Polnische Bischöfe sagen Nein zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene

Polnische Bischofskonferenz liest "Amoris laetitia" in der Tradition und schließt Zulassung "wiederverheirateter Geschiedener" zu den Sakramenten aus.
Polnische Bischofskonferenz liest "Amoris laetitia" in der Tradition und schließt Zulassung "wiederverheirateter Geschiedener" zu den Sakramenten aus.

(War­schau) Polens Bischö­fe haben nun for­ma­li­siert, was sich bereits in den ver­gan­ge­nen Mona­ten abge­zeich­net hat­te: Sie sagen „Nein“ zur Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne. Damit stel­len sie sich offen gegen die Linie von Papst Fran­zis­kus, ohne dies aber zu sagen. Dar­in liegt die Schwä­che ihrer anson­sten star­ken Posi­ti­on, mit der sie die direkt und indi­rekt die Argu­men­te der Dubia und der Cor­rec­tio filia­lis stüt­zen.

Der pol­ni­sche Epis­ko­pat weist die Mög­lich­keit zurück, daß Per­so­nen, die sakra­men­tal gül­tig ver­hei­ra­tet sind, aber mit einer ande­ren Per­son in einer stan­des­amt­li­chen, neu­en Ver­bin­dung leben, zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen sind. Das sei ein Wider­spruch, der nicht über­wun­den wer­den kön­ne. Das­sel­be, so die Bischö­fe, gilt für jede irre­gu­lä­re Ver­bin­dung.

Bruchlinie an der Oder

Die Pol­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz faß­te bei ihrer Herbst­voll­ver­samm­lung in Lub­lin kla­re Beschlüs­se. Sie betref­fen die Umset­zung des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia. Wäh­rend Papst Fran­zis­kus in sei­nem Bis­tum Rom, die bun­des­deut­schen Bischö­fe, die Bischö­fe von Mal­ta und in der Kir­chen­pro­vinz von Bue­nos Aires sowie eini­ge US-Bischö­fe soge­nann­te „wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne“ zu den Sakra­men­ten zulas­sen, wei­sen die Bischö­fe Polens eine sol­che Mög­lich­keit zurück.

Polens Bischö­fe bekräf­ti­gen damit die über­lie­fer­te kirch­li­che Leh­re.

Amo­ris lae­ti­tia, so die Bischofs­kon­fe­renz, kön­ne nur in der Kon­ti­nui­tät der kirch­li­chen Ehe- und Sakra­men­ten­leh­re ver­stan­den und umge­setzt wer­den. Ein ande­rer Weg sei unmög­lich. Damit stel­len sie sich ein­deu­tig gegen Papst Fran­zis­kus und des­sen „pos­si­bi­li­sti­sche“ Hal­tung. Das ist des­halb mög­lich, weil Fran­zis­kus es kon­se­quent mei­det, Far­be zu beken­nen. Daß er durch sei­nen Kurs, den er seit der Ein­be­ru­fung der Fami­li­en-Dop­pel­syn­ode im Herbst 2013 ver­folgt, das Ehe­sa­kra­ment schwächt, die Unauf­lös­lich­keit der Ehe durch „Aus­nah­men“ in Fra­ge stellt und fak­tisch Schei­dung und Zweit- oder Dritte­he in die Kir­che ein­führt, wur­de vom Kir­chen­ober­haupt weder bestä­tigt noch demen­tiert.

Durch einen Pri­mat der Pra­xis wird unaus­ge­spro­chen die­se Ände­rung jedoch voll­zo­gen. Es sol­len, so die offen­kun­di­ge päpst­li­che Stra­te­gie, voll­ende­te Tat­sa­chen geschaf­fen wer­den. Neben einer umstrit­te­nen inhalt­li­chen Fra­ge, wirft das auch die Fra­ge einer zwei­fel­haf­ten Metho­dik auf.

Entscheidung der polnischen Bischöfe von besonderer Bedeutung

Die Ent­schei­dung der Pol­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz ist für die Welt­kir­che von beson­de­rer Bedeu­tung. Sie wider­legt die Papst-Ver­trau­ten, die den Kar­di­nä­len der Dubia (Zwei­fel) vor­ge­wor­fen haben, Zwei­deu­tig­kei­ten her­bei­zu­re­den, da Amo­ris lae­ti­tia „völ­lig“ auf dem Boden der kirch­li­chen Leh­re ste­he. Kar­di­nal Schön­born bezeich­ne­te Amo­ris lae­ti­tia als „voll­kom­men ortho­dox“, Papst Fran­zis­kus als „tho­mi­stisch“.

Die pol­ni­schen Bischö­fe bestä­ti­gen die Sor­gen der Dubia-Kar­di­nä­le, die davor gewarnt haben, daß Amo­ris lae­ti­tia die Kir­che spal­te, indem ein Ver­hal­ten in einem Land wei­ter­hin Sün­de ist, im Nach­bar­land aber nicht mehr. Genau das ist nun vor aller Augen zur Tat­sa­che gewor­den. In Polen gilt wei­ter­hin als Sün­de, was die Kir­che immer als Sün­de gelehrt hat­te, wäh­rend das für die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz nicht mehr gilt und die Sün­de des Ehe­bru­ches, zumin­dest in bestimm­ten Situa­tio­nen, kei­ne mehr ist. An der Oder ver­läuft eine bedenk­li­che Bruch­li­nie durch die Kir­che, für die Deutsch­lands Bischö­fe ver­ant­wort­lich sind.

Durch Amo­ris lae­ti­tia ist die Sün­de in man­chen Län­dern ver­bo­ten in ande­ren hin­ge­gen zum „optio­nal“ gewor­den.

Klärungsbedarf

Auch die Erklä­rung der Pol­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz ist aller­dings nicht unpro­ble­ma­tisch, da sie das Aus­ein­an­der­klaf­fen bei Fran­zis­kus zwi­schen Wort und Tat grund­sätz­lich akzep­tiert, um im eige­nen Sinn den Schein einer unge­bro­che­nen Kon­ti­nui­tät behaup­ten zu kön­nen.

Sie bestä­tigt einer­seits die Argu­men­te der Dubia und der Cor­rec­tio filia­lis. Ande­rer­seits muß sie sich eines Draht­seil­ak­tes bedie­nen, der selbst nicht von Zwei­deu­tig­kei­ten frei ist. Denn wenn ihre Posi­ti­on, die über­lie­fer­te Leh­re der Kir­che ist, und dar­an besteht kein Zwei­fel, dann irren Papst Fran­zis­kus und die ber­go­glia­ni­schen Bischö­fe. Und sie irren nicht nur in der prak­ti­schen Umset­zung von Amo­ris lae­ti­tia. Auch eini­ge Stel­len in Amo­ris lae­ti­tia, auf die sich die ber­go­glia­ni­sche Umset­zung stützt, müs­sen dann irrig sein. Dann aber wäre das auch deut­lich zu sagen. Bei­de Sei­ten, Fran­zis­kus und die bun­des­deut­schen Bischö­fe auf der einen und die pol­ni­schen, kana­di­schen und ande­re Bischö­fe auf der ande­ren Sei­te kön­nen sich nicht gleich­zei­tig mit kon­trä­ren Posi­tio­nen auf Amo­ris lae­ti­tia stüt­zen. Ent­we­der oder. Die Logik ver­bie­tet es, daß zwei gegen­sätz­li­che Posi­tio­nen sich auf das­sel­be Papier beru­fen kön­nen. Erst recht nicht, wenn der Autor unzwei­deu­tig einer Posi­ti­on zuneigt und die­se för­dert. Hier herrscht Klä­rungs­be­darf.

Dar­in lag auch die Schwach­stel­le in der Argu­men­ta­ti­on von Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, solan­ge er Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on war. Er woll­te es ver­mei­den, Fran­zis­kus, weil Papst, auch nur irgend­wie zu kri­ti­sie­ren. Soll­te Fran­zis­kus aber irren, dann muß er dafür kri­ti­siert wer­den. Das ist ein Lie­bes­dienst und ein unver­zicht­ba­rer Dienst an der Wahr­heit.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­Va­ti­ca­na




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