Peking autorisiert erstmals Teilnahme an einer Bischofssynode

China Jugendsynode Papst Franziskus
Papst Franziskus verteidigt das Abkommen mit der Volksrepublik China als Erfolg und blick optimistisch in die Zukunft. Nicht alle in der Kirche sehen das so.

(Rom) Erst­mals dür­fen Bischö­fe aus der Volks­re­pu­blik Chi­na in Rom an einer Bischofs­syn­ode teil­neh­men. Im Vati­kan sieht man dar­in den ersten Erfolg des soeben unter­zeich­ne­ten Abkom­mens. Der „Erfolg“ zeigt zugleich auch die Gren­zen des Abkom­mens auf. Vor ihnen hat­te vor allem Kar­di­nal Joseph Zen gewarnt.

Seit Papst Paul VI. 1965 im Gefol­ge des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils die Bischofs­syn­ode instal­lier­te, nahm kein Bischof aus dem kom­mu­ni­sti­schen „Reich der Mit­te“ dar­an teil. Den rom­treu­en Unter­grund­bi­schö­fen war es nicht mög­lich und die regi­me­hö­ri­gen, schis­ma­ti­schen Bischö­fe woll­ten mit Rom nichts zu tun haben. Mit ande­ren Wor­ten: Das kom­mu­ni­sti­sche Regime ver­hin­der­te jede Teil­nah­me.

Das am ver­gan­ge­nen Sams­tag unter­zeich­ne­te Abkom­men zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Volks­re­pu­blik Chi­na zei­tigt erste sicht­ba­re Fol­gen. Zwei chi­ne­si­sche Bischö­fe wer­den an der Jugend­syn­ode teil­neh­men. Sie wird in einer Woche im Vati­kan eröff­net. In Rom spricht man von einem wei­te­ren Signal, daß für die Kir­che in Chi­na der „Weg der Nor­ma­li­sie­rung“ begon­nen habe. So berich­te­te es das das Papst Fran­zis­kus nahe­ste­hen­de Nach­rich­ten­por­tal Vati­can Insi­der.

Die ersten Synodalen

Bei den bei­den Bischö­fen han­delt es sich um Msgr. John Bap­tist Yang Xiao­ting und Msgr. Joseph Guo Jin­cai. Bekannt­ge­ge­ben wur­den die Namen von Wang Zuoan, dem Lei­ter der Staats­be­hör­de für reli­giö­se Ange­le­gen­hei­ten (SARA).

John Bap­tist Yang Xiao­ting wur­de 1991 zum Prie­ster geweiht. In den 90er Jah­ren stu­dier­te und pro­mo­vier­te er an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Urba­nia­na in Rom. 2006 ernann­te ihn Papst Bene­dikt XVI. zum Bischof-Koad­ju­tor von Yan­an. 2010 erfolg­te die Bischofs­wei­he auch mit staat­li­cher Zustim­mung. Sei­ne Bischofs­wei­he ist Aus­druck eines kur­zen Zeit­fen­sters, in dem es schien, als könn­te bei den Bischofs­er­nen­nun­gen eine Ent­span­nung ein­tre­ten.

Ganz anders zeigt sich das Bild bei Joseph Guo Jin­cai. Er gehört zu den schis­ma­ti­schen Bischö­fen, deren Exkom­mu­ni­ka­ti­on von Papst Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen Sams­tag auf­ge­ho­ben wur­de. 2010 wur­de er ohne päpst­li­che Zustim­mung vom kom­mu­ni­sti­schen Regime als Bischof von Cheng­de instal­liert, einem Bis­tum, das von Peking eigen­mäch­tig errich­tet wur­de. An sei­ner Bischofs­wei­he nah­men nicht nur schis­ma­ti­sche, son­dern auch recht­mä­ßi­ge Bischö­fe teil, teils unter Zwang. Der Hei­li­ge Stuhl reagier­te mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on. Guo Jin­cai gilt als füh­ren­der Expo­nent der Regi­me­hö­rig­keit. Er ist Gene­ral­se­kre­tär des Chi­ne­si­schen Bischofs­ra­tes, der von Rom bis­her nicht aner­kann­ten Kon­fe­renz der schis­ma­ti­schen Bischö­fe. Er übt zudem als Abge­ord­ne­ter zum Natio­na­len Volks­kon­greß auch ein poli­ti­sches Man­dat aus, was mit dem Kir­chen­recht unver­ein­bar ist.

Die Unsichtbaren

Auf die Unter­zeich­nung des Abkom­mens zwi­schen Rom und Peking reagier­te der Bischofs­rat unter Guo Jin­cais Feder­füh­rung mit einem Treue­be­kennt­nis zur Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas und zum „Weg der Anpas­sung an die sozia­li­sti­sche Gesell­schaft“. Ein Treue­be­kennt­nis zum Papst, der soeben sei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on auf­ge­ho­ben und die Errich­tung sei­nes Bis­tums Cheng­de bestä­tigt hat­te, fehl­te.

Nun wird Guo Jin­cai, seit dem 22. Sep­tem­ber recht­mä­ßi­ger Bischof von Cheng­de, auch an der Jugend­syn­ode in Rom teil­neh­men. Damit sit­zen nicht nur erst­mals Syn­oda­len aus der Volks­re­pu­blik Chi­na in der vati­ka­ni­schen Syn­ode­nau­la, son­dern zugleich erst­mals auch ein Expo­nent des kom­mu­ni­sti­schen Regimes. Guo Jin­cais Loya­li­tät gegen­über Petrus und der einen, römi­schen Kir­che muß erst noch bewie­sen wer­den.

Unsicht­bar bleibt die rom­treue Unter­grund­kir­che. Ihr kün­dig­te Fran­zis­kus unge­rührt, wie im salop­pen Vor­über­ge­hen, „Lei­den“ an. Wo geho­belt wer­de, da fal­len eben Spä­ne, so der Tenor des Pap­stes. Und noch etwas: „Nun sitzt auch die Pekin­ger Regie­rung im Vati­kan mit am Tisch“, mein­te gestern ein Prä­lat des Vati­kans mit Blick auf Bischof Guo Jin­cai.

China: Das Regime „autorisiert“

Die erst­ma­li­ge Teil­nah­me von zwei Syn­oda­len aus der Volks­re­pu­blik Chi­na zeigt also zwei­er­lei. Das bila­te­ra­le „pro­vi­so­ri­sche“ Abkom­men zei­tigt, das ist der posi­ti­ve Aspekt, eine erste kon­kre­te Aus­wir­kung auf sei­ten des Regimes. Die Kom­mu­ni­sten bestä­ti­gen zugleich, von einer engen Kon­trol­le über die Kir­che nicht abzu­rücken. Nichts ande­res bedeu­tet die Bekannt­ga­be der bei­den Syn­oda­len durch den Lei­ter der staat­li­chen Reli­gi­ons­auf­sicht SARA­Wang Zuoan. Zuoan gab bekannt, daß die Teil­nah­me vom Regime „auto­ri­siert“ wur­de. Die Kir­che in Chi­na kann nicht frei bestim­men, wen sie zur Syn­ode ent­sen­det.

Die Ernen­nung der bei­den Syn­oda­len zeigt noch etwas: Die Unter­grund­kir­che ist das Opfer des Abkom­mens. Sie wur­de erwar­tungs­ge­mäß nicht berück­sich­tigt. So hat­te es Kar­di­nal Joseph Zen vor­her­ge­sagt und davor gewarnt.

Wang Zuoan (SARA) ist der­sel­be Staats­funk­tio­när, der im Juli 2017 Mit­glie­dern der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas (KPCh) mit „Bestra­fung“ droh­te, soll­ten sie eine Reli­gi­on prak­ti­zie­ren. Im Qiu­shi Jour­nal schrieb Zuoan damals:

„Die Par­tei­mit­glie­der haben kei­ne reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen zu haben. Das ist eine rote Linie für alle Mit­glie­der“.

Und wei­ter:

„Die Par­tei­mit­glie­der haben ent­schlos­se­ne mar­xi­sti­sche Athe­isten zu sein, die Regeln der Par­tei zu befol­gen und dem Glau­ben der Par­tei zu fol­gen … Es ist ihnen nicht erlaubt, Wer­te und Über­zeu­gun­gen in der Reli­gi­on zu suchen“.

Wer „in der Par­tei reli­giö­se Über­zeu­gun­gen unter­stützt“, unter­gra­be „damit die Wer­te der Par­tei, die auf dem dia­lek­ti­schen Mate­ria­lis­mus beru­hen“, sekun­dier­te ihm Zhu Wei­qun, der Vor­sit­zen­de des Eth­ni­schen und Reli­giö­sen Komi­tees, eines bera­ten­den Organs des Natio­na­len Volks­kon­gres­ses (Par­la­ment). Dem Volks­kon­greß gehört zusam­men mit zwei wei­te­ren bis­her schis­ma­ti­schen und nun vom Papst aner­kann­ten Bischö­fen auch Bischof Guo Jin­cai an und schweigt dazu.

Rom optimistisch — Kardinal Zen pessimistisch

In Rom sieht man der­zeit alles sehr posi­tiv. Es mag eine Por­ti­on Zweck­op­ti­mis­mus dazu­ge­hö­ren, wie ein Hin­weis von Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin andeu­tet, man sei „nicht naiv“. Der Gesamt­ein­druck ist, daß das päpst­li­che Umfeld wirk­lich von einem Fort­schritt über­zeugt ist. Die Tat­sa­che, daß erst­mals Ver­tre­ter an der Syn­ode teil­neh­men dür­fen, wird als sol­cher gewer­tet und Kri­ti­ker ent­ge­gen­ge­hal­ten. Die Anwe­sen­heit eines bis­her schis­ma­ti­schen Bischofs wur­de offen­sicht­lich ein­kal­ku­liert. Im Vati­kan heißt es, daß Guo Jin­cai mit der Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on in jeder Hin­sicht in der vol­len Ein­heit mit Rom ste­he. Sei­ner Teil­nah­me an der Jugend­syn­ode ste­he daher nichts im Wege. Die Tat­sa­che, daß er auch Man­dats­trä­ger des Regimes ist, wird der­zeit aus­ge­blen­det.

Kar­di­nal Joseph Zen, die graue Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, kennt kei­ne Zwei­fel. Der spa­ni­schen Pres­se­agen­tur EFE sag­te er:

„Die chi­ne­si­sche Regie­rung wir die  Unter­grund­kir­che, die dem Vati­kan treu ist, eli­mi­nie­ren – mit der Hil­fe des Hei­li­gen Stuhls“.

Ihm sei völ­lig unver­ständ­lich, wie die regi­me­hö­ri­gen Schis­ma­ti­kern, denen die Treue zur Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei bis­her wich­ti­ger war als die Treue zu Petrus, ein­fach so aner­kannt wer­den konn­ten.

Gegen­über der Pres­se­agen­tur AFP äußer­te der Kar­di­nal zudem die Befürch­tung, daß der Vati­kan sich von Tai­wan abkeh­ren wer­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na (Screen­shot)