Vatikan wußte seit 2015 von Bischof Zanchettas „unangemessenem Verhalten“

Wie hält es Papst Franziskus mit ihm nahestehenden Bischöfen?

Bischof Znachetta Verhalten bleibt im Fokus der Medien, mehr noch aber das Verhalten von Papst Franziskus in diesem Zusammenhang.
Bischof Znachetta Verhalten bleibt im Fokus der Medien, mehr noch aber das Verhalten von Papst Franziskus in diesem Zusammenhang.

(Bue­nos Aires) Die argen­ti­ni­sche Tages­zei­tung El Tri­bu­no und die US-ame­ri­ka­ni­sche Pres­se­agen­tur AP ver­öf­fent­lich­ten heu­te eine gemein­sa­me Repor­ta­ge zum Fall des argen­ti­ni­schen Bischofs Gusta­vo Zan­chet­ta. El Tri­bu­no hat­te jüngst den Fall über den myste­riö­sen Abgang des Bischofs aus sei­nem Bis­tum und sei­ne spä­te­re Beru­fung an die Römi­sche Kurie los­ge­tre­ten. Kern der Repor­ta­ge ist die Aus­sa­ge, daß der Vati­kan über das „unan­ge­mes­se­ne Ver­hal­ten“ des Bischofs bereits 2015 infor­miert war.

Die Repor­ta­ge stammt von den AP-Jour­na­li­sten Almu­de­na Calat­ra­va, Nat­acha Pis­aren­ko und Nico­le Win­field und der El Tri­bu­no-Jour­na­li­stin Sil­via Novias­kyIn. Dar­in heißt es:

„Der Vati­kan erhielt 2015 und 2017 die Infor­ma­ti­on, daß ein argen­ti­ni­scher Bischof, der Papst Fran­zis­kus sehr nahe­steht, Nackt-Sel­fies auf­ge­nom­men und ‚obszö­nes‘ Ver­hal­ten gezeigt hat­te und eines unan­ge­mes­se­nen Ver­hal­tens gegen­über Semi­na­ri­sten beschul­digt wird, wie sein frü­he­rer Gene­ral­vi­kar AP gegen­über bestä­tig­te. Anschul­di­gun­gen wegen sexu­el­len Miß­brauchs wur­den erst vor weni­gen Mona­ten laut.“

Im August 2017 ver­schwand Bischof Zan­chet­ta über Nacht aus sei­nem Bis­tum und Papst Fran­zis­kus nahm sei­nen Rück­tritt an. Ein Grund für das unge­wöhn­li­che Ver­hal­ten wur­de nicht genannt. Nach­dem der Bischof für ein hal­bes Jahr wie von der Bild­flä­che ver­schwun­den war, tauch­te er im Vati­kan wie­der auf. Papst Fran­zis­kus hat­te ihn in eine hohe Posi­ti­on bei der Güter­ver­wal­tung des Apo­sto­li­schen Stuhls (APSA) beru­fen.

Damals wur­de bekannt, daß Bischof Zan­chet­ta sein Bis­tum Oran mit zer­rüt­te­ten Finan­zen hin­ter­las­sen und schon vor sei­ner Ernen­nung zum Bischof, durch Papst Fran­zis­kus, als Gene­ral­vi­kar die Finan­zen eines ande­ren Bis­tums ins Cha­os gestürzt hat­te. Um so erstaun­li­cher war, daß Zan­chet­ta in Rom aus­ge­rech­net in der Finanz­ver­wal­tung des Hei­li­gen Stuhls ein­ge­setzt wur­de.

Vor sei­nem klamm­heim­li­chen Ver­schwin­den aus dem Bis­tum Oran, hat­ten der ehe­ma­li­ge Gene­ral­vi­kar, der Regens des Prie­ster­se­mi­nars und ein ande­rer Prä­lat in Rom in Ein­ga­ben ein „Fehl­ver­hal­ten“ des Bischofs gemel­det. Sie war­fen Zan­chet­ta Macht­miß­brauch, unan­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten und sexu­el­le Belä­sti­gung von Semi­na­ri­sten sei­nes Prie­ster­se­mi­nars vor, wie der Prie­ster Juan Jose Man­za­no, einer der Ein­brin­ger, den Medi­en bestä­tig­te.

Don Man­za­no, der ehe­ma­li­ge Gene­ral­vi­kar, ver­weist auf das Jahr 2015, „als Nackt-Sel­fies des Bischofs und ande­res obszö­nes Ver­hal­ten von ihm bekannt wur­den“.

„Das war ein Alarm für uns, den wir über befreun­de­te Bischö­fe dem Hei­li­gen Stuhl bekannt­mach­ten. Die Nun­tia­tur griff nicht direkt ein. Papst Fran­zis­kus rief Zan­chet­ta aber zu sich, der sich damit recht­fer­tig­te, daß sein Mobil­te­le­fon gehackt wor­den sei und jemand das Anse­hen des Pap­stes beschä­di­gen wol­le“.

Letz­te­re Begrün­dung hat­te auch ein ande­rer, noch rang­hö­he­rer Ver­trau­ter von Papst Fran­zis­kus genannt. Als Kar­di­nal Oscar Rodri­guez Mara­dia­ga, sogar einer der eng­sten Ver­trau­ten von Fran­zis­kus, wegen sei­nes Weih­bi­schofs, der Diö­ze­san­fi­nan­zen und Zah­lun­gen von jähr­lich 600.000 Dol­lar auf Pri­vat­kon­ten des Kar­di­nals in die Kri­tik geriet, bezich­tig­te er die Medi­en, die dar­über berich­te­te, Papst Fran­zis­kus scha­den zu wol­len.

Don Man­za­no wei­ter:

„Im Lau­fe der Mona­te wur­de Zan­chet­ta aggres­si­ver und traf impul­si­ve Ent­schei­dun­gen, mani­pu­lier­te Tat­sa­chen und Men­schen und beein­fluß­te, um sei­ne Zie­le zu errei­chen.“

Der Prie­ster schil­der­te AP, daß der Bischof „um jede Tag- und Nacht­zeit ins Semi­nar“ gekom­men sei, habe mit Semi­na­ri­sten getrun­ken „und brach­te immer einen Semi­na­ri­sten mit“, wenn er eine Pfar­rei besuch­te, „manch­mal auch ohne Erlaub­nis des Regens“.

Der Rek­tor des Prie­ster­se­mi­nars habe sich bemüht, den Bischof im Semi­nar nie mit Semi­na­ri­sten allei­ne zu las­sen. Der Bischof habe aber ver­sucht, ihn abzu­schüt­teln und gegen­über den Semi­na­ri­sten zu „dis­kre­di­tie­ren“.

Inzwi­schen wur­de auch der Vor­wurf des sexu­el­len Miß­brauchs laut. AP zitiert meh­re­re Quel­len, die aller­dings nament­lich nicht genannt wer­den woll­ten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: AP (Screen­shot)