Zu konservativ? Bischof Marc Aillet wird „brüderlich besucht“

Droht ihm das Schicksal des Bischofs von Fréjus-Toulon?


Msgr. Marc Aillet, der traditionsfreundliche Bischof von Bayonne, erlebt eine "brüderliche Visitation". Das Bild zeigt den mutigen Bischof bei der Teilnahme am Marsch für das Leben (Marche pour la vie) in Paris
Msgr. Marc Aillet, der traditionsfreundliche Bischof von Bayonne, erlebt eine "brüderliche Visitation". Das Bild zeigt den mutigen Bischof bei der Teilnahme am Marsch für das Leben (Marche pour la vie) in Paris

Von einer Katholikin

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Am 3. Juni begann Antoine Hérouard, Erz­bi­schof von Dijon, eine päpst­li­cher­seits ange­ord­ne­te „brü­der­li­che Visi­ta­ti­on“ im Bis­tum Bayon­ne, Les­car und Olo­ron. Bis Frei­tag sind täg­lich meh­re­re Gesprä­che mit dem Bischof und sei­nen Mit­ar­bei­tern (Kle­rus und Lai­en) vor­ge­se­hen. Anlaß sei­en Beschwer­de­brie­fe von Gläu­bi­gen an den Vati­kan, die sich am Lei­tungs­stil, der Lit­ur­gie und dem Ver­hält­nis zwi­schen Kir­che und Gesell­schaft in der Diö­ze­se stö­ren, wie Msgr. Ail­let in einer Video­bot­schaft darlegte.

In eini­gen fran­zö­si­schen Medi­en liest sich das so: „Seit meh­re­ren Jah­ren gibt es viel Kri­tik am 67jährigen Bischof, der bekannt ist für sei­ne kon­ser­va­ti­ven Posi­tio­nen; kürz­lich hat er sich gegen die Seg­nung gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re oder auch gegen die Auf­nah­me eines Rechts auf Schwan­ger­schafts­ab­bruch in die fran­zö­si­sche Ver­fas­sung aus­ge­spro­chen. Sein Füh­rungs­stil, der Lai­en in der Diö­ze­se wenig Raum läßt, und ein ‚rigo­ri­sti­scher‘ Wind, der in den Pfar­rei­en Ein­zug hielt, wur­den immer wie­der kritisiert.“

Seit vie­len Jah­ren schon wird Bischof Ail­let immer wie­der zur Ziel­schei­be v. a. von Links­ka­tho­li­ken sei­ner Diö­ze­se, die dem kon­ser­va­ti­ven Bischof Rück­wärts­ge­wandt­heit vor­wer­fen und denen Prie­ster in Sou­ta­ne ein Greu­el sind.

Im Jahr 2023 gab es Span­nun­gen mit einer Grup­pe Katho­li­ken, als der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Bischof die Regu­lar­ka­no­ni­ker der Got­tes­mut­ter von Lagra­s­se ein­lud, in einem Teil des reno­vier­ten Diö­ze­san­hau­ses in Pau eine neue Ordens­nie­der­las­sung ein­zu­rich­ten. Die Chor­her­ren zele­brie­ren die hei­li­ge Lit­ur­gie im über­lie­fer­ten Ritus, wor­an sich sofort eini­ge Gläu­bi­ge stör­ten, weil die Gemein­schaft die Mes­se auf Latein und „mit dem Rücken zur Gemein­de“ (sic!) fei­ert. Daß der Bischof die­se Ent­schei­dung ohne Abspra­che getrof­fen habe, pas­se nicht in eine Zeit, in der unter Papst Fran­zis­kus den Lai­en mehr Raum gege­ben wer­de. Ail­lets Lei­tung ent­spre­che nicht der Öff­nung zur moder­nen Welt, wie sie das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil ange­sto­ßen habe. Statt­des­sen favo­ri­sie­re er kon­ser­va­ti­ve Strömungen.

Laut Erz­bi­schof Hérouard sol­le auch Bischof Ail­lets pasto­ra­le Hal­tung zur Alli­ance des coeurs unis unter­sucht wer­den, einer kirch­lich nicht aner­kann­ten Gebets­ver­ei­ni­gung, die auf den Pri­vat­of­fen­ba­run­gen ihrer Grün­de­rin aufbaut.

Doch es ist klar, woher der Wind weht. Marc Ail­let ist ein unbe­que­mer kon­ser­va­ti­ver, ja tra­di­ti­ons­freund­li­cher Bischof. Er gehört zu der von Kar­di­nal Siri gegrün­de­ten Gemein­schaft Sankt Mar­tin (Com­mun­au­té Saint-Mar­tin), in der die Hei­li­ge Mes­se im neu­en Ritus in Latein und ver­sus Deum zele­briert wird.

Als Bischof von Bayon­ne ver­such­te Bischof Ail­let, die über­lie­fer­te Lit­ur­gie in sei­ner Diö­ze­se zu för­dern. Es gelang ihm auch, das man­gels Kan­di­da­ten auf­ge­lö­ste Prie­ster­se­mi­nar der Diö­ze­se wiederzubeleben.

Daß er von 2002 bis 2008 Gene­ral­vi­kar im angeb­li­chen „Skan­dal-Bis­tum Fré­jus-Tou­lon“ (katho​lisch​.de) war, läßt sei­ne Kri­ti­ker Par­al­le­len zie­hen. Auch dort war eini­gen u. a. die Ansie­de­lung von kon­ser­va­ti­ven geist­li­chen Gemein­schaf­ten sowie die kon­ser­va­ti­ve Aus­rich­tung des blü­hen­den Prie­ster­se­mi­nars ein Dorn im Auge. Bischof Rey wur­de im Früh­jahr 2023 nach einer Apo­sto­li­schen Visi­ta­ti­on de fac­to still­ge­stellt, indem ihm von Papst Fran­zis­kus ein Koad­ju­tor ver­ord­net wur­de, der u. a. für Kle­rus, Prie­ster­se­mi­nar, Ver­wal­tung sowie Orden und Gemein­schaf­ten zustän­dig ist.

Im Juli wird Msgr. Hérouard sei­ne Befra­gun­gen in Bayon­ne fort­set­zen, bevor ein Bericht an den Vati­kan geht. Ob sich dar­aus eine Apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on ergibt, muß abge­war­tet wer­den. Soweit sei es noch nicht, mein­te Bischof Ail­let in sei­ner Video­bot­schaft, nicht ohne die Wich­tig­keit des Gebe­tes zu beto­nen. Dem ehe­ma­li­gen Gene­ral­vi­kar von Bischof Rey dürf­te bewußt sein, daß des­sen kon­ser­va­ti­ve Hal­tung ihn ins Faden­kreuz Roms gebracht hatte.

Eine Reli­quie des Pfar­rers von Ars ist dzt. in Bayonne

Und wer wie er selbst die Tra­di­ti­on för­dert und sich auch noch gegen Fidu­cia sup­pli­cans posi­tio­niert hat, der hat beste Chan­cen, vom päpst­li­chen „Fra­tel­lo“ in Rom wenig „brü­der­lich“ behan­delt zu werden.

Schluß­be­mer­kung: Seit dem 27. Mai bis 20. Juni beher­bergt die Diö­ze­se auf Initia­ti­ve der Ewi­gen Anbe­tung in Pau die Reli­quie des Her­zens des Hei­li­gen Pfar­rers von Ars, um für Prie­ster- und Ordens­be­ru­fun­gen zu beten. Am 7. Juni kommt sie für zwei Tage nach Bayonne.

Auch der hei­li­ge Jean-Marie Vian­ney ent­spricht längst nicht mehr dem Zeit­geist und einem vie­ler­orts schon bis zur Unkennt­lich­keit dekon­stru­ier­ten Bild des Prie­sters. Umso drin­gen­der brau­chen wir sei­ne Fürsprache.

Bild. Wiki­com­mons

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6 Kommentare

  1. Wenn es so ein­fach ist, Visi­ta­tio­nen mit Brie­fen an den Vati­kan zu erwir­ken, fra­ge ich mich, war­um nie­mand Brie­fe schreibt, um eine Visi­ta­ti­on in (Ganz schlimm)-Burg oder im häre­ti­schen Mün­chen und Frei­sing zu bekom­men? Also, lie­be Leser.…Schreiben Sie Brie­fe nach Rom!! Mei­ner Ansicht nach war das schon immer das Ein­zi­ge, was wirk­lich „nach­hal­tig“ ist!

  2. Sämt­li­che Opfer des Berg­o­glio-Pon­ti­fi­ka­tes täten gut dar­an, sich in einer Art „Koali­ti­on der ver­folg­ten Bischö­fe“ zusammenzutun.

  3. Mir ist Bischof Marc Ail­let erst­mals mit sei­nem Hir­ten­brief „Impf­pflicht? – Nie­mand kann gezwun­gen wer­den, gegen sein Gewis­sen zu han­deln!“ vom 23.7.2021 auf­ge­fal­len. Die deut­sche Über­set­zung ist noch auf https://​kath​.net/​n​e​w​s​/​7​5​850 les­bar, das fran­zö­si­sche Ori­gi­nal nur noch im Web-Archi­ve unter https://web.archive.org/web/20210725045824/https://diocese64.org/actualites/item/2200-communique-sur-la-crise-sanitaire.
    Er war damals einer der ganz weni­gen katho­li­schen Bischö­fe welt­weit, der sich trau­te, der Coro­na-Kri­se mit einer dif­fe­ren­zier­ten und kri­ti­schen Hal­tung des Fra­gens zu begeg­nen. Heu­te, fast drei Jah­re spä­ter lese ich sei­nen Brief mit noch mehr Respekt für sei­ne Klug­heit und sei­ne hohe mora­li­sche Integrität.

  4. Ich erin­ne­re mich, dass Mgr Ail­let Posi­ti­on gegen das „Con­fi­ne­ment“, die stren­gen staat­li­chen Covid­be­stim­mun­gen, bezog u. 2020 einen kri­ti­schen Hir­ten­brief dies­be­züg­lich schrieb.
    Hier eine Sen­dung mit dem kath. Fern­seh­sen­der von Paris, die mir kürz­lich hoch­ge­spielt wurde.
    https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​r​Q​w​Y​p​9​M​U​38c, Mgr Marc Ail­let – Dio­cè­se de Bayon­ne, KTO TV

  5. Wird der Bischof unbe­quem, wird die Zärt­lich­keit extrem.
    Der Hl. Pfar­rer von Ars sag­te: Laßt eine Pfar­rei 20 Jah­re lang ohne Prie­ster, und man wird dort die Besti­en anbe­ten. Wohl dem Hir­ten, der Gott die Ehre erweist und nicht den selbst­herr­li­chen Menschen.

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