Italienische Bischöfe greifen Summorum Pontificum an

Messa in Latino: „Ungesunde Raserei verrückter Schiffbrüche“

Benedikt XVI.: Einige italienische Bischöfe greifen Summorum Pontificum an und wollen sein Pontifikat auslöschen.
Benedikt XVI.: Einige italienische Bischöfe greifen Summorum Pontificum an und wollen sein Pontifikat auslöschen.

(Rom) Bei der Herbst­voll­ver­samm­lung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz wur­de der Ver­such unter­nom­men, das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI. zu tor­pe­die­ren. Das berich­tet die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Inter­net­sei­te Mes­sa in Lati­no.

In den bei­den roma­ni­schen Mit­tel­meer­an­rai­ner­staa­ten Spa­ni­en und Ita­li­en herrscht nach wie vor ein Kir­chen­ver­ständ­nis der engen Ver­bun­den­heit mit Rom. Zwar gab es in die­sen Län­dern, beson­ders Spa­ni­en, weit stär­ke­re Beden­ken gegen die Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970 als im deut­schen Sprach­raum. 6.000 spa­ni­sche Prie­ster ersuch­ten den Papst um eine Dis­pens von der Lit­ur­gie­re­form und die Erlaub­nis, wei­ter­hin in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zele­brie­ren zu dür­fen. Als Papst Paul VI. die Lit­ur­gie­re­form aber unver­än­dert durch­zog und das Gesuch ablehn­te, füg­te sich der Kle­rus gehor­sam. Seit­her hat­te die Tra­di­ti­on in die­sen Län­dern beson­ders gro­ße Schwie­rig­kei­ten Fuß zu fas­sen. Offen­sicht­li­che „Abwei­chun­gen“ sind nicht erwünscht. Soweit in geraff­ter und stark ver­kürz­ter Form der histo­ri­sche Kontext.

Erzbischof Radaellis Attacke

Erz­bi­schof Car­lo Rober­to Maria Radael­li von Görz, ein an der Gre­go­ria­na aus­ge­bil­de­ter Kir­chen­recht­ler, soll in der Voll­ver­samm­lung der Bischö­fe behaup­tet haben, Papst Paul VI. habe das Mis­sa­le Roma­num von Papst Johan­nes XXIII. von 1962, nach dem die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten zele­brie­ren, abge­schafft. Das ist das Gegen­teil des­sen, was Papst Bene­dikt XVI. im Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum fest­stell­te und zum Gesetz der Welt­kir­che machte.

Laut Radael­li sei­en daher die recht­li­chen Prä­mis­sen falsch gewe­sen, unter denen von Bene­dikt XVI. Summorum Pon­ti­fi­cum erlas­sen wur­de. Das Motu pro­prio sei daher null und nich­tig, was die behaup­te­te Kon­ti­nui­tät betrifft, also den Fort­be­stand des über­lie­fer­ten Ritus in der Form von 1962. Summorum Pon­ti­fi­cum sei ein juri­sti­scher Non­sens und die „triden­ti­ni­sche“ Lit­ur­gie sei daher auch nicht legi­tim wie­der­her­ge­stellt wor­den. Kurz­um: Laut Erz­bi­schof Radael­li ent­fal­tet das Motu pro­prio kei­ne gül­ti­ge Rechts­wirk­sam­keit, wes­halb es auch kei­ne „Frei­ga­be“ des über­lie­fer­ten Ritus gebe, wie sie Bene­dikt XVI. woll­te und verordnete.

Die Wort­mel­dung des Erz­bi­schofs von Görz ist der bis­her weit­rei­chend­ste Angriff gegen das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum seit dem uner­war­te­ten Amts­ver­zicht von Papst Bene­dikt XVI. Der deut­sche Schrift­stel­ler Mar­tin Mose­bach for­mu­lier­te im Früh­jahr 2013 das har­te Urteil: Wenn über­haupt etwas vom Pon­ti­fi­kat von Bene­dikt XVI. blei­be, wer­de es nur Summorum Pon­ti­fi­cum sein. Mit ande­ren Wor­ten: Der Angriff auf Summorum Pon­ti­fi­cum will die tota­le Aus­lö­schung des Pon­ti­fi­kats des ach­ten und vor­erst letz­ten deut­schen Papstes.

Dahin­ter steht der Wunsch jener Bischö­fe, die dem über­lie­fer­ten Ritus am feind­lich­sten gegen­über­ste­hen, Anträ­ge von Gläu­bi­gen nach Meß­or­ten zu igno­rie­ren und sogar die seit dem 14. Sep­tem­ber 2007 ent­stan­de­nen Meß­or­te wie­der zu beseitigen.

Die juri­sti­schen Behaup­tun­gen von Erz­bi­schof Radael­li las­sen sich unter Ver­weis auf die von Paul VI. selbst gewähr­ten Indul­te pro­blem­los wider­le­gen. Auf dem­sel­ben Weg läßt sich eben­so pro­blem­los der Nach­weis erbrin­gen, daß die Kon­ti­nui­tät des über­lie­fer­ten Ritus gewahrt blieb, da er immer zele­briert wur­de, also mit­nich­ten abge­schafft war. Radael­lis Attacke doku­men­tiert viel­mehr die Feind­se­lig­keit, die in Tei­len der Kir­che gegen die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus und letzt­lich auch gegen Papst Bene­dikt XVI. und sein Pon­ti­fi­kat vor­han­den ist.

Die Sekundanten

Neben Radael­li mel­de­te sich auch Lui­gi Girar­di, der Rek­tor des Insti­tuts für pasto­ra­le Lit­ur­gie mit Sitz an der Bene­dik­ti­ner­ab­tei San­ta Giu­s­ti­na in Padua zu Wort. Am sel­ben Insti­tut lehrt auch Andrea Gril­lo, der pro­gres­si­ve Haus­lit­ur­gi­ker von Papst Fran­zis­kus, der selbst erst im Juni 2018 Summorum Pon­ti­fi­cum attackier­te. Das Insti­tut ist ein Zen­trum des lit­ur­gi­schen „Aggior­na­men­to“ und damit der nach­kon­zi­lia­ren lit­ur­gi­schen Expe­ri­men­te und Abirrungen.

Girar­di ist der Über­zeu­gung, daß Summorum Pon­ti­fi­cum aus pasto­ra­ler Sicht „schäd­lich“ sei, weil es dem Wil­len der Kon­zils­vä­ter wider­spre­che. Laut Girar­di hät­ten die­se eine radi­ka­le Ände­rung des Mis­sa­le ver­langt. Das Gegen­teil läßt sich der Kon­zils­kon­sti­tu­ti­on Saro­sanc­tum Con­ci­li­um ent­neh­men, wäre der nöti­ge Wil­le gegeben.

Der Angriff gegen Summorum Pon­ti­fi­cum dürf­te nicht ganz spon­tan erfolgt sein, da sich ein apu­li­scher Bischof, des­sen Name nicht bekannt ist, im sel­ben Sinn äußer­te und auch Bischof Fran­co Giu­lio Bram­bil­la von Nova­ra. Bram­bil­la gehör­te 1989 zu den Unter­zeich­nern der ita­lie­ni­sche Ver­si­on der Köl­ner Erklä­rung gegen Papst Johan­nes Paul II. des Moral­theo­lo­gen Bern­hard Häring (s. auch: Papst Fran­zis­kus und Bern­hard Häring).

Sowohl Radael­li als auch Bram­bil­la wur­den von Bene­dikt XVI. auf ihre jewei­li­gen Bischofs­stüh­le berufen.

„Die Exzel­len­zen“, die sich „sor­gen“, über­lie­fer­te Tra­di­tio­nen wie das Glo­ria und das Vater­un­ser zu ändern – ein ent­spre­chen­der Beschluß wur­de bei der Herbst­ver­samm­lung gefaßt, obwohl nie­mand aus dem Volk dar­um gebe­ten oder eine Not­wen­dig­keit emp­fun­den hät­te –, „ver­lie­ren aber kei­ne Zeit, die wah­ren Grün­de für die Glau­bens­kri­se zu ana­ly­sie­ren“, so die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Inter­net­sei­te Mes­sa in Lati­no. Die von Papst Bene­dikt XVI. ange­ord­ne­te Ände­rung der Über­set­zung der Wand­lungs­wor­te pro mul­tis von „für alle“ in „für vie­le“ wur­de hin­ge­gen von den ita­lie­ni­schen Bischö­fen bis heu­te nicht umge­setzt. Von lit­ur­gi­scher Sen­si­bi­li­tät, oder auch nur Sen­si­bi­li­tät für die Sen­si­bi­li­tät tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Gläu­bi­ger, die bei Bischö­fen zu erwar­ten sein soll­te, ist bei man­chen Hier­ar­chen wenig zu spü­ren. Auch zum Skan­dal „schreck­li­cher Epi­so­den von homo­se­xu­el­lem Miß­brauch und Päd­era­sten­tum“ fällt der Mehr­heit der Bischö­fe nur wenig ein und zum Übel der kle­ri­ka­len Homo­se­xua­li­tät gar nichts.

„Der Fall der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und der Haß gegen die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus ist ein kla­res Bei­spiel für eine unge­sun­de Rase­rei ver­rück­ter Schiff­brü­che, die ver­sucht, selbst noch die weni­gen schwimm­fä­hi­gen Boo­te der Kir­che umzu­kip­pen, anstatt sie zu bestei­gen oder wei­te­re zu bau­en“, so Mes­sa in Lati­no.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: MiL

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