Todesurteil gegen den kleinen Alfie Evans bestätigt

Alfie Evans
Alfie Evans: Die britischen Richter zeigen mit dem Daumen nach unten. Der kleine Alfie soll nicht länger leben dürfen.

(London) Die Eltern des kleinen Alfie Evans haben eine weitere Schlacht verloren. Ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil, daß Alfie „sterben kann“. Der Euphemismus meint, daß er sterben soll. Wahrscheinlich wird er seinen zweiten Geburtstag nicht mehr feiern können.

Alfie Evans ist 21 Monate alt und schwerkrank. Die Ärzte rechneten mit einem schnellen Tod, doch der kleine Mann lebt noch immer. Zu lange, meint das Krankenhaus, zu lange meinte auch ein Richter, schließlich gehe es ja auch um Geld – das sagte freilich niemand.

Alfies katholische Eltern, Tom und Kate Evans, kämpfen tapfer für das Leben ihres Sohnes. Das nicht akut durch eine Krankheit, sondern durch das in England herrschende Gutmenschentum vom Tod bedroht ist, denn tragischerweise sind Alfie und seine Eltern Briten. Was das bedeutet, das haben im vergangenen Jahr bereits die Eltern des kleinen Charlie Gard zu spüren bekommen. Die Kinder ohnehin, denn die werden in Großbritannien gestorben. Die Formulierung ist absichtlich gewählt, um allen „gutgemeinten“ und „menschenfreundlichen“ Sterbehilfe-Thesen zuvorzukommen.

Richter Hayden, der das Todesurteil über Alfie verhängte, begründete dieses mit Papst Franziskus. Dessen Schreiben an die Teilnehmer einer Euthanasie-Tagung im Vatikan im November 2017 zitierte er in voller Länge im Urteil. Offenbar sollte dies Teil einer Überzeugungsarbeit sein, weil die Evans Katholiken sind.

Das Berufungsgericht, an das sich die Eltern wandten, bestätigte am Dienstag das Todesurteil, obwohl, so die Eltern, keine gründliche ärztliche Diagnose des Gesundheitszustandes ihres Sohnes vorliege.

Tom und Kate Evans
Tom und Kate Evans, die Eltern des kleinen Alfie

Alfie liegt in seinem Bettchen im Kinderkrankenhaus von Liverpool und genießt die Nähe seiner Eltern und von Familienangehörigen, die es gut mit ihm meinen. Tom und Kate Evans hoffen unterdessen, ihren Sohn in die Päpstliche Kinderklinik Bambino Gesù nach Rom bringen zu können, gewissermaßen in Sicherheit vor dem Arm der britischen Justiz. Die römische Klinik hatte im vergangenen Jahr angeboten, den kleinen Charlie Gard aufzunehmen und zu pflegen, doch die britischen Richter wollten, daß Klein Charlie stirbt. Eine Ausreise wurde ihm verboten. Da halfen auch die Hilfsangebote von Papst Franziskus und von US-Präsident Donald Trump nichts.

Charlies Eltern haben gekämpft, tapfer gekämpft, bis zur letzten Minute. Und sie haben verloren. Sie sind nicht von der Seite ihres Kindes gewichen und mußten langen Minuten seines Todeskampfes miterleben, weil es Menschen gibt, die es nicht gut mit ihm gemeint haben. Charlies Mutter sagte damals: „Zwölf Minuten hat es gedauert, bis er seine Augen geschlossen hat“.

Auch Alfies Eltern kämpfen, kämpfen tapfer und wollen nicht aufgeben. Auch jetzt nicht nach der zweiten Niederlage vor Gericht. Auch in Deutschland gebe es eine Behandlungsmethode, entwickelt vom Münchner Arzt Matthias Hübner, die vielleicht Aussicht auf Erfolg verspricht.

Wie grausam ist eine Gerichtsbarkeit, wie grausam sind Staatsorgane, die für den Tod streiten, statt für das Leben. An der Verhandlung am Dienstag durften die Eltern nur mittels Telefonkonferenz zuhören, als ein dreiköpfiger Richtersenat sein Urteil fällte

Im Februar entschied Richter Hayden mit dem Daumen nach unten. Die Sauerstoffzufuhr für Alfie, von der das Kind abhängt, solle abgestellt werden. Vater Evans protestierte vor dem Gerichtsgebäude gegen „dieses Unrecht“. Auch am Dienstag zeigten die Daumen der Richter nach unten:

„Mein Sohn ist zwei Jahre alt und wurde zum Tode verurteilt. Warum wollen sie meinen Sohn tot sehen?“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Church Militant (Screenshots)

 

1 Kommentar

  1. „…und führe uns nicht in Versuchung…“, so heißt es im Vaterunser.
    Ist es nicht auch „eine Versuchung“, einem geliebten, aber leider kranken, Kind eine Behandlung in Deutschland oder in Rom zu verweigern, um „Geld zu sparen“?
    Wie viel Geld wird für todbringendes Geschehen in allen möglichen Ländern ausgegeben? Wie viel Geld wird für unsinnige Dinge verschwendet oder für moralisch verkommene, schwerkriminelle Elemente aus Steuergeldern locker gemacht etc.?
    Aber für ein unschuldiges Kind?
    Am meisten ödet mich an, dass der wahre Grund ( Geld einsparen) nicht einmal ausgesprochen wird, sondern statt dessen das ganze traurige Geschehen noch mit euphemistischen Formulierungen umrahmt wird, um vom eigentlichen Geschehen, nämlich Tötung eines Unschuldigen, abzulenken. Pfui.

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