Im Anschluß an die nun schon über zwei Monate zurückliegende Veröffentlichung der Serie über Fatima sei ein Epilog nachgereicht. Dieser verdankt sich besonders dem Wunsch interessierter Leser nach weiterer Information.
Zunächst sei allen für hilfreiche Kommentare gedankt. Dank geht an den Forumsteilnehmer mit dem Forumsnamen 140968 für die positiven Rückmeldungen und die Hinweise auf den Brief an Dr. Michael Hesemann und den Schweizer Fatima-Boten 3/2015, den ich dann auch konsultierte.
Hw. Dr. Joachim Heimerl äußerte sich dahingehend, daß er es für möglich hält, daß die Glaubenskongregation bei der angeblichen Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses am 26. Juni 2000 tatsächlich nicht die volle Wahrheit gesagt hat und daß es noch eine Erklärung der Vision geben muß.
Nun, wenn man sogar im Klerus eine vatikanische Lügenkampagne für möglich hält, dann muß das Vertrauen in die Kirchenstrukturen schon sehr erschüttert sein. Nicht ohne Grund, wie wir wissen. Darum soll die Vertuschung des Jahres 2000 an den Anfang des Epilogs gestellt werden:
Das Dritte Geheimnis und die Glaubenskongregation – Geschichte einer Vertuschung
Wie hier und hier schon thematisiert:
Einige Beobachter kommen zu dem Schluß, daß den Gläubigen nicht die volle Wahrheit gesagt wurde. Der Vatikan und die damalige „Sr. Lucia“ beteuerten zwar, daß „alles“ offenbart wurde, aber das kann unmöglich wahr sein. Der zentrale Teil der Botschaft, nämlich die Worte Mariens, fehlt, die Interpretation der Vision auf das damals schon neunzehn Jahre zurückliegende Attentat auf Johannes Paul II. ist absurd und unglaubhaft.
Der italienische Journalist Antonio Socci, der ursprünglich auf Vatikanlinie war und durch die Arbeit des Journalisten Solideo Paolini und die darauf folgenden eigenen Recherchen davon abkam, hat in Das vierte Geheimnis von Fatima (2006) dargelegt, daß es zwei Originaltexte zum Dritten Geheimnis geben muß, nämlich einen Text, der die Vision erzählt und der allem Anschein nach tatsächlich vom Vatikan veröffentlicht wurde, und einen viel kürzeren, etwa 20 bis 25 Zeilen langen Text, der die Vision erklärt.
Genau das hatte Erzbischof Loris Capovilla, einst Sekretär von Papst Johannes XXIII., in einem Telefonat mit Paolini bestätigt.
Gemäß der vierten Lebensbeschreibung von Sr. Lucia beginnt der kürzere Text mit den Worten „In Portugal wird das Dogma des Glaubens immer bewahrt bleiben etc.“.
Wie wir alle wissen, ging die Erklärung der Glaubenskongregation auf diesen bedeutungsschweren Satz, der in einer Fußnote (!) zitiert wird, überhaupt nicht ein (!).
Selbstverständlich muß man im Vatikan aber mehr gewußt haben:
Am 10. September 1984 sprach der Bischof von Leiria-Fatima, Alberto Cosme do Amaral, während einer Frage-und-Antwort-Runde an der Technischen Universität Wien über das Dritte Geheimnis. Seine Aussage, die in der Februarausgabe 1985 von Mensagem de Fatima veröffentlicht wurden, lautete:
„Das Geheimnis von Fatima spricht weder von Atombomben noch von Atomsprengköpfen, noch von Pershing-Raketen, noch von SS-20-Raketen. Sein Inhalt betrifft ausschließlich unseren Glauben. Das Geheimnis mit katastrophalen Vorhersagen oder einem nuklearen Holocaust gleichzusetzen, bedeutet, die Bedeutung der Botschaft zu verzerren. Der Verlust des Glaubens eines Kontinents ist schlimmer als die Vernichtung einer Nation; und es ist wahr, daß der Glaube in Europa kontinuierlich abnimmt.“
Der Bischof wurde zum Rückruf gezwungen, bestätigte seine Aussage aber nach seiner Emeritierung. Seine Aussage spiegelt sich in der Erklärung der Glaubenskongregation aber nicht wider.
Kardinal Joseph Ratzinger hatte im November 1984 in einem Interview mit Vittorio Messori erklärt, das Dritte Geheimnis enthalte einen radikalen Aufruf zur Bekehrung, die absolute Bedeutsamkeit der Geschichte und die Gefahren, die den Glauben und das Leben des Christen und damit der Welt gefährden, und schließlich die Wichtigkeit der novissimi (der letzten Dinge am Ende der Zeit). All das wird sechzehn Jahre später in der merkwürdig verdrallten Erklärung der Glaubenskongregation nicht aufgegriffen.
Was geht hier eigentlich vor?
Die nächstliegende Frage ist: Haben die Päpste seit Johannes XXIII. mit der Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses deswegen gezögert, weil es sich auf Glaubensabfall und Vernachlässigung der pastoralen Pflichten bezieht, weil es daher für die Inhaber des Petrusamtes nicht schmeichelhaft ist?
Daher sind einige Worte zum Zustand des Petrusamtes angebracht:
Alle, die die rezente Besprechung Das desaströse Pontifikat von Papst Franziskus zur Kenntnis haben, müssen sich über den desaströsen, ja apokalyptischen Zustand der Kirche bewußt sein.
Man fragt sich: Was fehlt hier noch auf die große Apostasie, von der Paulus in 2 Thess 2, 3ff spricht?
Offenbar nicht mehr viel, da sogar eine Verleugnung Jesu Christi durch einen Petrusnachfolger stattfand:
Tiefpunkt des Petrusamtes – der Verrat des Papstes am Ersten Gebot
Wir erinnern uns mit Entsetzen an den 13. September 2024, als Papst Bergoglio zu nüchternster Stunde und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte in Singapur diese ungeheuerliche Aussage tätigte:
„Alle Religionen sind ein Weg, um zu Gott zu gelangen. Sie sind ̶ ich mache einen Vergleich ̶ wie verschiedene Sprachen, verschiedene Idiome, um dorthin zu gelangen. Aber Gott ist Gott für alle. Und weil Gott der Gott für alle ist, sind wir alle Kinder Gottes. ‚Aber mein Gott ist wichtiger als deiner!‘ Ist das wahr? Es gibt nur einen Gott, und wir, unsere Religionen sind Sprachen, Wege zu Gott.“
Das ist bewußter, klarer, entschlossenster Glaubensabfall. Es ist die Zustimmung zur luziferischen Ideologie der Freimaurer und die Verleugnung des Herrn. Es ist der Tiefpunkt der Papstgeschichte. Eine solche Blasphemie hatte nach gängiger Geschichtsschreibung auch der moralisch verkommenste Papst des saeculum obscurum oder der Renaissance nicht von sich gegeben.
Und wie wurde auf diese Ungeheuerlichkeit reagiert, was geschah? Erklärten ihn die Kardinäle wegen Häresie für abgesetzt? Stürmten die Gläubigen den Papstpalast nach seiner Rückkehr nach Rom und jagten ihn aus der Stadt, die die Apostelfürsten mit ihrem Märtyrerblut geheiligt haben? Nein. Alle grinsten nur. Und Papst Leo wähnt Bergoglio jetzt im Himmel. –
Der Zusammenhang mit Fatima kann nur dieser sein:
Nach allen Indizien zu schließen, muß das Dritte Geheimnis, d. h. die im Satz „In Portugal wird das Dogma des Glaubens immer bewahrt bleiben etc.“ durch das „etc.“ angezeigten Aussagen, Glaubensabfall und Vernachlässigung seelsorglicher Pflichten in der Hierarchie zum Inhalt haben, also genau das, was wir ohnehin seit etwa sechs Jahrzehnten fast flächendeckend erleben.1
Das Verhalten der Päpste blieb, insofern es die seit Benedikt XV. tatsächlich geschehene Anerkennung von Fatima betrifft, merkwürdig halbherzig: Besonders die inhaltlichen Botschaften, Unbeflecktes Herz, Sühne, Genugtuung, scheint man nicht gerne zur Kenntnis genommen zu haben. Die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens und die Sühnesamstage sind demzufolge heutzutage in der Weltkirche weitgehend unbekannt, das bei allen sechs Erscheinungen im Jahr 1917 aufgetragene tägliche Rosenkranzgebet ist nur bei einer winzigen Minderheit verbreitet.
Das vatikanoffizielle Weltapostolat von Fatima (WAF) entfaltet keine erkennbare Wirkung auf weltkirchlicher Ebene, die Legio Mariae folgt ebenfalls der offiziellen Vatikanpolitik in Sachen Fatima.
Da der Fisch am Kopf zu stinken beginnt, ist ein Blick auf die päpstliche Politik zu Fatima seit 1917 angebracht:
Die Päpste und das Heilsangebot von Fatima – eine halbherzige Reaktion
Papst Benedikt XV. (1914–1922) erfuhr zeitnahe von den Geschehnissen in Fatima. Sie waren gleichsam eine Gebetserhörung, nachdem er sich feierlich an das Heiligste Herz Jesu auf die Fürsprache Mariens gewandt hatte, um das Ende des Krieges zu erbitten.2 Seine Reaktion auf die Nachricht war die Wiedererrichtung der alten Diözese Leiria am 17. Jänner 1918 und ein Brief im April an die portugiesischen Bischöfe, in dem er die Ereignisse von Fatima als „außerordentliche Hilfe seitens der Muttergottes“ bezeichnete.
Papst Pius XI. (1922–1939) überreichte bei einer Audienz des Portugiesischen Seminars in Rom jedem Seminaristen zwei Bilder Unser Lieben Frau vom Rosenkranz von Fatima. Er wünschte, alle Resultate des kanonischen Prozesses von Fatima zu erfahren, damit er persönlich mit den Erscheinungen Unserer Lieben Frau vertraut würde. Die Pönitentiarie gewährte unter Pius XI. bestimmte Ablässe für Fatimapilger, die für die Intentionen des Papstes beten.
Papst Pius XI. ermächtigte den Bischof von Leiria-Fatima, José Alves Correia da Silva, die Resultate der amtlichen Untersuchung zu verkünden und somit die Erscheinungen vom 13. Mai bis 13. Oktober 1917 anzuerkennen. Das geschah am 13. Mai 1930. Die Obrigkeit mußte schon von den Inhalten der Erscheinungen, also die Botschaften und das „Geheimnis“ vom 13. Juli 1917, zumindest in groben Zügen gewußt haben, weil Sr. Lucia (damals noch keine Ordensfrau) diese bereits 1924 aufgeschrieben und an die Autoritäten weitergeleitet hatte. Nach Mark Fellows wurde das Dokument aber verbrannt.
Wie wir wissen, wurde Pius XI. von der Anordnung der feierlichen Weihe Rußlands und der Promulgation der Sühnesamstage im Gefolge der Botschaft von Tuy am 13. Juni 1929 (mit einiger Verzögerung, nach Frère Michel nach dem Juni 1930 und vor dem 31. August 1931) erreicht, handelte aber nicht danach.
Der „Papst von Fatima“?
Pius XII. (1939–1958) sagte: „Die Zeit an Fatima zu zweifeln, ist vorbei, die Zeit zu handeln, ist jetzt.“ Als die Pilgerstatue durch Italien tourte und sich an allen Orten Wunder ereigneten, rief der Papst aus: „Wir können unseren Augen kaum trauen.“
Im Jahr 1940 sprach Papst Pius zum ersten Mal in einem offiziellen päpstlichen Text über Fatima, nämlich in seiner Enzyklika Saeculo exeunte, die die Kirche in Portugal in ihrer missionarischen Tätigkeit fördern sollte. Dort heißt es: „Mögen die Gläubigen nicht vergessen – besonders wenn sie den Rosenkranz beten, der von der Heiligen Jungfrau von Fatima so empfohlen wurde –, daß sie die jungfräuliche Muttergottes um missionarische Berufungen mit überreicher Frucht für die größtmögliche Zahl von Seelen bitten sollen.“
Er schloß das Rundschreiben so: „Ohne Zweifel wird Gott in Seiner Güte Seinen überreichen Segen über dieses hochherzige Unternehmen und über die überaus noble portugiesische Nation ausgießen. Die Heilige Jungfrau, Unsere Liebe Frau des Rosenkranzes, die in Fatima verehrt wird, die heilige Mutter Gottes, die den Sieg bei Lepanto brachte, wird euch mit Ihrer allerkraftvollsten Hilfe unterstützen.“
Im selben Jahr 1940 gewährte der hl. Vater der neuen Diözese von Nampula in Mozambique Unsere Liebe Frau von Fatima als Patronin.
Im Oktober 1942 weihte Pius XII. die Welt dem Makellosen Herzen Mariens mit einer speziellen Nennung Rußlands. Damit reagierte er auf eine Botschaft, die ihm 1940 von Sr. Lucia übermittelt worden war. Im Jahr 1943 erklärte Sr. Lucia, daß der Herr ihr mitgeteilt hätte, Er würde diesen Weiheakt annehmen, um das Ende des Krieges zu beschleunigen, aber daß der Akt nicht weltweiten Frieden erlangen würde. Tatsächlich wurde der Krieg abgekürzt, aber die Periode des Friedens, die Unsere Liebe Frau versprochen hatte, trat nicht ein, da es eben keine ausdrückliche Weihe Rußlands war und der Weltepiskopat nicht involviert war.
Am 4. Mai 1944 führte der Heilige Stuhl das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens in den Kalender ein (22. August). Dieses ist nach der desaströsen Liturgie- und Kalenderreform 1970 praktisch verschwunden.
Am 13. Oktober 1951 wurde der Legat des Papstes, Kardinal Tedeschini, zum Abschluß des Heiligen Jahres nach Fatima gesandt. Er sagte öffentlich, daß Pius XII. selbst das Fatima-Sonnenwunder in Rom gesehen hatte. Der hl. Vater war tatsächlich viermal dieser Vision gewürdigt worden, am 30. und 31. Oktober, am 1. November, dem Tag, an dem Pius XII. das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verkündete, und am Oktavtag, 8. November.
Im Mai 1952 erschien Unsere Liebe Frau Sr. Lucia und sagte:
„Teile es dem Heiligen Vater mit, daß ich immer noch die Weihe Rußlands an Mein Unbeflecktes Herz erwarte. Ohne diese Weihe wird sich Rußland nicht bekehren können. Ohne diese Weihe kann die Welt keinen Frieden haben.”
Am 7. Juli 1952 weihte Pius XII. als Antwort auf eine Petition russischer Katholiken „die Völker Rußlands“ dem Makellosen Herzen Mariens, allerdings nur im Rahmen des Apostolischen Briefes Sacro vergente anno und daher weder in feierlicher Weise noch im Verein mit dem Weltepiskopat, wie in Tuy verlangt.
Am 11. Oktober 1954 promulgierte Pius XII. eine Enzyklika zur Königinwürde Mariens Ad Coeli Reginam, in der er sich ausdrücklich auf Ihre wunderbare Statue in Fatima bezog. 1956 wurde die Kirche am Erscheinungsort in den Rang einer Basilika erhoben. –
Auf das Pontifikat Papst Pacellis fällt in Bezug zu seiner Haltung zu Fatima spätestens ab 1952 ein Schatten: Im September sandte er einen österreichischen Jesuiten, Pater Joseph Schweigl, zu Sr. Lucia nach Coimbra, um sie zum Dritten Geheimnis zu befragen. Dieser mußte zwar über den Inhalt des Gehörten schweigen, gab aber zu Protokoll, daß es sich erstens den hl. Vater betreffe und sich zwangsläufig um die Fortsetzung der Worte „In Portugal wird das Dogma des Glaubens immer bewahrt bleiben etc.“ handle.
Pius XII. konnte sich trotz des viermal gewährten persönlichen Sonnenwunders jedoch nicht überwinden, das in Pontevedra (1925) und Tuy (1929) Geforderte umzusetzen: die amtliche Verkündigung der Sühnesamstage und die feierliche Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens im Verein mit dem Weltepiskopat.
(Fortsetzung folgt)
*Wolfram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro Lifer, stellt mit Entsetzen fest, daß die apokalyptischen Zustände in Kirche und Welt von den allermeisten Leuten gar nicht als solche wahrgenommen werden.
Bild: MiL
1 Dazu bes.: Frère Michel de la Sainte Trinité (mittlerweile P. François-Marie Velut OCart), The Whole Truth About Fatima, 3 Bde., Buffalo, NY : Immaculate Heart Publications (PDF online verfügbar); Mark Fellows, Fatima in Twilight, Marmion Publications, Niagara Falls, 2003; The Fatima Center.
2 Zu diesem Thema wurden besonders die auf Fatima.org berichteten Fakten herangezogen.
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