Bischöfe in England und Frankreich wehren sich gegen Corona-Meßverbote

Nigel Farage kündigt Partei gegen Coronamaßnahmen an

Kardinal Nichols, der Primas von England, protestiert gegen das Meßverbot der Regierung wegen des Coronavirus.
Kardinal Nichols, der Primas von England, protestiert gegen das Meßverbot der Regierung wegen des Coronavirus.

In Lon­don und Paris pro­ben die Bischö­fe den (vor­sich­ti­gen) Auf­stand gegen die durch die Regie­run­gen ver­häng­ten Meß­ver­bo­te. In ande­ren Län­dern rüh­ren sich die Bischö­fe kaum oder wir­ken unter Ver­weis auf das Coro­na­vi­rus wei­ter­hin tat­kräf­tig an den Ver­bo­ten mit. Kann ihnen ein Vor­wurf gemacht wer­den, wenn der Papst in Rom in der ersten Rei­he steht, wenn es um das Unsicht­bar­ma­chen der hei­li­gen Lit­ur­gie geht? Mer­ken die Bischö­fe nicht, daß sie selbst an der Ver­ban­nung des christ­li­chen Glau­bens aus der Öffent­lich­keit mit­wir­ken, einem Ziel, das von Kir­chen­geg­nern seit über 200 Jah­ren ver­folgt wird, seit den 90er Jah­ren jedoch mit zuneh­men­der Intensität?

Vin­cent Kar­di­nal Nichols, der Erz­bi­schof von West­min­ster und Pri­mas von Eng­land und Wales, empör­te sich gegen den zwei­ten Lock­down, den die bri­ti­sche Regie­rung ab kom­men­den Don­ners­tag in Kraft set­zen will. Die katho­li­sche Kir­che äußer­te sich am deut­lich­sten, da der Regie­rungs­plan ein Ver­bot sämt­li­cher öffent­li­cher Got­tes­dien­ste vor­sieht. Kir­chen sol­len nur für mehr das per­sön­li­che Gebet offen­blei­ben dürfen.

Genau die­se Rege­lung ent­spricht den Maß­nah­men zahl­rei­cher euro­päi­scher Regie­run­gen wäh­rend des ersten Lock­down im ver­gan­ge­nen Früh­jahr und wur­de von den Bischofs­kon­fe­ren­zen akzep­tiert und unter­stützt. Damals empör­ten sich prak­ti­zie­ren­de Katho­li­ken, ohne von den Bischö­fen gehört zu wer­den. Nun empö­ren sich Bischö­fe, ohne von den Regie­run­gen gehört zu wer­den. Die­se kön­nen teils auf die bischöf­li­che Zustim­mung vom Früh­jahr ver­wei­sen. Haben sich die Bischö­fe ins eige­ne Knie geschos­sen? Genau davor hat­ten eine Rei­he mah­nen­der Stim­men im Früh­ling gewarnt.

Leid­tra­gen­de sind erneut die Gläu­bi­gen. Die Bischö­fe haben die Ängst­li­chen wei­ter ver­äng­stigt, den Trost­su­chen­den kei­nen Trost und jenen, die Ori­en­tie­rung suchen, kei­ne Ori­en­tie­rung gebo­ten. Die bei­den Haupt­an­lie­gen der Bischö­fe und ihrer haupt­amt­li­chen Appa­ra­te waren in den ver­gan­ge­nen Mona­ten, den Gläu­bi­gen ein­zu­re­den, daß Gott weder stra­fen wür­de noch stra­fen kön­ne, und mit blin­dem Eifer an den Ver­bots­maß­nah­men der Regie­run­gen mitzuwirken.

Bei Beer­di­gun­gen dür­fen in Groß­bri­tan­ni­en ab Don­ners­tag höch­stens 30 Per­so­nen anwe­send sein. Es gibt Län­der, in denen die Bischö­fe noch wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kun­gen akzep­tiert haben. Nicht weni­ge Gläu­bi­ge fra­gen sich, wie ver­äng­stigt die Bischö­fe sein müs­sen. Oder fol­gen sie schlaf­wan­delnd in Sachen Coro­na dem Bischof von Rom? Die Diö­ze­se Rom setzt seit März die radi­kal­sten Coro­na-Maß­nah­men um, was ohne aus­drück­li­che Zustim­mung des Pap­stes undenk­bar ist.

Papst Fran­zis­kus sag­te alle Aus­lands­rei­sen für das Jahr 2021 ab, was einer Ver­bun­ke­rung gleich­kommt. Er gab ver­gan­ge­ne Woche bekannt, daß auch die Gene­ral­au­di­en­zen wie­der ent­fal­len, die er erst Anfang Sep­tem­ber wie­der­auf­ge­nom­men hat­te. Im März war sogar ein Dekret erlas­sen wor­den, daß Kir­chen und Kapel­len auch für das per­sön­li­che Gebet gesperrt wer­den. Kei­ne ande­re Diö­ze­se welt­weit hat­te so etwas getan. Inner­halb von 24 Stun­den wur­de es nach Pro­te­sten zwar wie­der zurück­ge­nom­men, ließ aller­dings die Stoß­rich­tung erkennen.

Ins­ge­samt ver­zich­tet Papst Fran­zis­kus, der ober­ste Prie­ster und Lit­urg der hei­li­gen Kir­che, seit über acht Mona­ten auf jeden öffent­li­chen Got­tes­dienst. Dabei wird es, so die bereits ver­laut­bar­te Ankün­di­gung, bis Licht­meß 2021 blei­ben. Nach Ostern wur­de von Fran­zis­kus vor einer Woche auch Weih­nach­ten „abge­sagt“.

Kann also Kri­tik an ande­ren Bischö­fen und Bischofs­kon­fe­ren­zen geübt wer­den, die sich an die jewei­li­ge Regie­rung anschmie­gen, wenn sie dem päpst­li­chen Vor­bild folgen?

Kar­di­nal Nichols und Erz­bi­schof Mal­colm McMa­hon, sein Stell­ver­tre­ter an der Spit­ze der Bischofs­kon­fe­renz, taten nun, aller­dings sehr ver­spä­tet, viel­leicht schon zu spät, was rich­tig ist: Sie ver­lan­gen von der bri­ti­schen Regie­rung „Fak­ten“, „Zah­len“ und „Bewei­se“, die ein Meß­ver­bot recht­fer­ti­gen wür­den. Zugleich brach­ten sie ihren „Schmerz“ über die Regie­rungs­an­kün­di­gung zum Aus­druck. In die­ser sehen sie die Gefahr, „die Ein­heit, die wir in die­sem schwie­ri­gen Moment brau­chen, zu erschüt­tern“. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Auch das geist­li­che Ober­haupt der angli­ka­ni­schen Kir­che, Justin Wel­by, der Erz­bi­schof von Can­ter­bu­ry, mel­de­te sich kri­tisch, wenn auch zurück­hal­ten­der zu Wort. Die angli­ka­ni­schen Erz­bi­schö­fe ver­deut­lich­ten jedoch gegen­über der Regie­rung, daß „das sakra­men­ta­le Leben der Kir­che nicht ein optio­na­les Extra“ sei.

Wider­spruch kommt auch von Pro­te­stan­ten und auch von Hin­dus, Juden und Mus­li­men, die an ihren Gemein­schafts­ge­be­ten fest­hal­ten wollen.

Nigel Farage kündigt Anti-Corona-Partei an

Der Haupt­wi­der­stand gegen die Regie­rungs­plä­ne für einen zwei­ten Lock­down kommt jedoch von rund 80 kon­ser­va­ti­ven Unter­haus-Abge­ord­ne­ten. Sie sehen eine zwei­te Absper­rung des Lan­des als „sozia­len und öko­no­mi­schen Wahn­sinn“, der Aus­druck einer „Mas­sen­hy­ste­rie“ sei.

An die Spit­ze des Wider­stan­des stellt sich Nigel Fara­ge, der wie kein ande­rer bri­ti­scher Poli­ti­ker der jüng­sten Zeit die Men­schen zu bewe­gen weiß. Mit der von ihm gegrün­de­ten Par­tei UKIP war es ihm gelun­gen, den Bre­x­it ins Rol­len zu brin­gen und 2016 bei einer Volks­ab­stim­mung die Unter­stüt­zung der Wäh­ler­mehr­heit zu fin­den. Als der Bre­x­it durch die dama­li­ge Pre­mier­mi­ni­ste­rin The­re­sa May und die EU-Kom­mis­si­on wie­der in Fra­ge gestellt zu wer­den schien, grün­de­te Fara­ge mit der Bre­x­it Par­ty über Nacht eine wei­te­re Par­tei, kan­di­dier­te im Mai 2019 bei den Wah­len zum Euro­päi­schen Par­la­ment und schaff­te es auf Anhieb, zur stärk­sten Par­tei Groß­bri­tan­ni­ens und des EU-Par­la­ments zu wer­den. Bei den Unter­haus­wah­len im Dezem­ber 2019 ver­zich­te­te er hin­ge­gen aus stra­te­gi­schen Grün­den auf eine Kan­di­da­tur, um den Wahl­sieg der Kon­ser­va­ti­ven Par­tei im Mehr­heits­wahl­recht nicht zu gefähr­den. Ein sol­cher Ver­zicht dürf­te in der Par­tei­en­geschich­te Euro­pas bei­spiel­los sein. In den ver­gan­ge­nen zehn Tagen war er in den USA unter­wegs, wo er US-Prä­si­dent Donald Trump bei des­sen Wahl­kampf unter­stütz­te und täg­lich als Wahl­red­ner auf­trat. Nun kün­dig­te Fara­ge an, eine Anti-Coro­na-Par­tei grün­den zu wol­len, die sich dem „Maß­nah­men­wahn­sinn“ der Regie­rung wider­set­zen wer­de. Damit setzt der Eng­län­der erneut Maßstäbe.

Die Regie­rung John­son hat einen zwei­ten Lock­down bis zum 2. Dezem­ber ange­kün­digt samt der Aus­sa­ge, die­sen mög­li­cher­wei­se bis Jah­res­en­de zu verlängern.

Widerstand der Bischöfe in Frankreich

Auch in Frank­reich rührt sich spät, aber doch der Unmut der Bischö­fe gegen die Regie­rungs­maß­nah­men, die als „unver­hält­nis­mä­ßig“ kri­ti­siert wer­den. In Frank­reich gilt der Lock­down für die Kir­chen seit heu­te und sieht ein Ver­bot öffent­li­cher Got­tes­dien­ste vor. Bis zum Ende der Maß­nah­men, die vor­erst bis Anfang Dezem­ber gel­ten, ist auch die Spen­dung der Sakra­men­te untersagt.

Der Erz­bi­schof von Reims, Msgr. Eric de Moulins-Beau­fort, der­zeit Vor­sit­zen­der der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz, bestä­tig­te gestern, beim Ober­sten Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Ein­spruch gegen die Regie­rungs­maß­nah­men ein­le­gen zu wol­len. Die­se wür­den die Kul­tus­frei­heit beschnei­den, „die eine Grund­frei­heit in unse­rem Land“ ist.

Wäh­rend die Bischö­fe in eini­gen Län­dern sich spät, aber doch damit begin­nen, die Rech­te der Kir­che zu ver­tei­di­gen, kün­di­gen „Coro­na-Exper­ten“ der Regie­run­gen wie das Wis­sen­schaft­li­che Komi­tee der fran­zö­si­schen Regie­rung bereits „wei­te­re Wel­len“ der Coro­na-Ver­brei­tung an, mit denen in den kom­men­den Mona­ten zu rech­nen sei. In der Tat sind die Regie­rungs­maß­nah­men, die sich auf die umstrit­te­nen PCR-Tests stüt­zen, so ange­legt, daß Coro­na zur unend­li­chen Geschich­te wer­den kann. Gesell­schaft, Staat und Wirt­schaft hal­ten ein sol­ches Zeit­fen­ster aber wohl kaum aus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. In Deutsch­land: Fehlanzeige.
    Kein Wun­der: Inhalt­lich und finan­zi­ell ist die katho­li­sche Kir­chen­struk­tur in Deutsch­land mit ihren Ordi­na­ria­ten, Insti­tu­ten, Fakul­tä­ten und Ver­bands­ge­schäfts­stel­len bereits der­art mit dem Staat und den maß­ge­ben­den „Akteu­rIn­nen“ der sog. „Zivil­ge­sell­schaft“ ver­wo­ben, dass sie nicht de jure, aber de fac­to eine Staats­kir­che darstellt.

    Wess‘ Brot ich ess, des Lied ich sing.

    Daher ver­steht sich der kirch­li­che Appa­rat als ver­län­ger­ter Arm der herr­schen­den Eli­ten im kirch­li­chen Bereich, sei es Anti-AfD-Pole­mik, „Gen­de­ris­mus“ (Femi­ni­stin wur­de haupt­amt­lich im DBK-Appa­rat instal­liert), „Diver­si­tät“, Kli­ma­hy­ste­rie, „Open Border“-Politik oder aktu­ell eben Pandämie-Vollzug.

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