Das Tagesbulletin des vatikanischen Presseamtes meldet eine weitere Audienz, die Papst Leo XIV. dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, gewährte.
Diese Audienz fand wenige Tage vor dem für Donnerstag anberaumten Gespräch zwischen Kardinal Fernández und dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX), P. Davide Pagliarani, statt. Anlaß des Treffens ist die Ankündigung der Bruderschaft, im kommenden Juli neue Bischofsweihen vorzunehmen. Die Namen der Kandidaten wurden noch nicht bekanntgegeben. nach derzeitigem Stand sollen fünf neue Bischöfe geweiht werden. Es ist naheliegend anzunehmen, daß Leo XIV. Kardinal Fernández im Hinblick auf dieses Gespräch entsprechende Weisungen oder Erwartungen mit auf den Weg gegeben hat.
Gerade diese Entscheidung, Tucho Fernández, den engsten Vertrauten und Lieblingsprotegé von Papst Franziskus zum Gesprächspartner der Piusbruderschaft zu ernennen, wirkt jedoch wenig freundlich und kaum vertrauenserweckend. Denn ausgerechnet Kardinal Fernández war mit seinem offiziellen Antwortschreiben an die FSSPX der unmittelbare Auslöser für deren Entschluß, neue Bischofsweihen anzukündigen. Ihn nun als Gesprächspartner zu bestimmen, läßt den Eindruck entstehen, man mache sprichwörtlich den Bock zum Gärtner.
Die Abneigung von Kardinal Fernández gegenüber dem überlieferten römischen Ritus ist weithin bekannt. Als Papst Franziskus ihn 2018 zum Erzbischof von La Plata in Argentinien ernannte, gehörte es zu seinen ersten Maßnahmen, die Anwendung von Summorum Pontificum in dieser Diözese zu eliminieren – und dies bereits zwei Jahre vor dem berüchtigten traditionsfeindlichen Motu proprio Traditionis custodes.
Darüber hinaus gilt Fernández als einer der profiliertesten Vertreter jener bergoglianischen Linie, die der liturgischen und lehrmäßigen Tradition mit offener Abneigung begegnet. In seiner Funktion als Präfekt des Glaubensdikasteriums verteidigte er nicht nur Traditionis custodes nachdrücklich, sondern zeichnete auch für umstrittene Texte wie Fiducia supplicans verantwortlich, die weltweit erhebliche Irritationen ausgelöst und den Eindruck einer weiteren Relativierung der überlieferten Lehre verstärkt haben. 2016 wurde Fernández vom damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Gerhard Müller als „häretisch“ gebrandmarkt. Das führte aber nicht zu Ermittlungen gegen Fernández, sondern vielmehr zur Entlassung von Kardinal Müller als Glaubenspräfekt.
Vor diesem Hintergrund gilt es als umso fragwürdiger, Kardinal Fernández ausgerechnet jetzt als zentralen Gesprächspartner gegenüber der Piusbruderschaft zu präsentieren – einer Gemeinschaft, deren Hauptanliegen gerade die Bewahrung von Liturgie und Lehre in ihrer traditionellen Gestalt ist.
Da die Richtlinien nicht bekannt sind, die Leo XIV. dem Glaubenspräfekten für das Gespräch am Donnerstag erteilte, wird die bevorstehende Begegnung mit dem Generaloberen der Piusbruderschaft von allen Seiten mit Spannung erwartet.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)
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