Vatikan bezeichnet Benedikt XVI. als regierenden Papst

Von zwei Päpsten

Schreiben des Staatssekretariats vom 18. Februar 2019.
Schreiben des Staatssekretariats vom 18. Februar 2019.

(Rom) Im Vati­kan gab es schon man­che Besorg­nis und auch Ärger dar­über, weil nicht weni­ge Gläu­bi­ge in Bene­dikt XVI. noch einen Papst oder sogar „den“ Papst sehen. Wun­dern soll­te sich der Hei­li­ge Stuhl aller­dings nicht dar­über, da er selbst dazu bei­trägt.

Bene­dikt XVI. leg­te den Grund­stein dazu, indem er noch als Papst fest­leg­te, wie sein Leben nach dem Amts­ver­zicht am 28. Febru­ar 2013 aus­se­hen wür­de. Er behielt den Namen und die Klei­dung des Pap­stes bei und unter­zeich­net auch als sol­cher, aller­dings mit dem in der Kir­chen­ge­schich­te bis­her unbe­kann­ten Zusatz eines Papa eme­ri­tus, eines eme­ri­tier­ten Pap­stes. Setzt man die Bezeich­nung ana­log zur Eme­ri­tie­rung von Bischö­fen, dann hie­ße es, daß er mit allen Rech­ten Papst geblie­ben ist, aber von den Lei­tungs­auf­ga­ben ent­bun­den wur­de.

Eine Schwie­rig­keit besteht dar­in, daß man nicht selbst eme­ri­tiert, son­dern eme­ri­tiert wird. Es han­delt sich auf den Betrof­fe­nen bezo­gen, um ein pas­si­ves Verb. Kann ein Papst also sich selbst eme­ri­tie­ren?

Für die Klä­rung nicht hilf­reich, viel­mehr erschwe­rend war die Deu­tung von zwei Päp­sten, die in unter­schied­li­cher Funk­ti­on gemein­sam das Petrus­amt aus­üben. Sie wur­de von Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein gebo­ten und war sicher gut gemeint, aber in der Sache irra­tio­nal ver­klä­rend. Der eme­ri­tier­te Kuri­en­kar­di­nal Wal­ter Brand­mül­ler ant­wor­te­te auf die Gesamt­fra­ge mit einer ern­sten War­nung und der Fest­stel­lung, daß es immer nur einen legi­ti­men Papst geben kön­ne. Dazu gab es in jün­ge­rer Zeit einen pri­va­ten Brief­wech­sel zwi­schen dem Kar­di­nal und Bene­dikt XVI. (sie­he dazu auch den Auf­satz „Die Gött­li­che Vor­se­hung zwingt Bene­dikt XVI. das Deba­kel mit­an­zu­se­hen, das er aus­ge­löst hat“ von Rober­to de Mattei.)

Nun för­dert aber aus­ge­rech­net der Hei­li­ge Stuhl die­se zwie­späl­ti­ge Aus­deu­tung einer Situa­ti­on, die als Ano­ma­lie wahr­ge­nom­men wird und auch wie­der­holt als sol­che bezeich­net wur­de.

Das Staats­se­kre­ta­ri­at des Vati­kans, die höch­ste dem Papst die­nen­de Regie­rungs­be­hör­de des Hei­li­gen Stuhls, behan­delt in einem Ant­wort­schrei­ben vom 18. Febru­ar 2019 Bene­dikt XVI. als wäre er noch regie­ren­der Papst.

Die Erste Sek­ti­on – All­ge­mei­ne Ange­le­gen­hei­ten ant­wor­te­te einem Prie­ster in den USA. Anlaß und Inhalt des Schrei­bens tun nichts zur Sache. Bemer­kens­wert ist, daß das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at dar­in Bene­dikt XVI. bezeich­net und beti­telt wie einen amtie­ren­den Papst. Das Schrei­ben hät­te vor dem 28. Febru­ar 2013 nicht anders ver­faßt wer­den kön­nen.

Bene­dikt XVI. wird mit sei­nem Papst­na­men und als „Hei­lig­keit“ bezeich­net. Genau so kommt es einem Papst zu, und genau so woll­te es Bene­dikt XVI. auch. Zur Unter­schei­dung von sei­nem Nach­fol­ger füg­te er aber mit dem „eme­ri­tus“ den Ruhe­stand hin­zu. Die­se Unter­schei­dung fehlt im Ant­wort­schrei­ben des Staats­se­kre­ta­ri­ats, das von Msgr. Pao­lo Bor­gia unter­zeich­net ist, immer­hin die Num­mer Zwei der Ersten Sek­ti­on hin­ter dem Sub­sti­tu­ten des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs.

Ob es sich um ein Ver­säum­nis oder um eine beson­de­re Form der Höf­lich­keit han­delt, sei dahin­ge­stellt. Man soll­te auch nicht zuviel hin­ein­in­ter­pre­tie­ren. Aller­dings soll­te man sich im Vati­kan auch nicht wun­dern, wenn Gläu­bi­ge es anders aus­le­gen und dar­in Zei­chen sehen. Sie sind Aus­druck einer Ver­un­si­che­rung und der erwähn­ten Ano­ma­lie, und bei­de gehen vom Vati­kan aus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ann Barn­hardt

7 Kommentare

  1. Der Begriff „Eme­ri­tus“ ist im Zusam­men­hang mit Bene­dikt XVI ver­wir­rend. Eme­ri­tie­rung ist nicht gleich­be­deu­tend mit „Pen­sio­nie­rung“.
    Der Eme­ri­tier­te gibt nur die Amt­ge­schäf­te zurück, er behält aber wesent­li­che mit sei­ner Tätig­keit ver­bun­de­ne Rech­te. Bezo­gen auf die Hosch­schu­le, etwa die Frei­heit von Lehr und For­schung, er kann pro­mo­vie­ren und habi­li­tie­ren, er behält in sei­nem Insti­tut ein Büro.
    Zusam­men­ge­fasst: er bleibt wis­sen­schaft­lich unab­hän­gig. Aber wie sieht es bei einem Papst aus? Wie sieht es kon­kret mit der Bin­de- und Löse­ge­walt im Ver­gleich mit der Frei­heit von Leh­re und For­schung aus? Zur Fra­ge „Kann ein Papst sich selbst eme­ri­tie­ren“?. Ich gehe davon aus, dass der Papst, der jeden Bischof eme­ri­tie­ren kann, auch den Bischof von Rom eme­ri­tie­ren kann. Die Fra­ge nach der Lehr­be­fug­nis ist m.A. wesent­lich schwie­ri­ger zu beant­wor­ten. Kon­kret: könn­te Papst eme­ri­tus Bene­dikt XVI ein fünf­tes Mari­en­dog­ma
    ver­kün­den? Im Fal­le von Bene­dikt XVI gibt es eine Selbst­bin­dung, dass er sei­nem Nach­fol­ger nicht in die Amts­füh­rung her­ein­re­den wird.

  2. Hat­te Bene­dikt XVI. nicht genü­gend Lei­dens­be­reit­schaft, um sein Papst­amt wei­ter­zu­füh­ren?
    Sah er sei­ne Gesund­heit als wich­ti­ger an als das Die­nen?
    Damals war ich von sei­ner Ent­schei­dung zurück­zu­tre­ten ein­fach nur geschockt.
    Inzwi­schen sehe ich es kri­ti­scher. Ein Papst ist nicht wie der Chef eines Fami­li­en­un­ter­neh­mens, der zurück­tritt, wenn ihn Alters­be­schwer­den pla­gen.
    Gei­stig war er damals ja noch voll­kom­men prä­sent. Auch ande­re betag­te Men­schen haben oft mit gesund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen zu kämp­fen, da wäre er kei­ne Aus­nah­me gewe­sen.
    Nun ist er gezwun­gen mit­an­zu­se­hen, auf wel­che Wei­se sein Nach­fol­ger die Kir­che führt.
    Es wür­de mich inter­es­sie­ren, wie er die Lage der Kir­che und das Han­deln von Fran­zis­kus beur­teilt.

  3. Fuer mich ist Papst Bene­dikt auch noch immer der Papst,mein Hei­li­ger Vater den ich lie­be und ver­eh­re. Ehr­lich gesagt wuer­de ich sol­che Brie­fe fuer mich behal­ten und nicht offenbaren,das ist aber etwas per­so­en­li­ches.

    • An Mari­en­zweig, sofern Sie Bene­dikts Rück­tritts­de­cla­ra­tio gele­sen haben, beginnt Sie mit einem sehr denk­wür­di­gen Satz: „Non solum prop­ter tres cano­niz­a­tio­nes ad hoc Con­si­sto­ri­um vos con­vo­ca­vi, sed eti­am ut vobis deci­sio­nem magni momen­ti pro Eccle­siae vita“
      com­mu­ni­cem“. Danach teilt er eine Mit­tei­lung mit, von gro­ßer Bedeu­tung für das Leben der Kir­che, er sag­te nicht für das Heil, son­dern für das Leben der Kir­che, und zwar von der Kir­che von der Chri­stus sag­te „Die Pfor­ten der Höl­le wer­den sie nicht über­wäl­ti­gen“. Damit hat Bene­dikts Rück­tritt eine Dimen­si­on, die wir nicht oder noch nicht erken­nen kön­nen. Ich hal­te Bene­dikt für den Katechon, der den letz­ten Zugriff Satans oder des Anti­chri­sten auf die Kir­che in ihrer Gesamt­heit ver­hin­dert und aus die­sem Grun­de für das Leben der Kir­che zurück­ge­tre­ten ist.

      • Sehr geehr­ter Hans 2, mit Ihrem Kom­men­tar spre­chen Sie mir aus dem Her­zen.
        Auch ich bin davon über­zeugt, dass Papst Bene­dikts For­mu­lie­rung „pro Eccle­siae vita“ kein ‚Ver­spre­cher‘ war, son­dern dass er ganz bewußt den Begriff „Leben der Kir­che“ anstatt „Heil der Kir­che“ gewählt hat.
        Ich bit­te alle Christ­gläu­bi­gen, Papst Bene­dikt im Gebet für die Kir­che und die in Wehen lie­gen­de Schöp­fung zu unter­stüt­zen!

  4. @Hans2
    Das sehe ich auch so, das jet­zi­ge Pon­ti­fi­kat zeigt kla­re anti­christ­li­che Wesens­zü­ge.

  5. Es wird lang­sam echt lächer­lich. 6 Jah­re nach dem Rück­zug Bene­dic­ti XV. (XVI. ist falsch, denn es gibt kei­nen Bene­dict X) wird immer noch über die Titu­lie­rung von Päp­sten und ehe­ma­li­gen Päp­sten gestrit­ten. Wie oft wird, auch in der Tra­di­ti­on, der hei­li­ge Pius X als „hei­li­ger Papst Pius X“ titu­liert, als wäre er noch Papst. Außer­dem steht in dem Brief „His Holi­ness Bene­dict XVI“ und nicht „His Holi­ness Pope Bene­dict XVI“. Mal wie­der viel Wir­bel um nichts. Außer­dem, Kir­chen­recht hin oder her, steht es einem Papst, der ja die höch­ste irdi­sche Gewalt in der Kir­che inne hat, durch­aus zu, sich den Titel „eme­ri­tier­ter Papst“ zu geben. Wenn ein Papst Men­schen hei­lig spre­chen und Dog­men ver­kün­di­gen kann, dann kann er auchb das.

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