Von P. Joachim Heimerl von Heimthal*
Es gibt Dinge, die wie ein Komet die Nacht erhellen, und manchmal scheint es, als würden sie das Ausmaß der Nacht in einem Augenblick erfahrbar machen.
Als die Priesterbruderschaft St. Pius X. ankündigte, ohne die Erlaubnis des Papstes eigene Bischöfe zu weihen, war dies so ein Augenblick: Die Nacht der Kirche wurde so hell, dass man die Finsternis nicht übersehen konnte, die viel zu lange auf ihr lag.
Missverstehen Sie mich nicht: Ich halte die Bruderschaft nicht für eine „himmlische Erscheinung“ und es geht mir hier nicht um sie. Mir geht es darum, was ihre Ankündigung sichtbar macht, nämlich den Zustand der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Diesen Zustand möchte ich als „dunkle Nacht“ beschreiben, und das Schlimme ist: Wir haben uns an ihn gewöhnt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich die Kirche grundlegend verändert hat, und daran, dass sie zu vielem im Widerspruch steht, was sie vorher gelehrt und geglaubt hat.
Im Grunde haben wir es heute mit einer „neuen“ Kirche zu tun und schweigen dies seit 60 Jahren tot; wir verschließen die Augen und hören auf die, die auffallend penetrant behaupten, das Konzil habe den Glauben nicht verändert, sondern lediglich „vertieft“. Kurz: Wir lassen uns wie Kinder hinters Licht führen und uns die größte Zäsur der Kirchengeschichte mit einem Taschenspielertrick wegerklären. – Die Nacht der Kirche ist unsere eigene Nacht!
Dass sie auch eine Nacht des Papsttums ist, versteht sich von selber: Kein Papst wagte bislang, die verheerenden Folgen des Konzils zu korrigieren; das Papstamt fällt an diesem Punkt de facto aus. Stattdessen affirmiert ein Papst nach dem anderen die „Errungenschaften“ des Konzils. Das fällt leichter und ruft keinen Widerstand hervor, und nur Benedikt XVI. wagte jene Ausnahme, die die Regel bestätigt; er hat sie teuer bezahlt.
Dass diese Entwicklung nicht gut gehen konnte, war a priori klar. Dennoch schlingerte die Kirche Jahrzehnte ins Dunkel und erreichte unter Papst Franziskus die Mitte der Nacht.
Franziskus war der erste Papst, der Häresien verkündete, sündhafte Beziehungen segnen ließ und das Heilswerk Christi relativierte. Dass er beabsichtigte, eine „synodale“ Kirche einzuführen, propagierte er als Konsequenz des Konzils. Zugleich war es eine Häresie eigener Art, die behauptete, der Heilige Geist könne sich heute im Widerspruch zu sich selbst offenbaren.
Wie es aussieht, setzt Leo XIV. das „synodale“ Zerstörungswerk seines Vorgängers fort. – Die „letzte Frucht“ des Konzils wird wohl seine giftigste sein.
Allerdings hat Franziskus nicht nur die Kirche, sondern auch das Papsttum beschädigt. Die Autorität des Papstes ist seitdem dahin; seine Willkür hat die Vollmacht des Petrusamtes ins Absurde überdehnt. – Daran kann auch Leo XIV. nichts ändern. Wenn der Papst nicht mehr der Garant des katholischen Glaubens ist, zählt das Papstamt nicht mehr, zumindest nicht in den Punkten, in denen es sich vom überlieferten Glauben verabschiedet hat.
Damit sind wir wieder bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. angelangt, die auf dem unverfälschten Glauben vor dem Konzil besteht, und auf die Messe, die diesen Glauben bekennt. Dass dies mit einer Ablehnung der nachkonziliaren Kirche und der synodalen Häresie verbunden ist, versteht sich von selbst.
*Joachim Heimerl von Heimthal, Priester der Erzdiözese Wien, studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theologie. Er ist promovierter Germanist und war Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben literaturwissenschaftlichen Arbeiten ist er Autor zahlreicher Aufsätze und Kommentare zu kirchlichen Themen in in- und ausländischen Medien.
Bild: Wikicommons
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