Dieser Teil schließt unmittelbar an den 1. Teil vom 15. Juni an.
Das Tränenwunder von Syrakus – Tränen über den Ungehorsam des Papstes und die Unterwanderung der Kirche
Im Spätsommer 1953 vergoß in der Wohnung des Ehepaars Angelo und Antonina Iannuso im sizilianischen Syrakus eine Marienstatue (in Form eines Gipsreliefs, das genau das in der Fatimabotschaft vom 13. Juni 1917 offenbarte dornenumschlossene Unbefleckte Herz Mariens darstellt), menschliche Tränen. Die Prüfung ergab, daß ein Betrug ausgeschlossen werden muß.
Pius XII. stellte öffentlich die Frage, ob die Menschen die Botschaft der weinenden Madonna wohl verstehen würden. Nun, letztlich war die Botschaft an ihn, den Papst als Träger der kirchlichen Vollmacht selbst, gerichtet. Das schien er tragischerweise nicht verstanden zu haben. Denn er zögerte mit der Erfüllung des Aufgetragenen: Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz und Verkündigung der Sühnesamstage.
Sr. Lucia erhielt die Offenbarung, daß das trotz der gewährten Gnadenhilfen anhaltende Zögern des Papstes im Himmel mißbilligt wird. Wir stehen hier vor einem Rätsel. Höchstwahrscheinlich waren es menschliche und politisch-diplomatische Rücksichten, denen der Papst Widerstand gegen den Auftrag des Himmels gestattete.
In genau jener Zeit trat dann ein, was Frère Michel in The Whole Truth About Fatima als „alarmierenden Fortschritt der Unterwanderung der Kirche“ (alarming progress of subversion in the Church) bezeichnete:
Nuntius Angelo Roncalli, später Papst Johannes XXIII., rehabilitierte Marc Sangnier in einem Brief an dessen Witwe. Damit wurde gleichzeitig die Ideologie des von ihm gegründeten interkonfessionellen und humanistischen Sillon rehabilitiert, der von St. Pius X. in Notre charge apostolique (1910) verurteilt worden war. Papst Pius XII. wurde allem Anschein nach nicht darüber informiert.
Pro-Staatssekretär Giovanni Battista Montini, später Papst Paul VI., fiel dem Papst in den Rücken, indem er dessen Enzyklika Humani Generis (1950) gegen den Neomodernismus im Gespräch mit dem einflußreichen Philosophen und Laientheologen Jean Guitton (1901–1999) faktisch unterlief. Montini knüpfte zudem unautorisierte Kontakte zum stalinistischen Sowjetregime, was dem Papst durch einen schwedischen lutherischen Amtsträger zugetragen wurde. Der schwere Vertrauensbruch durch Montini erschütterte die Gesundheit des Papstes so sehr, daß er sich dem Tod nahe glaubte. Er zog auch einen Rücktritt in Erwägung. Montini wurde, ohne die Kardinalswürde zu empfangen, nach Mailand versetzt. –
Die dem gläubigen Volk oktroyierte Heiligsprechung beider Nachfolgepäpste von Pius XII. kann nur als lächerliche Absurdität aufgrund unüberwindlicher Verblendung oder aber bösen Willens interpretiert werden. –
Wie Frère Michel berichtet, war das Wunder von Syrakus für Kardinal Ernesto Ruffini von Palermo und Erzbischof Ettore Baranzini von Syrakus der Anlaß, die authentische, integrale Botschaft von Fatima, auch die Sühnesamstage, in Erinnerung zu rufen.
Pius XII. dagegen tat nichts dergleichen. Er wollte nach Frère Michel die Fatima-feindlichen, „ökumenischen“ Kräfte nicht beunruhigen: Jesuitengeneral Jean-Baptist Janssens, Pater Augustin Bea SJ (ab 1959 Kardinal, ab 1962 Bischof), der unglücklicherweise Beichtvater des Papstes war, Msgr. Montini und Msgr. Angelo Dell’Acqua (ab 1958 Bischof, 1967 Kardinal), die bezüglich Fatima derselben Meinung wie Fatima-Erzfeind Edouard Dhanis SJ waren, der nach dem Tod von Pius große Karriere machen sollte. Der Verfall des Jesuitenordens beginnt, wie man hier klar sieht, lange vor dem unglücklichen Generalat von Pater Arrupe (1965–1981).
Im Jahr 1955 setzte Pius die unnötige und problematische Reform der Karwochen- und Osternachtsliturgie um, die für heutige Verhältnisse eher harmlos wirkt, aber dem Liturgiereformer und Freimaurer, Lazaristenpriester, später Erzbischof Annibale Bugnini bereits Wirkmöglichkeiten sicherte und die Kirche, Hierarchie und Gläubige, an weitere „Reformen“ bis hin zum kompletten Umsturz von Liturgie und Kalender gewöhnen sollte.
Mit anderen Worten: Nachdem Pius XII., der angebliche „Papst von Fatima“, den Anordnungen von Fatima, trotz genauer Informationen durch die Visionärin und gnadenhafter Unterstützung „von oben“, nicht nachgekommen war, ging es mit ihm bergab. Die subversiven Kräfte waren schon seit geraumer Zeit tief in die vatikanischen Strukturen eingegraben. –
Johannes XXIII. – Beginn der „Fatima-Zeit“ im Jahr 1960
Ein Produkt der Subversion war zweifellos Angelo Roncalli. In jungen Jahren wurde er von seinem Bischof Giacomo Radini-Tedeschi von Bergamo, einem „progressiven“ Kirchenmann, gefördert. Dieser wiederum war ein Protegé von Kardinal Mariano Rampolla, der nach Mark Fellows beim Konklave 1903 schon die meisten Stimmen auf sich vereinigt hatte und nur aufgrund des Vetos von Kaiser Franz Joseph von der Wahl ausgeschlossen wurde. Kardinal Rampolla wurde von Msgr. Ernest Jouin der Mitgliedschaft in einer okkulten Vereinigung (Ordo Templi Orientis, OTO) bezichtigt. Während das naturgemäß kaum zu beweisen ist und von Rampolla auch geleugnet wurde, so galt Rampolla doch als sehr „progressiv“, was natürlich kein gutes Zeichen ist.
Auch Angelo Roncalli, Professor für Patristik, wurde schon 1914, als er Lehrer am Seminar in Bergamo war, des Modernismus beschuldigt.
Als Kardinalpatriarch von Venedig besuchte er zwar Fatima, als Papst verhinderte er aber die für 1960 angeordnete Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses, säte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Botschaft, klagte bei der Eröffnung des fatalen Konzils am 11. Oktober 1962 über „Unglückspropheten“ und sabotierte gleichsam die Fatimabotschaft. Nachdem diese Dinge im Jahr 1960 begannen (8. Februar: anonyme, ganz offensichtlich vom Vatikan in Auftrag gegebene Presseaussendung der portugiesischen Agentur A. N. I.), wird man sie wohl als beginnende Erfüllung der Prophezeiung im Dritten Geheimnis verstehen müssen.
Paul VI. – Scheitern der Illusionen
Bei der feierlichen Abschlußzeremonie der dritten Session des Zweiten Vaticanums im Jahr 1964 „erneuerte“, nach anderen Berichten „erwähnte“, Paul VI. die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens durch Pius XII. vom 31. Oktober 1942. Er kündigte auch die Entsendung eines Sonderdelegaten nach Fatima an. Dieser übermittelte am 13. Mai 1965 eine goldene Rose an das Heiligtum in Fatima. Gemäß der Aufschrift sollte die ganze Kirche der Sorge Unserer Lieben Frau von Fatima anvertraut werden.
Zum fünfzigsten Jahrestag der ersten Erscheinung, am 13. Mai 1967, begab sich Papst Paul nach Fatima. Mark Fellows bestreitet in Fatima in Twilight, daß der Papst eine Wallfahrt im eigentlichen Sinn gemacht hätte, denn er habe letztlich nicht wirklich an Fatima geglaubt. Paul VI. habe die Gelegenheit genützt, um die hunderttausenden Pilger in den Rubriken des neuen, humanistischen Glaubens zu unterweisen. Den Zitaten nach zu schließen, muß diese Unterweisung geradezu schauderhaft gewesen sein. –
Damals ereignete sich bekanntlich der erste öffentliche Auftritt einer völlig anders aussehenden und sich anders benehmenden „Sr. Lucia“, als sie bis dahin bekannt gewesen war (wie man in Zeiten ohne Internet und bei noch geringer Verbreitung des Fernsehens eben „bekannt“ gewesen sein konnte).
Das Pontifikat Pauls VI. wuchs sich zum Desaster aus. Es endete nach fünfzehn Jahren innerkirchlicher Verwirrung. Die Ermordung von Aldo Moro, einem engen Freund des Papstes, durch die kommunistischen Roten Brigaden (die ihrerseits höchstwahrscheinlich eine Kreation ganz anderer Kräfte gewesen sein dürften) löste bei Papst Montini einen regelrechten gesundheitlichen Zusammenbruch aus. Die päpstlichen Illusionen über die conditio humana zerschellten an der Realität.
Verkündigung, Katechese und Liturgie lagen 1978 in Trümmern.
Auch wenn der Papst Fatima irgendwie mehr oder weniger explizit „anerkannte“, so nützte es ihm und der Kirche nichts. Die Halbherzigkeit gegenüber der Fatima-Botschaft erwies sich offensichtlich als Fluch.
Von Johannes Paul I. bis in die Gegenwart – motus in fine velocior
Johannes Paul I. zeigte vor seiner Wahl zum Papst eine spezielle Andacht zu Unserer Lieben Frau von Fatima und leitete als Kardinalpatriarch von Venedig (Amtsübernahme im Jahr 1969) eine Pilgerfahrt dorthin. Es wird berichtet, daß er Sr. Lucia traf und offenbar sehr beeindruckt war. Nach Mark Fellows habe er danach zum Rosenkranzgebet gemahnt, um die „Apostasie“ abzuwenden. (Da aus dem Bericht auf fatima.org nicht hervorgeht, wann genau Albino Luciani bei Sr. Lucia war, bleibt die Identität der betreffenden Sr. Lucia zunächst rätselhaft.)
Johannes Paul II. hat mehrfach seine Zustimmung zu Fatima demonstriert. Er war 1982, 1991 und 2000, als er Jacinta und Francisco Marto seligsprach, in Fatima. –
Sein Weiheakt vom 25. März 1984 nannte Rußland gar nicht, der Weltepiskopat war nicht eingebunden, die Sühnesamstage wurden nicht amtlich verkündet.
Die Erklärung der Glaubenskongregation vom 26. Juni 2000 mit dem irreführenden Titel Die Botschaft von Fatima, die hier schon oft erwähnt wurde, muß als Tiefpunkt der jüngeren Papstgeschichte gelten.
Zum traurigen Thema Papst Benedikt XVI. und Fatima wurde hier bereits eine dreiteilige Serie verkündet, sodaß wir das nicht näher ausführen müssen. –
Papst Franziskus setzte zwar am 25. März 2022 einen Weiheakt, in dem „Rußland und die Ukraine“ dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht wurden, der aber ebenfalls defizitär war. Auch das wurde hier bereits dargestellt.
Wie eingangs im 1. Teil erwähnt, tätigte Bergoglio am 13. September 2024 in Singapur die ungeheuerliche Aussage, daß alle Religionen ein Weg zu Gott wären. Es kommt einem die Apokalypse in den Sinn, frei paraphrasiert:
Er sieht aus wie ein Lamm und redet wie ein Drache.
Bergoglio hinterließ Chaos und Verwirrung. Offenbar wurde den Aufforderungen von Fatima nicht gehorcht. –
Am 11. Oktober 2025 war die originale Fatima-Statue nach Rom gebracht worden. Am Petersplatz hat Papst Leo XIV. am Ende der Messe zur Heilig-Jahr-Feier der marianischen Spiritualität die Welt und die gesamte Menschheit dem Unbefleckten Herzen Marias anempfohlen. Der Text des Gebetes ist eher unspezifisch. Von einer Weihe Rußlands war keine Rede, von den Sühnesamstagen auch nicht.
Von Papst Leo XIV. ist ein Friedensappell am 13. Mai dieses Jahres bekannt, in dem er Fatima und das Unbefleckte Herz erwähnt, es dabei aber bewenden läßt.
Unter Papst Leo gehen Glaubensabfall, Entchristlichung der Völker und Verwirrung innerhalb der Kirche immer schneller weiter: Motus in fine velocior – gegen Ende wird die Bewegung immer schneller. –
Alle diese Vorgänge zeigen, daß die Päpste auch nach der offiziellen Anerkennung im Jahr 1930 Fatima auf verschiedene Weise weiterhin anerkannt und gefördert haben. Aber es blieb letztlich Lippenbekenntnis – und Ungehorsam: Denn gerade diejenigen Dogmen des Glaubens, die Fatima in Erinnerung gerufen hat, wurden seitens der Hierarchie angegriffen.
Dogmatische Zurücksetzung Unserer Lieben Frau und des Papsttums
Frère Michel de la Sainte Trinité schrieb in Die ganze Wahrheit von Fatima (nach der engl. Übersetzung) Ende der 1980er Jahre, daß das Dritte Geheimnis nach allem, was man erschließen kann und was auch Fatima-Historiker Pater Alonso zusammengetragen hat, den Verlust des Glaubens in der Hierarchie behandeln muß. Darum hatte die Muttergottes von Fatima die Veröffentlichung des Geheimnisses frühestens für das Jahr 1960 angeordnet, weil es „klarer“ sein würde.
Tatsächlich führt eine Linie vom irrealen, geradezu trunkenen, ja euphorischen Weltoptimismus Johannes‘ XXIII. am Ende der 1950er Jahre über die Texte des II. Vatikanums mit ihren sorgfältig plazierten Zeitbomben bis zum Offenbarwerden der Apostasie bei Bergoglio in Singapur.
Die beiden Eckpunkte der Fatima-Botschaft, die Mittlerrolle Mariens und die Vollmacht des Papstes, sind in der „synodalen“ Kirche praktisch bedeutungslos geworden:
Die Rolle Unserer Lieben Frau als Mittlerin aller Gnaden wurde herabgesetzt. Am Konzil weigerte man sich, ihr die zustehenden Titel zu verleihen. Das Schema über Maria wurde verworfen und lediglich ein Kapitel in der Kirchenkonstitution Lumen gentium angehängt.
Auch die unentbehrliche Rolle des Papstes wurde zurückgesetzt. Nach den Plänen Gottes sollte es der Papst sein, in dessen Hand die Ausführung des Plans lag. Benedikt XV. hatte um einen Weg, den Frieden zu erlangen, gebetet. Ihm und seinen Nachfolgern wurden in Fatima dazu Mittel an die Hand gegeben, nicht als unverbindliches Angebot, sondern als Auftrag.
Was daraus hervorgeht: Der Heilige Vater ist nicht ein Primus inter pares oder der Vorsitzende einer Firma, sondern der Inhaber der plena potestas. Wie wir alle wissen, wurde am Konzil die Rolle des Papstes relativiert, vielleicht weniger durch die Texte selbst (siehe die Nota praevia explicativa Pauls VI. zum dritten Kapitel von Lumen gentium), als durch die fatale Botschaft, die gesendet wurde, nämlich, daß man über das Wesen des Papsttums diskutieren könne.
Johannes Paul II. forderte später in seiner Enzyklika Ut unum sint (1995) selbst dazu auf, über eine Neugestaltung des Papsttums nachzudenken.
Mit anderen Worten: Der in Fatima offenbarte Friedens- und Heilsplan Gottes, der auf besondere Weise Maria und dem hl. Vater entscheidende Bedeutung beimißt, wurde von der kirchlichen Hierarchie de facto zurückgewiesen.
Wie eingangs im 1. Teil gesagt: Papst Benedikt XV. hatte zu einem großangelegten Friedensgebet in der ganzen Welt aufgerufen, um den Weltkrieg zu beenden. Es will scheinen, daß die Offenbarung von Fatima die Gebetserhörung war – allerdings mit Bedingungen. Diese wurden nicht erfüllt. Das Resultat sehen wir jetzt.
Leider interessiert es kaum jemanden. Das erklärt die rätselhaften Stellen in der Endzeitrede Jesu: Die Zeitgenossen Noahs wurden von der Flut überrascht, weil sie sich für eine sachgemäße Situationsanalyse offenbar nicht interessiert hatten („sie erkannten nicht“: Mt 24, 39). Analog wird es der letzten Generation gehen. Die Bewohner Sodoms werden ebenfalls von Feuer und Schwefel überrascht, weil sie ihr eigenes Treiben nicht als sündhaft erkannten (Lk 17, 28ff).
Es ist sträfliche Dummheit.
Erinnert uns das nicht darüber hinaus an den leidenden Gottesknecht? „Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, / doch wen kümmerte sein Geschick?“ (Jes 53, 8)
Wen kümmert heute das Geschick der verfolgten Kirche?
Das Desinteresse an den apokalyptischen Zeichen der Zeit ist Ausfluß der Dummheit, der stultitia (Mk 7, 22). Es ist seinerseits Zeichen der Zeit.
Resümee: Heil und Unheil
Wir erinnern uns an die Vision der Hölle, die am 13. Juli 1917 den Seherkindern gezeigt wurde. Unsere Liebe Frau ordnete die Zuflucht zu Ihrem Makellosen Herzen und das Rosenkranzgebet an. „Wenn meine Wünsche befolgt werden, werden viele Seelen gerettet“, hieß es. Man wagt es kaum auszusprechen: Da die Wünsche der Muttergottes von Fatima nicht befolgt wurden, müssen viele Seelen wohl verlorengegangen sein.
In den vatikanoffiziellen Stellungnahmen zu Fatima kommt die Eschatologie so gut wie nicht vor, von der so unbequemen Warnung vor der Hölle ganz zu schweigen. Aber das ewige Schicksal ist nun einmal die wichtigste Frage unseres Lebens.
*Wolfram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Katechist, Pro Lifer, stellt mit Entsetzen fest, daß die apokalyptischen Zustände in Kirche und Welt von den allermeisten Zeitgenossen gar nicht als solche wahrgenommen werden.
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