Orbán gegen Soros, was der Blick nach Ungarn auch uns lehren kann
Buchbesprechung von Wolfram Schrems*
Im kommenden April wird das ungarische Parlament neu gewählt. Die gleichgeschaltete deutschsprachige Medienlandschaft trommelt seit Monaten für den Oppositionskandidaten. Die Weichenstellung in Ungarn wird auf die eine oder andere Weise Auswirkungen auf ganz Europa haben. Deshalb ist die ungarische Wahl besonders umkämpft.
In dieser angespannten Lage ist das im vergangenen Juni auf Deutsch erschienene Buch Orbán gegen Soros (Original Orbán kontra Soros, Budapest 2024) eine wichtige Orientierungshilfe für deutschsprachige Leser. Der Jungeuropa Verlag hatte wiederum eine gute Publikationsidee. Sie kommt (nach der hier schon besprochenen Orbán-Biographie) zur rechten Zeit.
Vorliegender Titel ist ein politisches Werk, dessen Autor um die spirituelle Dimension der Vorgänge sehr wohl Bescheid weiß. Für die Leser einer katholischen Netzseite wird er aus dem Grund empfohlen, weil auch viele Katholiken in politischen Fragen erfahrungsgemäß nicht immer gut informiert sind und allzu oft der Systempresse vertrauen. Wer sich als Gläubiger aufgerufen weiß, politisch oder „metapolitisch“ tätig zu sein, sollte sich gründlich kundig machen. –
Verleger Philip Stein hatte wiederum die glückliche Idee, die ungarische Historikerin Mária Schmidt um ein Geleitwort zu bitten. Sie ist die Direktorin der Gedenkstätte Haus des Terrors in Budapest (Terror háza) und war einst Soros-Stipendiatin. Bereits zur deutschen Ausgabe von Michel Onfray, Theorie der Diktatur, ebenfalls bei Jungeuropa erschienen, hatte Frau Professor Schmidt einen Beitrag beigesteuert.
Der Autor und sein Thema
Gábor G. Fodor ist habilitierter Politikwissenschaftler und dem Ministerpräsidenten freundschaftlich verbunden. Er stand dem Kuratorium der Századvég-Stiftung vor und ist seit 2021 strategischer Direktor des XXI.-Jahrhundert-Instituts (das übrigens auch Mitveranstalter der Konferenz des Patrimonium Sancti Adalberti im vergangenen Oktober in Prag war). –
Fodor stellt die Vorgänge ab der ersten Einflußnahme des ungarisch-jüdischen Spekulanten und vermeintlichen „Philanthropen“ György Schwartz vulgo George Soros in Ungarn spannend und geistreich dar. Soros (nach der ungarischen Phonetik „Schórosch“ ausgesprochen) ist ein angenommener Name aus der Kunstsprache Esperanto, mit der Bedeutung: „Er wird aufsteigen“ (135).
Fodor zeichnet die jahrzehntelange Beziehung von Soros zu dem aufstrebenden Oppositionellen und späteren Ministerpräsidenten Viktor Orbán nach. Diese Beziehung kulminierte im Jahr 2017 in einer offenen Konfrontation durch letzteren, nachdem Soros viele Jahre lang „unter der Wasseroberfläche“, um das vom Autor herangezogene Beispiel vom Wasserball aufzugreifen, Foul um Foul gegen Orbán und die ungarischen Interessen verübt hatte. Orbán veranlaßte eine Plakatkampagne mit dem Konterfei von George Soros („Lassen wir nicht zu, dass am Ende Soros lacht!“) und entfernte dessen Central European University, eine Kaderschmiede der Subversion und des regime change, ja, „eine elitäre Gladiatorenschule für die künftigen Ministerpräsidenten der Region“ (66), aus Ungarn.
Aus dem Geleitwort
Gleichsam das Hauptmotiv des Buches ist dieser Überblick durch Mária Schmidt:
„Im Handumdrehen stieg er [Orbán] in die Führungsriege der Oppositionskräfte auf [Ende der 80er Jahre], die das System von Grund auf verändern wollten und zu Hoffnungsträgern aller Menschen avancierten, die ein neues, demokratisches Ungarn ersehnten. Auch Soros erkannte sofort die Zeichen der Zeit, den Mann der Zukunft, den er mit einem Auslandsstipendium unterstützte. Das hätte durchaus der Anfang einer wunderbaren Freundschaft werden können. Doch daraus wurde nichts. Orbán erkannte nämlich sehr bald, dass die kostenlosen Dinge am teuersten sind. Bereits als Abgeordneter und Parteivorsitzender des Fidesz im Parlament lehnte er jede weitere Unterstützung durch Soros ab und verzichtete auf dessen Finanzhilfe“ (9).
Nach langen, unter der Oberfläche stattfindenden Kämpfen und einem geduldigen Zuwarten Orbáns, mittlerweile von 1998 bis 2002 und seit 2010 durchgehend Ministerpräsident, auf den richtigen Augenblick ging dieser im Gefolge der vom Soros-Imperium orchestrierten Invasion des Jahres 2015 in die Offensive:
„Er lüftete den Schleier über einem Heer von Politikern, NGOs und Hilfsorganisationen, die von Soros gesteuert und bezahlt werden, ebenso wie über den ‚objektiven‘ und ‚unabhängigen‘ Experten und Medienvertretern, die ihm treu dienen“ (10).
Die Hintergründe: Kapitalismus und Kommunismus – untergründige Verbindungen
Sehr interessant und den meisten Zeitgenossen im Westen vermutlich unbekannt dürfte die Tatsache sein, daß George Soros bereits im Jahr 1984 in Ungarn Fuß faßte. Es kam zur Gründung des sogenannten MTA-Soros-Stiftungsausschusses. (Übrigens gründete Soros 1987 auch in Moskau eine Niederlassung.) Das ist auch für Fodor „außerordentlich spannend“ (19).
Die Versuchung
Am 16. Juni 1989 tritt Viktor Orbán öffentlich in Erscheinung, und zwar als er in Verbindung mit der Umbettung von Imre Nagy die Russen zum Abzug aus Ungarn aufforderte: „Ihr könnt packen! Ende! Das Spiel ist aus!“ Damals wurde Orbán als selbstbewußter, ja dreister Oppositioneller ungarnweit bekannt.
Soros lädt den steil aufstrebenden Jungpolitiker Orbán 1992 in sein Büro in New York:
„Der Central Park ist das Zentrum der globalistischen Welt, dessen oberste Etage gehörte Soros, und dorthin lud er die Fidesz-Jungpolitiker ein. Für Viktor war das, als wolle der Teufel Jesus persönlich in Versuchung bringen, indem er ihm die Welt zu Füßen legt und sagt: ‚Das alles kann dein sein!‘ Viktor blickte aus dem 60. Stock hinab, und tatsächlich lag ihm die Welt zu Füßen. […] Soros sagte, ihm gefalle außerordentlich, was Viktor und seine Mannschaft so anstellten. Deshalb habe er entschieden, fortan sämtliche für die Absicherung des Wahlsieges anfallenden Kosten zu übernehmen. So lautete das Angebot“ (59).
Das wurde ausgeschlagen. Orbán war nunmehr ein Feind.
George Soros – Antidemokrat, Nihilist und Dunkelmann
Fodor ist ein scharfer Beobachter und stellt das Offenkundige fest, das viele wohl lieber nicht sehen und noch weniger aussprechen möchten:
„Der absurdeste Punkt in den Auffassungen von Soros ist, dass er die (über den Nationen stehende) liberale Demokratie gleichzeitig vor der politischen Elite und vor den Wählern selbst beschützen muss“ (71).
Fodor faßt den destruktiven Geisteszustand von George Soros zusammen: Einen Sinn im Leben zu suchen sei töricht, deshalb strebt Soros danach, die Menschen ihrer Identität zu berauben. Familie, väterliche Pflichten, die tausendjährige ungarische Zivilisation, Christentum – alles sinnlos.
„Dass du gerade als Ungar geboren wurdest, hat genauso wenig irgendeine Bedeutung, und Gott ist schon lange tot oder gar nicht existent. […] Wenn aber am Ende die große Leere steht – das Leben demnach nutzlos war –, dann ist es vollkommen überflüssig, sich Ziele zu setzen, für die du leiden und kämpfen musst oder die Verzicht von dir verlangen. Es ist das große Nichts, das dir Soros als Leitfaden deines Lebens empfiehlt. Und das Nichts ist stark. Sehr stark“ (75).
Letztere Aussage ist wohl eine Anspielung auf die Screwtape Letters von C. S. Lewis (dt. Dienstanweisung für einen Unterteufel), die Orbáns „besondere Aufmerksamkeit“ fanden (158). Fodor kennt sie offenbar auch. Das ist erfreulich.
Das Nichts äußert sich in Ideologien:
„Die Soft power jedoch, die man am leichtesten exportieren zu können glaubt, ist das Gendern. Dahinter steht die Überlegung, dass der Holocaust als Hauptideologie nach einer gewissen Zeit nicht mehr aufrechtzuerhalten sein werde und an dessen Stelle etwas anderes treten müsse“ (102).
Das Buch „Orbán gegen Soros“ liegt neben dem ungarischen Original bereits auf Englisch, Tschechisch und Spanisch vor. Eine polnische Ausgabe soll in Vorbereitung sein.
Das Nichts und der Mammon korrespondieren auf bestimmte Weise:
„Soros’ politische Philanthropie basiert auf einer extrem pessimistischen politischen Anthropologie, denn für Soros ist der Mensch ein ‚leeres‘ Wesen ohne höhere Ideale und ohne Interesse an der Wahrheit, ein Nihilist. […] Deshalb lässt sich mit Geld wirklich jeder kaufen.“ (114)
Im übrigen fischt Soros gerne im Trüben. Die Transparenzpflicht gilt für alle, aber nicht für Soros, den Gründer von Transparency International (eine „Ironie“, 110).
Fodor thematisiert auch den Einfluß von Soros auf die EU-Bürokratie, um von dort aus Druck etwa auf Ungarn ausüben zu lassen (163). Hochinteressant sind die Ausführungen des Autors zu den Ukraine-Machinationen von Soros, der bekanntlich auf Farbrevolutionen und Umstürze spezialisiert ist (109ff, 130 u. a.).
Existentielles Risiko für Widerständler – die spirituelle Dimension
Fodor mag etwas dick auftragen, aber grundsätzlich ist das Gesagte nachvollziehbar:
„Viktors Kampf trägt derweil Züge wie bei Jesus Christus: Nimm das Kreuz auf und gehe den Weg. Dich umgibt eine Gemeinschaft, der du nicht entwachsen kannst, mag es dich sonst wohin in der Welt verschlagen. Du wirst immer wieder zurückkehren, denn du bist ein Somewhere. Du gehörst hierher. Du nimmst das Kreuz auf dich, übernimmst Verantwortung, und gemeinsam erbauen wir eine erfolgreiche Nation. Der Widerspruch zwischen den beiden Weltkräften ist unauflöslich, ein metaphysischer und theologischer Konflikt zugleich“ (109f).
Orbán, der bekanntlich kein Katholik, sondern Calvinist ist, ist in diesem Konflikt mit seiner ganzen Existenz involviert, er hätte leicht „im Knast landen“ können:
„Was bei einem Sieg Soros’ eingetreten wäre, sieht man ungefähr am Polen des Jahres 2024“ (173).
Aber die Leute „lieben“ Orbán. Diese Liebe „ist irrational. In der heutigen entsakralisierten Politik gibt es dafür nun wirklich keine rationale Erklärung“ (183).
Philip Stein – (über)kritisches Vorwort
Der Verleger ist in seinem Vorwort möglicherweise etwas überkritisch gegenüber seinem eigenen Produkt, genauer gegenüber der „Verwendung von Superlativen“ durch den Autor, der auch manchmal „naiv“ sei. Ausschlaggebend für die Publikation seien „die Lehren, die aus dem Machtkampf dieser beiden großen Männer für unsere konkrete Situation in Deutschland gezogen werden können“, gewesen.
Dabei sei es für Stein völlig unerheblich, ob man Viktor Orbán nun für einen wahrhaftigen „Drachentöter“ hält, ihn eher kritisch sieht oder ihn gar als „Konservativen“ verachtet. Mit Verlaub, das ist doch etwas unglücklich formuliert. Stein legt nahe, daß man vielleicht nicht „jeder Darstellung von Gábor G. Fodor uneingeschränkt Glauben schenken“ könne. Das Tatsachensubstrat der Fodorschen Ausführungen ist aber ja wohl nicht zu bezweifeln.
Zustimmen kann der Rezensent der Formulierung: „Denn genau das ist dieses Buch unterm Strich: die Chronik des Kampfes einer Nation um Selbstbestimmung, um die Rückgewinnung ihrer Souveränität, ihrer Würde und vor allem ihres Selbstbewusstseins“ (16), bevor der Verleger wieder etwas überkritisch wird. Man möchte ihm sagen: Politik ist nun einmal die Kunst des Möglichen.
Wie auch immer: Gut, daß Stein das Buch herausgebracht hat!
Resümee
Das Buch ist tiefgründiger, als es beim ersten Mal Lesen erscheinen mag. Bestimmt ist „Viktor“ der Freund Fodors und sein Held, aber da Fodor weder dumm noch unehrlich ist, kann er diese Einschätzung auch begründen.
Kritisch müßte man vielmehr die enge Verbindung Orbáns zum israelischen Regime und zum dystopischen Totalitarismus der Chinesen sehen (was freilich nicht Themenstellung des Buches ist). –
Das Buch ist flüssig und geistreich geschrieben. Die Übersetzung ist offenbar professionell gemacht. Die Anmerkungen von Nils Wegner sind sehr hilfreich.
Ein kleiner Fehler passierte auf S. 61: Das MDF ist bzw. war das Magyar Demokrata Fórum (nicht Magyar Fórum). Zu den „blutigen Anschlägen in Budapest“ (93) im Jahr 1998 hätte man gerne mehr gewußt. Ebenfalls eine Fußnote hätte es jeweils bei der einflußreichen Publikation Foreign Affairs (99) und beim Soros-nahen Project Syndicate (156) gebraucht. Bei Oszkár Jászi (ursprünglich Jakubovits, 55) wäre vielleicht noch die Information wichtig gewesen, daß er zu den siebzehn „Herausgebern“ der ominösen Programmschrift City of Man (1940) gehörte.
Etwas verblüfft ist der Rezensent, daß Fodor sich erstaunlich unkritisch gegenüber der Corona-Inszenierung äußert (187). –
Alles zusammengenommen ist das Werk eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich über sonst wenig beleuchtete Zusammenhänge in der Politik fortbilden möchten.
Gábor G. Fodor, Orbán gegen Soros – Vier Jahrzehnte des Ringens, aus dem Ungarischen von Rainer Ackermann, mit einem Geleitwort von Mária Schmidt und einem Vorwort von Philip Stein; Jungeuropa, Dresden 2025. 219 S.
(Das Lektorat besorgten Niels Facklam und Nils Wegner. Eine redaktionelle Bearbeitung erfolgte durch Rajmund Fekete. Das Erscheinen dieses Buches wurde gefördert durch die Stiftung für Forschungen der Geschichte und Gesellschaft Mittelosteuropas, Budapest.)
Jungeuropa ist ein säkulares Unternehmen. Daher wird nicht schlechthin jeder Titel unbesehen einem katholischen Leserpublikum empfohlen. Zustimmend besprochen wurde bereits 2017 die Novelle Die Kadetten des Alcázar.
*Wolfram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro-Lifer; nahm am 19. August 1990 an der Festmesse mit Prozession der Reliquie Szent Jobbdes hl. Stephan vor der Sankt-Stephans-Basilika (mittlerweile Konkathedrale) in Budapest teil, wo sich Staatspräsident Árpád Göncz und Ministerpräsident József Antall ihren Landsleuten und den ausländischen Gästen beinahe zum Greifen nahe zeigten.
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