Die zunehmende Einsamkeit von Papst Franziskus

"Stehen wir in der Kirche vor einem Sturm?"

Papst Franziskus trug bis Ende Mai bei der wöchentlichen Generalaudienz noch Maske, seither nicht mehr.
Papst Franziskus trug bis Ende Mai bei der wöchentlichen Generalaudienz noch Maske, seither nicht mehr.

Von Anto­nio Socci*

Was pas­siert in der katho­li­schen Kir­che? Ste­hen wir am Vor­abend eines Erd­be­bens? Vie­le Zei­chen las­sen uns das den­ken. Was aus den Kolum­nen von La Repub­bli­ca kam, aus der Feder von Alber­to Mel­lo­ni, ist wirk­lich sen­sa­tio­nell, weil es die har­te Tren­nung bestimm­ter katho-pro­gres­si­ver Krei­se von Papst Ber­go­glio zeigt, die ihn zuvor mit Begei­ste­rung unter­stützt hatten.

Mel­lo­ni, die Sym­bol­ge­stalt der „Schu­le von Bolo­gna“ und des „pro­gres­si­ven“ Flü­gels der Kir­che, beginnt sei­ne Ankla­ge mit der Beto­nung, daß der deut­sche Kar­di­nal Marx in sei­nem jüngst vor­ge­leg­ten Rück­tritts­schrei­ben „fak­tisch den Rück­tritt des Pap­stes gefor­dert hat“.

Marx ist der Anfüh­rer des mäch­ti­gen und rei­chen deut­schen Epi­sko­pats, der mit sei­ner Syn­ode eine Revo­lu­ti­on durch­füh­ren zu wol­len scheint. Die deut­schen Bischö­fe sind Ber­go­gli­os histo­ri­sche Unter­stüt­zer schlecht­hin, aber ihre Flucht nach vor­ne fin­det nicht sei­ne Unter­stüt­zung, und nun sind sie offen­sicht­lich enttäuscht.

Mel­lo­ni zitiert dann ande­re Epi­so­den der jüng­sten Zeit, wie den päpst­li­chen Erlaß, der „das Man­dat der Vor­sit­zen­den und der Gre­mi­en kirch­li­cher Bewe­gun­gen auf zehn Jah­re begrenzt“. Eine Regel, die – so Mel­lo­ni – „die Rech­te der Gläu­bi­gen ein­schränkt“ und „die Liqui­die­rung der im Amt befind­li­chen Lei­tungs­ver­ant­wort­li­chen im Namen eines ideo­lo­gisch defi­nier­ten Wohls“ bedeutet.

Davon abge­se­hen sind die­se Anfüh­rer der Bewe­gun­gen alle ganz ange­paßt auf der Linie des Ber­go­glio-Pon­ti­fi­kats und die neu­en kirch­li­chen Gemein­schaf­ten in die­sen Jah­ren prak­tisch ver­welkt: Ihre Vita­li­tät ist nicht mehr zu sehen, und auch nicht mehr ihre Sicht­bar­keit in der Öffent­lich­keit (das Dekret hat, mei­ner Mei­nung nach, auch etwas Gutes).

Dann kri­ti­siert Mel­lo­ni die „Exi­lie­rung von Enzo Bian­chi aus sei­ner Gemein­schaft“, die er sogar als „eine Schä­di­gung der öku­me­ni­schen Glaub­wür­dig­keit der Kir­che“ betrachtet.

Zudem greift er die von Ber­go­glio ange­ord­ne­te Inspek­ti­on der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on an. Mel­lo­ni spricht von einer „bei­spiel­lo­sen und sinn­lo­sen Geste (…), die etwas über die Här­te aus­sagt, mit denen auch jene behan­delt wer­den, die – zum Bei­spiel der schei­den­de Prä­fekt Kar­di­nal Stel­la – dem Papst loy­al gedient haben“.

Es sei dar­an erin­nert, daß Kar­di­nal Stel­la als einer der Stra­te­gen der Wahl Ber­go­gli­os im Jahr 2013 gilt, wes­halb das ein wei­te­rer schwe­rer Bruch des Pap­stes mit sei­ner Welt ist. Die­sel­be Kri­tik Mel­lo­nis trifft auch die von Ber­go­glio ange­ord­ne­te „Rech­nungs­prü­fung des Vika­ri­ats von Rom“, zu der er den Vor­wurf erhebt, daß hier „Geschwätz Gehör geschenkt wird“.

Mel­lo­ni ist auch in der gan­zen Affä­re von Kar­di­nal Becciu sehr hart. Ihm zufol­ge „ist das Ankla­ge­ge­bäu­de noch sehr fra­gil“, und man wol­le eine „eine geziel­te Ver­tei­di­gung dar­an hin­dern“, daß der „Zen­tral­re­gie­rung ein Pro­zeß“ gemacht und welt­weit sicht­bar wird.

Hin­ter die­sen und ande­ren Epi­so­den, so Mel­lo­ni, „sehen man­che den über­mä­ßi­gen Ein­fluß von unge­eig­ne­ten Bera­tern; ande­re die auto­ri­tä­re Nei­gung, die bereits dem jun­gen Ber­go­glio in der Gesell­schaft [Jesu] vor­ge­wor­fen wur­de“. Die Häu­fung sol­cher Fäl­le jedoch, so der pro­gres­si­ve Intel­lek­tu­el­le, „berei­tet einen Sturm vor“.

Es ist nicht die erste „Rake­te“ von der kle­ri­ka­len Lin­ken, die auf Ber­go­glio nie­der­geht. Jetzt aber wird sei­ne wach­sen­de Iso­la­ti­on deut­lich: Es genügt, die von Mel­lo­ni auf­ge­führ­ten Fäl­le (Kar­di­nal Marx und die deut­schen Bischö­fe, die kirch­li­chen Bewe­gun­gen, Enzo Bian­chi, Kar­di­nal Stel­la, Kar­di­nal Becciu, das Vika­ri­at von Rom) anzu­schau­en, um sich bewußt zu wer­den, daß es sich in allen Fäl­len um Per­sön­lich­kei­ten und Wel­ten han­delt, die sei­ne Unter­stüt­zer waren.

Der argen­ti­ni­sche Papst ist eine kom­ple­xe Per­sön­lich­keit, die manch­mal schwer zu ent­zif­fern ist. Eini­ge sei­ner anfäng­li­chen Akzen­te zu Jesus, wie das Bedürf­nis von uns moder­nen Men­schen nach Barm­her­zig­keit, berühr­ten tie­fe Sai­ten, aber das Evan­ge­li­um sagt, daß der Gute Hir­te auch die mensch­ge­wor­de­ne Wahr­heit ist und die Bekeh­rung fordert.

In sei­ner jet­zi­gen Ein­sam­keit muß der Papst bit­ter zur Kennt­nis neh­men, daß sein Pon­ti­fi­kat seit eini­ger Zeit einem schmerz­li­chen Schei­tern entgegenstürzt.

Sogar der histo­ri­sche Anfüh­rer der Gemein­schaft von San­t’E­g­idio, Andrea Ric­car­di, der im Vati­kan zu Hau­se ist, hat ein Buch ver­öf­fent­licht: „Die Kir­che brennt: Kri­se und Zukunft des Chri­sten­tums“, in dem er ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­na­rio vor­aus­sagt: das „Ende des Katho­li­zis­mus“ und „eine Welt ohne Kirche“.

Wenn man an die Begei­ste­rung denkt, mit der Ber­go­glio anfangs in der kirch­li­chen Welt gefei­ert wur­de (man träum­te von einem tri­um­pha­len „Ber­go­glio-Effekt“), kann man ver­ste­hen, wie bren­nend heu­te die Ernüch­te­rung ist.

Die Kir­che ist – nach die­sen acht Jah­ren – nicht auf­ge­blüht, son­dern scheint ver­nich­tet. Das reli­giö­se Leben befin­det sich in einem koma­ähn­li­chen Zustand. Ihre Zen­tral­re­gie­rung im Vati­kan befin­det sich in einem per­ma­nen­ten Cha­os. Die Ver­wir­rung, auch in der Leh­re, herrscht in der gan­zen kirch­li­chen Gemein­schaft. Die Bilanz der sonn­täg­li­chen lit­ur­gi­schen Pra­xis und der Beru­fun­gen ist ver­hee­rend und befin­det sich im frei­en Fall (unter ande­rem auch durch den Ein­bruch der sakra­men­ta­len Ehen). Kle­rus und Bischö­fe schei­nen hilf­los und führungslos.

Wer dach­te, daß ein Bruch mit den gro­ßen Pon­ti­fi­ka­ten von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. eine glän­zen­de Zukunft sichern wür­de, ist heu­te wider­legt. Wer sich – wie Ber­go­glio, viel­leicht mit den besten Absich­ten – der Illu­si­on hin­ge­ge­ben hat­te, die Kir­che kön­ne sich durch welt­li­che Ver­wäs­se­rung neu bele­ben, erlebt heu­te eine histo­ri­sche Niederlage.

Dabei hat­ten es Reli­gi­ons­so­zio­lo­gen wie Rod­ney Stark seit Jah­ren auf­ge­zeigt (immer­hin sagt das Evan­ge­li­um, daß das Salz unbrauch­bar wird, wenn es sei­nen Geschmack verliert).

Heu­te unter­schei­det sich die Stim­me der Kir­che nicht mehr von jener der UNO. Die Stim­me des Petrus wider­setzt sich nicht den vor­herr­schen­den lai­zi­sti­schen und lin­ken Ideo­lo­gien, im Gegen­teil, sie ist oft im Ein­klang mit ihnen und löst mit die­ser Poli­ti­sie­rung die Bestür­zung der Gläu­bi­gen aus und die Begei­ste­rung jener, die schon immer die Fein­de der Kir­che waren.

Abge­se­hen von den sel­te­nen Wort­mel­dun­gen von Bene­dikt XVI. ist kaum mehr eine katho­li­sche Stim­me zu hören, die die Gläu­bi­gen und alle Völ­ker in Kon­ti­nui­tät mit dem stän­di­gen Lehr­amt der Kir­che lei­tet. Nie zuvor war die Kir­che so kon­for­mi­stisch und so irrele­vant in der Welt zu Fra­gen, die heu­te von enor­mer Trag­wei­te für die Mensch­heit sind.

Sie haben eine Wüste geschaf­fen und nann­ten es „Revo­lu­ti­on“. Aber jede Revo­lu­ti­on frißt ihre Kin­der, und so erle­ben wir jetzt den Bruch zwi­schen Ber­go­glio und sei­nen Anhängern.

Die aktu­el­le Kri­se könn­te ihn zum (unwahr­schein­li­chen) Rück­tritt oder zum ver­zwei­fel­ten Wei­ter­ge­hen ver­an­las­sen, in Erwar­tung des von Mel­lo­ni ange­kün­dig­ten „Sturms“.

Es gibt aber noch eine drit­te Mög­lich­keit: Papst Fran­zis­kus könn­te erken­nen, daß der Ver­such, der Kir­che durch Anpas­sung an die welt­li­che Men­ta­li­tät eine Zukunft zu geben, geschei­tert ist und der rich­ti­ge Weg der von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. ist. Das scheint unmög­lich wie die Wun­der. Die aber den­noch pas­sie­ren können.

Natür­lich braucht es heu­te gro­ßen Mut, um den heroi­schen Weg von Papst Woj­ty­la und Papst Ratz­in­ger wie­der auf­zu­neh­men, denn das ist eine Zeit der Ver­fol­gung. Bene­dikt XVI. bekräf­tig­te in sei­nem letz­ten Inter­view [Peter See­wald: Bene­dikt XVI.: Ein Leben, Droemer, 2020], daß „die eigent­li­che Bedro­hung der Kir­che und somit des Petrus­dien­stes von der welt­wei­ten Dik­ta­tur schein­bar huma­ni­sti­scher Ideo­lo­gien aus­geht, denen zu wider­spre­chen den Aus­schluß aus dem gesell­schaft­li­chen Grund­kon­sens bedeutet“.

Ratz­in­ger hat die Dog­men die­ser Ideo­lo­gien auf­ge­li­stet und betont, daß „jeder, der sich ihnen ent­ge­gen­stellt, heu­te gesell­schaft­lich exkom­mu­ni­ziert ist“. Die moder­ne Gesell­schaft“, füg­te er hin­zu, „beab­sich­tigt, ein anti­christ­li­ches Cre­do zu for­mu­lie­ren, dem sich zu wider­set­zen mit gesell­schaft­li­cher Exkom­mu­ni­ka­ti­on bestraft wird. Die Furcht vor die­ser gei­sti­gen Macht des Anti­christ ist dann nur all­zu natürlich.“

Aber Fran­zis­kus hät­te (abge­se­hen von Gott) Bene­dikt XVI. an sei­ner Sei­te und alle (ver­blie­be­nen) gläu­bi­gen Katho­li­ken der Welt, und das sind sehr vie­le. So könn­te die Kir­che wirk­lich zur Frei­heit der Völ­ker beitragen.

*Anto­nio Soc­ci stu­dier­te Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten, war in sei­ner Jugend in der radi­ka­len Lin­ken aktiv, nach der Bekeh­rung näher­te er sich der neu­en kirch­li­chen Gemein­schaft Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL) an, die er heu­te hef­tig kri­ti­siert; seit 1984 Jour­na­list, mit Aus­nah­me von drei Jah­ren, in denen er die Kul­tur­ab­tei­lung der Pro­vinz Sie­na lei­te­te, Vater von drei Kin­dern, kurz­zei­tig Chef­re­dak­teur der Monats­zeit­schrift 30giorni, Kolum­nist der Tages­zei­tun­gen Il Giorna­le, Libe­ro, Il Foglio, 2002–2004 stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on des zwei­ten staat­li­chen Fern­seh­sen­ders RAI 2, 2004–2020 Direk­tor der von der RAI und der Uni­ver­si­tät Perugia getra­ge­nen Hoch­schu­le für Fern­seh­jour­na­lis­mus (eine Stel­le, von der er nach Pole­mi­ken zu sei­ner Kri­tik an Papst Fran­zis­kus zurück­trat).

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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10 Kommentare

  1. Am Inter­net wer­den die gesell­schaft­li­chen Kon­flik­te am besten sicht­bar. Ich war auch mal in dem Glau­ben, jeder kön­ne sei­ne Mei­nung ein­fach neben die ande­re stel­len und alles ist gut. Aber das ist lan­ge her.

    Ich habe vie­le Feh­ler in mei­nem Leben gemacht, der Papst hat vie­le Feh­ler in sei­nem Leben gemacht, die katho­li­sche Kir­che hat vie­le Feh­ler gemacht. Auf den Feh­lern her­um­zu­rei­ten, bringt aber nie­man­den wei­ter. Das Para­dox besteht dar­in, daß anders als Freuds Leh­re, das Her­um­boh­ren in den Feh­lern nur eine Angst ver­stärkt, noch mehr Feh­ler zu machen und noch mehr Feh­ler zu fin­den. Des­halb blei­ben Neu­ro­ti­ker ihrem Psy­cho­lo­gen ein Leben lang treu.
    Wir gefal­len auch nie­man­dem, wenn wir stän­dig über unse­re Nie­der­la­gen und Feh­ler sprechen.

    Wir haben es mit einem alten Bekann­ten zu tun, dem Dog­ma­ti­ker. Sein Ziel ist die Geschlos­sen­heit der Gesell­schaft. Mit der Geschlos­sen­heit geht die Unfä­hig­keit des Indi­vi­du­ums ein­her, an einer Situa­ti­on oder einem Mit­men­schen die Viel­zahl unter­schied­li­cher Merk­ma­le dif­fe­ren­zie­rend zu erken­nen. Alle Dik­ta­tu­ren zeich­nen sich durch Geschlos­sen­heit aus und durch Vor­ur­tei­le. Sie gren­zen aus. 

    Das sind in der Tat sehr gro­ße Pro­ble­me, vor denen wir ste­hen. Die Ver­gan­gen­heit hin­ter uns las­sen, tole­rant gegen uns sel­ber sein, dann sind wir auch tole­rant gegen ande­re und mit dem Wil­len Got­tes schrei­ten wir ener­gisch im Guten fort. 

    Mir haben die alten Ägyp­ter gehol­fen. Ein all­wis­sen­der, all­mäch­ti­ger, all­ge­gen­wär­ti­ger und ewi­ger Gott muß auch im Alten Reich schon anwe­send gewe­sen sein. Und in den Wei­heits­leh­ren der alten Ägyp­ter fin­det man immer wie­der ohne jede Erklä­rung die Bezeich­nung „Gott“.

    „Nicht die Plä­ne der Men­schen sind es, die sich ver­wirk­li­chen, son­dern der Wil­le Got­tes.“ Ptahho­tep, Altes Reich

    „Gott kennt den, der nach sei­nem Wil­len han­delt.“ Meri­ka­re, 10 Dynastie

    Kir­che muß barock sein. Eine ande­re Kir­che gibt es für mich nicht.

  2. Es geht um die Stim­me der Kir­che in der heu­ti­gen Gesell­schaft mit der Grund­satz­fra­ge , gibt es sie noch und wel­chen Ein­fluss hat sie den noch? Wenn es denn die­sen Ein­fluss der Kir­che denn nicht mehr gibt, was hat die Poli­tik des Fran­zis­kus ver­ant­wort­lich damit zu tun? Der ame­ri­ka­ni­sche Erz­bi­schof und Fern­seh­pre­di­ger Ful­ton Sheen sprach bereits 1974 im „Natio­nal Catho­lic Regi­ster“ vom „Ende der Chri­sten­heit“. Er mein­te damit nicht das Ende des christ­li­chen Glau­be, er sag­te auch nicht die Kir­che sei am Ende, aber sprach den Ein­fluss der Christ­li­chen Bot­schaft auf das „öko­no­mi­schen, poli­ti­schen, und das sozia­le Leben“ an, das bis­her von christ­li­chen Prin­zi­pi­en inspi­riert sei. Er sag­te die ver­än­der­te Ein­stel­lung der Gesell­schaft zur Abtrei­bung, Schei­dung, Unmo­ral und Unehr­lich­keit sei­en dafür die Sym­pto­me. Das war 1974. Aber heu­te sind der Ein­fluss der christ­li­chen Leh­re auf die Gesell­schaft, oder genau­er der Spie­gel der christ­li­chen Bot­schaft und Leh­re in der Gesell­schaft fast ganz besei­tigt. Die letz­ten christ­lich gepräg­ten Ele­men­te für die heu­ti­ge Gesell­schaft sind die Zeit­rech­nung mit post und ante Chri­sti natum sowie die christ­li­che Fest­ord­nung. Aber wie lan­ge noch?
    Statt des­sen müs­sen wir erken­nen, dass die von der katho­li­schen Kir­che und ihren Bischö­fen incl. Papst ver­kün­de­te Leh­re immer mehr durch poli­ti­sche Inhal­te geprägt wird, wel­che nichts mit der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Leh­re zu tun haben, ja sie sogar leugnen.
    Aber ich beken­ne, dass ich trotz­dem glau­be, weil ich weiß, das die unse­re letz­te und ent­schei­den­de Prü­fung ist. Es ist im Sin­ne die­ses Auf­sat­zes unser letz­ter Sturm.

  3. „Der ame­ri­ka­ni­sche Erz­bi­schof und Fern­seh­pre­di­ger Ful­ton Sheen sprach bereits 1974 im „Natio­nal Catho­lic Regi­ster“ vom „Ende der Christenheit“.“
    Es geht nicht um das Ende der Chri­sten­heit, son­dern um die Ver­nich­tung der katho­li­schen Kir­che. Ich ver­ste­he die Auf­re­gung nicht, denn alle die­se Din­ge müs­sen kom­men, und man kann von die­ser Welt wirk­lich nicht erwar­ten, dass sie freund­lich zu der Kir­che die­ses ein­zi­gen wah­ren Got­tes ist. Wenn die­se Welt die katho­li­sche Kir­che loben und fei­ern wür­de, dann könn­te ich davon aus­ge­hen, dass Satan zuviel Alko­hol trinkt und sei­nen Ver­stand ver­lo­ren hat. Satan trinkt nicht und er lacht sich dumm und däm­lich über das vom letz­ten Kon­zil ver­kün­dig­te „Neue Pfing­sten“. Es ist alles in der Zeit und die gro­ße Apost­asie inner­halb der katho­li­schen Kir­che wird die stär­ken, von denen unser Herr und Gott es erwar­tet. Aber es geht auch um die, die nicht die­ses Spiel ver­ste­hen und um die wird die ent­schei­den­de Schlacht geschla­gen. Eine alte Frau, die jeden Tag den Rosen­kranz betet, wird jeden stu­dier­ten moder­nen Theo­lo­gen vor Chri­stus der Lächer­lich­keit preisgeben.
    Per Mari­am ad Christum,

  4. Wie kommt Anto­nio Soc­ci — oder Mel­lo­ni — dar­auf, dass Kar­di­nal Marx „fak­tisch den Rück­tritt des Pap­stes gefor­dert hat“? Ich gebe zu, die Details nicht zu ken­nen, aber das scheint mir doch etwas zu weit hergeholt.
    Und wie­so soll der Weg von JPII und BXVI der rich­ti­ge sein, sind doch bei­de Fol­ger des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Konzils?
    Die jet­zi­ge Situa­ti­on der Kir­che ist die logi­sche Kon­se­quenz der Kon­zils­vor­ga­ben: die Ver­welt­li­chung war das Ziel und die Welt ist nicht nur in die Kir­che ein­ge­drun­gen, die Kir­che ist viel­mehr gera­de dabei, in ihr aufzugehen.

    Was die Kir­che Got­tes angeht wis­sen wir aller­dings, daß „die Pfor­ten der Höl­le sie nie über­win­den wer­den“. Wir kön­nen uns also auf ein Ein­grei­fen Got­tes gefasst machen. Ob das wie­der durch Hei­li­ge gesche­hen wird, die den Papst mah­nen oder lei­ten, ob treue Tei­le der Kir­che eine Erneue­rung bewir­ken wer­den, ob welt­li­che Kon­flik­te oder Natur­ka­ta­stro­phen uns wach­rüt­teln wer­den, oder ob Gott die Zeit abkür­zen wird, ver­mag nie­mand zu sagen. Gott hat sicher noch vie­le wei­te­re Optio­nen. Daß er „alle Tage bei uns sein wird bis ans Ende der Zei­ten“, hat er uns aber ver­spro­chen. Gott wird sei­ne Kir­che nicht im Stich las­sen und es wird span­nend wer­den, so oder so!
    Ver­trau­en wir also auf ihn und leben wir unser eige­nes Leben so, daß er uns wie­der­erkennt, wenn wir ihm einst gegenüberstehen.

  5. Den Opti­mis­mus, daß Fran­zis­kus (Ber­go­glio) den Faden auf­nimmt, den Papst Bene­dikt XVI gespon­nen hat (ein­schließ­lich sei­ner Zeit als Kar­di­nal Ratz­in­ger), tei­le ich nicht. Er selbst hat den Faden durch­trennt: https://www.katholisch.de/artikel/25090-ist-papst-franziskus-nicht-mehr-stellvertreter-christi . Und nun? Ber­go­glio hat nicht mehr die Kraft, sich mit irgend­ei­ner Strö­mung in der Kir­che anzu­le­gen, er läßt nur noch arbei­ten und hat hier­bei sei­ne treu­en Vasal­len, wie Kar­di­nal Marx. Es ist eine unge­schrie­be­ne Wahr­heit, daß Jor­ge Mario Ber­go­glio nicht bei vol­ler Gesund­heit ist und war, als er gewählt wur­de, schließ­lich ist ihm ein Lun­gen­flü­gel ent­fernt wor­den. So lang­sam habe ich die Befürch­tung, daß die­je­ni­gen, die Ber­go­glio gewählt haben, ihn nur des­halb gewählt haben, um den Pakt mit Bene­dikt XVI zu erfül­len. In Wahr­heit haben sie auf den Lucia­ni-Effekt gehofft, um dann einen Ultra-Pro­gres­si­sten, wie Tag­le oder Mara­dia­ga wäh­len zu kön­nen, die bekann­te Gesich­ter waren und sind, aber den­noch von einer Skru­pel­lo­sig­keit geprägt sind, wie sie in ihren Län­dern poli­tisch gewollt ist.
    Nun lebt aber Ber­go­glio schon mehr als acht Jah­re als Papst, oder doch nicht. Ist nicht doch die Zuwei­sung des Titels „Vica­ri­us Chri­sti“, der eigent­lich den Titel „Sum­mus Pon­ti­fex“ begrün­det, als histo­ri­scher Titel das Ein­ge­ständ­nis, daß das Papst­tum in der nach­va­ti­ka­ni­schen Kir­che geschei­tert ist, auf­grund des Auf­wei­chens dog­ma­ti­scher Sicher­heit und der feh­len­den Reform im Hin­bilck auf einen „papa haer­tei­cus“? Zwei Syn­oden sind geschei­tert, das Kir­chen­recht ist nur noch Manö­vrier­mas­se, die Dog­ma­tik uner­kenn­bar und die Zen­tri­fu­gal­kräf­te der nach­va­ti­ka­ni­schen natio­na­len Orts­kir­chen haben nur noch eine Rich­tung: „Weg von Rom!“ Die Zukunft der Kir­che liegt in den USA, dort ist eine kri­ti­sche, dog­ma­tisch siche­re und in wei­ten Tei­len ritu­ell tra­di­ti­ons­treue jun­ge Kir­che ent­stan­den, die Selbst­si­cher­heit aus­strahlt und aus ihren Feh­lern gelernt hat. Aber dar­über infor­miert man Fran­zis­kus (Ber­go­glio) nicht. Obwohl die­se wei­test­ge­hend „una cum“ sind, von OD bis USML, bei LC und FSSP. Daher beten wir für die­se Kir­chen, si sind ja Teil­kir­chen, wie es „Mysti­ci Cor­po­ris“ lehrt. Ist es Zufall, daß man in den USA des­halb „Ad Ori­en­tem“ betet, weil man von dort sich die Zukunft erwar­tet? Dar­in liegt die ein­zi­ge Chan­ce für Ber­go­glio, und die muß er nut­zen. Da beste Bei­spiel wäre die rück­halt­lo­se Unter­stüt­zung der US-Bischö­fe in der Aus­ein­an­der­setz­um mit dem Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, Joe Biden.
    Laßt uns anfangen.

  6. An den Kana­di­er, Sie Schrei­ben, dass JPII und BXVI „Fol­ger“ des Vati­ka­ni­schen Kon­zils waren und las­sen dabei offen, was Sie mit die­ser For­mu­lie­rung anspre­chen wol­len. Zeit­lich gese­hen stan­den die bei­den natür­lich in der Nach­fol­ge des 2. Vati­ka­n­unms. Sie haben auch dar­an teil gemom­men und als sol­ches auch Dis­kus­sio­nen mit­ge­prägt. Aber das besagt doch nicht, dass sie die Lügen des 2. Vati­ka­nums nicht ken­nen oder sogar in Ihrer Leh­re mit­tra­gen. Die­se Lügen sind kon­kret die Tex­te, wel­che nicht von der katho­li­schen Leh­re geprägt sind, son­dern aus der Feder von Frei­mau­rern stam­men. Unter dem das Kon­zil prä­gen­den Kar­di­nä­len sind vie­le nach der Pec­corel­li-Liste Frei­mau­rer gewe­sen. Aber eine spä­te­re offi­zi­ell gewünsch­te Dis­kus­si­on der „Kon­zils­lü­gen“ in den Pon­ti­fi­ka­ten von JP II und Bene­dikt XVI hät­te die Kir­che zumin­dest gespal­ten oder sogar zer­stört. Wer Nähe­res erken­nen will, der lese die gro­ßen Reden die­ser bei­den Päp­ste und zwar im unkor­ri­gier­ten Urtext.

    • Vie­len Dank lie­ber Dr.D.F.
      Als Bei­spiel dient die Enzy­kli­ka von JPII „Redemp­tor Homins“, in der er alle Irr­tü­mer des Kon­zils hoch­preist, aller­dings das Wort „Katho­li­sche Kir­che“ oder „Römisch Katho­lisch“ kom­plett aus­läßt. Dafür gibt es die Kir­che des Neu­en Advents, die Kir­che des Bewußt­seins und ande­re Irr­we­ge zuhauf.
      Denkt man bei JPII han­de­le es sich um einen „Aus­rut­scher“, nein er hat schon als Bischof und Kar­di­nal glü­hend die Reli­gi­ons­frei­heit, den Öku­me­nis­mus und die Kol­le­gia­li­tät (die 3 größ­ten Irr­leh­ren des Kon­zils), gepredigt.
      Bei Bene­dikt XVI. ist es lei­der so, das neben sei­nen lobens­wer­ten kon­ser­va­ti­ven Zügen, lei­der ein Moder­nist rein­sten Was­sers vor uns steht.
      Sei­ne Bücher strot­zen vor „Kon­zils­leh­ren“ (Wahr­heit und Zwei­fel kön­nen neben­ein­an­der ste­hen, bei der Hl. Mes­se pas­siert nichts etc.)
      Nach sei­ner Wahl zum Papst war eine sei­ner ersten Äuße­run­gen, das Kon­zil wei­ter zu ver­wirk­li­chen, das ist auch „gelun­gen“!
      Papst Fran­zis­kus hat nun ganz offen die durch die Mehr­heit des Kle­rus gewünsch­te kom­mu­ni­sti­sche Ver­wirk­li­chung das Kon­zils im Auge.
      La Salet­te läßt grüßen!

    • Sehr geehr­ter Dr.D. F., ich sehe JPII und BXVI nicht nur als zeit­li­che, son­dern vor allem als gei­sti­ge und inhalt­li­che Nach­fol­ger des Kon­zils. Jan hat das schon sehr gut zusam­men­ge­fasst: sie sind Teil einer Ent­wick­lung, die sich im 2. vati­ka­ni­schen Kon­zil zum ersten Mal mani­fe­stiert hat, die von bei­den fort­ge­führt wur­de und deren fast möch­te ich sagen logi­sche Kon­se­quenz Papst Fran­zis­kus ist. Hof­fen wir, daß dies der Abschluss die­ser Ent­wick­lung ist und es nicht noch schlim­mer kommt!

  7. @Kanadier 25.Juni.2021 13.10Uhr
    Es zeigt sich mehr denn je, daß Franziskus/Bergoglio dazu gewählt wor­den ist, um mit unbe­hol­fe­ner Theo­lo­gie das Papst­tum zu schwä­chen oder gar zu zer­stö­ren. Unter gewis­sen Umstän­den kann man sagen, daß Ber­go­glio in man­chen Berei­chen „non sui com­pos“ ist. Dog­ma­tik und Lit­ur­gie sind im Stu­di­um des jun­gen Theo­lo­gen Ber­go­glio immer die schwäch­sten Fächer gewe­sen, da er nur man­gel­haft Latein konn­te. Woll­te nicht das Kon­zil die Aus­bil­dung der Prie­ster inten­si­vie­ren, daß sie auch gegen­über den Theo­lo­gen eben­bür­ti­ge Gesprächs­part­ner sind. Exakt die­ses Anlie­gen haben die Theo­lo­gen aus der moder­ni­sti­schen jesui­ti­schen Linie, der Schu­le von Four­vie­re und St. Geor­gen stets hin­ter­trie­ben. In ande­ren jesui­ti­schen Pro­vin­zen sah es nicht anders aus. Durch moder­ni­sti­sche Exer­zi­ti­en, die man durch­aus als Gehirn­wä­schen bezeich­nen kann, sind etli­che Jesui­ten­prie­ster psy­chisch zer­stört wor­den, inklu­si­ve Ber­go­lio. Mei­ne Erfah­rung mit Pro­fes­so­ren aus dem Jesui­ten­or­den sagen alle, wie voll­kom­men ent­mensch­licht die­se Theo­lo­gen gewor­den sind. Nur die moder­ni­sti­sche Auf­fas­sung von der Leh­re zählt, sonst nichts. Und wer dar­über hin­aus in die Tra­di­ti­on ghen woll­te, hat zumin­dest im Fach Kir­chen­ge­schich­te kei­ne Chan­ce ghabt. Die Kir­chen­ge­schich­te ist im besten Sin­ne des „Mini­stry of Truth“ von Geor­ge Orwell stets umge­schrie­ben wor­den zula­sten der Wahr­heit und des Rech­tes der Kir­che. Stets war die Kir­che „Täte­rin“ gegen­über indi­ge­nen Völ­kern etc… War­um schrei­be ich das? Die­sel­be Aus­bil­dung genoß auch Ber­go­glio ver­stärkt durch das Gebot des Gehor­sams im Jesui­ten­or­den. Die Alter­na­ti­ven: Ent­we­der Sie neh­men unse­re Posi­ti­on ein oder sie wer­den nicht geweiht und eine aka­de­mi­sche Kar­rie­re ist auch nicht drin! Kann eine schwa­che Per­sön­lich­keit wie Ber­go­glio, der nie in einer wirk­li­chen Kon­flikt­si­tua­ti­on sich bewäh­ren muß­te, das aus­hal­ten? Ich den­ke nicht! Also hat der Jesui­ten­or­den uns einen psy­chisch irrepa­ra­bel geschä­dig­ten geist­li­chen beschert, der eben das tut, was er tut.
    Und jetzt zum Kon­zil. Exakt die­se Zwei­deu­tig­keit woll­te das Kon­zil! Zum einen Tex­te „über die es sich lohnt, zu medi­tie­ren und nach­zu­den­ken “ (M. Lefebrve — „Sie haben ihn ent­thront“ [sic!!!]), ins­be­son­de­re die wirk­lich pasto­ra­len Tex­te wie „Opt­atam Toti­us“ und „Pres­by­terorum Ordi­nis“ und auf der ande­ren Sei­te „Gau­di­um et Spes“, „Lumen Gen­ti­um“, „Dei Ver­bum“ und „Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um“ samt ihrer mate­ri­el­len Häre­si­en. Auch die­ses spie­gelt sich in der Per­sön­lich­keit von Ber­go­glio wider, extrem ver­stärkt durch sei­ne theo­lo­gi­sche Schwach­heit. Johan­nes Paul II und Bene­dikt XVI waren dage­gen schlau­er und hat­ten ihre theo­lo­gi­schen Haus­auf­ga­ben gemacht, ihre Pro­fes­su­ren in ihren jewei­li­gen Fächern erreicht und damit auch der aka­de­mi­schen Theo­lo­gie gedient, der eine in Kra­kau, der ande­re in Tübin­gen und Regens­burg. Nicht ein­mal annä­hernd Ver­gleich­ba­res hat Ber­go­glio auf­zu­wei­sen. Daher ist er abhän­gig von Bera­tern, und erst recht von den Wäh­lern, die ihn im Kon­kla­ve gewählt haben. Ber­go­glio hat das Papst­amt nur aus „Gehor­sam gegen­über dem Kon­kla­ve“ (M. Fied­ro­wicz) ange­nom­men, nicht aus Gehor­sam gegen­über Gott. Die­sen kennt ein Jesu­it moder­ner Prä­gung nicht. Und daher auch die Ableh­nung des „Ius Divinum“ mit allen Fol­gen. Und ohne die Gna­de Got­tes wird jeder Geist­li­che sehr sehr einsam.

  8. @jan in wel­chem Buch hat denn Bene­dikt geschrie­ben dass nichts pas­siert in der Hei­li­gen Messe?

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