Fiducia supplicans und die Normen für die Unterscheidung übernatürlicher Phänomene

Förderung der Homosexualisierung und Abschaffung des Übernatürlichen?


Zwei Dokumente des von Kardinal Victor Manuel Fernández geleiteten Glaubensdikasteriums, beide mit Zustimmung von Papst Franziskus, die eine homosexualisierte Welt fördern, in der das Übernatürliche keinen Platz mehr hat?
Zwei Dokumente des von Kardinal Victor Manuel Fernández geleiteten Glaubensdikasteriums, beide mit Zustimmung von Papst Franziskus, die eine homosexualisierte Welt fördern, in der das Übernatürliche keinen Platz mehr hat?

Von Rober­to de Mattei*

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Die Erklä­rung Fidu­cia sup­pli­cans, die am 18. Dezem­ber 2023 mit Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus vom Dik­aste­ri­um für die Glau­bens­leh­re her­aus­ge­ge­ben wur­de, stellt einen der umstrit­ten­sten Punk­te die­ses Pon­ti­fi­kats dar, aber sie mar­kiert auch einen Wen­de­punkt dank der brei­ten Reak­ti­on von Kar­di­nä­len, Bischö­fen und gan­zen Bischofs­kon­fe­ren­zen, beson­ders jenen an den „Rän­dern“, die der Papst so oft als Trä­ger authen­ti­scher reli­giö­ser und mensch­li­cher Wer­te beschwo­ren hat.

Der Grund für den Pro­test ist der Wider­spruch, in dem das Doku­ment mit dem immer­wäh­ren­den Lehr­amt der Kir­che zu ste­hen scheint. Die Erklä­rung lehnt zwar die Recht­mä­ßig­keit der „Homo-Ehe“ ab, läßt aber die Mög­lich­keit zu, ein soge­nann­tes homo­se­xu­el­les „Paar“ zu seg­nen, und bil­ligt damit fak­tisch die Ver­bin­dung, die die bei­den „Part­ner“ sünd­haft vereint.

Daß das Doku­ment mehr als zwei­deu­tig ist, haben nicht nur die Reak­tio­nen gezeigt, die es aus­ge­löst hat, son­dern auch die Klar­stel­lun­gen, zu denen sich Papst Fran­zis­kus genö­tigt sah, der bei der Voll­ver­samm­lung des Dik­aste­ri­ums am 26. Janu­ar 2024 bekräf­tig­te, „wenn sich ein Paar spon­tan nähert, um den Segen zu erbit­ten, seg­net man nicht die Ver­ei­ni­gung, son­dern ein­fach die Men­schen, die gemein­sam dar­um gebe­ten haben“, und in einem Inter­view mit dem US-Sen­der CBS am 24. April bestä­tig­te er: „Was ich erlaubt habe, war nicht, die Ver­bin­dung zu seg­nen. Das kann man nicht tun, weil das nicht das Sakra­ment ist. Ich kann nicht. Der Herr hat es so gemacht. Aber jeden ein­zel­nen seg­nen, ja. Der Segen ist für alle da. Für alle. Eine gleich­ge­schlecht­li­che Ver­bin­dung zu seg­nen, ver­stößt jedoch gegen das gege­be­ne Recht, gegen das Gesetz der Kir­che. Aber jeden Men­schen zu seg­nen, war­um nicht? Der Segen ist für alle da. Eini­ge haben sich dar­über empört. Aber war­um? Alle! Alle!

Wenn dem so sein soll­te, müß­te die Erklä­rung wider­ru­fen oder auf jeden Fall kor­ri­giert wer­den, denn den beru­hi­gen­den Inter­ven­tio­nen des Pap­stes und des Sekre­tärs des Glau­bens­dik­aste­ri­ums steht der Text von Fidu­cia Sup­pli­cans ent­ge­gen, in dem es in Nr. 39 heißt: „Wenn ein sol­ches Segens­ge­bet von einem Paar in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on erbe­ten wird, wird ein sol­cher Segen nie­mals im direk­ten Zusam­men­hang mit einer stan­des­amt­li­chen Fei­er oder sonst in irgend­ei­ner Ver­bin­dung damit erteilt wer­den kön­nen. Dies gilt auch für die Klei­dung, die Gesten und die Wor­te, die Aus­druck für eine Ehe sind. Das­sel­be gilt, wenn die Seg­nung von einem gleich­ge­schlecht­li­chen Paar erbe­ten wird.“

In die­se Ver­wir­rung stößt die Stu­dieDer Damm­bruch. Die Kapi­tu­la­ti­on vor der Homo-Lob­by durch Fidu­cia sup­pli­cans“ von José Anto­nio Ure­ta und Julio Lore­do, zwei füh­ren­den Ver­tre­tern der inter­na­tio­na­len Gesell­schaft Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP), die bereits 2023 mit dem Buch „Der syn­oda­le Pro­zeß. Eine Büch­se der Pan­do­ra“ für gro­ßes Auf­se­hen gesorgt hatten.

Die Grund­the­se der neu­en Stu­die ist, daß in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten eine mäch­ti­ge LGBT-Lob­by inner­halb der katho­li­schen Kir­che Wur­zeln geschla­gen und den Damm der kirch­li­chen Moral­leh­re gebro­chen hat. Das Ziel die­ser Lob­by ist es, eine Ände­rung des kirch­li­chen Lehr­am­tes zu errei­chen, das Homo­se­xua­li­tät unan­fecht­bar ver­ur­teilt. Das ist kei­ne Ver­schwö­rungs­phan­ta­sie. Ure­ta und Lore­do rekon­stru­ie­ren genau die Homo-Revo­lu­ti­on inner­halb der kirch­li­chen Struk­tu­ren, indem sie Namen und Fak­ten von den 1970er Jah­ren bis heu­te anfüh­ren. 1986, unter Johan­nes Paul II., ver­such­te Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on die­se Offen­si­ve mit sei­nem Brief an die Bischö­fe der katho­li­schen Kir­che über die Seel­sor­ge an Homo­se­xu­el­len zu stop­pen. Wei­te­re Doku­men­te folg­ten, aber mit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Berg­o­glio begann der Damm zu bre­chen. Die Erklä­rung Fidu­cia sup­pli­cans stellt die Krö­nung die­ses sub­ver­si­ven Pro­zes­ses dar.

Der Weck­ruf von Ure­ta und Lore­do ist wich­tig und macht hof­fent­lich deut­lich, wie weit­rei­chend und tief die Kor­rup­ti­on inner­halb der Kir­che ist, aber ange­sichts die­ses düste­ren Bil­des stellt sich eine Fra­ge: Was ist zu tun? Die Ant­wort lau­tet unse­rer Mei­nung nach, daß nur ein gött­li­ches Ein­grei­fen in einer Situa­ti­on von so schwer­wie­gen­dem lehr­mä­ßi­gem und mora­li­schem Ver­fall Abhil­fe schaf­fen kann.

In die­sem Zusam­men­hang steht das neue Doku­ment Nor­men für das Ver­fah­ren zur Beur­tei­lung mut­maß­li­cher über­na­tür­li­cher Phä­no­me­ne, das vom Dik­aste­ri­um für die Glau­bens­leh­re am 17. Mai 2024 mit Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht wurde.

Eini­ge Theo­lo­gen und Kano­ni­sten haben die­ses Doku­ment kri­ti­siert, weil es den Diö­ze­san­bi­schö­fen die Befug­nis ent­zieht, ein zuver­läs­si­ges Urteil über gegen­wär­ti­ge außer­ge­wöhn­li­che Phä­no­me­ne zu fäl­len, und die­se dem Glau­bens­dik­aste­ri­um und letzt­lich dem Hei­li­gen Vater über­trägt. Die­se Zen­tra­li­sie­rung der Macht ist jedoch nicht das pro­ble­ma­tisch­ste Ele­ment des Textes.

Der ent­schei­den­de Punkt scheint hin­ge­gen ein ande­rer zu sein. Wenn es stimmt, daß nur ein außer­or­dent­li­ches Ein­grei­fen der Gna­de die Kir­che und die gesam­te Gesell­schaft in eine Situa­ti­on der Nor­ma­li­tät zurück­füh­ren kann, ist es not­wen­dig, daß die See­len der Gläu­bi­gen und die Hir­ten, die sie lei­ten, für die­ses Han­deln der gött­li­chen Vor­se­hung offen sind.

Die neu­en Nor­men des Glau­bens­dik­aste­ri­ums erwecken dage­gen den Ein­druck, daß die Kir­che sich der Mög­lich­keit ent­zie­hen will, ein authen­ti­sches über­na­tür­li­ches Phä­no­men anzu­er­ken­nen. Die drei tra­di­tio­nel­len Kri­te­ri­en, die in der Ver­gan­gen­heit gal­ten (cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te, es steht fest, daß es über­na­tür­lich ist; non cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te, es steht nicht fest, ob es über­na­tür­lich ist; cons­tat de non super­na­tu­ra­li­ta­te, es steht fest, daß es nicht über­na­tür­lich ist) wur­den mit dem neu­en Doku­ment des Glau­bens­dik­aste­ri­ums durch sechs neue ersetzt, die von der aus­drück­li­chen Erklä­rung der Nicht-Natür­lich­keit bis zu einem „nihil obstat“ rei­chen, das aber nichts über den über­na­tür­li­chen Cha­rak­ter des Phä­no­mens aus­sagt, son­dern sich auf die Fest­stel­lung sei­ner geist­li­chen Früch­te beschränkt. Im Mit­tel­punkt der neu­en Nor­men steht laut La Nuo­va Bus­so­la Quoti­dia­na Arti­kel 22 §2: „Der Diö­ze­san­bi­schof wird auch dar­auf ach­ten, dass die Gläu­bi­gen kei­ne der Ent­schei­dun­gen als Appro­ba­ti­on des über­na­tür­li­chen Cha­rak­ters des Phä­no­mens auf­fas­sen.“ Sei­ne Arbeit, in Abstim­mung mit dem Dik­aste­ri­um, wird von nun an dem rein pasto­ra­len Aspekt der angeb­li­chen Erschei­nun­gen oder Wun­der gewid­met sein, mit der Mög­lich­keit, zu einem nega­ti­ven Urteil zu gelan­gen, aber nie­mals zu einem posi­ti­ven, einem bestä­ti­gen­den Urteil in der Sache.

Zwar hat die Kir­che das Ein­grei­fen des Him­mels immer erst nach stren­gen Unter­su­chun­gen aner­kannt, aber ihre Umsicht ist nicht mit der Skep­sis der Ungläu­bi­gen zu ver­wech­seln. Der Ratio­na­list lächelt her­ab­las­send, wenn man ihn auf Erschei­nun­gen oder Wun­der anspricht, denn er lehnt die Gegen­wart Got­tes in der Geschich­te ab. Die Kir­che hin­ge­gen glaubt an Wun­der, weiß aber, daß dies ein Bereich ist, in dem die Men­schen sich selbst täu­schen kön­nen und der Teu­fel sie täu­schen kann. Aus die­sen Grün­den han­delt sie umsich­tig, bis das Han­deln Got­tes fest­steht (vgl. Lou­is Lou­ch­et: Theo­lo­gie der Mari­en­er­schei­nun­gen, Bor­la, Turin 1960, S. 43f). Man kann jedoch nicht ihre Auto­ri­tät in Fra­ge stel­len, mit Gewiss­heit fest­zu­stel­len: cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te.

Die neu­en Nor­men des Glau­bens­dik­aste­ri­ums spre­chen den Hir­ten der Kir­che die Mög­lich­keit ab, die Spu­ren des Ein­grei­fens Got­tes in die mensch­li­che Geschich­te, wohl wis­send, daß die Offen­ba­rung mit dem Tod des letz­ten Apo­stels geen­det hat, fest­zu­stel­len. Es wäre jedoch leicht­sin­nig, die­sen unbe­strit­te­nen Grund­satz zum Vor­wand zu neh­men, um das histo­ri­sche Gewicht der authen­ti­schen himm­li­schen Offen­ba­run­gen der Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft zu igno­rie­ren oder zu unter­schät­zen. Wie könn­te man die himm­li­schen Bot­schaf­ten von Paray-le-Moni­al, Lour­des und Fati­ma mit einem all­ge­mei­nen nihil obstat abtun, um bei­spiel­haft nur Offen­ba­run­gen zu erwäh­nen, deren gött­li­chen Ursprung die Kir­che fei­er­lich aner­kannt hat?

Die Gläu­bi­gen dür­fen ange­sichts des Über­na­tür­li­chen nicht in Gleich­gül­tig­keit ver­fal­len, son­dern müs­sen bereit sein, es zu erken­nen und auf­zu­neh­men, denn durch die­ses wun­der­ba­re Wir­ken wird Gott einer Welt, die im Ster­ben liegt, Wahr­heit und Leben zurückgeben.

*Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017, und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

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