Statue der ersten Lesbe im US-Kapitol – Paradigmenwechsel: Lesbe statt katholischer Heiliger

Gewalttätige Kirchenfeindlichkeit im "liberalen" Kalifornien. Die enthauptete Statue des heiligen Junipero Serra, des Apostels von Kalifornien.
Gewalttätige Kirchenfeindlichkeit im "liberalen" Kalifornien. Die enthauptete Statue des heiligen Junipero Serra, des Apostels von Kalifornien.

(Washing­ton) Bald könn­te eine Sta­tue von Sal­ly Ride im Kapi­tol von Washing­ton D.C., dem Sitz des Par­la­ments der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka Auf­stel­lung fin­den. Wird ihr die­se Ehre zu Teil, weil sie Astro­nau­tin und Phy­si­ke­rin war? Nein, weil sie homo­se­xu­ell war. Aller­dings gibt es noch ein Hin­der­nis. Jeder Staat der USA kann nur zwei Per­sön­lich­kei­ten mit einer Sta­tue im Kapi­tol ehren. Um Platz für die Homo-Ehrung zu schaf­fen, muß zuvor die Sta­tue von Pater Juni­pe­ro Ser­ra, einem katho­li­schen Prie­ster und Mis­sio­nar des 18. Jahr­hun­derts ent­fernt wer­den, den der Staat Kali­for­ni­en seit 1931 dort ehrt.

1864 wur­de die Natio­nal Sta­tua­ry Hall Collec­tion geschaf­fen und im Lau­fe der Jah­re aus­ge­baut. 2005 wur­de die Voll­zahl von 100 Sta­tu­en für die 50 Bun­des­staa­ten erreicht. Im Jahr 2000 mach­te das Par­la­ment jedoch den Weg frei, Sta­tu­en aus­tau­schen zu kön­nen. Seit 2003 haben sechs Staa­ten davon Gebrauch gemacht. Der Staat Kan­sas ersetz­te die Skulp­tur des demo­kra­ti­schen Luthe­ra­ners Geor­ge Glick (9. Gou­ver­neur 1883–1885) mit jener des repu­bli­ka­ni­schen Pres­by­te­ria­ners Dwight D. Eisen­ho­wer (34. Prä­si­dent der USA 1953–1961). 1914 wur­de Glick vom Staat Kan­sas mit einer Sta­tue in der Natio­nal Sanc­tua­ry Hall Collec­tion geehrt. Eisen­ho­wer war Ober­be­fehls­ha­ber der ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen in Euro­pa und vom 8. Mai bis Novem­ber 1945 erster Mili­tär­gou­ver­neur der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne in Deutschland.

Der Staat Kali­for­ni­en, seit 1850 Mit­glied der USA, ließ 1931 zwei Sta­tu­ten im Kapi­tol auf­stel­len. Sie ehr­ten zwei gegen­sätz­li­che Gestal­ten: den ratio­na­li­stisch-anti­tri­ni­ta­ri­schen Uni­ta­ri­er-Pastor und Frei­mau­rer Tho­mas Starr King (1824–1864), der zur Zeit des Anschlus­ses Kali­for­ni­ens an die USA eine ein­fluß­rei­che Rol­le spiel­te; und den spa­ni­schen Fran­zis­ka­ner und Mis­sio­nar Pater Juni­pe­ro Ser­ra. Starr King muß­te 2009 Platz für Ronald Rea­gan machen. Pater Ser­ra soll nun für Sal­ly Ride vom Sockel gesto­ßen werden.

Pater Junipero Serra „Gründer des spanischen Kalifornien“

P.  Junipero  Serra  (1713-1784)
P. Juni­pe­ro Ser­ra (1713–1784)

Der Kata­la­ne Pater Ser­ra wur­de 1713 als Miquel Josep Ser­ra i Fer­rer auf der Balea­ren­in­sel Mal­lor­ca gebo­ren. Im Alter von 16 Jah­ren trat er in den Fran­zis­ka­ner­or­den ein. Sei­ne Stu­di­en schloß er mit dem Dok­tor in Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie ab, doch bald zog es ihn von der Uni­ver­si­täts­lauf­bahn in die Mis­si­on, um den India­nern das Kreuz zu pre­di­gen. Der spa­ni­schen Kro­ne unter­stan­den damals noch gro­ße Tei­le Ame­ri­kas, auch der heu­ti­gen USA.

1749 schiff­te sich Pater Ser­ra nach Neu-Spa­ni­en ein, wie damals Mexi­ko und die umlie­gen­den Gebie­te genannt wur­den. Zum Vize­kö­nig­reich Neu-Spa­ni­en gehör­te noch der gesam­te Süd­we­sten der heu­ti­gen USA ein­schließ­lich Kali­for­ni­en. Nach­dem er bei der Über­fahrt fast Schiff­bruch erlit­ten hat­te, ging der kata­la­ni­sche Fran­zis­ka­ner am 7. Dezem­ber 1749 in Ver­acruz (Mexi­ko) an Land.

Ganz von sei­nem Mis­si­ons­ei­fer ange­trie­ben, woll­te Pater Ser­ra jede Annehm­lich­keit mei­den und leg­te den 500-Kilo­me­ter-Fuß­marsch nach Mexi­ko-Stadt zu Fuß zurück. Dabei auf­tre­ten­de Schmer­zen in einem Bein soll­ten ihn bis an sein Lebens­en­de begleiten.

Nach­dem er sich sechs Mona­te im Fran­zis­ka­ner­kon­vent von Mexi­ko-Stadt mit Land und Leu­ten ver­traut gemacht hat­te, kam er zum ersten Mis­si­ons­ein­satz nach Sier­ra Gor­da (Mexi­ko). Die Fran­zis­ka­ner miss­sio­nier­ten und alpha­be­ti­sier­ten die dor­ti­gen Indi­os und mach­ten sie mit neu­en land­wirt­schaft­li­chen Anbau­me­tho­den ver­traut, die ihre Exi­stenz­si­che­rung verbesserten.

Aufhebung des Jesuitenordens brachte P. Serra nach Kalifornien

Die Staute des heiligen Juniperio Serra im Capitol.
Die Stau­te des hei­li­gen Juni­pe­ro Ser­ra im Capitol.

Zwei­te Mis­si­ons­sta­ti­on für Pater Ser­ra soll­ten die Apa­chen am Rio San Saba, einem Neben­fluß des Colo­ra­do in Texas (heu­te USA) sein. Der Tod des Vize-Königs ver­zö­ger­te jedoch jah­re­lang die Zuwei­sung neu­er Mis­si­ons­ge­bie­te. Pater Ser­ra nütz­te die Zeit, um zahl­rei­che bereits bestehen­de Mis­si­ons­sta­tio­nen zu besu­chen und wirk­te als Novi­ze­n­mei­ster und gehör­te der Inqui­si­ti­ons-Kom­mis­si­on für Neu-Spa­ni­en an.

Als die Bour­bo­nen den Jesui­ten­or­den bekämpf­ten, ord­ne­te 1767 auch König Karl III. von Spa­ni­en, von der spa­ni­schen Linie der Bour­bo­nen, die Aus­wei­sung aller Jesui­ten aus sei­nem Herr­schafts­be­reich an. Die Evan­ge­li­sie­rung Kali­for­ni­ens war vor allem von den Jesui­ten vor­an­ge­trie­ben wor­den. Nun muß­ten alle ihre Mis­si­ons­sta­tio­nen auf­ge­las­sen werden.

Der Fran­zis­ka­ner­or­den konn­te ledig­lich 16 Mis­sio­na­re nach Kali­for­ni­en ent­sen­den, um ein Mini­mum an seel­sorg­li­cher Betreu­ung auf­recht­zu­er­hal­ten. Nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein. Unter ihnen befand sich auch Pater Ser­ra, der zum Lei­ter der Mis­si­ons­tä­tig­keit für ganz Kali­for­ni­en ernannt wur­de. Am 14. Juli 1767 bra­chen die Mis­sio­na­re von Mexi­ko-Stadt Rich­tung Pazi­fik auf. Auf dem See­weg erreich­ten sie Unter­ka­li­for­ni­en, das noch heu­te zu Mexi­ko gehört. Schließ­lich gelang­ten sie zur Mis­si­on Nue­stra Seno­ra de Lore­to, die als Mut­ter aller Mis­si­ons­sta­tio­nen ganz Kali­for­ni­ens gilt.

Evangelisierung und Schutz der Indianer

Statue von P. Serra, Kalifornien (USA)
Sta­tue von P. Ser­ra, Kali­for­ni­en (USA)

Pater Ser­ra kon­zen­trier­te sei­ne Mis­si­ons­ar­beit von nun an auf Kali­for­ni­en (heu­te USA und Mexi­ko). Die dor­ti­gen India­ner waren zum Groß­teil noch Samm­ler und Jäger und kann­ten kei­nen Acker­bau. Der Fran­zis­ka­ner, offen­bar Haupt­an­sprech­part­ner der spa­ni­schen Regie­rung in Ober­ka­li­for­ni­en, beglei­te­te Regie­rungs­ex­pe­di­tio­nen Rich­tung Nor­den, an deren Pla­nung er bereits mit­ge­wirkt hat­te. Sei­ne Tage­buch­auf­zeich­nun­gen gehö­ren heu­te zu den wert­voll­sten Doku­men­ten zu Flo­ra, Fau­na und Eth­no­lo­gie Kali­for­ni­ens. Zwi­schen 1769 und 1772 grün­de­te Pater Ser­ra eine Rei­he von Mis­si­ons­sta­tio­nen in Kali­for­ni­en. Das damals unter Kali­for­ni­en ver­stan­de­ne Gebiet umfaß­te zwei heu­ti­ge mexi­ka­ni­sche Bun­des­staa­ten (Baja Cali­for­nia und Baja Cali­for­nia Sur) sowie die heu­ti­gen US-Staa­ten Kali­for­ni­en, Ari­zo­na, Utha, Neva­da und Tei­le von Neu-Mexi­ko und Colorado).

Um gegen die Metho­den des spa­ni­schen Gou­ver­neurs zu pro­te­stie­ren, die er als Unter­drückung emp­fand, rei­ste der Fran­zis­ka­ner 1773 nach Mexi­ko-Stadt und ver­faß­te den Bericht Repre­sen­ta­ción sob­re la con­qui­sta tem­po­ral y espi­ri­tu­al de la Alta Cali­for­nia (Bericht über die welt­li­che und geist­li­che Erobe­rung Ober­ka­li­for­ni­ens). Der Bericht gilt als Char­ta der India­ner­rech­te. Pater Ser­ra gelang es, vom Vize-König die Abset­zung des Gou­ver­neurs zu errei­chen, wenn die­ser auch nicht mit dem Wunsch­kan­di­da­ten des Mis­sio­nars ersetzt wurde.

Auf dem Rück­weg ent­deck­te Pater Ser­ra einen neu­en geeig­ne­ten Land­weg nach Kali­for­ni­en, der die Schiffs­rei­se nach Baja Cali­for­nia über­flüs­sig mach­te. Trotz des erreich­ten Wech­sels an der Spit­ze der spa­ni­schen Ver­wal­tung, kam es 1775 zu India­ner­auf­stän­den, bei denen auch meh­re­re Fran­zis­ka­ner ums Leben kamen. Pater Ser­ra ließ sich nicht abbrin­gen, son­dern grün­de­te in den fol­gen­den Jah­ren neue Mis­si­ons­sta­tio­nen ent­lang des Cami­no Real, der durch Kali­for­ni­en führ­te und den Mis­si­ons­fort­schritt anzeig­te. Ins­ge­samt 21 Mis­sio­nen und Klö­ster gehen auf ihn zurück.

21 Gründungen von Missionsstationen

Ruinen der Missionsstation San  Carlos  Borromeo 1884, Grabstätte von P.  Serra
Rui­nen der Mis­si­ons­sta­ti­on San Car­los Bor­ro­meo (1884) Grab­stät­te von P. Serra

Der Kata­la­ne ging dabei vor, wie er es in der Sier­ra Gor­da, sei­nem ersten Mis­si­ons­auf­trag gese­hen hat­te. Zunächst erkun­de­ten die Fran­zis­ka­ner noch unbe­kann­tes Land. Sobald sie einen geeig­ne­ten Platz gefun­den hat­ten, bau­ten sie dort eine Kapel­le und errich­te­ten dane­ben eine klei­ne Nie­der­las­sung für die Brü­der. Kir­che und Nie­der­las­sung wur­den nach Mög­lich­keit gegen even­tu­el­le Angrif­fe befe­stigt. Die in der Umge­bung leben­den India­ner trieb die Neu­gier­de zur neu­en Mis­si­ons­sta­ti­on, so kamen die Mis­sio­na­re mit ihnen in Kon­takt und luden sie ein, sich in der Nähe der Mis­si­on nie­der­zu­las­sen. So ent­stan­den rund um die Kir­che und den befe­stig­ten Kern gan­ze Ort­schaf­ten. Die mei­sten Städ­te Kali­for­ni­ens gehen auf sol­che Mis­si­ons­sta­tio­nen zurück (San Fran­cis­co, Los Ange­les, San Die­go, San­ta Barbara).

Die so seß­haft wer­den­den India­ner wur­den von den Mis­sio­na­ren im Evan­ge­li­um unter­wie­sen und ihnen die Land­wirt­schaft bei­gebracht, eben­so Vieh­zucht und sie wur­den in ver­schie­de­nen Hand­wer­ken aus­ge­bil­det. Pater Ser­ra starb am 28. August 1784 in der von ihm gegrün­de­ten Mis­si­ons­sta­ti­on San Car­los Bor­ro­meo (Mon­ter­rey in Kali­for­ni­en). In der dor­ti­gen Basi­li­ka befin­det sich noch heu­te sein Grab.

Einziger Spanier, Katalane und Heiliger im US-Kapitol

Grab Pater SerraPater Ser­ra ist der ein­zi­ge Spa­ni­er und Kata­la­ne, dem eine Sta­tue im US-Kapi­tol gewid­met ist. Sowohl im Staat Kali­for­ni­en als auch in Mexi­ko wird die Erin­ne­rung an den „Grün­der des spa­ni­schen Kali­for­ni­en“ wach­ge­hal­ten, wenn auch seit 1848 (Ver­trag von Gua­da­lu­pe Hidal­go) sein Mis­si­ons­ge­biet zwi­schen den USA und Mexi­ko auf­ge­teilt ist, die in die­ser Gegend die Nach­fol­ge des ehe­ma­li­gen spa­ni­schen Vize-König­reichs ange­tre­ten haben.

Zum 300. Geburts­tag rei­ste 2013 das spa­ni­sche Thron­fol­ger­paar nach Kali­for­ni­en, um das Grab des balea­ri­schen Mis­sio­nars aufzusuchen.

Pater Ser­ra wur­de 1988 von Papst Johan­nes Paul II. selig­ge­spro­chen. Am 15. Janu­ar  2015 gab Papst Fran­zis­kus bekannt, daß er den Fran­zis­ka­ner­mis­sio­nar im Rah­men sei­ner USA-Rei­se im Sep­tem­ber 2015 hei­lig­spre­chen wer­de. Pater Ser­ra wäre damit der erste Hei­li­ge im Olymp des ame­ri­ka­ni­schen Kapitols.

Neudefinition von „Verdienst“ und Heldentum

Briefmarke der USA im  Gedenken an P. Serra
Brief­mar­ke der USA im Geden­ken an P. Serra

Dort aber ist nur Platz für den katho­li­schen Prie­ster oder die kos­mo­nau­ti­sche Les­be. Und wie es aus­sieht, dürf­te im heu­te domi­nan­ten homo­phi­len West­kü­sten­kli­ma, das so ver­schie­den ist von dem, was Pater Ser­ra vor 250 Jah­ren in Kali­for­ni­en antraf, der katho­li­sche Mis­sio­nar den Kür­ze­ren ziehen.

Die Defi­ni­ti­on, was unter Per­sön­lich­kei­ten und Hel­den der USA zu ver­ste­hen ist, die sich um Land und Leu­te ver­dient gemacht haben, unter­liegt einem Wan­del. Heu­te genü­gen als „Ver­dien­ste“, daß man unter der Bett­decke bestimm­te Sexu­al­prak­ti­ken voll­zieht und die­se natür­lich öffent­lich bekanntgibt.

Soll­te Sal­ly Rides Sta­tue jene von Pater Ser­ra ver­drän­gen, wer­den illu­stre Red­ner aus­rei­chend Begrün­dun­gen fin­den, etwa daß sie als „erste Frau“ dies oder jenes tat und mit 32 Jah­ren die jüng­ste Astro­nau­tin im Welt­all war. Aus­schlag­ge­bend für ihre Aus­er­wäh­lung für höhe­re Ehren ist und bleibt jedoch, daß die „erste Frau“, die offen­sicht­lich Pro­ble­me mit ihrer Weib­lich­keit hat­te, homo­se­xu­ell war. Sal­ly Ride starb 2012 im Alter von 61 Jah­ren an Krebs. Sie selbst hat­te nie über ihre Homo­se­xua­li­tät gespro­chen, aber ein­ge­wil­ligt, daß die­se nach ihrem Tod bekannt­ge­ge­ben wird.

Sally Ride wird „als erster Mensch die LGBT-Comunity im Kapitol vertreten“

Sally Ride (1951-2012)
Sal­ly Ride (1951–2012)

Im demo­kra­tisch kon­trol­lier­ten kali­for­ni­schen Par­la­ment spre­chen sich auch Repu­bli­ka­ner für eine Sta­tue für Sal­ly Ride aus. Daß Pater Ser­ra dabei ent­sorgt wer­den muß, wird weit­ge­hend unter­schla­gen. Sena­tor Ricar­do Lara ist der Initia­tor der Ride-Ehrung, die einem ideo­lo­gi­schen Para­dig­men­wech­sel gleich­kommt: „Sal­ly Ride wird die erste Frau sein, die Kali­for­ni­en ver­tritt und der erste Mensch, der im Kapi­tol die LGBT-Comu­ni­ty ver­tritt“. Der Demo­krat Ricar­do Lara, seit 2012 Mit­glied des kali­for­ni­schen Senats, bezeich­net sich selbst als Katho­lik und Schwu­len. „Es geht dar­um, unse­re Hel­den zu moder­ni­sie­ren. Die Sym­bo­le sind wich­tig“, so Lara.

Allein die Vor­stel­lung, daß Homo­se­xua­li­tät kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment von Hel­den­tum sein könn­te, bringt in einen offe­nen Wider­spruch zur Leh­re der Katho­li­schen Kir­che. Aber so genau dürf­te Lara im Reli­gi­ons­un­ter­richt nicht auf­ge­paßt haben, oder er hält es wie seit John F. Ken­ne­dys-Zei­ten vie­le katho­li­sche Poli­ti­ker damit, daß man schon ein biß­chen katho­lisch sei, aber dies für die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen „kei­ne Rol­le“ spiele.

Wegen des Papst-Besuchs und der Hei­lig­spre­chung wird die Erset­zung von Pater Ser­ra nicht sofort gesche­hen. Zunächst ist der par­la­men­ta­ri­sche Weg zu beschrei­ten. Nach dem Staats­se­nat von Kali­for­ni­en muß die Cali­for­nia Sta­te Assem­bly, das Unter­haus zustim­men und schließ­lich der Gou­ver­neur sei­ne Unter­schrift leisten.

Die Kosten für einen Künst­ler­wett­be­werb und die Sta­tue selbst wer­den für Natio­nal Sta­tua­ry Hall Collec­tion eigent­lich vom auf­stel­len­den Staat bezahlt, da die Sta­tue die­sen Staat ver­tre­ten soll. Im Fall Sal­ly Ride erklär­te Ricar­do Lara, daß sämt­li­che Kosten pri­va­te Spon­so­ren über­neh­men wür­den. Das genüg­te, um eini­ge Sena­to­ren, die Beden­ken hat­ten, dar­un­ter auch Repu­bli­ka­ner, zum Schwei­gen zu bringen.

Schwacher Einspruch

Grab von  P.Serra  (links).  in  jeder seiner Missionsgründungen erinnert heute eine Statue an den Missionar
Grab von P.Serra (links). in jeder sei­ner Mis­si­ons­grün­dun­gen erin­nert heu­te eine Sta­tue an den Missionar

Der ein­zi­ge nen­nens­wer­te Ein­spruch kam bis­her von der Cali­for­nia Catho­lic Con­fe­rence, dem „poli­ti­schen Arm“ der Katho­li­schen Kir­che. Der dabei vor­ge­brach­te Ein­spruch ist jedoch sehr schwach. Er kri­ti­siert nicht die mora­li­schen Ent­schei­dun­gen von Sal­ly Ride und the­ma­ti­siert auch nicht die nega­ti­ve Vor­bild­wir­kung für die Jugend. Ganz im Gegenteil.

San­dra Pala­ci­os von der Cali­for­nia Catho­lic Con­fe­rence mein­te viel­mehr, daß Sal­ly Ride einer „Aner­ken­nung wür­dig“ ist, ledig­lich der Zeit­punkt sei unan­ge­mes­sen. Die Sta­tue der Astro­nau­tin wür­de kurz nach der Hei­lig­spre­chung durch Papst Fran­zis­kus jene von Pater Juni­pe­ro Ser­ra erset­zen: „Das wäre, als wür­de man den 100. Geburts­tag des Groß­va­ters fei­ern und ihn gleich danach aus sei­ner Woh­nung wer­fen“. Des­halb wur­de von der Cali­for­nia Catho­lic Con­fe­rence eine Ver­schie­bung der gan­zen Akti­on vor­ge­schla­gen, die jedoch weder bei Lara noch bei der Senats­mehr­heit auf Gehör stieß.

Inzwi­schen wer­den bereits Über­le­gun­gen ange­stellt, was mit der Sta­tue von Pater Ser­ra gesche­hen soll. Sie könn­te in der Miss­si­ons­sta­ti­on von San Die­go auf­ge­stellt wer­den, oder „pil­gernd“ von einer Miss­si­ons­sta­ti­on zur näch­sten wandern.

Dem demo­kra­ti­schen Staats­se­na­tor Ben Hue­so fiel zum The­ma nichts bes­se­res ein, als zu sagen, man sol­le doch nicht von einer „Ent­fer­nung spre­chen, son­dern von einer ‚Rota­ti­on‘“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/​Flickr/​Padre Serra/​Franziskanerorden

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1 Kommentar

  1. Das fürch­ter­li­che Ver­sin­ken der „huma­nen“ Todes­kult­ge­sell­schaf­ten in einer kal­ten chri­stus­lo­sen Nacht.
    Hw Mäder mahn­te bereits im Jah­re 1926:
    -
    [.…]
    „Wir leben in einer Peri­ode gei­sti­ger Nacht, kal­ter chri­stus­lo­ser Nacht.

    Die­se Unwis­sen­heit ist ein Weltunglück.
    Denn es ist immer ein Vor­bo­te ern­ster Katastrophen,
    wenn die Füh­rer des Vol­kes der­art blind geworden,
    daß sie Tag und Nacht, Wahr und Falsch,
    Weg und Abgrund nicht mehr von ein­an­der zu unter­schei­den wissen.
    Aber schlim­mer noch als die Blind­heit, das Nicht­mehr­se­hen­kön­nen, ist das Nicht­mehr­se­hen­wol­len, der Haß des Lichtes.

    In die­sem Sta­di­um befin­det sich zur Stun­de ein gro­ßer Teil des Menschengeschlechtes.
    Wel­chen Namen sie auch immer haben mag, Libe­ra­lis­mus, Neu­tra­li­tät, Kon­fes­si­ons­lo­sig­keit oder Lai­zis­mus, die Sün­de der moder­nen Welt ist, daß sie das Zei­chen des Men­schen­soh­nes nicht mehr am Him­mel sehen will.

    Jesus wird nicht mehr als öffent­li­che, ton­an­ge­ben­de, leben­spen­den­de Macht anerkannt.
    Er hat nach den gel­ten­den Verfassungen
    in den Parlamenten,
    in den Regie­rungs­kanz­lei­en, in den Gerichtsstuben,
    in den Schu­len, in den Werk­stät­ten offi­zi­ell nichts mehr zu sagen.
    Er darf höch­stens wie jeder Teu­fel dul­dungs­wei­se mitreden.

    Wenn man weiß, wer
    Jesus ist, der Erschaf­fer, der Erhal­ter, der Erlöser,
    der Eigen­tü­mer der Erde,
    dann muß man die libe­ra­le Sünde,
    das grund­sätz­li­che sozia­le Nichtanerkennenwollen
    der gei­sti­gen Allein­herr­schaft Chri­sti über die Gesellschaft,
    als die schwer­ste Sün­de betrach­ten, die seit dem Kar­frei­tag began­gen wor­den ist.
    Es ist im Namen des Geset­zes und des Staa­tes began­ge­ner Gottesmord,
    wah­res Antichristentum.
    Mit Recht nann­te dar­um Kar­di­nal Mer­cier die offi­zi­el­le Apost­asie der Völ­ker das größ­te Ver­bre­chen unse­rer Zeit.

    Das ist in der Gegen­wart die Situa­ti­on für das Zei­chen des Menschensohnes.
    Man will nicht, daß es am Him­mel leuchte.
    Ganz wie einst in der Karwoche.
    Wir wol­len nicht, daß die­ser über uns herrsche!

    Aber es wird alles ein­mal anders werden.
    Die Welt bleibt nicht immer liberal.
    Die künst­li­chen Ster­ne irdi­scher Größe,
    die die Son­ne unse­res Herrn ver­dun­keln wol­len, wer­den vom Him­mel fallen.
    Dann wird das Zei­chen des Men­schen­soh­nes am Him­mel aufleuchten
    und sie wer­den den Men­schen­sohn kom­men sehen auf den Wol­ken des Himmels
    mit gro­ßer Macht und Herrlichkeit.“
    [.…]
    -

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