Abtreibungskonzern mit Problemen

Planned Parenthood zwischen Trump und der Suche nach einer neuen Vorsitzenden

Planned Parenthood, der weltgrößte Abtreibungskonzern: „Unterschiedliche Gesichter, dieselben Lügen“
Planned Parenthood, der weltgrößte Abtreibungskonzern: „Unterschiedliche Gesichter, dieselben Lügen“

Die Trump-Metho­de gegen Abtrei­bung wirkt: Mitt­ler­wei­le gibt es rund 900 Abtrei­bungs­zen­tren, denen die US-Regie­rung dank der kürz­lich ein­ge­führ­ten Geset­zes­än­de­run­gen inner­halb weni­ger Mona­te die Bun­des­mit­tel weg­nahm, wie die Tages­zei­tung USA Today berich­te­te.

Im ver­gan­ge­nen August trat die Pro­tect Life Rule in Kraft, mit der seit­her der Abtrei­bungs­lob­by staat­li­che Finanz­mit­tel in der Höhe von 60 Mil­lio­nen gekürzt wer­den konn­ten. Mög­lich macht dies eine stren­ge­re Hand­ha­be bei der Beur­tei­lung von Pro­jek­ten, für die öffent­li­che Gel­der bean­tragt wer­den. Pro­jek­te, die Abtrei­bung als Instru­ment der Fami­li­en­pla­nung betrach­ten, sind nun von der staat­li­chen För­de­rung aus­ge­schlos­sen. Die Regie­rung von US-Prä­si­dent Donald Trump streng­te bereits meh­re­re Rechts­ver­fah­ren gegen Abtrei­bungs­zen­tren des welt­größ­ten Abtrei­bungs­kon­zerns Plan­ned Paren­t­hood an wegen des Miß­brauchs­ver­dachts. Damit sol­len die Plan­ned Paren­t­hood-Tötungs­zen­tren gedrängt wer­den, auf die Bean­tra­gung von öffent­li­chen Gel­dern zu ver­zich­ten, um nicht der Über­prü­fung auf­grund der neu­en Bestim­mun­gen unter­zo­gen zu wer­den.

US-Präsident Donald Trump, der Abtreibungslobby die öffentlichen Gelder abgraben
US-Prä­si­dent Donald Trump, der Abtrei­bungs­lob­by die öffent­li­chen Gel­der abgra­ben

Der erhöh­te Druck hat auch damit zu tun, daß seit Jah­ren von Lebens­schüt­zern dar­auf ver­wie­sen wird, daß der US-Able­ger von Plan­ned Paren­t­hood, die Plan­ned Paren­t­hood Fede­ra­ti­on of Ame­ri­ca (PPFA), die öffent­li­chen Gel­der nicht brau­che. Steu­er­gel­der für die PPFA sei­en nichts ande­res als eine ver­steck­te Finan­zie­rung der Abtrei­bungs-Agen­da, die von den US-Prä­si­den­ten Bill Clin­ton (1993–2001) und Barack Oba­ma (2009–2017) ein­ge­führt wur­de. Trotz der bis­her erfolg­ten Kür­zun­gen aus Bun­des- und Staats­mit­teln scheint der Abtrei­bungs­kon­zern in den USA noch immer über jäh­ri­ge Ein­nah­men (aus Dienst­lei­stun­gen und durch pri­va­te Zuwen­dun­gen) von einer Mil­li­ar­de Dol­lar zu ver­fü­gen. Hin­zu­kom­men noch immer fast eine hal­be Mil­li­ar­de an öffent­li­chen Zuwen­dun­gen aus Bun­des- und Staats­mit­teln für Gesund­heits­dienst­lei­stun­gen, die nicht in einem direk­ten Zusam­men­hang mit Abtrei­bung ste­hen.

An Geld fehlt es dem Abtrei­bungs­kon­zern nicht, auch durch die Ankün­di­gung bestä­tigt wird, gan­ze 45 Mil­lio­nen Dol­lar – mehr denn je – in den Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wahl­kampf 2020 zu stecken. Damit sol­len Abtrei­bungs­ver­fech­ter unter den Kan­di­da­ten unter­stützt und vor allem die Wie­der­wahl von US-Prä­si­dent Trump ver­hin­dert wer­den. Ziel ist es, wie­der einen Ver­tre­ter der Demo­kra­ti­schen Par­tei ins Wei­ße Haus zu brin­gen und die bei­den Kam­mern des Par­la­ments für die­se Par­tei zu gewin­nen. Ein sol­cher Wahl­sieg soll sich für Plan­ned Paren­t­hood nicht nur poli­tisch aus­zah­len, son­dern auch in bare Mün­ze ver­wan­deln, indem die staat­li­chen Sub­ven­tio­nen für die Abtrei­bungs­lob­by wie­der üppig flie­ßen sol­len.

Interne Turbulenzen

Dem Abtrei­bungs­kon­zern Plan­ned Paren­t­hood wer­den der­zeit nicht nur öffent­li­che Gel­der gekürzt. Er hat auch intern mit Tur­bu­len­zen zu kämp­fen. Im ver­gan­ge­nen Juli wur­de nach nur zehn Mona­ten die Vor­sit­zen­de Lea­na Wen ent­las­sen. Sie war 2018 der lang­jäh­ri­gen Plan­ned Paren­t­hood Fede­ra­ti­on of Ame­ri­ca-Vor­sit­zen­de Cecil Richards gefolgt. Richards hat­te nach der Wahl von Donald Trump und dem geschei­ter­ten Ver­such, ihre Duz-Freun­din und Abtrei­bungs­lob­by­istin Hil­la­ry Clin­ton ins Wei­ße Haus zu brin­gen, ihren Rück­tritt ange­kün­digt und im April 2018 voll­zo­gen.

Die chi­ne­sisch­stäm­mi­ge Lea­na Wen, die erste Ärz­tin an der Spit­ze des Abtrei­bungs­kon­zerns, trat im Novem­ber 2018 Richards Nach­fol­ge an und tat dies auf unge­wöhn­li­che Wei­se. Die zer­trüm­mer­te in einem Inter­view von Buz­z­Feed­News vom 7. Janu­ar 2019 die größ­te Lüge, die Plan­ned Paren­t­hood um den Abtrei­bungs­kon­zern auf­ge­rich­tet hat­te. Die Inter­net-Zei­tung titel­te:

„Die neue Vor­sit­zen­de von Plan­ned Paren­t­hood will sich auf die nicht abtrei­ben­de Gesund­heits­ver­sor­gung kon­zen­trie­ren“.

Genau das wol­len die Haupt­geld­ge­ber von Plan­ned Paren­t­hood nicht hören. Wen muß­te zurück­ru­dern. Sie sprach von „Miß­ver­ständ­nis­sen“.

Der Auf­schrei der Abtrei­bungs­spon­so­ren hin­ter den Kulis­sen muß mas­siv gewe­sen sein. Wen erklär­te, um Beru­hi­gung der För­de­rer bemüht, gleich am näch­sten Tag:

„Unse­re Haupt­mis­si­on besteht dar­in, den Zugang zur Abtrei­bung und zur repro­duk­ti­ven Gesund­heit zu ver­schaf­fen, zu schüt­zen und aus­zu­wei­ten. Wir wer­den uns nie zurück­zie­hen von die­sem Kampf.“

Damit zer­trüm­mer­te sie unfrei­wil­lig die größ­te Lüge, die der Kon­zern über sich selbst ver­brei­te­te: Abtrei­bung sei „nur ein“ Bereich von PPFA, der ledig­lich drei Pro­zent aus­ma­che. Wäre es nur die­se „Neben­säch­lich­keit“, hät­te das Wen-Inter­view kaum Auf­se­hen erregt. Am 8. Janu­ar 2019 erklär­te die damals noch kei­ne zwei Mona­te im Amt befind­li­che Vor­sit­zen­de, daß Abtrei­bung die „Haupt­mis­si­on“ des Kon­zerns ist, die daher „nie“ auf­ge­ge­ben wer­den kön­ne.

Nur acht Mona­te nach ihrem Amts­an­tritt muß­te Lea­na Wen am ver­gan­ge­nen 16. Juli ihren Posten auch schon wie­der räu­men. In einer gehei­men Vor­stands­sit­zung der PPFA wur­de ihre sofor­ti­ge Ent­las­sung beschlos­sen. Ein so dra­sti­scher Schnitt läßt grund­sätz­li­che Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten erken­nen, die nicht nur mit unter­schied­li­chen Stra­te­gien, son­dern mit Grund­fra­gen zu tun haben.

Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis der Haupt­spon­so­ren dürf­te seit dem Inter­view vom 7. Janu­ar getrübt gewe­sen sein. Im Hin­ter­grund reg­te sich Unmut und die For­de­rung, einen aggres­si­ve­ren Abtrei­bungs­lob­by­isten zu bestel­len als Lea­na Wen. Die ton­an­ge­ben­den Krei­se hin­ter Plan­ned Paren­t­hood ver­lan­gen neue Ideen für die Abtrei­bungs­po­li­tik vor­an­zu­trei­ben, und das beson­ders mit Blick auf die Prä­si­dent­schafts­wah­len im Novem­ber 2020.

Entlassene und geschäftsführende Vorsitzende der PPFA Leane Wen und Alexis McGill Johnson
Ent­las­se­ne und geschäfts­füh­ren­de Vor­sit­zen­de der PPFA Lea­ne Wen und Alexis McGill John­son

Die geschäftsführende Vorsitzende

Zur geschäfts­füh­ren­den Vor­sit­zen­den wur­de Alexis McGill John­son ernannt. Lea­na Wen war die erste Ärz­tin und erste Migran­tin in die­sem Amt, McGill John­son ist die erste Afro­ame­ri­ka­ne­rin an der Spit­ze des US-ame­ri­ka­ni­schen Plan­ned Paren­t­hood-Able­gers, um genau zu sein eine Mulatt­in. In lin­ken US-Krei­sen spie­len im Namen von Anti­ras­sis­mus Per­so­nal­ent­schei­dun­gen nach ras­si­schen Kri­te­ri­en für Posi­tio­nen mit star­ker, öffent­li­cher Sicht­bar­keit eine erheb­li­che Rol­le.

In Prince­ton absol­vier­te sie ein Grund­stu­di­um in Poli­tik­wis­sen­schaf­ten und Afro­ame­ri­ka­ni­schen Stu­di­en und erwarb anschlie­ßend in Yale einen Master in Poli­tik­wis­sen­schaf­ten. Seit 2009 ist sie Geschäfts­füh­re­rin eines von ihr mit­ge­grün­de­ten Insti­tuts zum „Abbau von Vor­ur­tei­len und Dis­kri­mi­nie­rung“. Als sol­che ent­wickel­te sie unter ande­rem für das inter­na­tio­na­le Fran­chi­sing-Unter­neh­men Star­bucks ein „anti­ras­si­sti­sches Trai­nings­pro­gramm“ für Mit­ar­bei­ter. Seit 2013 ist sie zudem Vor­stands­mit­glied von Plan­ned Paren­t­hood und übte in der Ver­gan­gen­heit bereits das Amt der Vor­stands­vor­sit­zen­den aus.

Mit der Ent­las­sung von Lea­na Wen wur­de McGill John­son zugleich zur geschäfts­füh­ren­den Vor­sit­zen­den ernannt.

Sie ist auch Vor­stands­mit­glied der New York Civil Liber­ties Uni­on (NYCLU), einer 1951 gegrün­de­ten, lin­ken Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on im Staat New York. Öffent­li­che Wirk­sam­keit erziel­te die NYCLU erst­mals 1962, als sie durch eine Kam­pa­gne erreich­te, daß die City Uni­ver­si­ty of New York das Auf­tritts- und Sprech­ver­bot für Kom­mu­ni­sten an den staat­li­chen Uni­ver­si­tä­ten der Stadt New York auf­hob. Seit der zwei­ten Hälf­te der 60er Jah­re ist die NYCLU als Abtrei­bungs­lob­by­ist tätig. Sie ist der New Yor­ker Able­ger der Ame­ri­can Civil Liber­ties Uni­on (ACLU), einer der bedeu­tend­sten, gesell­schafts­po­li­ti­schen Links­or­ga­ni­sa­ti­on in den USA. „Repro­duk­ti­ve Gesund­heit“, sprich Abtrei­bung, gehört zu den Kern­the­men der ACLU.

Die Hal­tung der Regie­rung Trump gegen­über Plan­ned Paren­t­hood und die inter­nen Tur­bu­len­zen stim­men Lebens­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen vor­sich­tig opti­mi­stisch. Es sei „Sand im Getrie­be“ der Abtrei­bungs­lob­by. Die PPFA habe weni­ger Ener­gie für ihre „Haupt­mis­si­on“, die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der, zur Ver­fü­gung, solan­ge sie sich mit sich selbst beschäf­ti­ge.

Wann der Vor­sit­zen­den­po­sten des Abtrei­bungs­kon­zerns neu besetzt wird, ist nicht bekannt. Die Suche nach einer geeig­ne­te­ren Nach­fol­ge­rin für Ceci­le Richards, als es Lea­na Wen war, ver­lief bis­her erfolg­los.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: theradiancefoundation.org/Youtube (Screen­shots)

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