Bischof Schneiders Kritik: Der Vatikan gibt der Masseneinwanderung geistlichen Rückhalt

Wo bliebt die Kirche bei der Evangelisierung der Migranten?

Bischof Athanasius Schneider erhebt schwere Vorwürfe gegen das politische Establishment Europas, aber auch die Kirchenführung, eine Massenmigration zum Nachteil der europäischen Völker und der christlichen Identität des Kontinents zu unterstützen
Bischof Athanasius Schneider erhebt schwere Vorwürfe gegen das politische Establishment Europas, aber auch die Kirchenführung, eine Massenmigration zum Nachteil der europäischen Völker und der christlichen Identität des Kontinents zu unterstützen

Der kasa­chi­sche Weih­bi­schof sieht Euro­pas Ent­christ­li­chung durch eine poli­tisch instru­men­ta­li­sier­te Näch­sten­lie­be beschleu­nigt. Im Gespräch mit Micha­el Matt (The Rem­nant) kri­ti­siert er die Migra­ti­ons­po­li­tik kirch­li­cher Ver­ant­wor­tungs­trä­ger – unmit­tel­bar nach dem Eklat um die Rom­wall­fahrt der Tra­di­ti­on Ad Petri Sedem.

Wäh­rend in Krei­sen der Tra­di­ti­on im Nach­gang zu den römi­schen Unfreund­lich­kei­ten gegen­über der Wall­fahrt Ad Petri Sedem unnö­ti­ger­wei­se über Neben­säch­lich­kei­ten gestrit­ten wird, was ledig­lich von den wirk­lich Ver­ant­wort­li­chen ablenkt, soll­te ein ande­res Ereig­nis nicht über­se­hen wer­den. Der Weih­bi­schof von Ast­a­na, Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, gab unmit­tel­bar nach den Ereig­nis­sen am 24. Okto­ber in Rom Micha­el Matt, dem Her­aus­ge­ber des tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen US-ame­ri­ka­ni­schen Medi­ums The Rem­nant ein Inter­view. Dar­in erhebt Bischof Schnei­der schwe­re Vor­wür­fe gegen die Kir­chen­füh­rung: Der Vati­kan tra­ge dazu bei, die Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Euro­pa geist­lich zu legi­ti­mie­ren und damit die Ent­christ­li­chung des Kon­ti­nents zu begün­sti­gen. Die euro­päi­sche Poli­tik erhal­te auf die­se Wei­se eine reli­giö­se Rücken­deckung, die sie für ihre migra­ti­ons­po­li­ti­schen Zie­le benö­ti­ge. Der Vati­kan unter­stüt­ze mit sei­ner mora­li­schen Auto­ri­tät den Bevöl­ke­rungs­um­bau Europas.

In dem Inter­view mit Micha­el Matt bezeich­ne­te Schnei­der die mas­sen­haf­te Zuwan­de­rung aus mus­li­misch gepräg­ten Län­dern als „Inva­si­on“. Er warn­te vor einer Ent­wick­lung, die Euro­pas Iden­ti­tät gefähr­de, und warf den poli­ti­schen Eli­ten mit Blick auf die jüng­sten Ereig­nis­se in Frank­reich, Spa­ni­en, Ita­li­en und Bel­gi­en vor, die christ­li­che Bevöl­ke­rung durch die Dul­dung gewalt­sa­mer Aus­schrei­tun­gen ein­zu­schüch­tern. Der Vati­kan unter­stüt­ze die­sen Pro­zeß fak­tisch, indem er die migra­ti­ons­po­li­ti­schen Posi­tio­nen des poli­ti­schen Estab­lish­ments mit dem Anse­hen der Kir­che versehe.

Ein Gespräch im Zeichen des römischen Konflikts

Das Inter­view stand in einem beson­de­ren kir­chen­po­li­ti­schen Zusam­men­hang. Weni­ge Stun­den zuvor waren die Teil­neh­mer der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Wall­fahrt Ad Petri Sedem, die aus Anlaß des Jah­res­ta­ges des Motu pro­prio Sum­morum Pon­ti­fi­cum nach Rom gekom­men waren, dar­an gehin­dert wor­den, als Pro­zes­si­on in den Peters­dom ein­zu­zie­hen und das Grab des Apo­stel­für­sten Petrus auf­zu­su­chen. Auch die Zele­bra­ti­on eines Pon­ti­fi­kal­am­tes im über­lie­fer­ten römi­schen Ritus in der bedeu­tend­sten Kir­che der Chri­sten­heit, wie es von 2012 bis 2022 und 2025 mög­lich war, war ihnen nicht gestat­tet worden.

Bischof Schnei­der bezeich­ne­te die­se Behand­lung der Pil­ger als Skan­dal. Micha­el Matt griff den Vor­gang in sei­ner Bericht­erstat­tung eben­falls scharf auf und stell­te die Fra­ge, wie sich die Aus­gren­zung tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Katho­li­ken mit den wie­der­hol­ten Beteue­run­gen des Vati­kans zu Syn­oda­li­tät, Ein­heit und kirch­li­cher Inklu­si­on ver­ein­ba­ren las­se, also jenem anson­sten bevor­zugt beton­ten „todos, todos, todos“ („alle, alle, alle“ sei­en willkommen).

Der Zusam­men­hang ist auf­schluß­reich: Wäh­rend tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Gläu­bi­ge am zen­tra­len Ort der katho­li­schen Chri­sten­heit uner­wünscht sind, wird die mas­sen­haf­te Auf­nah­me von Migran­ten von kirch­li­chen Ver­ant­wor­tungs­trä­gern mit gro­ßem Nach­druck als Aus­druck des Evan­ge­li­ums geprie­sen. Msgr. Schnei­der sieht dar­in eine höchst pro­ble­ma­ti­sche Prio­ri­tä­ten­set­zung. Sei­ne Kri­tik betrifft nicht nur die Migra­ti­ons­po­li­tik, son­dern auch das Selbst­ver­ständ­nis einer Kir­che, die nach außen Offen­heit ver­kün­det, gegen­über Tei­len ihrer eige­nen Glau­bens­tra­di­ti­on jedoch restrik­tiv und repres­siv auftritt.

Damit steht die Dop­pel­fra­ge im Raum, wem die pasto­ra­le Sor­ge der Kir­che gilt, und nach wel­chen Maß­stä­ben ihre Ent­schei­dun­gen getrof­fen werden?

Einschüchterung statt offener Auseinandersetzung

Bischof Schnei­der ver­wies auf Aus­schrei­tun­gen und Pro­vo­ka­tio­nen in Frank­reich, Ita­li­en, Spa­ni­en und ande­ren euro­päi­schen Län­dern. Er sieht dar­in nicht allein einen Aus­druck gesell­schaft­li­cher Span­nun­gen, wie es man­che dar­stel­len, son­dern eine mög­li­che Ein­schüch­te­rung der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung. Chri­sten und alle Men­schen, die an der Iden­ti­tät ihrer Län­der fest­hal­ten, soll­ten nach sei­ner Auf­fas­sung nicht aus Angst vor Gewalt schwei­gen müs­sen. Der Bischof stell­te damit in den Raum, daß das poli­ti­sche Estab­lish­ment die Unru­hen als Ein­schüch­te­rungs­stra­te­gie zu nüt­zen scheint.

Vor­gän­ge an Sta­tu­en der hei­li­gen Jean­ne d’Arc in Tou­lou­se und Paris sei­en emble­ma­ti­sche Bei­spie­le. In Tou­lou­se ver­hüll­te ein Unbe­kann­ter die Sta­tue der fran­zö­si­schen Natio­nal­hei­li­gen mit einem gel­ben Klei­dungs­stück, das an einen Hid­schab erin­ner­te, und schwenk­te dabei eine palä­sti­nen­si­sche Flag­ge. Aus Paris wur­de eine wei­te­re poli­ti­sche Pro­vo­ka­ti­on an einer Jean​ne‑​d’​Arc​-Sta​tue gemeldet.

Msgr. Schnei­der ver­mu­tet, daß man­che poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen die Ent­wick­lung zumin­dest teil­wei­se dul­de­ten, um den Wider­stand gegen die statt­fin­den­den gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen zu schwä­chen. Der Bevöl­ke­rungs­um­bau durch Mas­sen­mi­gra­ti­on sei eine die­ser mas­si­ven Veränderungen.

Chri­sten und alle Bür­ger Euro­pas, die ihre kul­tu­rel­le und natio­na­le Iden­ti­tät bewah­ren wol­len, soll­ten sich fried­lich zusam­men­schlie­ßen, gegen Ein­schüch­te­rung ein­tre­ten und auf eine kon­se­quen­te­re Gesetz­ge­bung zum Schutz der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung drän­gen. Die Mas­sen­ein­wan­de­rung müs­se wirk­sam begrenzt werden.

Wenn Nächstenliebe zur politischen Rechtfertigung wird

Der schärf­ste Teil von Bischofs Schnei­ders Kri­tik rich­tet sich gegen den Vati­kan. Er äußer­te den Ver­dacht, euro­päi­sche poli­ti­sche Eli­ten such­ten gezielt die Nähe zur Kir­chen­füh­rung, um ihrer Migra­ti­ons­po­li­tik eine reli­giö­se Legi­ti­ma­ti­on zu ver­schaf­fen. Der Hei­li­ge Stuhl ver­fü­ge über mora­li­sche Auto­ri­tät; die­se ver­su­che man poli­tisch zu nüt­zen, indem die schran­ken­lo­se Auf­nah­me von Migran­ten als unmit­tel­ba­re Kon­se­quenz des Evan­ge­li­ums prä­sen­tiert wer­de, also gewis­ser­ma­ßen mora­lisch unan­greif­bar sei.

Msgr. Schnei­der wirft kirch­li­chen Ver­ant­wor­tungs­trä­gern vor, sich auf die Lie­be zum Näch­sten und die Sor­ge um die Armen zu beru­fen, dabei aber die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die christ­li­chen Gesell­schaf­ten Euro­pas aus dem Blick zu ver­lie­ren. Die Hei­li­ge Schrift wer­de ver­kürzt prä­sen­tiert: Aus einem umfas­sen­den Auf­trag zur Näch­sten­lie­be wer­de eine poli­ti­sche Recht­fer­ti­gung für eine bestimm­te Migra­ti­ons­po­li­tik konstruiert.

Der Bischof hält es für mög­lich, daß man­che Ver­ant­wort­li­che im Vati­kan die­sen Pro­zeß nicht durch­schau­ten, wäh­rend ande­re ihn teils offen unter­stütz­ten. Sei­ne Ver­mu­tung lau­tet zusam­men­ge­faßt, daß der Hei­li­ge Stuhl arbei­te mit poli­ti­schen Eli­ten an der Ent­christ­li­chung Euro­pas zusammenarbeitet.

Zwi­schen dem Gebot, den Frem­den men­schen­wür­dig zu behan­deln, und der Fra­ge, wie vie­le Men­schen ein Staat unter wel­chen Bedin­gun­gen auf­neh­men kann, bestehe ein grund­le­gen­der Unter­schied, den eine ver­ant­wort­li­che katho­li­sche Sozi­al­leh­re berück­sich­ti­gen müsse. 

Papst Leo XIV. und die Aufnahme von Migranten

Papst Leo XIV. hob wie­der­holt die Ver­ant­wor­tung der Kir­che für Migran­ten her­vor. Bei sei­nem Besuch auf den Kana­ri­schen Inseln im Juni 2026 erklär­te er, die Auf­nah­me von Migran­ten dür­fe kei­ne nach­ran­gi­ge Auf­ga­be sein und kön­ne nicht allein eini­gen frei­wil­li­gen Hel­fern über­las­sen wer­den. Der Papst ver­band die Eucha­ri­stie aus­drück­lich mit dem Auf­trag zur täti­gen Näch­sten­lie­be. Die Sor­ge um Migran­ten sei kei­ne blo­ße poli­ti­sche Opti­on, son­dern berüh­re den christ­li­chen Auftrag.

Bischof Schnei­der sieht in die­ser Beto­nung, die erst durch Papst Fran­zis­kus im Jahr 2013 mit sei­nem Lam­pe­du­sa-Besuch begon­nen wur­de, die Gefahr einer ein­sei­ti­gen mora­li­schen Bewer­tung. Wenn die Auf­nah­me von Migran­ten zum Prüf­stein christ­li­cher Gesin­nung erho­ben wer­de, wür­den berech­tig­te Fra­gen nach Grenz­schutz, Inte­gra­ti­on, inne­rer Sicher­heit und den Fol­gen für die auf­neh­men­de Gesell­schaft, vor allem die Gefahr eines Iden­ti­täts­ver­lu­stes, als Aus­druck man­geln­der Näch­sten­lie­be abgewertet.

Die katho­li­sche Sozi­al­leh­re dif­fe­ren­zie­re jedoch sehr genau, deut­lich mehr, als es man­che poli­ti­sche Debat­te ver­mu­ten las­se. Die Staa­ten hät­ten das Recht und sogar die Pflicht, ihre Gren­zen zu regu­lie­ren. Kein Land sei ver­pflich­tet, jeden Men­schen auf­zu­neh­men, der ein­wan­dern möch­te, schon gar nicht, wenn die­se Migra­ti­on allein auch wirt­schaft­li­chen Grün­den erfol­ge. Zugleich müß­ten staat­li­che Ent­schei­dun­gen die Men­schen­wür­de, die Rech­te Schutz­be­dürf­ti­ger und das Gemein­wohl berücksichtigen.

Damit sei weder eine Poli­tik unbe­grenz­ter Auf­nah­me noch eine pau­scha­le Zurück­wei­sung von Migran­ten katho­lisch zwin­gend. Die kon­kre­te Ver­ant­wor­tung ver­langt eine Abwä­gung ver­schie­de­ner Güter. Die Iden­ti­tät und der Schutz der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung gehö­re zu den ersten und eigent­li­chen Auf­ga­ben einer Staats­füh­rung. Gera­de die­se Abwä­gung, so Bischof Schnei­der, dür­fe nicht durch mora­li­schen Druck ersetzt werden.

Kardinal Sarah: Gastfreundschaft darf nicht zur Auflösung der Völker führen

Msgr. Schnei­der steht dabei mit sei­ner Kri­tik nicht allein. Bereits 2017 warn­te Kar­di­nal Robert Sarah in Polen vor einer poli­ti­schen Instru­men­ta­li­sie­rung des christ­li­chen Gast­freund­schafts­ge­bots. Der aus Gui­nea stam­men­de Kar­di­nal unter­schied zwi­schen Men­schen, die vor Ver­fol­gung flie­hen müs­sen, und Wirt­schafts­mi­gran­ten, die ihren Wohn­ort aus eige­nem Ent­schluß wechseln.

Kar­di­nal Sarah stell­te dabei die Fra­ge, ob Staa­ten und Völ­ker nicht das Recht behal­ten müß­ten, zwi­schen unter­schied­li­chen For­men der Migra­ti­on zu unter­schei­den und von Zuwan­de­rern die Bereit­schaft zur Inte­gra­ti­on zu erwar­ten. Die Auf­nah­me von Schutz­be­dürf­ti­gen dür­fe nicht dazu füh­ren, daß gewach­se­ne Völ­ker­ge­mein­schaf­ten ent­wur­zelt, ihre kul­tu­rel­len Grund­la­gen zer­stört und ihre Iden­ti­tät gefähr­det würden.

Er wand­te sich ins­be­son­de­re gegen jene, die sich auf das Wort Got­tes berie­fen, um eine bestimm­te Form des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus reli­gi­ös zu recht­fer­ti­gen. Die christ­li­che Pflicht zur Gast­freund­schaft sei kein Frei­brief für die Auf­lö­sung natio­na­ler Gemeinschaften.

Die­se Über­le­gung trifft einen ent­schei­den­den Punkt. Ein Staat muß zwi­schen Asyl, Schutz vor Ver­fol­gung, huma­ni­tä­rer Hil­fe und regu­lä­rer Ein­wan­de­rung unter­schei­den kön­nen. Eben­so darf von Men­schen, die dau­er­haft in ein Land zie­hen, erwar­tet wer­den, daß sie des­sen Rechts­ord­nung respek­tie­ren und sich mit sei­ner Kul­tur aus­ein­an­der­set­zen. Das sei kei­ne Her­ab­set­zung frem­der Men­schen, son­dern eine Grund­vor­aus­set­zung für das fried­li­che Zusammenleben.

Schließ­lich sei zu respek­tie­ren, daß die euro­päi­schen Völ­ker eine Mas­sen­ein­wan­de­rung nicht gut­hei­ßen und nie gut­ge­hei­ßen haben. Die Migra­ti­ons­po­li­tik sei ein Eli­ten-Pro­jekt, das mit Hil­fe der ihnen nahe­ste­hen­den Medi­en durch­ge­setzt werde.

Europas christliche Identität ist kein Nebenthema

Hin­ter Bischof Schnei­ders schar­fer Wort­wahl steht die grund­le­gen­de Fra­ge, wel­che Bedeu­tung die Kir­che dem Fort­be­stand der christ­li­chen Kul­tur Euro­pas beimißt.

Euro­pa sei nicht allein ein geo­gra­phi­scher Raum oder eine Wirt­schafts­ge­mein­schaft. Euro­pas Geschich­te wur­de durch das Chri­sten­tum geprägt. Durch das Chri­sten­tum wur­de der Raum erst zu dem, was heu­te als Euro­pa bekannt ist. Kathe­dra­len, Klö­ster, Wall­fahrts­or­te, Hei­li­gen­ver­eh­rung und kirch­li­che Fei­er­ta­ge sind nicht bloß histo­ri­sche Über­re­ste, son­dern Zeug­nis­se der Zivi­li­sa­ti­on, deren Men­schen­bild, Rechts­tra­di­ti­on und sozia­le Vor­stel­lun­gen wesent­lich aus dem christ­li­chen Glau­ben her­vor­ge­gan­gen sind.

Die­se Tra­di­ti­on zu bewah­ren, bedeu­te nicht, Men­schen ande­rer Her­kunft oder Reli­gi­on pau­schal abzu­leh­nen. Mus­li­me sei­en kei­ne ein­heit­li­che Grup­pe, und die Her­kunft eines Men­schen sage für sich genom­men nichts über sei­ne per­sön­li­che Hal­tung zum Chri­sten­tum oder zur euro­päi­schen Gesell­schaft aus. Auch dür­fe die christ­li­che Iden­ti­tät nicht als Vor­wand für Feind­se­lig­keit oder Dis­kri­mi­nie­rung dienen.

Umge­kehrt kön­ne der Hin­weis auf Men­schen­wür­de und Barm­her­zig­keit aber nicht dazu füh­ren, die kul­tu­rel­len und gesell­schaft­li­chen Fol­gen einer mas­sen­haf­ten Zuwan­de­rung ein­fach aus­zu­blen­den. Eine Kir­che, die sich für die Wür­de jedes Men­schen ein­setzt, müs­se eben­so die Ver­ant­wor­tung für das Gemein­wohl ernst neh­men und dür­fe die Sor­ge um die christ­li­che Zukunft Euro­pas nicht als mora­lisch ver­däch­tig behandeln.

Eine Kir­che, die jede migra­ti­ons­po­li­ti­sche Begren­zung als Man­gel an Barm­her­zig­keit erschei­nen las­se, ver­kür­ze und ent­stel­le ihre Sozi­al­leh­re. Eine Kir­che, die den Frem­den nur als Gefahr betrach­te, ver­ra­te ihren Auf­trag eben­so. Die ent­schei­den­de Auf­ga­be bestehe dar­in, bei­des im rech­ten Maß zusammenzuhalten.

Zudem for­der­te Bischof Schnei­der die Kir­chen­ver­ant­wort­li­chen auf, die fremd­re­li­giö­sen Ein­wan­de­rer, kon­kret beson­ders auch die Mus­li­me, zu evan­ge­li­sie­ren. Das sei schließ­lich die Auf­ga­be der Kir­che und auch „eine Gele­gen­heit“. Der­zeit ent­ste­he der Ein­druck der blo­ßen Unter­stüt­zung einer ein­sei­ti­gen poli­ti­schen Agen­da, wäh­rend die eige­ne Auf­ga­be der Evan­ge­li­sie­rung zu wenig Beach­tung finde.

Bischofs Schnei­ders Mah­nung rich­tet sich nicht allein an die poli­ti­schen Eli­ten Euro­pas, son­dern auch an die Kir­chen­füh­rung in Rom und in den ein­zel­nen Län­dern: Die christ­li­che Näch­sten­lie­be dür­fe weder ein Instru­ment poli­ti­scher Inter­es­sen wer­den noch die Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Gemein­we­sen ver­drän­gen. Die christ­li­che Zukunft Euro­pas zu bewah­ren sei Auf­ga­be und Pflicht. Wer Euro­pas christ­li­che Zukunft bewah­ren wol­le, müs­se sich der Wirk­lich­keit stel­len – ohne Angst vor unbe­que­men Fragen.

Text: Andre­as Thiel
Bild: The RemnantTV/​Youtube (Screen­shot)

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