Das verspielte Erbe

Tradition, Dankbarkeit und Pietät

Gabri­el Mar­cel hielt im Jah­re 1951 in ver­schie­de­nen Städ­ten des dama­li­gen West­deutsch­lands eine viel­be­ach­te­te Vor­trags­rei­he über die hoch­kom­ple­xe The­ma­tik Das Gro­ße Erbe. Tra­di­ti­on, Dank­bar­keit, Pie­tät (Über­set­zung von Robert Spa­e­mann. Ver­lag Regens­berg, Mün­ster 1952, S.13–46)
Als Sohn nicht prak­ti­zie­ren­der jüdi­scher Eltern war Mar­cel Athe­ist. Im rei­fen Man­nes­al­ter mit 40 Jah­ren kon­ver­tier­te er, der sich mit sokra­ti­scher Weis­heit ger­ne als Wan­de­rer – Homo via­tor – bezeich­ne­te, vom Athe­is­mus zum Katho­li­zis­mus. Das Gro­ße Erbe, wovon er vor 66 Jah­ren sprach, scheint jedoch heu­te bereits ver­spielt zu sein. Sei­ne denk­wür­di­ge Refle­xi­on über den Begriff des gei­sti­gen Erbes wird selbst im lau­fen­den Pon­ti­fi­kat von höch­ster Stel­le aus­ge­höhlt, sodaß man sich kaum des Ein­druckes erweh­ren kann: Das Spiel ist aus! Wir sind am Ende unse­res Lateins ange­kom­men, wenn sogar Angli­ka­ner fra­gen kön­nen: Is Pope Fran­cis a Libe­ral Pro­te­stant?
Heu­te ist die Säku­la­ri­sie­rung der Gesell­schaft, der Poli­tik und der Kir­che kei­ne Dro­hung mehr, wie sie seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on (1789) zwei­hun­dert Jah­re hin­durch üblich war. Heu­te ist die Säku­la­ri­sie­rung eine still­schwei­gen­de, all­ge­mein akzep­tier­te, voll­ende­te Tat­sa­che gewor­den. Heu­te muß sogar nach­ge­hakt wer­den: Vie­le, nicht nur uner­fah­re­ne Jugend­li­che, wer­den nicht ein­mal die Fra­ge ver­ste­hen kön­nen, was heißt über­haupt säku­lar und säku­la­ri­siert?

Von End­re A. Bár­d­os­sy*

Es gibt keine spontane Neue Ordnung:
Es sei denn aus überlieferten Werten und Tugenden

Gabriel Marcel 1889-1973
Gabri­el Mar­cel 1889–1973

1951 nur sechs Jah­re nach dem größ­ten Krieg aller Krie­ge (1914–1945) rie­fen die sicht­ba­ren Zer­stö­run­gen auf Schritt und Tritt eher Erin­ne­run­gen an eine Unzahl von Not, Schmerz und Ver­bre­chen wach, und erweck­ten nicht gera­de­zu Gefüh­le der Dank­bar­keit und Ver­eh­rung für die Ver­gan­gen­heit. Bei Dank­bar­keit und Ver­eh­rung han­delt es sich um die flüch­tig­sten Gefüh­le, die es über­haupt gibt. Ohne sie sind jedoch unse­re Sit­ten, Bräu­che und Kul­tur­gü­ter auf die Dau­er nicht zu ret­ten. Die furcht­ba­re Hin­ter­las­sen­schaft aus Greu­el­ta­ten der Poli­tik und des Kriegs müs­sen wir also vor­erst in Klam­mern set­zen. Erst so kön­nen wir um den Grund der damals wie heu­te stän­dig wach­sen­den Unge­duld fra­gen, die man all­ge­mein gegen­über all dem emp­fin­det, was unter pro­gres­si­ven Eife­rern der intel­lek­tu­el­len Eli­ten mehr und mehr als Hin­der­nis für das Anbre­chen einer neu­en Welt erach­tet wird.

In einer fast völ­lig zer­stör­ten Stadt in Bur­gund kom­men­tier­te ein ame­ri­ka­ni­scher Offi­zier die­ses Lebens­ge­fühl – frei­lich völ­lig ohne Geist und Niveau – mit den Wor­ten:

„Sie sol­len uns dank­bar sein, daß wir die­sen gan­zen Plun­der bom­bar­diert und zer­stört haben; jetzt kön­nen Sie eine neue und sau­be­re­re Stadt bau­en.“

Ana­log ver­mö­gen vie­le, ins­be­son­de­re jun­ge Leu­te über­haupt kein Erbe anzu­neh­men. Wir kön­nen aber wei­ter aus­ho­len. Seit Imma­nu­el Kant (1724–1804), dem Para­de­phi­lo­so­phen der Auf­klä­rung, wer­den ehr­wür­di­ge Tra­di­tio­nen im hohen Bogen pau­schal abge­lehnt, wie ein Ver­mächt­nis, das für die Erben nur lästi­ge Ver­pflich­tun­gen mit sich bringt. Ganz all­ge­mein wer­den die Erfah­run­gen der Jahr­hun­der­te in Ver­ruf gebracht, um der Eitel­keit des Sen­sa­tio­nel­len und dem nie Dage­we­se­nen Platz zu machen. Das Alt­her­ge­brach­te wird mehr und mehr als das ange­se­hen, was zu nichts mehr taugt. Dies ist wie­der­um eine Fol­ge eines ver­bis­se­nen Lei­stungs­stre­bens, das als ein­zi­ger Wert­maß­stab ange­se­hen wird. In allen gro­ßen Städ­ten hüben und drü­ben der Welt­mee­re wer­den die glei­chen uni­for­men Glas- und Beton­hoch­häu­ser, über­ein­an­der getürm­te Büros ohne Gesich­ter errich­tet, die nur Men­schen­si­los und Lager­räu­me sind.

Im Lehr­ge­dicht des LUKREZ wird der ewi­ge Kreis­lauf der Din­ge als Fackel­lauf der Natur geprie­sen. Von Titus Lucre­ti­us Carus aus dem ersten Jahr­hun­dert vor Chri­sti Geburt blieb ein­zig und allein die­ses Werk über die Natur der Din­ge erhal­ten, mit dem Titel De rer­um natu­ra. Mate­rie bestün­de danach aus einer Unzahl von unend­lich klei­nen Teil­chen, die als un-teil­bar (ἄτομος / a‑tomos) ange­nom­men wer­den. Die Ato­me wür­den sich bewe­gen, zer­set­zen und wie­der zusam­men­set­zen, hau­fen­wei­se hin­ge­wor­fen in den lee­ren, unend­li­chen Raum. Wenn Vor­han­de­nes ver­geht, ent­stün­den die neu­en Din­ge und Lebe­we­sen aus den Trüm­mern der alten Welt durch die ver­än­der­te Posi­ti­on ihrer Tei­le mit zufäl­li­gen Abwei­chun­gen. In einem so ver­faß­ten Welt­bild macht es frei­lich kei­nen Sinn, von gei­sti­gem Erbe zu reden. Die anony­me Natur „expe­ri­men­tie­re“ unauf­hör­lich per sae­cu­la sae­culo­rum. Lukrez bot damit eine Quel­le der Inspi­ra­ti­on für den Auf­stand der ent­erb­ten Massen bei MARX, DARWIN und ande­ren Mate­ria­li­sten.

Alençon, Normandie
Alençon, Nor­man­die

Mar­cel gibt uns eine Anek­do­te zum Besten, wie sei­ne Eltern ein­mal das wun­der­ba­re Tor der Kathe­dra­le von Alençon betrach­te­ten. Seit­lich bemerk­ten sie zwei Frau­en­zim­mer, die ste­hen­blie­ben und sich wun­der­ten, wie man ein Bau­werk so ein­ge­hend stu­die­ren kann, das für sie selbst nur einen Gebrauchs­wert fürs Ein- und Aus­ge­hen hat­te.

Dank­bar­keit setzt also ein inten­si­ves Bewußt­sein der eige­nen Rezep­ti­vi­tät vor­aus. Der ande­re wird als wohl­tu­en­de Quel­le betrach­tet:

„Die in der Dank­bar­keit ent­hal­te­ne Beja­hung bezieht sich auf das, was mir gege­ben wird, und wen­det sich dem zu, der mir das Geschenk gemacht hat.“

Das gilt nicht nur im ein­fach­sten Fall, wenn ein Wohl­tä­ter mit Namen und Adres­se bekannt ist, son­dern auch bei einem völ­lig ent­äu­ßer­ten Andenken, wo Gabe und Geber in der Däm­me­rung der Zeit und im Geflecht der Umstän­de dem lang­sa­men Ver­ges­sen preis­ge­ge­ben sind, zum Bei­spiel am Grab­mal des Unbe­kann­ten Sol­da­ten. Obwohl die­ser auch für mich, für mei­ne Ver­tei­di­gung sein Leben ließ, weiß ich nicht ein­mal sei­nen Namen. Zu Aller­hei­li­gen ver­dient er trotz­dem ein Stoß­ge­bet und eine Blu­me von uns. Wenn über­haupt, in sol­chen Bezie­hun­gen kann nicht more geo­me­tri­co von Ursa­che und Wir­kung gespro­chen wer­den. Vom latei­ni­schen Mos, moris (Brauch, Sit­te), also von einem unge­schrie­be­nen Gesetz kommt unse­re Moral, ein Gebiet, auf dem die Anwen­dung der geo­me­tri­schen Kau­sa­li­tät unmög­lich ist.

Auch dort, wo sich die Dank­bar­keit nur andeu­tungs­wei­se dar­stel­len kann, in einer Gebär­de, in einem Lächeln, ist sie immer wie­der eine gei­sti­ge Rück­erstat­tung. In den roma­ni­schen Spra­chen deu­tet das Wort (fr.) Recon­nais­sance, (sp.) Reco­no­ci­mi­en­to sowohl Aner­ken­nung als auch Dank­bar­keit an. Das Wesent­li­che scheint dabei an einem Kampf gegen die Kräf­te der Zer­streu­ung und der Untreue zu lie­gen.

Nichts ist ver­derb­li­cher als die Ver­wechs­lung zwi­schen dem Unter- und Über­per­sön­li­chen. Ato­mi­sie­rung und Kol­lek­ti­vie­rung, Ent­vi­ta­li­sie­rung und Ent­spi­ri­tua­li­sie­rung sind Aspek­te des­sel­ben Pro­zes­ses der Ent­er­bung. Nur dort, wo eine orga­ni­sche, kon­kre­te, über­per­sön­li­che Ein­heit und nicht bloß eine unter­per­sön­li­che Akku­mu­la­ti­on (Anhäu­fung) im Spiel ist, kann von gei­sti­gem Erbe gespro­chen wer­den:

„Der Mensch, der in der blo­ßen Ansamm­lung lebt, ist im tief­sten Sin­ne des Wor­tes ein Mensch ohne Erbe und ein Mensch, der nie­man­dem etwas hin­ter­las­sen wird. Man kann ver­sucht sein zu sagen, daß die Welt, in der er lebt, eine Welt der Dank­bar­keits­lo­sig­keit ist. Ich sage nicht: Undank­bar­keit, denn Undank­bar­keit setzt eine Wohl­tat ohne Aner­ken­nung vor­aus. Hier aber ist es wirk­lich die Wohl­tat selbst, die im Ver­schwin­den ist. … In einer ver­staat­lich­ten Welt ist der Begriff der Wohl­tat selbst gar nicht mehr anwend­bar. Was an die Stel­le der Wohl­tat tritt, ist immer nur teil­wei­se, immer nur unzu­läng­li­che Erfül­lung eines Anspru­ches, der sich selbst für grund­sätz­lich gerecht und wohl auch für unbe­grenzt hält. … Eine sol­che Welt der Ansprü­che ist jedoch eine Welt, in wel­cher Gna­de – im wei­te­sten Sin­ne des Wor­tes – abso­lut undenk­bar ist.“

In einer voll­me­cha­ni­sier­ten Welt, wo das Leben gna­den­los mit unab­ding­ba­rer Not­wen­dig­keit gere­gelt wird, geht auch die Pie­tät unter. Pie­tät ist das Gefühl für das Hei­li­ge, ange­fan­gen vom kei­men­den, noch unge­bo­re­nen bis zum lang­sam ver­lö­schen­den Leben. Das Hei­li­ge aber ist das Unver­letz­li­che, das Unan­tast­ba­re, das uns Respekt abver­langt.

Wir sind hier in einer Dimen­si­on, die abso­lut nichts mit der ent­vi­ta­li­sier­ten Geschich­te zu tun hat. In der Geschichts­schrei­bung, die nur noch ein Kre­ma­to­ri­um der gesche­hen­den Geschich­te ist, wer­den die rea­len Ereig­nis­se bloß zu histo­ri­schen, in Asche ver­wan­del­te Daten redu­ziert. Der Begriff des gei­sti­gen Erbes ent­leert sich in dem Maße, wie die Geschich­te auf­hört Leben zu sein und zu einer Regi­strier­kas­se dege­ne­riert, wo es nur noch Ein­tra­gung, aber kei­ne Erin­ne­rung mehr gibt. Die sub­jek­tiv oft ver­dreh­te, aber auch die objek­tiv, von Max WEBER (1864–1920) „wert­frei“ gefor­der­te, blo­ße Doku­men­ta­ti­on muß von einer inne­ren Dis­po­si­ti­on belebt wer­den, um Er-Inne­rung zu sein, die sie über die Weber­sche „Wert­lo­sig­keit“ erhe­ben und ihr allein einen Sinn ver­lei­hen kann.

Kön­nen Wer­te über­haupt bewahrt wer­den, wenn wir uns von der Idee des gei­sti­gen Erbes frei­ma­chen? Nun ist es nötig, den Begriff des Wer­tes einer gründ­li­chen Revi­si­on zu unter­zie­hen: „Inzwi­schen sind wir soweit, daß man, je mehr man von Wer­ten spricht, desto weni­ger weiß, wovon man eigent­lich redet.

Das rührt daher, daß man das Gute (Bonum), Tugend­haf­te (Vir­tus) und Voll­ende­te (Vir­tuo­se), die seit Pla­ton über die Ver­mitt­lung der Hoch­scho­la­stik im Mit­tel­punkt aller ethi­schen Refle­xio­nen stan­den, unbe­rech­tig­ter­wei­se durch einen schmal­spu­ri­gen Wert­be­griff ersetz­te, der in der Tat eine Mün­ze der Kauf­manns­spra­che ist. Somit liegt der Ver­dacht nahe, daß die Ein­füh­rung des Wert­be­griffs in die Phi­lo­so­phie eher einer vor­gän­gi­gen Ent­wer­tung der Rea­li­tät selbst zu ver­dan­ken war, die aka­de­misch von Rudolf Her­mann LOTZE (1817–1881), und schließ­lich völ­lig unaka­de­misch aus der popu­li­sti­schen Ent­wer­tung aller Wer­te von Fried­rich NIETZSCHE (1844–1900) aus­ge­gan­gen ist.

J.-P. Sartre bei Che Guevara in Kuba 1960
J.-P. Sart­re bei Che Gue­va­ra in Kuba 1960

Und da haben wir nicht nur NIETZSCHE und sei­nen dege­ne­rier­ten Schü­ler SARTRE im Auge, son­dern den lan­gen Weg mit LUTHERS Revo­lu­ti­on, die Vor­zei­ge-Pro­te­stan­ten KANT und HEGEL, die Bar­ri­ka­den in Paris und das Gemet­zel an den Katho­li­ken in der Ven­dée. Bei KANT und SARTRE fin­den sich expres­sis ver­bis die per­ver­sen Gedan­ken, daß die Wer­te vom auto­no­men Sub­jekt, das sie jeweils wählt, buch­stäb­lich auch geschaf­fen wer­den. Seit der Auf­klä­rung liegt die Frei­heit der libe­ra­len Meu­te­rei tat­säch­lich vor den Wer­ten. Dies ist der ein­zi­ge Sinn der Kan­ti­schen Auto­no­mie und der berühm­ten Sartre’schen For­mel: Die Exi­stenz geht der Essenz vor­aus. Wobei die Gro­ßen des Alter­tums, Pla­ton und Ari­sto­te­les, und der Hoch­scho­la­stik mit Tho­mas von Aquin an der Spit­ze, das Gegen­teil lehr­ten: Die Essenz ist das Vor­aus­ge­hen­de, d. h. der Exi­stenz Über­ge­ord­ne­te. Das Wesent­li­che steht – meta­phy­sisch – ober­halb unse­rer phy­si­schen Ver­gäng­lich­keit.

MARCELS Auf­fas­sung ist KANT, dem Begrün­der der Deut­schen Phi­lo­so­phie, genau ent­ge­gen­ge­setzt. Nichts kann das bes­ser zei­gen, als die Bezie­hung der Dank­bar­keit zur unver­dien­ten Gna­de. Die Kan­ti­sche Frei­heit und Auto­no­mie an den Anfang zu set­zen, heißt die Rea­li­tät der Gabe und die Gege­ben­heit der Rea­li­tät syste­ma­tisch zu ver­ken­nen. Wei­ters heißt das, Machen­schaf­ten an die Stel­le der Schöp­fung zu set­zen. Ech­te Frei­heits­räu­me ent­ste­hen allein durch aller demü­tig, dem Gött­li­chen Sou­ve­rän unter­ge­ord­ne­ten Prin­zi­pi­en, der unser Anfang und Ende ist. Damit aber aner­ken­nen wir, daß das bestän­di­ge Ius divinum dem wack­li­gen Ius huma­num über­le­gen ist. Einst im Alter­tum und im Hoch­mit­tel­al­ter waren die uni­ver­sa­len Wer­te und Tugen­den als Ius natu­rae (Natur­recht) behei­ma­tet. Ihre Reduk­ti­on auf skru­pel­lo­se Gemäch­te wur­de defi­ni­tiv durch die Auf­klä­rung sank­tio­niert, frei­lich zuvor aber durch den pro­te­stan­ti­schen Auf­ruhr inau­gu­riert. Der Grund­satz Cui­us regio eius reli­gio zeigt deut­lich, daß die theo­lo­gi­schen Dis­pu­te nicht nur zweit­ran­gig und weit­ge­hend unver­stan­den waren, son­dern die rein poli­ti­schen Inter­es­sen, Machen­schaf­ten und der letz­te Sinn der „Säku­la­ri­sie­rung: die Beu­te“ im Vor­der­grund stan­den. Die Ent­eig­nung land­wirt­schaft­li­cher Kir­chen­gü­ter, von Schu­len, Palä­sten, Kathe­dra­len, Kir­chen usw., egal ob durch Ver­staat­li­chung, Pri­va­ti­sie­rung oder Über­tra­gung an die Pro­te­stan­ten usw., gehör­te jeder­zeit zum Pro­gramm des pro­fa­nen und inter­kon­fes­sio­nel­len Kamp­fes gegen die katho­li­sche Kir­che. Alles deu­tet dar­auf hin, daß sich die Eigen­schafts­wor­te „säku­lar“ und „libe­ral“ seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on zu voll­wer­ti­gen, unter­ein­an­der aus­tausch­ba­ren Syn­ony­men ent­wickelt haben.

Zunehmende Koinzidenz der Kampfbegriffe:
Säkularisierung & Liberalismus

Die kür­ze­ste For­mel für Säku­la­ri­sie­rung steht im DUDEN:

„Los­lö­sung des Ein­zel­nen, des Staa­tes und gesell­schaft­li­cher Grup­pen aus den Bin­dun­gen an die Kir­che.“

In Mei­nungs­de­lik­ten, in der Sexua­li­sie­rung der Schu­le und des öffent­li­chen Lebens… im Lebens­schutz… im Gen­de­ris­mus… und vor allem in der Poli­ti­schen Kor­rekt­heit geht es um die tota­le Ver­welt­li­chung, Pro­fa­nie­rung, Ver­staat­li­chung aller Lebens­be­rei­che. Die Wahr­heits­fra­ge wird aber von den ent­erb­ten Massen nicht mehr gestellt, son­dern wie PAPST BENEDIKT XVI. beklag­te, unter der Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus per Abstim­mung mit einem simp­len Mehr­heits­be­schluß ent­schie­den.

Para­do­xer­wei­se ist die Kir­che seit dem Vati­ca­num II selbst eif­rig dabei, den Zer­stö­rungs­pro­zeß anzu­fa­chen. Nach Jahr­hun­der­ten des Kul­tur­kamp­fes, die von Luther, Kant und ande­ren, soge­nann­ten „Auf­klä­rern“ von außen ange­zet­telt wur­den, säku­la­ri­siert sich die Kir­che nun mehr von innen her, was im lau­fen­den Pon­ti­fi­kat einen neu­en, bis­lang uner­hör­ten Tief­punkt erlangt hat.

Das latei­ni­sche Stamm­wort „Sae­cu­lum für Säku­la­ri­sa­ti­on“ bedeu­tet aber nur schlicht und ein­fach „Jahr­hun­dert“ – wie kommt es dann zu die­ser gewal­ti­gen Erwei­te­rung des Bedeu­tungs­fel­des im oben bezeich­ne­ten Sin­ne?

Über vie­le Jahr­hun­der­te hin­weg war das gei­sti­ge Erbe – die gro­ße Über­lie­fe­rung aus dem grie­chisch-römi­schem Alter­tum und dem Hoch­mit­tel­al­ter – das Erb­gut für Schu­le und Erzie­hung, die Richt­li­nie für die Poli­tik aus dem Got­tes­gna­den­tum, und das Grund­prin­zip für die Gestal­tung des Lebens gewe­sen. Die Säku­la­ri­sa­ti­on stellt nicht nur eine plat­te, libe­ra­le Los­lö­sung aus den kon­fes­sio­nel­len Bin­dun­gen der Kir­che dar. Die Eine, Hei­li­ge, Katho­li­sche Kir­che war näm­lich nicht nur eine Glau­bens­ge­mein­schaft mit einem star­ren Blick aufs Jen­seits. Viel­mehr über­mit­tel­te sie mit dem Pflug, dem latei­ni­schen Alpha­bet und dem Kreuz auch eine ethisch ver­faß­te, theo­re­tisch und prak­tisch kon­so­li­dier­te Zivi­li­sa­ti­on, die ein­mal aus den Fugen gera­ten, vom moder­nen, säku­la­ren Staat nicht mehr repro­du­ziert wer­den kann. Oft schät­zen wir die Dien­ste der Kir­che erst, wenn wir sie ver­lo­ren haben. Das BÖCKENFÖRDE-DILEMMA hat die­ses Pro­blem der Undank­bar­keit mes­ser­scharf auf­ge­wor­fen:

„Der frei­heit­li­che, säku­la­ri­sier­te Staat lebt von Vor­aus­set­zun­gen, die er selbst nicht garan­tie­ren kann. Das ist das gro­ße Wag­nis, das er, um der Frei­heit wil­len, ein­ge­gan­gen ist. Als frei­heit­li­cher Staat kann er einer­seits nur bestehen, wenn sich die Frei­heit, die er sei­nen Bür­gern gewährt, von innen her, aus der mora­li­schen Sub­stanz des ein­zel­nen und der Homo­ge­ni­tät der Gesell­schaft, regu­liert. Ander­seits kann er die­se inne­ren Regu­lie­rungs­kräf­te nicht von sich aus, das heißt mit den Mit­teln des Rechts­zwan­ges und auto­ri­ta­ti­ven Gebots zu garan­tie­ren suchen, ohne sei­ne Frei­heit­lich­keit auf­zu­ge­ben und – auf säku­la­ri­sier­ter Ebe­ne – in jenen Tota­li­täts­an­spruch zurück­zu­fal­len, aus dem er in den kon­fes­sio­nel­len Bür­ger­krie­gen her­aus­ge­führt hat.“ (Ernst-Wolf­gang Böcken­för­de: Staat, Gesell­schaft, Frei­heit. Suhr­kamp 1976, S. 60)

Das ACHTZEHNTE JAHRHUNDERT, das sich nicht zier­te, das „Sae­cu­lum des Lichts“, der Frei­heit und Men­schen­wür­de genannt zu wer­den, ende­te mit dem Gemet­zel der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on. Der Pro­zeß der Säku­la­ri­sa­ti­on ent-stammt also dem rei­nen Wil­len zur Macht, um die Wirk­lich­keit nach der Façon des jewei­li­gen Sae­cul­ums (Zeit­al­ters) zurecht­zu­schnei­dern.

Das NEUNZEHNTE begann in der Fol­ge mit dem euro­pa­wei­ten Ter­ror des Par­ve­nüs Nabu­lio­ne Buon­a­par­te aus Kor­si­ka, der dem Deutsch-Römi­schen Kai­ser, dem mäch­ti­gen König von Preu­ßen und zugleich dem allein wegen sei­ner Grö­ße unbe­sieg­ba­ren rus­si­schen Bären das Fürch­ten gelehrt hat.

Das FINSTERE ZWANZIGSTE kul­mi­nier­te dann im Welt­krieg aller Krie­ge (1914–1945). Somit hat das ent­fes­sel­te „Sae­cu­lum des Lichts“ die Frei­heit von… allen über­lie­fer­ten Wer­ten und Tugen­den ein­ge­lei­tet, und die größ­ten Ver­bre­chen aller Zei­ten nicht ver­hin­dern kön­nen. Nie­mals zuvor sind so vie­le Men­schen der nack­ten Gewalt zum Opfer gefal­len. Die wah­re Frei­heit ist aber nicht die Frei­heit von…, son­dern die Frei­heit zu… den Uni­ver­sa­len Wer­ten, die ein­stens den got­tes­fürch­ti­gen Namen des Gemein­wohls unter dem Titel des Bonum com­mu­ne tru­gen.

Mar­cel betont aber­mals, daß der Ver­such, die Wer­te und Tugen­den aus der Inkar­na­ti­on her­aus­lö­sen und als sol­che sub­jek­ti­vie­ren oder objek­ti­vie­ren zu wol­len, sie ihrer wah­ren Natur beraubt:

  • Sind also alle Wer­te in gewis­sem Sin­ne histo­risch ver­wur­zelt und situa­ti­ons­be­dingt, die aus ihrem jewei­li­gen aktu­el­len Kon­text nicht los­ge­löst wer­den kön­nen?
  • Müß­te man nicht viel eher das Gut und Böse für die Men­schen von 1951 in Begrif­fen defi­nie­ren kön­nen, die auch unab­hän­gig von dem Zeit­geist und einer wan­kel­mü­ti­gen Situa­ti­ons­ethik einen Sinn haben?

Das waren von Mar­cel for­mu­lier­te Fra­gen vor 66 Jah­ren.

Heu­te sind sie die Speer­spit­ze der Dubia, die auch den explo­si­ven „Atom­kern“ der lau­fen­den AMORIS-LAETITIA-DISKUSSION aus­ma­chen. Die Ent­ge­gen­set­zung der über­lie­fer­ten Prin­zi­pi­en und der wan­kel­mü­ti­gen Situa­ti­ons­ethik beruht – nach Mar­cel – auf einem fal­schen Ver­ständ­nis der Inkar­na­ti­on. Es ist eher so, daß zwi­schen der Par­ti­ku­la­ri­tät bestimm­ter Umstän­de und der All­ge­mein­heit des Geset­zes immer und über­all eine Span­nung besteht. Ja, es scheint, daß gera­de in die­ser Span­nung der Wert behei­ma­tet ist. Wir müs­sen eben­so­sehr einen hoh­len For­ma­lis­mus ableh­nen, für den weder die Geschich­te exi­stiert noch die (mil­dern­den, erschwe­ren­den) Umstän­de zäh­len, wie auch einen rei­nen Rela­ti­vis­mus tadeln, der übri­gens schon inso­fern wider­sprüch­lich ist, als er die Geschicht­lich­keit selbst in ein Abso­lu­tes zu ver­wan­deln sucht. Man muß jedoch sehen, daß die Idee einer sol­chen Span­nung selbst noch abstrakt und zwei­deu­tig ist. Inwie­weit läßt sie sich kon­kre­ti­sie­ren?

Hier droht eine Gefahr, näm­lich jene, den berühm­ten Satz Cogi­to ergo sum (Ich den­ke, also bin ich) des Rena­tus CARTESIUS (fr. René Des­car­tes, 1596–1650) zum Aus­gangs­punkt zu erkie­sen und die Gewiß­heit des Bewußt­seins mit streng­ster, abstrak­ter Ratio­na­li­tät zu begrün­den.

Ande­rer­seits: Wenn man das Sub­jekt in den Zusam­men­hän­gen einer geschicht­li­chen Kon­ti­nui­tät und im Wur­zel­werk einer Situa­ti­on fixiert, dann ent­zieht man ihm die Fähig­keit zur Initia­ti­ve und Ent­fal­tung, zu Reue und Kon­ver­si­on. Man redu­ziert es damit zu einem Zähn­chen in einem Räder­werk, in der Rol­le eines Gefan­ge­nen, der an eine end­lo­se Ket­te der Ver­feh­lun­gen gefes­selt ist. Über­dies bela­sten wir es mit dem Vor­wurf der Selbst­ge­rech­tig­keit. Aber genau an die­ser Stel­le taucht noch ein­mal der Begriff des gei­sti­gen Erbes auf. Das Erbe stellt sich eher als ein fort­ge­setz­ter Auf­ruf dar, denn als die Über­mitt­lung einer inven­ta­ri­sier­ten Habe. Das eige­ne Wesen ist nicht als star­res, unbeug­sa­mes Natur­ge­setz, son­dern als schöp­fe­ri­sches Stre­ben zu ver­ste­hen. Und damit fin­den wir uns wie­der ein­mal bei der welt­be­rühm­ten Inschrift, die in der Frü­he des Abend­lan­des ein­mal die Ein­gangs­hal­le des Apol­lo-Tem­pels zier­te:

Γνῶθι σεαυτόν (Gno­thi seauton): ERKENNE DICH SELBST!
Ins Latei­ni­sche über­nom­men: Nos­ce te ipsum: ERKENNE DICH SELBST!

Die berühmten Inschriften von Delphi

Der Satz­auf­bau ist son­nen­klar: PRÄDIKAT (erken­nen) + SUBJEKT (du) + AKKUSATIVOBJEKT (dich selbst).

Die intrin­si­schen, also von innen her, aus eige­nem Antrieb quel­len­den Form und Inhalt klin­gen sehr ver­nünf­tig. Die Satz­aus­sa­ge for­dert eine Erkennt­nis in Impe­ra­tiv­form, mit kate­go­ri­schem Nach­druck. Das Verb erken­nen ist tran­si­tiv, muß also auf ein klar defi­nier­tes Akku­sa­tiv­ob­jekt zie­len. Es ist also weder rät­sel­haft noch so tief­grün­dig wie die Nach­welt gern der Ver­su­chung erlag, sie zu mysti­fi­zie­ren. Jeder Schul­mei­ster kann sei­nem Zög­ling die ele­men­ta­re Weis­heit auf­tra­gen: Es ist jeder­manns Auf­ga­be, sich selbst zu ken­nen! Es ist nötig und gut, nicht nur die Spiel­ka­me­ra­den und die Mit­welt, son­dern auch sich selbst rich­tig ein­zu­schät­zen, näm­lich die eige­nen Feh­ler, die Vor­zü­ge usw.

Der Satz bezog sich nicht auf irgend­ei­ne gno­sti­sche Geheim­leh­re, son­dern auf den gesun­den Men­schen­ver­stand. Ver­fas­ser war höchst­wahr­schein­lich CHILON (um 550 v. Chr.) aus Spar­ta, einer der sie­ben Wei­sen Grie­chen­lands. Im glei­chen Atem­zug damit wird die nicht min­der berühm­te Anwei­sung des jün­ge­ren Dich­ters PINDAR aus The­ben (517–438 v. Chr.) genannt, die eben­falls den Apol­lo-Tem­pel zier­te:

Γένοιο οἷος ἔσσι (Genoio hoi­os essi): WERDE, DER DU BIST!

Pin­dar geht damit einen Schritt über den Lehr­mei­ster Chi­lon hin­aus: Mit dem Auf­trag zur Selbst­er­kennt­nis ist die Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit obli­ga­to­risch ver­bun­den. In zahl­rei­chen Tex­ten der Klas­sik fin­det sich die Deu­tung, daß ein ehr­fürch­ti­ger, alter Grie­che oder Römer – im Gegen­satz zu den Göt­tern – demü­tig aner­ken­nen und akzep­tie­ren soll­te, daß er ein sterb­li­ches, dem Wer­den und Ver­ge­hen unter­wor­fe­nes, unvoll­kom­me­nes Man­gel­we­sen ist.

Immanuel Kant 1724-1804
Imma­nu­el Kant 1724–1804

KANT möch­te uns dar­über hin­aus weis­ma­chen, nicht daß zur Erkennt­nis nach bewähr­ter, alt­grie­chi­scher Manier auch die­se Beschei­den­heit gehö­re, son­dern daß Erkennt­nis nur Selbst­be­spie­ge­lung sei und somit zwangs­läu­fig sub­jek­tiv und imma­nent blei­ben müs­se. Inso­fern kon­stru­ie­re der Erken­nen­de nicht nur das Erkann­te sel­ber, son­dern schaf­fe sogar die Natur­ge­set­ze. Fre­vel­mut, Hoch­mut, Hybris (ὕβρις) nann­ten die Grie­chen eine sol­che Hoch­stap­le­rei und Spin­ne­rei. Wer das wirk­lich Sei­en­de leug­net, kann kei­ne gül­ti­gen, objek­ti­ven Aus­sa­gen tref­fen und muß logi­scher­wei­se sei­ne eige­nen, sub­jek­ti­ven Ver­mu­tun­gen zuvor­derst bezwei­feln. Wenn alles nur eine Erschei­nung inner­halb eines Bewußt­seins und ledig­lich für die­ses Sub­jekt da ist, na dann gibt es eben kei­ne ver­nünf­ti­ge Rede mehr. Ein pro­fes­sio­nel­ler Skep­ti­ker muß an sei­nen eige­nen Aus­sa­gen zugrun­de gehen.

Die Welt wird laut Kant aus­schließ­lich als Vor­stel­lung erkenn­bar: Erstens als Traum, zwei­tens als Auto­no­mie. Das erken­nen­de Sub­jekt ist zugleich Gesetz­ge­ber und Ver­wal­ter der Welt. Die erkann­te Welt ist nicht die tat­säch­lich per se sei­en­de Gege­ben­heit, – das Ding an sich, – son­dern eine selbst­ge­mach­te Kon­struk­ti­on. Daher kann bei Kant unmög­lich an ein wie immer gedach­tes „Erbe“ gedacht wer­den.

Auch Sig­mund FREUD und sei­ne Ana­ly­ti­ker wer­den unser­ei­nen lech­zend befra­gen: Na, wer bist du eigent­lich? Nicht dein Name, Adres­se und Beruf sind aus­schlag­ge­bend, son­dern dei­ne Äng­ste, dei­ne unter­drück­ten Sehn­süch­te und Wün­sche, Stär­ken und Schwä­chen, die klei­nen Unter­teu­fel und Mon­ster, die in dei­ner See­le hau­sen… All das bist du „eigent­lich“ und kei­ner kann das her­aus­gra­ben, außer dir selbst. Trau dich! Erfor­sche dich! In den Tie­fen der See­le gehö­ren auch ganz fin­ste­re „Din­ger“ zu dir, nicht nur die offi­zi­el­le, die schein­hei­li­ge, ober­fläch­li­che Moral! Und begin­ne zu phi­lo­so­phie­ren! Wer­de der ganz gemei­ne Kerl, der du bist! Erken­ne dich selbst und die Welt, in die du ein­ge­bet­tet bist! Lebe dei­ne Trie­be!

Albert Camus 1913–1960
Albert Camus 1913–1960

Aber wel­cher Weg führt zu Selbst­er­kennt­nis? Schließ­lich und end­lich kommt es auf die Details an! Ehr­li­che Agno­sti­ker wie der mora­lisch tadel­lo­se („impe­ca­ble“), zu jung durch einen fata­len Auto­un­fall umge­kom­me­ne Albert CAMUS (1913–1960), negie­ren nicht die Con­di­ti­on Humai­ne, wonach sie hun­gern und dur­sten, wenn sie auch kei­ne Ant­wort fin­den kön­nen. Suchst du die Weg­wei­ser für dich sel­ber aus? Darfst und kannst du die­se Frei­heit allein tra­gen? Den zu bestei­gen­den Berg­hang für Sisy­phos kann kein Kan­tia­ner erfin­den oder negie­ren. Der ist da wie ein har­ter Gra­nit- oder ein ver­wit­ter­ter Basalt-Block. Viel­leicht erkennst du dich sel­ber gera­de zufäl­lig, wäh­rend du mit dei­ner Lieb­lings­tä­tig­keit beschäf­tigt bist oder du dei­ne Musik hörst und plötz­lich steht ein kla­res Bild vor dei­nem gei­sti­gen Auge. Wie und wann auch immer das gesche­hen mag, ob gezielt und bewußt durch Medi­tie­ren oder zufäl­lig im Vor­bei­ge­hen – hal­te inne, ler­ne und bete, wenn du kannst! Ler­ne wer du bist, was du brauchst, und bestehe dar­auf, daß du das Leben willst!

Fried­rich Hein­rich JACOBI (1743–1819), ein illu­strer Phi­lo­soph, Schrift­stel­ler und Streit­ge­sprächs­part­ner für den erdrückend gro­ßen Goe­the, erkann­te des Pudels Kern im beschei­de­nen Satz:

„Sich selbst ken­nen, heißt dar­auf mer­ken, daß wir nicht von uns selbst sind, und die Wahr­heit nicht in und an uns selbst haben, son­dern daß wir sie woan­ders­her emp­fan­gen müs­sen.“

Für Gabri­el MARCEL, der sich als „Neos­o­kra­ti­ker“ bezeich­ne­te, sind die genann­ten Inter­pre­ta­tio­nen nur unvoll­stän­di­ge Vor­stu­fen, wenn nicht ganz und gar unpas­sen­de Miß­ver­ständ­nis­se. Eine sokra­ti­sche Deu­tung läßt sich in Pla­tons Höh­len­gleich­nis fin­den. Die ewi­gen Ide­en am leuch­ten­den Ster­nen­him­mel und im vol­len Licht der Son­ne befin­den sich außer- und ober­halb der Schat­ten­welt der ent­erb­ten Höh­len­be­woh­ner. Das wah­re Erbe ist aber die ober­ir­di­sche Sub­stanz, die allein men­schen­wür­di­ge, uni­ver­sa­le Con­di­ti­on Humai­ne, die nach christ­li­chem Glau­ben als erstre­bens­wer­te mensch­li­che Ver­fas­sung den Kin­dern Got­tes vor­be­hal­ten ist.

Die pla­to­ni­sche Inter­pre­ta­ti­on der ange­wand­ten Selbst­er­kennt­nis für die eige­ne vir­tuo­se, mann­haf­te Ent­fal­tung und für die Erzie­hung der näch­sten Genera­ti­on ver­trat auch CICERO in einem Brief an sei­nen Bru­der Quin­tus, dem­nach sich der Sinn der Ora­kel­sprü­che aus dem Apol­lo-Tem­pel nicht dar­auf beschrän­ke, die Hybris ein­zu­däm­men, son­dern es gehe um die opti­mi­sti­sche­re Auf­for­de­rung, das uns eigen­tüm­li­che Gute – die Bona nostra – zu erken­nen.

Sin mástica no hay mística

Wir, die zu den Erben gehö­ren, müs­sen die Situa­ti­on gleich­zei­tig aus dem Gesichts­punkt der Ent­erb­ten betrach­ten, der zahl­lo­sen Ent­erb­ten näm­lich, die rings um uns sind, inner­halb und außer­halb der einst euro­zen­tri­schen Welt. Ob und wie­viel Schuld sie an ihrem Zustand der Ent­er­bung sel­ber tra­gen, sei in die­sem Trak­tat dahin­ge­stellt. Gott weiß es und wird es einem jeden von uns anrech­nen. Aber auch das betrof­fe­ne Sub­jekt soll­te sich in eige­ner Sache erkun­di­gen, wenn es sich end­lich ein­mal zum Ler­nen, zu einer Gewis­sens­for­schung und zum Beich­ten auf­rafft. Unser aller erste Pflicht ist, uns gegen die Lüge zu weh­ren, die immer noch her­um­gei­stert, die Ent­erb­ten sei­en im Grun­de doch auch Erben. In der Tat kön­nen sie erst dann in die Situa­ti­on des Erben kom­men, wenn sie zunächst ein­mal in eine mensch­li­che Situa­ti­on gelangt sind. Mensch sein heißt aber nicht ein­fach, nur die bio­lo­gi­schen Merk­ma­le der Gat­tung Mensch auf­zu­wei­sen: Das wäre ein Ras­sis­mus der schlimm­sten Sor­te. Mensch­sein heißt mensch­lich leben zu kön­nen. Es bedeu­tet, unter mate­ri­el­le Bedin­gun­gen zu kom­men, die ver­hin­dern, daß das Dasein unter exi­sten­ti­el­len Sor­gen erdrückt wird. Die Mis­sio­na­re der Katho­li­schen Kir­che küm­mer­ten sich all­zeit um die Befrie­di­gung ele­men­ta­rer Bedürf­nis­se: Woh­nung, Nah­rung und Trink­was­ser, Medi­zin und Schu­lung für ihre Anver­trau­ten. Die anstei­gen­de Erfül­lung die­ser Bedin­gun­gen erlaubt erst, eine drei­di­men­sio­na­le App­er­zep­ti­on anzu­stre­ben: Eine von sich selbst, eine zwei­te vom Andern und die drit­te von der Rea­li­tät, deren Ein­ord­nung in einen Bewußt­seins­zu­sam­men­hang von Kant beharr­lich ver­wei­gert wur­de. Das „trans-scen­den­ta­le“ Ding an sich, das als uner­reich­ba­res Traum­ge­bil­de, Ide­al oder Hirn­ge­spinst an den Rand der exi­sten­ti­el­len Refle­xi­on hin­ge­stellt wor­den war, ist nur eine ungu­te Aus­re­de, um sich nicht mann­haft der Rea­li­tät stel­len zu müs­sen.

Die Teil­wahr­heit im Mar­xis­mus liegt hier. Im argen­ti­ni­schen Spa­nisch heißt es: Sin másti­ca no hay místi­ca. Auf gut Deutsch: Ohne Másti­ca gibt es kei­ne Mystik… Wie aber soll­te ich das Schlüs­sel­wort „Másti­ca“ über­set­zen? In die­sem Wort­spiel heißt das Verb masti­car ein Drei­fa­ches, näm­lich kau­en, grü­beln und aber­mals wie­der­käu­en:

  • Erstens also das Essen: Ohne ein men­schen­wür­di­ges Exi­stenz­mi­ni­mum gibt es kei­ne Zivi­li­sa­ti­on. Nicht die Kan­ti­schen Kate­go­ri­en der rei­nen Ver­nunft, son­dern gewis­se Stan­dard­wer­te sind das Aprio­ri jeg­li­cher Edu­ka­ti­on und Eman­zi­pa­ti­on.
  • Zwei­tens ein grü­beln­des Nach­den­ken. Die stei­gen­den Bela­stun­gen der Per­zep­ti­on und App­er­zep­ti­on dür­fen zwar dem Zög­ling nur all­mäh­lich zuge­mu­tet, aber die gan­ze Wahr­heit muß ihm auf den Kopf zuge­sagt wer­den. Es darf nichts ver­schwie­gen wer­den.
  • Drit­tens ist uns auf­ge­ge­ben, die ideo­lo­gi­sche Rumi­na­ti­on zu ent­lar­ven. Ber­tolt Brechts poli­tisch bela­de­ne Pro­gramm-Vers­kunst und sei­ne Pro­gramm-Dra­men (Cf. Der gute Mensch von Sezu­an) sind her­me­tisch geschlos­se­ne Blocka­den für die gei­sti­ge Ent­fal­tung, womit auch die Wie­der­käu­er der 68er Genera­ti­on ihre Geschäf­te bis heu­te gut ver­rich­ten kön­nen.

Wir dür­fen aber auch nicht zögern, unse­re eige­nen, am fal­schen Ort, zu fal­scher Zeit zele­brier­ten Mysti­fi­ka­tio­nen eben­falls auf­zu­decken. Wir machen uns schul­dig, wenn wir zu früh oder unzei­tig mit gei­sti­gen Betrach­tun­gen kom­men, um eine Lage der Din­ge zu ver­schlei­ern. Die­se in ihrer Nackt­heit zu sehen, brin­gen wir die Kraft und den Mut nicht auf. Es geht um die deli­ka­te Fra­ge, inwie­weit und ob über­haupt die Erben imstan­de sind, der aus­ge­dehn­ten Drit­ten, Vier­ten und Fünf­ten Welt der Ent­erb­ten oder der säku­la­ri­sier­ten Mit­welt daheim eine Rich­tung zu wei­sen, sie so umzu­ge­stal­ten oder zumin­dest ver­su­chen so zu beein­flus­sen, daß auch sie am vol­len gei­sti­gen Erbe teil­ha­ben wer­den kön­nen.

Eine der außer­or­dent­li­chen Schwie­rig­kei­ten des Pro­blems ist dar­an zu erse­hen, daß wir, die Erben, unter reich­lich unbe­stimm­ten, vagen Gesichts­punk­ten als Kom­pli­zen der soge­nann­ten „frei­en“, ent­hemm­ten Markt­wirt­schaft des Libe­ra­lis­mus ver­ru­fen sind, bei dem man ernst­lich fra­gen kann, ob die­se Wirt­schaft die Welt der Ent­erb­ten nicht gera­de­zu vor­aus­setzt, anstatt sie zu auf­zu­he­ben. Als Pro­fes­sor der Betriebs­wirt­schafts­leh­re sage ich dezi­diert: Kom­pli­zen des Libe­ra­lis­mus und nicht des Kapi­ta­lis­mus. Mit einer fei­nen Eti­ket­te der „Aus­beu­tung“ wer­den die wert­kon­ser­va­ti­ven – ich sage lie­ber paläo­kon­ser­va­ti­ven – Katho­li­ken oft für Mit­tä­ter einer ethik­frei­en Markt­wirt­schaft gehal­ten. Dabei geht es kei­nes­wegs um eine intrin­si­sche Ver­dor­ben­heit des Mark­tes – als Schau­platz des Waren­tau­sches, – son­dern allein um jene unmo­ra­li­schen Ver­hal­tens­wei­sen, die nicht zum Wesen der Han­dels­kun­de und nicht zum Wesen der Zivi­li­sa­ti­on gehö­ren, son­dern deren Toten­grä­ber sind. Eine nicht auf rei­ne Pira­te­rie gegrün­de­te, nicht frei­beu­te­risch und aus­beu­te­risch ver­kom­me­ne, also (mehr oder min­der) mora­lisch inte­gre, wert­kon­ser­va­ti­ve Markt­wirt­schaft gab es immer schon im Mit­tel­meer­raum, bereits seit den alten Phö­ni­zi­ern, Grie­chen, Römern und den Vene­zia­ni­schen, Tos­ka­ni­schen, Genuesi­schen Han­dels­zen­tren. Spä­ter auch in den Ham­bur­gi­schen Han­se­städ­ten, den Nie­der­lan­den, Lon­don, New York und Bue­nos Aires. Somit plä­die­re ich nicht für eine soge­nann­te ent­hemm­te, moral­freie, libe­ral­kon­ser­va­ti­ve, klas­sisch-libe­ra­le, son­dern für eine wert­kon­ser­va­ti­ve, kon­so­li­dier­te Markt­wirt­schaft der ordent­li­chen Kauf­leu­te mit Hand­schlag­qua­li­tät. Frei­lich spre­che ich auch ein kräf­ti­ges JA für den Kapi­ta­lis­mus aus, der seit der Indu­stri­el­len Revo­lu­ti­on in der Mit­te des XVIII. Jahr­hun­derts eine rein tech­ni­sche und betrieb­li­che Not­wen­dig­keit gewor­den ist. Um die Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren GÜTER (Kapi­tal), DIENSTE (Arbeit) und RECHTE erfolg­reich ein­zu­set­zen, bedür­fen die uner­setz­ba­ren Kapi­ta­li­sten (Unter­neh­mer) heu­te enor­mer, hoch­kom­ple­xer Reich­tü­mer, die im vor­in­du­stri­el­len Zeit­al­ter unvor­stell­bar waren. Nur unge­bil­de­te, nei­der­füll­te Pri­mi­tiv­lin­ge kön­nen in die­sem Sin­ne den lupen­rei­nen, tech­ni­schen Kapi­ta­lis­mus ver­dam­men.

Welch him­mel­ho­her Unter­schied besteht zwi­schen einem Inge­nieur der Indu­stri­el­len Revo­lu­ti­on wie James Watt, und Robes­pierre, Dal­ton und den Hun­dert­schaf­ten von Ver­bre­chern der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on auf der ande­ren Sei­te. Der Mar­xis­mus als Pseu­do­phi­lo­so­phie und als fal­sche Welt­an­schau­ung erhebt hier mit doo­fen Ein­wän­den einen revo­lu­tio­nä­ren Ein­spruch, ohne eine ele­men­ta­re Unter­schei­dung nach­voll­zie­hen zu kön­nen: einer­seits zwi­schen dem pro­duk­ti­ven, tech­nisch beding­ten und erwünsch­ten Kapi­ta­lis­mus und ande­rer­seits der unpro­duk­ti­ven Aus­beu­tung, der empö­ren­den Spe­ku­la­ti­on im ent­fes­sel­ten, rui­nö­sen, uner­wünsch­ten Libe­ra­lis­mus, in dem um der Gewinn­ma­xi­mie­rung und Kosten­mi­ni­mie­rung wil­len alles – jede Lüge, jeder Betrug – erlaubt ist.

Mar­cel warnt nach­drück­lich davor, daß die Reli­gi­on in einem gewis­sen Zustand des Elends von den Aus­beu­tern leicht als zusätz­li­ches Mit­tel ihrer Herr­schaft betrach­tet wer­den kann. Somit erken­nen wir nur eine Tat­sa­che an, wofür es lei­der genug Bei­spie­le gibt. Dage­gen ist es völ­lig unbe­rech­tigt, aus der­ar­ti­gen Tat­sa­chen Fol­ge­run­gen zu zie­hen, die das Wesen des Katho­li­zis­mus selbst betref­fen. Ein treu­er, wert­kon­ser­va­ti­ver Katho­lik wird ein­fach erklä­ren müs­sen, daß bei allen Schwä­chen und Sün­den des han­del­be­trei­ben­den Men­schen­tums eine Ver­keh­rung der Wer­te immer mög­lich bleibt. Aberra­tio­nen kön­nen aber weder dem Inhalt des Glau­bens noch dem Inhalt des Beru­fes wirk­lich etwas anha­ben. Trotz­dem kom­men sie auf der all­täg­li­chen, exi­sten­ti­el­len Ebe­ne immer wie­der vor und füh­ren zu ideo­lo­gi­schen Fixie­run­gen.

Zum Schluß sei im Ein­klang mit Gabri­el Mar­cel die Über­zeu­gung aus­ge­spro­chen, daß ein strik­ter, stock­kon­ser­va­ti­ver Immo­bi­lis­mus nicht weni­ger als die ant­ago­ni­sti­sche Mobi­li­sie­rung des tota­len Pro­gres­sis­mus eine dop­pel­te Ver­let­zung in sich schließt: Bei­de lädie­ren die Wahr­heit zuerst und lädie­ren die Lie­be außer­dem. Hier mehr als irgend­wo sonst – so betont Mar­cel – müs­sen wir uns von einer frucht­ba­ren Unter­schei­dung inspi­rie­ren las­sen, die Hen­ri BERGSON (1859–1941) in sei­nen letz­ten Schrif­ten ein­ge­führt hat: die Unter­schei­dung zwi­schen dem Offe­nen und Geschlos­se­nen. Der Begriff des gei­sti­gen Erbes muß ein offe­nes, aber nicht unge­schütz­tes Den­ken zur Grund­la­ge haben. Das Den­ken bleibt aber nur offen und zugleich zurei­chend geschützt unter der Bedin­gung, daß in ihm die Sor­ge um die Ent­erb­ten wie ein Sta­chel im Flei­sche ist. Die Revo­lu­ti­on des Nihi­lis­mus in der Ersten und das Elend in der Drit­ten Welt vor sich star­rend als unab­än­der­li­ches Schick­sal zu betrach­ten, ist genau­so gemein, wie die nai­ve Illu­si­on der „Gut­men­schen“, wenn die kata­stro­pha­len Dimen­sio­nen des ver­spiel­ten Erbes durch eine groß­an­ge­leg­te Völ­ker­wan­de­rung oder ledig­lich mit klein­li­chen, „mil­den“ Gaben, Almo­sen oder nichts­sa­gen­den Wor­ten über­tüncht wird. Die­se uner­träg­li­che Alter­na­ti­ve kann für paläo­kon­ser­va­ti­ve – und somit per defi­ni­tio­nem illi­be­ra­le – Katho­li­ken nichts ande­res sein als der Anruf des Gei­stes nicht nur an den guten Wil­len, son­dern auch an die gute, effi­zi­en­te Tat. So kön­nen wir nicht wei­ter­ge­hen!

Viktor Orbán mit Familie, Besuch bei Papst Benedikt XVI., 2010
Vik­tor Orbán mit Fami­lie, Besuch bei Papst Bene­dikt XVI., 2010

Bei die­ser kla­ren Front­stel­lung möch­te ich in Erin­ne­rung rufen, daß Vik­tor ORBÁN, – zur Zeit der dekla­rier­te und erfolg­reich­ste Vor­kämp­fer gegen die Belie­big­kei­ten des Libe­ra­lis­mus, – sei­ne Poli­tik seit gerau­mer Zeit als illi­be­ral defi­niert hat. In Orbáns Gesin­nungs­la­ger ist der Libe­ra­lis­mus ein ver­pön­tes Wort. Das heißt nicht, daß es zwi­schen ech­ten Paläo­kon­ser­va­ti­ven und den begriff­lich wider­sprüch­li­chen Libe­ral­kon­ser­va­ti­ven in der Sache selbst kei­ne weit­ge­hen­de, ja per­fek­te Über­ein­stim­mung geben könn­te. Dann kämp­fen jedoch die Libe­ral­kon­ser­va­ti­ven um die glei­chen Zie­le unter einem fal­schen Eti­kett.

Nach allen ange­führ­ten Argu­men­ten kön­nen wir uns kaum des Ein­drucks erweh­ren, daß unse­re histo­ri­sche Spiel­zeit bereits abge­lau­fen ist. Das Spiel ist aus. Nur noch das Klam­mern an das Gro­ße Erbe könn­te uns vor dem Abgrund bewah­ren. Aber … wenn das Aber nicht wäre! Ja, selbst nach dem Welt­krieg gab es noch mehr Grün­de für einen Zweck­op­ti­mis­mus als heu­te. Die knapp wer­den­den Wer­te des Abend­lan­des ver­schwin­den rasend schnell in den Hin­ter­wäl­dern an jenen Ort, wo die Füch­se gute Nacht sagen!

*End­re A. Bár­d­os­sy war o. Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor in San Sal­va­dor de Jujuy, Argen­ti­ni­en, für Land­wirt­schaft­li­che Betriebswirtschafts­lehre und Lei­ter eines Semi­na­rio de Apli­cación Inter­di­sci­pli­na­ria im Depar­ta­men­to de Cien­ci­as Socio-Econó­mi­cas an der Uni­ver­sidad Nacio­nal de Cuyo, Men­do­za. Bei Katholisches.info ver­öf­fent­lich­te er u.a. den Auf­satz LÉON BLOY – Der undank­ba­re Bett­ler – Abschrecken­des Vor­bild für die Befrei­ungs­theo­lo­gie.

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