Kardinal McElroy bekämpft knienden Kommunionempfang

Traditionelle Formen bekämpfen


Kardinal McElroy will in seiner Erzdiözese Washington den knienden Kommunionempfang zurückdrängen
Kardinal McElroy will in seiner Erzdiözese Washington den knienden Kommunionempfang zurückdrängen

Der pro­gres­si­ve US-ame­ri­ka­ni­sche Kar­di­nal Robert McEl­roy, von Papst Fran­zis­kus zum Pur­pur erho­ben und als Erz­bi­schof von Washing­ton instal­liert, steht erneut im Zen­trum kirch­li­cher Kon­tro­ver­sen. Wäh­rend er sich selbst als Ver­tre­ter eines pasto­ral „offe­nen und syn­oda­len“ Kir­chen­ver­ständ­nis­ses prä­sen­tiert, wächst die Kri­tik an sei­nem lit­ur­gi­schen und dis­zi­pli­nä­ren Kurs. Jüngst sor­gen Berich­te über neue Vor­ga­ben zur Kom­mu­ni­ons­pen­dung für erheb­li­chen Unmut.

Nach Infor­ma­tio­nen der Jour­na­li­stin Chri­sti­ne Niles (Stell­ama­ris Media) soll McEl­roy in sei­ner Diö­ze­se Maß­nah­men befür­wor­tet bzw. fak­tisch durch­ge­setzt haben, die die Ver­wen­dung von Kom­mu­ni­on­bän­ken, auch mobi­len Knie­bän­ken in Kir­chen ver­bie­ten. Damit soll die Mög­lich­keit, die hei­li­ge Kom­mu­ni­on kniend und an einer Kom­mu­ni­on­bank zu emp­fan­gen, wei­ter ein­ge­schränkt wer­den. In den ent­spre­chen­den Noti­zen eines Tref­fens mit Prie­stern heißt es dem­nach, daß „kei­ne Instal­la­ti­on oder Wie­der­in­stal­la­ti­on von Altar- bzw. Kom­mu­ni­on­bän­ken erlaubt“ sei. Auch mobi­le Knie­vor­rich­tun­gen wür­den dem­nach nicht empfohlen.

Begrün­det wird die­se Linie unter ande­rem mit prak­ti­schen Erwä­gun­gen: Man wol­le „Unter­bre­chun­gen im Kom­mu­ni­ongang ver­mei­den“ und „mög­li­che Sicher­heits­pro­ble­me“ aus­schlie­ssen. Kri­ti­ker hal­ten die­se Argu­men­ta­ti­on für wenig über­zeu­gend, da kon­kre­te Gefah­ren nicht näher erläu­tert wür­den. Durch Jahr­hun­der­te bestand die gesam­te Pra­xis des Kom­mu­nion­emp­fangs aus der knien­den Mund­kom­mu­ni­on, ohne daß „Sicher­heits­pro­ble­me“ geäu­ßert wur­den. Daher wird der Ver­dacht geäu­ßert, es gehe Kar­di­nal McEl­roy weni­ger um Sicher­heit als viel­mehr um die Nor­mie­rung des ste­hen­den Kommunionempfangs.

Beson­ders umstrit­ten ist in die­sem Zusam­men­hang die Sor­ge, knien­de Gläu­bi­ge könn­ten „Aus­nah­men zur Regel machen“ und so eine in den USA ver­brei­te­te Pra­xis – die ste­hen­de Kom­mu­ni­on – rela­ti­vie­ren. Kri­ti­ker sehen dar­in eine pro­ble­ma­ti­sche Umkeh­rung der lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on, in der das Knien über Jahr­hun­der­te hin­weg als Aus­druck beson­de­rer Ehr­furcht gegen­über der Eucha­ri­stie galt.

Die Maß­nah­men fügen sich in ein grö­ße­res Bild, das von Beob­ach­tern als schlei­chen­de Umge­stal­tung der lit­ur­gi­schen Dis­zi­plin beschrie­ben wird. Erst vor kur­zem war McEl­roy in die Kri­tik gera­ten, nach­dem er den lang­jäh­ri­gen Exor­zi­sten Msgr. Ste­phen Ros­set­ti aus sei­ner Posi­ti­on im Erz­bis­tum Washing­ton ent­las­sen hat­te. Als Begrün­dung wur­de unter ande­rem ange­führt, Msgr. Ros­set­ti habe durch Äuße­run­gen über mög­li­che dämo­ni­sche Ursa­chen bestimm­ter Phä­no­me­ne die Leh­re der Kir­che ver­zerrt. Eine kon­kre­te lehr­amt­li­che Grund­la­ge für die­se Vor­wür­fe war nicht klar erkenn­bar. Viel­mehr hat­te Msgr.Rossetti die von der Kir­che gelehr­te Exi­stenz dämo­ni­scher Kräf­te ins Bewußt­sein gerufen.

Auch McEl­roys kir­chen­po­li­ti­sche Bio­gra­phie bleibt umstrit­ten. Der frü­he­re Bischof von San Die­go in Kali­for­ni­en wird dem Umfeld des ehe­ma­li­gen Kar­di­nals Theo­do­re McCar­ri­ck zuge­rech­net, des­sen Fall zu den größ­ten Miß­brauchs­skan­da­len der jün­ge­ren Kir­chen­ge­schich­te gehört. Hin­zu kom­men Vor­wür­fe, McEl­roy ver­tre­te in ethi­schen Fra­gen, ins­be­son­de­re im Kon­text von Abtrei­bung und Sexu­al­mo­ral, eine rela­ti­vie­ren­de Position.

McEl­roy ist, harm­los aus­ge­drückt, stark an west­li­chen Dis­kur­sen ori­en­tiert und bemüht, tra­di­tio­nel­le For­men der Fröm­mig­keit sowie lit­ur­gi­sche Aus­drucks­wei­sen zurück­zu­drän­gen. McEl­roys Unter­stüt­zer spre­chen von einer Linie, die „Bar­rie­re­frei­heit“ in den Vor­der­grund stelle.

McElroys Aufstieg

McEl­roy hat­te sei­ne Kar­rie­re als Sekre­tär des ultra­pro­gres­siv-homo­phi­len frü­he­ren Erz­bi­schofs von San Fran­cis­co, John Rapha­el Kar­di­nal Quinn (1977–1995), begon­nen, als die Mehr­heit im US-Epi­sko­pat noch fest in pro­gres­si­ver Hand war. Unter Johan­nes Paul II. wur­de die­se Mehr­heit lang­sam zurück­ge­drängt, was einen lan­gen Zeit­raum in Anspruch nahm. Mit ziel­stre­bi­gem „Indiet­ris­mus“ streb­te der argen­ti­ni­sche Papst Fran­zis­kus ab 2013 eine Rück­kehr zu den libe­ra­len Nach-68er-Jah­ren an. Der gro­ße Ein­flü­ste­rer bei den berg­o­glia­ni­schen Bischofs­er­nen­nun­gen war der Homo-Päd­erast Theo­do­re McCar­ri­ck, damals noch mit Kar­di­nals­wür­den ausgestattet.

2015 wur­de McEl­roy von Papst Fran­zis­kus zum Bischof von San Die­go ernannt. 2016 bewarb sich McEl­roy bei den Wah­len der US-Bischofs­kon­fe­renz um das Amt des ein­fluß­rei­chen Vor­sit­zen­den der Kom­mis­si­on Ius­ti­tia et Pax, unter­lag aber einem kon­ser­va­ti­ven Mit­bru­der. Es war das erste Mal seit dem Wech­sel von Bene­dikt XVI. zu Fran­zis­kus, daß sich die pro­gres­si­ven Bischö­fe zäh­len las­sen woll­ten, um zu sehen, wie stark die ein­zel­nen Frak­tio­nen sind. Der römi­sche Pro­tek­tor der McCar­ri­ck-Boys ließ sich von sol­chen Rück­schlä­gen nicht beir­ren. Er war sich sicher, daß ihn jede Neu­er­nen­nung dem Ziel näher­brin­gen würde.

Im Streit um den Kom­mu­nion­emp­fang von Abtrei­bungs­po­li­ti­kern stell­te sich McEl­roy 2019 mit ande­ren pro­gres­si­ven Bischö­fen und unter­stützt von Fran­zis­kus demon­stra­tiv vor Joe Biden und Nan­cy Pelo­si (Joe Biden als päpst­li­ches Ora­kel der „Kom­mu­ni­on für alle“). Das Ziel war, die Abtrei­bungs­fra­ge zu rela­ti­vie­ren und zurück­zu­stu­fen, so wie es Berg­o­glio im ersten Inter­view sei­nes Pon­ti­fi­kats im Sep­tem­ber 2013 ver­kün­det hat­te. McEl­roy führ­te wort­stark die Rela­ti­vie­rer an, doch blie­ben die Pro­gres­si­ven in der Bischofs­kon­fe­renz in der Min­der­heit. Das Ver­hält­nis lag bei etwa zwei Drit­tel zu einem Drittel.

McEl­roy gehört auch zu den ent­schlos­se­nen Ver­fech­tern der kirch­li­chen Homo-Agen­da. Dar­in liegt ein Para­dox: Die katho­li­sche Kir­che wird von den übli­chen Bekann­ten wegen des sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dals (zu Recht, wenn auch oft in der Art unan­ge­mes­sen) ange­grif­fen. Aller­dings ist ein beträcht­li­cher Teil der öffent­li­chen Kri­tik geheu­chelt. Das Haupt­pro­blem, näm­lich der homo­se­xu­el­le Miß­brauch, wird völ­lig ver­schwie­gen. Obwohl Fran­zis­kus durch liai­sons dan­ge­reu­ses mit McCar­ri­ck ver­bun­den war, über­stand er nicht nur die­se schad­los, son­dern konn­te – ohne die gering­ste Main­stream-Schel­te – auch danach noch eine gan­ze Rei­he von McCar­ri­ck-Boys in kirch­li­che Spit­zen­po­si­tio­nen beru­fen. Gleich fünf McCar­ri­ck-Boys ernann­te er zu Kar­di­nä­len, dar­un­ter McEl­roy. Als Diö­ze­san­bi­schö­fe haben McCar­ri­ck-Boys heu­te erheb­li­chen Ein­fluß auf die Kir­che in den USA – nicht nur in der von ihnen geför­der­ten Homo­se­xua­li­sie­rung der Kirche.

2022 ver­lieh Fran­zis­kus den Kar­di­nals­pu­pur an McEl­roy, obwohl die­ser bis dahin nur ein ver­gleichs­wei­se unbe­deu­ten­des Bis­tum gelei­tet hat­te. Noch kurz vor sei­ner letz­ten Ein­lie­fe­rung in die Gemel­li-Kli­nik, berief er McEl­roy noch auf den pre­sti­ge­träch­ti­gen Stuhl des Erz­bi­schofs von Washing­ton – just jenen, den McCar­ri­ck einst inne­hat­te, und der seit­her unun­ter­bro­chen in der Hand von McCar­ri­ck-Boys ver­blieb, womit sich der Kreis wie­der schließt. 

Die Ernen­nung McEl­roys nach Washing­ton war nicht nur ein inner­kirch­li­ches Signal, son­dern auch ein poli­ti­sches – eine offe­ne Kampf­an­sa­ge an den damals soeben gewähl­ten, aber noch nicht ins Amt ein­ge­führ­ten US-Prä­si­den­ten Donald Trump.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Stel​las​ma​ris​.Media/X (Screen­shot)

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