Wie lange will Papst Franziskus noch schweigen?

Die Fälle McCarrick und Zanchetta

Mißbrauchsgipfel: Papst Franziskus schweigt weiterhin zu den Anschuldigungn von Nuntius Carlo Maria Viganò.
Mißbrauchsgipfel: Papst Franziskus schweigt weiterhin zu den Anschuldigungn von Nuntius Carlo Maria Viganò.

(Rom) In Rom tagt wei­ter­hin der Miß­brauchs­gip­fel, wäh­rend eben­so wei­ter­hin die Rol­le von Papst Fran­zis­kus im Fall von Ex-Kar­di­nal McCarrick, der inzwi­schen lai­siert wur­de, unklar ist. Das­sel­be gilt für den Fall des argen­ti­ni­schen Bischofs Gusta­vo Oscar Zan­chet­ta. Eine Aus­sa­ge von Kar­di­nal O’Malley im Rah­men des Gip­fel­tref­fens scheint in die­sem Zusam­men­hang von eini­gen Medi­en falsch ver­stan­den wor­den zu sein.

Kar­di­nal Sean Patrick O’Malley ist Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on. Als sol­cher ist er im Vati­kan eigent­lich für den Kampf gegen den sexu­el­len Miß­brauch Min­der­jäh­ri­ger zustän­dig. Den­noch wur­de er nicht also sol­cher zum Gip­fel­tref­fen ein­ge­la­den, son­dern in sei­ner Funk­ti­on als Mit­glied des C9-Kar­di­nal­s­ra­tes, der auf einen C6-Rat geschrumpft ist. Die­se Ein­la­dungs­po­li­tik deu­tet an, wel­ches Rin­gen hin­ter den Kulis­sen um die Deu­tungs­ho­heit beim The­ma sexu­el­ler Miß­brauchs­skan­dal im Gan­ge ist.

Bei einer der beim Gip­fel statt­fin­den­den Pres­se­kon­fe­ren­zen wur­de eine Aus­sa­ge von Kar­di­nal O’Malley offen­bar miß­ver­stan­den. Ihm wur­de zuge­schrie­ben, die bal­di­ge Ver­öf­fent­li­chung der Ermitt­lungs­er­geb­nis­se zum Fall McCarrick ange­kün­digt zu haben. Das wur­de auch dahin­ge­hend aus­ge­legt, daß der Vati­kan mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung eine indi­rek­te Ant­wort auf das „Zeug­nis“ des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, geben wol­le.

Eine sol­che „Ant­wort“ auf die schwer­wie­gen­den Anschul­di­gun­gen von Nun­ti­us Viganò gegen Papst Fran­zis­kus wur­de vom päpst­li­chen Umfeld zwar mit dro­hen­dem Unter­ton noch im Som­mer 2018 ange­kün­digt, ist aber bis heu­te nicht erfolgt. Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti, der auf sei­ner Inter­net­sei­te die Tage zählt, die Papst Fran­zis­kus eine Ant­wort auf die Vor­wür­fe Viganòs schul­dig geblie­ben ist, ver­zeich­net bereits den 173. Tag des päpst­li­chen Schwei­gens.

Tosat­tis Fra­ge an Fran­zis­kus lau­tet:

„Wann hat Papst Fran­zis­kus erfah­ren, daß McCarrick ein per­ver­ser, homo­se­xu­el­ler Seri­en­trieb­tä­ter ist? Stimmt es oder stimmt es nicht, daß Msgr. Viganò ihn am 23. Juni 2013 dar­über infor­mier­te und davor warn­te?“

Der US-ame­ri­ka­ni­sche Jesu­it Joseph Fes­sio for­der­te nach Bekannt­wer­den des Viganò-Dos­siers von Fran­zis­kus:

„Er soll ein Mann sein, auf­ste­hen und ant­wor­ten.“

Doch nichts ist seit­her gesche­hen. Auch die Deu­tung der O’Malley-Aussage scheint ledig­lich ein wei­te­res, inhalts­lo­ses Ablen­kungs­ma­nö­ver.

Der Kar­di­nal ant­wor­te­te in der Pres­se­kon­fe­renz auf eine Fra­ge des Vati­kan-Kor­re­spon­den­ten von Reu­ters und noto­ri­schen Ber­go­glia­ners Phil­ip Pul­lel­la. Auch er weiß, daß es seit einem Jahr kni­stert zwi­schen O’Malley und Papst Fran­zis­kus. Er weiß, daß der US-Kar­di­nal nicht die Gunst des Pap­stes genießt und um ein Haar nicht ein­mal zum Miß­brauchs­gip­fel ein­ge­la­den wur­de.

Was O’Malley auf die Fra­ge ant­wor­te­te, war kei­ne Ankün­di­gung des­sen, was der Vati­kan tun wer­de, dazu fehlt ihm der­zeit jeder Ein­fluß. Der Kar­di­nal äußer­te ledig­lich einen per­sön­li­chen Wunsch. Er äußer­te die Hoff­nung, daß die Ermitt­lun­gen in den USA und des Vati­kans vor­an­kom­men und die Ergeb­nis­se bald vor­lie­gen wer­den. Nicht mehr und nicht weni­ger.

Die Fra­ge ist viel­mehr, wie lan­ge Papst Fran­zis­kus noch schwei­gen will.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­News (Screen­shot)