Die Zanchetta-Überraschung

Argentinischer Bischof, gegen den wegen sexuellen Mißbrauchs ermittelt wird, wieder in Rom

Gustavo Zanchetta und Papst Franziskus: Der argentinische Schützling des Papstes nahm nach der Corona-Zwangspause wieder seinen Dienst im Vatikan auf. Papst Franziskus blendet weiterhin das Problem Homosexualität im Klerus aus.
Gustavo Zanchetta und Papst Franziskus: Der argentinische Schützling des Papstes nahm nach der Corona-Zwangspause wieder seinen Dienst im Vatikan auf. Papst Franziskus blendet weiterhin das Problem Homosexualität im Klerus aus.

(Rom) Bischof Gusta­vo Zan­chet­ta, für den Papst Fran­zis­kus eigens eine Füh­rungs­po­si­ti­on im Vati­kan schuf, ist „über­ra­schend“ an sei­nen Arbeits­platz zurück­ge­kehrt.

Gusta­vo Oscar Zan­chet­ta war im Juli 2013 von Fran­zis­kus zum Bischof von Orán ernannt wor­den. Msgr. Zan­chet­ta war nicht die erste Bischofs­er­nen­nung, die der neue Papst in sei­ner Hei­mat vor­nahm, aber doch eine der ersten. Seit­her gilt er als „Ami­go“ von Fran­zis­kus und kann sich tat­säch­lich auf ihn ver­las­sen.

Die Bischofs­er­nen­nung ent­pupp­te sich näm­lich als Fias­ko. Nach vier Jah­ren im Amt ver­schwand Zan­chet­ta in einer Nacht-und-Nebel-Akti­on aus sei­nem Bis­tum. Dort rät­sel­ten Prie­ster, Gläu­bi­ge und Jour­na­li­sten. Die Ursa­che wur­de zunächst im Finanz­cha­os gesucht, das der Bischof in sei­nem Bis­tum ver­ur­sacht hat­te. Bereits zuvor hat­te er als Gene­ral­vi­kar in sei­nem Hei­mat­bis­tum Quil­mes für ein ver­gleich­ba­res Durch­ein­an­der gesorgt. Nach­dem Zan­chet­ta fast ein hal­bes Jahr unter­ge­taucht war, tauch­te er zum Jah­res­wech­sel 2017/2018 plötz­lich im Vati­kan wie­der auf. Dort hat­te Papst Fran­zis­kus zur all­ge­mei­nen Ver­wun­de­rung eigens für ihn einen rang­ho­hen Posten bei der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung APSA geschaf­fen.

Ein Jahr spä­ter sicker­te der wah­re Grund sei­ner Flucht aus Argen­ti­ni­en durch: Auf sei­nem Smart­pho­ne waren kom­pro­mit­tie­ren­de Auf­nah­men gefun­den wor­den, auch sol­che, die den Bischof selbst zeig­ten.
Bereits eini­ge Zeit zuvor hat­ten meh­re­re Prä­la­ten des Bis­tums, dar­un­ter die Gene­ral­vi­ka­re und der Regens des diö­ze­sa­nen Prie­ster­se­mi­nars, in einer Ein­ga­be den Nun­ti­us um sein Ein­grei­fen gebe­ten, weil der Bischof sei­ne eige­nen Semi­na­ri­sten homo­se­xu­ell kor­rum­pie­re. Wovon die Öffent­lich­keit erst zum Jah­res­wech­sel 2018/2019 Kennt­nis erhielt, war im Vati­kan schon seit 2015 bekannt. Den­noch wur­de nichts gegen das „unan­ge­mes­se­ne Ver­hal­ten“ unter­nom­men.

Schließ­lich lei­te­te auch die argen­ti­ni­sche Staats­an­walt­schaft Ermitt­lun­gen wegen sexu­el­len Miß­brauchs gegen den Bischof ein. Dar­auf ging es zwi­schen den argen­ti­ni­schen Justiz­be­hör­den und dem Hei­li­gen Stuhl etwas hin und her. Zan­chet­ta wur­de dar­auf von sei­ner Auf­ga­be beur­laubt, konn­te aber im Juni 2019 in den Vati­kan zurück­keh­ren, wo er in San­ta Mar­ta wohnt wie Papst Fran­zis­kus.

Im Mai 2019 räum­te Fran­zis­kus in einem Inter­view mit dem mexi­ka­ni­schen Fern­seh­sen­der Tele­vi­sa ein, er habe Zan­chet­ta im Som­mer „befoh­len“, sein Bis­tum auf so undurch­sich­ti­ge Wei­se zu ver­las­sen, nach­dem ihn Kla­gen erreicht hat­ten. Er habe ihn nach Spa­ni­en geschickt, wo der Bischof psych­ia­trisch unter­sucht wor­den sei, was aber „kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten“ erge­ben habe.

Im Novem­ber 2019 wur­de ein argen­ti­ni­scher Haft­be­fehl gegen Zan­chet­ta erlas­sen. Als Mit­te Mai die Kuria­len nach der Coro­na-Zwangs­pau­se wie­der ihren Dienst auf­nah­men, „erleb­ten sie eine Über­ra­schung“, so der Cor­rie­re del­la Sera. Auch Msgr. Zan­chet­ta war wie­der erschie­nen. „Ein wei­te­res Rät­sel“, so die Tages­zei­tung.

Gegen­über der US-ame­ri­ka­ni­schen Nach­rich­ten­sei­te Crux bestä­tig­te Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni die Rück­kehr des argen­ti­ni­schen Bischofs an sei­nen Arbeits­platz: „Wäh­rend er natür­lich den argen­ti­ni­schen Justiz­be­hör­den zur Ver­fü­gung steht, kann er sei­nen Dienst wie­der­auf­neh­men, der sich auf kei­ne Wei­se mit den Ermitt­lun­gen über­schnei­det.“

Vor drei Tagen bestä­tig­te der Vati­kan­spre­cher den Sach­ver­halt auch gegen­über dem bri­ti­schen Catho­lic Herald.

Die Achil­les­ver­se der päpst­li­chen Stra­te­gie bleibt das will­kür­li­che Aus­blen­den der Homo­se­xua­li­tät. Sie­he auch: Papst Fran­zis­kus bevor­zugt Mit­ar­bei­ter „mit einer Ver­gan­gen­heit“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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