„Dunkle“ Kurienreform: Eine neue Kommission soll den Kampf gegen Liturgiemißbrauch behindern

Papst Franziskus: Kurienreform unter dem Licht der Sonne und "im Dunkeln". Neue Liturgiereform soll Liturgiemißbrauch nicht bekämpfen, sondern die Bekämpfung behindern
Papst Franziskus: Kurienreform unter dem Licht der Sonne und "im Dunkeln". Neue Liturgiereform soll Liturgiemißbrauch nicht bekämpfen, sondern die Bekämpfung behindern

(Rom) „Die Kuri­en­re­form, die Papst Fran­zis­kus umsetzt, erfolgt zum Teil unter dem Licht der Son­ne, zum Teil im Dun­keln“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster über die Reform der Römi­schen Kurie, die Papst Fran­zis­kus im April 2013 zu einem Teil sei­nes Regie­rungs­pro­gramms erklärt hat­te.

Unter den jüng­sten Maß­nah­men, die „im Dun­keln“ getrof­fen wur­den, sind zwei „emble­ma­tisch“, so Magi­ster.

Glaubenskongregation

Eine Maß­nah­me wur­de vom Vati­ka­ni­sten Mar­co Tosat­ti am ver­gan­ge­nen 26. Dezem­ber ent­hüllt, indem er bekannt­mach­te, daß ein Dikaste­ri­en­lei­ter vom Papst den Befehl erhal­ten hat­te, drei sei­ner Offi­zia­len zu ent­las­sen,

„ohne zu begrün­den war­um und ohne Ein­spruch zu akzep­tie­ren“.

Inzwi­schen ist bekannt, daß es sich dabei um die erste unter allen Kon­gre­ga­tio­nen han­del­te, um die von Kar­di­nal­prä­fekt Ger­hard Mül­ler gelei­te­te Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Die drei von heu­te auf mor­gen vor die Tür gesetz­ten Mit­ar­bei­ter genos­sen das unge­teil­te Ver­trau­en ihres Prä­fek­ten. Kar­di­nal Mül­ler war bereits zuvor Ziel­schei­be öffent­li­cher päpst­li­cher Demü­ti­gun­gen gewor­den.

Wer aber ist der ehe­ma­li­ge Offi­zi­al unter den drei Ent­las­se­nen, der per­sön­lich von Papst Fran­zis­kus tele­fo­nisch hart gemaß­re­gelt wur­de, weil er sich kri­tisch zu eini­gen päpst­li­chen Ent­schei­dun­gen geäu­ßert hat­te, was dem Papst durch Denun­zi­an­ten zu Ohren gekom­men ist?

Die Ant­wort gibt nun San­dro Magi­ster. Es han­delt sich um den 1970 gebo­re­nen nie­der­län­di­schen Prie­ster Chri­sto­phe J. Krui­jen. Der aner­kann­te Theo­lo­ge, der 2000 zum Prie­ster geweiht wur­de, ist seit 2009 an der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on tätig. 2010 wur­de ihm von der fran­zö­si­schen Bot­schaft beim Hei­li­gen Stuhl der renom­mier­te Prix Hen­ri De Lub­ac ver­lie­hen. Die Ver­lei­hung erfolg­te ein­stim­mig durch eine Jury, der unter ande­ren die Kar­di­nä­le Geor­ges Cot­tier, Albert Van­ho­ye und Paul Pou­pard ange­hör­ten. Krui­jen wur­de für sei­ne Dis­ser­ta­ti­on zum The­ma „Le salut uni­ver­sel. Ou Dou­ble issue du juge­ment“ (Heils­uni­ver­sa­li­tät oder dop­pel­tes Ergeb­nis des Gerichts: Hof­fen für alle? Bei­trag zu einem kri­ti­schen Stu­di­um einer zeit­ge­nös­si­schen theo­lo­gi­schen Mei­nung bezüg­lich der Ver­wirk­li­chung der Ver­damm­nis) geehrt, die an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Hei­li­ger Tho­mas von Aquin unter der Lei­tung sei­nes Dok­tor­va­ters, des Domi­ni­ka­ner­theo­lo­gen Charles More­rod, appro­biert wur­de, der spä­ter Rek­tor die­ser Uni­ver­si­tät wur­de und heu­te Bischof von Lau­sanne, Genf und Frei­burg ist.

Die „Novis­si­ma“, die Letz­ten Din­ge, also Tod, Gericht, Him­mel und Höl­le, sind Krui­jens wis­sen­schaft­li­cher For­schungs­schwer­punkt. Er ver­öf­fent­lich­te jedoch auch ein „her­vor­ra­gen­des“ (Magi­ster) Buch über die vor­mals jüdi­sche Phi­lo­so­phin Edith Stein, die 1922 zum katho­li­schen Glau­ben kon­ver­tier­te und als Kar­me­li­tin Sr. Tere­sia Bene­dic­ta a Cruce 1942 als Süh­ne­see­le in Ausch­witz ermor­det wur­de. 1988 wur­de sie von Papst Johan­nes Paul II. hei­lig­ge­spro­chen. Das Buch „Bénie par la Croix. L’ex­pia­ti­on dans l’o­eu­vre et la vie d’E­dith Stein“ erschien am 1. Novem­ber 2009. Sei­ne Publi­ka­ti­ons­tä­tig­keit in fran­zö­si­scher Spra­che führ­te dazu, daß es in ersten Berich­ten irr­tüm­lich hieß, einer der drei auf Befehl des Pap­stes ent­las­se­nen Offi­zia­le sei Fran­zo­se.

Weder in Krui­jens Schrif­ten noch in sei­nen öffent­li­chen Reden fin­det sich irgend­ein Wort der Kri­tik an Papst Fran­zis­kus. Es genüg­te jedoch die Behaup­tung eines Denun­zi­an­ten, der ein pri­va­tes Gespräch mit­ge­hört haben will, damit Krui­jens beim Papst der­ma­ßen in Ungna­de fiel, daß gleich das „Fall­beil“ auf ihn nie­der­ge­las­sen wur­de.

„Auch davon ist die Kuri­en­re­form gemacht, die nach dem Befehl und im Stil Jor­ge Mario Ber­go­gli­os durch­ge­führt wird“, so Magi­ster.

Die Gottesdienstkongregation

Die zwei­te Maß­nah­me „im Dun­keln“ betrifft die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, der Kar­di­nal Robert Sarah als Prä­fekt vor­steht. Auch er war bereits Ziel­schei­be wie­der­hol­ter Demü­ti­gun­gen durch den Papst. Fran­zis­kus setz­te den offen­sicht­lich unge­lieb­ten Kar­di­nal Sarah nicht ab, was öffent­li­ches Auf­se­hen erre­gen und dem eige­nen Image scha­den wür­de, son­dern bau­te die Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on um. Er tat es auf eine sol­che Wei­se, daß Kar­di­nal Sarah heu­te eine Kon­gre­ga­ti­on lei­tet, die gegen ihren Prä­fek­ten arbei­tet.

Papst Fran­zis­kus ließ eine Kom­mis­si­on instal­lie­ren, die vom Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on, Kuri­en­erz­bi­schof Arthur Roche, gelei­tet wird. Auf­ga­be die­ser Kom­mis­si­on ist es nicht, Dege­ne­rie­run­gen der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970 zu kor­ri­gie­ren, die in Form von Lit­ur­gie­miß­brauch als schwer­wie­gen­des Ärger­nis auf­tre­ten, dar­un­ter auch im deut­schen Sprach­raum. Auf­ga­be die­ser Kom­mis­si­on ist viel­mehr „das genaue Gegen­teil“, so Magi­ster. Sie soll eine der letz­ten Mau­ern des Wider­stan­des gegen den Miß­brauch nach­kon­zi­lia­rer Lit­ur­gi­ker und Möch­te­gern-Lit­ur­gi­ker demo­lie­ren. Gemeint ist die Instruk­ti­on Lit­ur­gi­am authen­ti­cam, die 2001 erlas­sen wur­de und die Kri­te­ri­en fest­legt, nach denen die ver­bind­li­chen latei­ni­schen, lit­ur­gi­schen Tex­te in die Volks­spra­chen zu über­set­zen sind.

Unter Papst Bene­dikt XVI. waren die­se Kri­te­ri­en noch ver­stärkt wor­den, beson­ders mit Blick auf die Wand­lungs­wor­te, wo Bene­dikt die drin­gen­de Not­wen­dig­keit erkann­te, die Über­set­zung von „pro mul­tis“ als „für alle“ in „für vie­le“ zu kor­ri­gie­ren. In eini­gen Sprach­räu­men wur­de die­se ver­bind­li­che Anwei­sung inzwi­schen umge­setzt, ande­re lei­sten hart­näcki­gen Wider­stand und ver­zö­gern die Umset­zung immer neu, dazu gehört vor allem der deut­sche Sprach­raum.

„Fran­zis­kus gab von Anfang an zu ver­ste­hen, daß ihm die Sache völ­lig gleich­gül­tig ist. Nun kommt er mit der Ein­rich­tung die­ser Kom­mis­si­on den Ide­en jener ent­ge­gen, die eine Moder­ni­sie­rung der lit­ur­gi­schen Spra­che ver­tre­ten wie bei­spiels­wei­se der Lit­ur­gi­ker Andrea Gril­lo, der Pro­fes­sor am Päpst­li­chen Athe­nä­um Sant’Anselmo der Bene­dik­ti­ner ist und in San­ta Mar­ta sehr geschätzt wird“, so Magi­ster.

Der Vati­ka­nist geht noch wei­ter:

„Man­che befürch­ten, daß nach der Demo­lie­rung von Lit­ur­gi­am authen­ti­cam das Motu pro­prio Summo­rum Pon­ti­fi­cum ins Visier die­ser oder einer ande­ren Kom­mis­si­on gera­ten könn­te, das Doku­ment, mit dem Bene­dikt XVI. die Zele­bra­ti­on der Hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus frei­ge­ge­ben hat.“

Selbst wenn es der­zeit kei­ne sol­chen Absich­ten geben soll­te, ist die gegen­über Magi­ster geäu­ßer­te Befürch­tung ein bedenk­li­cher Grad­mes­ser für das schlech­te und sor­gen­vol­le Kli­ma im Vati­kan.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL (Screen­shot)

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2 Kommentare

  1. Alle, wel­che bei sol­chen Säu­be­run­gen mit­ge­macht haben wer­den es- wenn wie­der ein ande­rer Wind weht-das kann kurz über lang sein- als graue Emi­nen­zen dann sehr schwehr haben.Die Lit­ur­gie ist das Herz­stück unse­res Glau­bens des­halb das emp­find­lich­ste Ele­ment des gläu­bi­gen Christen.Wer dar­an rührt ver­ur­sacht gro­ssen Schaden.In allen Stür­men der gott­lo­sen kom­mu­ni­sti­schen Ver­fol­gung in Russ­land war der Befehl der Tyran­nen es dür­fe nichts geän­dert wer­den im Got­tes­dienst um so den Ana­chro­nis­mus die­ser Sache auf­zu­zei­gen, was sich dann von selbst ergä­be und die Ver­nich­tung der Reli­gi­on her­bei­füh­ren werde.das pure Gegen­teil erfolg­te-heu­te ist die dor­ti­ge Kir­che gran­di­os und stark “ es ist ein Wun­der in unse­ren Augen“ so der Patri­arch anläss­lich des gro­ssen Jubi­lä­ums zur 1000 Jahr­fei­er der Rus.Treue und Ver­läss­lich­keit sind hohe Wer­te.
    .“ Wann wer­den sie ihre Lit­ur­gie nach Sche­ma Bugni­ni ändern „wur­de eine Emi­gran­tin in Paris gefragt.Die Ant­wort promt: 20 Jah­re nach dem Welt­un­ter­gang!“

  2. Das SP von Papst Bene­dict XVI. kann der Papst zurücknehmen.Nun und was pas­siert dann? Es kommt nicht zum Schisma.Der Nom hat kei­ne Zukunft. Es gibt ein welt­wei­tes Bewusst­sein für die Wich­tig­keit und Rich­tig­keit des über­lie­fer­ten Ritus. Das ver­dankt die Mensch­heit kei­nem gerin­ge­ren als Papst Benedict.So lan­ge bis zum jüng­sten Gericht und so lan­ge es Men­schen gibt, wird es den über­lie­fer­ten Ritus geben. Papst Fran­zis­kus kann gar nichts .

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