Pater Spadaro: „Warum Papst Franziskus den Kardinälen nicht antworten muß“

Warum Franziskus den Kardinälen nicht antworten muß.Antonio Spadaros SJ Stellungnahme auf CNN
Warum Franziskus den Kardinälen nicht antworten muß. Antonio Spadaros SJ Stellungnahme auf CNN

(Rom) „Wer bin ich, um zu urtei­len?“, frag­te kein Gerin­ge­rer als der Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden Ende Juli 2013 auf dem Rück­flug von Rio de Janei­ro. Einer sei­ner eng­sten Ver­trau­ten, der Jesu­it Anto­nio Spa­daro, urteilt hin­ge­gen durch­aus, jeden­falls wenn es um die vier Kar­di­nä­le geht, die Papst Fran­zis­kus mit ihren Fra­gen in eine für ihn miß­li­che Bedräng­nis gebracht haben.

Pater Spa­daro ist der Schrift­lei­ter der bedeu­tend­sten Jesui­ten­zeit­schrift, der mit vati­ka­ni­scher Druck­erlaub­nis in Rom erschei­nen­den Civil­tà  Cat­to­li­ca.

Der Ordens­mit­bru­der des amtie­ren­den Pap­stes ist einer von jenen, die seit dem 14. Novem­ber, seit die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner ihre Dubia (Zwei­fel) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia öffent­lich gemacht haben, sich zu Wort mel­det, um den Papst zu ver­tei­di­gen. Die Zahl derer, die sich der­zeit vor­drän­geln, um „für“ den Papst den vier Kar­di­nä­len zu ant­wor­ten, nimmt von Tag zu Tag zu. Die Kar­di­nä­le haben ihre Fra­gen aller­dings an den Papst gerich­tet, weil er Papst ist. Die „Ant­wor­ten“ ande­rer sind eine Fleiß­auf­ga­be, aber kei­ner von ihnen kann für den Papst ant­wor­ten. Es han­del­te sich bis­her auch nicht um Ant­wor­ten, son­dern um pole­mi­sche Ent­geg­nun­gen oder offe­ne Angrif­fe. Edward Pen­tin vom Natio­nal Catho­lic Regi­ster berich­te­te, daß Papst Fran­zis­kus wegen der Dubia der Kar­di­nä­le „vor Zorn gekocht“ habe. Hin­ter dem Zorn scheint sich Ärger zu ver­ber­gen dar­über, daß die stra­te­gi­sche Pla­nung zur Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten gefähr­det ist. Die Wider­stän­de in der Kir­che gegen den Kurs­wech­sel der „neu­en Barm­her­zig­keit“ ist viel grö­ßer als von Papst Fran­zis­kus und den „Papst­ma­chern“ im Hin­ter­grund, dem Team Ber­go­glio und dem Geheim­zir­kel Sankt Gal­len gedacht.

Der ame­ri­ka­ni­sche Nach­rich­ten­sen­der CNN ver­öf­fent­lich­te auf sei­ner Inter­net-Platt­form in der Nacht auf gestern einen Kom­men­tar Spa­dar­os: „Pope Fran­cis asso­cia­te: Con­tro­ver­si­al questi­ons on com­mu­ni­on alrea­dy ans­we­red“.

Die Stra­te­gie der Papst-Ver­trau­ten, die gegen die vier Kar­di­nä­le Stel­lung neh­men, scheint es zu sein, über die Ein­brin­ger der Dubia zu urtei­len und zwar nega­tiv. Sie gehen dabei nicht auf die von Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner for­mu­lier­ten Dubia ein, son­dern kon­zen­trie­ren sich auf die „Moti­ve“ der vier nam­haf­ten Kar­di­nä­le, und dabei mehr auf die ver­meint­li­chen, als auf die tat­säch­li­chen. Im Klar­text wer­den den vier Pur­pur­trä­gern, so auch von Spa­daro, mehr oder weni­ger unlau­te­re Absich­ten unter­stellt.

Spadaro: „Amoris laetitia ist das Ergebnis einer Synode“

Die dabei ange­wand­te Dia­lek­tik ver­dient in meh­rer­lei Hin­sicht Auf­merk­sam­keit. Wört­lich schreibt Spa­daro in sei­nem CNN-Kom­men­tar:

„Ich glau­be, daß Amo­ris lae­ti­tia eine offe­ne und inter­es­san­te Debat­te in der katho­li­sche Kir­che erzeugt hat, und das dank Fran­zis­kus, einem Papst, der noch nie einen Dia­log blockiert hat, wenn er loy­al und vom Wohl der Kir­che moti­viert ist.
Die Sache jener wäre natür­lich ganz anders, die Kri­tik für ande­re Zwecke benut­zen oder Fra­gen stel­len, um Schwie­rig­kei­ten und Spal­tun­gen zu erzeu­gen.
Die inter­es­san­ten Fra­gen der vier Kar­di­nä­le wur­den in Wirk­lich­keit bereits wäh­rend der Syn­ode gestellt, wo der Dia­log tief, umfang­reich und vor allem offen war. Amo­ris lae­ti­tia ist das rei­fe Ergeb­nis der Über­le­gun­gen von Fran­zis­kus, nach­dem er allen zuge­hört und den Schluß­be­richt der Syn­ode gele­sen hat­te.
Es ist das Ergeb­nis einer Syn­ode, und nicht die per­sön­li­che Idee des Pap­stes, wie man­che mei­nen.
Wäh­rend der Syn­ode wur­den alle not­wen­di­gen Ant­wor­ten gege­ben, und das mehr als ein­mal. Seit­dem haben vie­le ande­re Hir­ten, dar­un­ter vie­le Bischö­fe und Kar­di­nä­le, die Dis­kus­si­on wei­ter­ge­führt und ver­tieft, auch in jüng­ster Zeit. Der Papst benann­te in Kar­di­nal Schön­born sogar den authen­ti­schen Inter­pre­ten des Doku­ments.
Daher glau­be ich, daß ein zwei­feln­des Gewis­sen leicht alle Ant­wor­ten fin­den kann, die es sucht, wenn es sie mit Auf­rich­tig­keit sucht.
In die­sem Fall, wie auch in ande­ren, soll­te alles, was das Leben der Men­schen betrifft, nicht abstrakt sein, son­dern , wie auch die vier Kar­di­nä­le sagen, das Ergeb­nis von ‚Nach­den­ken und Dis­kus­si­on, fried­lich und vol­ler Respekt‘ sein.

Papst muß nicht antworten, „weil auf Synode bereits mehrfach geantwortet wurde“

"Auf Fragen wurde bereits während der Synode geantwortet"
„Auf Fra­gen wur­de bereits wäh­rend der Syn­ode geant­wor­tet“

Mit ande­ren Wor­ten sagt Spa­daro: Papst Fran­zis­kus müs­se nicht auf die Dubia der vier Kar­di­nä­le ant­wor­ten, weil er eine „offe­ne Dis­kus­si­on“ erlaubt habe. und weil die Fra­gen ohne­hin bereits wäh­rend der Syn­ode „mehr­fach“ beant­wor­ten wor­den sei­en. Spa­daro sagt aber nicht, wer denn auf der Syn­ode geant­wor­tet hat. Der Papst jeden­falls nicht. Er erklärt auch nicht, wenn eine Ant­wort auf die Dubia bei der Syn­ode mög­lich war, war­um jetzt ein Ver­steck­spiel betrie­ben wird.

Der Civil­tà ‑Cat­to­li­ca-Lei­ter ver­mit­telt zudem den Ein­druck, als sei­en die umstrit­te­nen Pas­sa­gen von der Bischofs­syn­ode über die Fami­lie beschlos­sen wor­den. In Wirk­lich­keit kam es dort zu einem sehr har­ten Schlag­ab­tausch. Als die Ver­tre­ter der „neu­en Barm­her­zig­keit“ erkann­ten, in der Min­der­heit zu blei­ben, ver­zich­te­ten sie selbst auf expli­zi­te For­mu­lie­run­gen, um eine Abstim­mungs­nie­der­la­ge und einen damit ver­bun­de­nen päpst­li­chen Gesichts­ver­lust zu ver­mei­den.

Damit kommt Spa­daro zum für ihn offen­bar ent­schei­den­den Punkt: „Kri­tik“ und Fra­gen“ müß­ten durch „Loya­li­tät“ moti­viert sein. In die­sem Zusam­men­hang spricht er den vier Kar­di­nä­len impli­zit ab, zum Wohl der Kir­che zu han­deln, denn „ein zwei­feln­des Gewis­sen“ kön­ne „leicht alle Ant­wor­ten fin­den, die es sucht, wenn es sie mit Auf­rich­tig­keit sucht“. Damit unter­stellt er den Kar­di­nä­len, daß sie nicht „mit Auf­rich­tig­keit“ suchen, sonst hät­ten sie die Ant­wor­ten auf ihre Fra­gen längst gefun­den und wür­den nicht den Papst damit belä­sti­gen. Wor­aus ein Leser, folgt er Spa­dar­os Logik, fol­gern muß, daß die Fra­gen der Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner in Wirk­lich­keit „ande­re Zwecke“ ver­fol­gen, „um Schwie­rig­kei­ten und Spal­tun­gen zu erzeu­gen“.

Vier ange­se­hen Kar­di­nä­le der katho­li­schen Kir­che müs­sen sich vom Schrift­lei­ter der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift ohne Not so schar­fe Kri­tik gefal­len las­sen, und man fragt sich war­um. Alles nur, weil Papst Fran­zis­kus, obwohl Nach­fol­ger des Apo­stels Petrus, sich wei­gert öffent­lich und unmiß­ver­ständ­lich auf eini­ge zu ant­wor­ten.

Spa­daro ver­sucht San­ta Mar­ta vom „Schwar­zen Peter“ für die­ses bedrücken­de Schla­mas­sel zu befrei­en und ihn durch ein dia­lek­ti­sches Gedan­ken­spiel ande­ren zuzu­schie­ben. Ein Unter­fan­gen, das auf sol­che Wei­se zum Schei­tern ver­ur­teilt scheint.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CNN (Screen­shot)




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2 Kommentare

  1. Die­se Wor­te Spa­dar­os auf CNN fin­de ich unge­heu­er anma­ßend. Es steht ihm nicht zu, für den Inha­ber des Papst­am­tes zu spre­chen und was er sagt wider­spricht dem Kir­chen­recht. Es wider­spricht auch dem Kir­chen­recht und der ewig unver­än­der­ba­ren Leh­re der katho­li­schen Kir­che, wenn er andeu­tet, dass im Ehe­bruch leben­de ohne Reue zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den könn­ten.
    Der Papst muss sehr wohl auf das bei der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ein­ge­brach­te Dubia ant­wor­ten.
    Ich ver­ste­he auch nicht, war­um aus­ge­rech­net die Jesui­ten, die ins­ge­samt pro­gres­si­ver Prä­gung sind und vor Jahr­hun­der­ten auf­ge­löst wur­den, über­haupt in der katho­li­schen Kir­che noch irgend­et­was zu sagen haben. Doch mit der Wahl Ber­go­gli­os zum Inha­ber des Papst­am­tes hat sich fun­da­men­tal vie­les ver­än­dert. Still schlei­chend ist die pro­gres­si­ve Dik­ta­tur im Vati­kan ein­ge­zo­gen.

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