Das Problem der Liturgiereform – Die Messe des II. Vaticanum und Pauls VI.

Die Heilige Liturgie und das Problem der Liturgiereform
Die Heilige Liturgie und das Problem der Liturgiereform

Eine wich­ti­ge theo­lo­gi­sche und lit­ur­gi­sche Stu­die vor­ge­stellt von Wolf­ram Schrems*

Vor kur­zem wur­de ich von einem Anru­fer auf eine Stel­lung­nah­me der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. zum Pro­blem der Lit­ur­gie­re­form hin­ge­wie­sen und ange­fragt, ob ich die­se anspruchs­vol­le Abhand­lung für ein grö­ße­res Publi­kum ver­ständ­lich auf­be­rei­ten könn­te.

Das Problem der Liturgiereform
Das Pro­blem der Lit­ur­gie­re­form

Nun ist es so, daß die­se Publi­ka­ti­on tat­säch­lich von gro­ßem Wert ist. Lei­der scheint sie wenig bekannt zu sein. Sie ist auch wirk­lich nicht ganz ein­fach.

In einer Zeit, in der die über­lie­fer­te römi­sche Lit­ur­gie durch Papst Bene­dikt XVI. zag­haft reha­bi­li­tiert und nach des­sen „frei­wil­li­gem Rück­tritt“ gleich wie­der zurück­ge­drängt wur­de, in einer Zeit, in der also ein offe­ner Kampf sei­tens maß­geb­li­cher Tei­le der kirch­li­chen Hier­ar­chie gegen die eige­ne Tra­di­ti­on tobt, benö­tigt man gute Schrif­ten zur eige­nen Ori­en­tie­rung und zur Unter­wei­sung anderer.Da ich die gegen­ständ­li­che Publi­ka­ti­on als wich­tig betrach­te, soll sie hier für ein grö­ße­res Publi­kum auf­be­rei­tet wer­den.

Ich bin aller­dings kein Lit­ur­gie­wis­sen­schaft­ler im aka­de­mi­schen Sinn des Wor­tes. Ich bin nur jemand, der sich auf­grund des ver­hee­ren­den Zustan­des der Lit­ur­gie sei­ne Gedan­ken macht und dabei ein­schlä­gi­ge Hin­wei­se gelehr­ter und gläu­bi­ger Per­so­nen, Prie­ster und Lai­en, ger­ne annimmt.

Worum geht es? – Die Wurzeln der „Liturgiereform“

Der Haupt­ge­dan­ke der Publi­ka­ti­on ist, daß hin­ter der „Lit­ur­gie­re­form“ der Jah­re 1969 bzw. 1970 eigent­lich kei­ne „Reform“ ste­he, also in dem Sin­ne, daß eine aus der Form gera­te­ne Sache, in die­sem Fall die Lit­ur­gie, gemäß ihrer Grund­idee „wie­der in die rich­ti­ge Form“ gebracht wür­de. Hin­ter der „Lit­ur­gie­re­form“ ste­he im Gegen­teil eine theo­lo­gi­sche Neue­rung, d.h. eine neu­ar­ti­ge Sicht auf die Lit­ur­gie, die unter dem Stich­wort „Pascha-Myste­ri­um“ fir­miert. Die Autoren füh­ren die­se Neue­rung auf den Maria Laacher Bene­dik­ti­ner­pa­ter Odo Casel (1886–1948) zurück.

Aber der Rei­he nach.

Die Autoren gehen zunächst vom neu­en Meß­buch Paul VI. aus und unter­su­chen es auf sei­ne theo­lo­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen:

„Wäh­rend also das tra­di­tio­nel­le Meß­buch ein Opfer voll­zieht, das auch als Eucha­ri­stie bezeich­net wird wegen eines sei­ner Zwecke, will das neue Meß­buch in erster Linie eine Dank­sa­gung als Gedächt­nis voll­zie­hen, deren eine Gedenk­tat das Opfer ist“ (22).

Was haar­spal­te­risch klingt, wird doch nach und nach plau­si­bel dar­ge­legt:

„Der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Myste­ri­ums der Mes­se ist nicht mehr das Kreu­zes­op­fer, son­dern das Abend­mahl (…). Es wird auch [im neu­en Meß­buch] nicht die Opfer­di­men­si­on der Mes­se geleug­net, die meh­re­re Male erwähnt (…), aber nicht ver­deut­licht wird“ (23).

Priester und Gemeinde

Unter dem Kapi­tel „Die Gegen­wart Chri­sti im geweih­ten Prie­ster und in der Gemein­de“ fin­det sich die bemer­kens­wer­te Ein­schät­zung:

„Die syste­ma­ti­sche Min­de­rung der Zei­chen der wirk­li­chen und sub­stan­ti­el­len Gegen­wart Chri­sti als Opfer­ga­be hat die gerin­ge Beach­tung der Gegen­wart Chri­sti als Prie­ster ‚in der Per­son sei­nes Die­ners‘ zur Fol­ge. Dafür wird die Gegen­wart Chri­sti in der Gemein­de ver­hält­nis­mä­ßig so über­stei­gert, wie es bis dahin in der Lit­ur­gie unbe­kannt war. (…) Die­se ‚lit­ur­gi­sche Ver­samm­lung‘ (…) wird auf sehr hoch­tra­ben­de Wei­se beschrie­ben: sie ist das „hei­li­ge Volk“ (…)“ (31).

Ich wür­de es mit eige­nen Wor­ten so sagen: Die neue Lit­ur­gie über­höht auf unnüch­ter­ne, auf gera­de­zu eupho­ri­sche Wei­se die Gläu­bi­gen. Man stel­le sich nur ein­mal eine durch­schnitt­li­che Land- oder auch Stadt­pfar­re vor und man wird das Dis­pro­por­tio­na­le die­ser Über­stei­ge­rung sofort bemer­ken. Sicher: Die Hei­li­ge Schrift spricht tat­säch­lich vom „hei­li­gen Volk“ u. dgl. (1 Petr 2,9). Aber die Sakra­li­tät der gläu­bi­gen Gemein­de ist weit­ge­hend ver­schwun­den. Offen­sicht­lich hat die infla­tio­nä­re Beschwö­rung die­ser Sakra­li­tät nicht funk­tio­niert. Denn gleich­zei­tig gibt es ja schon seit Jahr­zehn­ten kei­ne ange­mes­se­ne lit­ur­gi­sche Bil­dung und Initia­ti­on. Wenn die Gläu­bi­gen ihre Beru­fung als „hei­li­ges Volk“ tat­säch­lich auch erkenn­bar aus­üben sol­len, müß­ten sie eben auch ent­spre­chend ein­ge­führt wer­den. Genau das ist aber nicht pas­siert.

Die Liebe Gottes und die Sühne der Sünde – der verdrängte Aspekt der Gerechtigkeit

Die Autoren legen dar, daß gemäß dem neu­en theo­lo­gi­schen Ver­ständ­nis beim Erlö­sungs­ge­sche­hen auf Gol­go­tha, somit auch in der Hei­li­gen Mes­se, der Aspekt der Genug­tu­ung zugun­sten des Aspek­tes der unbe­irr­ba­ren Lie­be Got­tes zurück­tritt. Nun bestrei­tet auch kein Christ die Lie­be Got­tes. Was aber jetzt zu kurz kommt, ist die Dimen­si­on der Gerech­tig­keit und die geschul­de­te Genug­tu­ung für die durch die Ursün­de und die Sün­den belei­dig­te Ehre Got­tes, die Jesus Chri­stus in sei­ner Mensch­heit lei­stet:

„Das tra­di­tio­nel­le Meß­buch erbit­tet die Genug­tu­ung für die Sün­den­stra­fen für die Leben­den und die Toten, und zwar durch die Ver­dien­ste der Pas­si­on Chri­sti und die Wer­ke der Hei­li­gen, die sie ergän­zen (Kol 1,24). Es lehrt die Leben­den zusätz­lich, sich die­sem Lei­den anzu­glei­chen (Gal 2,19). Die­se fei­nen Unter­schie­de sind im neu­en Meß­buch fast ganz weg­ge­las­sen“ (42).

Dar­aus ergibt sich auch eine radi­ka­le Ver­harm­lo­sung der bibli­schen Lesun­gen im neu­en Meß­buch in Bezug auf „alles, was die gött­li­che Gerech­tig­keit betrifft“ (ebd.). Zusätz­lich wur­den die Hoch­ge­be­te 2–4 und die neu­en Ora­tio­nen in genau die­sem Geist gestal­tet:

„Also erscheint hier eine neue Auf­fas­sung der Mes­se: die­se wird weni­ger gelebt als Zuwen­dung der Erlö­sung, son­dern viel­mehr als eine Lit­ur­gie der Geret­te­ten (…)“ (44).

Auch die­se Ana­ly­se mag als Haar­spal­te­rei emp­fun­den wer­den. Aber auch dann stellt sich die Fra­ge: War­um haben dann die Lit­ur­gie­re­for­mer den Zug in die­se Rich­tung gelenkt?

Wie so oft: der Einfluß Kants und des Idealismus als Zerstörung der Vernunft

Die Autoren füh­ren den neu­en Ansatz des „Pascha-Myste­ri­ums“ auf Wei­chen­stel­lun­gen Kants und des deut­schen Idea­lis­mus zurück (66f), wobei hier sehr inter­es­san­te Aus­sa­gen getrof­fen wer­den, die wir aus Platz­grün­den nicht erör­tern kön­nen. (Mei­ne per­sön­li­che Mei­nung, mit der ich gar nicht hin­ter dem Berg hal­ten möch­te, ist, daß die Kant­sche Leh­re und der Deut­sche Idea­lis­mus ohne­hin patho­lo­gi­sche Wahn­sy­ste­me sind. Aber das nur neben­bei.)

Gedächtnis, Sühne und die judaisierenden Tendenzen

Unter dem Gesichts­punkt der „Gedächt­nis­fei­er“ schrei­ben die Autoren in einer sehr guten Gegen­über­stel­lung:

„Die [neue] Leh­re vom Pascha-Myste­ri­um rühmt mehr den Offen­ba­rungs­aspekt der Hand­lun­gen Chri­sti als ihren genug­tu­en­den Wert (…) und gelangt so dahin, das Sakra­ment eher unter dem Gesichts­punkt zu betrach­ten, daß es die Hand­lun­gen Chri­sti – jene, wel­che die Lie­be des Vaters offen­ba­ren – gegen­wär­tig macht, als unter dem Gesichts­punkt eines wirk­sa­men Heils­mit­tels kraft der Zuwen­dung der Ver­dien­ste Jesu Chri­sti (…). Die­se Ände­rung in der Betrach­tungs­wei­se macht den Opfer­cha­rak­ter, den der Meß­ri­tus bis dahin deut­lich auf­wies, zunich­te“ (76).

Opfermahl
Das Opfer von Kal­va­ria

Von da aus ergibt sich auch eine über­trie­be­ne Par­al­le­li­sie­rung mit dem jüdi­schen Pascha­fest. Man bekommt über­haupt den Ein­druck, daß lit­ur­gi­sche Ände­run­gen und so genann­te „Refor­men“ über­haupt ten­den­zi­ell mit einer gewis­sen Judai­sie­rung ver­bun­den sind. So habe ich mit Erstau­nen selbst mit­er­lebt, daß die moder­nen movi­men­ti oft einen star­ken judai­sie­ren­den Zug besit­zen: Genannt sei­en die Sams­tag­abend-Lit­ur­gien der Gemein­schaft der Selig­prei­sun­gen mit ihren skur­ri­len, angeb­lich oder wirk­lich jüdi­schen Tän­zen und die eben­falls Sams­tag­abend-Lit­ur­gien des Neo­ka­techu­me­nats, die eben­falls eine star­ke jüdi­sche Zei­chen­spra­che besit­zen. Man kann das nur als Ver­ir­rung wer­ten – oder als bewuß­te Sub­ver­si­on. Denn alle die­se Skur­ri­li­tä­ten ver­dun­keln ja gera­de das Heils­ge­heim­nis.

Das alt­te­sta­ment­li­che Pascha-Fest weist auf Chri­stus vor­aus und nicht auf die Pascha-Fei­ern des nach-neu­te­sta­ment­li­chen Juden­tums. Denn Chri­stus sprengt den Rah­men des mosai­schen Pascha-Festes ins „All­ge­mei­ne“, ins „Katho­li­sche“. Jetzt aus­ge­rech­net in der Kir­che wie­der auf das Pascha zurück­zu­ver­wei­sen, macht daher kei­nen Sinn.

Ganz abge­se­hen davon, daß man­che die­ser Grup­pen oft einen sek­tie­re­ri­schen Zug auf­wei­sen.

Das Konzil von Trient als unverrückbarer Bezugspunkt

Sodann wird das Kon­zil von Tri­ent im Hin­blick auf sei­ne Leh­rent­schei­dun­gen aus­ge­wer­tet. Es wird fest­ge­hal­ten, daß sich die „Neue Theo­lo­gie“ objek­tiv vom Triden­ti­num ent­fernt:

„Man kann also mit vol­lem Recht den Gegen­satz zwi­schen der klas­si­schen Theo­lo­gie und der Neu­en Theo­lo­gie anhand der Aus­le­gung zusam­men­fas­sen, die jede von ihnen dem Verb reprae­san­t­are, das vom Kon­zil von Tri­ent ver­wen­det wur­de, gibt“ (85).

Die­ses Kapi­tel gehört zum – schwie­ri­gen – Kern­be­stand des Buches: Die Autoren legen dar, daß in der neu­en Lit­ur­gie­auf­fas­sung Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt Chri­sti in der Mes­se ein­ge­schlos­sen sind bzw. sein müs­sen, und fol­gern:

„Fort­an ist die getrenn­te Kon­se­kra­ti­on der hei­li­gen Gestal­ten [Tren­nung von Leib und Blut als Sym­bol des Opfer­to­des Chri­sti] von sich aus unfä­hig, das Opfer Chri­sti zu bezeich­nen, denn sie ver­weist nur auf sei­nen Tod und in kei­ner Wei­se auf sei­ne Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt“ (86).

Dage­gen steht die alte Leh­re, die von Pius XII. 1947 neu ent­fal­tet wird:

„In [der Enzy­kli­ka] Media­tor Dei ist die Mes­se ein Opfer, nicht weil sie ein Gedächt­nis ist, das das Opfer von Kal­va­ria gegen­wär­tig macht, son­dern weil sich in ihr, unter dem Begriff der dop­pel­ten Kon­se­kra­ti­on, eine wirk­lich unblu­ti­ge ritu­el­le Opfe­rung voll­zieht (…), die selbst ein Hin­weis­zei­chen für die blu­ti­ge Opfe­rung ist (…)“ (87).

Resümee

Das heilige Meßopfer (Beuroner Schule)
Das hei­li­ge Meß­op­fer (Beu­ro­ner Schu­le)

Folgt man den Erläu­te­run­gen der Autoren, wird man schluß­fol­gern kön­nen: Wesen und Aus­sa­ge der hl. Mes­se ver­schie­ben sich im Meß­buch Pauls VI. ins Unkla­re. Die neue Wei­chen­stel­lung schwächt den Süh­ne­cha­rak­ter des Todes Chri­sti und somit der Mes­se ab. Dabei tritt zwangs­läu­fig eine Ver­harm­lo­sung der Sün­de, somit eine Ver­harm­lo­sung der Situa­ti­on des Men­schen ins Bewußt­sein der Kir­che.

Das zieht eine neue Eupho­rie nach sich: Die Gläu­bi­gen wer­den auf neue, unnüch­ter­ne und unrea­li­sti­sche Wei­se, gleich­zei­tig aber auch ohne adäqua­te Unter­wei­sung, als „Volk Got­tes“ gefei­ert. Gleich­zei­tig tritt die Bedeu­tung des Prie­ster­tums in den Hin­ter­grund, und zwar sowohl des Prie­ster­tums Jesu Chri­sti selbst als auch die von des­sen geweih­ten Die­nern, die „in per­so­na Chri­sti“ das Opfer dar­brin­gen sol­len.

Das rea­le Hier und Jetzt des Opfers ver­flüch­tigt sich in der Neu­en Theo­lo­gie und in der Neu­en Lit­ur­gie ten­den­zi­ell ins Vage bzw. ins Myste­riö­se. (Es muß zuge­stan­den sein, daß die Mes­se ein Myste­ri­um IST. Dar­aus folgt aber nicht, daß sie begriff­lich-dok­tri­när nicht in Wor­te zu fas­sen wäre. Hin­ter das Kon­zil von Tri­ent und Media­tor Dei (1947) kann man in die­sem Zusam­men­hang nicht zurück­ge­hen.)

Die Autoren fas­sen zusam­men:

„Da die Theo­lo­gie des Pascha-Myste­ri­ums der Ansicht ist, die Sün­de zie­he kei­ner­lei Stra­fe for­dern­des Schul­dig­wer­den gegen­über der ver­höhn­ten Ehre Got­tes nach sich, und folg­lich die stell­ver­tre­ten­de Genug­tu­ung Chri­sti nicht mehr als ein wesent­li­ches Ele­ment der Erlö­sungs­tat betrach­tet, hat die Lit­ur­gie­re­form aus dem Meß­ri­tus alles gestri­chen, was in Zusam­men­hang ste­hen konn­te mit der durch die Sün­de ver­dien­ten Stra­fe, wie auch den Süh­ne­zweck der Mes­se. (…) [Das] neue­re Lehr­amt [gemeint sind die Päp­ste vor dem II. Vati­ca­num, Anm.] [hat uns] vor einer ‚sym­bo­li­schen Theo­lo­gie‘ gewarnt, die das Sakra­ment nur unter dem Gesichts­punkt des ‚Myste­ri­ums‘ betrach­tet, denn eine sol­che Theo­lo­gie wür­de sich als gefähr­lich erwei­sen für den Glau­ben. (…) Die Leh­re des Pascha-Myste­ri­ums mit ihren schwer­wie­gen­den dok­tri­na­len Schwä­chen steht also am Ursprung der Lit­ur­gie­re­form. Sicher, das Meß­buch, wel­ches dar­aus her­vor­ge­gan­gen ist, leug­net nicht expli­zit das katho­li­sche Dog­ma, aber die Gesten und Wor­te sind in die­sem Sin­ne aus­ge­rich­tet; bedeut­sa­me Aus­las­sun­gen wur­den ange­häuft, vie­le zwei­deu­ti­ge Aus­drücke wur­den ein­ge­führt (…). In die­sem Zusam­men­hang sind wir also ver­pflich­tet, uns an die tra­di­tio­nel­le Lit­ur­gie zu hal­ten, die sicher Got­tes wür­dig ist, nie abge­schafft wur­de und die Zei­ten hin­durch so vie­le Früch­te der Hei­lig­keit her­vor­ge­bracht hat“ (106ff).

Der kano­ni­sti­sche Anhang zeigt, daß das Meß­buch von Paul VI. kei­ne aus­rei­chen­de kano­ni­sche Ver­bind­lich­keit besitzt und das Meß­buch des hl. Pius V. (1570) nie­mals abge­schafft wur­de. Damit wur­de Summorum Pon­ti­fi­cum von 2007 in gewis­ser Hin­sicht vor­weg­ge­nom­men.

Odo Casel und die Liturgische Bewegung – das Desiderat einer fairen und differenzierten Bewertung

Wenn man im Jahr 2015 Tex­te von oder über Odo Casel liest, wird man die­sen Mönch als fromm, gläu­big, ehr­fürch­tig und für heu­ti­ge Maß­stä­be „ultra-kon­ser­va­tiv“ emp­fin­den. Es ist nicht glaub­haft, daß das der­zei­ti­ge lit­ur­gi­sche Cha­os von P. Casel akzep­tiert, noch viel weni­ger beab­sich­tigt wor­den wäre.

Pater Odo Casel OSB (Maria Laach)
Pater Odo Casel OSB (Maria Laach)

Wie anders­wo zu lesen ist, war P. Casel aber „als intui­ti­vem Den­ker das dis­kur­si­ve Den­ken eher fremd“. Das könn­te unter Umstän­den lei­der auch bedeu­ten, daß er sei­ne Auf­fas­sun­gen nicht genü­gend begrün­den konn­te. „Intui­ti­ve“ Den­ker ten­die­ren eben manch­mal zu eupho­ri­scher Wort­wahl und einem Zug ins Apo­dik­ti­sche. Damit bricht eine gewis­se Unnüch­tern­heit aus, manch­mal auch Recht­ha­be­rei. Um zu beur­tei­len, ob das bei P. Casel tat­säch­lich der Fall war, reicht mei­ne Fach­kennt­nis nicht aus.

Ich wür­de mich nach mei­nem Kennt­nis­stand dage­gen aus­spre­chen, daß man Odo Casel schlech­ten Wil­len unter­stellt. In sei­nem gan­zen Leben und Dul­den, im Umgang mit den Mit­men­schen und im Ster­ben (wäh­rend der Oster­nachts­lit­ur­gie) hat er offen­sicht­lich star­ken Glau­ben und vor­bild­li­ches mensch­li­ches For­mat bewie­sen. Man wird auch nicht sagen kön­nen, daß er das Klo­ster der Bene­dik­ti­ne­rin­nen in Her­stel­le spi­ri­tu­ell schlecht geführt hät­te.

Es ist klar, daß es für die Kata­stro­phen der Lit­ur­gie­re­form 1969 Zwi­schen­stu­fen brauch­te, Autoren und Agi­ta­to­ren, die woan­ders hin­woll­ten. Odo Casel war ja schon 1948 ver­stor­ben.

Er konn­te also nicht mehr den­je­ni­gen in den Arm fal­len, die sei­ne Ideen ver­wen­de­ten. Die Fra­ge ist eben auch, ob sie das legi­ti­mer­wei­se oder ille­gi­ti­mer­wei­se taten. Ana­lo­ges gilt für Roma­no Guar­di­ni, Pius Parsch und alle ande­ren, die man zur „Lit­ur­gi­schen Bewe­gung“ zählt. Man kann sich nach der Lek­tü­re von Vom Geist der Lit­ur­gie Roma­no Guar­di­nis bei­spiels­wei­se nicht vor­stel­len, daß die­ser den der­zei­ti­gen lit­ur­gi­schen Scha­ber­nack gut­ge­hei­ßen hät­te. Man darf daher kei­nem die­ser Män­ner Unrecht tun. Die Fra­ge ist aber, ob in ihren Schrif­ten objek­tiv Schwä­chen und Ver­un­deut­li­chun­gen ent­hal­ten sind. Wenn ja, dann muß das auf­ge­deckt wer­den.

Schließ­lich wird auch die Kon­sti­tu­ti­on Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um des II. Vati­ka­nums noch einer gründ­li­chen Aus­wer­tung gemäß deren Inhalt, deren Ideen­ge­bern und deren lehr­amt­li­cher Ver­bind­lich­keit bedür­fen.

Klar ist daher, daß das Her­ump­fu­schen am Meß­ver­ständ­nis und in wei­te­rer Fol­ge am Meß­ri­tus durch die kirch­li­che Hier­ar­chie selbst kei­nen Segen gebracht hat.

Dazu noch drei kur­ze grund­sätz­li­che Erwä­gun­gen:

Lex dubia non obligat

Jede lehr­mä­ßi­ge Ver­un­klä­rung des­sen, was in der Lit­ur­gie geschieht, zieht Ver­wir­rung nach sich. Unkla­re Vor­ga­ben ent­fal­ten kei­ne Bin­de­kraft: Lex dubia non obli­gatEin zwei­fel­haf­tes Gesetz ver­pflich­tet nicht. Die Ver­un­klä­rung ver­mag z. B. Kon­ver­si­ons­wil­li­ge nicht mehr im sel­ben Aus­maß am katho­li­schen Glau­ben zu inter­es­sie­ren: Wenn die Kir­che sel­ber an der dog­ma­ti­schen Klar­heit der Sakra­men­te her­ump­fuscht, wird auch der Kate­chist nur mit gro­ßem Auf­wand die katho­li­schen Leh­re erklä­ren kön­nen.

Erfahrung?

Neokatechumenat - Judaisierungstendenzen
Neo­ka­techu­me­nat — Judai­sie­rungs­ten­den­zen

Ein Punkt der Lit­ur­gie­re­for­mer, der auf dem Hin­ter­grund der Erfah­run­gen der letz­ten Jahr­zehn­te als beson­ders pro­ble­ma­tisch ins Auge sticht, ist die star­ke Beto­nung der „Erfah­rung“ (etwa bei Casel). Das histo­ri­sche Leben Chri­sti und auch sein Leben in der Herr­lich­keit wür­den nach Casel für die Got­tes­dienst­ge­mein­de gegen­wär­tig gesetzt, die des­sen Wir­kung erfah­ren kön­ne. „Wie das mög­lich ist, konn­ten weder Casel noch sei­ne Schü­ler sagen“ (vgl. dazu).

Aus heu­ti­ger Sicht hat sich jede Abwen­dung von einer dok­tri­när exakt for­mu­lier­ten und nüch­tern-unauf­ge­reg­ten Betrach­tung der hl. Mes­se und die Hin­wen­dung zur „Erfah­rung“ als fatal erwie­sen. „Glau­bens­er­fah­run­gen“ blei­ben immer eine zwie­späl­ti­ge Sache. Es bleibt ja auch voll­kom­men unklar, WAS genau „erfah­ren“ wer­den soll.

In den schon erwähn­ten neu­en movi­men­ti exi­stiert auch eine gewis­se Obses­si­on mit „Erfah­rung“. Die­se ist etwa bei Com­mu­nio­ne e libe­ra­zio­ne ein Schlüs­sel­be­griff. Das gibt der gan­zen dort geüb­ten Spi­ri­tua­li­tät eine auf­ge­reg­te Note („Hast du heu­te schon Chri­stus erfah­ren?“). Etwas Unnüch­ter­nes und Eupho­ri­sches hat sich ein­ge­schli­chen. Damit ist der Selbst­täu­schung Tür und Tor geöff­net.
Es wäre eben falsch, bei der Fei­er der hl. Mes­se irgend­wel­che spe­zi­el­len inne­ren „Erfah­run­gen“ zu suchen. Jeder, der mit dem geist­li­chen Leben ver­traut ist, weiß erstens, daß Stim­mun­gen wech­seln, und zwei­tens vor allem, daß die Ruhe der Gewis­sens­zu­stim­mung bzw. der Glau­bens­zu­stim­mung in der Mes­se unspek­ta­ku­lär ist.

Wird nun in der Mes­se ein als „Erfah­rung“ dekla­rier­tes Gefühl gesucht, dann liegt es nahe, die­ses Gefühl durch Grup­pen­dy­na­mik und exsta­ti­sche Musik direkt zu erzeu­gen. Was natür­lich nur im völ­li­gen Über­druß enden kann – und in der Auf­ga­be des Meß­be­su­ches.

Participatio actuosa

Ähn­lich liegt der Fall bei der berühm­ten „par­ti­ci­pa­tio actuo­sa“.

Eine Fol­ge der Casel­schen Wei­chen­stel­lun­gen war die Weckung des Bewußt­seins, daß alle Gemein­de­mit­glie­der die Lit­ur­gie mit­zu­tra­gen haben, nicht bloß der Zele­brant. Das ist sicher gut und rich­tig. Die Fra­ge ist nur, wie man das umsetzt. Die par­ti­ci­pa­tio actuo­sa, die schon der hl. Pius X. ein­ge­mahnt hat­te, bedeu­tet ja eine inne­re Betei­li­gung an der hl. Mes­se. Auch P. Casel hat­te nicht vor, alle mög­li­chen Leu­te durch den Altar­raum huschen zu las­sen. Den­noch wur­de von Casel eine – wie genau oder unge­nau auch immer defi­nier­te – Betei­li­gung der Lai­en im äuße­ren Sinn abge­lei­tet. Dabei wur­de unter­schla­gen, daß Casel eine sorg­fäl­ti­ge lit­ur­gi­sche Bil­dung gefor­dert hat­te („Myst­ago­gie“).

Was dabei her­aus­ge­kom­men ist, sehen wir anhand des rapi­de ein­ge­bro­che­nen Meß­be­su­ches in Euro­pa.

Man kann schluß­fol­gern, daß all­zu hoch­ge­spann­te Erwar­tun­gen an die Got­tes­dienst­ge­mein­de in ihr Gegen­teil umschla­gen. War es also wirk­lich so viel schlech­ter, als man frü­her — in tra­di­tio­nel­ler Ter­mi­no­lo­gie — „die Mes­se hör­te“ oder „der Mes­se bei­wohn­te“? Ist das nicht eine Über­for­de­rung des Meß­be­su­chers, jetzt plötz­lich ein Teil eines „hei­li­gen, prie­ster­li­chen Vol­kes“ zu sein, ja — manch­mal sogar aus­drück­lich so for­mu­liert — „Kon-Zele­brant“? Ganz abge­se­hen davon, daß letz­te­res allen­falls in einem ana­lo­gen Sin­ne stimmt, sodaß man die­se Ter­mi­no­lo­gie also unter­las­sen soll­te.

Schlußbemerkung

Ich dan­ke dem Anru­fer, der mich auf die­se wert­vol­le Schrift auf­merk­sam gemacht hat. Sie hat mir gehol­fen, für mich sel­ber eini­ge Gedan­ken zu klä­ren. Vor allem der Hin­weis auf das Triden­ti­num und die davon aus­ge­hen­de Tra­di­ti­on vom Cate­chis­mus Roma­nus bis Pius XII. Media­tor Dei (1947) ist hilf­reich. Ich hof­fe, es ist gelun­gen, auch dem Leser die­ser Sei­te die Grund­ge­dan­ken halb­wegs ver­ständ­lich gemacht zu haben.

Man kann der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. emp­feh­len, zwei Über­ar­bei­tun­gen die­ser Schrift vor­zu­neh­men: Eine gekürz­te und popu­la­ri­sier­ba­re Ver­si­on, die ande­re zu einer wis­sen­schaft­li­chen Abhand­lung erwei­ter­te, die auch die römi­schen Lehr­aus­sa­gen sowie die aka­de­mi­schen Erör­te­run­gen seit 2001 mit­ein­be­zieht.

Letz­te­re soll so beschaf­fen sein, daß Lehr­amt und aka­de­mi­sche Theo­lo­gie nicht dar­an vor­bei­kom­men kön­nen.

Die Ver­wir­rung muß sich end­lich ent­wir­ren.

Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., Das Pro­blem der Lit­ur­gie­re­form – Die Mes­se des II. Vati­ca­num und Pauls VI., Eine theo­lo­gi­sche und lit­ur­gi­sche Stu­die, Ver­ei­ni­gung St. Pius X., Stutt­gart 2001, 112 S., erhält­lich über Sar­to-Ver­lag, www.sarto.de

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Kate­chist, gelang­te über die öst­li­chen Riten zur Tra­di­tio­nel­len Latei­ni­schen Mes­se

Bild: Wikicommons/Ars Chri­stia­na

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  1. Kla­re Vor­ga­ben durch das Kon­zil v. Tri­ent; die­ses hat in der 7. Sit­zung Fol­gen­des dog­ma­tisch fest­ge­legt:
    -
    6.
    Wenn jemand behaup­tet der Mess Kanon ent­hal­te eini­ge Feh­ler und man müs­se es abschaf­fen, der sei Ana­te­ma
    [.…]
    13.  
    Wenn jemand behaup­tet, die von der katho­li­schen Kir­che über­lie­fer­ten und geneh­mig­ten, in der fei­er­li­chen Ver­wal­tung der Sakra­men­te zu beob­ach­ten übli­chen Gebräu­che, kön­nen ent­we­der miss­ach­tet, oder, ohne Sün­de, von den Ver­wal­tern nach Belie­ben weg­ge­las­sen, oder von jeg­li­chem Kir­chen­hir­ten mit ande­ren neu­en Riten aus­ge­tauscht wer­den, der sei im Bann.
    -

    Wir erin­nern uns:
    Kar­di­nal Bugni­ni hat die „Neue Mes­se“ unter Mit­ar­beit von sechs pro­te­stan­ti­schen „Beob­ach­tern” ver­faßt.
    Die­se waren dem Rat für die Lit­ur­gie­re­form zuge­teilt !

    Das Resul­tat ist bekannt !

  2. Von der Lex oran­di zur Lex creden­di ist es nicht weit!
    Und genau das war die Absicht der lit­ur­gi­schen „Erneue­rer“, bes­ser gesagt der lit­ur­gi­schen Abriß­kom­mis­si­on, näm­lich die Pro­te­stan­ti­sie­rung (mein Vater sag­te immer: die „Ver­blau­ung“) der katho­li­schen Kir­che.
    Was hat man uns alles vor­ge­gau­kelt! Ein „neu­er Früh­ling“ soll­te in der Kir­che aus­bre­chen, selbst die Fern­ste­hen­den wür­den wie­der in die Kir­chen strö­men, denn jetzt sei man ja end­lich „modern und auf­ge­schlos­sen“, jeder ver­stün­de, was am Altar geschieht usw. usf. Viel­leicht haben das ja eini­ge von den Moder­ni­sten und Bil­der­stür­mern selbst geglaubt, und man­che glau­ben es wohl heu­te immer noch, wenn sie uns von den „Früch­ten des Kon­zils“ erzäh­len. Ich habe jeden­falls noch nir­gends sol­che Früch­te ange­trof­fen, denn das genaue Gegen­teil ist ein­ge­tre­ten: hor­ren­der Prie­ster­man­gel, Rück­gang der Got­tes­dienst­be­su­cher um bis zu 90 %, der Glau­be ist bin­nen einer Genera­ti­on „ver­dun­stet“, wie ein deut­scher Bischof erst kürz­lich beklag­te. Er ver­gaß aber zu sagen, war­um das wohl so gekom­men ist.
    Den­ken wir ein­mal zurück an die Zeit vor 1962 (dem Beginn des Kon­zils): Die Kir­chen waren voll, die Klö­ster blüh­ten und konn­ten sich über Nach­wuchs­man­gel nicht bekla­gen, die Prie­ster­se­mi­na­re waren gut aus­ge­la­stet, es gab in wei­ten Tei­len des Lan­des (ich spre­che von West-Deutsch­land) Bekennt­nis­schu­len, zahl­rei­che sozia­le Ein­rich­tun­gen, wie Kran­ken­häu­ser, Alten­hei­me etc., stan­den unter geist­li­cher Lei­tung. Die im Krieg zer­stör­ten Kir­chen wur­den wie­der auf­ge­baut, neue kamen hin­zu (über deren Aus­stat­tung wol­len wir jetzt nicht reden), kurz­um: kein halb­wegs ver­nünf­ti­ger Mana­ger hät­te ein Unter­neh­men, was sich in solch sta­bi­lem und blü­hen­den Zustand befand, umfas­send umge­stal­ten wol­len. Ist es da ein Wun­der, wenn ein bri­ti­scher Wis­sen­schaft­ler öffent­lich frag­te: Ist die katho­li­sche Kir­che ver­rückt gewor­den?

  3. Fort­set­zung:
    IST DIE KATHOLISCHE KIRCHE VERRÜCKT GEWORDEN?

    Die­se Fra­ge stell­te der bri­ti­sche Gelehr­te John Epp­stein vor mehr als 50 Jah­ren, und wenn man die heu­ti­ge trau­ri­ge Rea­li­tät betrach­tet, so erscheint die­se Fra­ge mehr als berech­tigt.
    Denn: Kir­chen und Prie­ster­se­mi­na­re wer­den geschlos­sen und pro­fa­niert, ein Klo­ster nach dem ande­ren wird auf­ge­löst, man­gels Nach­wuchs, und die noch ver­blie­be­nen mutie­ren zu Alters­hei­men mit Insas­sen von 70 Jah­ren auf­wärts, die Eucha­ri­sti­sche Anbe­tung ist so gut wie aus­ge­stor­ben, das Fron­leich­nams­fest wird zu allen mög­li­chen Events miß­braucht, aber der eigent­li­che Sinn des Festes, näm­lich die Ver­eh­rung des ver­bor­ge­nen Got­tes, ist völ­lig in den Hin­ter­grund getre­ten. Der Taber­na­kel wur­de in eine dunk­le Ecke ver­bannt, das Buß­sa­kra­ment ist fast gänz­lich aus dem öffent­li­chen Bewußt­sein geschwun­den, statt­des­sen gibt es soge­nann­te Buß­an­dach­ten, in denen von Buße allen­falls — wenn über­haupt — am Ran­de die Rede ist (ein benach­bar­ter Pfar­rer tat fol­gen­den Aus­spruch: Ich betre­te das „Wochen­end­häus­chen“ erst gar nicht; gemeint war der Beicht­stuhl!), unse­re Bischö­fe lau­fen dem Zeit­geist hin­ter­her, haben Ver­ständ­nis für alles und jeden, nur nicht für die klei­ne Her­de der dif­fa­mier­ten Tra­di­tio­na­li­sten, ein Kar­di­nal (Leh­mann mit Namen) bekun­det öffent­lich, daß er nicht an die Kir­che glaubt (sic!), die Sonn­tags­got­tes­dien­ste wer­den zu Kaf­fee­kränz­chen und — je nach Jah­res­zeit — Kar­ne­vals- oder Ern­te­dank­fe­sten miß­braucht, am Altar, der mehr einer Kiste als einem Opfer­tisch ähnelt, tum­meln sich alle mög­li­chen Gestal­ten und machen in „Action“, die hl. Kom­mu­ni­on wird ver­teilt wie Pom­mes an der Imbiß­bu­de etc.pp.
    Doch das alles wird uns als „neu­er Früh­ling“ und „Auf­bruch in die neue Zeit“ ver­kauft.
    Begon­nen hat es zwei­fels­frei mit dem Abbruch der alten Lit­ur­gie, und da steck­te von Anfang an System und Absicht dahin­ter.

  4. Da möch­te ich wie­der aus dem Gedicht (ist ein pro­phe­ti­sches Gedicht über die für ihn damals noch zukünf­ti­ge nega­ti­ve Ent­wick­lung) von Pfar­rer Franz Sales Hand­wer­cher (1830) zitie­ren:
    …
    (5. Sonn­tag:)
    „…Da ich nun das Inne­re schau­te,
    Hat sich mir das Herz empö­ret;
    Bet­stühl, Kan­zel und Altä­re
    sind gestür­zet und zer­stö­ret.“
    ….
    (6. Sonn­tag:)
    „…Und es wur­den alle Stüh­le (=Beicht­stüh­le)
    Samt den Prie­stern, die drin saßen,
    Dort­hin, wo sie nie­mand scha­den,
    In die Wüste fort­ge­bla­sen.“ ….

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