Terrorismus und Islam gehören zusammen

Kyai Haji Yahya Cholil Staquf von der indonesischen Nahdlatul Ulama
Kyai Haji Yahya Cholil Staquf von der indonesischen Nahdlatul Ulama

Mit die­ser Titel­zei­le erschien vor eini­gen Wochen in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung ein auf­se­hen­er­re­gen­des Inter­view mit einem Islam­ge­lehr­ten aus Indo­ne­si­en. Kyai Haji Yahya Cho­lil Staquf ist Gene­ral­se­kre­tär einer fünf­zig Mil­lio­nen Mus­li­me umfas­sen­den Vereinigung((Die Nahdla­tul Ula­ma (NU) wur­de 1926 in Indo­ne­si­en gegrün­det.)).

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Auf den Vor­halt, dass vie­le west­li­che Poli­ti­ker und Intel­lek­tu­el­le den Zusam­men­hang zwi­schen Islam, Gewalt und Ter­ror leug­nen, reagier­te der Inter­view­te mit har­scher Kri­tik: „Die west­li­chen Poli­ti­ker soll­ten auf­hö­ren zu erzäh­len, dass Fun­da­men­ta­lis­mus und Gewalt nichts mit dem tra­di­tio­nel­len Islam und den Grund­an­nah­men der isla­mi­schen Ortho­do­xie zu tun hät­ten. Das ist schlicht falsch.“ Die­se nicht an der isla­mi­schen Rea­li­tät ori­en­tier­te Hal­tung wer­de in ihrer Igno­ranz nur über­trof­fen von „links­li­be­ra­len“ Krei­sen, die jedes Nach­den­ken über den Kon­nex zwi­schen Islam, Isla­mis­mus und mus­li­mi­scher Gewalt­be­reit­schaft als isla­mo­phob denun­zie­ren.

Die Angst vor dem gewalttätigen Islam ist berechtigt

West­li­che Poli­ti­ker ver­mei­den es, isla­misch moti­vier­te Ter­ror­an­schlä­ge mit dem Islam in Ver­bin­dung zu brin­gen. Sie schrei­ben mus­li­mi­sche Gewalt­tä­ter zu Extre­mi­sten um. Ist das nicht berech­tigt, um den mode­ra­ten Mus­li­men ent­ge­gen­zu­kom­men?

„Das wird so nicht funk­tio­nie­ren“, mein­te der indo­ne­si­sche Mus­lim-Füh­rer. „Wenn man ein Pro­blem leug­net, wird man es nicht lösen.“ Man müs­se sagen, „wer und was dafür ver­ant­wort­lich ist“, also Ross und Rei­ter benen­nen.

Aber wenn man das wah­re Aus­maß der isla­mi­schen Gewalt­be­reit­schaft aus­spre­chen wür­de, könn­te die Angst der Mehr­heits­ge­sell­schaft vor dem Islam geschürt wer­den.

Dar­auf der Islam­ge­lehr­te: „Wenn ich ehr­lich bin, dann kann ich die Angst der West­eu­ro­pä­er vor dem Islam ver­ste­hen.“ Denn zu vie­le Mus­li­me sei­en dem tra­di­tio­nel­len Islam ver­haf­tet, nach dem eine Hal­tung von „Segre­ga­ti­on und Feind­schaft zu Nicht­mus­li­men“ geför­dert wer­de. Für das heu­ti­ge mul­ti­re­li­giö­se Zusam­men­le­ben sei­en die­se Regeln der isla­mi­schen Ortho­do­xie des Mit­tel­al­ters gegen Ungläu­bi­ge ein­fach „unver­nünf­tig“. Sie wür­den die Mus­li­me in den Gesell­schaf­ten des 21. Jahr­hun­derts „ein fried­li­ches Leben ten­den­zi­ell unmög­lich machen“.

Wie steht der traditionelle Islam zum Staat?

Nach der Ortho­do­xie ist der isla­mi­sche Staat als uni­ver­sa­le Mon­ar­chie (Kali­fat) für die Mus­li­me und gegen die nicht-mus­li­mi­sche Welt kon­zi­piert. Die­se Idee der isla­mi­schen Klas­sik führt „im 21. Jahr­hun­dert zu Cha­os und Gewalt“, urteil­te Staquf.

Eine wei­te­re pro­ble­ma­ti­sche Grund­an­nah­me betrifft das Ver­hält­nis zum Recht!?

Ja, vie­le Mus­li­me sähen in den Scha­ria-Regeln unver­än­der­li­che Geset­ze, wie in der Tra­di­ti­on gelehrt. Das füh­re zu sozia­len und poli­ti­schen Kon­flik­ten. Staquf hält die Abso­lut­set­zung der isla­mi­schen Regeln für falsch. Vor allen müss­te der Vor­rang staat­li­cher Geset­ze glas­klar sein.

Was sollte der Westen tun?

„Ich bewun­de­re die euro­päi­schen Poli­ti­ker. Sie den­ken so wun­der­bar huma­ni­tär“, so der Islam­ge­lehr­te. Aber man soll­te eben­so rea­li­stisch den­ken und han­deln. Man nimmt Flücht­lin­ge pro­ble­ma­ti­scher Her­kunft auf, über die man nichts weiß, auch Extre­mi­sten. Man sieht taten­los zu, wie Sau­di-Ara­bi­en mit Massen von Geld eine ultra­kon­ser­va­ti­ve Ver­si­on des Islam im Westen und über­all auf der Welt ver­brei­tet. „Die sau­di­sche Stra­te­gie einer Ver­brei­tung von Waha­bis­mus und Sala­fis­mus hat die Welt in ein Pul­ver­fass ver­wan­delt.“

Kirchen- und Staatsführer im Gleichschritt der Verharmlosung

Mit den genann­ten Kri­tik­punk­ten an der laxen Linie der west­li­chen Poli­ti­ker sind auch die Kir­chen­füh­rer gemeint. Kar­di­nal Marx etwa hat noch bei jeder Pres­se­er­klä­rung zu mus­li­mi­schen Ter­ror­an­schlä­gen der letz­ten Jah­re im Gleich­schritt mit der Staats­re­gie­rung Täter und isla­mi­schen Tat­hin­ter­grund mit Ver­schleie­rungs­for­meln ver­tuscht. Papst Fran­zis­kus erklär­te es zu sei­nem Grund­satz, bei reli­gi­ös basier­ten Alla­hu akbar-Anschlä­gen den Islam aus­zu­blen­den und damit zu exkul­pie­ren.

Auf der DBK-Herbst­voll­ver­samm­lung in Ful­da zeig­te der zustän­di­ge Ver­tre­ter der deut­schen Bischö­fe die oben kri­ti­sier­te Igno­ranz und Leug­nung der Pro­ble­me des Islam. Der Lim­bur­ger Bischof Georg Bät­zing, Lei­ter der Unter­kom­mis­si­on für den inter­re­li­giö­sen Dia­log, for­mu­lier­te den Behar­rungs­kurs: Unbe­ein­druckt vom „wach­sen­den Recht­fer­ti­gungs­druck“ ange­sichts der zahl­rei­chen Ter­ror­an­schlä­ge sowie dem wach­sen­den isla­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus hal­te man an dem Wei­ter-so-Dia­log mit Mus­li­men fest.

Die ein­sei­tig gesetz­te Vor­ga­be für den Islam-Dia­log von Sei­ten der Kir­che besteht seit dem Kon­zil in der Behaup­tung, der Islam sei dem Chri­sten­tum ja „so ver­wandt“ durch angeb­lich vie­le Gemein­sam­kei­ten. Aus die­sem Ansatz folgt, dass man die fun­da­men­ta­len Dif­fe­ren­zen des Islam zu den christ­lich basier­ten west­li­chen Wer­ten etwa in den Fra­gen zu Gewalt, Staat und Recht, zu Men­schen­rech­ten und Gleich­heit von Mann und Frau nicht sehen und wahr­ha­ben will.

Aus strittigen Annahmen zu fehlerhaften Folgerungen

Bischof Bät­zing demon­strier­te bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Ful­da, wie man die offen­sicht­li­che Gewalt in Koran, isla­mi­scher Geschich­te und Tra­di­ti­on hin­weg­in­ter­pre­tiert haben will. Aus dem Bericht der Tages­post vom 28. Sep­tem­ber ergibt sich fol­gen­de Argu­men­ta­ti­ons­struk­tur.

All­ge­mei­ner Ober­satz:

  • „Die Nei­gung zu Gewalt ist wohl eher in der anthro­po­lo­gi­schen als in der reli­giö­sen Dimen­si­on zu ver­or­ten.“

Kon­kre­ti­sie­run­gen, Fol­ge­run­gen:

  • Daher sei die welt­weit reli­gi­ös legi­ti­mier­te Gewalt ein Miss­brauch der Reli­gi­on, „um unter­schied­li­che Iden­ti­tä­ten zu mar­kie­ren sowie wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Inter­es­sen zu begrün­den.“
  • Auch den Islam soll­te man des­halb sei­nem „Wesen nach nicht als gewal­t­af­fin betrach­ten“.
  • Wenn sich aber mus­li­mi­sche Ter­ro­ri­sten bei ihren Anschlä­gen auf Allah, Moham­med oder den Koran beru­fen, soll­te man im Dia­log mit den Mus­li­men allen­falls sei­nen „Schmerz the­ma­ti­sie­ren“.
  • Letzt­lich jedoch sei­en alle mus­li­mi­schen Gewalt­tä­ter nur „kri­mi­nel­le Extre­mi­sten“, die sich zur „Legi­ti­mie­rung ihrer Ver­bre­chen“ fälsch­lich auf den Islam beru­fen und ihn damit „per­ver­tie­ren“ wür­den.

Unaus­ge­spro­che­ne, aber logi­sche Schluss­fol­ge­rung:

  • Isla­misch moti­vier­te Gewalt, Ter­ror­ak­te von Mus­li­men und der sala­fi­sti­sche Dschi­had haben nichts oder wenig mit dem Islam zu tun.

Mit der Ablei­tung von einer umstrit­te­nen Grund­an­nah­me hat man sich einen Wunsch-Islam zurecht­ge­schnei­dert. Doch die­ses idea­li­sti­sche Reli­gi­ons­bild hat wenig mit dem real exi­stie­ren­den Islam zu tun.

Ein großer Anteil der frommen Muslime ist gewaltbereit

Meh­re­re Stu­di­en haben für Deutsch­land her­aus­ge­ar­bei­tet, dass ein erheb­li­cher Anteil der Mus­li­me „die grund­le­gen­den Struk­tu­ren unse­rer frei­heit­li­chen Ord­nung ablehnt“ – so der bay­ri­sche Justiz­mi­ni­ster Win­fried Bausback im FAZ-Gespräch. Die Infra­ge­stel­lung etwa von  staat­li­chem Gewalt­mo­no­pol, Rechts­staat und Men­schen­rech­ten ist beson­ders stark bei den tra­di­tio­nell-reli­giö­sen Mus­li­men in den Moschee-Ver­ei­nen. Für Öster­reich hat die­se Ten­denz kürz­lich der Öster­rei­chi­sche Inte­gra­ti­ons­fonds (ÖIF) in einer Stu­die nach­ge­wie­sen. Dem­nach arbei­ten 38 Pro­zent der Mosche­en in Wien auf eine dezi­dier­te Abwer­tung der west­li­chen Gesell­schaft hin. „Gemäß die­sem Welt­bild ist der Glau­be nicht dem demo­kra­ti­schen Rechts­staat unter­ge­ord­net — viel­mehr steht der Koran dort klar über den staat­li­chen Regeln und Geset­zen“, heißt es im ÖIF-Forschungsbericht((ÖIF-Forschungsbericht: Die Rol­le der Moschee im Inte­gra­ti­ons­pro­zess, Wien 2017.))

. Als Fol­ge­wir­kung ist anzu­se­hen, dass mit der  klas­si­schen Koran­leh­re der Boden berei­tet wird für isla­misch fun­dier­te Gewalt­be­reit­schaft.

Die Ver­fe­sti­gung vom isla­mi­schen Gewalt­po­ten­ti­al im ortho­dox-mus­li­mi­schen Milieu hat eine Befra­gung unter tür­ki­schen Jugend­li­chen zwi­schen 15 und 20 Jah­ren schon vor zwei Jahr­zehn­ten fer­tig­ge­stellt. Ein Vor­halt an die 1.200 Befrag­ten lau­te­te: „Jeder Gläu­bi­ge muss wis­sen, dass die Reli­gio­nen ande­rer Natio­nen nich­tig und falsch und ihre Ange­hö­ri­gen Ungläu­bi­ge sind. Der Islam ist die ein­zig recht­gläu­bi­ge Reli­gi­on.“ Dazu gab es knapp 56 Pro­zent völ­li­ge oder ein­fa­che Zustim­mung. Aus die­sem Über­le­gen­heits­an­spruch der tra­di­tio­nell ori­en­tier­ten Mus­li­me erwächst die von dem indo­ne­si­schen Islam­ge­lehr­ten fest­ge­stell­te „Segre­ga­ti­on und Feind­schaft“ gegen­über „Ungläu­bi­gen“.

Man muss die töten, die gegen den Islam kämpfen

Bei den Fol­ge­fra­gen ging es um die Gewalt­be­reit­schaft der jun­gen Mus­li­me: 36 Pro­zent war bereit, sich im Dien­ste der isla­mi­schen Gemein­schaft „mit kör­per­li­cher Gewalt gegen Ungläu­bi­ge durch­zu­set­zen“. Der Dschi­had-Gewalt zur „Durch­set­zung des isla­mi­schen Glau­bens“ stimm­te 28 Pro­zent zu. Ein Vier­tel der befrag­ten Mus­li­me bekun­de­te Bereit­schaft, Anders­gläu­bi­ge zum Nut­zen der isla­mi­schen Gemein­schaft „zu ernied­ri­gen“. Noch erschrecken­der war nur die Zustim­mung von 23,2 Pro­zent der in Deutsch­land auf­ge­wach­se­nen mus­li­mi­schen Jugend­li­chen zu dem Vor­halt: „Wenn jemand gegen den Islam kämpft, muss man ihn töten.“

Aus die­ser Stu­die von Heit­mey­er u. a. zeigt sich, dass die Gewalt- und Mord­se­ri­en von reli­gi­ös-radi­ka­len Mus­li­men im tra­di­tio­nel­len Islam ein brei­tes Legi­ti­ma­ti­ons- und Rekru­tie­rungs­feld haben. Sie bestä­tigt empi­risch die The­se von Staquf über den Zusam­men­hang von „Ter­ro­ris­mus und Islam“. Zugleich stellt sie die von Poli­tik und Medi­en oft­mals wie­der­hol­te sprach­li­che Beru­hi­gungs­pil­le infra­ge, dass die über­gro­ße Mehr­heit der in Deutsch­land leben­den Mus­li­me reli­gi­ös moti­vier­te Gewalt ableh­nen wür­de.

Vor zehn Jah­ren war die öffent­li­che Mei­nung noch deut­lich rea­li­sti­scher. Damals titel­te Der Spie­gel: „Mek­ka Deutsch­land. Die stil­le Isla­mi­sie­rung“. Die Bun­des­re­gie­rung ließ 2007 ver­lau­ten, dass ein besorg­nis­er­re­gen­der Anteil von mus­li­mi­schen Jugend­li­chen zu Fun­da­men­ta­lis­mus und Demo­kra­tie-Ableh­nung nei­ge.

Die fatale Parole von der Eindeutschung des Islam

Die Wen­de kam wohl durch die pau­scha­le Paro­le von Bun­des­prä­si­dent Wulff und Kanz­le­rin Mer­kel, dass der Scha­ria-Islam zum inte­gra­len Bestand­teil des frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Deutsch­lands gehö­ren soll­te. Seit jenem Zeit­punkt ist es nicht mehr poli­tisch kor­rekt im Sin­ne der herr­schen­de Staats- und Medi­en­dok­trin, auf isla­misch moti­vier­te Hal­tun­gen zu Gewalt­tä­tig­keit, Demo­kra­tie­ab­leh­nung, Men­schen­rechts­ver­nei­nung, Distanz zu per­so­na­ler Gleich­be­rech­ti­gung  und Ableh­nung ande­rer euro­päi­scher Grund­wer­te war­nend hin­zu­wei­sen. Ent­spre­chen­de Stim­men wer­den schnell als unbe­grün­de­te Angst­ma­che­rei oder rechts­po­pu­li­sti­sche Frem­den­feind­lich­keit abge­stem­pelt. Auch die Kir­chen­füh­rung betei­ligt sich seit­her an der Ver­tu­schung der rea­len Ver­hält­nis­se im Islam sowie der Abkanz­lung von kri­ti­schen Mei­nun­gen.

Die Islam­ver­bän­de und Moschee­ver­ei­ne neh­men das Frei­spre­chen von jeder Mit­ver­ant­wor­tung für den isla­mi­schen Angriff auf unse­re west­li­chen Grund­wer­te ger­ne an. Denn damit brau­chen sie sich nicht mehr um Reform und Kri­tik an den gewalt­för­dern­den Ele­men­ten in Koran und Tra­di­ti­on zu bemü­hen. Die Ima­me und mus­li­mi­schen Gemein­den  in Deutsch­land kön­nen unge­stört fort­fah­ren, die Sub­tex­te ihrer klas­si­schen Leh­re von mus­li­mi­schem Über­le­gen­heits­an­spruch, Segre­ga­ti­on von den Ungläu­bi­gen und Ableh­nung west­li­cher Wer­te bis hin zu isla­mi­scher Gewalt­be­reit­schaft zu pfle­gen.  Die­se Wir­kung ist viel­leicht die schlimm­ste, weil nach­hal­tig­ste Fol­ge davon, dass der klas­si­sche Islam als Basis für Gewalt, sexu­el­le Über­grif­fe und Ter­ror geleug­net wird. Die­se Kri­tik muss sich auch die kirch­li­che Dia­log-Poli­tik gefal­len las­sen.

Klare Ansage gegenüber den muslimischen Gesprächspartnern

Die Fol­ge­rung und For­de­rung ist aber nicht, alle Gesprä­che mit Mus­li­men abzu­bre­chen. Doch der Dia­log kann nur Berech­ti­gung haben, wenn die Kir­che auf­grund rea­li­sti­scher Wahrneh­mung von den Islam­ver­tre­tern die Initi­ie­rung einer fun­da­men­ta­len Kurs­kor­rek­tur des tra­di­tio­nel­len Islam abver­langt, wie sie der indo­ne­si­sche Gene­ral­se­kre­tär ein­ge­for­dert hat.

Das Min­de­ste ist, von den Islam-Ver­bän­den eine Bring­schuld von Respekt für das Grund­recht der Reli­gi­ons­frei­heit und des Reli­gi­ons­wech­sels zu erwar­ten. Die jähr­lich etwa 300 Kon­ver­ti­ten vom Islam zum Chri­sten­tum müs­sen mit­ten im libe­ra­len Deutsch­land Angst vor Repres­sa­li­en und aggres­si­ven Anfein­dun­gen der Moschee-Mus­li­me haben. Statt dass die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz die­se mus­li­mi­sche Mili­tanz gegen christ­li­che Kon­ver­ti­ten öffent­lich anpran­gert und die Islam­ver­ant­wort­li­chen in die Pflicht ruft, wird die­ser Skan­dal ver­steckt „und nicht wei­ter bekannt gemacht“. Die Ima­me kön­nen der­weil unbe­hel­ligt nach der tra­di­tio­nel­len Leh­re gegen Kon­ver­ti­ten als Aposta­ten het­zen — und damit gegen das Men­schen­recht auf Reli­gi­ons­frei­heit.

Als Modell könn­te die bekann­te Pas­sa­ge aus der Regens­bur­ger Rede von Papst Bene­dikt XVI. die­nen. Der hat­te ein Wort des byzan­ti­ni­schen  Kai­sers Manu­el II. aus des­sen Dia­log mit einem mus­li­mi­schen Gelehr­ten aus Per­si­en zu isla­mi­scher Gewalt zitiert. Der gelehr­te Kai­ser cha­rak­te­ri­sier­te die Gewalt­di­men­sio­nen des Islam als nicht ver­nunft­mä­ßig und damit wider­gött­lich. Bene­dikts kla­re Ansa­ge und auch indi­rek­te Ankla­ge gegen­über dem Islam zeig­te nach anfäng­li­chen Irri­ta­tio­nen posi­ti­ve Wir­kung inso­fern, als zahl­rei­che Islam­ver­tre­ter die Auf­for­de­rung zur Klä­rung der Fra­gen von Gewalt, Ver­nunft und Got­tes­be­zie­hung annah­men.

Der aktu­el­le Schmu­se-Dia­log ist dage­gen „ein biss­chen leicht­sin­nig und zu blau­äu­gig“, wie Kar­di­nal Leh­mann den inter­re­li­giö­sen Dia­log 2007 bewer­te­te. Die gegen­sei­ti­ge Ver­si­che­rung, dass man beid­sei­tig doch nur den Frie­den wol­le, schiebt das Gewalt­pro­blem des Islam auf die lan­ge Bank. Im Übri­gen ver­steht der Islam unter ‚Frie­den’ etwas ande­res als der Westen, eben­so wie bei den Begrif­fen ‚Men­schen­rech­ten’ und ande­ren uni­ver­sa­len Wer­ten. Das Drin­gen auf Kri­tik und Wand­lung der tra­di­tio­nel­len isla­mi­schen Leh­re bleibt das A und O der Begeg­nung mit Mus­li­men. Da soll­te die Kir­che auf­grund ihrer Reli­gi­ons­kom­pe­tenz sogar eine Vor­rei­ter­rol­le spie­len. Denn der säku­la­re Staat muss sich per defi­ni­tio­nem in Reli­gi­ons­fra­gen zurück­hal­ten.

Geschönte Islamkunde

Statt­des­sen hat sich die Kir­che in der Geschäf­tig­keit des rou­ti­nier­ten Dia­log­be­triebs ein­ge­rich­tet. Bischof Bät­zing lob­te die „gewach­se­ne Dia­log­kom­pe­tenz der Kir­che in Deutsch­land“. Selbst Deka­na­te und Pfar­rei­en sei­en inzwi­schen in Islam­fra­gen kun­dig und im Dia­log hand­lungs­fä­hig. Islam­be­auf­trag­te der Bis­tü­mer wür­den Kennt­nis­se über den Islam ver­mit­teln.

Der Lim­bur­ger Bischof ver­gaß die Islam­kun­de im Reli­gi­ons­un­ter­richt zu erwäh­nen. Da wird seit Jahr­zehn­ten ein geschön­tes, oft­mals  ein reli­gi­ons­idyl­li­sches Bild vom Islam ver­mit­telt. Die pro­ble­ma­ti­schen Sei­ten, etwa die Schwert­ver­se des Koran oder  die mus­li­mi­sche Gewalt­ge­schich­te von krie­ge­ri­scher Expan­si­on, wer­den aus­ge­blen­det. Und wenn in einem Reli­gi­ons­buch doch ein­mal die Rede davon unver­meid­lich ist, etwa zu Spa­ni­en, dann ver­dreht man die Ereig­nis­se zugun­sten der Mus­li­me: Die spa­ni­sche Rück­erobe­rung ihres eige­nen Lan­des wird als grau­sam gebrand­markt, wäh­rend man die 200 mus­li­mi­schen Kriegs­zü­ge von El Anda­lus, auch zur Ver­skla­vung von Chri­sten, ver­schweigt. Dabei könn­te man an jenen Ereig­nis­sen gut den Cha­rak­ter des Früh­is­lam erklä­ren und sogar den Bogen zur Jetzt­zeit schla­gen. Denn die isla­mi­schen Erobe­rungs­krie­ge der Alt­vor­de­ren (salaf) sind den heu­ti­gen Sala­fi­sten und IS-Dschi­ha­di­sten das Muster für ihre Ter­ror­at­tacken gegen die „Ungläu­bi­gen“.

Text: Hubert Hecker
Bild: You­tube (Screen­shot)




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5 Kommentare

  1. Herr Hecker ver­weist zu recht auf das State­ment von Bischof Dr. Bät­zing im Pres­se­ge­spräch zum The­ma „Chan­cen und Gren­zen des Dia­logs, wobei unklar bleibt ob Nai­vi­tät oder Dumm­heit bei der Auf­ar­bei­tung der The­ma­tik über­wie­gen. So nennt er als Zen­tral­aus­sa­ge den Islam als eine dem Chri­sten­tum so sehr ver­wand­te Welt­re­li­gi­on.
    Bene­dikt XVI citier­te in sei­ner Regens­bur­ger Rede bereits das Gespräch des Kai­sers mit einem vor­neh­men Per­ser mit der zen­tra­len Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Reli­gi­on und Gewalt, indem der Kai­ser sag­te: „Zeig mir doch, was Moham­med Neu­es gebracht hat, und da wirst du nur Schlech­tes und Inhu­ma­nes fin­den wie dies, daß er vor­ge­schrie­ben hat, den Glau­ben, den er pre­dig­te, durch das Schwert zu ver­brei­ten“. Die Umset­zung die­ses Auf­tra­ges, den Glau­ben mit Gewalt zu ver­brei­ten sehen wir heu­te jedoch jeden Tag in den Nach­rich­ten aus den Stamm­län­dern des Islam. Die Anzahl der christ­li­chen Mär­ty­rer in den isla­mi­schen Län­dern nimmt doch von Tag zu Tag zu. Auch wenn unse­re deut­schen Bischö­fe die­ses The­ma fei­ge ver­schwei­gen, so hören wir doch von christ­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen wie open doors, IGFM und der über­kirch­li­chen Hil­f­ak­ti­on „Mäer­ty­rer­kir­che“ von den Lei­den der Chri­sten in den isla­mi­schen Län­dern.

  2. 1) Kopf­schüt­telnd frägt man sich, wie­so der indo­ne­si­sche Mos­lem-Füh­rer nicht ver­sucht, uns koran­kon­form zu täu­schen, son­dern uns brüh­warm eine Rei­he von ent­setz­li­chen Ein­zel­hei­ten der Ideo­lo­gie Islam auf die Nase bin­det.

    2) Die FAZ aller­dings, die sei­ne Äuße­run­gen unge­schminkt ver­öf­fent­licht hat, ver­mit­telt den Ein­druck, daß sie die­sen Mann über­haupt nicht ernst­ge­nom­men hat und stimmt wei­ter­hin ein in den desa­strö­sen Chor der Islam­ver­harm­lo­ser in der eta­blier­ten Poli­tik, für die die Bischö­fe der RKK seit 1965 immer unsäg­li­che­re Stich­wort­ge­ber sind.
    In der Aus­ga­be vom 2.Oktober 2017 schreibt bei­spiels­wei­se der FAZ-Redak­teur Justus Ben­der, Mil­lio­nen von Mus­li­men sei­en kei­ne Fun­da­men­ta­li­sten und man wür­de sie belei­di­gen, wenn man ihnen isla­mi­sti­sches Ver­hal­ten zutrau­en wür­de.

  3. Katho­li­sche Bischö­fe zei­gen sich hier als treue Hege­lia­ner: „Wenn die Tat­sa­chen nicht mit der Theo­rie über­ein­stim­men – umso schlim­mer für die Tat­sa­chen“ (Georg Wil­helm Fried­rich Hegel). Wie negiert man am besten die erschrecken­de Tat­sa­che, dass im Islam bis­lang kaum dia­log­wil­li­ge Kräf­te, dafür aber sehr vie­le Dschi­ha­di­sten bemerk­bar sind? Man ord­net dia­lek­tisch, mit­tels rhe­to­ri­schem Taschen­spie­ler­trick, die — für jeden gläu­bi­gen Mos­lem ver­bind­li­che! — Umset­zung der Vor­ga­ben des Korans „kri­mi­nel­len Extre­mi­sten“ zu, also sozu­sa­gen per­ver­sen Son­der­lin­gen, die ihre Reli­gi­on abscheu­li­cher­wei­se als „Legi­ti­ma­ti­on ihrer Ver­bre­chen“ miß­brau­chen. So kann Bischof Bät­zing bar jeg­li­cher Rea­li­täts­wahr­neh­mung beton­ten, dass „wir“ (wer auch immer) „gera­de ange­sichts der heu­ti­gen Span­nun­gen nicht weni­ger, son­dern mehr Dia­log“ bräuch­ten. Wei­te­res dazu unter https://kirchfahrter.wordpress.com/2017/10/02/kommentar-zum-dbk-thema-chancen-und-grenzen-des-dialogs-zur-diskussion-zwischen-kirche-und-islam-dbk-de/.

  4. Die in der Über­schrift ver­tre­te­ne The­se ist selbst­ver­ständ­lich zutref­fend. Lei­der wird aus poli­ti­schen Grün­den immer dann, wenn der Islam sein gewalt­tä­ti­ges Gesicht zeigt, flugs von „Isla­mis­mus“ gespro­chen, gera­de so als hät­te der Islam mit der Gewalt nichts zu tun.

  5. Es sind mehr als 300 Kon­ver­sio­nen von Mus­li­men im Jahr in Deutsch­land zu ver­zeich­nen. Es sind Tau­sen­de! Nur wird dar­über nicht groß gespro­chen. Die Flücht­lings­wel­le hat vie­le Nenn-Mus­li­me (Mus­li­me nur weil Vater und Groß­va­ter Mus­li­me sind) nach Deutsch­land gespült, die auf dem Weg und bei uns auf Men­schen getrof­fen sind, die sie mit Lie­be behan­del­ten, eine Lie­be, die sie in ihren Län­dern und auch auf der Flucht in mus­li­mi­schen Län­dern nicht gespürt haben. So sind sie ins Nach­den­ken gekom­men und auch der Hl. Geist wirkt. Es kommt jetzt dar­auf an, dass wir die­se auch ange­mes­sen emp­fan­gen und auf ihre Fra­gen geist­lich anwor­ten und nicht nur sozi­al oder gar frem­den­feind­lich! Es gibt jetzt bereits vie­le Fäl­le, dass die hier Neu­ge­tauf­ten ihre Fami­li­en in den Hei­mat­län­dern mit einem Bild vom Chri­sten­tum kon­fron­tie­ren, das auch dort zu heim­li­chen Kon­ver­sio­nen ‑ohne Tau­fe- führt. Wir soll­ten die Chan­ce, die Gott uns im 100. Jahr der Fati­ma­er­schei­nung gibt, nicht ver­tun!

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