Zwei weitere herausragende Stimmen für die „Dubia“ — Den „Großverwirrern“ in den Weg stellen

Die Dubia und Amoris laetitia, die Unauflöslichkeit der Ehe und die "Großverwirrer".
Die Dubia und Amoris laetitia, die Unauflöslichkeit der Ehe und die "Großverwirrer".

(Rom) Die Liste der hohen Kir­chen­ver­tre­ter, die sich auf die Sei­te der Befür­wor­ter oder der Geg­ner der Dubia (Zwei­fel) stel­len, wird immer län­ger. Fest steht dabei, daß die Argu­men­te der Dubia-Unter­stüt­zer fun­dier­ter gedacht und vor­ge­bracht sind. Nun kamen zwei bedeu­ten­de Stim­men dazu.

Die Dubia (Zwei­fel) wur­den von den vier nam­haf­ten Kar­di­nä­len Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner am 19. Sep­tem­ber 2016 bei der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re ein­ge­bracht. Sie bestehen im Kern aus fünf Fra­gen, die an Papst Fran­zis­kus gerich­tet sind und mit einem ein­fach Ja oder Nein beant­wor­tet wer­den kön­nen. Kon­kret for­dern die Kar­di­nä­le vom Papst eine Klä­rung umstrit­te­ner Pas­sa­gen im nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia, beson­ders den VIII. Kapi­tels, die wegen ihrer zwei­deu­ti­gen For­mu­lie­run­gen gro­ße Ver­wir­rung in die Kir­che gebracht haben. Oder wie Kar­di­nal Car­lo Caf­farra, einer der vier Unter­zeich­ner, es im Janu­ar for­mu­lier­te:

„Nur ein Blin­der kann leug­nen, daß wegen Amo­ris lae­ti­tia in der Kir­che die größ­te Ver­wir­rung herrscht.“

Da sich Papst Fran­zis­kus wei­gert, die Fra­gen zu beant­wor­ten, mach­ten die vier Unter­zeich­ner ihre Dubia am 14. Novem­ber öffent­lich bekannt. Seit­her steht Fran­zis­kus mit dem Rücken zur Wand, was sein Umfeld zu har­ten und teils wüsten Angrif­fen gegen die Unter­zeich­ner ver­an­laß­te. Die­se hal­ten jedoch an ihren Fra­gen fest.

Der Papst ist recht­lich nicht gezwun­gen, auf die Fra­gen zu ant­wor­ten. Mora­lisch aller­dings steht er unter Druck. Ein Papst, der nicht bereit ist, auf Fra­gen zu zen­tra­len The­men von Glau­ben und Moral Ant­wort zu geben, nährt Zwei­fel, ob er sei­ne Amts­pflich­ten erfüllt und dem Petrus­dienst gewach­sen ist. Die Kar­di­nä­le lie­ßen durch­blicken, daß sie – soll­te Fran­zis­kus an sei­ner Ver­wei­ge­rungs­hal­tung fest­hal­ten – eine „brü­der­li­che Zurecht­wei­sung“ vor­neh­men könn­ten, indem sie die Fra­gen beant­wor­ten, deren Beant­wor­tung der Papst ablehnt. Die Fol­ge wäre ein offen­sicht­li­cher und schwer­wie­gen­der Image­scha­den für Fran­zis­kus.

Im Dezem­ber 2016 wur­de dar­über spe­ku­liert, daß der argen­ti­ni­sche Papst, soll­te es zu eng wer­den, sogar die Not­brem­se zie­hen und abdan­ken könn­te, bevor es zu einer öffent­li­chen Zurecht­wei­sung kommt. Er selbst, so die kol­por­tier­te Nach­richt eines Spie­gel-Jour­na­li­sten den Tat­sa­chen ent­spricht, habe in etwa zur glei­chen Zeit im eng­sten Kreis nicht aus­ge­schlos­sen, daß er als Papst in die Geschich­te ein­ge­hen könn­te, unter dem es zu einer Kir­chen­spal­tung kommt. Ob das eine oder das ande­re Sze­na­rio ein­tritt: Es lie­gen dunk­le Wol­ken über dem der­zei­ti­gen, von den Mas­sen­me­di­en äußerst wohl­wol­lend beglei­te­ten Pon­ti­fi­kat, das die Kir­chen­kri­se zu beschleu­ni­gen scheint.

Kardinal John Onaiyekan und die Kirche Afrikas

John Kardinal Onaiyekan
John Kar­di­nal Onai­ye­kan

Die bei­den hohen Kir­chen­ver­tre­ter, die nun für die Dubia Par­tei ergrif­fen haben, sind John Kar­di­nal Onai­ye­kan, der Erz­bi­schof von Abu­ja in Nige­ria, und Bischof Juan Anto­nio Reig Pla von Alcalá de Hen­a­res bei Madrid.

Kar­di­nal Onai­ye­kan ist eine der ein­fluß­reich­sten und her­aus­ra­gen­den Gestal­ten der Kir­che in Afri­ka. Auf die­sem Kon­ti­nent wächst die katho­li­sche Kir­che seit Jah­ren weit­aus am schnell­sten. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren nahm die Zahl der Katho­li­ken dort um gan­ze 20 Pro­zent zu.

John Allen vom US-Por­tal Crux führ­te ein aus­führ­li­ches Inter­view mit dem Kar­di­nal, bei dem auch über Amo­ris lae­ti­tia und die Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten gespro­chen wur­de. Die Ant­wort des Kar­di­nals lau­te­te:

„Es gibt nichts, was der Papst gesagt hät­te, wor­an wir nicht schon seit län­ge­rem mehr oder weni­ger auf der­sel­ben Linie arbei­ten. Es kann sein, daß sich ein Mann und eine Frau in einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on befin­den. Das bedeu­tet aber nicht, daß sie exkom­mu­ni­ziert sind. Wir haben immer einen Weg gefun­den, sie auf­zu­neh­men. […] Gleich­zei­tig geben wir ihnen aber zu ver­ste­hen, daß der Emp­fang der hei­li­gen Kom­mu­ni­on ein öffent­li­cher Aus­druck unse­res Glau­bens ist. Wir kön­nen nicht beur­tei­len, was letzt­lich in unse­ren Her­zen ist, daher müs­sen wir Regeln fest­le­gen, die bestim­men, wer die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kann und wer nicht. Unse­re Leu­te wis­sen genau, daß das die Regel ist. […] Mir gefällt, daß der Papst sagt, daß die­se des­halb nicht exkom­mu­ni­ziert sind. Aber zu sagen, daß jemand nicht exkom­mu­ni­ziert ist, heißt nicht, daß er die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen darf.“

Dar­auf ange­spro­chen, ob es in Afri­ka in der Kir­che ein gro­ße Debat­te dazu gibt, sag­te der Kar­di­nal:

„Gibt es in der Kir­che zu die­sem The­ma eine gro­ße Dis­kus­si­on? Das stimmt nicht ganz. Es mag eini­ge Theo­lo­gen geben, die da und dort dar­über reden, aber mit Sicher­heit hört man in ande­ren Tei­len nicht viel dar­über, zum Bei­spiel in den Bischofs­kon­fe­ren­zen.“

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster schrieb zum Inter­view, daß die­se von Kar­di­nal Onai­ye­kan zum Aus­druck gebrach­te Posi­ti­on „für fast die gesam­te afri­ka­ni­sche Kir­che“ gilt, wie auch der nige­ria­ni­sche Theo­lo­ge Pau­li­nus Odozor in einem Inter­view mit dem bri­ti­schen Tablet vom 21. März bestä­tig­te. Laut Odozor ist die Kon­tro­ver­se, die anders­wo die Katho­li­zi­tät spal­tet, „in Afri­ka bereits seit lan­gem geklärt“.

Bischof Reigs Richtlinien „von vorbildlicher Knappheit und Klarheit“

Bischof Reig, Streiter für die Ungeborenen
Bischof Reig, Strei­ter für die Unge­bo­re­nen

Der zwei­te hohe Kir­chen­ver­tre­ter, der sich auf die Sei­te der Dubia-Unter­zeich­ner stell­te, ist Msgr. Juan Anto­nio Reig Pla, die wohl her­aus­ra­gend­ste Gestalt des spa­ni­schen Epis­ko­pats. Der Bischof zählt zu den cou­ra­gier­ten Bischö­fen, die es wagen, gele­gen und unge­le­gen ihre Stim­me zu erhe­ben. Wegen sei­ner Kri­tik an der Ein­füh­rung eines „Homophobie“-Straftatbestandes, den er als „Maul­korb­er­laß“ gegen die Mei­nungs- und Reli­gi­ons­frei­heit kri­ti­sier­te, droh­te dem Ver­tei­di­ger des Lebens­rechts unge­bo­re­ner Kin­der ein Straf­ver­fah­ren. Am 20. März ver­öf­fent­lich­te er Richt­li­ni­en für Kle­rus und Gläu­bi­ge sei­nes Bis­tums zur Umset­zung des umstrit­te­nen VIII. Kapi­tels von Amo­ris lae­ti­tia.

Bischof Reig betont dar­in, daß die davon Betrof­fe­nen von den Seel­sor­gern zu beglei­ten sind:

„Auf einem Weg, der sie Schritt für Schritt immer mehr Chri­stus annä­hert durch die Ver­tie­fung des Evan­ge­li­ums der Ehe, die von Gott von Anfang an als unauf­lös­li­che Ver­bin­dung zwi­schen einem Mann und einer Frau geschaf­fen wur­de. […] Das Ziel die­ses Weges [der Beglei­tung] ist es, daß auch die­se Getauf­ten in Über­ein­stim­mung mit dem Wort Jesu leben kön­nen. Nur wenn sie bereit sein wer­den, die­sen Schritt zu set­zen, kön­nen sie die sakra­men­ta­le Los­spre­chung und die hei­li­ge Eucha­ri­stie emp­fan­gen.“

Und wei­ter:

„Daher gilt es kon­kret zu berück­sich­ti­gen, daß die Kir­che auf der Grund­la­ge der Hei­li­gen Schrift und der Tra­di­ti­on „ihre Pra­xis bekräf­tigt, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen nicht zur eucha­ri­sti­schen Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen. Sie sind es, die eine Zulas­sung nicht mög­lich machen, da ihr Sta­tus und ihre Lebens­ver­hält­nis­se objek­tiv jener Lie­bes­ver­bin­dung zwi­schen Chri­stus und der Kir­che wider­spre­chen, die durch die Eucha­ri­stie aus­ge­drückt und umge­setzt wird.“

Magi­ster schrieb zu den Richt­li­ni­en von Bischof Reig, daß sie „von vor­bild­li­cher Knapp­heit und Klar­heit“ sind.

Wider die „Großverwirrer“

Der "Großverwirrer" Vincenzo Paglia
Der „Groß­ver­wir­rer“ Vin­cen­zo Paglia

Der Bischof von Alcalá de Hen­a­res ver­weist dar­in unter ande­rem auf eine Inter­pre­ta­ti­ons­hil­fe zu Amo­ris lae­ti­tia, die von drei Dozen­ten des Päpst­li­chen Insti­tuts Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie ver­öf­fent­licht wur­den, die sich eben­falls in „voll­kom­me­ner Kon­ti­nui­tät mit dem über­lie­fer­ten Lehr­amt der Kir­che“ zu die­sem The­ma befin­den. Das Insti­tut wur­de von Papst Johan­nes Paul II. errich­te­te wor­den, um hoch­qua­li­fi­zier­te Ver­tei­di­ger des Ehe­sa­kra­ments und der Fami­lie für die Kir­che zur Ver­fü­gung zu haben. Papst Fran­zis­kus zog aber kei­nen ein­zi­gen Ver­tre­ter des Insti­tuts zur Vor­be­rei­tung der dop­pel­ten Bischofs­syn­ode hin­zu und berief auch kei­ne Insti­tuts­ver­tre­ter als Con­sul­tor oder Beob­ach­ter zur Syn­ode. Auch an der Aus­ar­bei­tung von Amo­ris lae­ti­tia war nie­mand aus die­sem Exper­ten­kreis betei­ligt.

Die Mar­gi­na­li­sie­rung der haus­ei­ge­nen Fach­kräf­te läßt sich nur mit deren Hal­tung erklä­ren. Sie signa­li­siert deut­li­cher als vie­le Wor­te, daß Fran­zis­kus mit der Bischofs­syn­ode und Amo­ris lae­ti­tia ande­re Zie­le ver­folg­te, jeden­falls nicht die Stär­kung und Bekräf­ti­gung die­ser Hal­tung und damit das über­lie­fer­te Lehr­amt.

Weni­ge Mona­te nach Ver­öf­fent­li­chung von Amo­ris lae­ti­tia stell­te Fran­zis­kus das Päpst­li­che Insti­tut Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie unter Auf­sicht. Der Direk­tor des Insti­tuts wur­de ent­las­sen und mit der Ernen­nung von Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia zum Groß­kanz­ler ein „Groß­ver­wir­rer“, so Magi­ster“, dem Insti­tut vor­ge­setzt. Paglia war jahr­zehn­te­lang geist­li­cher Assi­stent der Gemein­schaft von Sant’Egidio, der er ange­hört.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: dongiorgio/religionsforpeace/Corrispondenza Roma­na

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