Glaubensabfall und Realitätsverlust, Bedingungen für die „neue Weltordnung“ – die neueste Verwirrung aus dem Vatikan

So weit hat sich also das Petrusamt derzeit vom Glauben entfernt

Nostra aetate gefällt bestimmten politischen Kreisen, doch um den Preis, den Wahrheitsanspruch der göttlichen Offenbarung aufzugeben, denn Christus, wahrer Gott vom wahren Gott, ist der eigentlich Abwesende.
Nostra aetate gefällt bestimmten politischen Kreisen, doch um den Preis, den Wahrheitsanspruch der göttlichen Offenbarung aufzugeben

Von Wolf­ram Schrems*

Es nimmt kein Ende mit den skan­da­lö­sen Ver­laut­ba­run­gen aus Rom. Sie fol­gen im Gegen­teil in immer kür­ze­ren Abstän­den. Giu­sep­pe Nar­di ver­öf­fent­lich­te bereits am 16. Sep­tem­ber eine erste Ana­ly­se der aktu­el­len Note mit dem blu­mi­gen Titel EIN WEG DER HOFFNUNG – Sech­zig Jah­re Dia­log und inter­re­li­giö­se Geschwi­ster­lich­keit im Licht der Erklä­rung des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils Nost­ra aet­a­te. Das am 16. Sep­tem­ber pro­mul­gier­te Doku­ment stammt von drei Dik­aste­ri­en: für die Glau­bens­leh­re, für die För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten und für den inter­re­li­giö­sen Dia­log. Papst Leo hat­te in einer Audi­enz am 22. Juni 2026 die Note appro­biert und ihre Ver­öf­fent­li­chung ange­ord­net. Die Note pro­pa­giert inter­re­li­giö­sen Rela­ti­vis­mus und eine inner­welt­li­che Frie­dens­uto­pie auf Kosten der Wahrheit.

Glau­bens­treue Katho­li­ken reagier­ten auf die­se Kata­stro­phe mit wohl­be­grün­de­ten Einsprüchen:

Der von Papst Fran­zis­kus sei­nes Amtes ent­ho­be­ne Bischof Joseph Strick­land von Tyler (Texas) ver­öf­fent­lich­te am 17. Sep­tem­ber eine lesens­wer­te Stel­lung­nah­me. Eine sehr umfang­rei­che Erklä­rung zu die­sem Mach­werk lie­fer­te Chris Jack­son auf sei­nem Sub­stack Hiraeth in Exi­le am 19. Sep­tem­ber. Wer gut Eng­lisch liest, soll­te sich die­se Stel­lung­nah­men näher ansehen.

Im deut­schen Sprach­raum wur­de mei­nem Kennt­nis­stand nach – außer dem oben erwähn­ten Arti­kel auf die­ser Sei­te – noch kei­ne aus­führ­li­che Kri­tik durchgeführt.

Hier sei daher eine grund­sätz­li­che, über­blicksmä­ßi­ge Ein­ord­nung die­ses Doku­ments gebo­ten, ohne all­zu vie­le Zita­te zu brin­gen. Die Absicht dabei ist, die Gläu­bi­gen und die Suchen­den und die Nicht-Glau­ben­den guten Wil­lens im Sinn der Unter­schei­dung der Gei­ster vor der dort ent­hal­te­nen Ver­wir­rung zu warnen:

Krauser Wortsalat, Verwirrung ist nie von Gott

Wer sich unter Schmer­zen durch die Note durch­ar­bei­tet, wird schnell das Offen­kun­di­ge fest­stel­len: Die Autoren wol­len mit ihrem Wort­schwall den Leser nicht infor­mie­ren son­dern hyp­no­ti­sie­ren. Es ist eine wil­de Mischung aus (wenig) Rich­ti­gem und viel Unsinn. Inhalt­lich ist es eine regel­rech­te Ver­nei­nung des Auf­tra­ges Jesu Chri­sti: Wenn fest­ge­hal­ten wird, daß Jesus Chri­stus „der Weg, die Wahr­heit und das Leben“ (Joh 14, 6) ist, dann hat das Ali­bi­ch­a­rak­ter, denn es folgt nichts dar­aus. Wenn gesagt wird, daß der Dia­log „frei von Zwei­deu­tig­kei­ten sein, Rela­ti­vis­mus und Syn­kre­tis­mus ver­mei­den“ muß (§22), dann wird das von den unzäh­li­gen Wider­sprüch­lich­kei­ten ertränkt und unwirk­sam gemacht.

Allei­ne schon die dau­ern­de Lob­prei­sung des „Dia­logs“ kann nur auf Abwe­ge füh­ren. Die Kir­che muß auto­ri­ta­tiv ver­kün­di­gen. Der „Dia­log“, wie er der­zeit insti­tu­tio­nell prak­ti­ziert wird, ver­wirrt die Gläu­bi­gen, skan­da­li­siert ernst­haf­te nicht-katho­li­sche Chri­sten und nützt bei­den „Dialog“-Partnern nicht zum Heil. Er stellt Jesus Chri­stus zur Dis­kus­si­on und unter­gräbt damit den Glau­ben. Zudem ist der „Dia­log“ mit Islam und Juden­tum völ­lig über­flüs­sig, da die jewei­li­gen Posi­tio­nen seit etwa tau­send­vier­hun­dert bezie­hungs­wei­se zwei­tau­send Jah­ren bekannt sind und sich nicht geän­dert haben.

Nein, die­ser Wort­durch­fall ist nicht vom Guten: „Eure Rede sei: Ja, ja, nein, nein; was dar­über hin­aus­geht, stammt vom Bösen“(Mt 5, 37; Jak 5; 12). Denn die Autoren die­ses Doku­ments ver­wir­ren den Leser. Die­se Ver­wir­rung kann natür­lich nicht von Gott sein. Sie ist vom Wider­sa­cher. Die­ser hat sich tief in den vati­ka­ni­schen Struk­tu­ren festgesetzt. –

Sinn und Zweck die­ses Doku­ments ist allem Anschein nach die Ein­eb­nung aller Unter­schie­de der Reli­gio­nen im Hin­blick auf die Errich­tung einer Welt­ein­heits­re­li­gi­on. Die­se soll wohl im Dienst der Welt­macht stehen.

Eini­ge wich­ti­ge Inhal­te der Note kri­tisch kommentiert:

Illusionen, Realitätsverlust, Nonsens

In Para­graph 23 bezie­hen sich die Autoren auf Aus­sa­gen von Papst Johan­nes Paul II., „dass die Reli­gio­nen kein Hin­der­nis für den Frie­den sind, son­dern ein wesent­li­cher Bestand­teil davon“ und daß die „Instru­men­ta­li­sie­rung der Reli­gi­on für gewalt­tä­ti­ge Zwecke […] eine schwer­wie­gen­de Ver­zer­rung ihres Wesens“ wäre.

Das ist schwe­rer Rea­li­täts­ver­lust. Die „Reli­gio­nen“ sind, wie sie sind. Alle wis­sen wir, wie sich bei­spiels­wei­se der Islam in der Ver­gan­gen­heit aus­brei­te­te und es heu­te noch tut. Daher klingt es wie das sprich­wört­li­che Pfei­fen im nächt­li­chen Wal­de, wenn Johan­nes Paul II. einen „klare[n] Appell“ an die Füh­rer der Reli­gio­nen richtete:

„Es ist ihre Auf­ga­be, durch Taten und Enga­ge­ment zu bezeu­gen, dass es ihr eige­ner Glau­be ist, der sie dazu bewegt, sich für den Frie­den einzusetzen.“

Nein, es ist nicht ihr eige­ner Glau­be. Die Situa­ti­ons­ana­ly­se ist falsch, die Schluß­fol­ge­run­gen sind falsch. Spä­te­stens seit dem Greu­el von Assi­si vor vier­zig Jah­ren haben wir gemein­sa­me „Gebe­te“ und exzes­si­ven „Dia­log“. Was soll das gebracht haben? Wo sind die Resul­ta­te? Offen­bar immer mehr Krie­ge und regel­rech­te Reli­gi­ons­krie­ge (wenn wir uns an Bos­ni­en, Ost­ti­mor und vor allem an die zio­ni­sti­schen Neo­con-Krie­ge der USA im isla­mi­schen Raum erinnern).

Wie­so wird trotz des gan­zen „Dia­logs“ die Chri­sten­ver­fol­gung, vor allem in den isla­mi­schen Län­dern und neu­er­dings auch im Hei­li­gen Land, immer stärker?

Die Autoren schrei­ben dann im Rück­griff auf Papst Bene­dikt XVI.:

„Im inter­re­li­giö­sen Dia­log zu blei­ben, soll ein Beweis dafür sein, dass Fun­da­men­ta­lis­mus eine Ver­fäl­schung der Reli­gio­nen dar­stellt, die ihrer tief­sten Beru­fung ent­ge­gen­steht“ (§ 24).

Die­se Anein­an­der­rei­hung von Wör­tern ist Non­sens. Es ist schäd­lich, die ideo­lo­gi­sche Voka­bel „Fun­da­men­ta­lis­mus“ ein­zu­streu­en. Die Autoren impli­zie­ren mit ihrer Rede von der „Ver­fäl­schung der Reli­gio­nen“ dar­über hin­aus, daß die ver­schie­de­nen „Reli­gio­nen“, wenn sie „unver­fälscht“ sind, Instan­ti­ie­run­gen ein und des­sel­ben, selbst­ver­ständ­lich „fried­li­chen“ Wesens wären. Das ist ange­sichts der ein­an­der wider­spre­chen­den Glau­bens­in­hal­te eine Ver­höh­nung der Ver­nunft. Es ist ange­sichts des Heils­werks Chri­sti nichts weni­ger als Blasphemie.

Bergoglios Schatten über der Kirche: Uminterpretation des hl. Franziskus und Realitätsverweigerung

Ver­bis­sen wird an dem Irr­sinn von Papst Fran­zis­kus fest­ge­hal­ten, der Wider­stand gegen die Wahr­heit wird immer hef­ti­ger, die frei­mau­re­ri­sche Dik­ti­on von der „Brü­der­lich­keit“ immer auf­dring­li­cher und die ideo­lo­gi­sche Ver­ein­nah­mung des hl. Franz von Assi­si immer unverschämter:

„Mit Papst Fran­zis­kus ist der inter­re­li­giö­se Dia­log in eine neue Pha­se ein­ge­tre­ten, tief geprägt von der Sicht­wei­se der ‚all­um­fas­sen­den Brü­der­lich­keit’ im eigent­li­chen Sinn der Brü­der­lich­keit beim hei­li­gen Franz von Assi­si“ (§ 30).

Es wird dann eine Aus­sa­ge von Papst Fran­zis­kus her­an­ge­zo­gen, nach der es unmög­lich sei, „sich selbst voll­stän­dig zu ver­ste­hen oder die Wirk­lich­keit des eige­nen Lan­des, der eige­nen Kir­che oder der eige­nen Gemein­schaft tief­grei­fend zu erfas­sen, ohne sich respekt­voll mit denen aus­ein­an­der­zu­set­zen, die anders sind“. Fran­zis­kus habe dar­aus geschlos­sen: „Das Anders­sein wird so zu einer Quel­le gegen­sei­ti­ger Berei­che­rung, unter der Vor­aus­set­zung, dass ande­re Glau­bens­rich­tun­gen oder geist­li­che Tra­di­tio­nen und Kul­tu­ren nicht als Bedro­hung wahr­ge­nom­men wer­den“ (§ 31).

Das ist gera­de­zu gewalt­tä­tig welt­fremd. Wo soll die „Berei­che­rung“ durch irri­ge Leh­ren statt­fin­den? Was hät­ten über­dies die Ver­tei­di­ger der Chri­sten­heit in Lepan­to oder Wien dazu gesagt, wenn der Papst sie ermahnt hät­te, die isla­mi­sche Aggres­si­on „nicht als Bedro­hung wahrzunehmen“?

Interreligiöser Dialog als „theologischer Ort“?

Im Gegen­satz zur klas­si­schen Leh­re von den „theo­lo­gi­schen Orten“ (loci theo­lo­gi­ci, nach Mel­chi­or Cano OP: also vor allem hl. Schrift, Tra­di­ti­on, Kir­chen­leh­rer, Kir­chen­vä­ter, bis zur Ver­nunft der klas­si­schen Phi­lo­so­phie) wird der „inter­re­li­giö­se Dia­log“ tat­säch­lich zum „theo­lo­gi­schen Ort“ erklärt (!), „an dem der Hei­li­ge Geist durch die Begeg­nung mit dem Ande­ren zu Wort kom­men möch­te“ (§ 51). Das ist wie­der­um ein Ver­stoß gegen das Erste Gebot und die Vernunft!

Es wirkt wie­der­um wie ein aus Form­grün­den gemach­tes Zuge­ständ­nis an den Glau­ben, wenn gesagt wird:

„Es geht in Wahr­heit nicht dar­um, eine gro­ße Welt­re­li­gi­on zu grün­den, in der alle Glau­bens­rich­tun­gen nivel­liert wer­den. Die­se Mög­lich­keit muss aus Respekt vor sich selbst und vor ande­ren aus­ge­schlos­sen wer­den“ (§ 53).

Im näch­sten Satz heißt es dann aber: „Es geht viel­mehr dar­um, eine geschwi­ster­li­che Gesell­schaft auf­zu­bau­en, die fähig ist, Unter­schie­de zu akzeptieren.“

Mit Ver­laub, aber eine „geschwi­ster­li­che Gesell­schaft“, die die „Unter­schie­de akzep­tiert“, ist in der Pra­xis ohne­hin das­sel­be wie eine Welt­ein­heits­re­li­gi­on. Und die­se wird offen­bar von der Kaba­le im Vati­kan tat­säch­lich anvisiert.

Die Autoren rufen dazu auf, daß die Chri­sten­heit ihren Auf­trag und die Ver­tei­di­gung ihrer legi­ti­men Inter­es­sen auf­gibt. Wie schon unter Papst Fran­zis­kus wird der „Pro­se­ly­tis­mus“ (von Papst Fran­zis­kus als „kolos­sa­le Dumm­heit“, una solen­ne scioc­chez­za, gebrand­markt) ver­ur­teilt. Damit wer­den die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums, die Bekeh­rung und Ret­tung von See­len und die „Erobe­rung des Gebie­tes der Ungläu­bi­gen“ (wie es Igna­ti­us im Exer­zi­ti­en­buch dem Exer­zit­an­ten vor­legt) delegitimiert.

Dann folg­te ein wei­te­rer Wort­schwall über die „krea­ti­ve Dyna­mik, die es ver­steht, Viel­falt in Soli­da­ri­tät zu ver­wan­deln“ (?!) und eine Hoch­prei­sung der „klas­si­schen reli­giö­sen Tex­te“ der (fal­schen) Religionen (!).

Nost­rae aet­a­te sei ein „mutige[r] Text gewe­sen und die Kir­che sei „zu einem muti­gen Weg des auf­rich­ti­gen Dia­logs, der respekt­vol­len Begeg­nung und der geschwi­ster­li­chen Zusam­men­ar­beit über­ge­gan­gen“ (§ 55)

Nun, wir sehen, wohin das geführt hat. –

Daß die Note in einer „okkul­ten“ Tra­di­ti­on inner­halb des kirch­li­chen Appa­rats steht, erken­nen wir an einem dis­kre­ten Hin­weis (name drop­ping) auf eine Schlüs­sel­en­zy­kli­ka von Papst Roncalli:

Pacem in terris von Johannes XXIII.: eine „okkulte“ Enzyklika

Die Autoren der Note schreiben:

„Die respekt­vol­le Begeg­nung mit dem Ande­ren ist unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung dafür, das Evan­ge­li­um in sei­ner Fül­le zu leben. Weni­ge Mona­te spä­ter rief der Papst in der Enzy­kli­ka Pacem in Ter­ris alle dazu auf, die Wür­de jedes Ein­zel­nen zu achten.“

Pacem in ter­ris (1963) ist eine „okkul­te“ Enzy­kli­ka. Hier sind zwi­schen vie­len tra­di­tio­nel­len Lehr­aus­sa­gen im Sub­text, also dem nicht ganz wach­sa­men Auge fast ver­bor­gen, gleich­sam gno­sti­sche Ele­men­te unter­ge­bracht: Die Argu­men­ta­ti­on ist, daß der Kom­mu­nis­mus zwar irrig ist, aber die Kom­mu­ni­sten qua Men­schen eine unfaß­ba­re Men­schen­wür­de genie­ßen. Damit wür­de jede Ver­ur­tei­lung des Kom­mu­nis­mus natür­lich unwirk­sam.1

In § 83 von Pacem in ter­ris heißt es:

„Denn der dem Irr­tum Ver­fal­le­ne hört nicht auf, Mensch zu sein, und ver­liert nie sei­ne per­sön­li­che Wür­de, die doch immer geach­tet wer­den muß.“

Die maß­lo­se Über­schät­zung der Men­schen­wür­de, unab­hän­gig von Gesin­nung und Taten des Betref­fen­den, ist nichts weni­ger als luzi­fe­risch. Die­se Men­ta­li­tät mensch­li­cher Selbst­über­he­bung ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten in die Mit­te der Kir­che gerückt („Dignita­tis hum­a­nae“, „Digni­tas infi­ni­ta“, „Magni­fi­ca huma­ni­tas“). Das ist gefähr­lich. Die Men­schen­wür­de wird hier auf Kosten der Wahr­heit und auf Kosten der Ver­pflich­tung, Gott zu gehor­chen, kraß überzeichnet. –

Was beson­ders an der Note auf­fällt, ist des­sen judai­sie­ren­de Tendenz:

Der Glaubensabfall und der jüdische Einfluß

Die Lek­tü­re der Para­gra­phen 4 bis 15 läßt die Fra­ge auf­kom­men: Stammt die­ser Teil der Note vom Jüdi­schen Welt­kon­greß oder der Anti-Defa­ma­ti­on League?

Inter­es­san­ter­wei­se wird in § 4 auf den Kon­takt des „Juden Jules Isaac“ mit Kar­di­nal Augu­stin Bea, Jesu­it und vor­mals Beicht­va­ter von Papst Pius XII., auf­merk­sam gemacht. Die­se dis­kre­ten Tref­fen (man könn­te auch pas­send von „Mau­sche­lei“ spre­chen) führ­ten zu den pro­ble­ma­ti­schen Aus­sa­gen zum Juden­tum in Nost­ra aet­a­te (die aller­dings, streng genom­men, ver­hält­nis­mä­ßig „kon­ser­va­tiv“ und kei­nes­wegs so revo­lu­tio­när im Sin­ne des Juden­tums sind, wie es wohl inten­diert war) und zu den Ände­run­gen der Kar­frei­tags­lit­ur­gie (die tat­säch­lich revo­lu­tio­när sind, vor allem die gera­de­zu lügen­haf­te For­mu­lie­rung der Für­bit­te für die Juden im Novus Ordo Mis­sae).

Die Autoren glau­ben offen­bar nicht, daß Jesus Chri­stus die letzt­gül­ti­ge Offen­ba­rung an alle Men­schen, also auch an die Juden ist, und sie glau­ben offen­bar eben­falls nicht, daß, wie der Apo­stel sagt, ein „Schlei­er“ auf dem Her­zen der Juden liegt, wenn sie das Alte Testa­ment lesen (2 Kor 3, 4–6):

„Sowohl das heu­ti­ge Juden­tum als auch das zeit­ge­nös­si­sche Chri­sten­tum beru­hen auf dem im Ersten Testa­ment [sic!] offen­bar­ten Wort und haben ihre Wur­zeln im Juden­tum der Zeit Jesu. Letz­te­res wan­del­te sich seit der Zer­stö­rung des Tem­pels in Jeru­sa­lem im Jahr 70 n. Chr. im Lau­fe der Zeit ins­be­son­de­re zum rab­bi­ni­schen Juden­tum, wäh­rend sich das Urchri­sten­tum aus der von Jesus und sei­nen Jün­gern [!] ins Leben geru­fe­nen Bewe­gung her­aus ent­wickel­te und sich im Lau­fe der Zeit von den ver­schie­de­nen For­men des Juden­tums abgrenz­te [sic!]. Mit dem Juden Jesus über­nah­men die ersten Chri­sten tat­säch­lich Grund­sät­ze des dama­li­gen Juden­tums [sic!] und pass­ten sie der neu­en nach­öster­li­chen Situa­ti­on an“ (§ 10).

Das ist so for­mu­liert, als wäre alles bedeu­tungs­nack­te Fak­ti­zi­tät und rein zufäl­lig so gekom­men. Von gött­li­cher Vor­se­hung kei­ne Rede, die Gottsohn­schaft Jesu wird impli­zit geleug­net. Kann man sich vor­stel­len, daß die Apo­stel so gere­det hätten?

In § 11 steht doch tatsächlich:

„Was aber Jesus an jüdi­schem Erbe in das Chri­sten­tum ein­ge­bracht hat, ist Teil der theo­lo­gi­schen Struk­tur des Chri­sten­tums selbst.“

Das ist kraß irre­füh­rend for­mu­liert. Was Jesus „an jüdi­schem Erbe (…) ein­ge­bracht hat“, ist nicht „jüdi­sches Erbe“, son­dern Offen­ba­rung Got­tes – die von den Juden zur Zeit Jesu abge­lehnt wur­de (und schon zur Zeit der Pro­phe­ten). Und „jüdi­sches Erbe“, das nicht auf der Offen­ba­rung beruht, wird von Jesus ver­wor­fen (Mt 15, 1 – 14).

In § 15 schreibt die Note, daß trotz man­cher Pro­ble­me auf­grund des Nah­ost­kon­flikts „die Säu­len des Dia­logs unter Gläu­bi­gen, die in sech­zig Jah­ren gemein­sa­mer Arbeit errich­tet wur­den, sta­bil geblie­ben“ sei­en. Mit ande­ren Wor­ten: Die Rea­li­tät, also die zuneh­men­den Über­grif­fe auf Prie­ster und Ordens­leu­te in Jeru­sa­lem, die Ter­ro­ri­sie­rung der christ­li­chen Stadt Tay­beh im West­jor­dan­land durch „Sied­ler“ und der Beschuß der katho­li­schen Kir­che in Gaza durch die israe­li­sche Besat­zungs­macht, beein­träch­tigt den wun­der­vol­len „Dia­log“ in kei­ner Weise.

Resümee: Abfall von der Wahrheit durch den Inhaber des Petrusamtes

Inter­es­san­ter­wei­se lehrt der Welt­ka­te­chis­mus, daß die Kir­che vor der Wie­der­kunft Chri­sti eine „letz­te Prü­fung“ durch­ma­chen müs­se, „die den Glau­ben vie­ler erschüt­tern wird“ (§ 675). Dann heißt es einer für die „nach­kon­zi­lia­re“ Men­ta­li­tät unüb­li­chen Deutlichkeit:

„Ein reli­giö­ser Lügen­wahn bringt den Men­schen um den Preis des Abfalls von der Wahr­heit eine Schein­lö­sung ihrer Probleme.“

Die Betrei­ber die­ses Lügen­wahns sind der­zeit Papst und Kar­di­nä­le selbst. Seit den Tagen von Papst Johan­nes XXIII. schob sich gleich­sam eine rein welt­li­che Frie­dens­vi­si­on vor den wah­ren Glauben.

Das Schib­bo­leth der welt­li­chen Frie­dens­vi­si­on ist für die Autoren der Note die viel­be­schwo­re­ne „Sho­ah“:

„Die Sho­ah möge sowohl die alten als auch die jun­gen Gene­ra­tio­nen leh­ren, daß nur der müh­sa­me Weg des Auf­ein­an­der-Hörens, des Dia­logs, der Lie­be und der Ver­ge­bung die Völ­ker, Kul­tu­ren und Reli­gio­nen der Welt zum gewünsch­ten Ziel der Brü­der­lich­keit und des Frie­dens in Wahr­heit führt“ (§ 14, Her­vor­he­bung WS).

Die­se „Sho­ah“ hat also qua­si-heils­ge­schicht­li­che Rele­vanz, offen­bar auf Kosten von Golgotha.

Daß das Ziel der Frie­de „in Wahr­heit“ wäre, kann natür­lich unmög­lich wahr sein, weil nur Jesus Chri­stus der Frie­dens­fürst und Unse­re Lie­be Frau Köni­gin des Frie­dens ist.

So weit hat sich also das Petrus­amt der­zeit vom Glau­ben ent­fernt. Aber es ist nicht ganz neu:

„Und wenn du dich wie­der bekehrt hast, dann stär­ke dei­ne Brü­der!“ (Lk 22, 32b)

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer, wur­de die­ser Tage von einem (eigent­lich „kon­ser­va­ti­ven“) Prie­ster wegen der Bei­trä­ge auf die­ser Sei­te, beson­ders der Serie über die Hei­lig­spre­chun­gen mas­siv gescholten.

Bild:


1 Johan­nes XXIII. befür­wor­tet in der Enzy­kli­ka eine Welt­au­to­ri­tät (!), streng frei­wil­lig natür­lich. Eine Neue­rung liegt in einer star­ken und ten­den­zi­ell uto­pi­schen und über­trie­be­nen Beto­nung der Men­schen­wür­de. Was das regel­recht Revo­lu­tio­nä­re ist, ist der Opti­mis­mus der Zusam­men­ar­beit mit Kom­mu­ni­sten. Damit kommt ein Ele­ment des Unwirk­li­chen und Uto­pi­schen in das Lehramt.

Dann führt der Papst eine Phra­se ein, die heu­te pro­pa­gan­di­stisch all­ge­gen­wär­tig ist: Die Fra­gen und Pro­ble­me sind so weit ver­floch­ten und dring­lich, mit­hin zu schwie­rig, „als daß sie von den Len­kern der Ein­zel­staa­ten glück­lich gelöst wer­den könnten.“

Ganz am Schluß heißt es dann:

„87. Allen Men­schen guten Wil­lens ist hier eine gro­ße Auf­ga­be gestellt: unter dem Leit­stern der Wahr­heit, der Gerech­tig­keit, der Lie­be und der Frei­heit in der mensch­li­chen Gesell­schaft neue Wege der gegen­sei­ti­gen Bezie­hun­gen zu finden.“

War Papst Johan­nes nur naiv opti­mi­stisch (blind­ly uto­pian wie Pater Inno­cen­zo Colo­sio OP, ursprüng­lich ein Freund des Pap­stes sag­te)? Nach­dem der Papst neben sei­ner Aus­bil­dung als Kir­chen­hi­sto­ri­ker jahr­zehn­te­lang Kar­rie­re­di­plo­mat war, und somit über die Schat­ten­welt der Hin­ter­grund­mäch­te infor­miert war, wird man wohl anneh­men müs­sen, daß er sein Lehr­amt und sein Kon­zil in den Dienst einer irdi­schen Uto­pie stel­len woll­te. Allei­ne der Titel „Pacem in ter­ris“ deu­tet dar­auf hin.

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