Auch drei Bischöfe kürten „Kaiser Xi“ zum Staats- und Parteichef auf Lebenszeit

Der XIII. Volkskongreß der Volksrepublik
Der XIII. Volkskongreß der Volksrepublik

(Peking) Am 11. März „wähl­te“ der XIII. Volks­kon­greß der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na Staats- und Par­tei­chef Xi Jin­ping zum Staats­prä­si­den­ten auf Lebens­zeit. Im Ple­num saßen bei Abstim­mung auch drei Bischö­fe der regi­me­hö­ri­gen Chi­ne­si­schen Katho­li­schen Patrio­ti­schen Ver­ei­ni­gung.

Der Natio­na­le Volks­kon­greß im Reich der Mit­te seg­ne­te die Ver­fas­sungs­än­de­rung so ab, wie sie ihm von den über­ge­ord­ne­ten Par­tei­gre­mi­en vor­ge­ge­ben wur­de.

Das Abstim­mungs­ver­hal­ten der drei katho­li­schen Bischö­fe ist zwar nicht aus­drück­lich bekannt. Zwei­fel kann es den­noch kei­ne geben. Allein ihre Anwe­sen­heit gab ein denk­bar schlech­tes Bild. Der Volks­kon­greß wink­te nicht nur die größ­te Ver­fas­sungs­än­de­rung seit 36 Jah­ren durch, son­dern eine, wie sie sie nur in Dik­ta­tu­ren vor­kommt.

Die Ver­fas­sungs­än­de­rung ver­eint die drei höch­sten Staats- und Par­tei­äm­ter in einer Per­son, und das auf Lebens­zeit. Xi Jin­ping ist Par­tei­chef der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas, Staats­prä­si­dent der Volks­re­pu­blik Chi­na und Vor­sit­zen­der der Zen­tra­len Mili­tär­kom­mis­si­on.

Bis­her war das Amt des Staats­prä­si­den­ten auf maxi­mal zwei Man­da­te zu je fünf Jah­ren begrenzt. In Hong Kong, aber auch inter­na­tio­nal, wird Xi Jin­ping seit­her als „Kai­ser Xi“ bezeich­net. Ihn wird es nicht berüh­ren.

Drei exkommunizierte Bischöfe

Der XIII. Volkskongreß der Volksrepublik China
Der XIII. Volks­kon­greß der Volks­re­pu­blik

Einer der drei anwe­sen­den Bischö­fe, Joseph Huang Bing­zhang von Shan­tou, wur­de 2011 vom Hei­li­gen Stuhl exkom­mu­ni­ziert. Für ihn soll, so for­dert es Papst Fran­zis­kus, der recht­mä­ßi­ge, rom­treue Unter­grund­bi­schof von Shan­tou, Msgr. Zhuang Jian­ji­an, sei­nen Bischofs­stuhl räu­men, damit der Vati­kan ein Abkom­men mit Peking abschlie­ßen kann.

Der zwei­te Bischof ist Guo Jin­cai von Cheng­de. Auch er wur­de vom kom­mu­ni­sti­schen Regime ernannt. Der Vati­kan erklär­te 2010, daß es kein Bis­tum Cheng­de in der katho­li­schen Kir­che gibt, wes­halb eine Aner­ken­nung ohne­hin nicht in Fra­ge kom­me. Er ist Gene­ral­se­kre­tär des von Peking kon­trol­lier­ten Bischofs­ra­tes, der von Rom nicht aner­kannt ist. Der Bischofs­rat erkann­te das „Bis­tum Cheng­de“ an.

Der drit­te Bischof ist Peter Fang Jian­ping, der 2000 ohne päpst­li­ches Man­dat zum Bischof geweiht wur­de. Als er spä­ter mit Rom Kon­takt auf­nahm, um sei­ne Legi­ti­mi­tät zu klä­ren, wur­de ihm die­se vom Hei­li­gen Stuhl zuer­kannt. Chi­ne­si­sche Katho­li­ken kri­ti­sier­ten die­se römi­sche Eile und soll­ten recht behal­ten. 2006 ernann­te Peking eigen­mäch­tig Joseph Ma Ying­lin zum Bischof. Er ist heu­te Vor­sit­zen­der des von Rom abge­lehn­ten Bischofs­ra­tes. Bischof Fang Jian­ping nahm als von Rom aner­kann­ter Bischof als Wei­he­spen­der oder Kon­ze­le­brant an min­de­stens drei unrecht­mä­ßi­gen Bischofs­wei­hen teil, dar­un­ter auch jener von Ma Ying­lin, was für alle Betei­lig­ten die Exkom­mu­ni­ka­ti­on bedeu­te­te.

Unge­klärt ist, ob Papst Fran­zis­kus in den ver­gan­ge­nen Wochen neben ande­ren Bischö­fen auf Fang Jian­ping aner­kannt hat. Ent­spre­chen­de Gerüch­te wur­den bis­her von Rom nicht bestä­tigt.

„Staatsbürgerschaft kommt vor Religion“

Wie Asia­News berich­tet, wur­de Fang Jian­ping vor zwei Tagen am Ran­de des Volks­kon­gres­ses von Jour­na­li­sten gefragt, ob die chi­ne­si­schen Katho­li­ken Staats- und Par­tei­chef Xi Jin­ping unter­stüt­zen. Sei­ne Ant­wort:

„Natür­lich, näm­lich als Staats­bür­ger eines Lan­des. Die Staats­bür­ger­schaft soll­te vor der Reli­gi­on und einem Glau­bens­be­kennt­nis kom­men“.

Als er dar­auf­hin gefragt wur­de, ob Gott oder die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei wich­ti­ger sei, sag­te der Bischof:

„Was Got­tes ist, gehört Gott, was dem Staat gehört, ist des Staa­tes“.

In Hong Kong und auf Tai­wan herrscht Besorg­nis über die von Rom ange­streb­te Annä­he­rung an Peking. Eine Sor­ge, die auch inter­na­tio­na­les Echo fin­det.

Vatikan schweigt zur Zerstörung christlicher Symbole

Chi­nas Katho­li­ken besorgt nicht nur die­ses Abkom­men. Unter ihnen herrscht gro­ße Ent­täu­schung über das Schwei­gen des Vati­kans zu den Säu­be­run­gen, die Staat und Par­tei seit 2014 gegen Kreu­ze, Kir­chen und ande­re christ­li­che Sym­bo­le durch­füh­ren. Erst am 9. März wur­den ohne Vor­ankün­di­gung in der Diö­ze­se Shang­qiu in Hen­an vier Kreu­ze von einer Kir­che ent­fernt. Zuvor waren am 2. März die Kreu­ze, die Kup­peln, Apo­stel­sta­tu­ten und ande­re reli­giö­se Dar­stel­lun­gen der katho­li­schen Kir­che von Yining in Xin­jiang (Bil­der) ent­fernt wor­den, weil sie laut kom­mu­ni­sti­scher Par­tei „lan­des­frem­de Infil­tra­tio­nen“ sind.

Kin­der und Jugend­li­chen wur­de das Betre­ten einer Kir­che ver­bo­ten. „Sol­che Angst hat die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas vor dem Chri­sten­tum“, so Asia­News.

Die Teil­nah­me der drei von Rom nicht aner­kann­ten regi­me­hö­ri­gen Bischö­fe an einem Volks­kon­greß, der eine so weit­rei­chen­de Ver­fas­sungs­än­de­rung abseg­ne­te, zeigt, wie pro­ble­ma­tisch die Abhän­gig­keit der kirch­li­chen Hier­ar­chie von einem Staat ist, erst recht von einer Dik­ta­tur. In einem umso zwei­fel­haf­ten Licht erschei­nen, die vati­ka­ni­schen Annä­he­rungs­be­stre­bun­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­News

2 Kommentare

  1. Wenn man bedenkt, dass der Besuch der hl. Mes­se bei der Pius­bru­der­schaft kir­chen­recht­lich nicht erlaubt ist, obwohl sie die gan­ze katho­li­sche Leh­re bewahrt, ande­rer­seits wer­den chi­ne­si­sche, nicht von Rom geweih­te, Bischö­fe hofiert.
    Wie kann der Vati­kan nur ein Inter­es­se dar­an haben, mit einem Poli­ti­ker, der auf unab­seh­ba­re Zeit alles regiert und dik­tiert, irgend­wel­che Abschlüs­se und Abspra­chen zu täti­gen.
    Kann man denn heu­te schon abschät­zen, wel­che dra­sti­schen Maß­nah­men Par­tei­chef Xi Jin­ping in eini­gen Jah­ren ergrei­fen könn­te?

  2. In Chi­na wer­den Kir­chen ein­fach nie­der­ge­ris­sen, es gibt kei­ne Mei­nungs- und Reli­gi­ons­frei­heit, statt­des­sen Fol­ter, Chri­sten­ver­fol­gung, Gefan­ge­nen­la­ger, eine kom­mu­ni­sti­sche Dik­ta­tur, kurz­um das Glei­che wie im Natio­nal­so­zia­lis­mus.
    Und jetzt macht Dik­ta­tor Xi Jin­ping noch den letz­ten, fina­len Schritt indem er sich zum Herr­scher auf Lebens­zeit ernen­nen lässt.
    Papst Fran­zis­kus ist eine gewis­se Zunei­gung zu mar­xi­sti­schen Ideo­lo­gien nach­weis­bar, da passt sei­ne Annä­he­rung an Chi­na zu Lasten der dor­ti­gen Chri­sten nur zu gut ins Bild.
    Was hät­te Papst Bene­dikt XVI wohl dazu gesagt? Wahr­schein­lich dass er besorgt sei über die dor­ti­ge Lage, Ber­go­glio hin­ge­gen schweigt.

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