Lasagne mit Fleischragout: Franziskus macht Kirche zum Speisesaal — Lercaro rehabilitiert, Caffarra bleibt unerwähnt

Mittagessen mit Papst Franziskus in der Kirche San Petronio von Bologna. Ausgewählte Arme, Migranten und Gefangene durfte an der Tafel des Papstes sitzen.
Mittagessen mit Papst Franziskus in der Kirche San Petronio von Bologna. Ausgewählte Arme, Migranten und Gefangene durfte an der Tafel des Papstes sitzen.

(Rom) Papst Fran­zis­kus gab sich gestern bei sei­nem Besuch in Bolo­gna ganz poli­tisch. Er reha­bi­li­tier­te den pro­gres­si­ven, ehe­ma­li­gen Erz­bi­schof der Stadt, Kar­di­nal Ler­ca­ro, erin­ner­te aber mit kei­nem Wort an den erst soeben ver­stor­be­nen, ehe­ma­li­gen Erz­bi­schof, Kar­di­nal Car­lo Caf­farra. Er mach­te die Haupt­kir­che der Stadt im Namen einer „Kir­che der Armen“ zum Spei­se­saal für „Arme, Flücht­lin­ge und Gefan­ge­ne“ und pro­kla­mier­te ein „Recht auf Frie­den“.

Worüber der Papst spricht und worüber nicht

Selfies mit Migranten
Sel­fies mit Papst: Besuch von Fran­zis­kus im Auf­nah­me­zen­trum für ille­ga­le Migran­ten.

Den Auf­takt des Papst­be­su­ches in Bolo­gna mach­te eine Begeg­nung mit Migran­ten. Ein Schwer­punkt war jedoch die Reha­bi­li­tie­rung des ehe­ma­li­gen, pro­gres­si­ven Erz­bi­schofs der Stadt, Gia­co­mo Kar­di­nal Ler­ca­ro, der dem Erz­bis­tum von 1952–1968 vor­stand. Den erst vor weni­gen Wochen ver­stor­be­nen „kon­ser­va­ti­ven“ Erz­bi­schof, Car­lo Kar­di­nal Caf­farra, einen der Unter­zeich­ner der Dubia (Zwei­fel) zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, erwähn­te er in kei­ner sei­ner sie­ben offi­zi­el­len Anspra­chen.

Der Papst­be­such wur­de durch eine Hei­li­ge Mes­se im Fuß­ball­sta­di­on Rena­to Dall’Ara abge­schlos­sen. Dort zitier­te der amtie­ren­de Erz­bi­schof von Bolo­gna, Matteo Zup­pi (Gemein­schaft Sant’Egidio), in sei­ner Gruß­bot­schaft an den Papst Wor­te Ler­ca­ros: „Wir haben das Brot des Him­mels geteilt, ler­nen wir auch das Brot der Erde zu tei­len“.

Fran­zis­kus griff den Gedan­ken in sei­ner Pre­digt auf und sprach von den „drei P“: Brot, Wor­te, Arme (pane, paro­le, pove­ri). Die­se hat­te der Papst bereits in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach genannt. In Bolo­gna füg­te er hin­zu, daß die­ser Drei­klang Kar­di­nal Ler­ca­ro sehr kost­bar gewe­sen sei­en.

Kardinal Lercaro und das Liebäugeln mit dem Kommunismus

(v.l.) Kardinal Lercaro, Papst Johannes XXIII., Giuseppe Dossetti (1962)
(v.l.) Kar­di­nal Ler­ca­ro, Papst Johan­nes XXIII., Giu­sep­pe Dos­set­ti (1962)

Ler­ca­ro war es, der auf dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil die „bevor­zug­te Opti­on“ der „Kir­che der Armen“ aus­ge­ge­ben hat­te. Dabei blie­ben die Gren­zen unklar, ob die Armen des Evan­ge­li­ums oder ein mar­xi­sti­sches Ver­ständ­nis der Armut gemeint waren. Der eng­ste Ver­trau­te Ler­ca­ros beim Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil war Giu­sep­pe Dos­set­ti, ein ehe­ma­li­ger links­ka­tho­li­scher Poli­ti­ker, der Prie­ster gewor­den war.

Ler­ca­ro weih­te Dos­set­ti zum Prie­ster, nahm ihn als „Exper­te“ mit zum Kon­zil und mach­te ihn zum Gene­ral­vi­kar sei­nes Erz­bis­tums. Dos­set­ti sah im Kom­mu­nis­mus die histo­ri­sche Chan­ce, ein „sozia­les Chri­sten­tum“ zu ver­wirk­li­chen als Gegen­ent­wurf zum kapi­ta­li­sti­schen Westen.

Ler­ca­ro hat­te es sei­nem Haupt­be­ra­ter Dos­set­ti ermög­licht, in Zusam­men­ar­beit mit dem Histo­ri­ker Giu­sep­pe Albe­ri­go, die pro­gres­si­ve „Schu­le von Bolo­gna“ zu grün­den, die heu­te vom Histo­ri­ker Alber­to Mel­lo­ni gelei­tet wird und nach wie vor eine pro­gres­si­ve Deu­tungs­ho­heit über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und vor allem den „Geist des Kon­zils“ bean­sprucht. Mel­lo­ni betä­tigt sich — ob gebe­ten oder unge­be­ten — als Souf­fleur, der als stän­di­ger Kolum­nist von La Repub­bli­ca, der ein­zi­gen Tages­zei­tung, die Fran­zis­kus regel­mä­ßig liest, dem Papst moder­ni­sti­sche Rat­schlä­ge erteilt.

Lercaro, die Rheinische Allianz und die „jakobinische Richtung“

Anfang 1958, Mona­te vor der Wahl von Johan­nes XXIII. und Jah­re vor Beginn des Kon­zils, ver­öf­fent­lich­te der vom Prie­ster­tum abge­sprun­ge­ne Jour­na­list Car­lo Fal­co­ni im Wochen­ma­ga­zin L’Espresso (dem ita­lie­ni­schen Spie­gel) eine Arti­kel­rei­he, in der er die Römi­sche Kurie attackier­te. Dem „Hort des Kon­ser­va­ti­vis­mus“ stell­te er „pro­gres­si­ve“ Kar­di­nä­le ent­ge­gen und nann­te dabei Ange­lo Giu­sep­pe Ron­cal­li, Patri­arch von Vene­dig, Gio­van­ni Bat­ti­sta Mon­ti­ni, Erz­bi­schof von Mai­land, und Gia­co­mo Ler­ca­ro, Erz­bi­schof von Bolo­gna. Zwei von ihnen soll­ten kurz dar­auf Päp­ste wer­den.

Kardinal Giacomo Lercaro (1891-1976)
Kar­di­nal Gia­co­mo Ler­ca­ro (1891–1976)

Wäh­rend des Kon­zils gehör­te Ler­ca­ro mit den Kar­di­nä­len Sue­n­ens, Lien­art, Alfrink, Mon­ti­ni Frings, Döpf­ner, Bea u.a. der pro­gres­si­ven, deutsch-fran­zö­si­schen „Rhei­ni­schen Alli­anz“ an. Inner­halb die­ser, so der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei, bil­de­te Ler­ca­ro mit deut­schen Theo­lo­gen eine „jako­bi­ni­sche Rich­tung“. Die römi­sche Woh­nung von Dos­set­ti, Ler­ca­ros rech­ter Hand, war der Treff­punkt der Radi­kal­pro­gres­si­sten. Dos­set­ti war es auch, der das stra­te­gi­sche Vor­ge­hen der Rhei­ni­schen Alli­anz ent­wickel­te und erfolg­reich umsetz­te, um Ein­fluß auf das Kon­zil zu gewin­nen. Dazu gehör­te an erster Stel­le die Ände­rung der Geschäfts­ord­nung im eige­nen Sinn, mit der eine Schwä­chung der Römi­schen Kurie ver­bun­den war. Eine kon­kre­te Fol­ge war die Ein­füh­rung von vier Kon­zils­mo­de­ra­to­ren, von denen sich die Alli­anz drei Posi­tio­nen sichern konn­te, wäh­rend die vier­te an einen „schwei­gen­den“ Kon­ser­va­ti­ven ging. Kar­di­nal Ler­ca­ro wur­de einer die­ser Mode­ra­to­ren.

Zu den ersten Maß­nah­men Ler­ca­ros als Kon­zils­mo­de­ra­tor gehör­te, sei­ne eige­ne, streng pro­gres­siv aus­ge­rich­te­te Kir­chen­zei­tung auf Kosten des Vati­kans allen Kon­zils­vä­tern zusen­den zu las­sen, wodurch er sich Ein­fluß auf die Mei­nungs­bil­dung sicher­te.

Einer der „kühnsten“ Vertreter der Liturgiereform

Giuseppe Dossetti mit dem EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi
Giu­sep­pe Dos­set­ti mit dem EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­ten Roma­no Pro­di

1963 hät­ten eini­ge Radi­kal­pro­gres­si­ve Ler­ca­ro ger­ne als künf­ti­gen Papst gese­hen. In den Vor­be­rei­tungs­ge­sprä­chen im pro­gres­si­ven Lager in der römi­schen Vil­la des Rechts­an­wal­tes Orto­la­ni ging jedoch Kar­di­nal Mon­ti­ni als aus­sichts­reich­ster Kan­di­dat her­vor, der dann auch tat­säch­lich zum Papst Paul VI. gewählt wur­de.

Die Lit­ur­gie­re­form war eines der Haupt­an­lie­gen Ler­ca­ros. Er rief die Bischö­fe der „sozia­li­sti­schen“ Staa­ten und der Drit­ten Welt auf, in die­ser Sache zu inter­ve­nie­ren, weil er auf Rücken­stär­kung hoff­te. Ler­ca­ro wur­de im Hin­ter­grund neben Anni­ba­le Bugni­ni zur zen­tra­len Figur, von der die Fäden für die Lit­ur­gie­re­form gezo­gen wur­den. Pie­ro Mari­ni, ein Schü­ler Bugni­nis und von 1987–2007 Zere­mo­ni­en­mei­ster des Pap­stes, nann­te Ler­ca­ro einen der „kühn­sten“ lit­ur­gi­schen Refor­mer. In der römi­schen Woh­nung des Kar­di­nals sei­en die wich­tig­sten Wei­chen für die Lit­ur­gie­re­form gestellt wor­den, die durch die Alli­anz Paul VI.–Lercaro–Bugnini mög­lich wur­de. Als Paul VI. das Con­si­li­um ad exse­quen­dam Con­sti­tu­tio­nem de sacra Lit­ur­gia errich­te­te, die von 1964–1969 mit der Aus­ar­bei­tung der Lit­ur­gie­re­form beauf­tragt war, mach­te er Bugni­ni zu deren Sekre­tär und Ler­ca­ro zum Vor­sit­zen­den.

Als am 18. Novem­ber 1965 im Peters­dom die erste Kon­ze­le­bra­ti­on des Pap­stes mit zahl­rei­chen Kar­di­nä­len und Bischö­fen statt­fand, schrieb Ler­ca­ro: „Die schön­ste und begei­sternd­ste Sit­zung des gan­zen Kon­zils“.

In die­sem Sinn wur­de der Erz­bi­schof von Bolo­gna auch ein gro­ßer För­de­rer des moder­nen Kir­chen­bau­es, weil er neue Kir­chen schaf­fen woll­te, die sich sei­ner Ansicht nach, bes­ser für die nach­kon­zi­lia­re Lit­ur­gie „eig­nen“ soll­ten. In Bolo­gna errich­te­te er dazu am Ordi­na­ri­at eine Abtei­lung „Neue Kir­chen“, grün­de­te ein eige­nes Insti­tut für Sakra­le Archi­tek­tur und orga­ni­sier­te einen ersten Kon­greß für moder­nen Kir­chen­bau. Ler­ca­ro woll­te neue lit­ur­gi­sche Räu­me expe­ri­men­tie­ren und dem neu­en Kir­chen­bau ein funk­tio­na­les Kon­zept zugrun­de­le­gen. Dabei hat­te die gesam­te Anord­nung des Kir­chen­in­ne­ren, um die „eucha­ri­sti­sche Men­sa“ als Gedächt­nis­ort des Letz­ten Abend­mah­les zu erfol­gen.

„Die Stunde der Armen“

Kirche als Speisesaal
Kir­che als Spei­se­saal

Am 6. Dezem­ber 1963 hielt Ler­ca­ro sei­ne wohl bekann­te­ste Rede, mit der ein ande­res für ihn zen­tra­les The­ma ansprach. In ihr sag­te er: „Das ist die Stun­de der Armen“ und for­der­te ein Plä­doy­er für eine „Kir­che der Armen“. Die­se Rede war eine Art Initi­al­zün­dung für Dos­set­tis pau­per­i­sti­sches Postu­lat einer „Armut über alles“. Ler­ca­ro erklär­te damals, daß die Armen „das ein­zi­ge The­ma des gan­zen Zwei­ten Vati­ca­num“ sein soll­ten. Dabei hat­ten die Ver­tre­ter die­ser Rich­tung die Zusam­men­ar­beit mit dem Kom­mu­nis­mus fest im Blick. Am 16. Novem­ber 1965 unter­zeich­ne­ten Ver­tre­ter die­ser Rich­tung, dar­un­ter Hel­der Cama­ra, den soge­nann­ten „Kata­kom­ben­pakt“ in den Domi­til­la-Kata­kom­ben von Rom. Ler­ca­ro war zwar nicht per­sön­lich anwe­send, hat­te sich aber durch Dos­set­ti ver­tre­ten las­sen. Der Pakt besie­gel­te die Infil­tra­ti­on der mar­xi­sti­schen Theo­rie des „Pri­mats der Pra­xis“ als „Pri­mat der Pasto­ral“ in die Kir­che.

Der Bruch mit Paul VI. und die Rehabilitierung durch Franziskus

Plausch bevor das Mittagessen serviert wird
Plausch bevor das Mit­tag­essen ser­viert wird

Nach dem Kon­zil kam es jedoch zu einem bis heu­te nicht wirk­lich geklär­ten Bruch zwi­schen Paul VI. und Ler­ca­ro. Tat­sa­che ist, daß der Papst den Rück­tritt des Kar­di­nals als Erz­bi­schof von Bolo­gna ver­lang­te, der am 12. Febru­ar 1968 erfolg­te. Bereits am 9. Janu­ar hat­te ihn Paul VI. an der Spit­ze des Con­si­li­um für die Lit­ur­gie durch den Schwei­zer Bene­dik­ti­ner Ben­no Kar­di­nal Gut ersetzt. Die plau­si­bel­ste Theo­rie besagt, Ler­ca­ro sei in sei­ner revo­lu­tio­nä­ren Skiz­zie­rung einer künf­ti­gen Kir­che zu weit gegan­gen. Die Details die­ses Bruchs sind aber noch nicht erforscht.

Die­ser Bruch in der Lauf­bahn Ler­ca­ros erklärt, war­um das Lob, das Papst Fran­zis­kus gestern aus­sprach, als „Reha­bi­li­tie­rung“ gese­hen wird. Die Wor­te von Fran­zis­kus wur­den durch eine umstrit­te­ne Geste der „Kir­che der Armen“ unter­stri­chen, die durch die Macht der Bil­der ihre Wir­kung nicht ver­feh­len wird. Das Mit­tag­essen nahm Fran­zis­kus mit „Armen, Flücht­lin­gen und Gefan­ge­nen“ (und zahl­rei­chen Ver­tre­tern ver­schie­de­ner Orga­ni­sa­tio­nen) ein. Das Essen fand aber nicht in einem dafür geeig­ne­ten Saal statt, son­dern in San Petro­nio, der Haupt­kir­che von Bolo­gna. Der Papst hielt eine Kate­che­se, dann wur­de im Kir­chen­schiff an lan­gen Tafeln mit Hun­der­ten von Anwe­sen­den geges­sen und getrun­ken.

Lasagne mit Fleischragout: Kaum jemand wagt Kritik an „schändicher Profanierung“

Alles für das Essen bereit
Alles für das Essen bereit

Selbst glau­bens­treue, „kon­ser­va­ti­ve“ Medi­en wagen kaum Kri­tik an die­ser „schänd­li­chen Pro­fa­nie­rung“, so die Theo­lo­gin Maria Gua­ri­ni, son­dern berich­te­ten lie­ber über ein „typi­sches Bolo­gne­ser Menü mit Lasa­gne mit Fleischra­gout, Kote­letts mit Par­me­san­kä­se, Kar­tof­feln, Reistor­te und Obst“ (Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na). Die Ein­schüch­te­rung nach 54 Mona­ten die­ses Pon­ti­fi­kats zeigt deut­li­che Wir­kung. Der Vati­kan hüte­te sich ver­schlei­ernd, Bil­der direkt vom Essen zu ver­öf­fent­li­chen.

„Die Kir­che will Euch im Mit­tel­punkt. Sie berei­tet nicht irgend­ei­nen oder ande­ren Platz: im Mit­tel­punkt und zusam­men.“

Die­se Wor­te rief Fran­zis­kus den zum Mit­tag­essen gela­de­nen Gästen zu und ließ damit Wor­te von Kar­di­nal Ler­ca­ro anklin­gen.

„Leben der Kirche ist nicht Neutralität, sondern Prophetie“

Nachtisch im Kirchenschiff
Nach­tisch im Kir­chen­schiff

Ein wei­te­res Mal zitier­te Fran­zis­kus den Kar­di­nal bei der Begeg­nung mit „der Welt der Uni­ver­si­tät“. Zuerst besuch­te er in der Domi­ni­ka­ner­kir­che das Grab des hei­li­gen Ordens­grün­ders, dann zitier­te er in sei­ner Anspra­che die Pre­digt Ler­ca­ros vom 1. Janu­ar 1968, in der die­ser den Krieg der USA in Viet­nam scharf ver­ur­teil­te. Für Apo­lo­ge­ten des Kar­di­nals habe die­se Kri­tik an den USA zum Bruch mit Paul VI. geführt, was sich zwar treff­lich für ein lin­kes Nar­ra­tiv eig­net, in der Sache aber wenig glaub­wür­dig erscheint. Die­ses Nar­ra­tiv könn­te aller­dings eine Rol­le für Papst Fran­zis­kus gespielt haben, aus­ge­rech­net die­se Pre­digt zu erwäh­nen und dar­aus zu zitie­ren:

„Die Kir­che kann nicht neu­tral sein gegen­über dem Übel, von wel­cher Sei­te auch immer es kommt: Ihr Leben ist nicht die Neu­tra­li­tät, son­dern die Pro­phe­tie.“

Papst Fran­zis­kus füg­te an eige­nen Wor­ten hin­zu:

„Nicht neu­tral, son­dern Par­tei­gän­ger für den Frie­den!“

Franziskus postuliert „Recht auf Frieden“

Papst Franziskus trifft sich mit Studenten und Dozenten
Papst Fran­zis­kus trifft sich mit Stu­den­ten und Dozen­ten

Es gebe ein regel­rech­tes „Recht auf Frie­den“, so die Bot­schaft von Fran­zis­kus, das in das „Herz der Mensch­heit“ ein­ge­schrie­ben sei. Der Papst for­der­te in Bolo­gna ein „Ius Pacis“, nach­dem er in den ver­gan­ge­nen Wochen laut­stark ein Ius soli als Grund­la­ge des Staats­bür­ger­schafts­rech­tes zugun­sten der Migran­ten gefor­dert hat­te.

Damit habe Fran­zis­kus gestern, so eini­ge Kom­men­ta­to­ren, auch eine defi­ni­ti­ve Absa­ge der Kir­che an einen „gerech­ten Krieg“ erteilt, wie er sich noch im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che defi­niert fin­det. Am Ende sei­ner Rede an Stu­den­ten und Dozen­ten for­der­te er einen „neu­en Huma­nis­mus“, der „Gedächt­nis, Mut und gesun­de und mensch­li­che Uto­pie braucht“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/CTV/Wikicommons (Screen­shots)

9 Kommentare

  1. Emi­nenz Ler­ca­ro wirkt auf dem Pho­to — wie soll man sagen — nicht gera­de so, als wür­de man ihn ger­ne in geist­li­chen Fra­gen kon­sul­tie­ren oder auch nur zu einem Plausch tref­fen. Die Pro­gres­si­sten haben oft etwas sehr kal­tes an sich.

    Das hängt ver­mut­lich mit ihrer Zuge­hö­rig­keit zu eli­tä­ren Zir­keln im Gehei­men zusam­men, deren Haupt­cha­rak­te­ri­sti­kum der Stolz ist. Stolz sind sie und eitel.

    Und sie pre­di­gen den Pau­per­is­mus, woh­nen aber in Woh­nun­gen, die so groß sind, daß man dort pro­blem­los wich­ti­ge Mee­tings durch­füh­ren kann.
    Das ist eine ganz wider­li­che Heu­che­lei!
    Außer­dem nützt die­se „Armen“-Rhetorik nie­man­dem etwas, am wenig­sten den Armen. Wie im Arti­kel rich­tig ange­führt, ist eher ein mar­xi­sti­scher Hin­ter­grund gege­ben. Die „Armen“ — oder viel­mehr deren „Betreu­er“ und Men­to­ren — sol­len nur als Revo­lu­ti­ons­mas­se die­nen.

    Was für ein Augi­as­stall die nach­kon­zi­lia­re Kir­che gewor­den ist.

  2. Ich möch­te an die Tra­di­ti­on der Aga­pe erin­nern, die schon in den ersten Jah­ren des Chri­sten­tums eine gro­sse Rol­le gespielt hat.

    • Und weil es häu­fig aus­ar­te­te (2 Petr 2,13 EU) wur­de es im 4. Jahr­hun­dert ja auch ver­bo­ten (https://de.wikipedia.org/wiki/Agape#Agape_als_Liebesmahlfeier m.w.Nw.). Soviel dazu.
      Nein, es erin­nert mich offen gesagt eher an „Gräu­el an hei­li­ger Stät­te“. Wer sich (durch­aus auch als Nicht­gläu­bi­ger) ein Gefühl von Wür­de und Respekt vor dem Sakra­len bewahrt hat, wird sich von einem pro­fa­nen Kan­ti­nen­spek­ta­kel auf hei­li­gem Boden unan­ge­nehm berüht füh­len. Das reli­giö­se Gefühl glau­bens­treu­er Katho­li­ken wird (ich fürch­te mit vol­ler Absicht) hier lust­voll mit Füßen getre­ten und man­cher Agno­sti­ker wird sich den­ken „Das gehört sich nicht“. Sicher­lich hät­te ein Spei­se­saal für die­se media­le Insze­nie­rung zur Ver­fü­gung gestan­den – wir befin­den uns bekannt­lich nicht mehr in den ersten Jah­ren des Chri­sten­tums — aber es kam hier ja sicht­bar auf den schockie­ren­den „Effekt“ an, man könn­te es auch „Fre­vel“ (Schand­tat gegen etwas Gehei­lig­tes, das die­ses in die Welt des Pro­fa­nen her­ab­zieht) nen­nen.

    • Zur „Aga­pe“ kann ich das Buch des deut­schen Phi­lo­so­phen Prof. Josef Pie­per (+ 1997) empfehe­len mit dem Titel „Über die Lie­be“. Auch die Trak­ta­te über die bei­den ande­ren gött­li­chen Tugen­den Glau­be und Hoff­nung sind inter­res­sant sowie die über die 4 Kar­di­nal­tu­gen­den. Als Ein­stieg in die­se 7 Tugend­bü­cher ist das Bänd­chen „Über das christ­li­che Men­schen­bild“ des glei­chen Ver­fas­sers zu emp­feh­len.

  3. Guten Tag, ich lese immer wie­der auf Ihren Sei­ten. Mir fällt auf, dass Sie sehr stark pole­mi­sie­rend gegen Papst Fran­zis­kus schrei­ben. Das fin­de ich sehr scha­de und emp­fin­de es als eine ein­sei­ti­ge Bericht­erstat­tung. Man kann und soll sicher kri­tisch die Ent­wick­lun­gen und Neue­run­gen inner­halb der Kir­che reflek­tie­ren und bei Bedarf auch Irrun­gen oder Miss­ver­ständ­li­ches anspre­chen. Aber eine durch­ge­hend kri­ti­sche Sicht der Din­ge und geziel­te Pole­mi­sie­rung, die eine neu­tra­le Mei­nungs­bil­dung für den Leser schwer macht, ist jour­na­li­stisch gese­hen nicht in Ord­nung und ver­stößt auch gegen den Pres­se­ko­dex.

    Got­tes Segen

    Vic­to­ria Mei­er

    • Ihre Mei­nung in Ehren: Aber eine neu­tra­le Mei­nungs­bil­dung ist lei­der ohne katholisches.info kaum mehr mög­lich. Liest man doch in fast allen (meist viel leich­ter zugäng­li­chen Medi­en) fast nur gutes über unse­ren Papst.
      Irri­tiert hat mich an Ihrer Aus­sa­ge fol­gen­des: „Neu­tra­le Mei­nungs­bil­dung“ Neu­tral heißt für mich etwas über­spitzt — kei­ne Mei­nung zu haben.

      Man hat nor­ma­ler­wei­se immer eine Mei­nung und ist von etwas über­zeugt, bzw. lehnt es ab, oder fin­det man­ches auch ver­bes­se­rungs­wür­dig. Man kann es auch so sehen: Wür­de die­ser Papst anders han­deln, so müss­te man ihn nicht kri­ti­sie­ren.
      Der gro­ßen Mas­se gefällt gera­de die­ser Papst und den Medi­en auch. War es doch bis­her immer umge­kehrt. Genau das berei­tet mir Sor­ge.

    • Die per­ma­nen­ten Fre­ve­lei­en die­ses Fran­zis­kus las­sen wohl kaum eine „Neu­tra­li­tät“ zu.
      Die Kathe­dra­le von Bolo­gna wird durch einen Men­schen, der als Papst ange­se­hen wird, hier besten­falls zu einem evan­ge­li­schen Gemein­de­saal degra­diert.

    • Archi­vie­ren- Doku­men­tie­ren-Publi­zie­ren.
      Die Wahr­heit ist häu­fig noch viel schlim­mer als das bis­her Bekann­te.
      wenn viel unter dem Tep­pich gekeht wird, ist das Rönt­gen­bild umso schreck­li­cher.
      „Tol­le-lege!“: „Heb auf (das Buch bzw. den Tep­pich) und lese!“ (Srt.-augustin)
      C’est la vérité qui bles­se.
      Gott befoh­len

  4. Wir haben als Kin­der von unse­ren Eltern gelernt, dass man in der Kir­che, ab dem Betre­ten des Kir­chen­rau­mes, mucks­mäus­chen­still zu sein hat weil Jesus im Taber­na­kel leben­dig da ist. Still sein, nicht links und rechts blicken, son­dern andäch­tig nach vor­ne auf den Taber­na­kel blicken, Weih­was­ser neh­men und ein das „klei­ne Kreuz­zei­chen“ machen, und — eine Knie­beu­ge vor Jesus machen bevor wir uns in die Kir­chen­bank bega­ben. So begrüßt man Jesus im Taber­na­kel, haben wir gelernt und wie selbst­ver­ständ­lich ange­nom­men, den Eltern nach­ge­macht.
    Wäh­rend der hei­li­gen Mes­se mit­sin­gen und mit­be­ten (das haben wir „mit­ge­lernt“) und andäch­tig sein, still sein.
    Nach der hei­li­gen Mes­sen tra­ten wir aus der Kir­chen­bank, wie­der eine Knie­beu­ge zum Taber­na­kel und ein Kreuz­zei­chen, dann erst haben wir uns umge­dreht zum Hin­aus­ge­hen. Vor dem Ver­las­sen haben wir wie­der Weih­was­ser genom­men, uns noch­mals zum Taber­na­kel hin umge­dreht und das letz­te Kreuz­zei­chen gemacht. Dann erst, nach dem Ver­las­sen der Kir­che, ist wie­der gespro­chen wor­den. Auch das Grü­ßen von ande­ren Men­schen wur­de höch­stens mit einem stil­len Kopf­nicken in der Kir­che gemacht, manch­mal — zum Bank­nach­barn hin.
    Sich gegen­sei­tig mit Wor­ten grü­ßen, die Hand geben oder umar­men gab es nur außer­halb der Kir­che!

    Ich bin wirk­lich dank­bar für mein Eltern­haus und das Bei­spiel, wel­ches uns die Eltern gaben. Noch heu­te ver­hal­te ich mich so wie ich es von Kind an gelernt habe. Heu­te mache ich es mit gläu­bi­gem Bewusst­sein der Gegen­wart des Drei­fal­ti­gen Got­tes im Taber­na­kel und im hl. Meß­op­fer sowie bei der hl. Kom­mu­ni­on.
    Mir feh­len die Wor­te aus­zu­drücken, wie mich die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen fas­sungs­los, ent­setzt, ja para­ly­siert machen. Was für ein Schrecken!
    Der Mensch traut sich was!!

    Von Pater Pio wird gesagt, sei­ne See­le habe (frei­wil­lig) nach sei­nem Tod 3 Tage kniend an den Stu­fen des Altars in der Kir­che all die Belei­di­gun­gen und Miss­ach­tun­gen Got­tes gesühnt, wel­che von Men­schen began­gen wur­den, die wegen ihm / zu ihm nach San Gio­van­ni Roton­do kamen.

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