100 Jahre Kommunistische Partei Chinas – 1921–2021

Chinas Katholiken sollen ihre Henker feiern

Chinas Kommunistische Partei feiert 2021 ihren 100. Geburtstag und will die verfolgten Christen zwingen, ihre Henker zu feiern.
Chinas Kommunistische Partei feiert 2021 ihren 100. Geburtstag und will die verfolgten Christen zwingen, ihre Henker zu feiern.

2021 jährt sich zum 100. Mal die Grün­dung zahl­rei­cher kom­mu­ni­sti­scher Par­tei­en. 1921 wur­den Vor­po­sten der bol­sche­wi­sti­schen Revo­lu­ti­on in Ita­li­en, Spa­ni­en, Bel­gi­en, Luxem­burg, Schwe­den und der Schweiz errich­tet, aber auch in Kana­da und vor allem in Chi­na. Am 23. Juli 1921 wur­de in Shang­hai die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas (KPCh) gegrün­det. Seit 1949 kon­trol­liert sie die von ihr aus­ge­ru­fe­ne Volks­re­pu­blik Chi­na tota­li­tär. Ihr der­zei­tig mäch­ti­ger Mann und Gene­ral­se­kre­tär (Vor­sit­zen­der) ist „Kai­ser“ Xi Jin­ping, der zugleich Staats­prä­si­dent und Vor­sit­zen­der des höch­sten mili­tä­ri­schen Füh­rungs­or­gans des Lan­des ist. Wegen der Coro­na-Maß­nah­men steht noch nicht genau fest, wie bom­ba­stisch Chi­nas kom­mu­ni­sti­sche Macht­ha­ber die Hun­dert­jahr­fei­ern gestal­ten wer­den. Mit einer Macht­de­mon­stra­ti­on ist zu rech­nen. Die bekom­men bereits Chi­nas Katho­li­ken zu spüren.

Aus Anlaß der kom­mu­ni­sti­schen Par­tei­grün­dung vor hun­dert Jah­ren erhiel­ten die Katho­li­ken genaue Anwei­sun­gen vom Regime: ein Pro­gramm, das dar­auf abzielt, die Kir­che in einen Laut­spre­cher der Par­tei­pro­pa­gan­da zu ver­wan­deln. Chi­nas Katho­li­ken sol­len gezwun­gen wer­den, die Kom­mu­ni­sten, ihre größ­ten Ver­fol­ger, zu feiern.

Die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas übt seit 72 Jah­ren die abso­lu­te Macht im bevöl­ke­rungs­reich­sten Land der Welt aus. Sie kon­trol­liert auch die Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung, die von ihr 1958 als regi­me­hö­ri­ge, schis­ma­ti­sche Abspal­tung von der katho­li­schen Kir­che ins Leben geru­fen wur­de. Die­se Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung, offi­zi­ell die aner­kann­te katho­li­sche Kir­che des Lan­des, gab ein „pasto­ra­les“ Pro­gramm aus, das in Wirk­lich­keit durch und durch poli­tisch ist. Sein Ziel ist es, die kom­mu­ni­sti­schen Macht­ha­ber zu fei­ern und die Unter­wer­fung der Kir­che unter die Par­tei zu festigen.

Das Regime ver­langt die Regi­strie­rung von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten. Dem ver­su­chen sich die kir­chen­treu­en Katho­li­ken Chi­nas seit Jahr­zehn­ten und unter gro­ßen Ent­beh­run­gen zu ent­zie­hen, denn Regi­strie­rung bedeu­tet Kon­trol­le und Über­wa­chung. Vor allem lie­fert sie dem Regime für den Fall einer neu­en Ver­fol­gung fer­ti­ge Proskrip­ti­ons­li­sten, mit denen die katho­li­sche Kir­che mit einem Schlag aus­ge­löscht wer­den könn­te. Und mit einer neu­er­li­chen Ver­fol­gung rech­nen sie immer. Chi­nas Katho­li­ken haben auf leid­vol­le Wei­se erfah­ren, wie bru­tal und grau­sam die Kom­mu­ni­sten die Kir­che verfolgen.

Am 28. Juni 2019, neun Mona­te nach der Unter­zeich­nung des umstrit­te­nen Geheim­ab­kom­mens zwi­schen den kom­mu­ni­sti­schen Macht­ha­bern und dem Hei­li­gen Stuhl, erließ der Vati­kan Schock-Richt­li­ni­en, mit denen er die rom­treu­en Unter­grund­bi­schö­fe auf­for­der­te, sich vom Regime regi­strie­ren zu lassen.

Gigan­ti­sche Mao-Dar­stel­lung. Bom­ba­stisch sol­len auch die Fei­ern zur Par­tei­grün­dung vor hun­dert Jah­ren werden.

Mit der Regi­strie­rung wer­den Bischö­fe, Prie­ster, Dia­ko­ne in Staats­be­am­te umge­wan­delt, mit allen damit ver­bun­de­nen Pflich­ten und Zwän­gen. Wer sich nicht an die von der Par­tei aus­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en hält, kann jeder­zeit aus sei­nem reli­giö­sen Amt ent­fernt werden.

Vor die­sem Hin­ter­grund sind die neu­en Richt­li­ni­en zu den 100-Jahr­fei­ern der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas zu sehen:

Hal­ten Sie sich an die Reli­gi­ons­po­li­tik Chi­nas, indem Sie die natio­na­le Ein­heit, die reli­giö­se Har­mo­nie und die sozia­le Sta­bi­li­tät wahren.“

In die­sem Zusam­men­hang wird erwar­tet, daß die Prie­ster im Juli 2021 voll­zäh­lig an den Par­tei­fe­sten teil­neh­men. Berich­ten von Asia­News zufol­ge wer­den die regi­me­hö­ri­gen Katho­li­ken Chi­nas ein Sym­po­si­um „zum 100. Jah­res­tag der Grün­dung der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas“ abhal­ten und „die bewe­gen­den Ereig­nis­se in der Zeit des Lan­gen Mar­sches“, des Grün­dungs­my­thos der Par­tei, ver­tie­fen.  Als Lan­ger Marsch wird der Rück­zug der von Mao ange­führ­ten Roten Armee in den Jah­ren 1934/1935 genannt, mit dem sie sich dem Zugriff der über­le­ge­nen natio­nal­chi­ne­si­schen Trup­pen der Kuomintang ent­zie­hen konnte.

Die Richt­li­ni­en zum Par­tei­ju­bi­lä­um wur­den von der regi­me­hö­ri­gen katho­li­schen Zeit­schrift Die Kir­che in Chi­na vor­weg­ge­nom­men, die auch vie­le wei­te­re Initia­ti­ven erwähnt, dar­un­ter „Schu­lun­gen in Zusam­men­ar­beit mit dem Zen­tral­in­sti­tut für Sozia­lis­mus“; Vor­be­rei­tungs­kur­se für die Son­der­sit­zung der Poli­ti­schen Kon­sul­ta­tiv­kon­fe­renz des chi­ne­si­schen Vol­kes, eines bera­ten­den Organs des Natio­na­len Volks­kon­gres­ses (Par­la­ment), Aktio­nen zum „Auf­bau der Patrio­ti­schen Vereinigung“.

Alle Initia­ti­ven haben ein Ziel: die Kir­che der Par­tei zu unter­wer­fen und die­se Unter­wer­fung zu festi­gen. Das ent­spricht der Linie, die vom Regime seit der Unter­zeich­nung des Geheim­ab­kom­mens mit dem Vati­kan ver­folgt wird und vor der kri­ti­sche Stim­men wie jene der grau­en Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, Joseph Kar­di­nal Zen, eme­ri­tier­ter Bischof von Hong­kong, wie­der­holt gewarnt hat­ten. Kar­di­nal Zen warn­te Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin, daß es dem kom­mu­ni­sti­schen Regime bei der Unter­zeich­nung des Abkom­mens allein dar­um gehe, sei­ne Herr­schaft zu festi­gen und auch jene Tei­le der Kir­che unter sei­ne Kon­trol­le zu brin­gen, die sich die­ser bis­her unter gro­ßen Opfern ent­zo­gen hatten.

Theo­re­tisch wur­de Papst Fran­zis­kus mit der Unter­zeich­nung des Geheim­ab­kom­mens vom Regime zwar als Kir­chen­ober­haupt aner­kannt, doch in der Pra­xis brach­te das für die chi­ne­si­schen Gläu­bi­gen kei­ne Ver­bes­se­run­gen. Ihnen wird wei­ter­hin nur die Par­tei vor­ge­setzt, und die „hat immer recht“. In den Richt­li­ni­en kommt dies in der Auf­for­de­rung zum Aus­druck, „den Grund­satz der Unab­hän­gig­keit und Selbst­ver­wal­tung der Reli­gi­on“ ein­zu­hal­ten. „Unab­hän­gig­keit und Selbst­ver­wal­tung“ mei­ne eine von Rom unab­hän­gi­ge, „sini­sier­te“ Kir­che unter der Kon­trol­le der Partei.

Die Religionsfeindlichkeit der chinesischen Kommunisten

Die Par­tei­fei­er­lich­kei­ten sol­len die Unter­wer­fung auf eine gro­tes­ke Spit­ze trei­ben. Die Katho­li­ken, an erster Stel­le Bischö­fe und Prie­ster, wer­den gezwun­gen, ihre schlimm­sten Ver­fol­ger zu fei­ern. Chi­nas Kom­mu­ni­sten waren wie die sowje­ti­schen Kom­mu­ni­sten von Anfang an radi­kal und bru­tal athe­istisch. Aus den ersten Jah­ren der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas kommt eine uner­bitt­li­che Feind­schaft gegen die Reli­gi­on in ihren Publi­ka­tio­nen zum Aus­druck. Was das kon­kret bedeu­te­te, wur­de 1927 deut­lich, als die Kom­mu­ni­sten erst­mals in einem Gebiet, in Nan­chang, die Macht über­nah­men. Dort wur­den tao­isti­sche Tem­pel und Mön­che zu ihren Opfern, die sich der Ver­fol­gung nur ent­zie­hen konn­ten – hier wur­de bereits ein bis heu­te prak­ti­zier­tes Muster deut­lich –, wenn sie sich der Par­tei unterwarfen.

Mao Tse-tung und der kom­mu­ni­sti­sche Personenkult

Syste­ma­ti­scher wur­de die Reli­gi­ons­po­li­tik in den ersten kom­mu­ni­sti­schen Staa­ten umge­setzt, die von 1931 bis 1934 in Fuji­an und Jian­gxi errich­tet wur­den. Am kon­se­quen­te­sten wur­de die rote Par­tei­herr­schaft nach dem Lan­gen Marsch erst­mals in Shaanxi (1935–1945) ver­wirk­licht: Kol­lek­ti­vie­rung des Bodens durch Ver­fol­gung und Besei­ti­gung „rei­cher Bau­ern“, Unter­drückung aller For­men von per­sön­li­cher Frei­heit, Schaf­fung eines mar­xi­sti­schen Kul­tes, der ab der Grund­schu­le ver­pflich­tend war, und Zwangs­er­fas­sung der Gesell­schaft in Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen schon im Kin­des­al­ter. Im Lau­fe der Zeit ver­schmolz der Mar­xis­mus mit einem Per­so­nen­kult, den Mao Tse-tung um sei­ne Per­son för­der­te und der heu­te Xi Jin­ping gilt. Mas­sen­hin­rich­tun­gen nach öffent­li­chen Schau­pro­zes­sen, die „Volks­pro­zes­se“ genannt wur­den, und die syste­ma­ti­sche Anwen­dung von Fol­ter, um Geständ­nis­se zu erlan­gen, aus denen her­aus­ge­le­sen wur­de, was das Regime hören woll­te, stan­den bereits in den bei­den gro­ßen Säu­be­run­gen von 1930/31 und 1942/43 an der Tagesordnung.

In die­ser Früh­pha­se des Kom­mu­nis­mus in Chi­na ist die Ver­fol­gung der katho­li­schen Kir­che und der pro­te­stan­ti­schen Chri­sten nur ein Rand­ka­pi­tel, weil die Kom­mu­ni­sten kei­ne Gebie­te mit hohem Chri­sten­an­teil kon­trol­lier­ten und weil die vor­ran­gi­gen Fein­de ande­re waren: „rei­che“ Bau­ern, ech­te oder ver­meint­li­che natio­nal­chi­ne­si­sche „Spio­ne“ und kom­mu­ni­sti­sche Abweich­ler, die Mao Tse-tung nicht bedin­gungs­los folg­ten, sowie ab Beginn des Zwei­ten Japa­nisch-Chi­ne­si­schen Kriegs 1937 ech­te oder ver­meint­li­che Kol­la­bo­ra­teu­re der Japa­ner. Die feind­se­li­ge Pro­pa­gan­da gegen die Reli­gi­on war jedoch stän­dig prä­sent, die zudem vor dem von Euro­pa ver­schie­de­nen Reli­gi­ons­ver­ständ­nis zu sehen ist, das in Chi­na histo­risch prä­gend ist.

Die erste Verfolgungswelle

Die erste gro­ße Chri­sten­ver­fol­gung, ins­be­son­de­re der Katho­li­ken, fand in den 1950er Jah­ren kurz nach Maos Macht­über­nah­me statt. Das erste Opfer war kein Prie­ster oder Mis­sio­nar, son­dern der ita­lie­ni­sche Mili­tär­be­ra­ter Anto­nio Riva, der 1950 zusam­men mit dem Japa­ner Ryui­chi Yama­gu­chi wegen angeb­li­cher Ver­schwö­rung zur Ermor­dung Maos und Ver­rats der chi­ne­si­schen Inva­si­ons­plä­ne in Tibet an die USA ver­haf­tet wur­de. Riva, 1896 als Sohn ita­lie­ni­scher Eltern in Shang­hai gebo­ren, war im Ersten Welt­krieg ein hoch­de­ko­rier­tes Flie­ger­aß der ita­lie­ni­schen Luft­waf­fe. Im sel­ben Jahr, als in Chi­na die kom­mu­ni­sti­sche Par­tei­grün­dung erfolg­te, wur­de von Beni­to Mus­so­li­ni in Ita­li­en die Natio­na­le Faschi­sti­sche Par­tei (PNF) gegrün­det, der er noch im sel­ben Jahr bei­trat und deren Aus­lands­sek­ti­on er in Chi­na grün­de­te. Riva, der nach dem Krieg nach Chi­na zurück­ge­kehrt war, bau­te dort sein eige­nes Unter­neh­men im Bereich der zivi­len und mili­tä­ri­schen Luft­fahrt auf. Ab 1934 war er mit Bil­li­gung der ita­lie­ni­schen Regie­rung als Aus­bild­ner der natio­nal­chi­ne­si­schen Luft­waf­fe tätig. Auch nach dem Sieg der Kom­mu­ni­sten blieb er, der mit einer Ame­ri­ka­ne­rin ver­hei­ra­tet war, im Land. Zum ersten Jah­res­tag der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me wur­de er 1950 unter einem fal­schen Spio­na­ge­vor­wurf ver­haf­tet. Der Schau­pro­zeß gegen ihn soll­te nicht nur von Rück­schlä­gen im Korea­krieg ablen­ken, son­dern vor allem dazu die­nen, die öffent­li­che Mei­nung Chi­nas gegen den Vati­kan anzuheizen.

Die Histo­ri­ker Jung Chang und Jon Halli­day schrei­ben in ihrer 2005 ver­öf­fent­lich­ten, vom kom­mu­ni­sti­schen Regime nicht auto­ri­sier­ten Mao-Biographie:

Demü­ti­gung aus­län­di­scher Ordensfrauen

„Mao war sehr inter­es­siert am Vati­kan, ins­be­son­de­re an des­sen Fähig­keit, Anhäng­lich­keit und Hin­ga­be über natio­na­le Gren­zen hin­weg zu wecken. Ita­lie­ni­sche Besu­cher wur­den häu­fig mit Fra­gen zur Auto­ri­tät des Pap­stes gelö­chert. Die Beharr­lich­keit der Katho­li­ken alar­mier­te das Regime, das die fal­sche Behaup­tung eines Atten­tats [des­sen Riva beschul­digt wur­de] benutz­te, um die Über­nah­me katho­li­scher Insti­tu­tio­nen, ein­schließ­lich der Schu­len, Kran­ken­häu­ser und Wai­sen­häu­ser, zu beschleu­ni­gen. Eine durch­sich­ti­ge Ver­leum­dungs­kam­pa­gne beschul­dig­te die Ordens­frau­en und Prie­ster einer Rei­he abscheu­li­cher Taten, von Mord über Kan­ni­ba­lis­mus bis zu medi­zi­ni­schen Expe­ri­men­ten an Neugeborenen.“

Anto­nio Riva wur­de am 17. August 1951 in Peking nahe dem Him­mel­stem­pel öffent­lich hin­ge­rich­tet. Sein Fall war der Auf­takt zu einer lang­jäh­ri­gen, grau­sa­men Chri­sten­ver­fol­gung. Zur Recht­fer­ti­gung sprach das Regime von einer Kam­pa­gne gegen „staats­feind­li­che Konterrevolutionäre“. 

In einem ersten Schritt wur­den die aus­län­di­schen Bischö­fe, Prie­ster und Ordens­leu­te des Lan­des ver­wie­sen. Ihre Zahl wur­de von 5.500 im Jahr 1950 auf höch­stens zehn im Jahr 1955 dezi­miert. Zur Vor­beu­gung hat­ten die aus­län­di­schen Bischö­fe, die damals in dem Mis­si­ons­land noch die Mehr­heit des Epi­sko­pats stell­ten, im Ein­ver­neh­men mit Papst Pius XII. ein­hei­mi­sche Prie­ster zu Bischö­fen geweiht in der Hoff­nung, daß zumin­dest die­se unter den neu­en Macht­ha­bern wei­ter­wir­ken könnten. 

Zer­stör­te Kir­che von Lin­fen in Shaanxi 2019

Doch kaum hat­ten sich die Kom­mu­ni­sten der lästi­gen aus­län­di­schen Zeu­gen ent­le­digt, begann in einem zwei­ten Schritt die blu­ti­ge Ver­fol­gung der chi­ne­si­schen Katho­li­ken, von denen vie­le hin­ge­rich­tet und hun­dert­tau­sen­de in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ein­ge­sperrt wur­den. Inner­halb weni­ger Jah­re war die katho­li­sche Kir­che in Chi­na aus­ge­löscht wor­den, zumin­dest offi­zi­ell. Im Unter­grund über­leb­te sie und gelang es ihr durch die Wei­he von Geheim­bi­schö­fen, wenn auch unter pre­kä­ren Bedin­gun­gen, ihren Fort­be­stand zu sichern. Zum Zeit­punkt der kom­mu­ni­sti­schen Macht­über­nah­me gab es unter den 550 Mil­lio­nen Ein­woh­nern gut drei Mil­lio­nen chi­ne­si­sche Katho­li­ken. Allein im Jahr 1955, als die Aus­wei­sung der aus­län­di­schen Mis­sio­na­re abge­schlos­sen wur­de, wur­den 20.000 von ihnen ver­haf­tet. In den fol­gen­den Jah­ren über­stieg die Zahl der Ver­haf­tun­gen und Depor­ta­tio­nen jähr­lich die 100.000. Am Höhe­punkt die­ser ersten staat­li­chen Ver­fol­gungs­wel­le war nach Schät­zun­gen eine Mil­li­on chi­ne­si­scher Katho­li­ken gleich­zei­tig in kom­mu­ni­sti­schen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern interniert.

Um für das Aus­land den Schein zu wah­ren und im Inland den Rest der dezi­mier­ten Katho­li­ken unter Kon­trol­le zu brin­gen, wur­de par­al­lel 1957 (offi­zi­ell 1958) die Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung als schis­ma­ti­sche, regi­me­hö­ri­ge katho­li­sche Kir­che gegrün­det. Zur Lage der Kir­che in Chi­na sie­he die emble­ma­ti­sche Bio­gra­phie von Kar­di­nal Kung.

Kulturrevolution – die zweite Verfolgungswelle

Von 1966 bis 1976, in den Jah­ren der soge­nann­ten Kul­tur­re­vo­lu­ti­on, wur­den die Katho­li­ken erneut zur Ziel­schei­be von Angrif­fen des kom­mu­ni­sti­schen Regimes. Nun waren nicht ein­mal mehr die „offi­zi­el­len“ Katho­li­ken der Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung vor dem Wüten der Roten Gar­de sicher. Über das tur­bu­len­te­ste und viel­leicht blu­tig­ste Jahr­zehnt des kom­mu­ni­sti­schen Chi­na ist bis heu­te nur wenig bekannt. Was bekannt ist, läßt erschau­dern. Es sind Epi­so­den der rohen Gewalt und des Mar­ty­ri­ums, von zer­stör­ten und geplün­der­ten Kir­chen und von aus Haß auf den Glau­ben getö­te­ten Prie­stern und Ordens­frau­en. Die erklär­te Absicht der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on war die Aus­rot­tung der Reli­gi­on und die Durch­set­zung des mao­isti­schen Kul­tes, der inzwi­schen zu einer wah­ren Reli­gi­on aus­ge­baut wor­den war. Die Gefäng­nis­se und Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger waren in die­ser Zeit der letz­te Ort, wo noch ein katho­li­scher Kle­rus exi­stier­te und wir­ken und mis­sio­nie­ren konnte.

Anti­christ­li­che Zer­stö­rungs­wut: Abriß einer Kir­che von Wenz­hou in der Pro­vinz Zhe­jiang 2014

Zumin­dest die Kul­tur­re­vo­lu­ti­on wird von der gegen­wär­ti­gen Füh­rung der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei als dunk­les Kapi­tel der eige­nen Geschich­te aner­kannt, wenn auch instru­men­ta­li­siert the­ma­ti­siert, denn eini­ge Ele­men­te sind unter Staats- und Par­tei­chef Xi Jin­ping wie­der leben­dig: die Umwand­lung der Kir­che in einen Laut­spre­cher der Par­tei­pro­pa­gan­da, die syste­ma­ti­sche Umer­zie­hung zum Sozia­lis­mus, die Zer­stö­rung von Kir­chen, die Ent­fer­nung von Kreu­zen und christ­li­chen Sym­bo­len, die Ver­stüm­me­lung reli­giö­ser Gebäu­de oder ihre Umwand­lung in Par­tei­zen­tren. Das sind die Merk­ma­le, die heu­te mit der „Sini­sie­rung“ der Kir­che gerecht­fer­tigt wer­den, mit dem von der Par­tei aus­ge­ge­be­nen Ziel, ein „Chri­sten­tum mit chi­ne­si­schen Merk­ma­len“ zu schaf­fen. Wenn die Chri­sten selbst in ihren eige­nen Häu­sern gezwun­gen wer­den, reli­giö­se Sym­bo­le und Bil­der von Jesus zu ent­fer­nen und durch die Por­träts von Mao Tse-tung und Xi Jin­ping zu erset­zen, dann ist das nichts ande­res als die Fort­set­zung der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on, wenn auch mit ande­ren Methoden.

Chi­nas Unter­grund­ka­tho­li­ken sind auf sich allein gestellt, aus dem Vati­kan erhal­ten sie der­zeit wenig Unter­stüt­zung. Dort beschränkt man sich im Rah­men einer neu­en Ost­po­li­tik auf den Auf­bau von diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen und fällt dabei den eige­nen Gläu­bi­gen in den Rücken, wie die Richt­li­ni­en vom 28. Juni 2019 verdeutlichten.

Über Chi­nas Kom­mu­ni­sten herrscht im Westen ein ver­klär­tes Bild. Das hat mit der grund­sätz­li­chen Bereit­schaft lin­ker Poli­ti­ker, Jour­na­li­sten und Kul­tur­schaf­fen­der zu tun, sozia­li­sti­sche Regime durch die rosa­ro­te Bril­le zu sehen und vor Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen bei­de Augen zu ver­schlie­ßen. Es hat aber auch damit zu tun, daß Chi­nas Kom­mu­ni­sten heu­te mit Anzug und Kra­wat­te auf­tre­ten und mit ihnen gute Geschäf­te gemacht wer­den können.

Chi­nas Katho­li­ken aber ken­nen ihre Ver­fol­ger. Sie wis­sen, wer ihre Pei­ni­ger sind. Und sie erin­nern sich an ihre Märtyrer.

Des­halb will sie das kom­mu­ni­sti­sche Regime zwin­gen, zum hun­dert­sten Grün­dungs­ju­bi­lä­um der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei ihre Hen­ker zu feiern.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/MiL/AsiaNews/Youtube (Screen­shot)

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2 Kommentare

  1. 100 Jah­re Ver­fol­gung der Hl. Apo­sto­li­sche Römi­sche Katho­li­sche Kir­che in China!
    Ora­tio gegen Ver­fol­ger und Übertäter:
    Wir bit­ten Dich, o Herr: zer­mal­me den Hoch­mut unse­rer Fein­de und wirf nie­der ihren Trotz mit Dei­ner mäch­ti­gen Hand.
    Durch unsern Herrn Jesus Chri­stus, Dei­nen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Ein­heit des Hei­li­gen Gei­stes, Gott von Ewig­keit zu Ewigkeit.
    Amen.

  2. 1989 ist die Mau­er gefal­len. Der Alp­traum schien zu Ende. In Wirk­lich­keit kommt der Sozia­lis­mus über­all wie­der. Dass er sich aus­ge­rech­net mit Leu­te wie Bill Gates und Geor­ge Soros ver­bün­det hat, ist ein schlech­ter Witz der Geschich­te. Die Sozia­li­sten brau­chen aber nicht mei­nen, dass Gates, Soros & Co. die zwei­te Gei­ge spie­len. Die neu­en Sozia­li­sten­füh­rer wis­sen das oder wol­len es nicht wis­sen, bei­des geht für sie gut. Wenn die Mas­sen es mer­ken, wird es zu spät sein. Die Instru­ment, die heu­te zur Über­wa­chung, Len­kung und Kon­trol­le zur Ver­fü­gung ste­hen, sind enorm im Ver­gleich zu jenen, die Sta­li­ni­sten oder Hit­le­ri­sten zur Ver­fü­gung hat­ten. Gna­de uns also Gott, soll­ten wir ein­mal unter die Knu­te eines heu­ti­gen tota­li­tä­ren Regimes gera­ten. Man­che sagen, wird schon in der DDR light. Da könn­te der Weg zur DDR 2.0 nicht mehr weit sein. Es erstaunt, mit wel­cher Sorg­lo­sig­keit gera­de die jun­ge Genera­ti­on die­se Ent­wick­lung zu akzep­tie­ren scheint.

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