Wann nimmt Benedikt XVI. zur Papstkrise Stellung?

Benedikt XVI.
Benedikt XVI. und die Kirchenkrise, die sich immer deutlicher als Papstkrise entpuppt.

(Rom) Viele gläubige Katholiken empfinden noch heute eine Enttäuschung wegen des Amtsverzichts von Benedikt XVI. Diese Enttäuschung wird immer neu strapaziert, wenn der vormalige Papst einen nicht unerheblichen Teil seiner wenigen Wortmeldungen auf die Rechtfertigung seines Schrittes verwendet, obwohl die Not der Kirche nach ganz anderem verlangen würde. Das gilt um so mehr, als Benedikt XVI. immer neue und kryptischere Rechtfertigungsvarianten in die Diskussion einführt, ohne Roß und Reiter beim Namen zu nennen.

Die Bild-Zeitung lieferte heute eine neue Variante, indem sie auszugsweise einen Brief Benedikts XVI. vom November 2017 an einen namentlich nicht genannten deutschen Kardinal veröffentlichte. Bergoglianer zeigen mit dem Finger auf Kardinal Walter Brandmüller. Der einst enge Vertraute von Benedikt XVI. übte tatsächlich schon öffentlich heftige Kritik an der Art, wie Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht umsetzte. In einem persönlichen Brief formulierte der Kardinal die Sache noch deutlicher und machte aus seiner Enttäuschung über den Rücktritt kein Hehl.

Benedikt reagierte mit einem „Wut-Brief“, so die Bild-Zeitung, die ihn heute auszugsweise veröffentlichte. Benedikt schreibt darin:

„Den tief sitzenden Schmerz, den Ihnen mit vielen anderen das Ende meines Pontifikats zugefügt hat, kann ich sehr wohl verstehen. Aber der Schmerz ist bei manchen – wie mir scheint – auch bei Ihnen zum Zorn geworden“.

Der Satz, der die Bergoglianer jubeln und diesen Brief wie eine Trophäe zur Schau tragen läßt, lautet:

„Auf diese Weise wird nun ein Pontifikat selbst entwertet und in die Trauer über die Situation der Kirche von heute eingeschmolzen.“

Zudem rechtfertigte Benedikt XVI. seinen Rücktritt auf neue Weise mit einem Verweis auf Papst Pius XII., der im Jahr 1944 Vorkehrungen traf, um durch einen Rücktritt einer Verhaftung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen.

Dazu Bild samt einer zwangsläufigen Frage:

„Pikant: Der Vergleich mit einem sich von Nazis bedroht sehenden Papst. Durch wen fühlte Benedikt sich bedroht?“

Bisher betonte, ja beharrte Benedikt XVI. darauf, aus völlig freien Stücken zurückgetreten zu sein. Der Aspekt ist in rechtlicher Hinsicht zentral: Sollte der Amtsverzicht nicht frei erfolgt sein, wäre er null und nichtig.

Was also will Benedikt XVI. damit sagen? Und warum nennt er nicht Roß und Reiter?

Franziskus und Benedikt XVI.
Franziskus und Benedikt XVI.

Der von Bild zur Schau getragene Streit zwischen Benedikt XVI. und Kardinal Brandmüller demontiert tatsächlich, wie Benedikt XVI. in seinem Antwortschreiben beklagt, in gewisser Weise sein Pontifikat. Die Haupt- und Erstverantwortung dafür trägt er allerdings selbst.

Er selbst hatte am Beginn seines Pontifikats gesagt, man solle für ihn beten, damit er „nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe“. Ein Satz, der nicht wenigen Katholiken seither durch den Kopf geistert.

Heute mehr denn je, besonders seit Franziskus im vergangenen Dezember sein 80. Lebensjahr vollendete, steht aufmerksamen Katholiken und Beobachtern die Tatsache vor Augen, daß es in der Hand von Papst Benedikt XVI. lag, der Kirche ein Pontifikat Franziskus zu ersparen. Da scheint es kaum verwunderlich, daß manche nicht nur einen „tief sitzenden Schmerz“ darüber empfinden, sondern „der Schmerz bei manchen zum Zorn geworden ist“, wie Benedikt XVI. in dem heute von Bild veröffentlichten Brief beklagt.

Da trifft es sich offensichtlich „gut“, daß Kardinal Walter Brandmüller zu den vier mutigen Kardinälen gehört, die im Sommer 2016 Papst Franziskus Dubia (Zweifel) zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia vorlegten. Die Gegenspieler gegeneinander auszuspielen erfreute noch immer jeden Strippenzieher. Auch das muß gesagt werden, wenn man die Dinge beim Namen nennt.

Bemerkenswert am Benedikt-Brief ist auch der Satz, von dem die Bild-Zeitung meint, er sei eine „scharfe“ Zurechtweisung:

„Wenn Sie einen besseren Weg wissen (als den Rücktritt, Anm. der Bild-Zeitung) und daher glauben, den von mir gewählten verurteilen zu können, so sagen Sie es mir bitte“.

Bei allem notwendigen, geschuldeten und gern entbotenen Respekt, aber diese Antwort würde vielen gläubigen Katholiken wahrscheinlich nicht schwerfallen. Der „bessere Weg“ wäre gewesen, im Amt auszuharren, denn die Wahl erfolgte auf Lebenszeit. Was die Kirche seit dem 28. Februar 2013 erlebt, ist und bleibt beispiellos in der Kirche. Daran ändern alle Rechtfertigungsversuche aus dem Kloster Ecclesia Dei nichts. Und das sagen zu müssen, tut weh.

Darum darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß Benedikt XVI. auch heute Gelegenheit hätte, seine Stimme zu erheben, da der amtierende Papst offensichtlich und nicht nur in einem Fall nicht imstande oder nicht willens scheint, seinen Amtspflichten nachzukommen.

Warum Benedikt XVI. nicht nur zurückgetreten ist, sondern sich noch selbst seinen Handlungsspielraum einengte, gehört ebenfalls zu den Rätseln rund um seinen Amtsverzicht, die sich mit den Rätseln rund um das Pontifikat Franziskus zu großen Fragen vermengen: Wie konnte es zur derzeitigen Kirchenkrise kommen, die immer deutlicher als Papstkrise erkennbar wird? Und: Was will Gott der Kirche damit sagen?

Tatsache ist jedoch, daß Benedikt XVI. an das selbstgewählte „Schweigen“, von dem er im Februar 2013 sprach, in keiner Weise gebunden ist. Es wäre wohl drängender und brennender, daß er heute zur Kirchenkrise Stellung nimmt, die in erster Linie eine Papstkrise scheint, anstatt Imagepflege rund um die umstrittene Entscheidung seines Pontifikatsendes zu versuchen. Kurienerzbischof Georg Gänswein, der vor wenigen Tagen am Sitz des Italienischen Parlaments überraschend dramatische Worte zur aktuelle Lage fand, sollte dies dem achten deutschen Papst der zweitausendjährigen Kirchengeschichte nahelegen.

Benedikt XVI. endet sein „pikantes“ Schreiben mit den Worten:

„Beten wir lieber darum, wie Sie es am Ende Ihres Briefes getan haben, dass der Herr seiner Kirche zu Hilfe kommt.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Bild/Vatican.va (Screenshots)

12 Kommentare

  1. Papst Benedikt ist nach meiner vollen Überzeugung ein rechtschaffener, redlicher und tiefgläubiger Mensch.
    Er war m.E. stets bestrebt und tat sein Möglichstes, die ihm gestellten Aufgaben gewissenhaft zur Ehre Gottes zu erfüllen.
    Ich bin mir völlig sicher, dass -was immer die konkreten Ursachen seines Rücktrittes waren- er diesen wesentlichen Schritt auf keinen Fall leichtfertig oder aus niederen Beweggründen gegangen ist.
    Aber er ist letztlich auch nur ein Mensch, zwar ein sehr begabter, jedoch eben „nur“ ein einfacher Mensch. Er ist kein „Allmächtiger“. Und als Mensch ist auch er gewissen Grenzen unterworfen.
    Gewiss, wir wissen nicht wirklich, weshalb Papst Benedikt zurücktrat; wir wissen auch nicht, weshalb er sich entschloss zu schweigen, etc.
    Andererseits sehen wir einen sehr betagten Menschen, der im Laufe seinen Lebens Bedeutendes geleistet hat.
    Sollten wir ihm nicht zugestehen, dass er die Entscheidung, welche er 2013 getroffen hat, aus ehrenhaften Motiven traf, vor allem im guten Glauben und im Vertrauen darauf, dass er der Kirche Jesu Christi Schlimmeres ersparen würde…?
    Gerade der Hinweis auf die Vorkehrungen, die Papst Pius XII. einst getroffen hat, verdeutlicht doch, dass Benedikt nicht als feiger Mietling seine Schafe verlassen hat, sondern im Gegenteil meinte, durch seine Entscheidung, einem rüstigeren Hirten Platz zu machen, seine Herde schützen wollte.
    Übrigens, es ist oftmals unendlich viel schwerer und belastender, über eine Angelegenheit (sogar engen Mitarbeitern oder Freunden gegenüber) zu „schweigen“, als sie auf dem Marktplatz der Meinungen auszubreiten.
    Anstatt auf Papst Benedikt herumzuhacken, weil er handelte, wie er es tat und auch gegenwärtig tut, sollten seine frommen und ebenso seine un-frommen Kritiker eher in ihren persönlichen „Lebensspiegel“ sehen, dann ganz tief meditativ in sich gehen und sich fragen, ob sie selber immer dem entsprechen, was von ihnen erwartet werden könnte. Das gilt nicht nur für die „Großen“, sondern genauso für die „Kleinen“.
    Zitat:“Beten wir lieber darum,…, dass der Herr seiner Kirche zu Hilfe kommt.“
    Klingen diese Worte nicht wie der Hilfeschrei eines um seine Herde äußerst besorgten Hirten? Eines Hirten, der um die Schwächen und Unzulänglichkeiten der menschlichen Arbeiter im Weinberg des Herrn, einschließlich seiner eigenen, weiß? Wäre es nicht besser, wenn Papst Benedikts „fromme“ Kritiker auf diesen Hilferuf mit intensiven Gebeten antworten würden, anstatt weiterhin enttäuscht -und vielleicht auch ein bißchen selbstgerecht?- in die Vergangenheit zu starren, über Motive für den Rücktritt nachzusinnen sowie nach Beendigung des Schweigens zu rufen?

    • Ich danke Ihnen sehr für diesen Kommentar. Schaut man sich die Fotos von Benedikt aus der letzten Zeit an, dann kann man doch sehen, warum er es vorgezogen hat zurückzutreten. Das bestätigt m.E. die Version, die besagt, dass er einfach Interkontinentalreisen nicht mehr überlebt hätte, welche er aber für unerlässlich hielt. Hätte er auf dem Rückflug von Rio sterben sollen? Meines Erachtens ist Benedikt nie (weder vor seinem Pontifikat noch währenddessen) vor den Wölfen geflohen: er hat mutig auch unpopuläre Themen angesprochen, z.B. zur Gewaltproblematik im Islam oder zur Aids-Prävention, die ihm wütende Medienreaktionen beschert haben. Und es ist doch nicht seine Schuld, dass nach ihm Bergoglio gewählt wurde, oder? Ich bin längst nicht in allem einer Meinung mit Benedikt XVI, aber er war immer ein aufrichtiger Mensch, der das Gespräch und den Ausgleich gesucht hat, darüber hinaus natürlich ein hochintelligenter Mann und großer Theologe. Gönnen wir ihm doch seinen Lebensabend, wie er ihn für sich beschlossen hat. Für alles andere tragen nun die noch aktiven Amtsträger die Verantwortung

  2. Danke für diesen Bericht und die eingestreuten Kommentare!

    Die Aussagen des emeritierten Papstes sind bizarr. Daß er unter Druck gesetzt und bedroht wird, ist mehr als wahrscheinlich. Aber das entbindet ihn nicht von einer klaren Stellungnahme zu seinem Rücktritt, zur Situation des jetzigen Pontifikats (ob gültig oder allenfalls eben nicht) und zur Wahrheit über Fatima.

    Papst Benedikt hatte – wie schon öfter hier festgehalten – als Kardinal die Fatima-Botschaft bis zur Unkenntlichkeit entstellt (26.06.2000) und das III. Geheimnis maximal teilweise veröffentlicht – es aber unglaubwürdigerweise auf das Attentat vom 13. Mai 1981 bezogen. Noch als Papst hat er das üble Lügenbuch von Kardinal Bertone „Die Seherin von Fatima“ eingeleitet und damit empfohlen.
    Es wäre sehr, sehr dringend, diese katastrophalen Fehlentscheidungen zu revidieren.
    Es würde einen satanischen Furor auslösen, dem er durchaus selbst zum Opfer fallen könnte (womit eventuell die Vision des III. Geheimnisses erfüllt werden könnte). Aber die Wahrheit muß auf den Tisch. Das Gewissen muß ihn doch bedrängen.

    Das kann doch kein Problem sein, eine Stellungnahme zu verlesen oder – wenn die Bewachung im Kloster Mater Ecclesiae (nicht Ecclesia Dei) massiv sein sollte – einen Kassiber herausschmuggeln zu lassen.

    • Es gibt Dinge im Leben von uns Christen, die verstehen wir einfach nicht oder noch nicht. Aber in der Rückschau werden wir verstehen, warum diese so gewesen sind, wie sie gewesen sind. Oder diese Dinge spielen einfach keine Rolle mehr, sobald wir erlöst sind.

      Johannes 16, 20-23 sagt passend dazu:

      20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
      21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
      22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
      23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

      Ich glaube, dass es so ähnlich mit dem Schweigen und der Absenz von Papst Benedikt ist. Außerdem, wenn wir Katholiken an die Bibel glauben, glauben wir daran, dass Gott keine Fehler macht und alles nach seiner Regie abläuft.

      Auf Papst Benedikt beziehe ich das. Jemand, der soviel mit Gott verbunden ist wie er, täglich die heilige Messe feiert, den Rosenkranz und alle Psalter betet, kann kaum gegen Gottes Willen handeln.
      In dem Sinne bin ich überzeugt, dass er das getan hat, was Gott wollte.

      Welche Bedrohungen und Verfolgungen der katholischen Kirche Gott im Lauf der Geschichte zugelassen hat – denken wir an den Protestantismus, die Türkenkriege, den Nationalsozialismus, den Kommunismus, ja sogar das 2. vatikanische Konzil und Papst Franziskus, der alles Dagewesene, Geglaubte in Frage stellt und große Verwirrung in der heiligen, katholischen Kirche stiftet.

      Ich bin sicher, dass der große Glaubensabfall noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat. Nach der heiligen Schrift erreicht die Apostasie den Höhepunkt mit dem „Mensch der Gesetzlosigkeit“, der sich über Gott erhebt und sich an seine Stelle in den Tempel setzt.

      Gesetzlosigkeit bezieht sich im katholischen Glauben nicht auf weltliche Gesetze, sondern auf die 10 Gebote.
      Wenn es auch Menschen gibt, die die 10 Gebote für sinnlos halten, so erfüllen gerade sie das was kommen wird, nämlich die Gesetzlosigkeit. Der Logik des Wortes nach ist die Abkehr von den 10 Geboten in der katholischen Kirche die Wegbereitung für den Antichristen.

      Den Antichristen, der sich im Tempel an die Stelle Gottes setzt hat es in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht gegeben, auch keinen vergleichbaren Menschen. Das heißt, dieser Teil der Johannes-Offenbarung steht noch aus. Mit der Offenbarung endet die heilige Schrift.
      Und der Erste und der Letzte und der Lebendige – der kann Jesus Christus nur dann sein, wenn er wiederkommen wird am Ende der Zeiten, zu richten die Lebenden und die Toten. Dass am Ende der Zeiten ein Gericht notwendig ist, erscheint logisch. Man kann die Menschen nicht ohne Welt weiter existieren lassen. Da die Welt zu ihrem Ende kommt, ist das Gericht und die Scheidung nach Gut und Böse notwendig.

      Wir Menschen können uns weder „aussuchen“, ob es Gott gibt, noch ob es ein Gericht gibt. Es ist aber 2000 Jahre alter Glaube der katholischen Kirche. Ein sinnhaftes Ganzes, das Antworten auf die Fragen des menschlichen Daseins gibt. Im Gegensatz zu anderen Religionen ist der katholische Glaube tatsächlich ein sinnhaftes Ganzes.
      Wenn auch diese Antworten nicht schmeichelhaft für moderne Menschen sind, die lieber die Erbsünde, damit verbunden Leid und Tod ausblenden und ein Leben in Genuss leben wollen.
      Doch das sinnhafte Ganze das die Kirche vorgibt, hat gerade die Erbsünde als wesentliche, tragfähige Säule.

      Die Überlieferung und die eigene Erfahrung mit Gott soll aus uns gläubige Menschen machen. Gläubige Menschen, die ihren Glauben etwa durch die Stiftung von Kapellen, Denkmälern, Kreuzen etc kundtun, evtl von unerklärlichen Heilungen berichten, anderen ihren Glauben weitergeben und Wunder, die dokumentiert der Öffentlichkeit vorliegen können diesen Glauben belegen.

      Einen Sinn ergibt der Benedikt-Rücktritt also erst, wenn man ihn heilsgeschichtlich in einen biblischen Kontext setzt. So war Benedikt, mit Sicherheit ein bedeutender Papst, wohl derjenige der das Böse „zurückhält“. Und der erst beseitigt werden musste, damit der Satan in der katholischen Kirche die Herrschaft übernehmen konnte.

      Man könnte es auch vereinfacht sagen. So wie vieles, ist der Rücktritt Benedikts als Kreuz für diejenigen zu sehen, die besonders unter den derzeitigen Entwicklungen in der Kirche leiden.
      Doch das Kreuz Christi war Gottes Wille, was es schwierig macht sich dagegen aufzulehnen und es in Frage zu stellen, und zwar sobald wir darüber Bescheid wissen, DASS es ein von Gott auferlegtes Kreuz ist.

      Und die nach wie vor bestehenden negativen Reaktionen nach Benedikts Rücktritt erinnern mich an dieser Stelle an die Reaktionen der Jünger Jesu, als sie mit Widerstand zur Kenntnis nehmen mussten, dass der Menschensohn den Menschen ausgeliefert, gekreuzigt und am dritten Tage auferstehen werde.

      Sie haben in Jesus den neuen König der Juden erwartet, doch dann wurde er am Kreuz auf grausame Art ermordet. Jesus tat nicht das, was sich seine Jünger und das Volk von ihm erwarteten. Papst Benedikt ebenfalls nicht. Und man kann davon ausgehen oder glaubend annehmen, dass in beiden Fällen Gottes Wille erfüllt wurde.
      Wobei die Empörung bizarr anmutet, wenn man bedenkt dass demzufolge Benedikt ebenfalls ein Kreuz zu tragen hatte bis zu seinem Rücktritt. Dieses mit dem Kreuzchen der Absenz eines katholischen Papstes zu vergleichen, das die Gläubigen zu tragen haben, ist schwierig und mangels genauer Kenntnis der Umstände nicht zulässig.

  3. Mit allem gebührendem Respekt und Sympathie: Joseph Ratzinger war nie eine Kämpfernatur und lief fast immer weg wenn es hart auf hart kam.
    Im Dritten Reich wurde er von der Kaltstellung seines Vaters, Gendarm in Bayern, und von der rüppigen Intimidierung der Nationalsozilisten stark intimidiert;
    Eingezogen für den Militärdienst an der Front ganzzeitig
    gewaltig ängstlich.
    Die anfängliche Zurückweisung seiner Habilitation, die seiner wissenschaftlichen Karriere fast beendete, löste bei ihm Panik aus;
    im 2.Vatik. Konzil dann mitten in den revolutionären Umwälzungen eine Überlebungsnische gesucht und gefunden in „Ad gentes“;
    im aufrührerischem Tübingen in der 68er Revolution persönlich beschützt von 2 stärkere und mehr tapfere protestantischen Professorkollegen, dann auch schnell zum beschaulichen Regensburg gegangen.
    Im Erzbistum München-Freising auf breite Skala sabotiert, ist von Joseph CardRatzinger wenigstens einmal dokumentiert, daß er „wutschnaufend war“ (anläßlich des Besuches v. P.JohannPaul II in München, wo eine „junge Katholikin“ (lebt noch, inzwischen natürlich älter, und hat auch (große)Kinder, darunter eine Tochter, die es mit den Vorgaben des KKK nicht mehr so seriös nimmt) am Mikrophon vor dem Papst ihre eigene Meinung betr. Verhütung und Sehnsüchten der „modernen Jugend“ kund tat.
    Die Episode ist fast vollkommen vergessen.
    In dem Debakel der Kath.Kirche mit der fast kompletten Verlotterung der Liturgie schwankend-undeutlich ggb. Msgr. Lefebvre, dann teilrestaurierend mit De Ecclesia adflicta, ab 1995 im Kampf gg. pädophile Umtriebe in der Kirche aber dabei stets auf sicherer Distanz.
    Kein Held und kein Haudegen- hat er ebenfalls selbst gesagt in 2005 nach der Papstwahl.
    Und zugleich wollte er das 2. Vat.Konzil retten.
    Wie der hervorragende artikel v. Miquel Angel Yanez auf AdelantelaFe beschriebt, ist die jetzige Zerrüttung nichts anders als die Implosion der „Parakonziliären Sekte“.
    Äusserst bitter.

  4. Wie recht Sie haben, Herr Nardi!! Was mich noch interessieren würde, ist, wer diesen Brief geleakt hat. Wenn man diese Person findet, hat man damit sicher ein kleines Zentrum der Perfidität im Umfeld des Vatikans ausgemacht. Oder hat etwa ein größerer „Player“ Zugang zur Korrespondenz des emeritierten Papstes oder seines Briefpartners? Und warum bekommen wir von der Bild-Zeitung nur bestimmte Auszüge präsentiert? Was steht in den Teilen des Briefes, die nicht veröffentlicht wurden? Vielleicht wird in diesen Teilen des Briefes der Kontext klar, auf den sich Benedikt bezieht, wenn er meint „keinen besseren Weg“ zu kennen? Eventuell war hier gar nicht vom Rücktritt als solchen die Rede, sondern von einem anderen, konkreteren Kontext? Können wir dem von der Bild-Zeitung zugelieferten Kontext einfach so glauben?

  5. Sicher hätte Benedikt als ‚Märtyrer‘ aushalten können. Auch als schwer kranker Mann hätte er das tun können.

    Doch er sah, dass er nicht den nötigen Rückhalt und die notwenige Autorität besaß. Man hätte in der Kurie schlichtweg an ihm vorbeiregiert. Das hätte Schande über sein Pontifikat gebracht.

    Er hätte als Marionette auf seinem Thron gesessen, vollgepumpt mit Drogen und selber aufgelöst über das eigene Schausspiel.

    Bei allem Zweifel wäre dies vieleicht der bessere Weg gewesen.

    Der Wahrheit gegenüber hätte er selbst das Martyrium auf sich nehmen müssen. Gerüchte über Morddrohungen gab es ja immer wieder.

    Benedikt scheint mir als Mann der Vernunft nicht die notwendige Spiritualität eines Johannes Paul II besessen zu haben. Man möge mir diese Einschätzung verzeihen. Seine Spiritualität ist eine vernunftgeleitete orthodoxe, doch ob sie in der gegenwärtigen Situation angebracht war/ ist, bleibt fraglich.

    Zu dem jetzigen Desaster wäre es nicht gekommen, wenn er Bergoglio blockiert hätte; das ist sicher.

    Doch was wäre nach ihm gekommen? Vielleicht hätte es jemand noch schlimmer getrieben, als F.

    Zum anderen muss bei aller Widersprüchlichkeit immer das Wirken der Vorsehung in Betracht gezogen werden. Nach A.K. Emmerick ist jetzt die Zeit der zwei Päpste.

    Benedikt wird sich darüber ganz gewiss im Klaren sein.

    Ganz sicher ist auch, dass Benedikt umfassend über geheim gehaltene Offenbarungen Bescheid weiß, über die der Laie nichts weiß, und die sein Tun rechtfertigen.

    Im Grunde ist sehr schön zu sehen, dass Benedikts Schweigen ein anderes Schweigen ist, als das des Franziskus.

    Man muss die Dinge hier mehr herausfühlen. Ein Versuch, die Dinge logisch interpretieren zu wollen, muss scheitern.

  6. Weshalb hat sich Jesus nicht gegen die Verleumder gewehrt? Warum hat er Petrus sogar zurechtgewiesen, als er dem Soldaten ein Ohr abschlug und ihn bat, sich zu verteidigen oder zu fliehen? Warum begegnete er Judas immer noch freundlich, liebend und nicht anklagend, blossstellend, obwohl er vom Verrat wusste? Durch sein schweigendes, ertragendes Leiden hat er die Erlösung für uns erwirkt.
    Ist dies für die kath. Kirche ihr Gang zum Kalvarienberg?
    Damals verstanden dies die Menschen nicht und erwarteten von Jesus, falls er wirklich der Messias sein sollte, einen Befreiungsschlag.
    Was wissen wir schon, warum und wieso?!
    Die Kirche, seine Braut, geht sie seinen Weg ebenfalls? Halten wir ihr und somit Jesus die Treue, verurteilen wir nicht und lassen uns nicht entmutigen und vom Feinde aufhetzen, versprengen und vom Weg abbringen. Lasst uns trotz Anklagen, Verrat, Hass und Spott und der feigen Flucht einiger seiner Jünger, geduldig betend am Wegesrand verweilen. Unter dem Beistand und in Begleitung seiner Gottesmutter und des einzig verbliebenen treuen Jüngers, dürfen wir Standhaftigkeit, Treue und Opferbereitschaft beweisen. So wird das Licht der Wahrheit weiter brennen und nicht ausgehen, bis der Bräutigam zurückkehrt.
    Denken wir daran, der stumme Leidensweg Jesu zum Kreuz war nur VERMEINTLICHES Versagen, in Wahrheit aber pure Liebe und ein unbeschreibliches Opfer, vielleicht ist es für emer. Papst Benedikt XVI
    heute ähnlich.
    Bitte, beten wir gemeinsam für ihn, alle geweihten Würdenträger und für die ganze Heilige Katholische Kirche mit allen ihr anvertrauten Glieder/Kinder.

  7. Die entscheidende Frage ist: wer hat das Briefgeheimnis verletzt und diese Briefe an die Medien gespielt? Es handelt sich um eine konzertierte Aktion von NYT und Bild, wobei erstere wohl den Lead innehatte (danke an Blogger b-logos für diese Einschätzung). Da die Geschichte sowohl Kardinal Brandmüller als auch em. Papst Benedikt XVI schadet, kann sie nur als massive Einschüchterung der beiden oder vielleicht besonders eines der beiden gesehen werden. Schau her, was wir alles über dich wissen, also pass auf, was du als nächstes tust! Sind das die Wölfe, von denen schon die Rede war?

  8. Ein Foto des einen Briefes habe ich heute Nacht entdeckt auf der gut informativ versorgten Website http://www.kavlaanderen.blogspot.be
    Tatsächlich ist der Brief an SE Kard. Walter Brandmüller gerichtet.
    Bemerkenswert ist daß hier ein 92-jähriger (S.H. P.Benedikt XVI) an einen 90-jährigen (SE Kard. Brandmüller) schreibt und wohl in einer für die Hl. Katholische Kirche äusserst schwierigen und die Fundamenten betreffende Situation.
    Kard. Brandmüller stammt aus einer Offiziersfamilie und war immer sehr tapfer.
    Seine Ansichten zum Drangsal der Kirche vor und besonders nach dem Rücktritt von P.Benedikt XVI hat er nie unter Stuhlen und Bänke weggesteckt, sondern offen artikuliert und auch ggb. seinen langjährigen Freund P.Benedikt XVI ausgesprochen.
    Insoweit bestätigt dieser Briefwechsel diese uns schon bekannte Gedanken von Kard. Brandmüller.
    Was P.Benedikt XVI betrifft: Joseph Ratzinger war nie ein Kämpfer, meistens timide, den Kampf aus dem Wege gehend, und in jüngeren Jahren modernistisch.
    Die Abweisung seiner Doktorarbeit in erstem Anlauf versetzte ihn in existenzielle Angst; beim 2.Vat. Konzil hat er sich bei zunehmender Revolution in die Kommission „Ad gentes“ abgesetzt; in Tübingen lief er in 1968 weg, um im beschaulichen Regensburg zu lehren; 22 Jahre nach dem Konzil und dem liturgischen emolierungsfeldzug war er an „De ecclesia adflicta“ beteiligt, rehabilitierte die De Ecclesia-Gesellschaften zaghaft mit der litugischen Konferenz v. Fontgombault, und fing eine zaghafte Wiederbelebungsreform der Alten Liturgie an.
    J.Ratzinger hat 60 Jahre 2.Vat.Konzil und Postkonziliarzeit an vorderster Stelle erlebt und mitgestaltet und sieht jetzt täglich wie alles von seinem Nachfolger zerstört wird.
    Anderen haben da Zorn und P.Bemedikt XVI hat Sorge, wegen de Kirche und daß „sein Pontifikat nicht entwertet wird“.
    Menschlich verständlich aber führungstechnisch traurig-insuffizient.

  9. Kard. Brandmüller hat natürlich recht: es gibt keine Präzedenz für zeitgleich zwei Päpste in Rom.
    Und dazu ist P.Benedikts XVI Erfindung vom „Papst emeritus“ natürlich nicht durch das Kirchenrecht und noch viel weniger fundamentaltheologisch abgedeckt.
    Inzwischen gibt es sehr viele Hinweise, daß der Rücktritt von Papst Benedikt XVI von aussen unter Zwang herbeigeführt wurde, daß die Wähler-Kardinäle teils arglistig getauscht wurden und wird über sehr verdächtige Finanztransfers berichtet (möglich Simonie).

  10. Papst em. Benedikt XVI. regiert nicht mehr, also reagiert er auch nicht.
    Er ist freiwilliger „Gefangener des Vatikans“.
    Für Unterstellungen bin ich nicht zu haben.

    Ein erzwungener Rücktritt wäre irregulär, würde aber an der Situation nichts ändern. Ebenso wie eine manipulierte Wahl von Papst Franziskus.

    Dagegen ist das Handeln unseres regierenden Papstes eine Offenbarung seines Wollens.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*