DBK-Bischöfe und Klaus Mertes SJ gegen die kirchliche Lehre zur Sexualmoral

Angriff auf Kardinal Müller

P. Klaus Mertes SJ fällt durch sprungbereite Feindseligkeit gegen lehramtliche Aussagen auf.
P. Klaus Mertes SJ fällt durch sprungbereite Feindseligkeit gegen lehramtliche Aussagen auf.

Gast­bei­trag von Hubert Hecker

Kar­di­nal Mül­ler hat kürz­lich in einem Inter­view die Leh­re der Kir­che dar­ge­legt zu den Punk­ten Homo­se­xua­li­tät, Zöli­bat und Miss­brauchs­fäl­len von Kle­ri­kern. Er mach­te das, was von jedem Theo­lo­gen erwar­tet wird: „dem Lehr­amt der Kir­che ver­pflich­tet, die kirch­li­che Leh­re voll­stän­dig und umfas­send dar­zu­le­gen“. Mit die­sem Ver­spre­chen hat­te der umstrit­te­ne Jesui­ten­pa­ter und Hoch­schul­leh­rer Ans­gar Wucher­pfen­nig die vati­ka­ni­sche Nicht-Aner­ken­nung als Hoch­schul­rek­tor abge­wen­det. Die glei­chen Kir­chen­krei­se, die die­sen Kom­pro­miss mit Rom beju­bel­ten, den­ken selbst nicht dar­an, die Aus­sa­gen des kirch­li­chen Lehr­am­tes anzu­er­ken­nen. Jeden­falls reagier­ten sie ableh­nend bis aggres­siv auf Mül­lers Dar­le­gun­gen:

  • Ein Aus­schuss der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz nann­te die kirch­li­chen Lehr­aus­sa­gen zur Sexu­al­mo­ral „gefähr­lich“.
  • Der Jesui­ten­pa­ter Klaus Mer­tes kan­zel­te die Äuße­run­gen des ehe­ma­li­gen Lei­ters der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on als „Quatsch“ ab.
  • Der Frank­fur­ter Dom­herr Johan­nes zu Eltz pol­ter­te über die lehr­amt­li­che Über­prü­fung von homo­se­xua­li­sti­schen Theo­lo­gen: „Die­ses gan­ze Unwe­sen gehört in die Ton­ne getre­ten“.

Was sind die Hintergründe für solche „sprungbereite Feindseligkeit“ gegenüber lehramtlichen Aussagen?

Ange­sichts der ver­öf­fent­lich­ten Miss­brauchs­stu­die MHG nut­zen die Stra­te­gen der DBK offen­sicht­lich die Gele­gen­heit, die kirch­li­che Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät anzu­grei­fen. Die Bischö­fe einer DBK-Prä­ven­ti­ons­ta­gung stimm­ten mit gro­ßem Bei­fall der The­se zu, dass Mül­lers Aus­sa­gen zur kirch­li­chen Leh­re „brand­ge­fähr­lich“ sei­en. Denn sie zemen­tier­ten eine Sexu­al­mo­ral, „die zur sexu­el­len Gewalt bei­getra­gen“ habe. Die­se Behaup­tun­gen haben kei­ner­lei Basis in den Fak­ten der Miss­brauchs­stu­die. Eben­so wenig Evi­denz kann die Fol­ge­rung aus den The­sen bean­spru­chen. Danach wäre die ethi­sche Akzep­tanz von schwul-les­bi­schen Lebens­for­men bei Gläu­bi­gen und Kle­ri­kern ein Bei­trag zur Prä­ven­ti­on gegen­über kle­ri­ka­lem Miss­brauch. Man­fred Lütz nennt sol­che The­sen ohne Fak­ten­ba­sis, die auch  von den Autoren der Miss­brauchs­stu­die ver­brei­tet wer­den, einen „Tief­punkt“ in wis­sen­schaft­li­cher Arbeit und Bewer­tung von empi­ri­schen Daten.

„Prävention“ im Verständnis der Deutschen Bischofskonferenz
„Prä­ven­ti­on“ im Ver­ständ­nis der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz

Ande­rer­seits bestrei­ten Bischö­fe im Gefol­ge der MHG-Stu­die vehe­ment, dass es über­haupt über­grif­fi­ge homo­se­xu­el­le Geist­li­che gebe. Die­sen ekla­tan­ten Wider­spruch kann man kei­nem ver­nünf­ti­gen Men­schen ver­kau­fen. Die emo­tio­na­le Erre­gung des Bischofs­gre­mi­ums scheint die­se argu­men­ta­ti­ve Wider­sprüch­lich­keit ver­decken zu wol­len.

Erst recht fühl­ten sich die DBK-Bischö­fe ertappt, als sie von Kar­di­nal Mül­ler mit den kla­ren Aus­sa­gen des kirch­li­chen Lehr­amts kon­fron­tiert wur­den: „Sexu­el­le Kon­tak­te zwi­schen Per­so­nen glei­chen Geschlechts wider­spre­chen dem in der Schöp­fung grund­ge­leg­ten Sinn von Geschlecht­lich­keit dia­me­tral.“ Mül­ler gab damit die kirch­li­che Leh­re wie­der, wie sie 2003 der dama­li­ge Kar­di­nal Ratz­in­ger for­mu­liert und Papst Fran­zis­kus in sei­nem nach­syn­oda­len Schrei­ben „Amo­ris lae­ti­tia“ im Kapi­tel 251 bekräf­tigt hat: Es gibt „kei­ner­lei Fun­da­ment dafür, zwi­schen homo­se­xu­el­len Lebens­ge­mein­schaf­ten und dem Plan Got­tes über Ehe und Fami­lie Ana­lo­gien her­zu­stel­len, auch nicht in einem wei­te­ren Sin­ne“.

Irrtümer zeitgeistiger Wissenschaftserkenntnisse

Bischof Bode und ande­re Kir­chen­leu­te wol­len die kirch­li­che Leh­re zu Homo­se­xua­li­tät über „Erkennt­nis­se der Human­wis­sen­schaft“ aus­he­beln. Wie pro­ble­ma­tisch es ist, die biblisch begrün­de­te Leh­re durch zeit­gei­sti­ge Wis­sen­schaft­sten­den­zen zu erset­ten, zeigt ein Bei­spiel der 70er und 80er Jah­re. Damals hat­ten Dut­zen­de von Sexu­al­wis­sen­schaft­ler behaup­tet, ein­ver­nehm­li­cher Sex zwi­schen Erwach­se­nen und Kin­dern sei abso­lut unschäd­lich. Dar­auf stütz­te sich die Par­tei der Grü­nen, als sie Mit­te der 80er Jah­re auf zwei Lan­des­par­tei­ta­gen mehr­heit­lich die gesetz­li­che Erlaub­nis zu pädo­kri­mi­nel­len Hand­lun­gen for­der­te. Auch Vol­ker Beck begrün­de­te spä­ter sei­ne unsäg­lich Behaup­tung von 1988, die Homo­se­xu­el­len soll­ten Vor­rei­ter für eine Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Pädo­sex sein, mit dem Hin­weis, das sei damals Stand der Wis­sen­schaft gewe­sen. Die Beschlüs­se der Grü­nen hat­ten dazu geführt, dass im Umkreis der Par­tei inner­halb von weni­gen Jah­ren etwa 1.000 Kin­der miss­braucht wor­den sind. Auch auf die Kir­che strahl­te die­se pädo­se­xu­el­le Revo­lu­ti­on aus. In den bei­den genann­ten Jahr­zehn­ten ver­dop­pel­ten sich die Über­grif­fe von homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern.

Arrogante Interviewaussagen von Klaus Mertes gegen Kardinal Müller

Der Jesui­ten­pa­ter Klaus Mer­tes kom­men­tier­te Aus­sa­gen von Kar­di­nal Mül­ler mit der Bemer­kung: „Das ist Quatsch“. Beglei­tet war sei­ne ver­ba­le Abkanz­lung mit her­ab­las­sen­dem Grin­sen wäh­rend des Inter­views durch katholisch.de. Die­se Zei­chen der Arro­ganz soll­ten wohl die inhalt­li­che Schwä­che sei­ner Aus­füh­run­gen ver­tu­schen. Denn Mer­tes ver­wei­ger­te jeg­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit offen­kun­di­gen Fak­ten und Bele­gen für den gro­ßen Anteil  homo­se­xu­el­ler Kle­ri­ker an sexu­el­len Über­grif­fen. Die Tat­sa­che, dass mehr als zwei Drit­tel der Miss­brauchs­op­fer Jun­gen im Alter von Puber­tät und Geschlechts­rei­fe waren (11 bis 17 Jah­re), for­dert zwin­gend die Hypo­the­se: Die Täter waren vor­wie­gend Homo­se­xu­el­le. Erhär­tet wird die­ser Ansatz durch For­schungs­er­geb­nis­se, nach denen Homo­se­xu­el­le in erheb­li­chem Anteil ephe­bo­phi­le Prä­fe­ren­zen haben. Eine neue­re ame­ri­ka­ni­sche Stu­die des Ruth-Insti­tuts kommt zu dem Ergeb­nis, dass es eine star­ke Kor­re­la­ti­on zwi­schen der Zunah­me homo­se­xu­el­ler Kle­ri­ker und Miss­brauchs­fäl­len in den USA gibt. Die aktu­el­le MHG-Miss­brauchts­stu­die refe­riert auf S. 48 ein ana­lo­ges For­schungs­pro­jekt. Danach gaben 42,6 Pro­zent der kle­ri­ka­len Miss­brauch­stä­ter homo­se­xu­el­le bzw. bise­xu­el­le Ori­en­tie­rung an. Wenn man berück­sich­tigt, dass der Anteil von Seri­en­miss­brauch bei kle­ri­ka­len Homo­tä­tern beson­ders hoch ist, so ist die Ein­gangs­the­se von vor­wie­gend homo­se­xu­el­len Tätern auch zah­len­mä­ßig zu bele­gen.

Klaus Mer­tes ser­vier­te die­se fak­ten­ba­sier­ten Ergeb­nis­se als „Kurz­schluss“ und „Quatsch“ ab. Dar­über hin­aus denun­zier­te er das ratio­na­le Vor­ge­hen als „homo­pho­be Stra­te­gie“. Gegen die Argu­men­ta­ti­on ent­lang der empi­ri­schen Daten setz­te er auf Mut­ma­ßun­gen und Spe­ku­la­tio­nen. Doch damit kann er das Phä­no­men des über­pro­por­tio­na­len Jun­gen­miss­brauchs durch Kle­ri­ker nicht ansatz­wei­se erklä­ren.

Schwule haben im gottgeweihten, priesterlichen Leben keinen Platz

  • So beklag­te Mer­tes einen „über­hitz­ten Aber­glau­ben an den Sta­tus des Prie­sters“. Der sei ein „Teil des Pro­blems“ vom sexu­el­len Miss­brauch. Der Jesui­ten­pa­ter, der sein Prie­ster­tum öffent­lich stets unter Frei­zeit­klei­dung ver­birgt, prä­zi­sier­te den angeb­li­chen Aber­glau­ben  zu Prie­stern als „Über­hö­hung des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums“.
  • Wei­ter­hin sei­en Ursa­chen für den Miss­brauch „struk­tu­rel­le Bedin­gun­gen“ – ein belieb­tes Mode­wort mit wenig sach­li­chem Gehalt. Mer­tes fass­te dar­un­ter die „Tabui­sie­rung der Homo­se­xua­li­tät“ im Kle­rus. Des­halb wäre es homo­se­xu­el­len Kle­ri­kern „nicht mög­lich“, sich mit ihrer Homo­se­xua­li­tät dis­kur­siv aus­ein­an­der­zu­set­zen. Unter­schätzt der Jesui­ten­pa­ter nicht die Fähig­kei­ten von aka­de­misch aus­ge­bil­de­ten Geist­li­chen, über sich selbst zu reflek­tie­ren? Und was genau hät­te die­ses angeb­li­che „Schwei­ge­kar­tell“ mit dem Miss­brauch zu tun? Dar­über schweigt sich der elo­quen­te Kle­ri­ker aus. Statt­des­sen mün­det sein Rede­fluss in der spe­ku­la­ti­ven Behaup­tung, „die struk­tu­rel­len Ursa­chen“ sei­en „in dem Zusam­men­hang des Ver­bots der Zulas­sung von Homo­se­xua­li­tät bei der Prie­ster­wei­he“ zu suchen. Im Umkehr­schluss bedeu­tet Mer­tes’ The­se: Wenn Homo­se­xu­el­le offi­zi­ell zum Prie­ster­tum zuge­las­sen wür­den, wären die struk­tu­rel­len Ursa­chen für den kle­ri­ka­len Miss­brauch besei­tigt. Eine Neben­wir­kung die­ser The­se besteht in der Impli­ka­ti­on, dass homo­se­xu­el­le Kle­ri­ker eben doch viel­fach in Miss­brauch ver­strickt waren.

Im Übri­gen ist Mer­tes’ For­mu­lie­rung zur „Zulas­sung von Homo­se­xua­li­tät“ nicht zutref­fend. Die Päp­ste Bene­dikt und erneut Fran­zis­kus haben fest­ge­legt, dass Semi­na­ri­sten mit „tief ver­wur­zel­ten homo­se­xu­el­len Ten­den­zen“ sowie Teil­nah­me an der Gay-Kul­tur nicht zur Prie­ster­wei­he zuge­las­sen wer­den dür­fen. Erst kürz­lich bekräf­tig­te Fran­zis­kus, dass „für Schwu­le im gott­ge­weih­ten, prie­ster­li­chen Leben kein Platz ist“. Homo­se­xu­el­le Geist­li­che, die ein Dop­pel­le­ben als Prie­ster und Schwu­le führ­ten, soll­ten lie­ber ihr Amt auf­ge­ben.

Text: Hubert Hecker
Bild: Youtube/DBK (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. Wahr­schein­lich gehö­ren etli­che Bischö­fe und auch Kar­di­nä­le sel­ber zur Frak­ti­on der Sodo­mi­ten, wenn auch nur ver­steckt.

  2. Leu­te wie Mer­tes sind dar­an inter­es­siert, den Miss­brauch eng an den Zoe­li­bat zu kop­peln.
    Man hat dem Epi­sko­pat nach dem Kon­zil ver­spro­chen das Zoe­li­bat abge­schafft und Frau­en­prie­ster­tum etc. pp lang­sam aber sicher ein­ge­führt wür­de.
    Das ist den Her­ren aber nicht schnell genug und vor Allem, nicht nach­hal­tig genug pas­siert.
    Die Miss­brauchs Debat­te ist mun will­kom­me­ner Anlass, der maro­den Struk­tur einer ver­faul­ten Amts­kir­che den letz­ten Stoss zu geben und sie zur frei­mau­re­ri­schen Herr­lich­keit zu füh­ren.
    Ob sie wol­len oder nicht,diese Kle­ri­ker haben Schuld an der inne­ren Zer­stö­rung der Kir­che Jesu Chri­sti.
    Einer hat damals wider­stan­den, man kann ihm nicht dank­bar genug sein.
    Die Kir­che nach dem Kon­zil ist bald kaputt, bzw. in Frei­mau­rer Hand und damit nicht mehr die Kir­che Jesu Chri­sti.

  3. Die heu­ti­ge Zeit wird durch das Evan­ge­li­um nom Matth.13,24 ‑30 ver­ständ­lich:
    „Und Jesus erzähl­te ihnen noch ein ande­res Gleich­nis: Mit dem Him­mel­reich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf sei­nen Acker säte. Wäh­rend nun die Leu­te schlie­fen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Wei­zen und ging wie­der weg. Als die Saat auf­ging und sich die Ähren bil­de­ten, kam auch das Unkraut zum Vor­schein. Da gin­gen die Knech­te zu dem Guts­herrn und sag­ten: Herr, hast du nicht guten Samen auf dei­nen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er ant­wor­te­te: Das hat ein Feind von mir getan. Da sag­ten die Knech­te zu ihm: Sol­len wir gehen und es aus­rei­ßen? Er ent­geg­ne­te: Nein, sonst reißt ihr zusam­men mit dem Unkraut auch den Wei­zen aus. Lasst bei­des wach­sen bis zur Ern­te. Wenn dann die Zeit der Ern­te da ist, wer­de ich den Arbei­tern sagen: Sam­melt zuerst das Unkraut und bin­det es in Bün­del, um es zu ver­bren­nen; den Wei­zen aber bringt in mei­ne Scheu­ne.“ Nur wird das Unkrau falsch über­setzt
    Mat­thä­us spricht von Ziza­nia oder Tau­mel­l­olch, einer dem Wei­zen im Wachs­tum sehr ähn­li­chen zur Grup­pe der Süß­grä­ser gehö­ren­den Frucht, die erst in der Rei­fung wirk­lich unter­scheid­bar wird. Die toxi­sche Wir­kung der Frucht auf den Kör­per ist ver­gleich­bar der Wir­kung der Sün­de auf die See­le. Das End­sta­di­um ist der Tod. Dies bedeu­tet: Auf dem Got­tes­acker wächst Wei­zen und Tau­mel­l­olch oder
    das Gute und die Sün­de. Heu­te ist das Rei­festa­di­um erreicht und es scheint als soll­te die Sün­de das Gute und Hei­li­ge über­wu­chern und es wird die Irr­leh­re ver­tre­ten, als ob der Got­tes­acker (= Kir­che) auch die Ursa­che der sich offen­ba­ren­den Sün­de gewe­sen sei, der­weil es das Hei­li­ge zu ersticken droht.

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