Geheimabkommen mit China gewährt Kommunisten noch mehr Einfluß

Die verhinderte Seligsprechung von Kardinal Kung

Kardinal Kung war 33 Jahre in kommunistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen eingesperrt. Im Bild begrüßt ihn Papst Johannes Paul II.
Kardinal Kung war 33 Jahre in kommunistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen eingesperrt. Im Bild begrüßt ihn Papst Johannes Paul II.

(Rom/Peking) Mit dem Geheim­ab­kom­men zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Regie­rung der Volks­re­pu­blik Chi­na, fak­tisch aber der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas (KPCh), von Sep­tem­ber 2018 gab Papst Fran­zis­kus das Nomi­nie­rungs­recht für Bischö­fe aus der Hand. Die chi­ne­si­schen Bischö­fe darf seit­her die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei vor­schla­gen. Das Geheim­ab­kom­men beschränkt sich aber offen­bar nicht auf Bischofs­er­nen­nun­gen, wie ein jüng­stes Ereig­nis zeigt.

Von UCAN wur­de ent­spre­chen­der Alarm geschla­gen. Die Uni­on of Catho­lic Asi­an News (UCAN), 1979 mit Sitz in Hong Kong gegrün­det, ist die wich­tig­ste katho­li­sche Tages­zei­tung Asi­ens, mit der eine eige­ne Pres­se­agen­tur ver­bun­den ist. UCAN berich­te­te, daß der Hei­li­ge Stuhl auf „Wunsch“ des kom­mu­ni­sti­schen Regimes in Peking auf die Selig­spre­chung von Kar­di­nal Igna­ti­us Kung Pin-Mei ver­zich­tet habe.

Am 12. März jähr­te sich der 20. Todes­tag des chi­ne­si­schen Kar­di­nals, doch der Vati­kan ging schwei­gend über das Ereig­nis hinweg.

Igna­ti­us Kung Pin-Mei gehört zu den gro­ßen Gestal­ten der ver­folg­ten Kir­che in Chi­na. Er wur­de am 2. August 1901 in Pudong bei Shang­hai gebo­ren. 1930 wur­de er für das Bis­tum Shang­hai zum Prie­ster geweiht, wo er in der Pfarr­seel­sor­ge wirk­te. Als sich der bewaff­ne­te Sieg der Kom­mu­ni­sten abzeich­ne­te, bemüh­te sich Papst Pius XII. durch Auf­stockung des Epi­sko­pats und die Ernen­nung jün­ge­rer und vor allem ein­hei­mi­scher Bischö­fe die Kir­che in Chi­na auf schwe­re Zei­ten vor­zu­be­rei­ten. So ernann­te er im Juni 1949 den damals 47 Jah­re alten Kung zum Bischof des neu­errich­te­ten Bis­tums Suzhou, einem Suf­fra­gan des Metro­po­li­tan­bis­tums Nan­king. Bereits ein Jahr spä­ter beför­der­te er ihn zum Bischof von Shang­hai, da der für dort ernann­te Prie­ster ange­sichts der Ver­hält­nis­se die Nomi­nie­rung abge­lehnt hatte.

1955 wur­de Bischof Kung von den Kom­mu­ni­sten ver­haf­tet. Die näch­sten Jahr­zehn­te ver­brach­te er in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern und Gefäng­nis­sen. Erst 1986 wur­de er im hohen Alter von 85 Jah­ren in den Haus­ar­rest über­stellt. Nach wei­te­ren zwei Jah­ren erfolg­te 1988 sei­ne Frei­las­sung unter der Bedin­gung, die Volks­re­pu­blik Chi­na zu verlassen. 

1979 war der inhaf­tier­te Bischof, ohne davon zu wis­sen, von Papst Johan­nes Paul II., der als Pole über die kom­mu­ni­sti­sche Dik­ta­tur Bescheid wuß­te, zum Kar­di­nal in pec­to­re ernannt wor­den. So wird eine Kar­di­nal­s­er­he­bung genannt, die aus wid­ri­gen Umstän­den zwar erfolgt, aber noch nicht öffent­lich bekannt­ge­ge­ben wird. Erst am 28. Juni 1991 wur­de offi­zi­ell die Kar­di­nal­s­kre­ierung ver­laut­bart. Der Kar­di­nal war inzwi­schen in die USA über­sie­delt. Offi­zi­ell blieb er bis zu sei­nem Tod am 12. März 2000 Bischof von Shang­hai, weil eine Neu­be­set­zung nicht mög­lich gewe­sen wäre und weder Rom noch der Kar­di­nal dem Regime die Gele­gen­heit bie­ten woll­ten, einen regi­me­hö­ri­gen Bischof einzusetzen.

Der Kar­di­nal ist für die Katho­li­ken in der Volks­re­pu­blik eine Sym­bol­ge­stalt für die heroi­sche Treue zu Chri­stus und Sei­ner Kir­che. Der Selig­spre­chungs­pro­zeß für ihn soll­te vom Bis­tum Shang­hai ein­ge­lei­tet wer­den. Da die Diö­ze­se inzwi­schen von der regi­me­hö­ri­gen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung kon­trol­liert wird, kann aus­ge­schlos­sen wer­den, daß das Bis­tum Schrit­te in die­se Rich­tung unter­neh­men wird. Für einen Bischof, den die Macht­ha­ber 33 Jah­re weg­ge­sperrt haben, wird sich kein „patrio­ti­scher“ Bischof ein­set­zen. Der Name von Kar­di­nal Kung ist in der Volks­re­pu­blik Chi­na nach wie vor ein Tabu.

Die Car­di­nal Kung Foun­da­ti­on, die sich dem Andenken und dem Ver­mächt­nis des Kar­di­nals wid­met, beklag­te die Ver­schlech­te­rung der Gesamt­la­ge für Chi­nas Katho­li­ken seit der Unter­zeich­nung des Geheim­ab­kom­mens vor andert­halb Jahren. 

Die Stif­tung beklag­te auch, daß im Rah­men der Ver­hand­lun­gen zum Geheim­ab­kom­men und seit des­sen Unter­zeich­nung vom Hei­li­gen Stuhl kei­ne Ver­su­che unter­nom­men wur­den, Bischof Su Zhi­min, den Bischof von Bao­ding, frei­zu­be­kom­men, der seit 1997 wegen sei­ner Treue zu Papst und Kir­che inhaf­tiert ist und über des­sen Auf­ent­halt und Zustand nichts bekannt ist. 

Es sei „beun­ru­hi­gend“, so die Stif­tung, daß der Vati­kan acht vom Regime ein­ge­setz­te und exkom­mu­ni­zier­te Bischö­fe aner­kann­te (sie­ben leben­de Bischö­fe und ein ver­stor­be­ner post­hum), ohne zumin­dest die Frei­heit für einen rom­treu­en Bischof zu verlangen.

In Lon­don for­der­ten unter­des­sen katho­li­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vi­sten in einem offe­nen Brief an das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at das Geheim­ab­kom­men unver­züg­lich aus­zu­set­zen, da neue Doku­men­te bele­gen, daß das kom­mu­ni­sti­sche Regime wei­ter­hin Gefan­ge­nen zwangs­wei­se Orga­ne für Organ­trans­plan­ta­tio­nen ent­nimmt. Grund­la­ge des Brie­fes ist ein Bericht von Sir Geoff­rey Nice, einem ehe­ma­li­gen Rich­ter des Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­ho­fes in Den Haag, der den Organ­han­del und die unter Zwang erfolg­te Organ­ent­nah­me an poli­ti­schen Gefan­ge­nen unter­such­te. Laut Nice wer­den in der Volks­re­pu­blik Chi­na „rou­ti­ne­mä­ßig“ Gefan­ge­ne zum Zweck der Organ­ent­nah­me getö­tet oder zu die­sem Zweck will­kür­lich ihr „Hirn­tod“ erklärt.

Der Bericht steht in dia­me­tra­lem Gegen­satz zur Behaup­tung von Kuri­en­bi­schof Mar­ce­lo San­chez Soron­do, dem poli­ti­schen Arm von Papst Fran­zis­kus, der behaup­te­te, die Volks­re­pu­blik Chi­na „ist das Land, das die kirch­li­che Sozi­al­leh­re am besten anwen­det“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Car­di­nal Kung Foun­da­ti­on (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. Nur mal so.
    Kar­di­nal Zen gei­ßelt die Tat von Fran­zis­kus als abscheu­li­chen Ver­rat an den chi­ne­si­schen Katholiken.
    Die­se sind jetzt Frei­wild und wer­den seit­dem auch so behandelt.
    Das Coro­na Virus kommt aus Chi­na und wütet dort und ist in Euro­pa angekommen.
    Ita­li­en ist am schlimm­sten betroffen.
    Da muss man kein Pro­phet sein.
    Ein Papst kann von Men­schen nicht gerich­tet wer­den, aber er wird von Gott umso mehr gerich­tet werden.

  2. Es ist so trau­rig, daß der Vatikan
    so ver­blen­det war und noch ist.

    Den­ken sie eigent­lich an die
    lei­den­ten Menschen?

    Die Chri­sten und ande­ren Völker
    wer­den ver­folgt und umerzogen
    und verschwinden.….

    Orga­ne ein­fach entnommen.….

    Sorgt sich der Vati­kan eigentlich
    um die ver­schwun­de­nen Bischö­fe und
    Prie­ster und Christen?

    Ich habe das Gefühl, daß es nur um
    das Wirt­schaf­li­che geht, um den
    Für­sten die­ser Welt!

    Die jetz­ti­ge Zeit, ist auch
    ein Zei­chen der Untreue!

  3. Chri­sten­ver­fol­gung ist schlimm. Noch viel schlim­mer aber ist es, wenn der Nach­fol­ger von Petrus auf einem Auge offen­sicht­lich ideo­lo­gisch blind ist und für den Glau­ben töd­li­che Kom­pro­mis­se ein­geht wäh­rend er einem Beken­ner und Insi­der wie Kar­di­nal Zen kein Gehör schenkt. Für mich wird immer mehr ersicht­lich, daß die Namens­wahl und das kon­kre­te Tun des Pap­stes zwei ganz ver­schie­de­ne Schu­he sind.

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