Kirche und Freimaurerei: Michael Heinrich Weningers neues Buch „Aus Nacht zum Licht“ (Teil 2)

Die freimaurerische Neubewertung Luzifers


Msgr. Michael Heinrich Weninger von der Erzdiözese Wien in Österreich, Autor mehrerer freimaurerfreundlicher Bücher
Msgr. Michael Heinrich Weninger von der Erzdiözese Wien in Österreich, Autor mehrerer freimaurerfreundlicher Bücher

Von P. Pao­lo M. Siano*

In die­sem Arti­kel ver­wen­de­te Abkürzungen:

AGM Vogel: Alt­groß­mei­ster (d. h. ehe­ma­li­ger Groß­mei­ster) Theo­dor Vogel von den Ver­ei­nig­ten Groß­lo­gen von Deutsch­land (VGLvD).

CDF: Con­gre­ga­tio pro doc­tri­na fidei (Kon­gre­ga­ti­on für die Glaubenslehre).

CIC: Codex Iuris Cano­ni­ci (Kodex des kano­ni­schen Rechtes).

DBK: Deut­sche Bischofskonferenz.

DGM Baresch: Stell­ver­tre­ten­der Groß­mei­ster (Depu­tier­ter Groß­mei­ster /​ Groß­mei­ster­ad­junkt) Kurt Baresch von der Groß­lo­ge von Öster­reich (GLvÖ).

GLvÖ: Groß­lo­ge von Österreich.

VGLvD: Ver­ei­nig­te Groß­lo­gen von Deutschland.

6. Die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zur Freimaurerei von 1980

Die Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz über die Unver­ein­bar­keit einer gleich­zei­ti­gen Zuge­hö­rig­keit zur katho­li­schen Kir­che und zur Frei­mau­re­rei datiert vom 28. April 1980, wur­de jedoch erst im dar­auf­fol­gen­den Monat ver­öf­fent­licht. Sie beruht auf zwölf Punk­ten und ist iden­tisch mit dem Abschluß­be­richt von Bischof Stimpf­le vom 8. Febru­ar 1980 (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 211).

Selbst­ver­ständ­lich akzep­tiert Msgr. Wenin­ger das Urteil der deut­schen Bischö­fe über die Frei­mau­re­rei nicht und ver­sucht, die­se „Erklä­rung“ unter Rück­griff auf die Kri­tik der frei­mau­rer­freund­li­chen Prie­ster P. Rein­hold Sebott SJ und P. Alo­is Kehl SVD zu wider­le­gen (vgl. S. 211–230). Die­se Kri­tik läßt sich wie folgt zusam­men­fas­sen: Die DBK habe – gefan­gen in theo­lo­gi­schen und anti­ma­so­ni­schen Vor­ur­tei­len – die Ritua­le und das Wesen der Frei­mau­re­rei miß­ver­stan­den, indem sie die­se mit den pri­va­ten Mei­nun­gen ein­zel­ner Frei­mau­rer, näm­lich Eugen Lenn­hoff und Oskar Pos­ner, Autoren des Inter­na­tio­na­len Frei­mau­rer­le­xi­kons, iden­ti­fi­ziert habe.
In Wirk­lich­keit jedoch waren und sind die soge­nann­ten „pri­va­ten Mei­nun­gen“ von Lenn­hoff und Pos­ner fest im ritu­el­len, sym­bo­li­schen und kul­tu­rel­len (eso­te­risch-initia­ti­ven) Gefü­ge der Frei­mau­re­rei verankert.

6.1. Eine Zusammenfassung mit einigen eigenen Vertiefungen

Im Hin­blick auf die genann­te Erklä­rung von Bischof Stimpf­le und der DBK fas­se ich nun die zwölf Punk­te des vier­ten Kapi­tels über die Unver­ein­bar­keit von Kir­che und Frei­mau­re­rei in vier Punk­ten zusam­men – nach mei­ner eige­nen Dar­stel­lung und mit eini­gen zusätz­li­chen Ver­tie­fun­gen (vgl. S. 211–230; S. 310–315).

6.1.1. Der Relativismus als allgemeine philosophische und religiöse Grundauffassung der Freimaurerei

Aus der ritu­el­len, sym­bo­li­schen und weis­heit­li­chen Struk­tur der Frei­mau­re­rei tritt eine rela­ti­vi­sti­sche Auf­fas­sung von Wahr­heit, Reli­gio­nen sowie reli­giö­sen und mora­li­schen Dog­men her­vor. Dem­nach akzep­tiert der Frei­mau­rer – und mit ihm die Frei­mau­re­rei – kei­ne abso­lu­ten, uni­ver­sa­len und end­gül­ti­gen Wahr­hei­ten oder Dog­men und ver­tritt die Ansicht, daß alle Reli­gio­nen glei­chen Wert und glei­che Wür­de besit­zen, auch wenn der ein­zel­ne Frei­mau­rer for­mal der Reli­gi­on oder Kir­che ange­hört, der er angehört.

Die­ser Rela­ti­vis­mus wird zwar weder aus­drück­lich theo­re­tisch for­mu­liert noch offi­zi­ell inner­halb der Frei­mau­re­rei vor­ge­schrie­ben, ist jedoch fak­tisch und prak­tisch gege­ben und durch­dringt die frei­mau­re­ri­sche Men­ta­li­tät. Vor die­sem Hin­ter­grund wird die jüdisch-christ­li­che gött­li­che Offen­ba­rung ledig­lich als einer von meh­re­ren „Wei­sen“ der Mani­fe­sta­ti­on Got­tes betrach­tet, wäh­rend der christ­li­che und katho­li­sche Glau­be als eine unter vie­len Glau­bens­for­men gilt, in denen Men­schen Gott glei­cher­ma­ßen wohl­ge­fäl­lig sein könn­ten.
Lei­der ist eine sol­che Men­ta­li­tät auch inner­halb der Kir­che ver­brei­tet, selbst unter Hir­ten, unge­ach­tet der Erklä­rung Domi­nus Iesus der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on aus dem Jahr 2000.

6.1.2. Der Begriff des „Großen Baumeister aller Welten“ als offen für jede Interpretation

Der „Gro­ße Bauch­mei­ster des Uni­ver­sums“, zu des­sen Ehre die Frei­mau­rer ritu­ell zu arbei­ten erklä­ren, ent­spricht dem Got­tes­ver­ständ­nis des jewei­li­gen Frei­mau­rers. Der Begriff ist für jede Form des Ver­ständ­nis­ses und der Inter­pre­ta­ti­on offen. Jeder Frei­mau­rer bringt sei­ne eige­ne reli­giö­se Über­zeu­gung, sei­ne eige­ne Auf­fas­sung von Gott oder vom Gött­li­chen bezie­hungs­wei­se vom Gro­ßen Bau­mei­ster aller Wel­ten ein.

Nach Ansicht der Frei­mau­rer und frei­mau­rer­freund­li­cher Prie­ster (z. B. P. Kehl, P. Sebott) ent­spre­che die­se Offen­heit der vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gelehr­ten Religionsfreiheit.

In Wirk­lich­keit ist der rela­ti­vi­sti­sche Cha­rak­ter der frei­mau­re­ri­schen Reli­gio­si­tät weder eine Erfin­dung noch ein Miß­ver­ständ­nis von Bischof Stimpf­le oder der DBK, son­dern tritt bereits in Ander­sons Alten Pflich­ten von 1723 klar zuta­ge – den ersten Kon­sti­tu­tio­nen der moder­nen Frei­mau­re­rei, die 1717 in Lon­don ent­stan­den ist. Dort heißt es, daß der Frei­mau­rer künf­tig nur noch zur Reli­gi­on ver­pflich­tet sei, in der alle Men­schen über­ein­stim­men, näm­lich gute und recht­schaf­fe­ne Men­schen zu sein, wäh­rend jedem sei­ne reli­giö­sen Mei­nun­gen über­las­sen blei­ben.
Eine sol­che „Reli­gi­on“ oder „Reli­gio­si­tät“ ist ein­deu­tig anthro­po­zen­trisch und natu­ra­li­stisch und degra­diert reli­giö­se Dog­men zu blo­ßen „Mei­nun­gen“.

Der Begriff des Gro­ßen Archi­tek­ten des Uni­ver­sums fun­giert somit als eine Art „Con­tai­ner“, der sich allen Reli­gio­nen sowie allen Got­tes- und Gött­lich­keits­vor­stel­lun­gen anpaßt. Es ist daher ange­mes­sen, wie es die DBK tut, von Rela­ti­vis­mus, Sub­jek­ti­vis­mus und Indif­fe­ren­tis­mus im Zusam­men­hang mit die­sem Begriff zu spre­chen. Doch dies reicht nicht aus; eine wei­ter­ge­hen­de Ver­tie­fung ist notwendig.

Der Begriff des Gro­ßen Bau­mei­ster aller Wel­ten ver­wirk­licht näm­lich jene Ver­ei­ni­gung der Gegen­sät­ze (recon­ci­lia­tio oppo­si­torum), die ein Grund­prin­zip der Eso­te­rik dar­stellt, ins­be­son­de­re der Alche­mie, des Her­me­tis­mus, der jüdi­schen Kab­ba­la und der Magie – etwa bei dem eng­li­schen Magi­er John Dee, des­sen Pra­xis auch reli­giö­se For­meln christ­li­cher und tri­ni­ta­ri­scher Inspi­ra­ti­on ein­schloß – und somit auch der Freimaurerei.

In dem Buch Die Frei­mau­rer (Eco­win Ver­lag, Salz­burg 2011) erläu­tert der Ehren-Groß­mei­ster der Groß­lo­ge von Öster­reich, Micha­el Kraus, daß die Frei­mau­re­rei Auf­klä­rung und (anti­ke) Myste­ri­en mit­ein­an­der ver­bin­det (S. 71). Die frei­mau­re­ri­schen Ritua­le sei­en für den Frei­mau­rer unver­zicht­ba­re Instru­men­te sei­nes Weges zur Selbst­er­kennt­nis und Selbst­ver­voll­komm­nung, also sei­ner spi­ri­tu­el­len Arbeit (S. 79). In den Ritua­len fän­den sich nicht nur Ele­men­te der mit­tel­al­ter­li­chen Bau­hüt­ten­tra­di­tio­nen, son­dern auch sol­che der anti­ken Myste­ri­en­bün­de (S. 80).
Kraus erklärt wei­ter, daß der Gro­ße Bau­mei­ster aller Wel­ten von Frei­mau­rern auch als unper­sön­li­che Ener­gie ver­stan­den wer­den kön­ne (S. 87f) und daß sich die Frei­mau­re­rei von christ­li­chen Dog­men distan­zie­ren müs­se, da sie Män­nern aller Reli­gio­nen – auch Ani­mi­sten und Agno­sti­kern – offen­ste­hen sol­le (S. 88). Das Wesen der Frei­mau­re­rei sei libe­ral und a‑dogmatisch; sie sei daher Erbin der Auf­klä­rung (S. 104).

Zwei­fel­los ist die­se Dar­stel­lung der Frei­mau­re­rei durch den Ehren-Groß­mei­ster Micha­el Kraus rea­li­sti­scher als jene von Msgr. Wenin­ger. Das Buch von Kraus ent­hält zudem ein ein­lei­ten­des Gruß­wort des dama­li­gen amtie­ren­den Groß­mei­sters der GLvÖ, Niko­laus Schwärz­ler (S. 7f).

6.1.3. Die Ritualität und die Vervollkommnung des initiierten Freimaurers

Die frei­mau­re­ri­sche Ritua­li­tät ver­folgt erklär­ter­ma­ßen das Ziel der Ver­voll­komm­nung des initi­ier­ten Frei­mau­rers. Wie der Begriff des Gro­ßen Archi­tek­ten des Uni­ver­sums ist auch die Ritua­li­tät selbst a‑konfessionell bezie­hungs­wei­se über­kon­fes­sio­nell ange­legt und ver­eint – „zur Ehre des Gro­ßen Archi­tek­ten des Uni­ver­sums“ – Men­schen aller reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen oder christ­li­chen Kon­fes­sio­nen (sowie auch Frau­en in gemisch­ten oder rein weib­li­chen Logen).

Es han­delt sich um eine von Initi­ier­ten geschaf­fe­ne und prak­ti­zier­te Ritua­li­tät, die beansprucht,

  • einen hei­li­gen Raum zu schaf­fen, indem ein pro­fa­ner Ort in eine Loge oder einen Tem­pel ver­wan­delt wird;
  • die Gegen­wart und das Licht des Gro­ßen Bau­mei­sters aller Wel­ten herabzuziehen;
  • das initia­ti­sche oder frei­mau­re­ri­sche Licht zu ver­mit­teln (nicht bloß sicht­ba­res Ker­zen- oder Lam­pen­licht, son­dern gei­sti­ges Licht, Erkennt­nis, also „Gno­sis“);
  • den Pro­fa­nen bezie­hungs­wei­se Kan­di­da­ten inner­lich zu ver­wan­deln, begin­nend mit dem Lehr­ling bis hin zum Meister;
  • den sym­bo­li­schen Tod bei der Initia­ti­on in den ersten Grad sowie erneut im drit­ten Grad des Mei­sters zu vollziehen.

Mei­nes Erach­tens nimmt die­se Ritua­li­tät ein­deu­tig den Cha­rak­ter einer beson­de­ren Form von Magie an – einer frei­mau­re­ri­schen Magie (auch wenn die DBK den Begriff „Magie“ nicht ver­wen­det).
So sehr Frei­mau­rer und frei­mau­rer­freund­li­che Prie­ster (z. B. Kehl, Sebott) auch behaup­ten, die ritu­el­len Hand­lun­gen besä­ßen weder sakra­men­ta­le noch onto­lo­gi­sche oder magi­sche Wirk­sam­keit, son­dern ledig­lich psy­cho­lo­gi­sche, zeigt die objek­ti­ve Ana­ly­se der frei­mau­re­ri­schen Riten und Ritua­li­tät das Gegen­teil: näm­lich den Anspruch, rea­le – wenn auch schritt­wei­se – Trans­for­ma­tio­nen von Orten und Per­so­nen herbeizuführen.

Die Frei­mau­re­rei bean­sprucht, mit ihrer Ritua­li­tät der Reli­gi­on des ein­zel­nen Frei­mau­rers zu die­nen und ihm – auch wenn er Christ ist – zu hel­fen, sei­ner Reli­gi­on treu­er zu sein. In Wirk­lich­keit jedoch ent­hält die im Begriff des Gro­ßen Archi­tek­ten des Uni­ver­sums eben­so wie in der frei­mau­re­ri­schen Ritu­al­pra­xis impli­zi­te Eso­te­rik die alche­misch-her­me­tisch-kab­ba­li­stisch-magi­sche Leh­re von der Ver­ei­ni­gung der Gegen­sät­ze. Dadurch ver­liert der katho­li­sche Frei­mau­rer schritt­wei­se die Bin­dung an die objek­ti­ve, abso­lu­te und end­gül­ti­ge Wahr­heit des katho­li­schen Glau­bens oder rela­ti­viert sie zumin­dest.
Wie ein alche­mi­sti­scher Schmelz­tie­gel ver­wan­delt die frei­mau­re­ri­sche Ritua­li­tät – durch den sym­bo­li­schen Tod – den Men­schen, dekon­stru­iert und rekon­stru­iert ihn.

Auch im Buch von Msgr. Micha­el Hein­rich Wenin­ger, Loge und Altar. Über die Aus­söh­nung von katho­li­scher Kir­che und regu­lä­rer Frei­mau­re­rei (Löcker Ver­lag, Wien 2020), fin­den sich Bestä­ti­gun­gen für das zuvor Gesag­te. Wenin­ger räumt ein,

  • daß das frei­mau­re­ri­sche Ritu­al die inne­re Trans­for­ma­ti­on des Men­schen erfahr­bar macht (S. 30);
  • daß das frei­mau­re­ri­sche Geheim­nis in der indi­vi­du­el­len, inne­ren und ritu­el­len Erfah­rung besteht, die der Frei­mau­rer im Tem­pel macht (S. 31).

Zu die­sem letz­ten Punkt zitiert Wenin­ger das Buch des öster­rei­chi­schen Frei­mau­rers Eran Laor, Die könig­li­che Kunst, S. 67, auf das ich spä­ter noch zurück­kom­men werde.

Wenin­ger läßt erken­nen, daß im Unter­schied zur pro­fa­nen Welt der frei­mau­re­ri­sche Tem­pel oder die Loge ein hei­li­ger Ort ist (vgl. Loge und Altar, a. a. O., S. 30, 32). In bezug auf die Erfah­rung des frei­mau­re­ri­schen Ritu­als bezeich­net Wenin­ger die­se aus­drück­lich auch als mystisch und eso­te­risch („ein mysti­sches, ein eso­te­ri­sches Erle­ben“; vgl. S. 32f).

Hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit des frei­mau­re­ri­schen Ritu­als ver­tritt Wenin­ger fer­ner die Auf­fas­sung, daß das akti­ve Erle­ben und das gemein­sa­me ritu­el­le Arbei­ten einen dyna­mi­schen Grup­pen­pro­zeß dar­stel­len; das frei­mau­re­ri­sche Ritu­al sei eine Quel­le der Ener­gie der frei­mau­re­ri­schen Erfah­rung (vgl. S. 33).

Wenn Wenin­ger andeu­tet, daß der Frei­mau­rer – auch durch die frei­mau­re­ri­schen Ritua­le – an der Ver­voll­komm­nung der Mensch­heit sowie an der Har­mo­nie und Bewah­rung des Uni­ver­sums mit­wir­ken kön­ne (vgl. S. 33), läßt sich dar­in eine Art Nach­ah­mung eines ange­li­schen Dien­stes oder eines gött­li­chen bezie­hungs­wei­se demi­ur­gi­schen (gno­sti­schen) Wir­kens inner­halb eines eso­te­ri­schen, sym­bo­li­schen und über­kon­fes­sio­nel­len ritu­el­len Rah­mens erkennen.

Wenin­ger spricht die drei frei­mau­re­ri­schen Gra­de aus anthro­po­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve an und ver­steht sie als sym­bo­li­sche Stu­fen der Ver­voll­komm­nung des Men­schen unter Brü­dern und in der Welt (vgl. S. 34f). „Der Mei­ster schlägt die Brücke vom Mate­ri­el­len zum Gei­sti­gen, vom Irdi­schen zum Ewi­gen“ (S. 35). „Selbst der Tod kann ihn nicht erschrecken […]“ (S. 35). „Jeder Frei­mau­rer“ wir­ke in der Welt, doch sei es so, „[…] daß er sich von Zeit zu Zeit zu einer spi­ri­tu­el­len, ritu­el­len Arbeit aus der Pro­fa­ni­tät zurück­zie­hen muß“ (S. 50).

Zusam­men­fas­send ist fest­zu­hal­ten, daß die Frei­mau­rer dem frei­mau­re­ri­schen Ritu­al fak­tisch und objek­tiv nicht ledig­lich eine psy­cho­lo­gisch-trans­for­mie­ren­de Kraft zuschrei­ben (wie P. Kehl behaup­tet), son­dern auch eine onto­lo­gi­sche, gei­sti­ge und mora­li­sche Wirk­sam­keit aner­ken­nen – wie dies bereits die Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz von 1980 erken­nen läßt.

6.1.4. Die Spiritualität der Freimaurerei

Bischof Stimpf­le und die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz spre­chen von einer „Spi­ri­tua­li­tät der Frei­mau­rer“ und davon, daß die Frei­mau­re­rei für ihre Initi­ier­ten einen tota­len Anspruch erhebt, eine Zuge­hö­rig­keit auf Lebens­zeit und über den Tod hin­aus („eine Zuge­hö­rig­keit auf Leben und Tod“, „Tota­li­täts­an­spruch“), was mit der Zuge­hö­rig­keit zur katho­li­schen Kir­che unver­ein­bar ist (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, S. 223).

Frei­mau­rer, Msgr. Wenin­ger sowie frei­mau­rer­freund­li­che Prie­ster ver­tre­ten hin­ge­gen die Auf­fas­sung, die Frei­mau­re­rei sei weder eine Reli­gi­on noch ein Glau­be noch eine reli­giö­se Gesell­schaft, son­dern eine Gemein­schaft gläu­bi­ger Män­ner, und sie besit­ze kei­ne tota­li­sie­ren­de Spi­ri­tua­li­tät (vgl. S. 214, 223f).

Umso bemer­kens­wer­ter ist es, daß gera­de Msgr. Wenin­ger im Jahr 2019 sei­ne frei­mau­rer­freund­li­che Dis­ser­ta­ti­on am Insti­tut für Spi­ri­tua­li­tät der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na ver­öf­fent­licht hat.

Dar­über hin­aus wird im Schrö­der-Ritu­al, das sowohl in der regu­lä­ren deut­schen Frei­mau­re­rei (VGLvD) als auch in der öster­rei­chi­schen (GLvÖ) Ver­wen­dung fin­det, dem Kan­di­da­ten für den drit­ten Grad des Frei­mau­rer­mei­sters aus­drück­lich gesagt, daß er durch die­se neue Initia­ti­on erken­ne, daß er sich der Frei­mau­re­rei auf Leben und Tod weiht:

Erst heu­te wer­den Sie ganz ver­ste­hen, daß Sie sich uns auf Leben und Tod geweiht haben
(Ritu­al des Gesel­len und des Mei­ster­gra­des. Fried­rich Lud­wig Schrö­ders Ritu­al von 1801, neu her­aus­ge­ge­ben von der Loge „Absa­lom zu den drei Nes­seln“ Nr. 1 i. Or. Ham­burg, Bau­hüt­ten Ver­lag, Ham­burg 1975, S. 46).

Wei­ter heißt es in dem­sel­ben Ritu­al: „Im Namen der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­gen von Deutsch­land“ (S. 57).

Bemer­kens­wert ist fer­ner, daß Wenin­ger in sei­nem Buch Loge und Altar (a. a. O., Wien 2020) den deut­schen Frei­mau­rer Hans Her­mann Höh­mann zitiert und ihn als Sach­ken­ner bezeich­net. Höh­mann ist der Ansicht, daß sich Frei­mau­rer nach außen gern als Erben des Huma­nis­mus und der Auf­klä­rung dar­stel­len, wäh­rend im Inne­ren – in der Welt der Ritua­le – bis heu­te zahl­rei­che gno­sti­sche, her­me­ti­sche und eso­te­ri­sche Ele­men­te vor­han­den seien:

Nach außen tre­ten die Frei­mau­rer gern als Erben von Huma­nis­mus und Auf­klä­rung auf … Im Inne­ren – in der Welt der Ritua­le – geht es dage­gen bis in die Gegen­wart hin­ein viel­fach rit­ter­ro­man­tisch, gno­stisch-christ­lich oder her­me­tisch-eso­te­risch zu
(Wenin­ger, Loge und Altar, a. a. O., S. 77).

Unter „Eso­te­rik“ ver­steht Wenin­ger eine inne­re Erfah­rung und Erkennt­nis des eige­nen Selbst, einen Pro­zeß inne­rer Trans­for­ma­ti­on („eine sich und sei­nem Selbst vor­be­hal­te­ne Erfah­rung und Erkennt­nis“: S. 98), den man­che Frei­mau­rer auch in mysti­schem Sinn deu­ten, als „ein beson­de­res mysti­sches Ver­sen­ken in das eige­ne Ich“ (S. 99).

Wei­ter­hin betont Wenin­ger, daß das eigent­li­che frei­mau­re­ri­sche Geheim­nis­das „eso­te­ri­sche Erle­ben des frei­mau­re­ri­schen ritu­el­len Arbei­tens“ sei (S. 163). Er räumt ein:„Die Ritua­le sind reich an her­me­ti­schem Den­ken und alle­go­ri­scher For­men­spra­che“ (S. 99).

Anschlie­ßend spricht Wenin­ger über Okkul­tis­mus und Magie (vgl. S. 99–101) und behaup­tet, die katho­li­sche Kir­che ken­ne legi­ti­me und wirk­sa­me magi­sche Hand­lun­gen („Die katho­li­sche Kir­che kennt legi­ti­me Hand­lun­gen magisch-geheim­nis­vol­len und der­ge­stalt auch magisch-wirk­sa­men Han­delns“: S. 101), wie etwa „Exor­zis­men, Segens­for­meln“ (S. 101), und Magie sei von der Kir­che weder ver­ur­teilt wor­den noch wer­de sie ver­ur­teilt („Magie wur­de und wird von der katho­li­schen Kir­che nicht ver­ur­teilt“: S. 101).

Wären die­se Aus­sa­gen Msgr. Wenin­gers zutref­fend, ergä­be sich das para­do­xe Bild, daß der katho­li­sche Frei­mau­rer – selbst wenn er Prie­ster ist – kei­ne Magie aus­übe, wenn er in der Loge tätig ist (denn Wenin­ger schreibt auch: „Die Bru­der­schaft der Frei­mau­rer kennt hin­ge­gen kei­ne magi­schen Ritua­le, sie prak­ti­zier­te kei­ne Magie, eben­so wie Okkul­tis­mus im frei­mau­re­ri­schen Arbei­ten kei­nen Platz fin­det“: S. 101), wohl aber dann, wenn er an Riten oder beson­de­ren Seg­nun­gen der katho­li­schen Kir­che teil­nimmt oder sie zele­briert. Hier zeigt sich eine Umkeh­rung und Ver­ei­ni­gung der Gegen­sät­ze, wie sie in initia­ti­schen Milieus beson­ders fasziniert.

Noch ein­mal zur Spi­ri­tua­li­tät der Frei­mau­re­rei: In sei­nem Buch Loge und Altar (a. a. O., 2020) erklärt Wenin­ger, das frei­mau­re­ri­sche Geheim­nis bestehe in der indi­vi­du­el­len und ritu­el­len Erfah­rung („das Erleb­nis“) des Frei­mau­rers im Tem­pel (S. 31). In die­sem Zusam­men­hang zitiert er aus dem Buch Die könig­li­che Kunst von Eran Laor (S. 67):
Das ein­zi­ge Geheim­nis in der Frei­mau­re­rei ist das Erleb­nis“ (zit. nach Wenin­ger, a. a. O., S. 31).

Wer ist Eran Laor? Es han­delt sich um das Pseud­onym von Erich Isra­el Land­stein. Er wur­de 1900 in der Slo­wa­kei gebo­ren (damals Teil des König­reichs Ungarn und somit der öster­rei­chisch-unga­ri­schen Mon­ar­chie). 1926 wur­de er in einer Loge in Istan­bul (Tür­kei) in die Frei­mau­re­rei auf­ge­nom­men. Zudem gehör­te er dem Der­wisch­or­den der Bek­ta­schi an. Ab 1934 leb­te er in Palä­sti­na (damals unter bri­ti­schem Man­dat). Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs war er Agent der alli­ier­ten Geheim­dien­ste. Nach der Grün­dung Isra­els war er Ver­tre­ter staat­li­cher israe­li­scher Insti­tu­tio­nen in Euro­pa. Er starb 1990 in Jerusalem.

1986 ver­öf­fent­lich­te der Wie­ner Sen­sen-Ver­lag in einer Auf­la­ge von 500 Exem­pla­ren sein Buch Die könig­li­che Kunst. Frei­mau­re­ri­sche Anspra­chen und Vor­trä­ge. Im Fol­gen­den fas­se ich – kur­siv her­vor­ge­ho­ben – eini­ge Leh­ren aus die­sem Werk zusammen:

a) Das erste Men­schen­paar konn­te glück­lich und selbst­ver­ges­sen im Para­dies leben; „aber der gött­li­che Fun­ke, der in ihnen glimm­te, sporn­te sie an, alles ken­nen­zu­ler­nen“ (S. 13). So aßen sie vom Baum der Erkennt­nis von Gut und Böse, ihre Augen öff­ne­ten sich, und sie erkann­ten zugleich sich selbst und die Welt. Ihr Blick drang in die tief­sten Tie­fen und die höch­sten Höhen; sie sahen Gott am Werk und ver­stan­den sein Han­deln. Des­halb wur­den Adam und Eva aus Eden ver­trie­ben (vgl. S. 13f).

b) Alles geht aus einer Ursub­stanz her­vor („Urstoff“); die gesam­te Mate­rie ist ledig­lich Erschei­nung die­ser Sub­stanz, die mit ver­schie­de­nen Namen bezeich­net wer­den kann: Äther, Gott, Natur, Welt­see­le. Nur durch das Inne­re des Men­schen gelangt man in den Urgrund des Seins (vgl. S. 16). Der Mensch müs­se auf das Ich ver­zich­ten, um in das All ein­zu­ge­hen und so zur Ver­ei­ni­gung mit Gott zu gelan­gen (vgl. S. 18).

c) Eran Laor teilt den Pan­the­is­mus des Phi­lo­so­phen Baruch Spi­no­za und erkennt ihn auch in der jüdi­schen Kab­ba­la wie­der (vgl. S. 30–32).

d) Das Geheim­nis der Frei­mau­re­rei sei die gro­ße Erfah­rung der Ein­heit (vgl. S. 43), jener Ein­heit, die auch Gott genannt wer­de (vgl. S. 41). Die Reli­gio­nen hät­ten ihren Inhalt ver­lo­ren; allein die Frei­mau­re­rei ermög­li­che die­se Erfah­rung (vgl. S. 44).

e) Die Frei­mau­rer streb­ten danach, die Gegen­sät­ze in einer höhe­ren Ein­heit zu ver­söh­nen (vgl. S. 46).

f) Gott und die Erfah­rung Got­tes sei­en bereits im Inne­ren des Men­schen gegen­wär­tig; Gott offen­ba­re sich dem Men­schen in sei­nem Inne­ren, wes­halb die­ser kei­ne reli­giö­sen Dog­men benö­ti­ge (vgl. S. 54–57). Die Frei­mau­re­rei ermög­li­che die gro­ße Erfah­rung, die gro­ße Erfah­rung der Ein­heit (vgl. S. 65) sowie das Erle­ben des Über­gangs von der Fin­ster­nis zum Licht (vgl. S. 69).

Zusam­men­fas­send läßt sich sagen: Um die Frei­mau­re­rei zu ver­tei­di­gen und den Wert der indi­vi­du­el­len Erfah­rung des Frei­mau­rers inner­halb der frei­mau­re­ri­schen Ritua­li­tät zu unter­strei­chen, greift Msgr. Wenin­ger auf ein Wie­ner frei­mau­re­ri­sches Werk zurück, des­sen Autor – ein unga­risch-israe­li­scher Frei­mau­rer – jedoch deut­lich erken­nen läßt, daß die initia­ti­sche Leh­re der Frei­mau­re­rei grund­le­gend anders ist und mit der christ­li­chen Reli­gi­on sowie der Leh­re der katho­li­schen Kir­che unver­ein­bar bleibt.

6.2. Die DBK-Erklärung von 1980 widerlegt faktisch die „Lichtenauer Erklärung“ (1970) und die CDF (1974)

Es ist zutref­fend, wie P. Alo­is Kehl fest­stellt, daß die Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz von 1980 der Note von Kar­di­nal Šeper /​ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vom 18.(–19.) Juli 1974 wider­spricht (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 226). In Wirk­lich­keit hat­te jedoch die DBK-Erklä­rung von 1980 recht – nicht die Note Kar­di­nal Šepers von 1974.

Msgr. Wenin­ger über­nimmt die Kri­tik P. Kehls an der DBK-Erklä­rung (vom 28. April 1980, ver­öf­fent­licht am 12. Mai 1980) und beschul­digt die DBK dar­über hin­aus, sich selbst zu wider­spre­chen, da sie in ihrem Schrei­ben vom 1. Juni 1968 noch für die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Frei­mau­rer ein­ge­tre­ten sei (vgl. Wenin­ger, a. a. O., S. 229). In Wirk­lich­keit wider­sprach sich die DBK jedoch nicht, son­dern revi­dier­te ledig­lich ihr frü­he­res – ober­fläch­li­ches – Urteil von 1968 nach der lan­gen und gründ­li­chen Unter­su­chung, die Bischof Stimpf­le und sei­ne Kol­le­gen in der Dele­ga­ti­on durch­ge­führt hatten.

Msgr. Wenin­ger wirft der DBK-Erklä­rung von 1980 vor, sich selbst zu wider­spre­chen, da sie einer­seits fest­stel­le, daß die Frei­mau­re­rei kei­ne ver­bind­li­che Wirk­lich­keits­auf­fas­sung habe, ande­rer­seits aber erklä­re, daß die Frei­mau­re­rei den Rela­ti­vis­mus zu ihrer eige­nen Auf­fas­sung von Wahr­heit und Reli­gi­on erhe­be (vgl. S. 228) und ihre Initi­ier­ten zugleich durch einen Anspruch auf tota­le Zuge­hö­rig­keit bin­de (vgl. S. 224).

In Wahr­heit liegt der Wider­spruch jedoch nicht bei der DBK. Viel­mehr ist die Wider­sprüch­lich­keit – als Aus­druck und Kon­se­quenz der Ver­ei­ni­gung der Gegen­sät­ze – der initia­ti­schen Weg‑, Moda­li­täts- und Ritu­al­struk­tur der Frei­mau­re­rei selbst inhä­rent. Gera­de weil sie initia­tisch ist, ist sie not­wen­di­ger­wei­se gra­du­ell, pro­gres­siv und esoterisch.

6.3. Kardinal König beruhigt den DGM Baresch

Mit Schrei­ben vom 23. Juni 1980 ver­si­chert Kar­di­nal König dem Depu­tier­ten Groß­mei­ster Baresch, daß sei­tens der öster­rei­chi­schen Bischö­fe – vor allem sei­ner eige­nen Per­son – kei­ner­lei Absicht bestehe, eine der Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zur Frei­mau­re­rei ver­gleich­ba­re Stel­lung­nah­me zu ver­öf­fent­li­chen. Eben­so sei in Rom (beim Hei­li­gen Stuhl) kei­ner­lei Ände­rung hin­sicht­lich der Ent­schei­dun­gen zum can. 2335 und zum neu­en Codex des kano­ni­schen Rech­tes vor­ge­se­hen (vgl. S. 232).

Mit ande­ren Wor­ten: Kar­di­nal König hat­te kei­ner­lei Absicht, dem Vor­ge­hen der Dele­ga­ti­on von Bischof Stimpf­le zu fol­gen, etwa durch eine gründ­li­che Unter­su­chung der Ritua­le der drei Gra­de der Groß­lo­ge von Öster­reich (GLvÖ) oder ande­rer „inter­ner“ bzw. „initia­ti­scher“ Schrif­ten der öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei. Kar­di­nal König zog es vor, dem (dama­li­gen) Groß­mei­ster Baresch und der öster­rei­chi­schen Frei­mau­re­rei zu ver­trau­en – oder sich ihnen anzuvertrauen.

7. Plenarsitzung der Päpstlichen Kommission zur Revision des CIC (1981): Nein zu can. 2335!

Vom 20. bis 29. Okto­ber 1981 fand die Ple­nar­sit­zung der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on zur Revi­si­on des kano­ni­schen Rech­tes zum The­ma Frei­mau­re­rei statt (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 246–266). Die zen­tra­le Fra­ge lau­te­te: Soll der can. 2335, der die Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae für Katho­li­ken vor­sieht, die der Frei­mau­re­rei bei­tre­ten, in den neu­en Codex des kano­ni­schen Rech­tes über­nom­men wer­den oder nicht?

Zu den­je­ni­gen, die sich für die Abschaf­fung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on und des can. 2335 aus­spra­chen, gehör­ten unter ande­rem: Kar­di­nal König, Kar­di­nal Rosa­lio José Castil­lo Lara (Sekre­tär der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on zur Revi­si­on des CIC), Msgr. Román Arrie­ta Vill­a­lobos (Vor­sit­zen­der der Bischofs­kon­fe­renz von Costa Rica), Msgr. José Vicen­te Andue­za Hen­rí­quez u. a.

Nach Auf­fas­sung die­ser deut­lich in der Mehr­heit befind­li­chen Grup­pe sei die Frei­mau­re­rei nicht über­all gleich, sie ver­schwö­re sich nicht mehr gegen die Kir­che und stel­le kei­ne Gefahr mehr für sie dar. Auf­fäl­lig ist, daß ins­be­son­de­re die süd­ame­ri­ka­ni­schen Prä­la­ten und Mit­glie­der der Ple­nar­sit­zung eine frei­mau­rer­freund­li­che Hal­tung ein­nah­men und die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se der deut­schen Bischö­fe fak­tisch völ­lig außer acht ließen.

Für die Bei­be­hal­tung des can. 2335 im neu­en CIC und damit für die Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae der katho­li­schen Frei­mau­rer tra­ten hin­ge­gen die deut­schen Prä­la­ten der Ple­nar­sit­zung ein, die die Erklä­rung der DBK von 1980 teil­ten, näm­lich Kar­di­nal Joseph Höff­ner (Vor­sit­zen­der der DBK) und Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, sowie die ita­lie­ni­schen Kar­di­nä­le Giu­sep­pe Siri, Pie­tro Palazzini und Sil­vio Oddi.

Bemer­kens­wert ist, daß Kar­di­nal Šeper sei­ne Posi­ti­on von 1968 und 1974 inzwi­schen geän­dert hat­te. Die Ergeb­nis­se der Unter­su­chung von Bischof Stimpf­le und der DBK hat­ten ihn davon über­zeugt, daß die Frei­mau­re­rei ihre Hal­tung gegen­über der Kir­che in Wirk­lich­keit nicht geän­dert habe und daß selbst eine ange­bich kir­chen­freund­li­che Frei­mau­re­rei mit der Kir­che unver­ein­bar blei­be (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 254).

Kar­di­nal Peri­c­le Feli­ci, Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on zur Revi­si­on des CIC, scheint sich jedoch von der anti­ma­so­ni­schen Hal­tung der drei ita­lie­ni­schen Kar­di­nä­le zu distan­zie­ren. Er merkt an, daß es in der Gegen­wart vie­le Ver­ei­ni­gun­gen oder Sek­ten gebe, die gegen die Kir­che kon­spi­rier­ten, und fragt, wes­halb aus­ge­rech­net der Frei­mau­re­rei eine zen­tra­le Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den müs­se (vgl. ebd., S. 259f). Sei­ne eige­ne Ant­wort lau­tet: „Ich weiß es nicht!“ (vgl. S. 260; „[…] qua­re ser­va­re hunc locum cen­tra­le massoneriae? Nescio“).

Ich hal­te eine sol­che Ant­wort für irre­füh­rend. Ange­sichts der Unter­su­chun­gen der deut­schen Bischö­fe zwi­schen 1974 und 1980 sowie der frei­mau­re­ri­schen – sowohl media­len als auch „ver­deck­ten“ – Akti­vi­tä­ten seit 1965/​1968 gegen­über der Kir­che in Euro­pa (ins­be­son­de­re in Öster­reich und in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land), in Groß­bri­tan­ni­en, den USA, Latein­ame­ri­ka, Asi­en und vor allem im Vati­kan durch Kar­di­nal König mit dem Ziel der Abschaf­fung des can. 2335, wird deut­lich, daß der Frei­mau­re­rei sehr wohl eine zen­tra­le Rol­le und Bedeu­tung zukommt.

Tat­säch­lich hebt die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz in dem an die Ple­nar­sit­zung (und damit auch an Kar­di­nal Feli­ci) über­mit­tel­ten Bericht aus­drück­lich her­vor, daß man sich gut vor­stel­len kön­ne, wel­chen und wie vie­len Situa­tio­nen der Druck­aus­übung die Bischö­fe aus­ge­setzt wären, wenn man ihnen die Beur­tei­lung der ört­li­chen Frei­mau­re­rei über­lie­ße – durch ein­fluß­rei­che Per­so­nen auf­grund ihrer Macht oder gesell­schaft­li­chen Stel­lung sowie durch die öffent­li­che Mei­nung, an deren For­mie­rung Frei­mau­rer nicht unbe­tei­ligt seien.

In der Ple­nar­sit­zung kam es schließ­lich zu den Abstim­mun­gen. Nur 13 von 59 Mit­glie­dern spra­chen sich für die Bei­be­hal­tung des can. 2335 (CIC/​1917) im neu­en CIC aus. Da sie in der Min­der­heit waren, wur­de ihr Antrag abge­lehnt. Anschlie­ßend bean­trag­ten 20 von 58 Mit­glie­dern, daß der neue Canon des CIC (1374), der Ver­ei­ni­gun­gen betrifft, die gegen die Kir­che kon­spi­rie­ren, die Frei­mau­re­rei aus­drück­lich erwäh­nen sol­le. Auch die­ser Antrag schei­ter­te man­gels Mehr­heit (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 260–261).

Damit hat­ten Kar­di­nal König, der DGM Baresch und die gesam­te Frei­mau­re­rei gesiegt. Dank der Mehr­heit inner­halb der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on unter Kar­di­nal Feli­ci (und dank Feli­ci selbst) ver­schwand der can. 2335 des CIC von 1917 – die Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae für katho­li­sche Frei­mau­rer – eben­so wie jeder aus­drück­li­che Bezug auf die Frei­mau­re­rei aus dem neu­en Codex des kano­ni­schen Rech­tes von 1983.

Der can. 1374 des CIC/​1983 spricht nur noch all­ge­mein von Ver­ei­ni­gun­gen, die gegen die Kir­che kon­spi­rie­ren, erwähnt die Frei­mau­re­rei nicht mehr aus­drück­lich und sieht kei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae vor, son­dern ledig­lich eine „gerech­te Stra­fe“ für Mit­glie­der sol­cher Ver­ei­ni­gun­gen sowie ein Inter­dikt für deren Lei­ter (vgl. S. 262–266).

8. Die antimasonische Erklärung der Glaubenskongregation vom 26. November 1983: eine private Meinung Ratzingers?

Am 26. Novem­ber 1983, einen Tag vor dem Inkraft­tre­ten des neu­en Codex des kano­ni­schen Rech­tes, ver­öf­fent­lich­te die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re (CDF) unter­zeich­net von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger und mit aus­drück­li­cher Bil­li­gung von Papst Johan­nes Paul II. eine Erklä­rung, in der fest­ge­hal­ten wird, daß

  • das nega­ti­ve Urteil der Kir­che über die Frei­mau­re­rei unver­än­dert bestehen bleibt, da deren Grund­prin­zi­pi­en wei­ter­hin mit der Leh­re der Kir­che unver­ein­bar sind;
  • Katho­li­ken, die der Frei­mau­re­rei ange­hö­ren, sich im Stand der schwe­ren Sün­de befin­den und nicht zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den dürfen;
  • kei­ne kirch­li­che Auto­ri­tät auf loka­ler Ebe­ne von den in die­ser Erklä­rung fest­ge­leg­ten Bestim­mun­gen abwei­chen kann.

Im Fol­gen­den fas­se ich kur­siv die Argu­men­te der frei­mau­re­ri­schen und frei­mau­rer­freund­li­chen Sei­te (und damit auch jene von Msgr. Wenin­ger) zusam­men, die sich gegen die­se Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on rich­ten:

a) Es hand­le sich nicht um einen juri­disch-kano­ni­schen Text; die Erklä­rung sei kein Bestand­teil des CIC von 1983 (vgl. Wenin­ger, Aus Nacht zum Licht, a. a. O., S. 271–272).

b) Auf wel­che Frei­mau­re­rei bezie­he sich der Text der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on über­haupt? Der Text sei ahi­sto­risch, da er weder die Ant­wor­ten auf die zwölf Fra­gen Kar­di­nal Šepers aus dem Jahr 1968 noch die Erklä­rung der CDF von 1974 noch die Bemü­hun­gen Kar­di­nal Königs berück­sich­ti­ge (vgl. S. 277f).

c) Der Begriff der „schwe­ren Sün­de“ impli­zie­re kei­ne juri­sti­sche Defi­ni­ti­on (vgl. S. 280).

d) Wie Kar­di­nal König am 25. Juli 1994 an den Depu­tier­ten Groß­mei­ster Baresch geschrie­ben habe, hand­le es sich bei der Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 1983 ledig­lich um eine pri­va­te Mei­nung Kar­di­nal Ratz­in­gers, die kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen auf die Bestim­mun­gen des CIC von 1983 habe (vgl. S. 286; S. 397, Anm. 356).

Zusam­men­ge­faßt han­delt es sich bei die­sen Ein­wän­den um ein rei­nes „Sich-an-jeden-Stroh­halm-klam­mern“.

Ich gehe kurz auf zwei wei­te­re bemer­kens­wer­te Ein­wän­de Msgr. Wenin­gers gegen die anti­ma­so­ni­sche Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 1983 ein.

e) In dem Ver­such, die angeb­li­che Güte und Ver­ein­bar­keit der Frei­mau­re­rei mit der Kir­che zu ver­tei­di­gen, weist Wenin­ger dar­auf hin, daß in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts Tau­sen­de von Kle­ri­kern – vom Kar­di­nal bis hin zum ein­fa­chen Mönch – Frei­mau­rer gewe­sen sei­en. Allein in Frank­reich habe im Jahr 1789 ein Vier­tel der fran­zö­si­schen Frei­mau­rer dem Kle­rus ange­hört. Ähn­li­ches habe auch für Bel­gi­en und ande­re Tei­le Euro­pas gegol­ten. Daher fragt Wenin­ger: Waren all die­se Män­ner Sata­ni­sten und Häre­ti­ker? („Waren die­se Män­ner alle­samt Sata­ni­sten und Häre­ti­ker?“: S. 279).
War­um Wenin­ger hier den Begriff des Sata­nis­mus ins Spiel bringt, bleibt offen – ein freud­scher Versprecher?

f) In Bezug auf die Fest­stel­lung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 1983, wonach die Zuge­hö­rig­keit eines Katho­li­ken zur Frei­mau­re­rei eine schwe­re Sün­de dar­stellt, merkt Msgr. Wenin­ger an, dass für eine Tod­sün­de drei Bedin­gun­gen erfüllt sein müs­sen: schwe­re Mate­rie, vol­le Erkennt­nis und freie Zustim­mung. Nach Kar­di­nal König sei das gleich­zei­ti­ge Vor­lie­gen die­ser drei Ele­men­te bei einem katho­li­schen Frei­mau­rer sel­ten. Wenin­ger fol­gert dar­aus, dass nur jener Katho­lik eine Tod­sün­de bege­he, der wis­sent­lich und wil­lent­lich einer Loge ange­hö­re, die aktiv gegen die Kir­che kämp­fe. Doch wel­cher katho­li­sche Frei­mau­rer wol­le über­haupt eine Tod­sün­de bege­hen? Feh­le der Wil­le und die bewuss­te Zustim­mung zur Bege­hung einer Tod­sün­de, so lie­ge die­se auch nicht vor (vgl. S. 281–282).

Trotz die­ser sophi­stisch anmu­ten­den Ein­wän­de sei­tens der frei­mau­re­ri­schen und frei­mau­rer­freund­li­chen Posi­ti­on erfüllt die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on von 1983 eine not­wen­di­ge lehr­haf­te Funk­ti­on – wenn auch in knap­per und ver­ein­fach­ter Form – für das katho­li­sche Urteils­ver­mö­gen in Bezug auf die Freimaurerei.

Eine ver­tief­te Unter­su­chung der Ritua­le sowie der „Kunst“ und der „Spi­ri­tua­li­tät“ der Frei­mau­re­rei bestä­tigt die wesent­li­che Rich­tig­keit und blei­ben­de Gül­tig­keit die­ser Erklärung.

9. Für Msgr. Weninger ist das „Licht“ («LICHT») der Sieg Kardinal Königs und der Freimaurerei

Das Schluß­ka­pi­tel des Buches von Msgr. Wenin­ger trägt den Titel „Licht“. Ja – aber wel­ches Licht?
Hier ist es: „Der neue CIC spricht nicht mehr von der Frei­mau­re­rei; der can. 2335 des CIC/​1917 exi­stiert nicht mehr; die Exkom­mu­ni­ka­ti­on der katho­li­schen Frei­mau­rer ist auf­ge­ho­ben; Katho­li­ken kön­nen nun unbe­sorgt der Frei­mau­re­rei ange­hö­ren … die Frei­mau­rer dan­ken Kar­di­nal König“ (vgl. S. 288–294).
Nach Msgr. Wenin­ger „haben schließ­lich das Licht und die Strah­len der Son­ne gesiegt und die Fin­ster­nis zer­streut“ (vgl. S. 294).

Am Ende dankt Msgr. Wenin­ger den Diö­ze­sen Augs­burg und Köln, den Ver­ei­nig­ten Groß­lo­gen von Deutsch­land (VGLvD), der Groß­lo­ge von Öster­reich (GLvÖ), der Loge „Zu den sie­ben Wei­sen“ in Linz (GLvÖ) sowie ver­schie­de­nen frei­mau­re­ri­schen Wür­den­trä­gern, dar­un­ter den jewei­li­gen Groß­mei­stern der GLvÖ und der VGLvD (vgl. S. 297–299).
Wenin­ger äußert den Wunsch, „der Herr möge Kar­di­nal König für das gro­ße Werk, das er im Hin­blick auf die Frei­mau­re­rei und den neu­en CIC gelei­stet habe, reich­lich beloh­nen“ (vgl. S. 299).

In der im Anhang 5 des Buches von Wenin­ger ent­hal­te­nen Bio­gra­phie Kar­di­nal Königs lesen wir, daß sich der öster­rei­chi­sche Pur­pur­trä­ger „die Über­win­dung der Iso­la­ti­on der Kir­che in den kom­mu­ni­sti­schen Län­dern Ost­eu­ro­pas zum Ziel gesetzt“ habe und: „Er gilt durch­aus als Archi­tekt einer ‘Ost­po­li­tik’ des Vati­kans“ (S. 346).
Als Vor­sit­zen­der des Sekre­ta­ri­ats für den Dia­log mit den Nicht­glau­ben­den habe er „eine Brücke“ zu den Frei­mau­rern gebaut (vgl. S. 347), sei ein „Mann der Ver­söh­nung“ gewe­sen (vgl. S. 347), Vor­sit­zen­der von Pax Chri­sti Inter­na­tio­nal von 1985 bis 1990 (vgl. S. 348) und „ein Mei­ster des Gesprächs“ (S. 349).

Apropos Ökumenismus

Apro­pos Öku­me­ne. Der Anhang 3 des Buches von Msgr. Wenin­ger ent­hält den Text der „Stel­lung­nah­me von Pater Alo­is Kehl SVD zur Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz zum Ver­hält­nis Katho­li­sche Kir­che und Frei­mau­re­rei in Deutsch­land“ (S. 317–337) von 1980.
P. Kehl beruft sich auch auf den Öku­me­nis­mus, um die Frei­mau­re­rei – ins­be­son­de­re die soge­nann­te „christ­li­che Frei­mau­re­rei“ (d. h. eine der fünf Groß­lo­gen, die die VGLvD bil­den) – zu ver­tei­di­gen: „Wir leben Im Zeit­al­ter der Öku­me­ne, wo in katho­li­schen Kir­chen öku­me­ni­sche Wort­got­tes­dien­ste gehal­ten wer­den“. Eben­so trä­fen sich in der „christ­li­chen Frei­mau­re­rei“ Chri­sten „ver­schie­de­ner Kon­fes­sio­nen sowie Chri­sten, die kei­ner Kir­che ange­hör­ten, um gemein­sam zu beten“ (vgl. S. 334).
War­um, so fragt Kehl, „soll man den Frei­mau­rern an öku­me­ni­scher Hal­tung nicht zuge­ste­hen, was man an Tai­zé bewun­dert?“ (S. 334).

Der Hin­weis P. Kehls auf die öku­me­ni­sche Hal­tung der „christ­li­chen“ Frei­mau­re­rei (deut­scher und skan­di­na­vi­scher Prä­gung) und auf Tai­zé ist bemer­kens­wert. Eben­so inter­es­sant wäre es, gewis­se Ähn­lich­kei­ten oder Berüh­rungs­punk­te zwi­schen öku­me­ni­schen Milieus und frei­mau­re­ri­scher Kul­tur her­aus­zu­ar­bei­ten – doch dies wür­de eine eige­ne Stu­die erfordern.

Schluß: Zur „Licht“-Thematik – dem freimaurerischen Licht

Abschlie­ßend keh­re ich zum The­ma des „Lichts“ zurück, d. h. zum frei­mau­re­ri­schen Licht, und zitie­re dazu eini­ge deut­sche frei­mau­re­ri­sche Autoren, die die Frei­mau­re­rei weit­aus bes­ser erken­nen las­sen als Msgr. Weninger.

Adolf Hem­ber­ger (1929–1992) war ein Ken­ner der Eso­te­rik der Frei­mau­re­rei und der Fra­ter­ni­tas Satur­ni, eines initia­ti­schen Ordens, der der Magie gewid­met ist und Luzi­fer posi­tiv neu bewer­tet, ver­stan­den als Saturn Licht­trä­ger.

Hem­ber­ger war zudem:
a) Groß­mei­ster eines mar­ti­ni­sti­schen Ordens (eines initia­ti­schen Ordens, der sich der Magie und einer „chri­stia­ni­sie­ren­den“ jüdi­schen Kab­ba­la wid­met);
b) Mei­ster vom Stuhl einer regu­lä­ren deut­schen Loge (VGLvD);
c) Mit­glied der Loge „Qua­tu­or Coro­na­ti“ Nr. 808 im Ori­ent von Bay­reuth (VGLvD).

Zwi­schen 1970 und 1971 ver­faß­te Adolf Hem­ber­ger ein über 300 Sei­ten star­kes maschi­nen­schrift­li­ches Werk mit dem Titel: „Orga­ni­sa­ti­ons­for­men, Ritua­le, Leh­ren und magi­sche The­ma­tik der frei­mau­re­ri­schen und frei­mau­rer­ar­ti­gen Bün­de im deut­schen Sprach­raum Mit­tel­eu­ro­pas. Der mystisch-magi­sche Orden Fra­ter­ni­tas Satur­ni“.
In die­sem Text erklärt der Frei­mau­rer Hem­ber­ger, daß der Saturn­kult in der Fra­ter­ni­tas Satur­ni ein Kult Luzi­fers sei, ver­stan­den als Licht­brin­ger (vgl. S. 6f).
Br.·. Hem­ber­ger schreibt dem Luzi­fer der Kab­ba­la sowie dem Satan Car­duc­cis eine posi­ti­ve Bedeu­tung zu und läßt deut­lich erken­nen, daß er an das Vor­han­den­sein eines gewis­sen Luzi­fe­ris­mus in der Frei­mau­re­rei glaubt und die­sen teilt (vgl. S. 96f).
Hem­ber­ger bekräf­tigt aus­drück­lich den magi­schen Cha­rak­ter der ritu­el­len Arbei­ten der regu­lä­ren Frei­mau­re­rei (vgl. S. 147–150). Er bekennt sich zur Gno­sis und teilt die Leh­re der Fra­ter­ni­tas Satur­ni (vgl. S. 303f).

Von 1988 bis 2002 war der Frei­mau­rer Alfried Leh­ner (1936–2019) Vor­sit­zen­der der Ritu­al­kom­mis­si­on der Groß­lo­ge der Alten Frei­en und Ange­nom­me­nen Mau­rer von Deutsch­land, einer der fünf Groß­lo­gen, aus denen die VGLvD bestehen.

In dem Arti­kel „Tubal-Kain – nur ein Paß­wort?“, ver­öf­fent­licht in der deut­schen frei­mau­re­ri­schen Zeit­schrift Huma­ni­tät (Nr. 6, Novem­ber 1996, S. 19f), macht Alfried Leh­ner deut­lich, daß Tubal-Kain, das Paß­wort des ersten Gra­des des Lehr­lings, auf den ersten bibli­schen Schmied kai­ni­ti­scher Abstam­mung ver­weist und sowohl „das fau­stisch Schaf­fen­de in uns“ (vgl. S. 19) als auch die „Licht­su­che der Mensch­heit“, „die König­li­che Kunst“ (vgl. S. 20) sym­bo­li­siert.
Dar­über hin­aus ver­weist Tubal-Kain auf den Pro­me­theus-Mythos, „den gött­li­chen Fun­ken“, das fau­sti­sche Ele­ment im Frei­mau­rer sowie auf den „Licht­brin­ger“, näm­lich „Luzi­fer“ (vgl. S. 19).

Unzwei­fel­haft fin­det sich im frei­mau­re­ri­schen Licht von „Tubal-Kain“, dem Paß­wort des Lehr­lings­gra­des, eine posi­ti­ve Neu­be­wer­tung „Luzi­fers“ – sei er nun als Kon­zept, Mythos, Sym­bol oder als rea­les Wesen verstanden.

*Pater Pao­lo Maria Sia­no gehört dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta (FFI) an; der pro­mo­vier­te Kir­chen­hi­sto­ri­ker gilt als einer der besten katho­li­schen Ken­ner der Frei­mau­re­rei, der er meh­re­re Stan­dard­wer­ke und zahl­rei­che Auf­sät­ze gewid­met hat. In zahl­rei­chen sei­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen geht es ihm dar­um, den Nach­weis zu erbrin­gen, daß die Frei­mau­re­rei von Anfang an eso­te­ri­sche und gno­sti­sche Ele­men­te ent­hielt, die bis heu­te ihre Unver­ein­bar­keit mit der kirch­li­chen Glau­bens­leh­re begründen.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana/Freimaurerorden.de (Screen­shot)

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