en, allen vor­an der Uni­ons­par­tei­en, zuneh­mend auch zum Sprach­ge­brauch kirch­li­cher Vertreter.

Eine sol­che unsach­ge­mä­ße und rein agi­ta­to­ri­sche Bezeich­nung ver­gif­tet das Klima. 

Wie­der­um einseitig.

  • Die Coro­na-Pseu­do­pan­de­mie führ­te ab 2020 zu wei­te­ren Kon­flikt­punk­ten. Tei­le der AfD kri­ti­sier­ten die staat­li­chen Maß­nah­men gegen Covid-19 scharf und hiel­ten sie für unver­hält­nis­mä­ßig. Die Kir­chen war­fen ihnen dage­gen man­geln­de Ver­ant­wor­tung für die Bewah­rung des Lebens vor. 

Die Glaub­wür­dig­keits­sche­re tat sich immer wei­ter auf. Denn der Vor­wurf kam von jener Sei­te, die inzwi­schen teil­wei­se gemein­sa­me Sache mit dezi­dier­ten Abtrei­bungs­lob­by­isten machte.

In der Coro­na-Aus­ein­an­der­set­zung wur­de erst­mals ein Wan­del bei der AfD erkenn­bar. Hat­te sie sich trotz jah­re­lan­ger Angrif­fe und Dis­kre­di­tie­run­gen bis­lang mit Kri­tik an den Kir­chen zurück­ge­hal­ten, tra­ten nun erst­mals AfD-nahe Grup­pen offen gegen poli­ti­sche Posi­tio­nie­run­gen der Kir­chen auf.

Sie bezeich­ne­ten die­se als Teil eines „poli­tisch-media­len Kom­ple­xes“, der repres­si­ve Maß­nah­men unter­stüt­ze. Damit war eine neue Stu­fe der Aus­ein­an­der­set­zung erreicht.

  • Pünkt­lich zur Bun­des­tags­wahl 2021 rie­fen die Kir­chen ver­stärkt zur Abgren­zung von der AfD auf. Ihre Distan­zie­rung wur­de mit „Rechts­extre­mis­mus“ begrün­det – eine Gleich­set­zung, die der intel­lek­tu­el­len Red­lich­keit ent­behrt, aber geeig­net ist, unnö­tig böses Blut zu erzeugen.

Die AfD reagier­te erst­mals offen mit dem Vor­wurf, die Kir­chen hät­ten ihre geist­li­che Auto­ri­tät in den Dienst einer ein­sei­ti­gen poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung gestellt.

Die Ent­frem­dung wur­de grö­ßer. Wer dau­ernd geschla­gen wird, setzt irgend­wann einen Schlußstrich.

AfD-Poli­ti­ker kri­ti­sier­ten die Kir­chen zuneh­mend offen als poli­tisch befan­gen und wenig dia­log­be­reit. Sie sahen in ihnen zuneh­mend einen ver­län­ger­ten Arm jenes Estab­lish­ments, das die AfD bekämpft.

Anders aus­ge­drückt: In der AfD setz­te sich der Ein­druck fest, die Kir­chen sei­en in ihren der­zei­ti­gen Amts­trä­gern Teil jenes Kar­tells, das es von der Macht zu ver­drän­gen gilt. Das spielt natür­lich auch Kräf­ten inner­halb der AfD in die Hän­de, die aus kir­chen­fer­nen Tra­di­ti­ons­li­ni­en kommen.

Aber kann man der AfD dafür ernst­haft einen Vor­wurf machen?

Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: Signal an das politische Establishment

Sind es nicht viel­mehr die kirch­li­chen Amts­trä­ger und Orga­ni­sa­tio­nen, die seit Jah­ren einen dezi­dier­ten Kampf gegen die AfD und ihre Posi­tio­nen füh­ren? Und han­delt es sich bei die­sen Posi­tio­nen tat­säch­lich um sol­che, die von vorn­her­ein außer­halb des demo­kra­tisch und christ­lich Ver­tret­ba­ren lagen? Oder wur­de hier eine Chan­ce ver­spielt für eine Kir­che, deren aktu­el­les Füh­rungs­per­so­nal gar nicht mehr so sehr die katho­li­sche Iden­ti­tät ver­tei­di­gen will, son­dern lie­ber ein aner­kann­ter Akteur im links­bun­ten, kir­chen­fer­nen Rei­gen ist?

Noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit wären zahl­rei­che Posi­tio­nen der AfD als selbst­ver­ständ­li­che Posi­tio­nen der Uni­ons­par­tei­en ver­stan­den wor­den. Das ist der ent­schei­den­de Punkt.

Die poli­ti­sche Land­schaft hat sich ver­scho­ben – und zwar nicht zuletzt des­halb, weil Posi­tio­nen, die gestern noch zum nicht-lin­ken Kon­sens gehör­ten, heu­te als „rechts­po­pu­li­stisch“ oder völ­lig sinn­wid­rig als „rechts­extrem“ eti­ket­tiert werden.

Einen ent­schei­den­den Unter­schied gibt es allerdings.

Die AfD posi­tio­niert sich auch außen­po­li­tisch eigen­stän­di­ger und for­dert natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät ein. Genau die­ser Punkt dürf­te zu einem nicht unwe­sent­li­chen Teil erklä­ren, wes­halb sich Tei­le der Uni­on und die ihr nahe­ste­hen­den Groß­ver­bän­de in der BRD so ent­schie­den gegen die AfD stellen.

Denn hier geht es nicht mehr nur um Migra­ti­on, Kli­ma-Reli­gi­on, lin­ke Gesell­schafts­po­li­tik oder das Ver­hält­nis von Kir­che und Staat. Es geht um die außen­po­li­ti­sche Grund­aus­rich­tung. Es geht um die Fra­ge, wie sou­ve­rän die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sein soll. Und damit um den Ver­dacht, die AfD könn­te auch aus jenem trans­at­lan­ti­schen Geflecht aus­bre­chen, in das die Bun­des­re­pu­blik seit Kriegs­en­de ein­ge­bun­den ist.

Vor die­sem Hin­ter­grund erhält die Über­schrift von Avve­ni­re eine eigen­tüm­li­che Wendung.

Obrigkeitliche Belehrung statt echter Dialog – eine gefährliche Strategie

Hat die AfD den Kir­chen den Krieg erklärt? Oder haben die Kir­chen nicht viel­mehr jah­re­lang eine poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung geführt, die sie nun nicht mehr unter Kon­trol­le haben?

Wer den poli­ti­schen Geg­ner über Jah­re aus­grenzt, mora­lisch dele­gi­ti­miert und sei­ne Wäh­ler zu uner­wünsch­ten Bür­gern erklärt, soll­te sich nicht wun­dern, wenn die­ser Geg­ner irgend­wann nicht mehr die Wan­ge hin­hält. Das ist aber kein Krieg gegen die Kirche.

Es ist die Reak­ti­on auf einen poli­ti­schen Kampf, den die Kir­chen auf­grund ihrer Ver­flech­tung mit dem poli­ti­schen Estab­lish­ment selbst begon­nen haben.

Gera­de vor die­sem Hin­ter­grund wirkt die Über­schrift von Avve­ni­re beson­ders frag­wür­dig. Denn der Arti­kel beschreibt nicht etwa einen „Krieg“ der AfD gegen die Kir­chen, son­dern im Kern einen poli­ti­schen Kon­flikt um die Fra­ge, wel­che Auf­ga­ben Kir­chen in einem demo­kra­ti­schen Gemein­we­sen wahr­neh­men sol­len und wie die­se finan­ziert wer­den. Das ist ein legi­ti­mer Gegen­stand poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung. Wer dar­aus einen „Krieg gegen die Kir­chen“ macht, ersetzt poli­ti­sche Ana­ly­se leicht­fer­tig (und durch­sich­tig) durch mora­li­sche Dramaturgie.

Kirchensteuer und Kirchenasyl

Beson­ders deut­lich wird das bei der Kir­chen­steu­er. Die AfD stellt die staat­li­che Ein­zie­hung der Kir­chen­steu­er infra­ge. Dar­über kann man selbst­ver­ständ­lich strei­ten. Man kann die­se For­de­rung für falsch, unso­zi­al oder reli­gi­ons­po­li­tisch ver­fehlt hal­ten. In der AfD, wie all­ge­mein, wis­sen die mei­sten gar nicht, wor­auf das heu­ti­ge Kir­chen­steu­er­sy­stem zurück­geht. Es ist letzt­lich ein Rest der Abgel­tung für den Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluß von 1803, mit dem alle kirch­li­chen Erz­stif­te des Rei­ches Salz­burg, Mainz und Köln, die Fürst­bis­tü­mer Pas­sau, Eich­stätt, Würz­burg, Bam­berg, Augs­burg, Frei­sing, Hil­des­heim und Pader­born sowie die zahl­rei­chen klei­ne­ren geist­li­chen Reichs­stän­de, dar­un­ter rund vier­zig reichs­un­mit­tel­ba­re Prä­la­tu­ren, etwa bedeu­ten­de Reichs­ab­tei­en wie Kemp­ten, Otto­beu­ren, Wein­gar­ten, Salem, Qued­lin­burg, Essen und Wer­den von den welt­li­chen Mäch­ten „kas­siert“ wurden. 

Glaub­ten die Bischö­fe und haupt­amt­li­chen Kir­chen­funk­tio­nä­re, sie könn­ten wirk­lich einer Par­tei belie­big auf dem Kopf her­um­tan­zen, ohne eine Reak­ti­on zu pro­vo­zie­ren? In einer säku­la­ren Demo­kra­tie gilt es gera­de­zu als nor­mal, daß die Fra­ge nach staat­li­chen Dienst­lei­stun­gen für Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten poli­tisch dis­ku­tiert wird. Die bis­her ver­ein­zel­ten Vor­stö­ße haben sich die Kir­chen­ver­tre­ter selbst zuzu­schrei­ben. Es war für Beob­ach­ter nur eine Fra­ge der Zeit, bis die Kir­chen­steu­er in die Debat­te auf­ge­nom­men würde.

Der Avve­ni­re-Arti­kel ver­schweigt zudem einen ent­schei­den­den Aspekt: Die Kir­chen­steu­er ist nicht ein­fach eine frei­wil­li­ge Spen­de, son­dern Teil eines histo­risch gewach­se­nen öffent­lich-recht­li­chen Systems. Gera­de des­halb darf die Fra­ge, ob und in wel­cher Form der Staat dabei mit­wir­ken soll, nicht dadurch tabui­siert wer­den, daß jede Kri­tik dar­an als Angriff auf das Chri­sten­tum eti­ket­tiert wird.

Abge­se­hen davon gibt es schon seit län­ge­rem zahl­rei­che gläu­bi­ge Katho­li­ken, die im Kir­chen­steu­er­sy­stem, unab­hän­gig von sei­ner histo­ri­schen Berech­ti­gung, mehr ein Übel denn einen Nut­zen sehen. Nicht zuletzt auch des­halb, um das Abdrif­ten der Kir­che zu einer NGO im Wind­schat­ten der gera­de Mäch­ti­gen zu beenden.

Und zur Erin­ne­rung: In Ita­li­en pole­mi­sier­ten die Radi­ka­len von Mar­co Pan­nella und Emma Boni­no wie­der­holt gegen die dor­ti­ge Rege­lung der Kir­chen­ab­ga­be. Emma Boni­no tön­te: „No Tali­ban, No Vati­can“. Und Papst Fran­zis­kus nann­te sie eine „ganz Gro­ße“. Was ver­trat Emma Boni­no für Posi­tio­nen? Als erklär­te Anti­kle­ri­ka­le kei­ne kirch­li­chen. Sie ver­trat die Posi­tio­nen jener glo­ba­li­stisch-lin­ken Alli­anz, die den Westen zu kon­trol­lie­ren ver­sucht und es in der EU tut.

Noch pro­ble­ma­ti­scher ist die Ver­mi­schung von Kir­chen­fi­nan­zie­rung und kirch­li­chem Asyl. Der Arti­kel erweckt den Ein­druck, als müs­se, wer die Kir­chen­steu­er oder deren staat­li­chen Ein­zug kri­ti­siert, zwangs­läu­fig auch gegen huma­ni­tä­re Hil­fe für Flücht­lin­ge sein. Das ist ein klas­si­scher argu­men­ta­ti­ver Kurz­schluß. Man kann einem Men­schen in Not hel­fen und gleich­zei­tig dar­über dis­ku­tie­ren, ob eine kirch­li­che Insti­tu­ti­on poli­ti­sche Auf­ga­ben über­nimmt, die eigent­lich dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Staat obliegen.

Genau hier liegt das eigent­li­che Problem.

Das soge­nann­te Kir­chen­asyl exi­stier­te im Mit­tel­al­ter, schütz­te aber kei­nes­wegs vor Straf­frei­heit. In den moder­nen Ter­ri­to­ri­al­staa­ten wur­den es durch das staat­li­che Gewalt­mo­no­pol ersetzt, nachem es in der Neu­zeit bereits weit­ge­hend sei­ne Bedeu­tung ver­lo­ren hat­te. In Preu­ßen erfolg­te die Abschaf­fung offi­zi­ell 1794. Mit der bereits erwähn­ten Säku­la­ri­sie­rung der gei­sti­li­chen Für­sten­tü­mer wur­de ihr letz­ter ent­schei­den­der Fak­tor besei­tigt. Die heu­ti­ge Behaup­tung eines Kir­chen­asyls ist recht­lich in kei­ner Wei­se gedeckt.

Ein Bericht, der sein Urteil schon mitbringt

Der Avve­ni­re stellt die­se Fra­gen nicht. Statt­des­sen über­nimmt der Arti­kel weit­ge­hend die Per­spek­ti­ve der kirch­li­chen Akteu­re, die poli­tisch ein­sei­tig agie­ren. Die AfD erscheint als bedro­hen­de Kraft, die Kir­che als bedroh­tes Opfer. Die poli­ti­schen Moti­ve der AfD wer­den nicht erklärt. Das ist kein aus­ge­wo­ge­ner Jour­na­lis­mus, son­dern eine poli­ti­sche Stel­lung­nah­me im Gewand eines Nach­rich­ten­be­richts. Erschwe­rend ist, daß das Publi­kum selbst kaum Kennt­nis­se über die in der BRD auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen hat. Die Leser­schaft wird ein­sei­tig geführt.

Beson­ders bezeich­nend ist die Wort­wahl. Von der „Ultra­rech­ten“ und der „ultra­na­tio­na­li­sti­schen“ Rech­ten ist die Rede. Allen soll klar wer­den, wer der „Böse“ ist. Die kirch­li­chen Gesprächs­part­ner wer­den dage­gen als besorg­te Ver­tei­di­ger huma­ni­tä­rer Wer­te prä­sen­tiert. Damit steht das mora­li­sche Urteil bereits fest, bevor der Leser über­haupt Gele­gen­heit bekommt, sich mit den poli­ti­schen Argu­men­ten auseinanderzusetzen.

Das ist umso erstaun­li­cher, als gera­de eine katho­li­sche Zei­tung einen ande­ren Maß­stab anle­gen soll­te. Die Kir­che ver­steht sich nicht als par­tei­po­li­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on. Sie soll­te auch nicht das Angäng­sel der Regie­rung sein und schon gar nicht ein Sekun­dant links­ra­di­ka­ler Positionen. 

Sie ist ihrem eige­nen Anspruch nach uni­ver­sal und soll Men­schen mit unter­schied­li­chen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen offen­ste­hen. Ihre Iden­ti­tät defi­niert sich nicht aus par­tei­po­li­ti­schen Posi­tio­nen, son­dern aus dem Wahr­heits­an­spruch, die auf die Poli­tik umge­legt wer­den sol­len. Wenn jedoch ein erheb­li­cher Teil der kirch­li­chen Hier­ar­chie über Jah­re hin­weg den Ein­druck ver­mit­telt, bestimm­te poli­ti­sche Posi­tio­nen sei­en absur­der­wei­se mit einem christ­li­chen Leben grund­sätz­lich unver­ein­bar, dann darf sie sich nicht wun­dern, wenn sich Chri­sten poli­tisch von ihr entfremden.

Christ­li­che Wer­te las­sen sich nicht ohne wei­te­res auf das poli­ti­sche Pro­gramm einer bestimm­ten Rich­tung redu­zie­ren – und schon gar nicht auf das Kon­glo­me­rat lin­ker Par­tei­en, deren poli­ti­sche Ziel­set­zun­gen mit der kirch­li­chen Sozi­al­leh­re und dem christ­li­chen Natur­recht besten­falls mini­ma­li­sti­sche Über­ein­stim­mun­gen aufweisen.

Kirche selbst ein Teil des Problems der gesellschaftlichen Spaltung

Gera­de die undif­fe­ren­zier­ten Gleich­set­zun­gen migrations‑, corona‑, kli­ma­re­li­gi­ons- und kriegs­kri­ti­scher Posi­tio­nen als „gefähr­lich“ und „rechts­extrem“ haben dem Anse­hen der Kir­chen erheb­lich geschadet.

Denn wenn ein Bür­ger, der sich für den Schutz der natio­na­len Gren­zen, eine restrik­ti­ve­re Migra­ti­ons­po­li­tik, tra­di­tio­nel­le Fami­li­en­vor­stel­lun­gen, Mei­nungs­frei­heit oder eine sou­ve­rä­ne Außen­po­li­tik aus­spricht, von kirch­li­chen Amts­trä­gern immer wie­der in die Nähe von „Rechts­extre­mis­mus“ gerückt wird, dann ent­steht zwangs­läu­fig der Ein­druck, daß die Kir­che ihre mora­li­sche Auto­ri­tät für einen poli­ti­schen Lager­kampf einsetzt.

Und genau die­sen Ein­druck hät­te die Kir­che ver­mei­den müs­sen. Erschreckend an der Sache ist viel­mehr, daß sie dies nicht ver­mie­den hat.

Eine Kir­che, die tat­säch­lich „alle“ Men­schen errei­chen will, kann nicht gleich­zei­tig einen erheb­li­chen Teil des poli­ti­schen Spek­trums, zudem jenen, der ihr eigent­lich in zen­tra­len Punk­ten ihrer eige­nen tra­di­tio­nel­len Iden­ti­tät am näch­sten steht, mora­lisch aus­gren­zen. Sie muß mit Men­schen spre­chen, deren Auf­fas­sun­gen ihre aktu­el­len Amts­trä­ger für falsch hal­ten. Sie kann nicht Dia­log pre­di­gen, ihn dann aber verweigern.

Das gilt umso mehr nach dem Wahl­er­geb­nis in Sachsen-Anhalt.

43,8 Prozent sind keine „Randerscheinung“

60 Pro­zent der Stim­men an den Urnen und 43,8 Pro­zent ins­ge­samt las­sen sich nicht ein­fach als Aus­druck einer plötz­lich auf­ge­tre­te­nen „rechts­extre­men Bedro­hung“ dis­kre­di­tie­ren. Ein der­art hoher Stim­men­an­teil ist viel­mehr ein unüber­seh­ba­res Signal an das gesam­te poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Estab­lish­ment. Mil­lio­nen Men­schen wäh­len in der BRD nicht des­halb eine Par­tei, weil sie von ihr „ver­führt“ wor­den sind. Sie tun dies, weil sie mit den eta­blier­ten Par­tei­en, den Medi­en, Ver­bän­den und eben auch den Kir­chen unzu­frie­den sind.

Wer die­se Wäh­ler aus­schließ­lich mora­lisch belehrt, wird den Kon­takt zu ihnen verlieren.

Und hier liegt mög­li­cher­wei­se die größ­te poli­ti­sche Fehl­ein­schät­zung der kirch­li­chen Hier­ar­chie. Die AfD wird nicht dadurch klei­ner wer­den, daß Bischö­fe im Inter­es­se ande­rer Par­tei­en vor ihr war­nen, Kir­chen­ver­bän­de Unver­ein­bar­keits­er­klä­run­gen ver­ab­schie­den oder katho­li­sche Zei­tun­gen agi­ta­to­ri­sche Schlag­zei­ten for­mu­lie­ren. Im Gegen­teil: Für einen Teil ihrer Wäh­ler bestä­tigt die­se Hal­tung gera­de das Bild einer poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Eli­te, die sich gegen­über den Sor­gen und Ein­wän­den eines erheb­li­chen Teils des Vol­kes immu­ni­siert hat. 

Ah ja, das Volk, im Grund­ge­setz und am Reichs­tag in Ber­lin zwar noch ver­ewigt, wur­de von eben die­sem Estab­lish­ment zugun­sten einer dif­fu­sen, belie­bi­gen Bevöl­ke­rung auf­ge­ge­ben. Auch das ist einer jener Gegen­sät­ze, die nicht von der AfD geschaf­fen wur­den, aber die jüng­sten Wahl­er­geb­nis­se erklären.

Die Kir­che läuft dabei Gefahr, selbst Teil des Pro­blems zu wer­den, das sie beklagt.

Wer stän­dig, apo­dik­tisch und intel­lek­tu­ell wenig red­lich vor einer „Spal­tung der Gesell­schaft“ warnt, soll­te sich fra­gen, ob nicht die eige­ne Spra­che die­se Spal­tung ver­tieft oder gar erst schafft. Wer Dia­log for­dert, soll­te sorg­fäl­tig zwi­schen tat­säch­li­chem Extre­mis­mus und legi­ti­mer poli­ti­scher Oppo­si­ti­on unter­schei­den. Genau das aber wird seit Jah­ren nicht mehr gemacht. War­um das die radi­ka­le Lin­ke nicht tut, bedarf kei­ner Erklä­rung. War­um das die Uni­ons­par­tei­en und die Kir­chen nicht mehr tun, ist dafür umso erklärungsbedürftiger.

Das gilt selbst­ver­ständ­lich auch für die AfD. Auch sie muß sich gefal­len las­sen, daß kon­kre­te Äuße­run­gen ihrer Funk­tio­nä­re, poli­ti­sche Pro­gram­me und even­tu­el­le Ver­bin­dun­gen zu extre­mi­sti­schen Milieus kri­tisch unter­sucht werden. 

Des­halb wäre eine ande­re Hal­tung der Kir­chen gegen­über der AfD nicht nur poli­tisch klü­ger, son­dern auch im eige­nen Interesse.

Konfliktlösung beginnt bei den kirchlichen Entscheidungsträgern selbst

Statt die AfD pau­schal zu dämo­ni­sie­ren, soll­ten die Kir­chen ihre eige­nen christ­li­chen Posi­tio­nen for­mu­lie­ren und sie argu­men­ta­tiv ver­tre­ten. Dann wird sich zei­gen, zu wel­chen Par­tei­en es zu wel­chen The­men Über­ein­stim­mun­gen gibt. 

Das wäre Demo­kra­tie. Und es wäre sogar christlicher.

Denn die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet am Ende nicht, ob die AfD „den Kir­chen den Krieg erklärt“ hat. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet, war­um eine Par­tei, die inzwi­schen einen so erheb­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung erreicht, über­haupt zu dem Ein­druck gelangt ist, die Kir­chen stün­den auf der ande­ren Sei­te einer poli­ti­schen Front.

Wer die­sen Ein­druck besei­ti­gen will, muß nicht zuerst die AfD ändern. Er soll­te bei sich selbst anfangen.

Eine Kir­che, die sich poli­tisch auf ein bestimm­tes Lager fest­legt, ver­liert zwangs­läu­fig Gläu­bi­ge auf der ande­ren Sei­te. Eine Kir­che dage­gen, die ihre Türen offen­hält, auch mit poli­ti­schen Geg­nern spricht und zwi­schen christ­li­cher Leh­re und par­tei­po­li­ti­scher Tages­po­li­tik unter­schei­det, könn­te wie­der das wer­den, was sie ihrem eige­nen Anspruch nach sein soll­te: ein Ort der Begeg­nung – und nicht ein Akteur im poli­ti­schen Kul­tur­kampf, der auf den fal­schen Bar­ri­ka­den steht.

Der Avve­ni­re-Arti­kel zeigt lei­der das Gegen­teil. Er ana­ly­siert den Kon­flikt nicht, son­dern repro­du­ziert ihn. Er fragt nicht, war­um die AfD bei einem erheb­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung erfolg­reich ist, son­dern behan­delt ihre Stär­ke als Bedro­hung. Er hin­ter­fragt nicht die poli­ti­sche Rol­le der Kir­chen, son­dern über­nimmt weit­ge­hend deren Selbst­be­schrei­bung. Und er macht aus einer Aus­ein­an­der­set­zung über Kir­chen­steu­er, Kir­chen­asyl und das Ver­hält­nis von Staat und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten einen Kampf zwi­schen Gut und Böse.

Damit hilft er weder der Kir­che noch der Demokratie.

Denn wenn die Kir­che wirk­lich ver­hin­dern will, daß sich die Gesell­schaft wei­ter pola­ri­siert, muß sie auf­hö­ren, poli­ti­sche Geg­ner zu Fein­den zu erklären.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Katho​li​sches​.info

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